gedenken? feiern?

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gedenken? feiern?

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Mai 2018, 20:05

so weit ich weiß wird nur in NL WK II auf zwei weisen »gefeiert«.
am 5.5.1945 kapitulierten die deutschen in NW-europa. NL gehörte auch dazu, und so können wir sagen »am 5.5. wurde NL befreit vom nazijoch«. darum ist der 5. mai in meinem land ein festtag.
am 4.5. gedenken wir aber die damals gestorben einwöhner. die juden, die sinti, die roma, die jehovazeugen,... und natürlich auch die gefallenen soldaten, die menschen die widerstand leisteten und dabei umkamen. die ermordeten geiseln, usw. usw.
zwei minuten (von 20.00-20.02) schweigt alles; fahren bussen usw nicht.

wir können sagen »viele haben ihre kräfte, ja ihr leben gegeben damit wir wieder freiheit haben«. was muß man aber bei euch sagen?
sie sind opfer von teufeln gewesen. ausländer erlösten euch jedenfalls von diesen schreckensherrschern. habt ihr aber freiheit bekommen? ich weiß es nicht. materiell, ja. aber geistig?
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 4. Mai 2018, 20:25

In Deutschland, wir feiern den 8. Mai als Befreiung vom Nationalsozialismus und den 3. Oktober, weil die Opfer zwar tot sind aber die Nation wieder zusammengeklebt werden konnte.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Mai 2018, 21:39

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(04 May 2018, 21:25)

In Deutschland, wir feiern den 8. Mai als Befreiung vom Nationalsozialismus und den 3. Oktober, weil die Opfer zwar tot sind aber die Nation wieder zusammengeklebt werden konnte.

die gefallenen werden also eigentlich nicht geehrt. das bedauere ich.

unzählig viel soldaten, an sich nicht nazi, sind gefallen für ihr vaterland. nicht für den gröfaz, noch herr großmaul, oder den dicken. und durch die wirrren des krieges ist auch eine unmenge zivilisten gestorben. daneben gibt/gab es zig verkrüppelten, (halb)waisen, usw, usf.

diese menschen sind allesamt kriegsopfer und verdienen n.m.m. eine eigene ehrung und erinnerung.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 5. Mai 2018, 05:30

Nomen Nescio hat geschrieben:(04 May 2018, 22:39)

die gefallenen werden also eigentlich nicht geehrt. das bedauere ich.

unzählig viel soldaten, an sich nicht nazi, sind gefallen für ihr vaterland. nicht für den gröfaz, noch herr großmaul, oder den dicken. und durch die wirrren des krieges ist auch eine unmenge zivilisten gestorben. daneben gibt/gab es zig verkrüppelten, (halb)waisen, usw, usf.

diese menschen sind allesamt kriegsopfer und verdienen n.m.m. eine eigene ehrung und erinnerung.

Dazu gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Es gab früher von Betroffenen und Angehörigen viele Gedenkveranstaltungen. Ich habe oft in einem KZ und in einer anderen Stadt an einem Gedenkstein der Opfer des Nazi gedacht, aber die Gruppen wurden immer kleiner.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 5. Mai 2018, 12:09

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(05 May 2018, 06:30)

Dazu gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Es gab früher von Betroffenen und Angehörigen viele Gedenkveranstaltungen. Ich habe oft in einem KZ und in einer anderen Stadt an einem Gedenkstein der Opfer des Nazi gedacht, aber die Gruppen wurden immer kleiner.

eigentlich verstehe ich nicht daß die AfD dies nicht ausbeutet.

man merkt auch bei uns, daß die geschichte des WK II immer mehr vergangenheit wird. und gerade darum sollen wir darauf hämmern daß man nicht umsonst friede bekommt, sondern daß sie opfer kostet. materiell, aber auch körperlich.
darum finde ich es ein gutes zeichen daß die heutige jugend (in NL) mehr wissen will. die enkelkinder können nicht verstehen daß man einmal in der woche am abend keinen strom hatte. daß es rationierung gab und marken benötigt waren. wie gut erinnere ich mich noch 1948. als meine ältere schwester und ich eine winterjacke brauchten. marken :?: , ho, die gab es nicht. kurzentschlossen machte meine mutter von zwei wolldecken winterjacken. die meiner schwester war grau. die von mir hatte eine tarnfärbung die gut ins klo paßte.
sie fressen solche geschichten, besonders weil ich ja auch in indonesien einen bürgerkrieg erlebte und wir öfter beschossen wurden.
aber ja, meist wurde über die schreckliche zeiten bei uns nicht geschwiegen. beginnend 1932, als meine großeltern einen schiffsbrand erlebten, wobei ± 100 fahrgäste umkamen.

spielt bei euch vllt die gedanke, daß man am besten jene geschichte-epoche ganz verdringen kann? ich fürchte daß das vergebliche mühe ist.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 5. Mai 2018, 12:22

Nomen Nescio hat geschrieben:(05 May 2018, 13:09)

eigentlich verstehe ich nicht daß die AfD dies nicht ausbeutet.

