Anpassung an andere Kulturen.

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Würdest du , wenn du die möglichkeit hättest, eine andere Kultur endecken?

Ja
18
64%
Nein
6
21%
Keine Ahnung, ich habe mich nur umgeschaut und weiß nicht wie ICH hier gelandet bin?!
4
14%
 
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H2O
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon H2O » Do 29. Dez 2016, 20:37

Selina hat geschrieben:(29 Dec 2016, 18:09)

Ein großer Teil der Leute mit Migrationshintergrund arbeitet hier ebenfalls seit vielen Jahren und zahlt Steuern. Und das seit mehreren Generationen. Und dürfen nicht wählen und werden behandelt wie Aussätzige. Ohne diese Leute würde in Berlin gar nichts mehr gehen: Kein Müll würde abtransportiert, der Fahrplan des ÖPNV würde wahrscheinlich um die Hälfte reduziert werden müssen und du müsstest ganz zu Hause bleiben.


Ja, dafür leben diese Mitbürger aber in einem Land mit einer Infrastruktur, die sie offenbar zum Bleiben veranlaßt. Wenn seit "mehreren Generationen" ein ansonsten unbescholtener Mitbürger nicht wählen darf, dann ist da ja ganz grundsätzlich etwas schief gelaufen. Warum nimmt er nicht die deutsche Staatsbürgerschaft an, die ihm doch von Geburt an auf einem Silbernen Tablett angeboten wird? Sind ihm denn die politischen Entwicklungen und Ereignisse in seinem gewohnten Lebensbereich gleichgültig? Dann darf er sich auch nicht wundern, wenn sein Dasein seinen Mitbürgern gleichgültig ist! Warum gibt es überhaupt mehrere Staatsbürgerschaften zugleich, wenn "Generationen" schon in und für Deutschland Aufenthalt, Bildung, Arbeit und Familie gerecht geworden sind?

Immerhin werden in letzter Zeit zunehmend Mitbürger in 1. und 2. Generation öffentlich tätig, die in deutschen politischen Parteien beachtliche Laufbahnen in der aktiven Politik vor zu weisen haben. Ich nehme an, daß die wenigstens "Ja" zu Deutschland sagen, auch wenn sie mit Liebe und Teilnahme an ihren Familien hängen, die in der aufgegebenen Heimat leben. Jedenfalls halte ich diese Verbindung für etwas zutiefst Sympathisches und Menschliches.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon ThorsHamar » Fr 30. Dez 2016, 00:01

Selina hat geschrieben:(29 Dec 2016, 18:09)

Ein großer Teil der Leute mit Migrationshintergrund arbeitet hier ebenfalls seit vielen Jahren und zahlt Steuern. Und das seit mehreren Generationen. Und dürfen nicht wählen und werden behandelt wie Aussätzige. Ohne diese Leute würde in Berlin gar nichts mehr gehen: Kein Müll würde abtransportiert, der Fahrplan des ÖPNV würde wahrscheinlich um die Hälfte reduziert werden müssen und du müsstest ganz zu Hause bleiben.


Soweit ich weiss, dürfen alle volljährig deutschen Staatsbürger, egal, wie lange der "Migrationshintergrund" zurückliegt, wählen.
Dass Leute ohne deutsche Staatsbürgerschaft in Deutschland nicht wählen dürfen, ist ja wohl eine Selbstverständlichkeit. Oder wollen wir uns von Russen oder Türken die Politik Putins und Erdogans in unser Staatswesens implantieren lassen?
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon Occham » Fr 30. Dez 2016, 19:32

ThorsHamar hat geschrieben:(29 Dec 2016, 15:08)

;) Davon bin ich ausgegangen.
Für unsere, besonders gemeint die romantisch veranlagten, Mitleser sei nochmal erwähnt, was Paradigma überhaupt bedeutet, also nicht der semantische Part, sondern die Existenz von Paradigmen.
Ein Paradigma ist die Postulierung und Verkündung einer eigenen Leitkultur.
Gegen die vermeintliche Freiwilligkeit der Rezeption dieser Paradigmen gibt es ganz einfache Gegenmittel, welche angewendet werden, wenn der "Azubi" nämlich merkt, dass er gerade benutzt wird.
Das Gegenmittel gegen politische Indoktrination durch paradigmatische Interessen heisst "Lügenpresse", das gegen die Beeinflussung durch Werbung "ad-blocker" oder einfach Ausschaltknopf.

