Der langsame Tod der Rockmusik

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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 5. Dez 2017, 21:54

Misterfritz hat geschrieben:(05 Dec 2017, 21:44)

Weiss ich nicht, oder gut, heute ...
Es gab im BFBS die legendäre Bob Harris Show, einmal pro Woche wurden da Sachen gespielt, die man vorher (fast) nie in anderen Radioprogrammen gehört hatte, einfach klasse! Sowas vermisse ich tatsächlich.
Ich bin ja ab (?) komplett auf BFBS umgestiegen, weil es dort keine Radiowerbung gab. Hier kann ich das leider nicht empfangen.

Was dem Ossi sein RIAS ist dem Bayern sein AFN. Jüngere alte Ossis hören vielleicht MDR Sputnik (ex DT64). Ändert doch am Prinzip nichts. Die Radiosender sind Zielgruppenbediener, sie schaffen zusammen oder einzeln die Zielgruppe heute nicht (oder nur sehr partiell). Diaspora-Sender erscheinen einzelnen als Bereicherung oder Offenbarung, aber sie rechtfertigen sich auch nur über den Zuspruch ihrer Zielgruppe und dem jagen sie nach. Entsprechend bieten sie nur ein alternatives immergleich. Wenn Dr. Liese Müller Deutschlandradio Kultur oder DLF hört, ist das nicht so viel anders. Den Zuspruch-Peak im Radio haben wohl TOP40-Sender mit automatisierter Rotation der MC-Charts nach einem Vierstufenmodell. Die sind auch sehr billig und brauchen wenig Personal, Reichweite bringt Werberelevanz, klasse.

Solange mir noch keine Werbeclips auf den Tonträger gepresst werden, ist das alles nicht so sehr mein Problem.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Misterfritz » Di 5. Dez 2017, 21:58

Radio macht und bedient Wünsche, zumindest die meisten Sender.
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Sextus Ironicus
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Sextus Ironicus » Di 5. Dez 2017, 22:23

Ammianus hat geschrieben:(05 Dec 2017, 12:28)

So kenn ich das von Anfang an. "Was, du stehtst auf Sweet, Slades und Suzie Quatro? - Nein wir stehen auf wahre Musik. Deep Purple und Pink Floyd und Jazz-Rock und Blues."
In der Generation vorher war es wohl schon die Frage "Beatles oder Stones", wobei die Stones-Anhänger natürlich die Guten, Tollen und Echten waren. Vor einiger Zeit kam etwas in der Art sogar hier im Forum wieder. Man könne nur entweder die Beatles gut finden oder die Stones. Beide zusammen schlössen sich aus.


Nö. Keine Sau hätte die Beatles in ihrer Spätphase live sehen wollen mit ihrer programmartigen Musik, und Stones auf Konserve ist umgekehrt nicht prickelnd, das muss man schon hörend sehfühlen. So ließen sich Kopf und Bauch füllen :D
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Misterfritz » Di 5. Dez 2017, 22:32

Sextus Ironicus hat geschrieben:(05 Dec 2017, 22:23)

Nö. Keine Sau hätte die Beatles in ihrer Spätphase live sehen wollen mit ihrer programmartigen Musik, und Stones auf Konserve ist umgekehrt nicht prickelnd, das muss man schon hörend sehfühlen. So ließen sich Kopf und Bauch füllen :D

Hmmm, Du bist wahrscheinlich a weng jünger.
Die Beatles wollten schon ein paar mehr sehen. Sogar, als sie noch unbekannter waren.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Sextus Ironicus » Di 5. Dez 2017, 23:02

Misterfritz hat geschrieben:(05 Dec 2017, 22:32)

Hmmm, Du bist wahrscheinlich a weng jünger.
Die Beatles wollten schon ein paar mehr sehen. Sogar, als sie noch unbekannter waren.


Ja, natürlich, ein paar mehr. Aber könnte man die heute hören, so wäre das ganz ohne was doch mehr ein Kopferlebnis, während die Steine eben doch mehr ein Baucherlebnis sind und auf der Konserve nicht wirklich rüberkommen. Und für die braucht man auch deshalb nichts :D

Daher: Man kann schon beide mögen, aber halt anders :D :D :D
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Kritikaster » Mi 6. Dez 2017, 07:17

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Dec 2017, 13:31)

