Grundsatzdiskussion Islam

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keinproblem
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon keinproblem » Di 20. Mär 2018, 17:58

Ich hege berechtigte zweifel ob es einen aufgeklärten Islam geben kann.
Alleine die männliche Dominanz in den Islamischen Staaten dürfte ein zu grosses hindernis darstellen.


Ich finde es wichtig hier eine ganz klare Trennlinie zwischen der Religion und jenen zu ziehen, die sich zu ihr angehörig fühlen. Etwa nach dem Prinzip, dass man die gecrashte Boeing nicht danach beurteilt was der Pilot verbockt hat. Darüber, dass die muslimische (nicht islamische) Welt zZ deutlich in der Entwicklung (vor allem gesellschaftlich) zurückliegt, sind wir uns wahrscheinlich einig. Das die Hauptverantwortlichen dafür die damaligen Pariser und Londoner waren, heute D.C.ler sind, tangiert das Thema denke ich nur peripher. Ich bin mir zwar nicht sicher was in dem Kontext Aufklärung bedeutet (christliches Vorbild?), aber kann ja sein dass damit eine Art Reformierung gemeint ist, was ich mit allem nötigen Respekt ablehnen würde.
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Adam Smith
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Adam Smith » Di 20. Mär 2018, 18:22

keinproblem hat geschrieben:(20 Mar 2018, 17:58)
Ich bin mir zwar nicht sicher was in dem Kontext Aufklärung bedeutet (christliches Vorbild?), aber kann ja sein dass damit eine Art Reformierung gemeint ist, was ich mit allem nötigen Respekt ablehnen würde.


Aufklärung = Religion ist Blödsinn
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keinproblem
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon keinproblem » Di 20. Mär 2018, 18:59

Aufklärung = Religion ist Blödsinn


Ja das wäre genau die Form von Aufklärung, die ich für unangebracht hielte. Besonders wenn man bedenkt, unter den Fittichen welches Glaubens das Konzept der experimentellen Wissenschaft, Unschuldsvermutung, des multikulturellen+multireligiösen Zusammenenlebens und einiges mehr entstanden ist. Der Islam stand im Gegensatz zu vielen historischen Kapiteln der Katholischen Kirche niemals der Wissenschaft und Aufklärung (wie ich sie verstehe) im Weg. Natürlich kann man sagen das war alles im Mittelalter und spielt heute keine Rolle mehr, doch würde man dann verkennen was der Auslöser für die europäische Aufklärung und damit einhergehende schrittweise Säkularisierung gewesen ist, und zwar dass man etliche Denker und der Wissenschaft verschriebene Geister wie Galileo bei lebendigem Leibe verbrannt hat, weil der Papst der Auffassung war, dass seine persönliche Autorität und damit auch Macht schwinden würde, wenn seine Unfehlbarkeit zunehmend in Frage gestellt wird.

Im Islam gibt es (bis auf vereinzelte Gruppen und Abspaltungen) auch keine Denkschule die der Auffassung ist, dass Mitmenschen eine absolute Unfehlbarkeit und nicht zu hinterfragende Autorität zusteht. Diese Unfehlbarkeit haben Muslime ausschließlich bei dem Koran und authentischen Überlieferungen Muhammads saws.

Das "muslimische Modell" was man heute sehr oft wahrnimmt, ist demnach eine Folge von (pauschal gesprochen) Säkularisierung/religiös-radikaler Staatsstrukturen (shoutout an UK und France), Pietätlosigkeit und Kapitalisierung (shoutout an Muslime) Nationalismus (UK France) und viele andere Punkte mehr, wobei mich die Schuldfrage von Nationen weniger interessiert als die "fortschrittliche" Ideologie die dahinter steckte.

Wie auch immer, am Islam scheint es ja nicht zu liegen, hat ja ziemlich lange ziemlich gut geklappt und Gründe weshalb es heutzutage nicht klappen kann müsste man mir wohl präsentieren, da ich mir keinen einleuchtenden aus den Fingern saugen könnte.
Über die Muslime mag ich hier lieber nicht reden, hat ja auch nur peripher etwas mit dem eigentlichen Thread Titel zutun und mit dem Glaubensgrundsätzen der Religion eigentlich gar nix am Hut.