Solange es Menschen gibt, die sich freiwillig vom Unterhaltungsfernsehen bilden lassen, muss man da das beste rausholen.


ThorsHamar hat geschrieben:(29 Dec 2016, 15:08)

Meine berufliche Erfahrung sagt mir, dass die "Freiwilligkeit" zu Zusammenarbeit sofort aufhört, wenn der Geldfluss versiegt.
Wie gesagt, es ist Dressur, nicht pragmatisches Um-Denken , z.B. um die eigenen Paradigmen zu ändern, im Interesse von Gemeinschaft.



Hier kann ich mich nur wiederholen. Fritz und Fritzchen. Der Schabernack von Fritzchen (Geld) hat seine verstandesmäßigen Grenzen und sind die erreicht, muss man, so leid es mir für dich tut, das Ganze von Fritz'es Sichtweise aus begreifen: die Zusammenarbeit und von dieser "langweiligen" Sichtweise gibt es sehrwohl Möglichkeiten das ganze weiter hochzurechnen, als man sich das vorstellen kann.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 30. Dez 2016, 20:01

Zunder hat geschrieben:(29 Dec 2016, 14:26)

Was als öffentliches Ärgernis gilt, wird durch die Kultur bestimmt. Das kann sich ändern und ändert sich auch. Dein Versuch, den Kulturbegriff gegen ein Gesetz ausspielen zu wollen, geht ein bißchen an der Sache vorbei, weil das Rechtssystem nunmal Teil der Kultur ist.

Nein. Recht ist Recht und Kultur ist Kultur. Und deshalb kann das eine auch nicht durch das andere "ausgespielt werden". Das ist Teil des grundlegenden demokratischen Prinzips der Gewaltenteilung. Kultur hat grundsätzlich frei und unbeschränkt zu sein. Es ist alles erlaubt, was nicht aus juristischen Erwägungen heraus verboten werden muss. Und nicht etwa: Es ist alles verboten, was nicht aus leitkulturellen Erwägungen heraus geboten ist.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon Occham » Fr 30. Dez 2016, 20:39

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Dec 2016, 20:01)

Nein. Recht ist Recht und Kultur ist Kultur.

Wir leben in einer Klassengesellschaft wo jede Schicht seine eigenen Paradigmen hat, diese sich voneinander entfernen. Wie auch immer, Gesetze sind ein Ausdruck von Kultur, in unserem Fall, ein Ausdruck einer sich selbst abschaffenden Klassengesellschaft. Wenn du das anders siehst... solls mir recht sein. Je eher das hier endet, desto eher kann aus dem Ende etwas Neues hervorgehen.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon Zunder » Fr 30. Dez 2016, 22:00

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Dec 2016, 20:01)
Nein. Recht ist Recht und Kultur ist Kultur.

Offensichtlich hast du immer noch nicht verstanden, was der Begriff "Kultur" bedeutet.

"Kultur ist (gemäß Helman) ein System von Regeln und Gewohnheiten, die das Zusammenleben und Verhalten der Menschen leiten.

Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik oder der bildenden Kunst, aber auch geistige Gebilde bzw. „Subkulturen“ wie Musik, Sprachen, Moral, Religion, Recht, Wirtschaft und Wissenschaften."

https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur

Das geltende Recht ist nicht von der Kultur abgekoppelt, sondern aus der Kultur entstanden, in der Kultur enthalten und durch die Kultur veränderbar - Beispiel § 175.

In der Islamischen Republik Iran führt Homosexualität zu einem exponierten Platz am Baukran.
In Deutschland ist Homosexualität nicht mehr strafbar.
Dieser Unterschied ist nicht gottgegeben, sondern folgt aus kulturell divergierenden Menschenrechtsverständnissen, die sich in den Strafgesetzbüchern niederschlagen.

