Wie lange noch NATO-Einsatz in Afghanistan?

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bennyh
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Wie lange noch NATO-Einsatz in Afghanistan?

Beitragvon bennyh » So 12. Mär 2017, 15:31

Mich würde interessieren, was ihr meint, wie lange der Krieg bzw. NATO-Einsatz in Afghanistan noch andauern wird.

Insbesondere frage ich mich, was genau die Kriegs- bzw. Einsatzziele sind und ob diese in naher Zukunft erreichbar scheinen. Ich erinnere mich düster daran, dass es im Jahre 2001 offiziell darum ging, die Taliban zu entmachen und dem Land eine rationalere Regierung zu geben. Dieses Ziel wurde ja bekanntermaßen innerhalb von ein paar Monaten erreicht. Warum dauert der Krieg bis heute, 15 Jahre später, an? Was wäre das worst-case Szenario eines Abzugs der NATO?

Wäre es möglich/erfolgsversprechend, regionale Akteuren wie Iran, Pakistan, China dazu zu bringen, das militärische Management Afghanistan zukünftig zu übernehmen?

Auch würde mich interessieren, ob von der Trump-Administration ein Kurswechsel zum Thema Afghanistan zu erwarten ist.
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Enas Yorl
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Re: Wie lange noch NATO-Einsatz in Afghanistan?

Beitragvon Enas Yorl » So 12. Mär 2017, 18:00

bennyh hat geschrieben:(12 Mar 2017, 15:31)Insbesondere frage ich mich, was genau die Kriegs- bzw. Einsatzziele sind und ob diese in naher Zukunft erreichbar scheinen.

Soweit ich weiß, geht es darum die afghanische Regierung in die Lage zu versetzen, weiterhin das Land zu regieren. Ob das überhaupt zu erreichen ist, und wann, ist vollkommen offen.

bennyh hat geschrieben:(12 Mar 2017, 15:31)Ich erinnere mich düster daran, dass es im Jahre 2001 offiziell darum ging, die Taliban zu entmachen und dem Land eine rationalere Regierung zu geben. Dieses Ziel wurde ja bekanntermaßen innerhalb von ein paar Monaten erreicht. Warum dauert der Krieg bis heute, 15 Jahre später, an?

Weil diese Regierung von Anfang an außerhalb von Kabul machtlos war, daran hat sich bis heute nur wenig geändert.

bennyh hat geschrieben:(12 Mar 2017, 15:31)Wäre es möglich/erfolgsversprechend, regionale Akteuren wie Iran, Pakistan, China dazu zu bringen, das militärische Management Afghanistan zukünftig zu übernehmen?

Keines dieser Länder hat in Bezug auf Afghanistan irgendwelche humanitären, ethische oder demokratische Ziele. Aus der Sicht von China & Co würde es vollkommen ausreichen, sich zur Grenzsicherung mit den lokalen afghanischen Warlords zu arrangieren.
bennyh hat geschrieben:(12 Mar 2017, 15:31)Auch würde mich interessieren, ob von der Trump-Administration ein Kurswechsel zum Thema Afghanistan zu erwarten ist.

Ich bezweifle, das die Trump Regierung das selbst schon weiß.
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Re: Wie lange noch NATO-Einsatz in Afghanistan?

Beitragvon King Kong 2006 » So 12. Mär 2017, 22:25

Solange die Nachbarn Afghanistans Russland, China, Iran und Pakistan heissen, Afghanistan gut in der rohstoffreichen Region in Punkto Transportwesen liegt, wird man dort die USA finden. Selbst Köhler und Guttenberg erkannten das Interessen von Industrienationen in so entlegenen Winkeln vertreten werden müssen.
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Quatschki
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Re: Wie lange noch NATO-Einsatz in Afghanistan?

Beitragvon Quatschki » Mo 13. Mär 2017, 08:56

King Kong 2006 hat geschrieben:(12 Mar 2017, 22:25)

Solange die Nachbarn Afghanistans Russland, China, Iran und Pakistan heissen, Afghanistan gut in der rohstoffreichen Region in Punkto Transportwesen liegt, wird man dort die USA finden. Selbst Köhler und Guttenberg erkannten das Interessen von Industrienationen in so entlegenen Winkeln vertreten werden müssen.