Lg
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Adam Smith
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Adam Smith » Di 20. Mär 2018, 20:10

keinproblem hat geschrieben:(20 Mar 2018, 18:59)

Ja das wäre genau die Form von Aufklärung, die ich für unangebracht hielte. Besonders wenn man bedenkt, unter den Fittichen welches Glaubens das Konzept der experimentellen Wissenschaft, Unschuldsvermutung, des multikulturellen+multireligiösen Zusammenenlebens und einiges mehr entstanden ist. Der Islam stand im Gegensatz zu vielen historischen Kapiteln der Katholischen Kirche niemals der Wissenschaft und Aufklärung (wie ich sie verstehe) im Weg.


Doch.
Im Mittelalter war der Islam in der Wissenschaft führend. Dieses Wissen gelangte zu den Universitäten in Europa.

Zitat Wikipedia:

Die führende Stellung in den Wissenschaften ist noch heute an der arabischen Vorsilbe al- bei grundlegenden Fachbegriffen wie Algebra, Alchemie, Alkohol und Alkalien erkennbar. Die bekanntesten Wissenschaftler waren in folgenden Gebieten tätig

Zitat Ende.

Nach und nach gab es in Europa immer mehr Universitäten. Die Bedeutung wuchs und das Wissen nahm zu. Dann kam es zur Aufklärung und die Religion hatte verloren.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon relativ » Mi 21. Mär 2018, 08:34

Adam Smith hat geschrieben:(20 Mar 2018, 20:10)

Doch.
Im Mittelalter war der Islam in der Wissenschaft führend. Dieses Wissen gelangte zu den Universitäten in Europa.

Zitat Wikipedia:

Die führende Stellung in den Wissenschaften ist noch heute an der arabischen Vorsilbe al- bei grundlegenden Fachbegriffen wie Algebra, Alchemie, Alkohol und Alkalien erkennbar. Die bekanntesten Wissenschaftler waren in folgenden Gebieten tätig

Zitat Ende.

Nach und nach gab es in Europa immer mehr Universitäten. Die Bedeutung wuchs und das Wissen nahm zu. Dann kam es zur Aufklärung und die Religion hatte verloren.

Nein, nicht die Macht des Glaubens, oder der Religion hat verloren, sondern die Macht derer die glaubten diese zu repräsentieren und diese zum großen Teil schändlich ausgenutzt haben.
Der Mensch richtet sich auch heute noch, in schwierigen Situationen, vermehrt an den lieben Gott und/oder höhere Mächte.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Antonius » So 8. Apr 2018, 13:54

keinproblem hat geschrieben:(20 Mar 2018, 18:59)
(....)
Der Islam stand im Gegensatz zu vielen historischen Kapiteln der Katholischen Kirche niemals der Wissenschaft und Aufklärung (wie ich sie verstehe) im Weg. Natürlich kann man sagen das war alles im Mittelalter und spielt heute keine Rolle mehr, doch würde man dann verkennen was der Auslöser für die europäische Aufklärung und damit einhergehende schrittweise Säkularisierung gewesen ist, und zwar dass man etliche Denker und der Wissenschaft verschriebene Geister wie Galileo bei lebendigem Leibe verbrannt hat, weil der Papst der Auffassung war, dass seine persönliche Autorität und damit auch Macht schwinden würde, wenn seine Unfehlbarkeit zunehmend in Frage gestellt wird.(...)

Was Du über Galileo Galilei schreibst, bedarf der Berichtigung.
Galileo und die päpstliche Behörde waren zwar hinsichtlich einiger Fragen unterschiedlicher Meinung, die Horrormeldung von der Verbrennung Galileos ist jedoch schlicht falsch.
Es gab nur die recht milde Ermahnung von 1616, Galilei möge „von einer Verbreitung des kopernikanischen Weltbildes absehen“.

    1741 gewährte die römische Inquisition auf Bitte von Papst Benedikts XIV. das Imprimatur auf die erste Gesamtausgabe der Werke Galileis.
    Unter Papst Pius VII. wurde 1822 erstmals ein Imprimatur auf ein Buch erteilt, das das kopernikanische System als physikalische Realität behandelte.
    Der Autor, ein gewisser Settele, war Kanoniker. Für Nicht-Kleriker war das Interdikt wohl längst belanglos geworden.

