Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
SirToby
Beiträge: 2027
Registriert: Di 8. Mär 2016, 17:24

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon SirToby » Sa 20. Jan 2018, 19:37

Massive Bombardierungen von Afrin haben heute stattgefunden.

Die Russen sind laut YPG wohl abgezogen. Lavrov hat das zwar dementiert, aber mit russ. Verlautbarungen ist das ja so eine Sache.
Daniel Patrick Moynihan: "Sie haben ein Recht auf ihre eigene Meinung! Sie haben kein Recht auf ihre eigenen Fakten!"
Kunz
Beiträge: 37
Registriert: Mo 25. Dez 2017, 20:02

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kunz » Sa 20. Jan 2018, 19:45

Wie schon anderswo gesagt:
Die NATO führt mal wieder Krieg, und macht sich mit Diktatoren wie Erdogan gemein.
Dass Menschen sterben ist dabei völlig uninteressant.
Deutsche Waffen.....töten mal wieder.
Benutzeravatar
Europa2050
Beiträge: 3236
Registriert: Di 4. Mär 2014, 08:38
Benutzertitel: Kein Platz für Nationalismus

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Europa2050 » Sa 20. Jan 2018, 19:57

Kunz hat geschrieben:(20 Jan 2018, 19:45)

Wie schon anderswo gesagt:
Die NATO führt mal wieder Krieg, und macht sich mit Diktatoren wie Erdogan gemein.
Dass Menschen sterben ist dabei völlig uninteressant.
Deutsche Waffen.....töten mal wieder.


Sagen wir‘s so:
Die Türkei (die auch NATO-Mitglied ist) beschießt völlig völkerrechtswidrig Menschen auf fremden Territorium ohne davor von dieser Seite angegriffen worden zu sein.
Damit hätte sich meiner Ansicht nach Erdogan einen Platz neben Assad in Den Haag verdient.
Hätten die USA als NATO-Führungsmacht einen Präsidenten, würde er dieses dem Erdogan auch in aller Deutlickeit klar machen. Haben sie aber nicht.
Assad und Putin freut‘s, wenn sich ihre Gegner gegenseitig fertig machen, bringt sie dem Ziel, ganz Syrien wieder zu beherrschen näher.
Und deutsche Waffen wurden - wie auch die der anderen - in anderen Zeiten unter anderen Bedingungen geliefert. sch... ist’s trotzdem, da geb ich dir Recht.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 18668
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon H2O » Sa 20. Jan 2018, 20:16

Europa2050 hat geschrieben:(20 Jan 2018, 19:57)

Sagen wir‘s so:
Die Türkei (die auch NATO-Mitglied ist) beschießt völlig völkerrechtswidrig Menschen auf fremden Territorium ohne davor von dieser Seite angegriffen worden zu sein.
Damit hätte sich meiner Ansicht nach Erdogan einen Platz neben Assad in Den Haag verdient.
Hätten die USA als NATO-Führungsmacht einen Präsidenten, würde er dieses dem Erdogan auch in aller Deutlickeit klar machen. Haben sie aber nicht.
Assad und Putin freut‘s, wenn sich ihre Gegner gegenseitig fertig machen, bringt sie dem Ziel, ganz Syrien wieder zu beherrschen näher.
Und deutsche Waffen wurden - wie auch die der anderen - in anderen Zeiten unter anderen Bedingungen geliefert. sch... ist’s trotzdem, da geb ich dir Recht.


Leider scheint Ihr letzter Satz so nicht zu zu treffen. Gerade hat der noch amtierende Außenminister Gabriel seinem türkischen Freund und Außenminister noch Lieferungen zur Modernisierung türkischer Panzer zugesagt. Und die EU macht verstärkte Anstrengungen, ihr zerrüttetes Verhältnis zur Türkei wieder glatt zu ziehen. Immer noch sitzen deutsche Journalisten im türkischen Knast.

Alles das scheint unsere Volksparteien aber nicht auf zu regen. Die brüten nun, ob GroKo oder KoKo oder Kokolores.
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4616
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon King Kong 2006 » So 21. Jan 2018, 09:50

Der türkische Außenminister trifft in Bagdad ein. Ein Thema wird auch die PKK/PJAK oder YPG sein.