Die AfD ist eine Partei von Leuten, die den Holocaust zwar peinlich finden, aber eine andere Lehre daraus ziehen als wir. Nützlich, den Arabern Antisemitismus vorzuhalten. Ansonsten etwas, woran man nicht erinnert werden will und das man weit von sich weist. Dabei stehen viele AfD-Mitglieder dem Antisemitismus indifferent bis bejahend gegenüber, solange man sie damit nicht in Verbindung bringt. Die AfD tut also gut daran, hier nicht punkten zu wollen - auch, weil die meisten Funktionäre von Judentum, Gewerkschaft und Antifaschismus sie mindestens verdächtig finden. Übrigens auch die Kirchen, nicht nur Herr Petry. Dass die Nazizeit und der Krieg immer mehr Geschichte werden, ist normal. Die letzten Zeitzeugen der Täter- und der Erlebnisgeneration sterben weg, selbst die Enkel sind nicht mehr jung. Bei den letzten KZ-Prozessen mit halbtoten Greisen auf der Anklagebank fragten sich nicht wenige, was das noch solle - öffentlich sagen wollten das aber die wenigsten. Es bietet eine Xhance, einen neuen Blick auf die Fragen zu finden, es bietet auch Gefahren.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon busse » Di 8. Mai 2018, 07:26

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(05 May 2018, 13:22)

Die AfD ist eine Partei von Leuten, die den Holocaust zwar peinlich finden, aber eine andere Lehre daraus ziehen als wir. Nützlich, den Arabern Antisemitismus vorzuhalten. Ansonsten etwas, woran man nicht erinnert werden will und das man weit von sich weist. Dabei stehen viele AfD-Mitglieder dem Antisemitismus indifferent bis bejahend gegenüber, solange man sie damit nicht in Verbindung bringt. Die AfD tut also gut daran, hier nicht punkten zu wollen - auch, weil die meisten Funktionäre von Judentum, Gewerkschaft und Antifaschismus sie mindestens verdächtig finden. Übrigens auch die Kirchen, nicht nur Herr Petry. Dass die Nazizeit und der Krieg immer mehr Geschichte werden, ist normal. Die letzten Zeitzeugen der Täter- und der Erlebnisgeneration sterben weg, selbst die Enkel sind nicht mehr jung. Bei den letzten KZ-Prozessen mit halbtoten Greisen auf der Anklagebank fragten sich nicht wenige, was das noch solle - öffentlich sagen wollten das aber die wenigsten. Es bietet eine Xhance, einen neuen Blick auf die Fragen zu finden, es bietet auch Gefahren.



Ach ja ? Welche Lehre ziehen sie daraus ? Man weist es von sich? Habe ich nicht bemerkt bei der Feierstunde zum Holcaustgedenktag. Bestimmt kannst Du mir eine Quelle benennen die den Antisemitismus der AfD Mitglieder belegt die ja so bejahend sein sollen, Herr Gideon vielleicht ? Der große Unterschied ist der das die AfD nicht möchte das der Naziterror nicht bis zum Sanktnimmerleinstag als Druckmittel gegen Deutschland instrumentalisiert wird. Eigentlich verständlich und ganz einfach.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Alexyessin » Di 8. Mai 2018, 07:43

busse hat geschrieben:(08 May 2018, 08:26)

Ach ja ? Welche Lehre ziehen sie daraus ? Man weist es von sich? Habe ich nicht bemerkt bei der Feierstunde zum Holcaustgedenktag. Bestimmt kannst Du mir eine Quelle benennen die den Antisemitismus der AfD Mitglieder belegt die ja so bejahend sein sollen, Herr Gideon vielleicht ? Der große Unterschied ist der das die AfD nicht möchte das der Naziterror nicht bis zum Sanktnimmerleinstag als Druckmittel gegen Deutschland instrumentalisiert wird. Eigentlich verständlich und ganz einfach.
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Es gibt kein Druckmittel. Da musst du was falsch verstanden haben.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Senexx » Di 8. Mai 2018, 08:11

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(04 May 2018, 21:25)

In Deutschland, wir feiern den 8. Mai als Befreiung vom Nationalsozialismus und den 3. Oktober, weil die Opfer zwar tot sind aber die Nation wieder zusammengeklebt werden konnte.

Am 8. Mai feiern wir nicht.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Alexyessin » Di 8. Mai 2018, 08:14

Senexx hat geschrieben:(08 May 2018, 09:11)

Am 8. Mai feiern wir nicht.


