Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

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Sofawolf
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Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Sofawolf » Mo 18. Dez 2017, 19:09

Wie man hört und liest, will oder soll die Bundesregierung die Hilfe für die Opfer terroristischer Gewalt (z.B. in Berlin 2016) verbessern. Es soll auch mehr gezahlt werden (in diesem Falle sollen es 10.000 Euro gewesen sein, wenn ich mich nicht täusche).

Wie ist zu rechtfertigen, dass die Opfer bzw. die Angehörigen terroristischer Gewalt mehr Entschädigungszahlungen (Geld) erhalten sollen, aber die Opfer eines "ganz normalen Mordes" bzw. deren Angehörige nicht oder die Opfer einer schweren Naturkatastrophe bzw. deren Angehörige nicht?

Ich bin sehr für Hilfe und Unterstützung, aber ich finde diese Anspruchshaltung irgendwie seltsam, dass immer (ggf. also immer der Staat) für alles Entschädigungszahlungen leisten soll, die natürlich auch immer zu gering sind.
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SpukhafteFernwirkung
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon SpukhafteFernwirkung » Mo 18. Dez 2017, 19:18

terror is eine folge verfehlter politik. da kann der staat schon mal in die tasche greifen. sind ja eh in summe nur peanuts im vergleich zu dem leben, um das viele menschen in der 3.welt betrogen wurden...- :)
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Polibu » Mo 18. Dez 2017, 19:26

Am Berliner Anschlag sind die Behörden ja nicht ganz unschuldig. Dass der Typ nicht schon vorher dingfest gemacht wurde bzw., dass er wieder auf freien Fuß gelassen wurde, ist die Schuld der Behörden. Und da hat die Politik nun mal ihre Finger im Spiel. Die Zahlungen sehe ich als Eingeständnis unserer Regierung, dass sie sich schuldig fühlt.
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon shanti » Mo 18. Dez 2017, 19:39

Ich denke nicht, dass verfehlte Politik Terror rechtfertigen kann und darf. Selbst wenn die Politik verfehlt wäre, Politik darf sich irren.
Wer maßt sich an, das für Alle zu entscheiden?
Auch die Unfähigkeit der behörden gibt keine Schuld an Terroranschlägen.

Das sagt sich alles so leicht, es sind aber völlig verfehlte Kategorien.
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SpukhafteFernwirkung
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon SpukhafteFernwirkung » Mo 18. Dez 2017, 19:46

shanti hat geschrieben:(18 Dec 2017, 19:39)

Ich denke nicht, dass verfehlte Politik Terror rechtfertigen kann und darf. Selbst wenn die Politik verfehlt wäre, Politik darf sich irren.
Wer maßt sich an, das für Alle zu entscheiden?
Auch die Unfähigkeit der behörden gibt keine Schuld an Terroranschlägen.

Das sagt sich alles so leicht, es sind aber völlig verfehlte Kategorien.
tja, die tatsächlichen terroristen sind anderer meinung und sie sind bereit die eskalation auf eine höhere stufe zu treiben als dir lieb ist, deswegen sind es terroristen.
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Polibu » Mo 18. Dez 2017, 19:50

Nur weil man sich irrt bedeutet das nicht, dass man keine Schild trägt. Und für Schuld muss man gerade stehen.
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Sofawolf » Mi 20. Dez 2017, 17:18

Man könnte aber genauso sagen, dass der Staat haften müsse, wenn jemand Opfer eines "ganz normalen Mordes" geworden ist (und nicht eines Terroranschlags), weil der Staat nicht in der Lage ist / war, seine Bürger zu beschützen.

Das kann man dann auch bei Naturkatastrophen sagen. Der Staat habe nicht geschützt, nicht ausreichend Vorsorge geleistet, nicht dies, nicht das ...

Ich finde die Haltung seltsam, dass für alles immer der Staat zu haften habe.