Turkish FM to visit Iraq

Regional issues and joint fight against the Kurdistan Workers’ Party (PKK) are planned to be discussed during the meetings.

The conflict between Turkey and the PKK, which demands the creation of an independent Kurdish state, has continued for more than 30 years and has claimed more than 40,000 lives.

The UN and the European Union list the PKK as a terrorist organization.

https://www.azernews.az/region/125829.html


Die Kurden machen ähnlich wie die Schiiten seinerzeit im Irak wieder die Erfahrung, daß die USA natürlich nur ihren Interessen nachgehen.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Alpha Centauri
Beiträge: 2403
Registriert: Mo 19. Jun 2017, 09:49

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Alpha Centauri » So 21. Jan 2018, 10:28

Europa2050 hat geschrieben:(20 Jan 2018, 19:57)

Sagen wir‘s so:
Die Türkei (die auch NATO-Mitglied ist) beschießt völlig völkerrechtswidrig Menschen auf fremden Territorium ohne davor von dieser Seite angegriffen worden zu sein.
Damit hätte sich meiner Ansicht nach Erdogan einen Platz neben Assad in Den Haag verdient.
Hätten die USA als NATO-Führungsmacht einen Präsidenten, würde er dieses dem Erdogan auch in aller Deutlickeit klar machen. Haben sie aber nicht.
Assad und Putin freut‘s, wenn sich ihre Gegner gegenseitig fertig machen, bringt sie dem Ziel, ganz Syrien wieder zu beherrschen näher.
Und deutsche Waffen wurden - wie auch die der anderen - in anderen Zeiten unter anderen Bedingungen geliefert. sch... ist’s trotzdem, da geb ich dir Recht.


Den Platz in Den Haag hätte sich neben Erdogan, auch Assad, Putin, Xi Jing Ping oder Georg W. Bush junior, verdient,alles "Völkerrechtsbrecher" um nur mal die Creme de la Creme auf diesen Gebiet zu nennen
Benutzeravatar
Kardux
Beiträge: 2530
Registriert: Fr 29. Mär 2013, 16:48
Benutzertitel: کوردستان زیندووە

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » So 21. Jan 2018, 13:33

Die türkische Terrorarmee und seine Jihadisten-Milizen haben bereits das erste Dorf in der Region Efrîn eingenommen.

https://twitter.com/op_shield/status/955029402907217920

Im Video ist zu erkennen, dass die pro-türkischen Milizen ganz offen dieselben Parolen wie der IS (Takbir Allah u Akbar) verwenden. Sie haben sich ganz einfach ein anderes Gewand angezogen.
Make Kurdistan Free Again...
Benutzeravatar
SirToby
Beiträge: 2027
Registriert: Di 8. Mär 2016, 17:24

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon SirToby » So 21. Jan 2018, 14:19

King Kong 2006 hat geschrieben:(21 Jan 2018, 09:50)

Der türkische Außenminister trifft in Bagdad ein. Ein Thema wird auch die PKK/PJAK oder YPG sein.



Die Kurden machen ähnlich wie die Schiiten seinerzeit im Irak wieder die Erfahrung, daß die USA natürlich nur ihren Interessen nachgehen.


Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Antiamerikaner jede Möglichkeit nutzen, die USA zu diffamieren.

Die Kurden In Afrin haben überwiegend mit Russland zusammengearbeitet.

Und machen jetzt die Erfahrung, was es heisst, Verbündeter Russlands zu sein.

"Senior Kurdish official Aldar Xelil: Yesterday Russia asked us to hand over our regions to the [Syrian] government. We did not accept, and we will not surrender our territories. We'll defend all our areas."

https://mideast.liveuamap.com/en/2018/2 ... -yesterday
Daniel Patrick Moynihan: "Sie haben ein Recht auf ihre eigene Meinung! Sie haben kein Recht auf ihre eigenen Fakten!"
Benutzeravatar
Kardux
Beiträge: 2530
Registriert: Fr 29. Mär 2013, 16:48
Benutzertitel: کوردستان زیندووە

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » So 21. Jan 2018, 15:11

SirToby hat geschrieben:Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Antiamerikaner jede Möglichkeit nutzen, die USA zu diffamieren.


Was erwarten Sie auch von einem Propagandisten des Mullah-Regimes?