    1979 beauftragte Papst Johannes Paul II. die Päpstliche Akademie der Wissenschaften, den berühmten Fall aufzuarbeiten.
    Am 31. Oktober 1992 wurde der Kommissionsbericht übergeben, und Johannes Paul II. hielt eine Rede,
    in der er seine Sicht des Verhältnisses von kirchlicher Lehre und Wissenschaft darstellte.
    Am 2. November 1992 wurde Galileo Galilei von der römisch-katholischen Kirche formal rehabilitiert.
    Er soll eine Statue im Vatikan erhalten. Im November 2008 distanzierte sich der Vatikan erneut von der Verurteilung Galileis durch die päpstliche Inquisition.
https://de.wikipedia.org/wiki/Galileo_G ... die_Kirche
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Antonius » So 8. Apr 2018, 14:04

Adam Smith hat geschrieben:(20 Mar 2018, 20:10)

Doch.
Im Mittelalter war der Islam in der Wissenschaft führend. Dieses Wissen gelangte zu den Universitäten in Europa.
(...)
Nach und nach gab es in Europa immer mehr Universitäten. Die Bedeutung wuchs und das Wissen nahm zu.
Dann kam es zur Aufklärung und die Religion hatte verloren.

Pardon, die Geschichte der Entwicklung der europäischen Bildungseinrichtungen ist tatsächlich etwas anders verlaufen.

Der Altphilologe Manfred Fuhrmann (1925-2005) (*) hat die grundlegende Entwicklung in eindrucksvoller Weise in einem Reclam-Bändchen beschrieben.
Die wichtigsten Gründe der Entwicklung des Europäischen Bildungskanons findet Fuhrmann in der christlichen und humanistischen Tradition,
wobei er die Ursprünge in der Bibel und der Antike sieht.

Wenn wir die Geschichte betrachten, stellen wir fest, daß der Wissenskanon der Antike im wesentlichen im Christlichen Abendland gerettet und erweitert wurde.
Bereits im 8. Jahrhundert wurde dieses von weitschauenden Herrschern in die Wege geleitet.
Ich erinnere an Carolus Magnus, der die Kloster- und Domschulen gegründet und gefördert hat, aus denen dann die Europäischen Universitäten hervorgingen.

(*)Manfred Fuhrmann: Bildung. Europas kulturelle Identität. Reclam, 2002.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Progressiver » Mo 9. Apr 2018, 20:06

relativ hat geschrieben:(21 Mar 2018, 08:34)

Nein, nicht die Macht des Glaubens, oder der Religion hat verloren, sondern die Macht derer die glaubten diese zu repräsentieren und diese zum großen Teil schändlich ausgenutzt haben.
Der Mensch richtet sich auch heute noch, in schwierigen Situationen, vermehrt an den lieben Gott und/oder höhere Mächte.


Nein. Und "der Mensch" schon gar nicht. Einige vielleicht, weil sie nicht an ihre eigenen Ressourcen glauben können, die in ihnen selbst stecken. Aber generell laufen die Leute hierzulande bei Problemen doch lieber zu Ärzten, Psychologen, zur Polizei oder zum Anwalt. Wenn man dagegen höhere Mächte -einen "lieben" Gott, Außerirdische oder "das Universum"- nötig hat, dann liegt derjenige oft schon im Sterbebett und hat ansonsten alle Hoffnung verloren. Und so schwierig sind die Situationen im Leben dann doch nicht, dass man sich gleich vom Schicksal brechen lässt. Ich habe ebenfalls schon zeitweise schlimme Zeiten hinter mir. Aber aufgeben ist doch erst ein Thema, wenn überhaupt nichts mehr geht.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Progressiver » Mo 9. Apr 2018, 20:15

Antonius hat geschrieben:(08 Apr 2018, 14:54)

Was Du über Galileo Galilei schreibst, bedarf der Berichtigung.
Galileo und die päpstliche Behörde waren zwar hinsichtlich einiger Fragen unterschiedlicher Meinung, die Horrormeldung von der Verbrennung Galileos ist jedoch schlicht falsch.
Es gab nur die recht milde Ermahnung von 1616, Galilei möge „von einer Verbreitung des kopernikanischen Weltbildes absehen“.

