China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

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schokoschendrezki
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Jun 2017, 07:55

Hyde hat geschrieben:(17 Dec 2016, 11:26)

Die chinesische Führung erkauft sich derzeit ihre Legitimation mit Wirtschaftswachstum. Es wird jedoch der Moment kommen, in dem China nicht mehr signifikant weiter wird wachsen können, und das wird dann auch der Moment sein, in dem das Kartenhaus zusammenfällt und China eine politische Transformation hin zur Demokratie bevorsteht.


Um die drei Billionen Dollar Währungsreserven sind aber Haben auf der Plusseite und kein "Kartenhaus". Täglich um die drei Milliarden müssen sich die USA leihen, um ihr Handelsdefizit auszugleichen. Größter Kreditgeber dabei ist China. Ich weiß nicht und bin auch nicht allzu bewandert in diesen internationalen Finanzsachen. Bei dieser engen Verzahnung der Geschäfte kann ich mir aber kaum vorstellen, dass nur eine einzelne Seite "zusammenfallen" kann. Wenn da etwas zusammenfällt, kommt die ganze Maschinerie ins Stocken.
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H2O
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon H2O » Di 13. Jun 2017, 19:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Jun 2017, 08:55)

Um die drei Billionen Dollar Währungsreserven sind aber Haben auf der Plusseite und kein "Kartenhaus". Täglich um die drei Milliarden müssen sich die USA leihen, um ihr Handelsdefizit auszugleichen. Größter Kreditgeber dabei ist China. Ich weiß nicht und bin auch nicht allzu bewandert in diesen internationalen Finanzsachen. Bei dieser engen Verzahnung der Geschäfte kann ich mir aber kaum vorstellen, dass nur eine einzelne Seite "zusammenfallen" kann. Wenn da etwas zusammenfällt, kommt die ganze Maschinerie ins Stocken.


Wenn man täglich (!) 3 Mrd leihen muß, um seinen Konsum befriedigen zu können, dann erwirbt der Kreditgeber doch Anspruch auf Gegenleistungen dieses Kunden. Welche Gegenleistungen könnten das denn sein, wenn der Verkäufer nichts in dem Umfang braucht, was der Kunde in seinem Lande erzeugen könnte? Irgendwann arbeitet der Verkäufer dann so zu sagen kostenlos für den Käufer, von dem er keine Gegenleistung im notwendigen Umfang erwarten kann. Ist das nicht ein Irrsinn?
Ein unredlicher Schuldner hat doch irgendwann seinen Gläubiger in der Hand, indem er droht, das ganze Papiergeld zu entwerten. Bleibt nur, laufend Grund und Boden und Firmen zu erwerben. Bis zur Enteignung wird es der Schuldner wohl nicht treiben können... außer als Kriegshandlung.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon jasper1811 » Mi 28. Nov 2018, 23:29

Das China den Willen hat zur Supermacht zu werden hat es in den letzten Jahrzehnten sehr eindrucksvoll bewiesen. Die Rasante Entwicklung des Landes ist auf den ersten Blick zu sehen; man schaue sich Bilder von Schanghai aus den 90ern an und von jetzt; die Entwicklung und so auch das Potential sind enorm.
Engagements in Afrika aber auch innerhalb der EU zum Beispiel in Form von Großinvestoren zeigen schon jetzt wie klar Xi Jinping sein Ziel vor Augen hat. Doch wer zahlt den Preis für dieses Wachstum? Es ist das Chinesiche Volk das unterdrückt wird und abgeschottet von der Restlichen Welt lebt. Die Chinesen mischen in Branchen mit die extrem Innovativ sind und das sie den Ruf als Hersteller von Waren die von geringer Qualität sind abstreifen möchten und "Made in China" zu einer Art Gütesiegel machen wollen.
Eine weitere Frage die sich mir stellt wen ich über China nachdenke ist: Was sendet der Aufstieg Chinas für Signale an andere totalitäre Regime?
Eine wie ich finde wichtige Frage die wir uns stellen müssen wen wir mit China Geschäfte machen.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Audi » Do 29. Nov 2018, 00:36

jasper1811 hat geschrieben:(28 Nov 2018, 23:29)

