Die Nordkorea-Frage

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Teeernte
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon Teeernte » Do 28. Dez 2017, 17:16

zollagent hat geschrieben:(28 Dec 2017, 16:52)

Die gesamte nordkoreanische Sichtweise ist nicht rational. Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge, immer den gerade-noch-so-Weg zwischen Drohungen, Beschimpfungen und Selbstdarstellung als Opfer zu finden. Das Ganze ist ein grandioses Theater zum Beeindrucken des eigenen Volkes. Nur wird das Ganze irgendwann schiefgehen. Hazard-Touren sind in der Regel Verzweiflungsakte, keine überlegten Handlungen.


Das war doch schon immer so. Je weniger das Volk zu essen hat - je mehr wird auf Krieg geschworen. Der Supergrosse Führer kann daran nicht Schuld sein.

Wenn die Nordkoreaner dann eine Sterberate ähnlich eine Mückenkolonie im Herbst haben - jibbet Care Pakete aus Amerika.

- bis zum NÄCHSTEN Deal.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Enas Yorl
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon Enas Yorl » Do 28. Dez 2017, 17:19

zollagent hat geschrieben:(28 Dec 2017, 16:52)Die gesamte nordkoreanische Sichtweise ist nicht rational.

So eine Einschätzung hängt stark vom Betrachtungswinkel ab. In Nordkorea fürchtet man eine Dominanz Chinas, und hält Südkorea, Japan und die USA für eine Bedrohung der eigenen Souveränität, besonders der Führung durch die Kims. Man ist die "Garnele zwischen Walen" (eine alte koreanische Analogie), die sich nun Zähne zugelegt hat, und dem Ausland trotzt. Aus europäischer und amerikanisches Sicht, sicher eine befremdliche Haltung.

zollagent hat geschrieben:(28 Dec 2017, 16:52)Hazard-Touren sind in der Regel Verzweiflungsakte, keine überlegten Handlungen.
Die Politik betreibt man nun schon viele Jahrzehnte, und das durchaus mit Erfolg. Nordkoreas Provokationen sind aggressiv und skrupellos aber durchaus überlegt. In der Region (Südkorea, Japan und China) sieht man diese auch weitaus gelassener, als die Berichterstattung in den europäischen und amerikanischen Medien. Man kennt die nordkoreanischen Stinkstiefel, und weiß das diese keine Selbstmörder sind.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon Watchful_Eye » Do 28. Dez 2017, 17:48

Enas Yorl hat geschrieben:(28 Dec 2017, 17:19)
Die Politik betreibt man nun schon viele Jahrzehnte, und das durchaus mit Erfolg. Nordkoreas Provokationen sind aggressiv und skrupellos aber durchaus überlegt. In der Region (Südkorea, Japan und China) sieht man diese auch weitaus gelassener, als die Berichterstattung in den europäischen und amerikanischen Medien. Man kennt die nordkoreanischen Stinkstiefel, und weiß das diese keine Selbstmörder sind.

Aber vor zukünftigen Kriegen scheint man in China ja durchaus besorgt zu sein:
"Document suggests at least five camps are being set up as Beijing prepares for possible influx of refugees should Kim Jong-un’s regime collapse"
https://www.theguardian.com/world/2017/ ... orth-korea

Würdest du es dementsprechend so einschätzen, dass China vor Trump gewissermaßen mehr Angst hat als vor Kim?
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon zollagent » Do 28. Dez 2017, 17:56

Enas Yorl hat geschrieben:(28 Dec 2017, 17:19)

So eine Einschätzung hängt stark vom Betrachtungswinkel ab. In Nordkorea fürchtet man eine Dominanz Chinas, und hält Südkorea, Japan und die USA für eine Bedrohung der eigenen Souveränität, besonders der Führung durch die Kims. Man ist die "Garnele zwischen Walen" (eine alte koreanische Analogie), die sich nun Zähne zugelegt hat, und dem Ausland trotzt. Aus europäischer und amerikanisches Sicht, sicher eine befremdliche Haltung.

Die Politik betreibt man nun schon viele Jahrzehnte, und das durchaus mit Erfolg. Nordkoreas Provokationen sind aggressiv und skrupellos aber durchaus überlegt. In der Region (Südkorea, Japan und China) sieht man diese auch weitaus gelassener, als die Berichterstattung in den europäischen und amerikanischen Medien. Man kennt die nordkoreanischen Stinkstiefel, und weiß das diese keine Selbstmörder sind.

Ich denke, wir kommen den Fakten näher, wenn wir hier mehr die Paranoia der Kims als Ursache sehen.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon Tom Bombadil » Do 28. Dez 2017, 18:06

Watchful_Eye hat geschrieben:(28 Dec 2017, 17:48)

Aber vor zukünftigen Kriegen scheint man in China ja durchaus besorgt zu sein:

Der Zusammenbruch des Regimes muss ja nicht unbedingt durch einen Krieg ausgelöst werden. Angesichts solcher Vorbereitungen scheint China aber davon auszugehen, dass Kim nicht mehr lange an der Macht sein wird. Vllt. plant ja das Militär einen Putsch.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon Enas Yorl » Do 28. Dez 2017, 18:25

Watchful_Eye hat geschrieben:(28 Dec 2017, 17:48)Würdest du es dementsprechend so einschätzen, dass China vor Trump gewissermaßen mehr Angst hat als vor Kim?