    1741 gewährte die römische Inquisition auf Bitte von Papst Benedikts XIV. das Imprimatur auf die erste Gesamtausgabe der Werke Galileis.
    Unter Papst Pius VII. wurde 1822 erstmals ein Imprimatur auf ein Buch erteilt, das das kopernikanische System als physikalische Realität behandelte.
    Der Autor, ein gewisser Settele, war Kanoniker. Für Nicht-Kleriker war das Interdikt wohl längst belanglos geworden.

    1979 beauftragte Papst Johannes Paul II. die Päpstliche Akademie der Wissenschaften, den berühmten Fall aufzuarbeiten.
    Am 31. Oktober 1992 wurde der Kommissionsbericht übergeben, und Johannes Paul II. hielt eine Rede,
    in der er seine Sicht des Verhältnisses von kirchlicher Lehre und Wissenschaft darstellte.
    Am 2. November 1992 wurde Galileo Galilei von der römisch-katholischen Kirche formal rehabilitiert.
    Er soll eine Statue im Vatikan erhalten. Im November 2008 distanzierte sich der Vatikan erneut von der Verurteilung Galileis durch die päpstliche Inquisition.
https://de.wikipedia.org/wiki/Galileo_G ... die_Kirche


Was ist mit Giordano Bruno?
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Troh.Klaus » Mo 9. Apr 2018, 20:22

Progressiver hat geschrieben:(09 Apr 2018, 21:15)
Was ist mit Giordano Bruno?

Landete 1600 wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen, wurde mittlerweile rehabilitiert, und war mit seinen Thesen für die damalige (kirchliche) Herrschaftsschicht ungleich gefährlicher als Galileo.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Progressiver » Mo 9. Apr 2018, 20:35

Antonius hat geschrieben:(08 Apr 2018, 15:04)

Pardon, die Geschichte der Entwicklung der europäischen Bildungseinrichtungen ist tatsächlich etwas anders verlaufen.

Der Altphilologe Manfred Fuhrmann (1925-2005) (*) hat die grundlegende Entwicklung in eindrucksvoller Weise in einem Reclam-Bändchen beschrieben.
Die wichtigsten Gründe der Entwicklung des Europäischen Bildungskanons findet Fuhrmann in der christlichen und humanistischen Tradition,
wobei er die Ursprünge in der Bibel und der Antike sieht.

Wenn wir die Geschichte betrachten, stellen wir fest, daß der Wissenskanon der Antike im wesentlichen im Christlichen Abendland gerettet und erweitert wurde.
Bereits im 8. Jahrhundert wurde dieses von weitschauenden Herrschern in die Wege geleitet.
Ich erinnere an Carolus Magnus, der die Kloster- und Domschulen gegründet und gefördert hat, aus denen dann die Europäischen Universitäten hervorgingen.

(*)Manfred Fuhrmann: Bildung. Europas kulturelle Identität. Reclam, 2002.


Die humanistische Tradition ist dagegen meines Wissens eine hellenistische Erfindung. Bevor das Christentum sie übernommen hat, wurden noch eifrig Ketzer verbrannt.

Der Wissenskanon der Antike im westlichen Europa hätte auch bewahrt werden können, indem die öffentlichen Schulen beibehalten worden wären. Man hätte die Bildungseinrichtungen nur weiter finanzieren müssen. Als aber das Christentum an die Macht kam, verfielen diese weltlichen Institutionen. Und man ließ sie mit Absicht verfallen! Stand denn nicht, wie in der Bibel angekündigt, das Reich Gottes vor der Tür? Wer brauchte denn dann noch weltliche Literatur zum Lesen und weitergeben?

Und da wir hier im Islamthread sind: In der arabischen Ländern wurde -genau so wie im byzantinischen Reich- viel mehr Wert darauf gelegt, dass das antike Wissen nicht verschüttet ging. Aber weiter entwickelt wurde es nicht wirklich, da das wirklich wichtige den engen Glaubenshorizont der orthodoxen christlichen Lehre bzw. des Islam gesprengt hätte.