Wer ist denn wir?
Ich persönliche feier den Tag der Befreiung natürlich als solches. Nicht gerade mit Feuerwerk und Blasmusik, aber ich freue mich darüber, das an diesem Tag der Krieg vorbei und die in Deutschland lebenden Menschen vom Nazi-Terror bereit wurden. Und das feier ich.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon H2O » Di 8. Mai 2018, 08:17

Mir macht der Sinn der Überschrift schon einige Sorgen. Ich kann gut verstehen, daß der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der verbrecherischen Nazi-Herrschaft von unseren Nachbarn als Befreiung aus brutaler Herrschaft und zugleich als Gedenktag für ihre Opfer dieser verbrecherischen Herrschaft gewürdigt wird.

Aber daß wir Deutschen diesen Tag nun freudig als Befreiung vom Nazi-Joch feiern sollen, das erscheint mir denn doch zu viel des Abstands zum eigenen, selbst verschuldeten Schicksal unseres Volkes. Wir Deutschen mußten einen hohen Preis für die Verbrechen zahlen, die in unserem Namen verübt wurden. Eine Gedenkstunde im Bundestag wird dieser Schuld zum heutigen Datum sicher eher gerecht als die geheuchelte Befreiungsfeier zur "Befreiung" unter Verlust von 1/3 unseres Landes und dem Tod so vieler Heimatvertriebener nach dieser "Befreiung". Aus meiner Sicht war auch das ein Kriegsverbrechen, für das die Siegermächte nie zur Verantwortung gezogen wurden. Mit "Wer Wind sät, der wird Sturm ernten!" läßt sich diese Erinnerung nicht in ein freudiges Ereignis umrubbeln!
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 8. Mai 2018, 08:27

Alexyessin hat geschrieben:(08 May 2018, 09:14)

Wer ist denn wir?
Ich persönliche feier den Tag der Befreiung natürlich als solches. Nicht gerade mit Feuerwerk und Blasmusik, aber ich freue mich darüber, das an diesem Tag der Krieg vorbei und die in Deutschland lebenden Menschen vom Nazi-Terror bereit wurden. Und das feier ich.

Viele begehen diesen Tag, es gibt auch Veranstaltungen. Die einen freudig, manche auch etwas trotzig-aggressiv, manche nachdenklich, manche Ältere auch mehr aus dem Blickwinkel des Besiegtwordenseins.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Alexyessin » Di 8. Mai 2018, 08:28

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(08 May 2018, 09:27)

Viele begehen diesen Tag, es gibt auch Veranstaltungen. Die einen freudig, manche auch etwas trotzig-aggressiv, manche nachdenklich, manche Ältere auch mehr aus dem Blickwinkel des Besiegtwordenseins.


Deswegen schreibe ich ja persönlich von ich. Meine Mutter, selbst aus Budweis vertrieben, feiert das auf ihre Weise " ist schon gut, das wir den Krieg verloren haben und die Nazis endlich weg waren ". Und das obwohl mein Opa selbst einer war.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Senexx » Di 8. Mai 2018, 09:44

Alexyessin hat geschrieben:(08 May 2018, 09:14)

Wer ist denn wir?
Ich persönliche feier den Tag der Befreiung natürlich als solches. Nicht gerade mit Feuerwerk und Blasmusik, aber ich freue mich darüber, das an diesem Tag der Krieg vorbei und die in Deutschland lebenden Menschen vom Nazi-Terror bereit wurden. Und das feier ich.

Ihre privaten Marotten seien Ihnen unbenommen.

Aber der 8. Mai ist bei uns weder Feier- noch Gedenktag.
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Alexyessin » Di 8. Mai 2018, 09:50

Senexx hat geschrieben:(08 May 2018, 10:44)

Ihre privaten Marotten seien Ihnen unbenommen.

Aber der 8. Mai ist bei uns weder Feier- noch Gedenktag.


Gesetzlich natürlich nicht. Da hast du Recht.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Europa2050 » Di 8. Mai 2018, 10:02

Alexyessin hat geschrieben:(08 May 2018, 09:14)

Wer ist denn wir?
Ich persönliche feier den Tag der Befreiung natürlich als solches. Nicht gerade mit Feuerwerk und Blasmusik, aber ich freue mich darüber, das an diesem Tag der Krieg vorbei und die in Deutschland lebenden Menschen vom Nazi-Terror bereit wurden. Und das feier ich.


Da bin ich bei dir.
Hab das Thema mit meinem kleinen Sohn heute beim Frühstück angesprochen.
Natürlich war der Preis für die Kriegsgeneration hoch (hab auch vertriebene Deutsch-Böhmer in der Ahnengalerie).
Aber spätestens für meine und insbesondere seine Geneneration war die Niederlage ausschließlich ein Segen.