Um diese These zu widerlegen, müsste man jetzt ganz konkret an Beispielen und mit den Mitteln, die der Musikrezension eben so zur Verfügung stehen, argumentieren. Das sprengt glaub' ich das Thema.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an Jasper Van't Hof, der sich Mitte der 1980er Jahre in einem Interview einmal geradezu zerknirscht zum Erfolg seines Albums "Pili-Pili" äußerte. Er wolle doch als Jazz-Musiker anerkannt werden, und dafür sei kommerzieller Erfolg hinderlich.
Interessanterweise war sein Nachfolgewerk "Hoomba-Hoomba" trotzdem wieder sehr ähnlich arrangiert ... :?
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Mi 6. Dez 2017, 08:57

Sextus Ironicus hat geschrieben:(05 Dec 2017, 23:02)

Ja, natürlich, ein paar mehr. Aber könnte man die heute hören, so wäre das ganz ohne was doch mehr ein Kopferlebnis, während die Steine eben doch mehr ein Baucherlebnis sind und auf der Konserve nicht wirklich rüberkommen. Und für die braucht man auch deshalb nichts :D

Daher: Man kann schon beide mögen, aber halt anders :D :D :D


Ja, kann man.
Auf der anderen Seite haben die Stones nie vergessen ihre alten Songs zu spielen. Etwas, was die Beatles in aktiver Zeit mal gerne vergessen haben.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 6. Dez 2017, 09:03

Kritikaster hat geschrieben:(06 Dec 2017, 07:17)

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an Jasper Van't Hof, der sich Mitte der 1980er Jahre in einem Interview einmal geradezu zerknirscht zum Erfolg seines Albums "Pili-Pili" äußerte. Er wolle doch als Jazz-Musiker anerkannt werden, und dafür sei kommerzieller Erfolg hinderlich.

Bei solchen Äußerungen assoziiere ich zuallerst diese Mischung aus männlicher Eitelkeit und gleichzeitiger Verletzlichkeit. Jazzrock, Rockjazz, Ethnojazz usw. ... sowenig man die Instrumenten-Virtuosität der bekannten Größen dieses Genres anzweifeln muss ... zumindest aus heutiger Sicht hat das meiste davon für mich etwas unangenehm männlich-dominiert-eitles. (Auch wenn oder vielleicht grade weil Jasper van't Hof ausgiebiegst mit weiblichen Sängerinnen produziert hat). Etwas von dieser Geniekultästhetik der Goethezeit. Es wirkt heute irgendwie lächerlich. Die große Ausnahme ist Frank Zappa mit seiner Fähigkeit zur Ironisierung und Selbstironisierung. Das genau ist die notwendige Brechung.

Das "peinliche Genie" war ein Artikel zum 200. Todestag von Schiller in der FAZ überschrieben. Es bleibt ein großer Name als Legende. Aber der Großteil seiner Texte ist für mich (und sicher auch etliche Zeitgenossen) mit seinem Pathos nahezu unverdaulich. Und ein bissel gehts mir auch mit dem so, was als Fusion, Jazzrock usw. lief.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Mi 6. Dez 2017, 10:46

Was ich mich in diesem Thema auch immer wieder frage ist, was die Künstler wollen.
Wollen sie erfolgreich sein oder wollen sie unbedingt ihr Ding durchziehen.

Gehen wir wieder ins Extreme:
AC/DC. Ein Song auf 15 Alben ;)
Einfacher Riff, einfacher Beat und oft Mitsinghymne

Auf der anderen Seite nehme ich exemplarisch Soundgarden - Songs oft an der Schmerzgrenze, viel Tempiwechsel mit Schlagzeugerfirlefanz und selten etwas, das sofort textlich hängenbleibt.

Ich mag beide Sachen.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Misterfritz » Mi 6. Dez 2017, 11:11

Alexyessin hat geschrieben:(06 Dec 2017, 10:46)

Was ich mich in diesem Thema auch immer wieder frage ist, was die Künstler wollen.
Wollen sie erfolgreich sein oder wollen sie unbedingt ihr Ding durchziehen.
Wahrscheinlich beides, wenn sie nicht nur ein bisschen trällern können ;)
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Mi 6. Dez 2017, 11:46

Misterfritz hat geschrieben:(06 Dec 2017, 11:11)

Wahrscheinlich beides, wenn sie nicht nur ein bisschen trällern können ;)


Weiß ich nicht. Es gibt ja so Jazz Frickler die Akkordfolgen spielen können, das selbst Mathematiker mit den Kombinationen überfordert sind und halt Arbeiten müssen, weil es fünf Menschen gibt, die es sich anhören wollen.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Misterfritz » Mi 6. Dez 2017, 12:18

Alexyessin hat geschrieben:(06 Dec 2017, 11:46)