Vielleicht spielten auch andere Entwicklungen eine Rolle. Byzanz wurde, nachdem es von den christlichen Kreuzfahrern geplündert wurde, danach nie mehr so stark wie vorher. Irgendwann ging es dann unter. Die Araber wiederum wurden Opfer der Mongolen, die nach deren Einfall in ihre Ländereien nie wieder zu alter Strahlkraft gefunden hatten. Zuletzt hatten die Osmanen ihre Chance, die sich den ganzen vorderen Orient zusammenerobert hatten. Aber auch diese gingen in Korruption und Misswirtschaft unter. Die Leuchttürme der Wissenschaft stehen folglich heutzutage im Westen. Bzw. in zunehmendem Maße in China, welches es schon lange nicht mehr nötig hat, die westlichen Produkte zu kopieren, sondern dabei ist, in neue Sphären vorzustoßen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Progressiver » Mo 9. Apr 2018, 20:57

keinproblem hat geschrieben:(20 Mar 2018, 18:59)

Ja das wäre genau die Form von Aufklärung, die ich für unangebracht hielte. Besonders wenn man bedenkt, unter den Fittichen welches Glaubens das Konzept der experimentellen Wissenschaft, Unschuldsvermutung, des multikulturellen+multireligiösen Zusammenenlebens und einiges mehr entstanden ist. Der Islam stand im Gegensatz zu vielen historischen Kapiteln der Katholischen Kirche niemals der Wissenschaft und Aufklärung (wie ich sie verstehe) im Weg. Natürlich kann man sagen das war alles im Mittelalter und spielt heute keine Rolle mehr, doch würde man dann verkennen was der Auslöser für die europäische Aufklärung und damit einhergehende schrittweise Säkularisierung gewesen ist, und zwar dass man etliche Denker und der Wissenschaft verschriebene Geister wie Galileo bei lebendigem Leibe verbrannt hat, weil der Papst der Auffassung war, dass seine persönliche Autorität und damit auch Macht schwinden würde, wenn seine Unfehlbarkeit zunehmend in Frage gestellt wird.

Im Islam gibt es (bis auf vereinzelte Gruppen und Abspaltungen) auch keine Denkschule die der Auffassung ist, dass Mitmenschen eine absolute Unfehlbarkeit und nicht zu hinterfragende Autorität zusteht. Diese Unfehlbarkeit haben Muslime ausschließlich bei dem Koran und authentischen Überlieferungen Muhammads saws.

Das "muslimische Modell" was man heute sehr oft wahrnimmt, ist demnach eine Folge von (pauschal gesprochen) Säkularisierung/religiös-radikaler Staatsstrukturen (shoutout an UK und France), Pietätlosigkeit und Kapitalisierung (shoutout an Muslime) Nationalismus (UK France) und viele andere Punkte mehr, wobei mich die Schuldfrage von Nationen weniger interessiert als die "fortschrittliche" Ideologie die dahinter steckte.

Wie auch immer, am Islam scheint es ja nicht zu liegen, hat ja ziemlich lange ziemlich gut geklappt und Gründe weshalb es heutzutage nicht klappen kann müsste man mir wohl präsentieren, da ich mir keinen einleuchtenden aus den Fingern saugen könnte.
Über die Muslime mag ich hier lieber nicht reden, hat ja auch nur peripher etwas mit dem eigentlichen Thread Titel zutun und mit dem Glaubensgrundsätzen der Religion eigentlich gar nix am Hut.