Gibt es denn entsprechende wirtschaftliche Aktivitäten und Investments, die deine Theorie untermauern könnten (außer Drogenanbau)? Kann ich mir nicht so richtig vorstellen.
Geld wird doch dort nur verdient mit den Streitkräften selbst! Der einzige Rohstoff, den es für die Konzerne zu heben gilt, sind jene zig Milliarden, die auf Kosten der Steuerzahler der beteiligten Nationen in die Region gepumpt werden als Unterhalt für die Besatzer, als Zuschuß für die afghanische Marionettenregierung und als angebliche "Entwicklungshilfe" !
Das ist doch wie beim BER ein mafiöses Geldvernichtungsprojekt, wo die ursprüngliche Zweckbestimmung nur noch Alibifunktion hat
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Re: Wie lange noch NATO-Einsatz in Afghanistan?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 13. Mär 2017, 20:09

Quatschki hat geschrieben:(13 Mar 2017, 08:56)

Gibt es denn entsprechende wirtschaftliche Aktivitäten und Investments, die deine Theorie untermauern könnten (außer Drogenanbau)? Kann ich mir nicht so richtig vorstellen.
Geld wird doch dort nur verdient mit den Streitkräften selbst! Der einzige Rohstoff, den es für die Konzerne zu heben gilt, sind jene zig Milliarden, die auf Kosten der Steuerzahler der beteiligten Nationen in die Region gepumpt werden als Unterhalt für die Besatzer, als Zuschuß für die afghanische Marionettenregierung und als angebliche "Entwicklungshilfe" !
Das ist doch wie beim BER ein mafiöses Geldvernichtungsprojekt, wo die ursprüngliche Zweckbestimmung nur noch Alibifunktion hat


Natürlich kann man mit einem bunten Blumenstrauß an Gründen für Engagements argumentieren. Kurzer Schlenker vor Afghanistan, die Intervention der USA im Irak wurde mit einer Bedrohungslage durch irakische ABC-Waffen- und Raketenprogramme versucht zu "rechtfertigen". Gründe wie die Carter-Doktrin für die Region Persischer Golf uva. haben einen unangenehmen imperialistischen Beigeschmack. Oder in Neudeutsch wie es heißt geopolitisch.

Im Falle Afghanistans war es sicher berechtigt, wenn man davon sprach, daß weite Teile Afghanistans nicht nur außer Rand und Band waren (genauergesagt nicht unter Kontrolle klar pro-westlicher Herrscher), sondern daß sich deswegen dort auch relativ unkontrolliert etwas zusammenbrauen kann. Das war und ist richtig. Wie in so vielen anderen Teilen der Welt. Aber die Pläne und Umsetzungen kamen sehr schnell betreffs Afghanistans und Iraks. Während man z.B. vor der UN versuchte von "imperialistischen" Verdachtsmomenten mit Fake-News über die irakischen Waffenprogramme hinwegzutäuschen brauchte man das in Afghanistan nicht. Zu frisch waren die Attentate durch arabische (nicht afghanische) Terroristen und deren arabischen Geldgeber. Einer verwundeten USA zu widersprechen ist so eine Sache... Zumal Russland noch total am Boden war und China gerade erst in Bewegung kam. Wie unangenehm es ist Tacheles zu sprechen sieht man daran, was unserem armen Bundespräsidenten Köhler passiert ist.

Hintergrund der Rücktrittserklärung von Bundespräsident Horst Köhler sind umstrittene Äußerungen des Staatsoberhaupts über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. In einem Interview von Deutschlandradio Kultur stellte er den Kriegseinsatz in Afghanistan in einen Zusammenhang mit Deutschlands Wirtschaftsinteressen. Später ließ er seine Äußerungen präzisieren.

"Aus meiner Einschätzung ist es wirklich so: Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland, wir kämpfen dort im Bündnis mit Alliierten auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen. Alles das heißt, wir haben Verantwortung. Ich finde es in Ordnung, wenn in Deutschland darüber immer wieder auch skeptisch mit Fragezeichen diskutiert wird. Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg."

http://www.sueddeutsche.de/politik/ruec ... t-1.952332


Fake-News bzw. Notlügen, bzw. eine diplomatische Haltung bzw. sich wie ein echter Politiker zu verhalten ist manchmal besser als die Wahrheit. Für die Karriere. Es gab auch noch andere Politiker mit ähnlichen Äußerungen.

Zur Erinnerung, die USA luden sogar die Taliban zu Verhandlungen über Pipelinenetze in die USA ein. Nicht, um sie dann blitzschnell zu verhaften. Das waren Geschäftspartner. Darum ging es. Man wurde sich nicht einig. Ich erinnere mich an eine Pressekonferenz der Taliban in den USA. Mit einem durchaus schlagfertigen, frechen Talibansprecher. Der ließ Sprüche los, die an Trump erinnerten. Z.B. über Frauen.

"The invasion of Afghanistan is certainly a campaign against terrorism," wrote author George Monbiot in the Oct. 22, 2001, piece, "but it may also be a late colonial adventure."

