Die Nordkorea-Frage

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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 2. Jul 2018, 19:27

zollagent hat geschrieben:(02 Jul 2018, 20:20)

Dir ist schon klar, daß du hier einem Despoten, der eines der unmenschlichsten Regimes der Gegenwart beherrscht, zugestehst, Massenvernichtungswaffen zu besitzen?


Ich verfüge nicht über die Macht Nordkorea Massenvernichtungswaffen zuzugestehen oder nicht. Ist das hier die Frage?

NK hat sie. Jetzt kann man sagen, das man das nicht gut findet. Was schlägst du vor, wie NK sie abrüstet? Ich kenne praktisch nur einen Fall, nämlich Südafrika, in dem das geschah. Und auch nur deshalb weil praktisch der ganze Staat umgewandelt wurde. Die GUS-Staaten die dort stationierte sowjetische Kernwaffen abgeben mussten, sind Sonderfälle.

Alle bisherigen Atommächte, die sogenannten Anerkannten, wie auch "nicht Anerkannten", machen keine wirklichen Anstalten sie abzugeben. Sie werden stattdessen modernisiert. NK hat Absichten erklärt, wie die USA (siehe oben). Wenn einem die Umsetzung nicht schnell genug geht, was dann?
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon zollagent » Mo 2. Jul 2018, 19:50

King Kong 2006 hat geschrieben:(02 Jul 2018, 20:27)

Ich verfüge nicht über die Macht Nordkorea Massenvernichtungswaffen zuzugestehen oder nicht. Ist das hier die Frage?

NK hat sie. Jetzt kann man sagen, das man das nicht gut findet. Was schlägst du vor, wie NK sie abrüstet? Ich kenne praktisch nur einen Fall, nämlich Südafrika, in dem das geschah. Und auch nur deshalb weil praktisch der ganze Staat umgewandelt wurde. Die GUS-Staaten die dort stationierte sowjetische Kernwaffen abgeben mussten, sind Sonderfälle.

Alle bisherigen Atommächte, die sogenannten Anerkannten, wie auch "nicht Anerkannten", machen keine wirklichen Anstalten sie abzugeben. Sie werden stattdessen modernisiert. NK hat Absichten erklärt, wie die USA (siehe oben). Wenn einem die Umsetzung nicht schnell genug geht, was dann?

Ob du die Macht hast, ist hier irrelevant. Aus deinen Ausführungen ist eine Zustimmung erkennbar, solche Verbrecher mit diesen Waffen auszustatten. Was "die anderen Atommächte" dabei tun, ist völlig irrelevant. Dieser ewige und genau so unbegründete Whataboutismus zugunsten von Verbrechern kotzt mich, offen gesagt, an. Ja, ich wäre sogar dafür, daß diesem Herrn die Nuklearspielzeuge weggenommen werden, genau so wie seine chemischen Waffen.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 2. Jul 2018, 20:08

zollagent hat geschrieben:(02 Jul 2018, 20:50)

Ob du die Macht hast, ist hier irrelevant. Aus deinen Ausführungen ist eine Zustimmung erkennbar, solche Verbrecher mit diesen Waffen auszustatten. Was "die anderen Atommächte" dabei tun, ist völlig irrelevant. Dieser ewige und genau so unbegründete Whataboutismus zugunsten von Verbrechern kotzt mich, offen gesagt, an. Ja, ich wäre sogar dafür, daß diesem Herrn die Nuklearspielzeuge weggenommen werden, genau so wie seine chemischen Waffen.


Trump hat eine Show abgeliefert, eine schlechte. Nicht ich preise Kim ("Verbrecher"), sondern er. Seine Zitate zur Person Kim sind nachlesbar.

Was genau willst du jetzt sagen? Was heißt "wegnehmen"?
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon zollagent » Mo 2. Jul 2018, 20:12

King Kong 2006 hat geschrieben:(02 Jul 2018, 21:08)

Trump hat eine Show abgeliefert, eine schlechte. Nicht ich preise Kim ("Verbrecher"), sondern er. Seine Zitate zur Person Kim sind nachlesbar.