Weiß ich nicht. Es gibt ja so Jazz Frickler die Akkordfolgen spielen können, das selbst Mathematiker mit den Kombinationen überfordert sind und halt Arbeiten müssen, weil es fünf Menschen gibt, die es sich anhören wollen.
Es kommt sicherlich auch noch darauf an, was diese Künstler als Erfolg ansehen ;)
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Mi 6. Dez 2017, 12:40

Misterfritz hat geschrieben:(06 Dec 2017, 12:18)

Es kommt sicherlich auch noch darauf an, was diese Künstler als Erfolg ansehen ;)


Materieller Erfolg ist nun mal auch für einen Künstler lebensnotwendig.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 6. Dez 2017, 15:02

Misterfritz hat geschrieben:(05 Dec 2017, 21:58)

Radio macht und bedient Wünsche, zumindest die meisten Sender.

Den Wunsch zum Abschalten bediene ich mir selber. Ob das Radio den macht oder mich nur dran erinnert, ist eben die Frage. Der heute Autonomie haben kann, holt sich auch Blümchen und Nena just in time, on demand.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Misterfritz » Mi 6. Dez 2017, 15:17

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(06 Dec 2017, 15:02)

Den Wunsch zum Abschalten bediene ich mir selber. Ob das Radio den macht oder mich nur dran erinnert, ist eben die Frage. Der heute Autonomie haben kann, holt sich auch Blümchen und Nena just in time, on demand.
Das kann man ja heutzutage glücklicherweise.
Ich höre allerdings tagsüber immer nebenher Radio, um auf dem Laufenden zu sein (nicht musikalisch ;) ).
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Zunder » Mi 6. Dez 2017, 22:33

Alexyessin hat geschrieben:(06 Dec 2017, 08:57)

Auf der anderen Seite haben die Stones nie vergessen ihre alten Songs zu spielen. Etwas, was die Beatles in aktiver Zeit mal gerne vergessen haben.

Die Beatles haben ihre alten Songs vor allem deshalb nicht live gespielt, weil sie auch ihre neuen Songs nicht live gespielt haben - abgesehen vom Rooftop-Konzert während der Let-it-be-Session. Ihre Studio-Sachen waren damals auf der Bühne nicht reproduzierbar. Heute geht das.

McCartney spielt uralten Käse wie "I saw her standing there" übrigens immer noch.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon pikant » Do 7. Dez 2017, 10:00

Misterfritz hat geschrieben:(05 Dec 2017, 21:35)



Ob die Masse an Musik-Aufnahmen jetzt besser oder schlechter ist, will ich gar nicht beurteilen. Es ist nur so, dass die grosse Masse gar nicht im Radio gespielt werden kann. Und ob die Verpflichtung, auch deutsche Künstler zu spielen, nun eine wirklich gute Idee ist, möchte ich arg bezweifeln :D


in Frankreich gibt es einen Sender, der spielt alles quer durcheinander von Klassik bis Rock, ohne Werbung.
FIp-Radio - hoerenswert und staatlich

da hoert man Titel, die man noch nie gekannt hat, aber auch Klassiker der Pop-Musik
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Do 7. Dez 2017, 15:22

pikant hat geschrieben:(07 Dec 2017, 10:00)

in Frankreich gibt es einen Sender, der spielt alles quer durcheinander von Klassik bis Rock, ohne Werbung.
FIp-Radio - hoerenswert und staatlich

da hoert man Titel, die man noch nie gekannt hat, aber auch Klassiker der Pop-Musik

Der langsame Tod der Rockmusik nicht Pop-Musik.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Progressiver » Fr 8. Dez 2017, 22:40



Zuerst einmal danke für den Tipp. Ich höre mir jetzt seit einer Stunde an, was der Sender zu bieten hat. Über die alten Lieder und Gruppen, die da gespielt werden, mag ich zunächst nichts sagen. Mir geht es ja in diesem Thread darum, ob es neue Bands gibt, die irgendwie es schaffen, die Menschenmassen zu begeistern und gleichzeitig etwas neues und kreativ neues bieten können. Das ist wohl immer eine schmale Gratwanderung.

Zu den alten Bands nur so viel: In die Rock & Roll Hall of Fame des Senders wurde die Band Bon Jovi aufgenommen. Andere Bands wie Rage Against The Machine blieben wohl draussen. Ich selbst habe nie Rage Against The Machine gehört, fand aber die politischen Aussagen der Gruppe nicht schlecht. Von Bon Jovi und Konsorten halte ich aber erst recht nichts, da die mir zu eintönig sind! Und das sehe ich als Problem.