He wrote that the U.S. oil company Unocal Corp. had been negotiating with the Taliban since 1995 to build "oil and gas pipelines from Turkmenistan, through Afghanistan and into Pakistani ports on the Arabian sea." He cited Ahmed Rashid's authoritative book "Taliban, Militant Islam, Oil and Fundamentalism in Central Asia" as a source for this information.

http://articles.chicagotribune.com/2002 ... n-gulf-war


Wie wichtig die Region ist, habe ich versucht an anderer Stelle im Fernost und GUS-Thread darzustellen. Vor allen Dingen nicht nur die Rohstoffe, sondern die Transportwege. Ohne Transportwege (siehe Guttenberg, Köhler und Co.) nützen auch Rohstoffe nichts. Der Zugriff auf eine Brücke, die zwischen einer Wasserstelle und einem Dorf mit Acker ist, ist genauso wichtig, wie die Wasserquelle. Gilt auch für Syrien und Co. D.h. nicht, daß es immer und ausschließlich um fossile Energie geht, aber für bewußte erlogene Fake-Atomraketen aus dem Irak und für irgendwelche Brunnen und dem Kampf gegen Analphabetismus in entlegenen Dörfern Zentralasiens marschiert und blutet keine Armee. Das wäre ja ganz neu. Und völlig zweckentfremdet. ;)
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Re: Wie lange noch NATO-Einsatz in Afghanistan?

Beitragvon Enas Yorl » Mo 13. Mär 2017, 22:16

King Kong 2006 hat geschrieben:(13 Mar 2017, 20:09)Wie wichtig die Region ist, habe ich versucht an anderer Stelle im Fernost und GUS-Thread darzustellen. Vor allen Dingen nicht nur die Rohstoffe, sondern die Transportwege. Ohne Transportwege (siehe Guttenberg, Köhler und Co.) nützen auch Rohstoffe nichts.

Afghanistan hat geographisch ganz sicher eine wirtschaftlich potente Lage. Umso tragischer ist die aktuelle Situation und vergangenen Jahrzehnte. Das weckte schon in den 90er Jahren Fantasien, den TRACECA (Transport Corridor Europe-Caucasus-Asia) hätte man gerne weiter geführt. Die Realität hat dabei allerdings nicht mitgemacht.
Kann durchaus sein, das die Falken der Bush-Regierung ähnliche Fantasien hatten, bei der "demokratischen" Umgestaltung des Nahen Ostens und Vorderasiens. Das ging allerdings gehörig in die Hose, Eine stabile Lage oder auch nur ein Konsens unter den Machtgruppen Afghanistans ist nicht in Sicht. Dabei hatte auch China nicht mehr Erfolg, die Verhandlungen mit Gruppen der Taliban haben nichts gebracht. Die Warenströme des chinesischen "One Belt, One Road" führen längst im Norden und Süden um Afghanistan herum.
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Re: Wie lange noch NATO-Einsatz in Afghanistan?

Beitragvon bennyh » Di 14. Mär 2017, 18:33

King Kong 2006 hat geschrieben:(13 Mar 2017, 20:09)


Wie wichtig die Region ist, habe ich versucht an anderer Stelle im Fernost und GUS-Thread darzustellen. Vor allen Dingen nicht nur die Rohstoffe, sondern die Transportwege. Ohne Transportwege (siehe Guttenberg, Köhler und Co.) nützen auch Rohstoffe nichts. Der Zugriff auf eine Brücke, die zwischen einer Wasserstelle und einem Dorf mit Acker ist, ist genauso wichtig, wie die Wasserquelle. Gilt auch für Syrien und Co. D.h. nicht, daß es immer und ausschließlich um fossile Energie geht, aber für bewußte erlogene Fake-Atomraketen aus dem Irak und für irgendwelche Brunnen und dem Kampf gegen Analphabetismus in entlegenen Dörfern Zentralasiens marschiert und blutet keine Armee. Das wäre ja ganz neu. Und völlig zweckentfremdet. ;)



Enas Yorl hat geschrieben:(13 Mar 2017, 22:16)
Afghanistan hat geographisch ganz sicher eine wirtschaftlich potente Lage. Umso tragischer ist die aktuelle Situation und vergangenen Jahrzehnte. Das weckte schon in den 90er Jahren Fantasien, den TRACECA (Transport Corridor Europe-Caucasus-Asia) hätte man gerne weiter geführt. Die Realität hat dabei allerdings nicht mitgemacht.
Kann durchaus sein, das die Falken der Bush-Regierung ähnliche Fantasien hatten, bei der "demokratischen" Umgestaltung des Nahen Ostens und Vorderasiens. Das ging allerdings gehörig in die Hose, Eine stabile Lage oder auch nur ein Konsens unter den Machtgruppen Afghanistans ist nicht in Sicht. Dabei hatte auch China nicht mehr Erfolg, die Verhandlungen mit Gruppen der Taliban haben nichts gebracht. Die Warenströme des chinesischen "One Belt, One Road" führen längst im Norden und Süden um Afghanistan herum.