Was genau willst du jetzt sagen? Was heißt "wegnehmen"?

Daß ich da auch Gewalt befürworten würde. Solchen Verbrechern darf man Waffen dieser Art nicht zugestehen.

Ich habe übrigens nicht geschrieben, daß du Kim "preisen" würdest. Aus deinen Beiträgen hier klingt nur ein Verständnis heraus, daß er solche Waffen hat. Ein Verständnis, dem ich meinerseits angesichts der Zustände in Nordkorea nicht das geringste Verständnis entgegenbringen kann.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 2. Jul 2018, 20:31

zollagent hat geschrieben:(02 Jul 2018, 21:12)

Daß ich da auch Gewalt befürworten würde. Solchen Verbrechern darf man Waffen dieser Art nicht zugestehen.

Ich habe übrigens nicht geschrieben, daß du Kim "preisen" würdest. Aus deinen Beiträgen hier klingt nur ein Verständnis heraus, daß er solche Waffen hat. Ein Verständnis, dem ich meinerseits angesichts der Zustände in Nordkorea nicht das geringste Verständnis entgegenbringen kann.


Ich sehe nur eine gewisse Logik hinter den Bestrebungen NKs Atomwaffen zu produzieren in dem Sinne, daß sie sich davon eine Abschreckung erhoffen und eine Handlungsmasse in den politischen Ränkespielen. Da NK sonst nichts hat. D.h. nicht, das ich damit glücklich bin oder ich mir das gewünscht hätte. Es besteht auch eine Logik darin, daß die alle anderen Atommächte, inklusive Israel, Pakistan und Indien ihr Arsenal modernisieren. Davon losgelöst ist die Frage, ob man das persönlich gut heißt eine andere Frage. Der israelische Militärhistoriker van Crefeld hat unter dieser Betrachtung es für völlig logisch gehalten, daß z.B. der Iran sich in seiner Situation Atomwaffen zulegen müsste. Sicher hält er das persönlich gesehen für keine gute Idee. Vermutlich. Ich kenne seine persönliche Haltung dazu nicht. Nur die Betrachtung unter sicherheitspolitischer Sicht.

Zur Zeit ist Trump im Weissen Haus Chef und nach der Achterbahnfahrt von "totaler Vernichtung" des Staates NK hin zum Beweihräucherung der Person KIm ist es fraglich, was das soll.

Donald Trump said on Sunday it was “possible” that a deal he claimed ended the nuclear threat posed by North Korea would not “work out”.

In fact, Trump agreed to end a range of joint military exercises with South Korea, meant to act as a deterrent against the North. In the interview with Fox, he said the exercises, “which I call war games”, were too expensive.

“They’re dropping bombs all over the place every six months,” he said, “it’s unbelievably expensive to do that. The planes fly in from Guam, these massive bombers. It’s crazy.”

https://www.theguardian.com/world/2018/ ... t-work-out


Was Trump gemacht hat, ist die Kosten für die militärische Präsenz der USA zu senken. Das kann man festhalten. Die einen werden sagen, daß das gut ist, die anderen finden das sicherheitspolitisch schlecht.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon zollagent » Mo 2. Jul 2018, 20:47

King Kong 2006 hat geschrieben:(02 Jul 2018, 21:31)

Ich sehe nur eine gewisse Logik hinter den Bestrebungen NKs Atomwaffen zu produzieren in dem Sinne, daß sie sich davon eine Abschreckung erhoffen und eine Handlungsmasse in den politischen Ränkespielen. Da NK sonst nichts hat. D.h. nicht, das ich damit glücklich bin oder ich mir das gewünscht hätte. Es besteht auch eine Logik darin, daß die alle anderen Atommächte, inklusive Israel, Pakistan und Indien ihr Arsenal modernisieren. Davon losgelöst ist die Frage, ob man das persönlich gut heißt eine andere Frage. Der israelische Militärhistoriker van Crefeld hat unter dieser Betrachtung es für völlig logisch gehalten, daß z.B. der Iran sich in seiner Situation Atomwaffen zulegen müsste. Sicher hält er das persönlich gesehen für keine gute Idee. Vermutlich. Ich kenne seine persönliche Haltung dazu nicht. Nur die Betrachtung unter sicherheitspolitischer Sicht.