Und mein besonderer Dank gilt (bei allem sonstigen Unverständnis) an diesem Tag den Briten und ihrer Standhaftigkeit.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 8. Mai 2018, 10:37

Europa2050 hat geschrieben:(08 May 2018, 11:02)

Da bin ich bei dir.
Hab das Thema mit meinem kleinen Sohn heute beim Frühstück angesprochen.
Natürlich war der Preis für die Kriegsgeneration hoch (hab auch vertriebene Deutsch-Böhmer in der Ahnengalerie).
Aber spätestens für meine und insbesondere seine Geneneration war die Niederlage ausschließlich ein Segen.

Und mein besonderer Dank gilt (bei allem sonstigen Unverständnis) an diesem Tag den Briten und ihrer Standhaftigkeit.

Man sollte sich auch keine Illusionen machen: Was besseres als diesen Krieg zu beenden und das ganze Nazipack gründlich zu entmachten war für die Deutschen nicht drin. Dass sie in ihrer großen Mehrheit so wenig dazu beitrugen, aus den verschiedensten Gründen teils stillschweigend, teils begeistert bis zum Schluß die offenkundigsten Verbrechen wissend mittrugen, hat dazu beigetragen, dass der Krieg und Hitler so viele Opfer in Deutschland und darüber hinaus erforderte und dass die Nachkriegsordnung für viele persönlich bittere Einschnitte bereithielt.

Man stelle sich mal vor, Hitler hätte 1941-1943 ein Unentschieden erreicht, hätte sich mit USA und England irgendwie arrangiert und einer Rest-Sowjetunion einen unvorteilhaften schwebenden Waffenstillstand aufgenötigt. Diese Nazityrannei, der Mord am eigenen Volk, die Vernichtung von Kultur und Menschlichkeit hätte auf Jahrzehnte unglaubliche weitere Opfer gefordert und hätte auch alles Deutsche moralisch und ideell in einer Weise verwüstet, wie man es sich nicht vorstellen kann. Dieser Tag ist für Deutschland tatsächlich eine Befreiung, eine unglaubliche Erleichterung.

Sich aus falscher Solidarität mit den Leistungen und Leiden der Soldaten und der Heimatfront in Trauer zu reden, ist aus meiner Sicht keine sehr gute Weise, 2018 mit diesem Datum umzugehen.

Wir dürfen auch nicht vergessen, wie viel besser es für Japan gewesen wäre, wenn der 8. Mai auch ihr Jubeltag hätte werden dürfen.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Der Neandertaler » Mi 9. Mai 2018, 10:50

Hallo mein Freund.
Nomen Nescio hat geschrieben:die gefallenen werden also eigentlich nicht geehrt. das bedauere ich.
Das ist so nicht richtig! Schließlich begehen wir den Volkstrauertag.
Der Volkstrauertag wurde 1919 zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Er wurde seitens der nationalsozialistischen Machthaber als "Heldengedenktag" mißbraucht und dessen Träger bis 1945 die Wehrmacht und die NSDAP waren. Die Richtlinien über Inhalt und Ausführung erließ der Reichspropagandaminister. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag 1950 erneut begangen. Seitdem ist der Termin im Kirchenjahr der vorletzte Sonntag (evangelisch) bzw. der 33. Sonntag im Jahreskreis (katholisch). Der Tag ist durch Landesgesetze geschützt. Mit zunehmendem Abstand vom Krieg wird der Volkstrauertag als einen Tag der Trauer, der Mahnung zu Versöhnung, der Verständigung und für Frieden verstanden.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Nomen Nescio » Mi 9. Mai 2018, 10:55

Der Neandertaler hat geschrieben:(09 May 2018, 11:50)

Hallo mein Freund.Das ist so nicht richtig! Schließlich begehen wir den Volkstrauertag.
Der Volkstrauertag wurde 1919 zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Er wurde seitens der nationalsozialistischen Machthaber als "Heldengedenktag" mißbraucht und dessen Träger bis 1945 die Wehrmacht und die NSDAP waren. Die Richtlinien über Inhalt und Ausführung erließ der Reichspropagandaminister. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Volkstrauertag 1950 erneut begangen. Seitdem ist der Termin im Kirchenjahr der vorletzte Sonntag (evangelisch) bzw. der 33. Sonntag im Jahreskreis (katholisch). Der Tag ist durch Landesgesetze geschützt. Mit zunehmendem Abstand vom Krieg wird der Volkstrauertag als einen Tag der Trauer, der Mahnung zu Versöhnung, der Verständigung und für Frieden verstanden.

dann ist das datum also variabel.
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Re: gedenken? feiern?

Beitragvon Undercover04 » Fr 6. Jul 2018, 19:50

Nomen Nescio hat geschrieben:(09 May 2018, 11:55)

dann ist das datum also variabel.


Ja ist es. Ab er es geht doch darum DASS ein Gedenken stattfindet, nicht WANN

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