Das China den Willen hat zur Supermacht zu werden hat es in den letzten Jahrzehnten sehr eindrucksvoll bewiesen. Die Rasante Entwicklung des Landes ist auf den ersten Blick zu sehen; man schaue sich Bilder von Schanghai aus den 90ern an und von jetzt; die Entwicklung und so auch das Potential sind enorm.
Engagements in Afrika aber auch innerhalb der EU zum Beispiel in Form von Großinvestoren zeigen schon jetzt wie klar Xi Jinping sein Ziel vor Augen hat. Doch wer zahlt den Preis für dieses Wachstum? Es ist das Chinesiche Volk das unterdrückt wird und abgeschottet von der Restlichen Welt lebt. Die Chinesen mischen in Branchen mit die extrem Innovativ sind und das sie den Ruf als Hersteller von Waren die von geringer Qualität sind abstreifen möchten und "Made in China" zu einer Art Gütesiegel machen wollen.
Eine weitere Frage die sich mir stellt wen ich über China nachdenke ist: Was sendet der Aufstieg Chinas für Signale an andere totalitäre Regime?
Eine wie ich finde wichtige Frage die wir uns stellen müssen wen wir mit China Geschäfte machen.

Das chinesische Volk lebt definitiv nicht abgeschottet vom Rest der Welt. So ein Quatsch
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon TheManFromDownUnder » Do 29. Nov 2018, 00:52

Ger9374 hat geschrieben:(28 Nov 2016, 01:13)

Es gibt nur wenige Länder in der Welt die derart ihre interessen durchsetzt wie die USA. Zu den wenigen zählt China. Wohin führt der Weg des Drachen, wollen die Chinesen die nächste Supermacht werden?!


Der Drachen ist erwacht.

Wirtschaftlich ist China bereits eine Supermacht und ohne Zweifel auf dem besten Weg auch politisch eine Vormachstellung zu erreichen, zumal die USA insbesondere seit Trump "verletzbar" sind. Xi will mehr. Er will zuerst Asien, dann die Pazifikregion und von dort aus den Rest der Welt beherrschen. Die Aussenpolitik china's unter Xi ist aggresiv, siehe South China Sea, Taiwan usw und jede Investition in Nachbarlaendern, SuedPazifik und Afrika darauf ausgerichtet diese Staaten in eine finazielle und wirtschaftliche Abhaengigkeit von China zu bringen.

Gleichzeitig zieht Xi bei seinen Landsleuten die Daumenschrauben an wie durch das Social Credit System und die damit verbundene totale Ueberwachung seiner Buerger. Eine digitale Diktatur wie aus einem Utopia Alptraum. Ich empfehle diesen Bericht anzuschauen.

https://www.abc.net.au/news/2018-09-18/ ... p/10200278
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon jasper1811 » Sa 1. Dez 2018, 19:56

Audi hat geschrieben:(29 Nov 2018, 00:36)

Das chinesische Volk lebt definitiv nicht abgeschottet vom Rest der Welt. So ein Quatsch


Die Kommunikation der Chinesen über das Internet mit dem Rest der Welt wird von der Partei kontrolliert und reguliert; das könnte man Abschottung nennen.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon TheManFromDownUnder » So 2. Dez 2018, 08:50

jasper1811 hat geschrieben:(01 Dec 2018, 19:56)

Die Kommunikation der Chinesen über das Internet mit dem Rest der Welt wird von der Partei kontrolliert und reguliert; das könnte man Abschottung nennen.


Chinesen sind heutzutage die Haupttouristen in Suedostasien, Australien und Neuseeland.

Australien zB 1,4 Millionen

https://qz.com/1258898/chinese-tourists ... w-zealand/


Europa cirka 12,4 Millionen

https://www.statista.com/statistics/311 ... stination/

Dazu nehme den inbound tourist stream nach China und dann kann man kaum von Abschottung reden.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Alpha Centauri » So 9. Dez 2018, 22:47

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(29 Nov 2018, 00:52)

Der Drachen ist erwacht.

Wirtschaftlich ist China bereits eine Supermacht und ohne Zweifel auf dem besten Weg auch politisch eine Vormachstellung zu erreichen, zumal die USA insbesondere seit Trump "verletzbar" sind. Xi will mehr. Er will zuerst Asien, dann die Pazifikregion und von dort aus den Rest der Welt beherrschen. Die Aussenpolitik china's unter Xi ist aggresiv, siehe South China Sea, Taiwan usw und jede Investition in Nachbarlaendern, SuedPazifik und Afrika darauf ausgerichtet diese Staaten in eine finazielle und wirtschaftliche Abhaengigkeit von China zu bringen.