Zur Zeit ist Trump im Weissen Haus Chef und nach der Achterbahnfahrt von "totaler Vernichtung" des Staates NK hin zum Beweihräucherung der Person KIm ist es fraglich, was das soll.



Was Trump gemacht hat, ist die Kosten für die militärische Präsenz der USA zu senken. Das kann man festhalten. Die einen werden sagen, daß das gut ist, die anderen finden das sicherheitspolitisch schlecht.

Ob "gewisse Logik" oder Verständnis. Das sind nur Synonyme.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 2. Jul 2018, 21:09

zollagent hat geschrieben:(02 Jul 2018, 21:47)

Ob "gewisse Logik" oder Verständnis. Das sind nur Synonyme.


Man sollte sich schon damit befassen, ob man das Thema mag oder nicht. Sonst geht man wie Trump da rein. Ohne Vorbereitung. Ohne briefing. Sich mit den Verhältnissen zu beschäftigen ist grundlegend wichtig und hat nichts mit Verständnis, oder Zustimmung von etwas "verbrecherischen" zu tun.

Die Fachleute, die Politiker briefen (sollten), beschäftigen sich nicht aus Sympathie mit dem Objekt oder aus Freude "am Verbrechen" damit, sondern um die Situation besser zu verstehen. Das darf man nicht mit "Verständnis für Verbrecher" verwechseln. Natürlich kann man eine persönliche Meinung dazu haben.

Die Frage ist jetzt, was macht Trump daraus?
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon Enas Yorl » Mo 2. Jul 2018, 21:35

King Kong 2006 hat geschrieben:(02 Jul 2018, 21:31)Ich sehe nur eine gewisse Logik hinter den Bestrebungen NKs Atomwaffen zu produzieren in dem Sinne, daß sie sich davon eine Abschreckung erhoffen und eine Handlungsmasse in den politischen Ränkespielen. Da NK sonst nichts hat.

Die Nukes verleihen Nordkorea ein politisches und militärisches Gewicht, das über die reine Bedrohung Südkoreas hinausgeht. Insofern ist das ein erheblicher Aufstieg des Regimes in der Region. Was Kim Jong-un nun wirklich seinen Nachbarn kommuniziert hat, ist das Angebot auf gute nachbarliche und wirtschaftliche Beziehungen mit der Atommacht Nordkorea. Dem gegenüber, steht die Aufrechterhaltung von dessen Isolation, mit der Weiterführung von Drohgebärden und der Gefahr einer Eskalation.
Ob Donald Trump das Märchen von der vollständigen Denuklearisierung tatsächlich geglaubt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber die Profis im State Department und Pentagon werden hier sicherlich gewarnt haben. In Asien glaubt das sicher keine Regierung. Aber trotzdem spielt man in Asien das Spiel mit, warum? Die Antwort darauf ist pragmatisch und verzichtet auf Moral. Man zieht eine Deeskalation einer Weiterführung instabiler Verhältnisse vor. Das hier der aktuelle US-Präsident ein nur schwer berechenbarer Faktor ist, macht dies für Südkorea und China nur umso dringlicher. All das, ermöglicht Kim Jong-un einen diplomatischen Spielraum der vor den Nukes, Raketen und besonders D. Trump unmöglich gewesen wäre.