Die Mehrheit der Rockfans stehen anscheinend auch auf Lieder ohne große Tempowechsel oder andere kreative Ideen. Korrigiert mich, wenn ich mich irre. Aber genial ist für mich das Gegenteil davon. Da frage ich mich doch: Was soll denn bitte so toll daran sein, wenn sich alle Songs einer Band irgendwie gleich anhören? Und was unterscheidet sie noch einmal von dem Einheitsbrei, den andere Musikstile wie Schlager oder die moderne elektronische Popmusik bieten?

Ich habe diesen Thread, wie gesagt, unter anderem auch deswegen aufgemacht, weil ich mich fragte: Wer oder was kann einen kreativen Künstler wie Chris Cornell beerben? Diesen habe ich ja auch erst im Laufe der Jahre zu schätzen gelernt. Erst vor einer Woche habe ich mir ein paar alte Alben von Soundgarden gekauft. In den 1990ern dagegen nur die Single von "Black Hole Sun". Dies soll auch kein Chris Cornell-Fanthread werden. Aber musikalisch konnte er sowohl in seiner Karriere schnelle und harte Punksongs hinbrettern als auch das sentimentale Gegenteil bieten. Und während manche Lieder und Texte vielleicht gut ins Ohr gehen, sind eben andere eher sperrig, aber bei näherem Hinhören umso genialer.

Vielleicht habe ich ja eine nicht massenkompatible Vorstellung davon, was gute Gitarrenmusik sein kann. Vielleicht habe ich auch zu sehr in einer idealistischen musikalischen Filterblase gelebt und dadurch andere Bands und Künstler, die eher eintönige Musik machen, erst gar nicht wahrgenommen. Wenn jedoch Rockmusik nur aus Bon Jovi oder Nickelback bestehen würde, dann kann man vielleicht verstehen, dass die jüngeren Leute mal etwas anderes hören wollen. Dann würde auch ich sagen, dass die Rockmusik einen verdienten Tod stirbt. Dies trifft dann aber auch auf andere Musikstile zu, die ebenfalls nicht gerade durch eine große Variabilität glänzen.

Trotzdem wurde beispielsweise bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich als Titelmusik irgendein Popsong von dem DJ David Guetta gespielt. Offensichtlich ist gute Gitarrenmusik, gepaart mit Kreativität und Liedern, die das ganze menschliche Gefühlspektrum abbilden, nicht mehr en vogue? Und wenn es kreative Köpfe unter den Musikern gibt, dann nehmen sie nicht mehr unbedingt eine Gitarre in die Hand? Oder sie tun es doch, aber tauchen nicht mehr in den offiziellen sogenannten Charts auf? Ich für meinen Teil habe, wie gesagt, eigentlich keine Schwierigkeiten, gute und für mich neue Musikgruppen ausfindig zu machen. Aber beim Blues gelingt mir das irgendwie besser. Diese Künstler sind zwar ebenfalls so unbekannt, dass man sie im Radio hier in Deutschland nicht spielt. Für mich sind sie aber auffindbar. Ob die Rockantenne oder Spotify es schaffen, diese Schieflage bezüglich der Rockmusik zu beenden, wird sich jedenfalls noch zeigen.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Watchful_Eye » Sa 9. Dez 2017, 23:15

Progressiver hat geschrieben:(08 Dec 2017, 22:40)
Ich habe diesen Thread, wie gesagt, unter anderem auch deswegen aufgemacht, weil ich mich fragte: Wer oder was kann einen kreativen Künstler wie Chris Cornell beerben? Diesen habe ich ja auch erst im Laufe der Jahre zu schätzen gelernt. Erst vor einer Woche habe ich mir ein paar alte Alben von Soundgarden gekauft. In den 1990ern dagegen nur die Single von "Black Hole Sun". Dies soll auch kein Chris Cornell-Fanthread werden. Aber musikalisch konnte er sowohl in seiner Karriere schnelle und harte Punksongs hinbrettern als auch das sentimentale Gegenteil bieten. Und während manche Lieder und Texte vielleicht gut ins Ohr gehen, sind eben andere eher sperrig, aber bei näherem Hinhören umso genialer.

Probier die mal durch. Nicht alle brandaktuell, vieles aus den 00ern, aber trotzdem ggf. leicht zu übersehen:
Boris - Vanilla
The Afghan Wigs - Gentlemen
Cave In - Big Riff
Blackmail - Evon
The War on Drugs - Pain
Cursive - Art is Hard
..and you will know us by the trail of dead - The Rest Will Follow
Steven Wilson - Harmony Korine
Biffy Clyro - Living Is A Problem Because Everything Dies
Klimt 1918 - Rachel

Ansonsten, Tool kennst du, oder?
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)

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