Hilfe finde ich gut und wichtig, ja, aber diese Anspruchshaltung stört mich. Soll Angela Merkel künftig auch jedes Opfer (bzw. seine Angehörigen) einer Mordtat treffen?
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Antonius » Mi 20. Dez 2017, 17:50

shanti hat geschrieben:(18 Dec 2017, 19:39)

Ich denke nicht, dass verfehlte Politik Terror rechtfertigen kann und darf. Selbst wenn die Politik verfehlt wäre, Politik darf sich irren.
Wer maßt sich an, das für Alle zu entscheiden?
Auch die Unfähigkeit der behörden gibt keine Schuld an Terroranschlägen.
Das sagt sich alles so leicht, es sind aber völlig verfehlte Kategorien.

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 27003.html

Der polnische LKW-fahrer Lukasz U. wurde vor einem Jahr in Berlin von dem Attentäter in seinem LKW ermordet.
Wurde seine Familie eigentlich entschädigt, beispielsweise durch eine Rente?
Wurde der Eigentümer des LKWs für die Schäden an seinem Fahrzeug entschädigt?
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon SpukhafteFernwirkung » Mi 20. Dez 2017, 18:00

Antonius hat geschrieben:(20 Dec 2017, 17:50)

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 27003.html

Der polnische LKW-fahrer Lukasz U. wurde vor einem Jahr in Berlin von dem Attentäter in seinem LKW ermordet.
Wurde seine Familie eigentlich entschädigt, beispielsweise durch eine Rente?
Wurde der Eigentümer des LKWs für die Schäden an seinem Fahrzeug entschädigt?
in deutschland würde die witwe eine witwenrente bekommen und die kinder eine waisenrente. die schäden am lkw reguliert die versicherung.
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon unity in diversity » Do 21. Dez 2017, 00:05

Sofawolf hat geschrieben:(20 Dec 2017, 17:18)

Man könnte aber genauso sagen, dass der Staat haften müsse, wenn jemand Opfer eines "ganz normalen Mordes" geworden ist (und nicht eines Terroranschlags), weil der Staat nicht in der Lage ist / war, seine Bürger zu beschützen.

Das kann man dann auch bei Naturkatastrophen sagen. Der Staat habe nicht geschützt, nicht ausreichend Vorsorge geleistet, nicht dies, nicht das ...

Ich finde die Haltung seltsam, dass für alles immer der Staat zu haften habe.

Hilfe finde ich gut und wichtig, ja, aber diese Anspruchshaltung stört mich. Soll Angela Merkel künftig auch jedes Opfer (bzw. seine Angehörigen) einer Mordtat treffen?

Ja, aber nur aus wichtigen Gründen, wie zum Beispiel Vorwahlkampf.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Dark Angel » Do 21. Dez 2017, 13:47

Sofawolf hat geschrieben:(20 Dec 2017, 17:18)

Man könnte aber genauso sagen, dass der Staat haften müsse, wenn jemand Opfer eines "ganz normalen Mordes" geworden ist (und nicht eines Terroranschlags), weil der Staat nicht in der Lage ist / war, seine Bürger zu beschützen.

Das kann man dann auch bei Naturkatastrophen sagen. Der Staat habe nicht geschützt, nicht ausreichend Vorsorge geleistet, nicht dies, nicht das ...

Ich finde die Haltung seltsam, dass für alles immer der Staat zu haften habe.

Hilfe finde ich gut und wichtig, ja, aber diese Anspruchshaltung stört mich. Soll Angela Merkel künftig auch jedes Opfer (bzw. seine Angehörigen) einer Mordtat treffen?

Ein Terroranschlag ist nicht mit einer Naturkatastrophe und auch nicht mit einer Einzelhandlung (Mord) vergleichbar.

1. ein Mord ist nicht vorhersehbar, auch nicht gegen wen der sich richten wird und es ist auch nicht Augabe des Staates Präventivmaßnahmen gegen - bis dahin unbescholtene Bürger - einzuleiten.

2. gegen Naturkatastrophen gibt es gar keinen Schutz, weil die nicht verhersagbar und auch nicht vorraussagbar sind.

3. bei erfolgreichen Terroranschlägen handelt es sich um Staatsversagen, um das Versagen staatlicher Institutionen und Behörden, also besteht auch Staatshaftung für die Opfer eines solchen Anschlags.
Es gibt nicht ohne Grund staatliche Behörden, die für die Gewährleistung der inneren Sicherheit zuständig sind.