Wie Sie bereits erwähnten, ist lediglich Russland für die Region Efrîn zuständig gewesen. Diese haben nun die Kurden ihrem Schicksal überlassen. Aus kurdischer Sicht spricht man auch von Verrat.

Aus der Sicht eines neutralen Beobachters (der ich gewiss nicht bin) muss man sich aber wohl auch die Frage stellen weshalb es im Interesse der Russen wäre, wenn die Kurden verdrängt werden und statt ihnen sunnitische Jihadisten nachrücken? Interessant hierbei ist auch die heuchlerische Rhetorik der Russen. Russia Today spricht derzeit von der Freien Syrischen Armee die mithilfe der Türkei die Kurden angreifen. Wenn aber genau dieselbe FSA gegen Assads Truppen vorgeht werden sie als Terroristen, terroristische Rebellengruppen, Jihadisten, usw. bezeichnet.
Make Kurdistan Free Again...
Benutzeravatar
SirToby
Beiträge: 2027
Registriert: Di 8. Mär 2016, 17:24

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon SirToby » So 21. Jan 2018, 15:23

Kardux hat geschrieben:(21 Jan 2018, 15:11)

Was erwarten Sie auch von einem Propagandisten des Mullah-Regimes?

Wie Sie bereits erwähnten, ist lediglich Russland für die Region Efrîn zuständig gewesen. Diese haben nun die Kurden ihrem Schicksal überlassen. Aus kurdischer Sicht spricht man auch von Verrat.

Aus der Sicht eines neutralen Beobachters (der ich gewiss nicht bin) muss man sich aber wohl auch die Frage stellen weshalb es im Interesse der Russen wäre, wenn die Kurden verdrängt werden und statt ihnen sunnitische Jihadisten nachrücken? Interessant hierbei ist auch die heuchlerische Rhetorik der Russen. Russia Today spricht derzeit von der Freien Syrischen Armee die mithilfe der Türkei die Kurden angreifen. Wenn aber genau dieselbe FSA gegen Assads Truppen vorgeht werden sie als Terroristen, terroristische Rebellengruppen, Jihadisten, usw. bezeichnet.


Assad hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die Kurdengebiete wieder unter seine Kontrolle bringen will. Assad und Russland haben es dem IS auch ermöglicht, gegen die letzten FSA/Ahrar/Fatah/ Truppen in Iblib zu kämpfen. Das hat dazu geführt, dass der IS sich direkt unter der Nase der Russen/Assads, ich gehe davon aus mit deren stillschweigender Einwilligung, neu aufstellen konnte.

Die FSA existiert kaum noch, oder bestenfalls noch als Feigenblatt.

Es ist ein schwieriger Konflikt, aber Sie dürfen mir gern glauben, dass ich bei allen Differenzen zwischen uns, die derzeitige Entwicklung in Afrin als grossen Rückschritt betrachte.
Daniel Patrick Moynihan: "Sie haben ein Recht auf ihre eigene Meinung! Sie haben kein Recht auf ihre eigenen Fakten!"
Aristide
Beiträge: 1046
Registriert: Mo 23. Feb 2015, 12:01
Benutzertitel: Forumrekordhalter

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Aristide » So 21. Jan 2018, 20:49

Der is sitzt aktuell in einem kessel südlich von aleppo!! Es wäre natürlich von vorteil, wenn die russkies die kurden in ihrem kampf gegen die invasionsarmee unterstützen würden, aber einen grund warum sie auf konfrontationskurs mit der türkei gehen sollten, gibt es derzeit nicht! Die kurden haben das angebot abgelehnt, sich der hoheit der regierung in damaskus zu unterstellen und das sind die konsequenzen.
Eher sollte man sich fragen, warum es bislang keine reaktion seitens der usa gibt, schließlich werden da gerade ihre offiziellen verbündeten niedergemacht... Wurden die kurden da etwa auschließlich als kanonenfutter im kampf gegen den is gebraucht und werden nicht mehr benötigt!!?
Aristide
Beiträge: 1046
Registriert: Mo 23. Feb 2015, 12:01
Benutzertitel: Forumrekordhalter

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Aristide » So 21. Jan 2018, 21:05

Kardux hat geschrieben:(21 Jan 2018, 15:11)

Was erwarten Sie auch von einem Propagandisten des Mullah-Regimes?