Lg
kp


Die Wissenschaft, wie wir sie heute kennen, hat vor nichts und niemandem mehr Respekt. Alles wird hinterfragt. Wäre die Wissenschaft noch unter den Fittichen der katholischen Kirche, dann wäre wohl ein Großteil der modernen Fachbücher auf dem Index. Fortschritt und geistige Freiheit wären in dieser Form niemals möglich gewesen! Gerade diese ist aber nötig, um in einer offenen Gesellschaft und einem demokratischen Staat zu leben. Religionen -egal welcher Art-, sei es der Islam oder aber irgendeine christliche Heilslehre, bieten dagegen nur geschlossene Weltbilder an. Im Katholizismus durften früher die Unfehlbarkeit des Papstes sowie das Gottesgnadentum nicht hinterfragt werden. Sie wurden hinweggefegt. Im Islam darf der Koran, Mohammed und die Existenz des dort beschriebenen Allahs nicht hinterfragt oder kritisiert werden. Wer es dennoch tun, wird wie im christlichen Mittelalter mit dem Tode bestraft. Dies ist nicht nur tödlich für geistig freie Menschen. Ohne diese Geistesfreiheit bleiben die islamischen Gesellschaften auch in ihrer Untertanenkultur stecken. Fortschritt ist Fehlanzeige! Gesellschaftlich sind viele islamsische Länder im Mittelalter stecken geblieben. Und auch die modernen Technologien -Computer, moderne Waffen, medizinische Geräte etc. etc. müssen alle importiert werden. So wird das aber nichts mit der Aufholjagd gegenüber dem Westen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon relativ » Mo 9. Apr 2018, 23:32

Progressiver hat geschrieben:(09 Apr 2018, 21:06)

Nein. Und "der Mensch" schon gar nicht. Einige vielleicht, weil sie nicht an ihre eigenen Ressourcen glauben können, die in ihnen selbst stecken. Aber generell laufen die Leute hierzulande bei Problemen doch lieber zu Ärzten, Psychologen, zur Polizei oder zum Anwalt. Wenn man dagegen höhere Mächte -einen "lieben" Gott, Außerirdische oder "das Universum"- nötig hat, dann liegt derjenige oft schon im Sterbebett und hat ansonsten alle Hoffnung verloren. Und so schwierig sind die Situationen im Leben dann doch nicht, dass man sich gleich vom Schicksal brechen lässt. Ich habe ebenfalls schon zeitweise schlimme Zeiten hinter mir. Aber aufgeben ist doch erst ein Thema, wenn überhaupt nichts mehr geht.

Glaube steht für dich also fürs Aufgeben, sagt alles über deine Einstellung zum Glauben an sich. Hoffentlich ruscht dir dabei nicht so Ausrufe wie" Um Gottes willen" oder "Oh mein Gott" herraus. :D
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon unity in diversity » Di 10. Apr 2018, 02:50

relativ hat geschrieben:(10 Apr 2018, 00:32)

Glaube steht für dich also fürs Aufgeben, sagt alles über deine Einstellung zum Glauben an sich. Hoffentlich ruscht dir dabei nicht so Ausrufe wie" Um Gottes willen" oder "Oh mein Gott" herraus. :D

Jemanden im Glauben lassen, macht man, wenn man nicht will, daß er es genauer weiß.
Die weltliche Variante geht so:
"Manchmal ist es besser, jemanden in dem Glauben zu lassen, er hätte gewonnen, bis er irgendwann merkt, dass er verloren hat."
So verschafft man sich einen zeitlichen Vorsprung.
Glauben hat demnach etwas von austrixender Übertölpelung, man bremst potenzielle Konkurrenz aus, indem man das Wissen nicht teilt.
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon relativ » Di 10. Apr 2018, 09:29

Progressiver hat geschrieben:(09 Apr 2018, 21:57)

Die Wissenschaft, wie wir sie heute kennen, hat vor nichts und niemandem mehr Respekt. Alles wird hinterfragt. Wäre die Wissenschaft noch unter den Fittichen der katholischen Kirche, dann wäre wohl ein Großteil der modernen Fachbücher auf dem Index. Fortschritt und geistige Freiheit wären in dieser Form niemals möglich gewesen! Gerade diese ist aber nötig, um in einer offenen Gesellschaft und einem demokratischen Staat zu leben. Religionen -egal welcher Art-, sei es der Islam oder aber irgendeine christliche Heilslehre, bieten dagegen nur geschlossene Weltbilder an. Im Katholizismus durften früher die Unfehlbarkeit des Papstes sowie das Gottesgnadentum nicht hinterfragt werden. Sie wurden hinweggefegt. Im Islam darf der Koran, Mohammed und die Existenz des dort beschriebenen Allahs nicht hinterfragt oder kritisiert werden. Wer es dennoch tun, wird wie im christlichen Mittelalter mit dem Tode bestraft. Dies ist nicht nur tödlich für geistig freie Menschen. Ohne diese Geistesfreiheit bleiben die islamischen Gesellschaften auch in ihrer Untertanenkultur stecken. Fortschritt ist Fehlanzeige! Gesellschaftlich sind viele islamsische Länder im Mittelalter stecken geblieben. Und auch die modernen Technologien -Computer, moderne Waffen, medizinische Geräte etc. etc. müssen alle importiert werden. So wird das aber nichts mit der Aufholjagd gegenüber dem Westen.