Und was Merkel angeht - so hat die es ein Jahr lang versäumt a) den Hinterbliebenen der Opfer zu kondolieren, b) die Verletzten zu besuchen. Das ist schlicht und ergreifend ihre Pflicht als Regierungsoberhaupt eines Staates, der Fehler bei der inneren Sicherheit zugelassen hat.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon relativ » Do 21. Dez 2017, 15:23

Sofawolf hat geschrieben:(20 Dec 2017, 17:18)

Man könnte aber genauso sagen, dass der Staat haften müsse, wenn jemand Opfer eines "ganz normalen Mordes" geworden ist (und nicht eines Terroranschlags), weil der Staat nicht in der Lage ist / war, seine Bürger zu beschützen.

Das kann man dann auch bei Naturkatastrophen sagen. Der Staat habe nicht geschützt, nicht ausreichend Vorsorge geleistet, nicht dies, nicht das ...

Ich finde die Haltung seltsam, dass für alles immer der Staat zu haften habe.

Hilfe finde ich gut und wichtig, ja, aber diese Anspruchshaltung stört mich. Soll Angela Merkel künftig auch jedes Opfer (bzw. seine Angehörigen) einer Mordtat treffen?

Sie ist natürlich auch in Teilen seltsam. es fehlt ein öffentlicher Diskurs, was der staat bei solchen unglücken zu leisten hat. was will der Bürger, was kkann der Staat max leisten.
Das Anspruchsdenken der Bürger war schon immer seltsam und meist von Egoismus geprägt.
Sagt man z.B. die Alllgemeinheit , zu der ja jeder Bürger gehört, bezahlt bzw. muss sich kümmern, gibt es applaus. Weisst man ihm aber z.B. einem bestimmten Betrag/Aufgabe zu, den/die er zu leisten hat, um solche Unglücke abzufedern, winkt er häufig ab.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Antonius » Fr 22. Dez 2017, 11:50

Antonius hat geschrieben: Der polnische LKW-fahrer Lukasz U. wurde vor einem Jahr in Berlin von dem Attentäter in seinem LKW ermordet.
Wurde seine Familie eigentlich entschädigt, beispielsweise durch eine Rente?
Wurde der Eigentümer des LKWs für die Schäden an seinem Fahrzeug entschädigt?
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SpukhafteFernwirkung hat geschrieben:in deutschland würde die witwe eine witwenrente bekommen und die kinder eine waisenrente. die schäden am lkw reguliert die versicherung.

Aus meiner Sicht ist hier vor allem der deutsche Staat gefordert, die entsprechenden finanziellen Leistungen für die Entschädigung der polnischen Familie
und des LKW-Besitzers zu erbringen, allein aus Gerechtigkeitsgründen.
Zumal das monströse Verbrechen auf deutschem Boden begangen wurde.
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Mari » Fr 22. Dez 2017, 15:23

Dark Angel hat geschrieben:(21 Dec 2017, 13:47)

Ein Terroranschlag ist nicht mit einer Naturkatastrophe und auch nicht mit einer Einzelhandlung (Mord) vergleichbar.

1. ein Mord ist nicht vorhersehbar, auch nicht gegen wen der sich richten wird und es ist auch nicht Augabe des Staates Präventivmaßnahmen gegen - bis dahin unbescholtene Bürger - einzuleiten.

2. gegen Naturkatastrophen gibt es gar keinen Schutz, weil die nicht verhersagbar und auch nicht vorraussagbar sind.

3. bei erfolgreichen Terroranschlägen handelt es sich um Staatsversagen, um das Versagen staatlicher Institutionen und Behörden, also besteht auch Staatshaftung für die Opfer eines solchen Anschlags.
Es gibt nicht ohne Grund staatliche Behörden, die für die Gewährleistung der inneren Sicherheit zuständig sind.