Wie Sie bereits erwähnten, ist lediglich Russland für die Region Efrîn zuständig gewesen. Diese haben nun die Kurden ihrem Schicksal überlassen. Aus kurdischer Sicht spricht man auch von Verrat.

Aus der Sicht eines neutralen Beobachters (der ich gewiss nicht bin) muss man sich aber wohl auch die Frage stellen weshalb es im Interesse der Russen wäre, wenn die Kurden verdrängt werden und statt ihnen sunnitische Jihadisten nachrücken? Interessant hierbei ist auch die heuchlerische Rhetorik der Russen. Russia Today spricht derzeit von der Freien Syrischen Armee die mithilfe der Türkei die Kurden angreifen. Wenn aber genau dieselbe FSA gegen Assads Truppen vorgeht werden sie als Terroristen, terroristische Rebellengruppen, Jihadisten, usw. bezeichnet.


Es war doch die bewusste wahl der ypg auf die usa als schutzmacht zu setzen!? So wie es aussieht, rächt sich das nun!!!

Warum sollten sich die russen für offenkundige us proxies zuständig fühlen!?
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4616
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

USA in Absprache mit der Türkei gegen YPG/PKK?

Beitragvon King Kong 2006 » So 21. Jan 2018, 21:06

SirToby hat geschrieben:(21 Jan 2018, 14:19)

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass Antiamerikaner jede Möglichkeit nutzen, die USA zu diffamieren.

Die Kurden In Afrin haben überwiegend mit Russland zusammengearbeitet.

Und machen jetzt die Erfahrung, was es heisst, Verbündeter Russlands zu sein.

"Senior Kurdish official Aldar Xelil: Yesterday Russia asked us to hand over our regions to the [Syrian] government. We did not accept, and we will not surrender our territories. We'll defend all our areas."

https://mideast.liveuamap.com/en/2018/2 ... -yesterday


Die USA haben den YPG/PKK logistische Unterstützung und Ausbildung zukommen lassen. Sie gelten als Verbündete der USA. Die Türkei ist für die USA kein abgeschotteter Staat, sondern NATO-Partner. Sprich, es gibt nicht nur komplizierte Gesprächskanäle, sondern massive Vernetzungen. Das die Türkei nun ohne von den USA signifikant zurückgehalten einen Verbündeten wie die YPG/PKK so zusammenschiessen lassen darf, zeigt eben die Realpolitik der USA in der Region. Ob die Unterstützung Saddams, den Kampf gegen Saddam, die Unterstützung der YPG/PKK, die Allianz mit der Türkei usw.

Und deshalb ist es nicht wirklich ein unlösbares Geheimnis, weshalb die USA in der Region mit Vorsicht genossen wird. Genauergesagt, die Politik dieses großen Geostrategen von Übersee mit seinen Interessen in der Region. Die USA vertreten nicht "das Gute" in der Region, was ohnehin für jeden etwas anderes darstellt, sondern ihre Interessen. Ob Saddam, der Schah, die Türkei, die al-Sauds, die Militärs in Ägypten usw.

Ankara hat die USA vor dem Bombardement auf kurdische Ziele informiert. Der Rechtsweg ist offenbar eingehalten.

Turkey advised U.S. before Syria strikes; contacts ongoing: Mattis

ABOARD A U.S. MILITARY AIRCRAFT (Reuters) - Turkey advised the United States ahead of its air strikes in Syria against U.S.-backed Kurdish militia, and Washington is in contact with Ankara about the way forward, U.S. Defense


Lt. Washington hat die Türkei berechtigte Sorgen, die offenbar ausgeräumt werden müssen.

Turkey has legitimate security concerns,” Mattis said, noting it was the only NATO ally with an active insurgency inside its borders.

https://www.reuters.com/article/us-mide ... FA10K?il=0


Mir war immer klar, daß wenn die USA sich entscheiden müssen, zwischen der Türkei (sogar Iran) oder selbst Irak oder Syrien, oder eben den Kurden, sie im zweifelsfall letztere fallen lassen. Wie die Schiiten im Irak. Diese wurden allerdings durch die USA entfesselt als sie nach den ABC-Waffen im Irak suchen mußten oder wollten...
Zuletzt geändert von King Kong 2006 am So 21. Jan 2018, 21:41, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4616
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Paris und Teheran fordern Stopp der türkischen Operationen