Nunja das Buch über die Wahrheit des Fortschritts und der ungehemmten Ausbeutung des Planten ist noch nicht zuende geschrieben. Mal schauen welche Generation das Ende des Buches noch miterlebt.
Was Religion und Wissenschaft angeht, halte ich es mit Albert Einstein.
"Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind."
Zuletzt geändert von relativ am Di 10. Apr 2018, 13:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon relativ » Di 10. Apr 2018, 09:42

unity in diversity hat geschrieben:(10 Apr 2018, 03:50)

Jemanden im Glauben lassen, macht man, wenn man nicht will, daß er es genauer weiß.
Die weltliche Variante geht so:
"Manchmal ist es besser, jemanden in dem Glauben zu lassen, er hätte gewonnen, bis er irgendwann merkt, dass er verloren hat."
So verschafft man sich einen zeitlichen Vorsprung.
Glauben hat demnach etwas von austrixender Übertölpelung, man bremst potenzielle Konkurrenz aus, indem man das Wissen nicht teilt.

Solange Glauben Privatsache bleibt, kann sich jeder selber austricksen wie es ihm beliebt.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Antonius » Di 10. Apr 2018, 16:04

relativ hat geschrieben:(10 Apr 2018, 10:29)
Was Religion und Wissenschaft angeht, halte ich es mit Albert Einstein.

"Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind."

Ich mit Max Planck:
"Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln".
:thumbup:
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Orbiter1 » Fr 13. Apr 2018, 08:45

Was es nicht alles gibt. Die Queen ist offenbar mit dem Propheten Mohammed verwandt.

"Britische Stammbaum-Forscher wollen herausgefunden haben, dass Queen Elizabeth II. über 43 Generationen mit dem Propheten und Religionsgründer Mohammed verwandt ist. ... Alles in dieser Geschichte hängt von Prinzessin Zaida ab. Diese floh im 11. Jahrhundert aus ihrer Heimatstadt Sevilla im damals arabisch beherrschten Andalusien vor einem Angriff der Berber und fand Zuflucht am Hofe von Alfonso VI. von Kastilien. Dort nannte sie sich fortan Isabella, konvertierte zum Christentum und gebar Alfonso einen Sohn. Eine von dessen weiblichen Nachkommen soll später den Herzog von Cambridge geheiratet haben. Über Zaidas eigene Vorfahren gibt es widersprüchliche Angaben. Laut einer davon war sie die Tochter eines Kalifen, der vom Propheten und Religionsgründer Mohammed abstammte." Quelle: https://www.nzz.ch/international/der-pr ... ld.1376928

Vielleicht kann ja die Queen bei diesen Wurzeln eine Erneuerung des Islam anstossen. :)
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Liegestuhl » Fr 13. Apr 2018, 09:09

Vielleicht könnte sie dann noch Kalifin werden.
Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Ammianus » Fr 13. Apr 2018, 11:14

Na ja, dass mit der Abstammung vom Propheten ist so eine Sache. Wer die "belegen" kann führt Sayyid als Ehrentitel mit in seinem Namen. Das gab und gibt Prestige. Geht man davon aus, dass in der Anfangszeit des Kalifats und auch später natürlich ein großes Interesse bestand das im Namen zu führen und wir gerade über das erste Jahrhundert des Islam eigentlich kaum etwas wissen - nach Maßstäben von Historikern - dann kann man sich vorstellen, dass da so gut wie jeder aus den damaligen Eliten an seinem Stammbaum gebastelt hat.

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