Und was Merkel angeht - so hat die es ein Jahr lang versäumt a) den Hinterbliebenen der Opfer zu kondolieren, b) die Verletzten zu besuchen. Das ist schlicht und ergreifend ihre Pflicht als Regierungsoberhaupt eines Staates, der Fehler bei der inneren Sicherheit zugelassen hat.


Volle Zustimmung!

Das Desinteresse der Regierung Merkel an den Opfern ihrer eigenen Politik ist unerträglich. Und es ist unerträglich, die deutschen Steuerzahler für alle Folgen der politischen Führung in die Haftung zu nehmen. Die Behörden unterstehen der politischen Führung.
LG Mari
Man kann ein ganzes Volk eine Zeit lang belügen, Teile eines Volkes dauernd betrügen, aber nicht das ganze Volk dauernd belügen und betrügen. (Abraham Lincoln)
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Kritikaster » Sa 23. Dez 2017, 10:42

Dark Angel hat geschrieben:(21 Dec 2017, 13:47)

Ein Terroranschlag ist nicht mit einer Naturkatastrophe und auch nicht mit einer Einzelhandlung (Mord) vergleichbar.

1. ein Mord ist nicht vorhersehbar, auch nicht gegen wen der sich richten wird und es ist auch nicht Augabe des Staates Präventivmaßnahmen gegen - bis dahin unbescholtene Bürger - einzuleiten.

2. gegen Naturkatastrophen gibt es gar keinen Schutz, weil die nicht verhersagbar und auch nicht vorraussagbar sind.

3. bei erfolgreichen Terroranschlägen handelt es sich um Staatsversagen, um das Versagen staatlicher Institutionen und Behörden, also besteht auch Staatshaftung für die Opfer eines solchen Anschlags.
Es gibt nicht ohne Grund staatliche Behörden, die für die Gewährleistung der inneren Sicherheit zuständig sind.

Und was Merkel angeht - so hat die es ein Jahr lang versäumt a) den Hinterbliebenen der Opfer zu kondolieren, b) die Verletzten zu besuchen. Das ist schlicht und ergreifend ihre Pflicht als Regierungsoberhaupt eines Staates, der Fehler bei der inneren Sicherheit zugelassen hat.

Bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass Du einen hundertprozentigen Schutz gegen Terrorangriffe für möglich hältst? :?:

Ich hielte eine solche Annahme für unrealistisch. Ein wesentlicher Aspekt des Terrors liegt doch in der Tatsache, dass er jederzeit, überall und unvorhersehbar zuschlagen kann. Dagegen lässt sich selbst in einem Polizeistaat kein Rundumschutz organisieren, umso weniger in einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat.
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Sofawolf » Sa 30. Dez 2017, 15:29

relativ hat geschrieben:(21 Dec 2017, 15:23)

Sie ist natürlich auch in Teilen seltsam. es fehlt ein öffentlicher Diskurs, was der staat bei solchen unglücken zu leisten hat. was will der Bürger, was kkann der Staat max leisten.
Das Anspruchsdenken der Bürger war schon immer seltsam und meist von Egoismus geprägt.
Sagt man z.B. die Alllgemeinheit , zu der ja jeder Bürger gehört, bezahlt bzw. muss sich kümmern, gibt es applaus. Weisst man ihm aber z.B. einem bestimmten Betrag/Aufgabe zu, den/die er zu leisten hat, um solche Unglücke abzufedern, winkt er häufig ab.


Genau. Das hast du richtig ausgedrückt, finde ich.

Früher musste man die Bürger aufrufen, im Notfall zu den Ämtern zu gehen und sich zu holen, was ihnen zusteht; heute fordern sie alle dies und das und jenes und sind nie zufrieden mit dem, was sie bekommen.
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Sofawolf » Sa 30. Dez 2017, 15:32

Antonius hat geschrieben:(22 Dec 2017, 11:50)

Aus meiner Sicht ist hier vor allem der deutsche Staat gefordert, die entsprechenden finanziellen Leistungen für die Entschädigung der polnischen Familie
und des LKW-Besitzers zu erbringen, allein aus Gerechtigkeitsgründen.
Zumal das monströse Verbrechen auf deutschem Boden begangen wurde.