Gleichzeitig zieht Xi bei seinen Landsleuten die Daumenschrauben an wie durch das Social Credit System und die damit verbundene totale Ueberwachung seiner Buerger. Eine digitale Diktatur wie aus einem Utopia Alptraum. Ich empfehle diesen Bericht anzuschauen.

https://www.abc.net.au/news/2018-09-18/ ... p/10200278


Das wirtschaftliche Investieren.in.an andere Länder ist ja quasi ein Ausbau der Einflusssphäre , Xi will ein chinesisches Jahrhundert China strebt mit Macht nach vorne und will in allen Bereichen Weltspitze werden ( von KI bis Fußball) eine unberechenbar unsicherer USA unter Trump ein wirtschaftlich eher schwaches Russland unter Zar Putin eine EU die in ihrer nationalstaatlichen Einzelteile auseinander zu fallen droht ( Stichwort Brexit) dass alles sind Entwicklungen die Chinas Aufstieg eher noch beschleunigen
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Alpha Centauri » Di 18. Dez 2018, 22:46

Der rote Prinz Xi Jinping ist ja auf Lebenszeit Präsident und Vorsitzender der KP Chinas, und will ganz klar dass China bis 2049. ( 100 Jahre Volksrepublik China) dass das Reich der Mitte politische , ökonomische und militärisch - wissenschaftliche Nummer 1 des Planeten wird, die geopolitischen Muskelspiele Pekings im.südchinesischen Meer oder am Horn von Afrika ( Stichwort chinesische Militärbasis Dschibuti) sind nur der Auftakt des Allmachtanspruches des erwachten Drachen.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon TheManFromDownUnder » Mi 19. Dez 2018, 00:45

Alpha Centauri hat geschrieben:(18 Dec 2018, 22:46)

Der rote Prinz Xi Jinping ist ja auf Lebenszeit Präsident und Vorsitzender der KP Chinas, und will ganz klar dass China bis 2049. ( 100 Jahre Volksrepublik China) dass das Reich der Mitte politische , ökonomische und militärisch - wissenschaftliche Nummer 1 des Planeten wird, die geopolitischen Muskelspiele Pekings im.südchinesischen Meer oder am Horn von Afrika ( Stichwort chinesische Militärbasis Dschibuti) sind nur der Auftakt des Allmachtanspruches des erwachten Drachen.


Und gleichzeitig die Bevoelkerung des eigenen Landes der totalen Ueberwachung in einem bisher nie dagegewesen Ausmass auszusetzen

https://www.stern.de/politik/ausland/no ... 95680.html


Das ist was zum Gruseln.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon unity in diversity » Mi 19. Dez 2018, 01:18

"Die Zukunft wird nicht in Afghanistan entschieden, sondern in Südostasien."
Von wem ist dieser Satz?
Richtig:
https://zeitschrift-ip.dgap.org/de/ip-d ... ahrhundert
Vermutlich gewinnen beide durch Kooperation, während sich Europa ein Problem geschaffen hat, mit dem es selber für eine Weile ausreichend beschäftigt sein wird. Eventuell bis zum Zerfall.
Gleichzeitig hat Macron das Wort "Reform" für einige Dekaden diskreditiert.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Agesilaos Megas » Mi 19. Dez 2018, 01:23

Als ich im letzten Jahr in der chinesischen Botschaft in Berlin war, habe ich mir ein Propagandabüchlein mitgenommen, einen langen, pseudowissenschaftlichen und natürlich propagandistischen Traktat über Chinas "legitime" Ansprüche auf seine Nachbarn und ihre Gewässer: Das südchin. Meer. Dort wird auch eine bemerkenswerte Rede von Xi übersetzt: China werde eine neue Macht sein; als Großmacht bedürfe es aber einer starken Marine, das haben die europäischen Mächte gezeigt; Chinas Überleben hänge vom Wasser ab; die Kriegsmarine sei die Hoffnung; China erwarte ein Platz an der Sonne.

Der Navalismus ist in China kein Anachronismus. Die Zeiten der pragmatisch-zurückhaltenden Politik sind vorbei. Mit Xi tritt Ideologie in den Vordergrund - und Radikalität. Eine Weltmission wächst in den Köpfen.