Beitragvon King Kong 2006 » So 21. Jan 2018, 21:12

Türkische Militäroperation in Syrien

Frankreich fordert Sitzung des UN-Sicherheitsrats

Mit Luftschlägen hat die Türkei eine Offensive gegen kurdische Truppen im Nordwesten Syriens begonnen. Frankreich setzt sich nun für ein Ende der Gewalt ein. Auch der Iran fordert eine umgehende Einstellung der Angriffe.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 89035.html


Ob Washington auf die Beiden hört...? :cool:
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Moderator
Beiträge: 32967
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Tom Bombadil » So 21. Jan 2018, 21:18

Dieser türkische Angriffskrieg muss umgehend beendet werden, es ist darüber hinaus unerträglich, dass deutsche Leo2 für solche Zwecke eingesetzt werden, Erdogans Türkei muss mit einem deutschen Waffenembargo belegt werden.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Kardux
Beiträge: 2530
Registriert: Fr 29. Mär 2013, 16:48
Benutzertitel: کوردستان زیندووە

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » So 21. Jan 2018, 22:28

Aristide hat geschrieben:(21 Jan 2018, 21:05)

Es war doch die bewusste wahl der ypg auf die usa als schutzmacht zu setzen!? So wie es aussieht, rächt sich das nun!!!

Warum sollten sich die russen für offenkundige us proxies zuständig fühlen!?


Die Kurden leben in einer Region, dass ihnen gar keine andere Alternative bietet, als sich Hilfe von wem auch immer zu verschaffen. Im Jahr 2014 standen die Kurden in Syrien und auch im Irak vor einer existenziellen Bedrohung da. In solchen Momenten sucht man sich keine Schutzmachten aus, man nimmt was man kriegt um zu Überleben.

Zur selben Zeit stand es aber auch sehr schlecht um die Alawiten/Schiiten, Christen und anderen Nicht-Sunniten in Syrien (und auch im Irak).

Die Russen waren drauf und dran ihren Proxy (=Assad) zu verlieren. Die Kurden waren hierbei eine grosse Unterstützung für Russland, um Jihadisten ganz im Norden zu binden. Dies war eine Entlastung, sowohl für den Iran als auch Russland. Denn Assads Truppen hatten den von der Türkei unterstützten Jihadisten nichts mehr entgegenzusetzen. Gleichzeitig profitierten natürlich auch die Kurden. Und trotzdem wären die Kurden ohne die Luftunterstützung der USA in Kobanê untergegangen. Von da an, kooperierte die YPG sowohl mit den Russen als auch den USA. Was hätte man auch sonst tun sollen? Die Hilfe gegen Jihadisten abschlagen?

Man hatte zusammen mit den Russen einen gemeinsamen Feind - Jihadistengruppen. Das sich Russland nun von den Kurden abwendet und es in Kauf nimmt, dass die Türkei samt seiner Jihadisten Territorium innerhalb Syriens einnimmt zeigt doch die gesamte Willkür dieses Konflikts.

Nichts ergibt einen Sinn! Viele dieser lokalen "FSA"-Kämpfer die heute versuchten in Efrîn einzudringen, sind syrische Turkmenen die vor nicht all zu langer Zeit gegen Russen vorgingen. Ich erinnere hierbei an die Leichenschändung des russischen Piloten.

Solch eine ehrenlose Haltung ist eigentlich einer Weltmacht wie Russland unwürdig. Selbiges kann man natürlich auch von den USA behaupten, die kein Problem mit der Okkupation der Kurdenstadt Kerkûk hatten. Obwohl die Angreifer schiitische Milizionäre waren, die ihrerseits schon viele amerikanische Soldaten getötet haben.

Nein - Sinn ergibt dieser Konflikt nicht...
Make Kurdistan Free Again...
Benutzeravatar
Kardux
Beiträge: 2530
Registriert: Fr 29. Mär 2013, 16:48
Benutzertitel: کوردستان زیندووە

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Kardux » So 21. Jan 2018, 22:36

Tom Bombadil hat geschrieben:(21 Jan 2018, 21:18)

Dieser türkische Angriffskrieg muss umgehend beendet werden, es ist darüber hinaus unerträglich, dass deutsche Leo2 für solche Zwecke eingesetzt werden, Erdogans Türkei muss mit einem deutschen Waffenembargo belegt werden.