Ich habe großen Respekt vor der Tat des polnischen LKW-Fahrers. Aber was für eine Art von Gerechtigkeit soll das sein, die den deutschen Staat verpflichtet, ihn bzw. seine Familie zu entschädigen? Ich fände das eine großartige Geste, aber diese Anspruchshaltung dahinter kann ich nicht nachvollziehen.

Soll ein Staat immer jeden, der anderen hilft und dabei zu Schaden kommt, entschädigen? D.h. wir alle tun nur noch etwas, wenn wir auch was dafür bekommen. Das gefällt mir nicht.
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Sofawolf » Sa 30. Dez 2017, 15:36

Dark Angel hat geschrieben:(21 Dec 2017, 13:47)

Ein Terroranschlag ist nicht mit einer Naturkatastrophe und auch nicht mit einer Einzelhandlung (Mord) vergleichbar.

1. ein Mord ist nicht vorhersehbar, auch nicht gegen wen der sich richten wird und es ist auch nicht Augabe des Staates Präventivmaßnahmen gegen - bis dahin unbescholtene Bürger - einzuleiten.

2. gegen Naturkatastrophen gibt es gar keinen Schutz, weil die nicht verhersagbar und auch nicht vorraussagbar sind.

3. bei erfolgreichen Terroranschlägen handelt es sich um Staatsversagen, um das Versagen staatlicher Institutionen und Behörden, also besteht auch Staatshaftung für die Opfer eines solchen Anschlags.
Es gibt nicht ohne Grund staatliche Behörden, die für die Gewährleistung der inneren Sicherheit zuständig sind.

Und was Merkel angeht - so hat die es ein Jahr lang versäumt a) den Hinterbliebenen der Opfer zu kondolieren, b) die Verletzten zu besuchen. Das ist schlicht und ergreifend ihre Pflicht als Regierungsoberhaupt eines Staates, der Fehler bei der inneren Sicherheit zugelassen hat.



Nein, die Argumentation überzeugt mich nicht. 1. + 3. kann man gleich argumentieren. Es ist sehr wohl Aufgabe des Staates, den einzelnen Bürger vor Gewalttaten welcher Art zu schützen. Dazu haben wir Gesetze, dazu haben wir Gerichte, Polizei usw. Sie sind genau dafür da: Eigentum und Leib und Leben zu schützen, die sogenannte öffentliche Ordnung. Man kann genauso sagen, der Staat habe versagt, wenn jemand Opfer eines Verbrechens wird - und das hat er ja durchaus auch dadurch, dass er z.B. in den letzten Jahrzehnten 16.000 Stellen im Polizeidienst gestrichen hat, die Justiz völlig unterbesetzt ist usw.

Der Staat kann und soll auch Naturkatastrophen und ihren Folgen vorbeugen. Dazu gehört der Bau und die Pflege von Deichen; dazu gehören Frühwarnsysteme vor Erdbeben, Hochwasserschutzmaßnahmen; in anderen Ländern erdbebensichere Häuser; die Erforschung dieser Phänomene, um vorbeugen oder rechtzeitig warnen zu können und und und ... Das alles ist auch Aufgabe des Staates und man könnte ihm Versagen vorwerfen ...
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon Sofawolf » Sa 30. Dez 2017, 15:41

Kritikaster hat geschrieben:(23 Dec 2017, 10:42)

Bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass Du einen hundertprozentigen Schutz gegen Terrorangriffe für möglich hältst? :?:

Ich hielte eine solche Annahme für unrealistisch. Ein wesentlicher Aspekt des Terrors liegt doch in der Tatsache, dass er jederzeit, überall und unvorhersehbar zuschlagen kann. Dagegen lässt sich selbst in einem Polizeistaat kein Rundumschutz organisieren, umso weniger in einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat.


Finde ich auch.
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Re: Geld für die Opfer des Terroranschlags in Berlin - und andere?

Beitragvon unity in diversity » So 31. Dez 2017, 09:20

Sofawolf hat geschrieben:(30 Dec 2017, 15:41)

Finde ich auch.

Happy new fear, kann man da nur sagen.
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