Die Frage ob man dem Regime Atomwaffen zugesteht, kann man gerne im Westen diskutieren. In Asien beschäftigt man sich damit, das er sie hat. Und Ja, in Asien hat niemand das Verlangen wegen moralischer Zweifel Anderer den eigenen Kopf hinzuhalten.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon zollagent » Di 3. Jul 2018, 09:56

King Kong 2006 hat geschrieben:(02 Jul 2018, 22:09)

Man sollte sich schon damit befassen, ob man das Thema mag oder nicht. Sonst geht man wie Trump da rein. Ohne Vorbereitung. Ohne briefing. Sich mit den Verhältnissen zu beschäftigen ist grundlegend wichtig und hat nichts mit Verständnis, oder Zustimmung von etwas "verbrecherischen" zu tun.

Die Fachleute, die Politiker briefen (sollten), beschäftigen sich nicht aus Sympathie mit dem Objekt oder aus Freude "am Verbrechen" damit, sondern um die Situation besser zu verstehen. Das darf man nicht mit "Verständnis für Verbrecher" verwechseln. Natürlich kann man eine persönliche Meinung dazu haben.

Die Frage ist jetzt, was macht Trump daraus?

Du windest dich. Was Trump macht, ist egal, denn für den ist das jetzt erstmal abgehakt. Es interessiert ihn nicht mehr. Die nächste Show steht an, aktuell die WTO.

Man muß deutlich machen können, mit wem man es zu tun hat und was er tut. NUR DANN kann man auch wirklich pragmatisch mit der Situation umgehen. Und nur mit diesem Wissen kann man sie auch richtig einschätzen. Ich sehe es sogar als Pflicht eines demokratisch und humanistisch gesinnten Menschen an, die eigenen Werte nicht zu verleugnen. Denn mit einem Zu Viel an Verständnis, oder vielleicht auch Akzeptanz der aktuellen Lage, kann man allzuleicht in die Verlegenheit kommen, die Position eines solchen Herrschers noch zu zementieren oder zumindest dazu beizutragen.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon zollagent » Di 3. Jul 2018, 09:57

Enas Yorl hat geschrieben:(02 Jul 2018, 22:35)

Die Nukes verleihen Nordkorea ein politisches und militärisches Gewicht, das über die reine Bedrohung Südkoreas hinausgeht. Insofern ist das ein erheblicher Aufstieg des Regimes in der Region. Was Kim Jong-un nun wirklich seinen Nachbarn kommuniziert hat, ist das Angebot auf gute nachbarliche und wirtschaftliche Beziehungen mit der Atommacht Nordkorea. Dem gegenüber, steht die Aufrechterhaltung von dessen Isolation, mit der Weiterführung von Drohgebärden und der Gefahr einer Eskalation.
Ob Donald Trump das Märchen von der vollständigen Denuklearisierung tatsächlich geglaubt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber die Profis im State Department und Pentagon werden hier sicherlich gewarnt haben. In Asien glaubt das sicher keine Regierung. Aber trotzdem spielt man in Asien das Spiel mit, warum? Die Antwort darauf ist pragmatisch und verzichtet auf Moral. Man zieht eine Deeskalation einer Weiterführung instabiler Verhältnisse vor. Das hier der aktuelle US-Präsident ein nur schwer berechenbarer Faktor ist, macht dies für Südkorea und China nur umso dringlicher. All das, ermöglicht Kim Jong-un einen diplomatischen Spielraum der vor den Nukes, Raketen und besonders D. Trump unmöglich gewesen wäre.

Die Frage ob man dem Regime Atomwaffen zugesteht, kann man gerne im Westen diskutieren. In Asien beschäftigt man sich damit, das er sie hat. Und Ja, in Asien hat niemand das Verlangen wegen moralischer Zweifel Anderer den eigenen Kopf hinzuhalten.

Spätestens beim ersten Dissenz ist die ganze Deeskalation beim Teufel!
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon King Kong 2006 » Di 3. Jul 2018, 18:21

zollagent hat geschrieben:(03 Jul 2018, 10:56)

Du windest dich. Was Trump macht, ist egal, denn für den ist das jetzt erstmal abgehakt. Es interessiert ihn nicht mehr. Die nächste Show steht an, aktuell die WTO.

Man muß deutlich machen können, mit wem man es zu tun hat und was er tut. NUR DANN kann man auch wirklich pragmatisch mit der Situation umgehen. Und nur mit diesem Wissen kann man sie auch richtig einschätzen. Ich sehe es sogar als Pflicht eines demokratisch und humanistisch gesinnten Menschen an, die eigenen Werte nicht zu verleugnen. Denn mit einem Zu Viel an Verständnis, oder vielleicht auch Akzeptanz der aktuellen Lage, kann man allzuleicht in die Verlegenheit kommen, die Position eines solchen Herrschers noch zu zementieren oder zumindest dazu beizutragen.


Ok, dann machen wir eben einen Schimpfkanonadenthread auf. Wozu in einem politischen Forum über Hintergründe diskutieren? Wenn das eher was für dich ist... Ist mir zu langweilig.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon King Kong 2006 » Di 3. Jul 2018, 18:34

Enas Yorl hat geschrieben:(02 Jul 2018, 22:35)

Die Nukes verleihen Nordkorea ein politisches und militärisches Gewicht, das über die reine Bedrohung Südkoreas hinausgeht. Insofern ist das ein erheblicher Aufstieg des Regimes in der Region. Was Kim Jong-un nun wirklich seinen Nachbarn kommuniziert hat, ist das Angebot auf gute nachbarliche und wirtschaftliche Beziehungen mit der Atommacht Nordkorea. Dem gegenüber, steht die Aufrechterhaltung von dessen Isolation, mit der Weiterführung von Drohgebärden und der Gefahr einer Eskalation.
Ob Donald Trump das Märchen von der vollständigen Denuklearisierung tatsächlich geglaubt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber die Profis im State Department und Pentagon werden hier sicherlich gewarnt haben. In Asien glaubt das sicher keine Regierung. Aber trotzdem spielt man in Asien das Spiel mit, warum? Die Antwort darauf ist pragmatisch und verzichtet auf Moral. Man zieht eine Deeskalation einer Weiterführung instabiler Verhältnisse vor. Das hier der aktuelle US-Präsident ein nur schwer berechenbarer Faktor ist, macht dies für Südkorea und China nur umso dringlicher. All das, ermöglicht Kim Jong-un einen diplomatischen Spielraum der vor den Nukes, Raketen und besonders D. Trump unmöglich gewesen wäre.

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Natürlich ist es irgendwie eine Frage für Staaten der Region, wie man mit NK umgeht oder auch nicht. Maßgeblich dreht es sich wohl um China, Russland, das ja auch Nachbar ist und Südkorea. Vor allen Dingen im Kontext der USA. Für China und Russland ist das wohl ein Balanceakt, weil sie zum einen NK als Problembären für die USA sicher nützlich erachten. Das bindet Kraft, die in der direkten Auseinandersetzung mit den erwähnten Staaten den USA abgeht.

Trump versuchte indem er "Rauch und Feuer" androhte, das dies die Kreise Chinas und Russlands so stören sollte, das diese Druck auf NK ausüben würden. Sozusagen einen Teil der Arbeit dem Weissen Haus abnehmen sollten. Das ist offenbar nicht in dem Maße gelungen wie von den Strategen in den USA erhofft.

Wenn NK nicht in absehbarer Zeit ihre Absichtserklärung umsetzen wird es interessant, was Trump dann versucht.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon zollagent » Di 3. Jul 2018, 19:12

King Kong 2006 hat geschrieben:(03 Jul 2018, 19:21)

Ok, dann machen wir eben einen Schimpfkanonadenthread auf. Wozu in einem politischen Forum über Hintergründe diskutieren? Wenn das eher was für dich ist... Ist mir zu langweilig.

"Schimpfkanonaden"? Hintergründe? Es geht hier um großspurig verbreitete Aussagen, die offenbar nur eine ganz kurze Halbwertszeit haben. Welche Hintergründe brauchst du noch dazu? Würde man mit "Hintergründen" erklären können, warum Nordkoreas Herrscher Herrn Trump vorgeführt hat? Wenn's denn deiner Unterhaltung dient. :D :D
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon Enas Yorl » Di 3. Jul 2018, 20:01

King Kong 2006 hat geschrieben:(03 Jul 2018, 19:34)Natürlich ist es irgendwie eine Frage für Staaten der Region, wie man mit NK umgeht oder auch nicht. Maßgeblich dreht es sich wohl um China, Russland, das ja auch Nachbar ist und Südkorea. Vor allen Dingen im Kontext der USA. Für China und Russland ist das wohl ein Balanceakt, weil sie zum einen NK als Problembären für die USA sicher nützlich erachten. Das bindet Kraft, die in der direkten Auseinandersetzung mit den erwähnten Staaten den USA abgeht.

Bislang scheinen sowohl China wie auch die USA es vermeiden zu wollen, die Entwicklung mit Nordkorea in ihren Handelskrieg hineinziehen zu wollen. Das kann sich natürlich noch ändern, aber das wäre auch ein risikoreiches Spiel. Hiermit könnte man viel Prestige bei den anderen asiatischen Staaten verlieren. Das würde womöglich Trump egal sein (oder auch gar nicht bewusst), Xi Jinping dagegen muss langfristiger planen.

King Kong 2006 hat geschrieben:(03 Jul 2018, 19:34)Trump versuchte indem er "Rauch und Feuer" androhte, das dies die Kreise Chinas und Russlands so stören sollte, das diese Druck auf NK ausüben würden. Sozusagen einen Teil der Arbeit dem Weissen Haus abnehmen sollten. Das ist offenbar nicht in dem Maße gelungen wie von den Strategen in den USA erhofft.

Kein Wunder, das war von Anfang an eine naive Absicht. Wenn China und Russland Druck auf Nordkorea ausüben, dann weil ihnen die aggressive Entwicklung Nordkoreas der letzten Jahre selbst nicht gefallen hat. Das sich Trump das auf die eigene Fahne schreibt, wundert nicht.

King Kong 2006 hat geschrieben:(03 Jul 2018, 19:34)Wenn NK nicht in absehbarer Zeit ihre Absichtserklärung umsetzen wird es interessant, was Trump dann versucht.

Tun wir einmal so, die Absichtserklärung hätte Hand und Fuß. Dann steht da Denuklearisierung und Amerikanische Sicherheitsgarantien. Wie diese Garantien aussehen, ist bislang unbekannt. Auf den Gebiet ist die US-Regierung schon sehr einsilbig. Was den könnte Kim Jong-un dazu bewegen, sich vor der US-Militärmacht sicher zu fühlen? Allein die Verhandlungen darüber könnten (wenn es den beide Seiten ernst meinen) Jahre dauern. Ich fürchte John Bolton Denuklearisierungspläne werden wohl noch etwas warten müssen.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon Enas Yorl » Sa 7. Jul 2018, 16:29

The North’s official KCNA news agency said the result of talks with the delegation headed by US Secretary of State Mike Pompeo was “extremely troubling” and condemned the “rapacious demands”, accusing the US of insisting on complete, verifiable and irreversible denuclearisation.

“The US attitude and positions at the high-level talks on Friday and Saturday were extremely regrettable,” the North’s foreign ministry said in a statement, Yonhap reported.

The “fastest way” to achieve a nuclear-free Korean peninsula was through a phased approach under which both sides took steps at the same time, KCNA said in a statement citing an unnamed foreign ministry spokesperson.

“We had anticipated the US side would come with a constructive idea, thinking we would take something in return,” the North Korean spokesperson said. “But through the high-level talks, the trust between the DPRK and the United States is facing a dangerous situation where our resolve for denuclearisation, which has been firm and steadfast, may falter.”