Ich finde die deutsche Haltung als Ganzes unerträglich. Die Medien gehen sehr entspannt mit diesem türkischen Angriffskrieg um und versuchen ihn sehr vorsichtig zu legitimieren. Es geht ja um türkische Sicherheitsinteressen. So hatte es bereits Mopsi den deutschen Medien vorgetragen (die deutschen Medien ziehen dann natürlich mit).

An den Aufschrei und die Empörung der deutschen Medien kann ich mich aber auch erinnern, als Israel die Hizbollah im Libanon angriff. Einer Terrorgruppe, die sich die Vernichtung Israels als Ziel gesetzt hat. Ja, es ist nicht nur der Anblick deutscher Panzer in Händen von Leuten die Takbir Allah u Akbar brüllen, der unerträglich ist...
Make Kurdistan Free Again...
Aristide
Beiträge: 1046
Registriert: Mo 23. Feb 2015, 12:01
Benutzertitel: Forumrekordhalter

Re: Geopolitik - Interventionen/Präventionen im Sykes-Picot Raum

Beitragvon Aristide » So 21. Jan 2018, 23:49

Kardux hat geschrieben:(21 Jan 2018, 22:28)

Die Kurden leben in einer Region, dass ihnen gar keine andere Alternative bietet, als sich Hilfe von wem auch immer zu verschaffen. Im Jahr 2014 standen die Kurden in Syrien und auch im Irak vor einer existenziellen Bedrohung da. In solchen Momenten sucht man sich keine Schutzmachten aus, man nimmt was man kriegt um zu Überleben.

Zur selben Zeit stand es aber auch sehr schlecht um die Alawiten/Schiiten, Christen und anderen Nicht-Sunniten in Syrien (und auch im Irak).

Die Russen waren drauf und dran ihren Proxy (=Assad) zu verlieren. Die Kurden waren hierbei eine grosse Unterstützung für Russland, um Jihadisten ganz im Norden zu binden. Dies war eine Entlastung, sowohl für den Iran als auch Russland. Denn Assads Truppen hatten den von der Türkei unterstützten Jihadisten nichts mehr entgegenzusetzen. Gleichzeitig profitierten natürlich auch die Kurden. Und trotzdem wären die Kurden ohne die Luftunterstützung der USA in Kobanê untergegangen. Von da an, kooperierte die YPG sowohl mit den Russen als auch den USA. Was hätte man auch sonst tun sollen? Die Hilfe gegen Jihadisten abschlagen?

Man hatte zusammen mit den Russen einen gemeinsamen Feind - Jihadistengruppen. Das sich Russland nun von den Kurden abwendet und es in Kauf nimmt, dass die Türkei samt seiner Jihadisten Territorium innerhalb Syriens einnimmt zeigt doch die gesamte Willkür dieses Konflikts.

Nichts ergibt einen Sinn! Viele dieser lokalen "FSA"-Kämpfer die heute versuchten in Efrîn einzudringen, sind syrische Turkmenen die vor nicht all zu langer Zeit gegen Russen vorgingen. Ich erinnere hierbei an die Leichenschändung des russischen Piloten.

Solch eine ehrenlose Haltung ist eigentlich einer Weltmacht wie Russland unwürdig. Selbiges kann man natürlich auch von den USA behaupten, die kein Problem mit der Okkupation der Kurdenstadt Kerkûk hatten. Obwohl die Angreifer schiitische Milizionäre waren, die ihrerseits schon viele amerikanische Soldaten getötet haben.

Nein - Sinn ergibt dieser Konflikt nicht...