Angst würde ich das nicht nennen. Donald Trump ist mit seiner impulsiven Handlungsweise sicher unberechenbarer als Kim. Man kann wohl noch darauf vertrauen, das hier sein Stab ihn vor ernsthaften militärischen Schritten aus dem Bauch heraus abhält. Aber außenpolitischer Schaden per Twitter oder Pressekonferenz ist trotzdem schnell angerichtet. Das Trump wenig davon hält, sich hier mit seinen Verbündeten abzusprechen, hat man in Japan und Südkorea längst erfahren. Seit Trump Obamas Asienstrategie über den Haufen geworfen hat, fehlt hier bei den USA jedes Konzept zur Außenpolitik in Asien das über eine Selbstinszenierung Trumps hinaus geht.
China weiß das im südchinesischen Meer auszunutzen, in Nordkorea wird man das nach Möglichkeit wohl auch tun.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon unity in diversity » Fr 29. Dez 2017, 17:23

zollagent hat geschrieben:(28 Dec 2017, 17:56)

Ich denke, wir kommen den Fakten näher, wenn wir hier mehr die Paranoia der Kims als Ursache sehen.

Wunschdiagnosen sollte man jenen Menschen vorbehalten, denen am Fortbestand der Menschheit gelegen ist.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon zollagent » Fr 29. Dez 2017, 18:19

unity in diversity hat geschrieben:(29 Dec 2017, 17:23)

Wunschdiagnosen sollte man jenen Menschen vorbehalten, denen am Fortbestand der Menschheit gelegen ist.

Gehören Trump oder der Kim-Clan dazu? Da habe ich aber starke Zweifel, die haben jeweils nur Interesse am Fortbestand ihrer Position, da spielt es keine Rolle, ob der Rest der Menschheit deswegen drauf geht.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon unity in diversity » Fr 29. Dez 2017, 18:26

zollagent hat geschrieben:(29 Dec 2017, 18:19)

Gehören Trump oder der Kim-Clan dazu? Da habe ich aber starke Zweifel, die haben jeweils nur Interesse am Fortbestand ihrer Position, da spielt es keine Rolle, ob der Rest der Menschheit deswegen drauf geht.

Das würde ich sogar unterschreiben.
[...]
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon Watchful_Eye » Fr 29. Dez 2017, 18:41

Auch Beschwerden über ad personam-Beiträge sind ad personam-Beiträge ;). Wir haben dazu einen Meldebutton und ggf. den Mod-Strang. Ihr seid doch nicht neu hier. :)
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon unity in diversity » Fr 29. Dez 2017, 18:54

Watchful_Eye hat geschrieben:(29 Dec 2017, 18:41)

Auch Beschwerden über ad personam-Beiträge sind ad personam-Beiträge ;). Wir haben dazu einen Meldebutton und ggf. den Mod-Strang. Ihr seid doch nicht neu hier. :)

Recht so.
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Re: Die Nordkorea-Frage

Beitragvon sünnerklaas » Do 4. Jan 2018, 11:28

Enas Yorl hat geschrieben:(28 Dec 2017, 18:25)

Angst würde ich das nicht nennen. Donald Trump ist mit seiner impulsiven Handlungsweise sicher unberechenbarer als Kim. Man kann wohl noch darauf vertrauen, das hier sein Stab ihn vor ernsthaften militärischen Schritten aus dem Bauch heraus abhält. Aber außenpolitischer Schaden per Twitter oder Pressekonferenz ist trotzdem schnell angerichtet. Das Trump wenig davon hält, sich hier mit seinen Verbündeten abzusprechen, hat man in Japan und Südkorea längst erfahren. Seit Trump Obamas Asienstrategie über den Haufen geworfen hat, fehlt hier bei den USA jedes Konzept zur Außenpolitik in Asien das über eine Selbstinszenierung Trumps hinaus geht.
China weiß das im südchinesischen Meer auszunutzen, in Nordkorea wird man das nach Möglichkeit wohl auch tun.



Ich glaube, wir können es so zusammenfassen: Trump ist der schwächste Präsident, den die USA je hatten. Er schwächt nicht seine Gegner, er macht sie ungewollt immer stärker. Man kann das sehr schön an Hand der Frage beobachten, wer denn den größeren Atom-Knopf auf dem Schreibtisch hat. Kim Jong Un hat Trump provoziert, woraufhin sich Trump wie im Kindergarten hingestellt und erklärt hat, er habe einen viel größeren Button, als Kim Jong Un. Daraufhin haben sich die die USA genötigt gesehen, zu erklären, der Präsident habe gar keinen Button auf seinem Schreibtisch, es gäbe nur Codewörter. Und ob die per Codewort erteilten Präsidenten-Befehle ausgeführt würden, entschieden am Ende immer noch die Militärs.
Allerdings sollte man eines nicht außer acht lassen: gäbe Trump den Befehl für einen nuklearen Präventiv-Schlag und würde dieser, weil verboten, nicht von den US-Militärs ausgeführt, würde Trump sich hinstellen und sich als Opfer des "Tiefen Staates" stilisieren. Kim Jong Un würde sich dagegen als Held und als Sieger feiern. Das ganze ist ein Dilemma.

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