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Dec 2016, 20:01)
Und deshalb kann das eine auch nicht durch das andere "ausgespielt werden".

Mit Logik hat diese Schlußfolgerung relativ wenig zu tun.

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Dec 2016, 20:01)
Das ist Teil des grundlegenden demokratischen Prinzips der Gewaltenteilung.

Die Gewaltenteilung gehört zu den Kulturleistungen.
schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Dec 2016, 20:01)
Kultur hat grundsätzlich frei und unbeschränkt zu sein.

Kultur unterliegt keinem Imperativ, auch wenn er gutgemeint sein sollte.
schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Dec 2016, 20:01)
Es ist alles erlaubt, was nicht aus juristischen Erwägungen heraus verboten werden muss.

Das Rechtsverständnis, daß erlaubt ist, was nicht verboten wurde, ergibt sich aus der Kultur der Aufklärung.
In manch anderen Kulturen gilt als verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt wurde.
schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Dec 2016, 20:01)
Und nicht etwa: Es ist alles verboten, was nicht aus leitkulturellen Erwägungen heraus geboten ist.

Und? Hat das jemand behauptet?
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon ThorsHamar » Sa 31. Dez 2016, 16:04

Occham hat geschrieben:(30 Dec 2016, 19:32)

.... Hier kann ich mich nur wiederholen. Fritz und Fritzchen. Der Schabernack von Fritzchen (Geld) hat seine verstandesmäßigen Grenzen und sind die erreicht, muss man, so leid es mir für dich tut, das Ganze von Fritz'es Sichtweise aus begreifen: die Zusammenarbeit und von dieser "langweiligen" Sichtweise gibt es sehrwohl Möglichkeiten das ganze weiter hochzurechnen, als man sich das vorstellen kann.


Wie bitte? Ist das 'n Translator? ;)

.... egal, ich bleibe dabei. Die Dressur mit Geld hört bei Beenden der Alimentierung auf und ist nicht das notwendige, eben pragmatisches Um-Denken , z.B. um die eigenen Paradigmen zu ändern, im Interesse von Gemeinschaft.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 31. Dez 2016, 16:49

Zunder hat geschrieben:(30 Dec 2016, 22:00)
Das geltende Recht ist nicht von der Kultur abgekoppelt, sondern aus der Kultur entstanden, in der Kultur enthalten und durch die Kultur veränderbar - Beispiel § 175.

In der Islamischen Republik Iran führt Homosexualität zu einem exponierten Platz am Baukran.
In Deutschland ist Homosexualität nicht mehr strafbar.
Dieser Unterschied ist nicht gottgegeben, sondern folgt aus kulturell divergierenden Menschenrechtsverständnissen, die sich in den Strafgesetzbüchern niederschlagen.

Die Abschaffung der Strafbarkeit von Homosexualität in Deutschland lässt sich durchaus als Rückzug von Rechtspraxis im engeren Sinne aus kultureller Praxis im engeren Sinne verstehen (auch wenn "Recht" sicherlich Teil von "Kultur" im allgemeineren Sinn ist und bleibt).

Der Kantsche Kategorische Imperativ ist das Musterbeispiel dafür, dass sich moralische (und damit auch rechtliche) Prinzipien aus abstrakten Überlegungen heraus ableiten lassen und nicht Teil einer bestimmten historisch gewachsenen Kultur sind. Kulturalismus ist der aktuelle Megatrend, nur noch solche konkreten ethnisch-moralischen Zuschreibungen zuzulassen. Es ist wie der Schritt zurück von einer axiomatischen Einführung der natürlichen Zahlen hin zum Rechnen mit der Zehn-Finger-Methode.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon Umetarek » Sa 31. Dez 2016, 17:29

Es geht hier darum, in wieweit man gewillt ist, sich im Ausland den dortigen Gepflogenheiten anzupassen, Deutschland ist hier irrelevant.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon H2O » Sa 31. Dez 2016, 18:23

Umetarek hat geschrieben:(31 Dec 2016, 17:29)

Es geht hier darum, in wieweit man gewillt ist, sich im Ausland den dortigen Gepflogenheiten anzupassen, Deutschland ist hier irrelevant.