Das ganze ist ja keine einbahnstraße. Genau wie die saa von der ypg im kampf gegen gemäßigte dschihadisten profitiert hat, hat auch die ypg von den militärischen aktionen der saa profitiert. Das ganze gilt übrigens auch hinsichtlich des is!
Dazu muss man natürlich auch wissen, dass es in diesem krieg nichts umsonst gibt. Die ypg darf z.b. über das saa gebiet, um die afrin exklave zu versorgen und die saa darf im gegenzu an ihre stützpunkte in hasakah und quamishli ran! Es wurde nie ein beistandsbündniss geschlossen und die beziehung verlief auch nie gänzlich ohne konflikte! Man erinnere sich nur an die kampfhandlungen vor einigen monaten bei hasakah oder den vorfall als syrische offiziere von der ypg gegen ihre mitstreiter an al nusra ausgetauscht und anschließend von dieser exekutiert wurden!
Um wirklich einen schutz genießen zu können, hätte sich die ypg offiziell der syrischen hoheit unterstellen und die verteidigungsgewalt und den grenzschutz im afrin kanton an die saa abgeben müssen! Vor allem weil sie auch eher die möglichkeit dazu gehabt hat, während das bei den östlichen genossen, die viel stärker am tropf der usa hingen nicht so einfach gewesen wäre!
Die regierung assads hätte den kurden mit sicherheit eine kulturelle autonomie zugestanden, aber es war von vornherein klar, dass quasistaatliche selbständige gebilde in nordsyrien eine eindeutige provokation für die türkei darstellen und deren verteidigung in dieser form auch nicht im interesse von damaskus ist!

Was russlands engagement angeht, so war das erklärte ziel des eingriffs die stabilisierung des syrischen staates und die bekämpfung des is. Russlands ambitionen in dem konflikt beinhalten gewiss nicht die lösung der kurdenfrage und es war absehbar, dass das land seine beziehungen zum nachbar türkie deshalb nicht unnötig belasten werde! Das tun ja auch die usa nicht und lassen ihren erklärten verbündeten offen fallen!
Aus der sicht russlands sind sowohl fsa/nusra/ahrar al sham/al zenki/wasauchimmer als auch die ypg nicht unter der kontrolle der regierung stehende gruppen und obwohl die ypg der deutlich angenehmere verhandlungspartner ist, ergibt sich dadurch keine pflicht ihm einen besonderen schutz zukommen zu lassen!
Benutzeravatar
SirToby
Beiträge: 2027
Registriert: Di 8. Mär 2016, 17:24

Re: USA in Absprache mit der Türkei gegen YPG/PKK?

Beitragvon SirToby » Mo 22. Jan 2018, 12:04

King Kong 2006 hat geschrieben:(21 Jan 2018, 21:06)

Die USA haben den YPG/PKK logistische Unterstützung und Ausbildung zukommen lassen. Sie gelten als Verbündete der USA. Die Türkei ist für die USA kein abgeschotteter Staat, sondern NATO-Partner. Sprich, es gibt nicht nur komplizierte Gesprächskanäle, sondern massive Vernetzungen. Das die Türkei nun ohne von den USA signifikant zurückgehalten einen Verbündeten wie die YPG/PKK so zusammenschiessen lassen darf, zeigt eben die Realpolitik der USA in der Region. Ob die Unterstützung Saddams, den Kampf gegen Saddam, die Unterstützung der YPG/PKK, die Allianz mit der Türkei usw.

Und deshalb ist es nicht wirklich ein unlösbares Geheimnis, weshalb die USA in der Region mit Vorsicht genossen wird. Genauergesagt, die Politik dieses großen Geostrategen von Übersee mit seinen Interessen in der Region. Die USA vertreten nicht "das Gute" in der Region, was ohnehin für jeden etwas anderes darstellt, sondern ihre Interessen. Ob Saddam, der Schah, die Türkei, die al-Sauds, die Militärs in Ägypten usw.

Ankara hat die USA vor dem Bombardement auf kurdische Ziele informiert. Der Rechtsweg ist offenbar eingehalten.



Lt. Washington hat die Türkei berechtigte Sorgen, die offenbar ausgeräumt werden müssen.



Mir war immer klar, daß wenn die USA sich entscheiden müssen, zwischen der Türkei (sogar Iran) oder selbst Irak oder Syrien, oder eben den Kurden, sie im zweifelsfall letztere fallen lassen. Wie die Schiiten im Irak. Diese wurden allerdings durch die USA entfesselt als sie nach den ABC-Waffen im Irak suchen mußten oder wollten...


Die SDF in Rojawa ist der Verbündete der USA. Die YPG in Afrin hat sich auf den Schutz durch Russland verlassen.

Davon dass die USA das "Gute" vertreten habe ich nichts geschrieben. Es wäre im übrigen schlimm, wenn sie nicht ihre Interessen vertreten würden.