Die Gesellschaft ist am Scheideweg: Chinas Aufschwung und Entwicklung ist der Übernahme neoliberaler Ideen geschuldet - Neoliberalismus zeigt sich in autoritären Regimen als besonders effektiv. Die ungebildete Landbevölkerung wird massiv ausgebeutet und produziert den Wohlstand der Städte. Die Städte selbst werden immer attraktiver - und unbezahlbar. Die Wirtschaft hängt einerseits von Massenproduktion, andererseits Massenexport ab - der Staat hilft gelegentlich nach, den Wert des RMB zu verringern. Es muss also immer mehr und immer billiger produziert werden. Diese Strategie stößt aber an ihre Grenzen: Preise steigen mit dem Wohlstand, es wird zu viel produziert. Fabriken sterben, der Mittelstand schrumpft, die soziale Schere ist wieder da.

In dieser Lage wächst ein Gerücht, es geht ein Gespenst in der KP um: "nationale Einheit". Überall ist sie, die Angst vor Aufständen, Revolten, Widerworten. Gut, China hat da eine gewisse Tradition. Xi, einerseits clever, andererseits nicht sehr gebildet, arbeitet gerade an einer neuen nationalen Saga, einer großen Ablenkung von den inneren Streitereien mit der Bevölkerung und dem Reformflügel der KP: Die bösen Westmächte haben das einst stolze zhong guo ins Unglück gestürzt und ausgebeutet. Xi führt China wieder nach vorn: Der alte Glanz des Kaiserreichs (sic!), vom Westen unterbrochen, wird wieder auferstehen; China bringe Wohlstand und Entwicklung, wenn es führe; unter Chinas Führung werde sich Afrika und die Entwicklungsländer der Welt "entwickeln". Von Piräus bis nach Nairobi.

Dieser alte Wein in neuen Schläuchen zeigt sich überall. Das südchin. Meer sei schon ein kaiserliches Protektorat gewesen. Die Seidenstraße wird ideologisch neu aufgelegt. In den Medien werden nicht mehr nur Japaner ermordet, sondern Qin reitet heroisch herum und tötet irgendjemanden. Zum Neujahr wird weitermarschiert. Diesmal auf einem Flugzeugträger. Wird Xi bald ein neuer Huangdi?

Xi sichert sich gerade seine Macht auf Lebzeiten. Mit Korruptionsgesetzen verschwindet ein Widersacher nach dem anderen. Immer öfter werden Ausländer entführt, die es wagen, über ihn böse zu reden. Doch wie kann er auf Lebzeiten regieren? Wie will er die inneren Probleme des Landes auf Dauer befrieden? Expandieren. Ökonomisch. Seidenstraße. Häfen besitzen. Autobahnen nach Europa bauen. Neue Märkte. Infrastruktur. Innere Märkte. Überproduktion irgendwohin lenken. Militärisch. Flugzeugträger, Uboote, Luftwaffe. Japan, Korea, Vietnam, Philippinen, USA - alle verdrängen. Alle Handelswege kontrollieren. Militärbasen aufbauen. In Kriegen ordentlich mitmischen. Meere besitzen. China vereinen wie die die Kaiser. Ideologisch. Stolz. Pracht. Prunk. Diese westlichen Würdenträger müssen bei Xi antreten. China leiht gönnerhaft Geld. Kauft alles auf. Bald hört alles auf China.

Große Pläne, wolkige Schlösser. Großer Dünnpfiff. Allerdings gefährlich. Wie immer, wenn idiotische Ideologien die Vernunft ersetzen...
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Alpha Centauri » Mi 19. Dez 2018, 10:17

Agesilaos Megas hat geschrieben:(19 Dec 2018, 01:23)

Als ich im letzten Jahr in der chinesischen Botschaft in Berlin war, habe ich mir ein Propagandabüchlein mitgenommen, einen langen, pseudowissenschaftlichen und natürlich propagandistischen Traktat über Chinas "legitime" Ansprüche auf seine Nachbarn und ihre Gewässer: Das südchin. Meer. Dort wird auch eine bemerkenswerte Rede von Xi übersetzt: China werde eine neue Macht sein; als Großmacht bedürfe es aber einer starken Marine, das haben die europäischen Mächte gezeigt; Chinas Überleben hänge vom Wasser ab; die Kriegsmarine sei die Hoffnung; China erwarte ein Platz an der Sonne.

Der Navalismus ist in China kein Anachronismus. Die Zeiten der pragmatisch-zurückhaltenden Politik sind vorbei. Mit Xi tritt Ideologie in den Vordergrund - und Radikalität. Eine Weltmission wächst in den Köpfen.

Die Gesellschaft ist am Scheideweg: Chinas Aufschwung und Entwicklung ist der Übernahme neoliberaler Ideen geschuldet - Neoliberalismus zeigt sich in autoritären Regimen als besonders effektiv. Die ungebildete Landbevölkerung wird massiv ausgebeutet und produziert den Wohlstand der Städte. Die Städte selbst werden immer attraktiver - und unbezahlbar. Die Wirtschaft hängt einerseits von Massenproduktion, andererseits Massenexport ab - der Staat hilft gelegentlich nach, den Wert des RMB zu verringern. Es muss also immer mehr und immer billiger produziert werden. Diese Strategie stößt aber an ihre Grenzen: Preise steigen mit dem Wohlstand, es wird zu viel produziert. Fabriken sterben, der Mittelstand schrumpft, die soziale Schere ist wieder da.

In dieser Lage wächst ein Gerücht, es geht ein Gespenst in der KP um: "nationale Einheit". Überall ist sie, die Angst vor Aufständen, Revolten, Widerworten. Gut, China hat da eine gewisse Tradition. Xi, einerseits clever, andererseits nicht sehr gebildet, arbeitet gerade an einer neuen nationalen Saga, einer großen Ablenkung von den inneren Streitereien mit der Bevölkerung und dem Reformflügel der KP: Die bösen Westmächte haben das einst stolze zhong guo ins Unglück gestürzt und ausgebeutet. Xi führt China wieder nach vorn: Der alte Glanz des Kaiserreichs (sic!), vom Westen unterbrochen, wird wieder auferstehen; China bringe Wohlstand und Entwicklung, wenn es führe; unter Chinas Führung werde sich Afrika und die Entwicklungsländer der Welt "entwickeln". Von Piräus bis nach Nairobi.

Dieser alte Wein in neuen Schläuchen zeigt sich überall. Das südchin. Meer sei schon ein kaiserliches Protektorat gewesen. Die Seidenstraße wird ideologisch neu aufgelegt. In den Medien werden nicht mehr nur Japaner ermordet, sondern Qin reitet heroisch herum und tötet irgendjemanden. Zum Neujahr wird weitermarschiert. Diesmal auf einem Flugzeugträger. Wird Xi bald ein neuer Huangdi?

Xi sichert sich gerade seine Macht auf Lebzeiten. Mit Korruptionsgesetzen verschwindet ein Widersacher nach dem anderen. Immer öfter werden Ausländer entführt, die es wagen, über ihn böse zu reden. Doch wie kann er auf Lebzeiten regieren? Wie will er die inneren Probleme des Landes auf Dauer befrieden? Expandieren. Ökonomisch. Seidenstraße. Häfen besitzen. Autobahnen nach Europa bauen. Neue Märkte. Infrastruktur. Innere Märkte. Überproduktion irgendwohin lenken. Militärisch. Flugzeugträger, Uboote, Luftwaffe. Japan, Korea, Vietnam, Philippinen, USA - alle verdrängen. Alle Handelswege kontrollieren. Militärbasen aufbauen. In Kriegen ordentlich mitmischen. Meere besitzen. China vereinen wie die die Kaiser. Ideologisch. Stolz. Pracht. Prunk. Diese westlichen Würdenträger müssen bei Xi antreten. China leiht gönnerhaft Geld. Kauft alles auf. Bald hört alles auf China.

Große Pläne, wolkige Schlösser. Großer Dünnpfiff. Allerdings gefährlich. Wie immer, wenn idiotische Ideologien die Vernunft ersetzen...



Ja dass sehe ich auch so, im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern ist Xi Jingping kein Pragmatiker sondern purer Ideologe ( klein Mao so zu sagen) dass ist nicht zu letzt gerade an seiner offensiveren Außen - und Geopolitik erkennbar , aber auch nach Innen wird dies offenkundig deutlich. Die Kampagne gegen Korruption ist meines Erachtens in Wahrheit eine klassische Säuberungswelle ganz maoistischer Machart , um unliebsame Kritiker und mächtige politische Gegner ( in Partei und Militär) kalt zu stellen , denn wer von den chinesischen Elite ist bitte schön nicht korrupt? Das ist ein sehr offensichtlicher Schachzuges von Xi Jingping zum Zwecke des reinen Machterhaltes, jenseits der ideologischen Propaganda
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Alpha Centauri » Mi 19. Dez 2018, 18:23

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(29 Nov 2018, 00:52)

Der Drachen ist erwacht.

Wirtschaftlich ist China bereits eine Supermacht und ohne Zweifel auf dem besten Weg auch politisch eine Vormachstellung zu erreichen, zumal die USA insbesondere seit Trump "verletzbar" sind. Xi will mehr. Er will zuerst Asien, dann die Pazifikregion und von dort aus den Rest der Welt beherrschen. Die Aussenpolitik china's unter Xi ist aggresiv, siehe South China Sea, Taiwan usw und jede Investition in Nachbarlaendern, SuedPazifik und Afrika darauf ausgerichtet diese Staaten in eine finazielle und wirtschaftliche Abhaengigkeit von China zu bringen.

Gleichzeitig zieht Xi bei seinen Landsleuten die Daumenschrauben an wie durch das Social Credit System und die damit verbundene totale Ueberwachung seiner Buerger. Eine digitale Diktatur wie aus einem Utopia Alptraum. Ich empfehle diesen Bericht anzuschauen.

https://www.abc.net.au/news/2018-09-18/ ... p/10200278


Ja der Drache ist erwacht,mit aller Macht.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Enas Yorl » Fr 28. Dez 2018, 12:23

Alpha Centauri hat geschrieben:(19 Dec 2018, 10:17)
Ja dass sehe ich auch so, im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern ist Xi Jingping kein Pragmatiker sondern purer Ideologe ( klein Mao so zu sagen) dass ist nicht zu letzt gerade an seiner offensiveren Außen - und Geopolitik erkennbar , aber auch nach Innen wird dies offenkundig deutlich. Die Kampagne gegen Korruption ist meines Erachtens in Wahrheit eine klassische Säuberungswelle ganz maoistischer Machart , um unliebsame Kritiker und mächtige politische Gegner ( in Partei und Militär) kalt zu stellen , denn wer von den chinesischen Elite ist bitte schön nicht korrupt? Das ist ein sehr offensichtlicher Schachzuges von Xi Jingping zum Zwecke des reinen Machterhaltes, jenseits der ideologischen Propaganda


Du widersprichst dir selbst, schon im zweiten Schachtelsatz. Eine Antikorruptionskampagne zur internen Machtpolitik zu nutzen, ist Pragmatismus pur. Die aktuelle Außenpolitik Chinas, hat wenig mit Ideologie zu tun, sondern mit historischer Erfahrung. China hat im 19. und 20. Jahrhundert eine sehr deutliche Lektion bekommen, was es bedeutet militärisch und politisch nach Außen schwach zu sein. In diesen historischen Kontext, ist auch das bestreben nach stärke in der aktuellen chin. Außenpolitik zu sehen. Darauf stellt man sich im Westen besser ein, gerade die früheren Kolonialmächte Chinas.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Alpha Centauri » Sa 29. Dez 2018, 09:21

Enas Yorl hat geschrieben:(28 Dec 2018, 12:23)

Du widersprichst dir selbst, schon im zweiten Schachtelsatz. Eine Antikorruptionskampagne zur internen Machtpolitik zu nutzen, ist Pragmatismus pur. Die aktuelle Außenpolitik Chinas, hat wenig mit Ideologie zu tun, sondern mit historischer Erfahrung. China hat im 19. und 20. Jahrhundert eine sehr deutliche Lektion bekommen, was es bedeutet militärisch und politisch nach Außen schwach zu sein. In diesen historischen Kontext, ist auch das bestreben nach stärke in der aktuellen chin. Außenpolitik zu sehen. Darauf stellt man sich im Westen besser ein, gerade die früheren Kolonialmächte Chinas.


Das sehe ich anders, die Säuberungswellen ( ind nichts anderes sind die sogenannten Anti Korruption Kampagnen) dienen.wie schon bei Stalin der ideologischen Reinigung solche Aktionen haben nie nur was mit Pragmatismus zu tun sondern habe
gleichwohl ideologische Motive.

Der historisch Kontext ist ( ähnlich bei Russland) ist zwar von dir richtig benannt doch taugt er für die aggressive Expansion im südchinesischen Meer als einzige Erklärung wenig, die Militärische Stärke dient nicht einzig der Abschreckung sondern zugleich Eroberung und Ausdehnung ,des Einflusses von Peking ,mehr als auf der militärischen noch auf der ökonomischen Ebene
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Haegar » Sa 29. Dez 2018, 10:35

Wenn China nicht den Weg Deutschlands zum Ersten Weltkrieg gehen will, sollten es versuchen sich selbst zu demokratisieren.

:|
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon TheManFromDownUnder » Sa 29. Dez 2018, 11:04

Haegar hat geschrieben:(29 Dec 2018, 10:35)

Wenn China nicht den Weg Deutschlands zum Ersten Weltkrieg gehen will, sollten es versuchen sich selbst zu demokratisieren.

:|



Demokratie ist fuer Chinesen ein Zeugnis von Schwaeche. Es ist gegen jegliche chinesische Phylosophie, Durch Jahrhunderte von Dynastien ueber Mao, Cultural Revolution, bis hin zu Xi ist Demokratie fuer Chinesen ein Fremdwort. China hat die Welt dort wo China die Welt haben will nur das es die Weltnicht merkt. Ein paar Stolpersteine stehen noch und die sind nicht von der Hand zu weissen, Russland ist die letzte Huerde fuer Xi denn Putin hat die gleichen Ambitionen mit besseren Waffen.


Wir gehen sehr unsicheren und schlimmen Zeiten entgegen
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Alpha Centauri » Sa 29. Dez 2018, 11:36

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(29 Dec 2018, 11:04)

Demokratie ist fuer Chinesen ein Zeugnis von Schwaeche. Es ist gegen jegliche chinesische Phylosophie, Durch Jahrhunderte von Dynastien ueber Mao, Cultural Revolution, bis hin zu Xi ist Demokratie fuer Chinesen ein Fremdwort. China hat die Welt dort wo China die Welt haben will nur das es die Weltnicht merkt. Ein paar Stolpersteine stehen noch und die sind nicht von der Hand zu weissen, Russland ist die letzte Huerde fuer Xi denn Putin hat die gleichen Ambitionen mit besseren Waffen.


Wir gehen sehr unsicheren und schlimmen Zeiten entgegen


Ja das ist richtig China hat historisch betrachtet überhaupt keine demokratische Tradition daher halt ich dass mit der chinesischen Selbstdemokratiesierung für blankes Wunschdenken.

Was China und Russland betrifft ja noch hat vor allem was Waffen angeht, Russland die Nase vorn, aber auf lange Sicht gesehen wird auch in diesem Verhältnis Russland nur der Kellner und China der Koch sein.
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Re: China, ein Land mit dem Willen zur Supermacht?!

Beitragvon Enas Yorl » Sa 29. Dez 2018, 12:21

Alpha Centauri hat geschrieben:(29 Dec 2018, 09:21)Das sehe ich anders, die Säuberungswellen ( ind nichts anderes sind die sogenannten Anti Korruption Kampagnen) dienen.wie schon bei Stalin der ideologischen Reinigung solche Aktionen haben nie nur was mit Pragmatismus zu tun sondern habe
gleichwohl ideologische Motive.

Korruption ist ein riesiges Problem in China, solche Kampagnen gibt es alle paar Jahre. Um die schlimmsten Auswüchse auszusieben, dabei wird auch gerne interne politische Konkurrenz kaltgestellt. Wenn du das für eine Ideologie hältst, bitte schön. :?

Alpha Centauri hat geschrieben:(29 Dec 2018, 09:21)
Der historisch Kontext ist ( ähnlich bei Russland) ist zwar von dir richtig benannt doch taugt er für die aggressive Expansion im südchinesischen Meer als einzige Erklärung wenig, die Militärische Stärke dient nicht einzig der Abschreckung sondern zugleich Eroberung und Ausdehnung ,des Einflusses von Peking ,mehr als auf der militärischen noch auf der ökonomischen Ebene

China hat keinen direkten Zugang zum offenen Ozean, seine Küsten liegen an Randmeeren, die gegenüber dem Pazifik durch mit den USA verbündete Staaten abgeschirmt sind. Eine Seeblockade der USA gegenüber China ist eine alte, aber immer noch sehr reale Drohung. Der Gebietsanspruch im südchinesischen Meer und die Stützpunkte, treiben einen Keil in diese Abschirmung. Deshalb reagiert man in Washington auch so angepisst darauf. Offiziell geht es den USA, natürlich um die "Freiheit der Seefahrt" im Südchinesischen Meer.
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