Wenn die allgemeinen Menschenrechte dort gelten und auch eingehalten werden, dann kann ich mich dort einfühlen und mich anpassen.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon Occham » So 1. Jan 2017, 08:10

H2O hat geschrieben:(31 Dec 2016, 18:23)

Wenn die allgemeinen Menschenrechte dort gelten und auch eingehalten werden, dann kann ich mich dort einfühlen und mich anpassen.

Mit wäre wichtiger, als Einstiegspunkt eine Person kennenzulernen, mit dieser ich mich gut verstehe und anders rum. Ohne "Einstiegspunkt" tut sich glaube ich jeder schwer, sich an eine Kultur anzupassen, die man noch nicht kennt und sich an etwas anpassen, was man noch nicht kennt, ist schwieriger.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon schokoschendrezki » So 1. Jan 2017, 08:38

Zwischen "Kultur" als - grobgesprochen - Gesamtheit alles Menschengemachtem und "Natur" (einschließlich aller antroposophischen Gegebenheiten) besteht ein solch grundlegender Unterschied, dass die Unterschiede in den verschiedenen Ausprägungen von Kulturen gar keine Rolle spielen. Die vergleichenden Religionswissenschaften können denn auch bestimmte Grunderzählungen in allen Weltreligionen in verschiedener aber strukturell ähnlicher Form wiederfinden. Ich habe arge Befürchtungen, dass dieser aktuelle moderne Kulturalismus, dieses Beharren auf Prägungen und Geprägtheiten die Welt noch in eine arge Notlage bringen werden.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon H2O » So 1. Jan 2017, 10:33

Occham hat geschrieben:(01 Jan 2017, 08:10)

Mit wäre wichtiger, als Einstiegspunkt eine Person kennenzulernen, mit dieser ich mich gut verstehe und anders rum. Ohne "Einstiegspunkt" tut sich glaube ich jeder schwer, sich an eine Kultur anzupassen, die man noch nicht kennt und sich an etwas anpassen, was man noch nicht kennt, ist schwieriger.


Da haben Sie ganz sicher Recht! Mit einer Bezugsperson geht die Sache viel leichter, insbesondere dann, wenn man in ein fremdes Sprachgebiet gerät und hauptsächlich "Bahnhof" versteht. Ich habe mich umgekehrt aufgestellt: Zuerst die Sprache zu Hause an der Universität bis Sprachniveau B2 erlernt, und dann mit Schwung ins Getümmel gestürzt. Klappte sofort, und nun habe ich dutzende Bezugspersonen in Baugeschäften und unter Handwerkern. Das geht also auch, wenn man sich gut vorbereitet. Ich habe die Anpassung zum 2. Male gemeistert; zuerst in Italien, und jetzt in Polen. Ja, unter Europäern ist das auch nicht ganz so schwierig.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon Selina » So 1. Jan 2017, 10:57

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Jan 2017, 08:38)

Zwischen "Kultur" als - grobgesprochen - Gesamtheit alles Menschengemachtem und "Natur" (einschließlich aller antroposophischen Gegebenheiten) besteht ein solch grundlegender Unterschied, dass die Unterschiede in den verschiedenen Ausprägungen von Kulturen gar keine Rolle spielen. Die vergleichenden Religionswissenschaften können denn auch bestimmte Grunderzählungen in allen Weltreligionen in verschiedener aber strukturell ähnlicher Form wiederfinden. Ich habe arge Befürchtungen, dass dieser aktuelle moderne Kulturalismus, dieses Beharren auf Prägungen und Geprägtheiten die Welt noch in eine arge Notlage bringen werden.


Richtig. Da gibt es auch interessante Parallelen in der internationalen Sagen- und Märchenwelt. Und weil wir hier gerade bei der Kultur sind... in ihrem weitesten Sinne: Manchmal kann man sogar Ähnlichkeiten zwischen Russen und Amis entdecken, zum Beispiel in der stark ausgeprägten Vorliebe für Glitzer, Pomp und Kitsch zu Weihnachten (bzw. Jolkafest) und bei anderen Anlässen. Solche Ähnlichkeiten kann man im Positiven (Freundlichkeit, Herzlichkeit, Feierlust vieler Menschen) wie im Negativen (eben dieser Spaß an Kitsch und an großen Gesten schon im Kleinen ;) ) immer wieder entdecken. Es gäbe meines Erachtens viele Gründe dafür, dass sich die Völker gut verstehen könnten. Trennendes und Verbindendes kann man eher an anderen Dingen festmachen als am Begriff der Nation und der speziellen Landeskultur. So verbindet das weltweite Prekariat untereinander sicher mehr als das nationale Prekariat mit den jeweiligen oberen Zehntausend der Länder.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon H2O » So 1. Jan 2017, 11:09

Selina hat geschrieben:(01 Jan 2017, 10:57)

Richtig. Da gibt es auch interessante Parallelen in der internationalen Sagen- und Märchenwelt. Und weil wir hier gerade bei der Kultur sind... in ihrem weitesten Sinne: Manchmal kann man sogar Ähnlichkeiten zwischen Russen und Amis entdecken, zum Beispiel in der stark ausgeprägten Vorliebe für Glitzer, Pomp und Kitsch zu Weihnachten (bzw. Jolkafest) und bei anderen Anlässen. Solche Ähnlichkeiten kann man im Positiven (Freundlichkeit, Herzlichkeit, Feierlust vieler Menschen) wie im Negativen (eben dieser Spaß an Kitsch und an großen Gesten schon im Kleinen ;) ) immer wieder entdecken. Es gäbe meines Erachtens viele Gründe dafür, dass sich die Völker gut verstehen könnten. Trennendes und Verbindendes kann man eher an anderen Dingen festmachen als am Begriff der Nation und der speziellen Landeskultur. So verbindet das weltweite Prekariat untereinander sicher mehr als das nationale Prekariat mit den jeweiligen oberen Zehntausend der Länder.


Sie rennen einem gescheiterten Ideal hinterher! Die Internationale der zu kurz Gekommenen hat es nie gegeben, und es besteht auch wenig Hoffnung, daß es sie jemals geben wird. Oder entgeht Ihnen, daß in den europäischen Ländern genau dieser Bevölkerungsanteil sich um Populisten schart, die ihn gegen fremde Hungerleider auf die Straße schicken?
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon Selina » So 1. Jan 2017, 11:37

H2O hat geschrieben:(01 Jan 2017, 11:09)

Sie rennen einem gescheiterten Ideal hinterher! Die Internationale der zu kurz Gekommenen hat es nie gegeben, und es besteht auch wenig Hoffnung, daß es sie jemals geben wird. Oder entgeht Ihnen, daß in den europäischen Ländern genau dieser Bevölkerungsanteil sich um Populisten schart, die ihn gegen fremde Hungerleider auf die Straße schicken?


Nein, da geht es nicht um irgendein Ideal und schon gar nicht um eine "Internationale der zu kurz Gekommenen", sondern ich sprach von Emotionen und Befindlichkeiten. Dass dieses weltweite untere Drittel sich nun nicht plötzlich verbrüdert und zur Revolution schreitet, das ist ja wohl klar :D Hatte ich auch nicht gemeint. Mir geht es um Zugehörigkeit und Alltagskultur, und da haben nun mal untere Schichten der verschiedenen Nationen mehr Gemeinsames als Trennendes. Und auch die oberen Zehntausend haben mehr Gemeinsamkeiten global gesehen als mit ihrem eigenen nationalen Prekariat. Das ist einfach nur die Analyse. Was sich daraus in vielen Jahren einmal entwickeln könnte, ist völlig offen. Ich bin einfach gegen einen starren Begriff der sich abgrenzenden und auf sich selbst zurückgeworfenen Nationen, weil das eine Illusion ist im Zeitalter der Globalisierung.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon H2O » So 1. Jan 2017, 11:49

Selina hat geschrieben:(01 Jan 2017, 11:37)

Nein, da geht es nicht um irgendein Ideal und schon gar nicht um eine "Internationale der zu kurz Gekommenen", sondern ich sprach von Emotionen und Befindlichkeiten. Dass dieses weltweite untere Drittel sich nun nicht plötzlich verbrüdert und zur Revolution schreitet, das ist ja wohl klar :D Hatte ich auch nicht gemeint. Mir geht es um Zugehörigkeit und Alltagskultur, und da haben nun mal untere Schichten der verschiedenen Nationen mehr Gemeinsames als Trennendes. Und auch die oberen Zehntausend haben mehr Gemeinsamkeiten global gesehen als mit ihrem eigenen nationalen Prekariat. Das ist einfach nur die Analyse. Was sich daraus in vielen Jahren einmal entwickeln könnte, ist völlig offen. Ich bin einfach gegen einen starren Begriff der sich abgrenzenden und auf sich selbst zurückgeworfenen Nationen, weil das eine Illusion ist im Zeitalter der Globalisierung.


Ja, da liegen Sie schon weitaus richtiger... aus meiner Sicht. Bei den "zu kurz Gekommenen" muß noch die Hürde "Fremdsprache" betrachtet werden, wie Sie hier zu Lande täglich beobachten können. Auch dieser Mangel macht die Anpassung fast unmöglich... so entstehen Wagenburgen und "Milieus".
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon Selina » So 1. Jan 2017, 12:40

H2O hat geschrieben:(01 Jan 2017, 11:49)

Ja, da liegen Sie schon weitaus richtiger... aus meiner Sicht. Bei den "zu kurz Gekommenen" muß noch die Hürde "Fremdsprache" betrachtet werden, wie Sie hier zu Lande täglich beobachten können. Auch dieser Mangel macht die Anpassung fast unmöglich... so entstehen Wagenburgen und "Milieus".


Ja, ich habe diese Diskussion (auch in anderen Threads wird sie ja geführt) schon ein wenig verfolgt. Allerdings bin ich kein Freund von Assimilation, sondern immer nur von Integration. Assimilation wäre bedingungslose Anpassung, Integration ist besser, lässt allen Beteiligten ihre Würde, ihre Kultur, ihre Traditionen. Eine völlige Verschmelzung etwa der Syrer mit dem Deutschsein ist auch völlig unnötig. Was wichtig ist, ist das Beherrschen der Sprache, weil man ja ohne Sprachkenntnisse weder einen Job findet noch überhaupt im Alltag zurecht kommt. Und man sollte schon die wichtigsten Gesetze, Regeln und Gepflogenheiten des aufnehmenden Staates kennen und praktizieren können. Aber all das Genannte erreicht man auch über die Integration. Da braucht es keine Anpassung und Verschmelzung. Im Gegenteil: Die Menschen mit fremden Wurzeln können sich oft viel besser integrieren, wenn man sie locker ihre eigene Kultur, ihre Sitten und Bräuche weiter pflegen lässt. Warum? Weil sie sich dann einfach besser fühlen und auf diese Weise auch mehr für ihre Gastgeber-Gesellschaft tun können. Da gibt es sehr viele Beispiele, wo das bestens klappt.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon H2O » So 1. Jan 2017, 14:58

Selina hat geschrieben:(01 Jan 2017, 12:40)

Ja, ich habe diese Diskussion (auch in anderen Threads wird sie ja geführt) schon ein wenig verfolgt. Allerdings bin ich kein Freund von Assimilation, sondern immer nur von Integration. Assimilation wäre bedingungslose Anpassung, Integration ist besser, lässt allen Beteiligten ihre Würde, ihre Kultur, ihre Traditionen. Eine völlige Verschmelzung etwa der Syrer mit dem Deutschsein ist auch völlig unnötig. Was wichtig ist, ist das Beherrschen der Sprache, weil man ja ohne Sprachkenntnisse weder einen Job findet noch überhaupt im Alltag zurecht kommt. Und man sollte schon die wichtigsten Gesetze, Regeln und Gepflogenheiten des aufnehmenden Staates kennen und praktizieren können. Aber all das Genannte erreicht man auch über die Integration. Da braucht es keine Anpassung und Verschmelzung. Im Gegenteil: Die Menschen mit fremden Wurzeln können sich oft viel besser integrieren, wenn man sie locker ihre eigene Kultur, ihre Sitten und Bräuche weiter pflegen lässt. Warum? Weil sie sich dann einfach besser fühlen und auf diese Weise auch mehr für ihre Gastgeber-Gesellschaft tun können. Da gibt es sehr viele Beispiele, wo das bestens klappt.