Nur muss man die USA nicht grundlos diffamieren, wenn sie mal nichts dafür kann. Es gibt genug Gründe die USA zu kritisieren, aber das was mal keiner, sondern nur eine vermeintlich günstige Gelegenheit mal wieder über die USA herzuziehen. In dem Fall wurden die Kurden aber von Russland fallen gelassen und nicht von den USA:


Und wenn Sie mir das nicht glauben, weil Ihnen meine Meinung zu Proamerikanisch ist, dann sollten Sie wenigstens den Kurden selber glauben:

"We know that, without the permission of global forces and mainly Russia, whose troops located in Afrin, Turkey cannot attack civilians using Afrin air space. Therefore we hold Russia as responsible as Turkey and stress that Russia is the crime partner of Turkey in massacring the civilians in the region."

http://www.ypgrojava.org/To-the-Public-Opinion!

https://mideast.liveuamap.com/en/2018/2 ... s-in-afrin
Daniel Patrick Moynihan: "Sie haben ein Recht auf ihre eigene Meinung! Sie haben kein Recht auf ihre eigenen Fakten!"
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4616
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: USA in Absprache mit der Türkei gegen YPG/PKK?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 22. Jan 2018, 15:58

SirToby hat geschrieben:(22 Jan 2018, 12:04)

Die SDF in Rojawa ist der Verbündete der USA. Die YPG in Afrin hat sich auf den Schutz durch Russland verlassen.

Davon dass die USA das "Gute" vertreten habe ich nichts geschrieben. Es wäre im übrigen schlimm, wenn sie nicht ihre Interessen vertreten würden.

Nur muss man die USA nicht grundlos diffamieren, wenn sie mal nichts dafür kann. Es gibt genug Gründe die USA zu kritisieren, aber das was mal keiner, sondern nur eine vermeintlich günstige Gelegenheit mal wieder über die USA herzuziehen. In dem Fall wurden die Kurden aber von Russland fallen gelassen und nicht von den USA:


Und wenn Sie mir das nicht glauben, weil Ihnen meine Meinung zu Proamerikanisch ist, dann sollten Sie wenigstens den Kurden selber glauben:

"We know that, without the permission of global forces and mainly Russia, whose troops located in Afrin, Turkey cannot attack civilians using Afrin air space. Therefore we hold Russia as responsible as Turkey and stress that Russia is the crime partner of Turkey in massacring the civilians in the region."

http://www.ypgrojava.org/To-the-Public-Opinion!

https://mideast.liveuamap.com/en/2018/2 ... s-in-afrin


Natürlich dienen verschiedene kurdische Gruppen auch nur russischen Interessen. Man hätte aber erwarten können, daß voran die USA die YPG, die sie massiver unterstützt haben, als die Russen, mehr den Rücken stärken würden. Die USA und die Türkei sind NATO-Partner, da darf, da muß man mehr erwarten, als zwischen der Türkei und Russland.

Die einzigen, die von einem Stopp der türkischen Operationen sprechen sind Paris, Teheran und Damaskus (sie sollen ja sogar Nachschub für die YPG durchlassen - nach Afrin).

Wie komplex die Angelegenheit ist, sieht man auch an der Haltung Irans. Der Iran hat sicher kein Interesse an weiterem Machtgewinn der YPG/PKK/PJAK, aber man befürchtet einen weiteren Vorstoss des US-Blocks. Wenn nicht unter kurdischer Kontrolle, denn unter türkischer. Deshalb die Forderung nach Einstellung der Kämpfe. Andererseits gibt es höchste militärische und politischer Absprachen zwischen Ankara und Teheran.

Was die USA, Türkei, Iran und Russland da in verschiedener Konstellation da miteinander abgesprochen haben ist sicher interessant. Die YPG/PKK hat erstmal ihren Job gemacht. Die Lorbeeren holen sich andere. Mit Sicherheit ist das nicht das Ende. Die YPG/PKK kontrolliert auch im Osten Syriens große Gebiete, weit über kurdisches Siedlungsgebiet heraus. Das wird sich Damaskus wieder zurückholen. Mit Hilfe Iraks, Irans und mit Inaktivität Russlands. Das wird sehr viel aufgeregter werden als Afrin. Denn hier werden die USA vermutlich - aus eigenem Interesse - sturer sein als mit der Türkei.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten

Zurück zu „36. Arabische Welt“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste