Indien - die nächste Supermacht?

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Hyde
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Re: Indien - die nächste Supermacht?

Beitragvon Hyde » So 17. Jul 2016, 01:51

Indien ist, auch aus geopolitischer Sicht, ein sehr interessantes Land und wird sicher das 21. Jhd mit prägen auf der Weltbühne. Meiner Prognose nach wird sich Indien zukünftig weiter dem Westen annähern, um dann verbündet mit USA, Europa, Japan ein Gegengewicht zu bilden gegen antiwestliche Staaten wie China, Russland, Iran usw.

In Zeiten, wo Milliardenvölker zu neuen wirtschaftlichen & politischen Supermächten aufsteigen, braucht auch der Westen neue mächtige Partner um zukünftig bestehen zu können, und da bietet kein anderes Land so gute Voraussetzungen wie Indien als westlicher Partner mit seiner stabilen demokratischen Tradition.

Ohnehin ist es doch irgendwie ein Wunder, dass Indiens Demokratie trotz all der "Demokratiekiller", die in Indien in den letzten 70 Jahren vorgeherrscht haben (große Armut, fehlende Bildung, religiöse Spannungen, ethnische Spannungen mit Kastensystem etc) es gelungen ist, die Demokratie aufrecht zu erhalten.
Eine wirkliche Erklärung habe ich dafür nicht, denn Indien hat als multireligiöser, konfliktreicher Armutsstaat mit großen Bildungsproblemen in weiten Teilen des 20. Jhds nun wirklich alle Bedingungen vermissen lassen, die für eine stabile, lebhafte Demokratie normalerweise unumgänglich sind. Mir fällt kein anderes Land ein, das unter derart widrigen Bedingungen eine Demokratie halten und festigen konnte.
Vielleicht ein Vermächtnis Ghandis, der mit seinem friedlichen Wandlungsprozess in Indien kräftige Wurzeln für Demokratie legte, worauf sie gedeihen konnte.
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King Kong 2006
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Re: Indien - die nächste Supermacht?

Beitragvon King Kong 2006 » So 17. Jul 2016, 12:37

Ich finde, Indien pendelt zwischen den Welten. Warum sollte sich Indien überhaupt "auf eine Seite schlagen"? Und die andere brüskieren? Sind diese Seiten überhaupt konstant und klar definiert? Sie ziehen von allen Interessantes ab. Von den USA Nukleartechnologie, obwohl sie nicht mal im NPT sind. Wirtschaftskontakte haben sie mit allen rund um den Globus. Von Russland bekommen sie militärisches High-Tech, das sie in dieser Form nicht vom Westen bekommen. Mit dem Iran haben sie sicherheitspolitische Akommen in der Region AfPak und Zentralasien. Nur mit China läufts nicht gut. Indien wäre sprichwörtlich "beschränkt" freiwillig auf gute Kontakte zur Hälfte der Welt zu verzichten. ;)
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Re: Indien - die nächste Supermacht?

Beitragvon Boracay » Mo 18. Jul 2016, 09:01

King Kong 2006 hat geschrieben:(17 Jul 2016, 13:37)

Ich finde, Indien pendelt zwischen den Welten. Warum sollte sich Indien überhaupt "auf eine Seite schlagen?[/


Indien hält zum wirtschaftlich stärkeren und das sind sicherlich nicht Iran oder Russland (beides abgefuckte dritte Welt Staaten).

China ist interessant, allerdings historisch vorbelastet und mit einer Menge Rivalität. Am sinnigsten ist nun mal der Schulterschluss mit dem Westen. Eng verwurzelt ist Indien auch mit Südostasien und Ostafrika, aber da dauert es noch eine Weile bevor die Wirtschaft hier von wirklichem Interesse ist.
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Re: Indien - die nächste Supermacht?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 18. Jul 2016, 19:22

Boracay hat geschrieben:(18 Jul 2016, 10:01)

Indien hält zum wirtschaftlich stärkeren und das sind sicherlich nicht Iran oder Russland (beides abgefuckte dritte Welt Staaten).

China ist interessant, allerdings historisch vorbelastet und mit einer Menge Rivalität. Am sinnigsten ist nun mal der Schulterschluss mit dem Westen. Eng verwurzelt ist Indien auch mit Südostasien und Ostafrika, aber da dauert es noch eine Weile bevor die Wirtschaft hier von wirklichem Interesse ist.


Indien hat dazu aber offensichtlich eine andere Meinung als du. Sind die Inder deshalb abgefuckt, weil sie deiner Expertise nicht folgen?
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Re: Indien - die nächste Supermacht?

Beitragvon Gutmensch1 » Di 26. Jul 2016, 12:50

Hyde hat geschrieben:(17 Jul 2016, 02:51)

Indien ist, auch aus geopolitischer Sicht, ein sehr interessantes Land und wird sicher das 21. Jhd mit prägen auf der Weltbühne. Meiner Prognose nach wird sich Indien zukünftig weiter dem Westen annähern, um dann verbündet mit USA, Europa, Japan ein Gegengewicht zu bilden gegen antiwestliche Staaten wie China, Russland, Iran usw.

In Zeiten, wo Milliardenvölker zu neuen wirtschaftlichen & politischen Supermächten aufsteigen, braucht auch der Westen neue mächtige Partner um zukünftig bestehen zu können, und da bietet kein anderes Land so gute Voraussetzungen wie Indien als westlicher Partner mit seiner stabilen demokratischen Tradition.

Ohnehin ist es doch irgendwie ein Wunder, dass Indiens Demokratie trotz all der "Demokratiekiller", die in Indien in den letzten 70 Jahren vorgeherrscht haben (große Armut, fehlende Bildung, religiöse Spannungen, ethnische Spannungen mit Kastensystem etc) es gelungen ist, die Demokratie aufrecht zu erhalten.
Eine wirkliche Erklärung habe ich dafür nicht, denn Indien hat als multireligiöser, konfliktreicher Armutsstaat mit großen Bildungsproblemen in weiten Teilen des 20. Jhds nun wirklich alle Bedingungen vermissen lassen, die für eine stabile, lebhafte Demokratie normalerweise unumgänglich sind. Mir fällt kein anderes Land ein, das unter derart widrigen Bedingungen eine Demokratie halten und festigen konnte.
Vielleicht ein Vermächtnis Ghandis, der mit seinem friedlichen Wandlungsprozess in Indien kräftige Wurzeln für Demokratie legte, worauf sie gedeihen konnte.



Ja die Inder sind ein vernünftiges Volk, sie werden sich immer weiter Richtung Westen orientieren und so Rechtstaatlichkeit, Freiheit und Wohlstand entwickeln. Die andere Seite, China, Russland und der Iran werden aber auch auf absehbarer Zeit in sich zusammenbrechen wie es das Schicksal aller Unrechtstaaten und Diktaturen bisher auch war. Auch diese Staaten werden sich gut entwickeln, wenn sich bei ihnen irgendwann die Demokratie durchsetzen sollte.
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Re: Indien - die nächste Supermacht?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 26. Jul 2016, 18:25

Indien wird genauso wie z.B. China aufgrund seiner wirtschaftlichen und geostrategischen Bedeutung nicht schwerer angegangen, als es die Staatsräson erlaubt. Zumal ein funktionierendes Indien unendlich mehr bietet, als ein gelähmtes und kriselndes.

Zu den Menschenrechtsverletzungen in Indien, gegen die amnesty international sich seit vielen Jahren wendet, gehören vor allem die Inhaftierung gewaltloser politischer Gefangener sowie Folter, Misshandlung, Todesfälle in Haft, staatlicher Mord, ”Verschwindenlassen” und die Todesstrafe. Die Tatsache, dass die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen in der Regel straflos bleiben, leistet weiteren Menschenrechtsverletzungen Vorschub.

Zu den Opfern von Menschenrechtsverletzungen gehören vor allem Angehörige der niederen Kasten (Dalits), Angehörige indigener Völker (Adivasi) und andere unterprivilegierte Bevölkerungsgruppen, insbesondere Frauen. Menschenrechtsaktivisten, die sich für die Rechte der Schwächsten in der Gesellschaft einsetzen, geraten zunehmend unter Druck und werden oft selbst zum Opfer von Übergriffen durch bewaffnete Oppositionsgruppen wie auch von Menschenrechtsverletzungen seitens des Staates.

http://www.amnesty.de/umleitung/2000/deu04/020


Zu den schwerwiegendsten Menschenrechtsproblemen in Indien gehören Missbräuche durch Polizei- und Sicherheitskräfte wie aussergerichtliche Tötungen, Folter und Vergewaltigungen. Korruption ist auf allen Behördenebenen verbreitet. Problematisch sind weiter das Verschwindenlassen von Personen, äusserst schlechte Haftbedingungen sowie willkürliche und überlange Inhaftierungen und Gerichtsverfahren. Menschenrechtsverletzungen bleiben oft ungeahndet – sei dies, weil die Polizeikräfte ungenügend ausgebildet sind oder nicht genügend Ressourcen bestehen.

Trotz Gesetzesreformen und teilweise fortschrittlicher Gerichtsentscheidungen leiden Frauen unter Diskriminierungen, sexueller Belästigung und Vergewaltigungen, häuslicher Gewalt sowie Ehrenmorden. Menschenhandel, Kindesmissbrauch und Kinderheiraten zählen zu den weiteren gravierenden Menschenrechtsverletzungen. Diskriminierungen aufgrund der Kasten- oder Minderheitenzugehörigkeit (insbesondere Adivasi und Dalits), Behinderungen oder HIV-Erkrankungen kommen regelmässig vor. Bei Zusammenstössen zwischen verschiedenen ethnischen oder religiösen Gruppen gibt es immer wieder Tote und Vertreibungen. Gewisse indische Bundesstaaten beschränken die Religionsfreiheit. Internetseiten werden teilweise zensiert.

http://www.humanrights.ch/de/service/la ... os/indien/


Indien auch nur annähernd mit Demokratien wie Deutschland zu vergleichen empfiehlt sich nicht. Vieles steht auch nur auf dem Papier.

Das interessante ist eben, daß trotz der immensen Armut und schwerer innerer Probleme Indien das Potential einer Großmacht hat. Bei näherer Betrachtung ist dies nicht gänzlich merkwürdig. Die USA hat eine Infrastruktur, die z.T. furchterregend ist. Ebenso die Armenviertel. Das steht nicht im Gegensatz dazu eine Supermacht zu sein. Die große Leistung Indiens ist zu funktionieren. Zumindest in vielen Bereichen. Konfliktpotential zu einem Kollaps gibt es allemal.
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Re: Indien - die nächste Supermacht?

Beitragvon Xandru » Do 28. Jul 2016, 09:56

Indien hat definitiv das Potential, ganz Großes zu erreichen. Und sicherlich ist das eine Mammutaufgabe - Korruption, innere Rivalitäten und Spannungen, ein Bürokratiejungel der alles bisher dagewesene zu übertreffen scheint, etc. pp.

Aber es gibt eine große Gruppe von jungen Indern, so ein paar 10 Millionen werdens wohl sein :D , die dem Land einen satten Vorsprung verschaffen könnten. Das ist auch so eine Mentalitätssache, die man in der westlichen Welt am ehesten mit Entrepreneurship bezeichnen würde. "Thinking big in India means thinking huge"

Das wichtigste wäre, dass das Land nicht in die politische Radikalität abrutscht.

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