In vielen Bereichen bleibt nur die Assimilation; wir werden das Grundgesetz und darauf aufbauende Gesetze und Rechte sicher nicht ändern, nur weil wir Schutzsuchenden einen Ort bieten möchten, wo sie sich sicher fühlen können. Ganz sicher werden wir hier religiösen Fanatikern keinen Tummelplatz bieten, auch wenn hier so etwas eingerissen zu sein scheint. In unseren Ämtern wird es keine Freiheiten dieser Art geben können. Die müssen streng neutral geführt werden, und zwar in jeder Richtung. Selbstverständlich kann man ohne Schaden und böse Gefühle Volksfeste und Geselligkeiten fördern, wenn sie nicht ausschließen, sondern für alle offen sind... so wie unsere traditionellen Feste ja auch. Hilft ja alles nichts, wenn der gute Wille nicht vorhanden ist, dann müssen Verordnungen überzogene Ansprüche zurück weisen.

Wenn ich ein entsprechendes Studienergebnis richtig gedeutet habe, dann vertreten 4 von 5 Flüchtlingen diese Grundlinie. Narrenfreiheit für den Rest sollte man im Keim ersticken: Rückfahrkarte und gut ist's.
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Re: Anpassung an andere Kulturen.

Beitragvon schokoschendrezki » So 1. Jan 2017, 18:41

Selina hat geschrieben:(01 Jan 2017, 11:37)

Nein, da geht es nicht um irgendein Ideal und schon gar nicht um eine "Internationale der zu kurz Gekommenen", sondern ich sprach von Emotionen und Befindlichkeiten. Dass dieses weltweite untere Drittel sich nun nicht plötzlich verbrüdert und zur Revolution schreitet, das ist ja wohl klar :D Hatte ich auch nicht gemeint. Mir geht es um Zugehörigkeit und Alltagskultur, und da haben nun mal untere Schichten der verschiedenen Nationen mehr Gemeinsames als Trennendes. Und auch die oberen Zehntausend haben mehr Gemeinsamkeiten global gesehen als mit ihrem eigenen nationalen Prekariat. Das ist einfach nur die Analyse. Was sich daraus in vielen Jahren einmal entwickeln könnte, ist völlig offen. Ich bin einfach gegen einen starren Begriff der sich abgrenzenden und auf sich selbst zurückgeworfenen Nationen, weil das eine Illusion ist im Zeitalter der Globalisierung.

Die Erzählung von den Nationen, Religionen, Kulturen, Prägungen usw. ist nicht zuletzt die erfolgreiche Story, die die Rechtskonservativen in aller Welt den verblödeten, phantasielosen Linken aktuell entgegegengesetzt haben. Einer klassischen Linken wie Andrea Nahles fällt eben nix anderes ein, als mehr fettes Essen für Verfettete, mehr Geld für Rentner, die ohnehin in der Mehrheit (ich kenne die Ausnahmen!) nicht wissen wohin mit dem Geld, schnellere Autos für Menschen auf hoffnungslos überfrachteten Straßen ... Die Linke müsste gesellschaftliche Visionen jenseits von SUV und Rentner mit Mallorca-immobilie in Gang setzen. Nicht wenige politische summarische Jahresendkommentare machen für den herrschenden generellen Schwenk des sogenannten freien Westens in Richtung Rechts und Autokratie die völlige politische Phantasielosigkeit und den dummdoofen Materialismus der klassischen Linken verantwortlich. Es gibt bzw. gäbe so starke politische und soziale Perspektiven von Gemeinschaftlichkeit jenseits von Kulturalismus, Nation und Fußballclub ... nur den Linken fällt einfach nix besseres ein als "Gehaltserhöhung" ... leztendlich geschieht es der Sozialdemokratie recht, wenn sie vom Hof der Geschichte hinweggefegt würde.
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