That was in stark contrast to the comments of Pompeo, who said on Saturday he had made progress “on almost all of the central issues” in talks with North Korea, including on setting a timeline for its denuclearisation, but work remained to be done.

https://www.scmp.com/news/asia/east-asia/article/2154237/secretary-state-mike-pompeo-hails-progress-north-korean

Das wird wohl nichts mit den schnellen Erfolgen.

“This is not to break the talks. The North is trying to get an upper hand in further negotiations,” he explained. “North Korea expected Pompeo to bring a concrete proposal for security guarantee but it was disappointed as the US side reiterated the old demand that the North should denuclearise first before the US gives it anything in return.”

LOL ernsthaft, so gehen die USA in die Verhandlungen? Man hat nichts anzubieten, will dafür aber gleich die volle Gegenleistung. Das nenne ich mal Verhandlungsgeschick.
:?
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 7. Jul 2018, 21:15

US-Außenminister in Pjöngjang

Nordkorea nennt Atomgespräche "bedauerlich"


Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur KCNA teilte mit, "die Entschlossenheit zur nuklearen Abrüstung" könne nach den Gesprächen mit Pompeo "ins Wanken geraten".


Laut südkoreanischer Nachrichtenagentur Yonhap erklärte das Außenministerium Nordkoreas, die US-Delegation habe eine "extrem bedauerliche" Haltung gezeigt und bei den Unterredungen am Freitag und Samstag "gierige Forderungen" gestellt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/n ... 17235.html


So langsam sind die Diplomaten aus der Trump-Administration soweit ausgesondert, daß es linientreue Gefolgsmänner von Trump sind. Was nicht gleichbedeutend mit guten Diplomaten ist...
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon zollagent » So 8. Jul 2018, 14:25

Das muß wenig mit "linientreuen Trump-Leuten" zu tun haben, sondern kann auch schlicht damit zu tun haben, daß man konkrete Schritte zur Nuklearabrüstung verlangt hat. Das ist nun mal aus Sicht Nordkoreas eine "gierige Forderung", auch noch eingelöst haben zu wollen, was versprochen wurde.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon Enas Yorl » So 8. Jul 2018, 15:21

zollagent hat geschrieben:(08 Jul 2018, 15:25)daß man konkrete Schritte zur Nuklearabrüstung verlangt hat. Das ist nun mal aus Sicht Nordkoreas eine "gierige Forderung", auch noch eingelöst haben zu wollen, was versprochen wurde.

Es gibt hier einen grundsätzlichen Dissens zur Vorgehensweise. Die USA verlangen Vorleistungen, ohne die sie nicht bereit sind, die Sanktionen zu lockern. Nordkorea wiederum besteht darauf, das beide Parteien schrittweise quid pro quo Zugeständnisse machen. Man sollte meinen, das hätte man schon in Singapur klären, und festschreiben können.
Des weiteren, stellt sich die Frage nach den amerikanischen Sicherheitsgarantien. Offenbar konnte hier Mike Pompeo keinen Vorschlag machen, wie diese überhaupt aussehen sollen. Was grundsätzlich auch schwierig ist. Die US-Militärpräsenz in Asien ist so stark, das man sich fragen muss, wie man hier überhaupt für Nordkorea glaubwürdige Garantien stellen kann. Mit einer "Du kommst aus den Gefängnis frei-Karte" von Donald Trump wird sich Kim Jong-un sicher nicht zufrieden geben. Gleichzeitig werden die USA wohl kaum ihre militärische Schlagkraft in Asien deswegen beschränken. Ich halte diesen Punkt, für kaum lösbar.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon King Kong 2006 » So 8. Jul 2018, 19:51

Trump und Berater wie Bolton (seinerzeit auch unter G.W.Bush) verfolgen eher die Verhandlungsstrategie "alles oder nichts", eben wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Kann funktionieren, wie bei Gaddafi, bei robusteren Strukturen, wie in NK ist das nicht unbedingt erfolgsversprechend. Kann auch dann zur Verhärtung diametral dazu führen.
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