Was ich mich frage: Wenn es in Afghanistan vor allem um Transportwege geht, aber man einerseits mitlerweile erkannt hat, dass die Situation mittelfriatig sowohl hoffnungs- wie auch aussichtslos ist und andererseits nun Transportwege existieren, die um Afghanistan herum gehen, warum führt man die Besatzung bzw. den Krieg noch weiter? Ich meine, der kostet doch bestimmt jährlich nicht gerade wenig Geld. Im Irak hat die Koalition der Willigen doch irgendwann eingesehen, dass die Besatzung im Hinblick auf die illusorischen politischen Ziele nichts bringt und ist "schweren Herzens" abgezogen. Meines Wissens geschah dies um das Jahr 2011, also nach 8 Jahren. Die Besatzung Afghanistans dauert also mitlerweile fast doppelt so lange. Was will man noch dort? Glaubt man in Washington immer noch, man könne irgendwann eine stabile Regierung zur Macht verhelfen und seine Pipelines und Transportwege bauen?
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Re: Wie lange noch NATO-Einsatz in Afghanistan?

Beitragvon Enas Yorl » Di 14. Mär 2017, 19:50

@bennyh

Es ist halt schwer Niederlagen einzugestehen. Besonders wenn man die mächtigste Nation der Welt ist, und denkt Moral und die richtige Art zu leben für sich gepachtet zu haben. In einem etwas anderen Maßstab, gilt das wohl auch für die anderen beteiligten Nationen, inklusive die BRD. Ich will hier nicht in Abrede stellen, das diesen Engagement nicht auch wohlmeinend war und ist. Nur funktioniert es halt nicht immer, die eigenen Vorstellungen und Ziele in fremde Länder zu exportieren. Mitunter richtet man dabei mehr Schaden an als man hilft, und das sollte man in Zukunft besser vorher bedenken, als in Aktionismus zu verfallen.
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Re: Wie lange noch NATO-Einsatz in Afghanistan?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 14. Mär 2017, 21:36

Ich gehe neben sicherheitspolitischen Aspekten auch davon aus, daß man im Westen befürchtet, daß nach dem Abzug derer Truppen Afghanistan völlig Russland, China, Iran und Pakistan anheim fällt. Mit allen Rohstoffen, mit allen potentiellen Transportwegen. China würde den Laden "aufkaufen" (überspitzt ausgedrückt). Der Westen (Herat) ist bereits irgendwie eine iranische Provinz. Pakistan und Afghanistan wird ohnehin gerne als AfPak bezeichnet, wobei gar nicht klar ist, wer wen vor sich hertreibt. Solange die USA in Afghanistan sitzt nervt das die oben angesprochenen. Vielleicht ist das schon Gewinn genug für die USA. Russland sitzt u.a. auch wegen solcher Handelsmasse in Syrien.

Sicherheitspolitisch kann ich mir noch denken, daß die USA nicht sicher waren, ob Pakistan nicht von Afghanistan von innen heraus zerstört wird. Inklusive Atomwaffen. Wobei Pakistan, gerade die Hardliner, die USA am liebsten sofort rausschmeisen würden. Gerade der mächtige pakistanische ISI.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß die USA ernsthaft nur das Interesse und den Glauben gehabt haben gerade so ein Land wie Afghanistan in einen Demokratie wie Schweden zu verwandeln. Das Great Game in der Region scheint da wahrscheinlicher.

Hochdekorierter US-General Wesley Clarke. U.a. NATO-Oberbefehlshaber im Kosovo-Krieg.

The book also described a conversation Clark had with Paul Wolfowitz in May 1991 after the Gulf War, quoting Wolfowitz as lamenting the non-removal of Saddam Hussein, but also telling him that "...we did learn one thing that’s very important. With the end of the Cold War, we can now use our military with impunity. The Soviets won’t come in to block us. And we’ve got five, maybe 10, years to clean up these old Soviet surrogate regimes like Iraq and Syria before the next superpower emerges to challenge us...".[132]

https://en.wikipedia.org/wiki/Wesley_Cl ... rn_Command


Da wird zwar nicht Afghanistan genannt. Es ging namentlich um Syrien, Irak, Libanon, Libyen, Sudan und Iran. Aber Afghanistan kann man ja gleich mal mitnehmen. ;)

Man muß die Zeit sehen, in denen die US-Interventionen geschahen. Es war die Zeit der alleinigen Supermacht USA. Dieses Zeitfenster wollten die Neocons nutzen. Hätte aufgehen können. Ist es aber nicht. Hoch gepokert. Viel verloren.
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