Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

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sünnerklaas
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Re: Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik

Beitragvon sünnerklaas » Mi 8. Aug 2018, 20:10

Nightrain hat geschrieben:(08 Aug 2018, 20:41)

Das ist aber alles keine Verarbeitung. Schon der Fruchtsaft wird nicht mehr in Afrika produziert, sondern die Früchte nach Europa gebracht, um sie hier weiterzuverarbeiten.

Man darf auch nicht vergessen, dass grundsätzlich eine Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln angestrebt wird. Ich denke nicht, dass überhaupt Bedarf besteht Getreide in die EU zu importieren. Das wächst hier ausgezeichnet.


Afrika ist Rohstofflieferant - ansonsten nur Absatzmarkt.
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Welfenprinz
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Welfenprinz » Mi 8. Aug 2018, 20:12

Aus dem Kopf erinnert war die EU Getreidenettoimporteur
in den Jahren 2003,2007,2011,2012 und jetzt diese Saison.
Ich habe ehrlich gesagt keine Lust mehr die Zahlen dazu rauszusuchen,weils ja eh nicht geglaubt werden soll.


Die landwirtschaftliche Fachpresse von griinpiss und co verbreitet halt ihre Märchen ,in den Köpfen der Menschen existieren angebliche “Getreideberge“,während in Wirklichkeit die Welternährung auf Kante läuft,China die Ware ansaugt,bunkert,als Waffe einsetzt und nicht damit handelt.

Zwei allgemein gehaltene Aussagen dazu:

“im kommenden Wirtschaftsjahr wird die Nachfrage nach Getreide in der EU erneut zunehmen und damit ein neues Rekordhoch erreichen. Erwartet wird ein Verbrauch von 284 Mio. t
https://www.ami-informiert.de/ami-maerk ... eiter.html


Über einen längeren Zeitraum betrachtet reichte die Getreideerzeugung in der EU von einem Tiefpunkt von 253 Mio. Tonnen im Jahr 2003 (einem Jahr schwerer Dürre) bis auf über 330 Mio. Tonnen im Jahr 2014 (einem Jahr mit sehr günstigen Witterungsbedingungen).“
https://www.bvo-saaten.de/news/eurostat ... wirtschaft


Wenn wir weniger produzieren,hungern andere.
Nicht wir.
So einfach ist das.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon H2O » Do 9. Aug 2018, 05:54

Welfenprinz hat geschrieben:(08 Aug 2018, 21:12)

Aus dem Kopf erinnert war die EU Getreidenettoimporteur
in den Jahren 2003,2007,2011,2012 und jetzt diese Saison.
Ich habe ehrlich gesagt keine Lust mehr die Zahlen dazu rauszusuchen,weils ja eh nicht geglaubt werden soll.


Die landwirtschaftliche Fachpresse von griinpiss und co verbreitet halt ihre Märchen ,in den Köpfen der Menschen existieren angebliche “Getreideberge“,während in Wirklichkeit die Welternährung auf Kante läuft,China die Ware ansaugt,bunkert,als Waffe einsetzt und nicht damit handelt.

Zwei allgemein gehaltene Aussagen dazu:

“im kommenden Wirtschaftsjahr wird die Nachfrage nach Getreide in der EU erneut zunehmen und damit ein neues Rekordhoch erreichen. Erwartet wird ein Verbrauch von 284 Mio. t
https://www.ami-informiert.de/ami-maerk ... eiter.html


Über einen längeren Zeitraum betrachtet reichte die Getreideerzeugung in der EU von einem Tiefpunkt von 253 Mio. Tonnen im Jahr 2003 (einem Jahr schwerer Dürre) bis auf über 330 Mio. Tonnen im Jahr 2014 (einem Jahr mit sehr günstigen Witterungsbedingungen).“
https://www.bvo-saaten.de/news/eurostat ... wirtschaft


Wenn wir weniger produzieren,hungern andere.
Nicht wir.
So einfach ist das.


Aus meiner Sicht als Mitleser solcher Nachrichten ist doch der Agrarexport der EU überhaupt nicht auf Getreide aufgebaut. Da ist es eher so, daß Futtermittel (Vielleicht ist das schon unser Getreidenimport!) in großem Stil für die "Veredelungswirtschaft", sprich Fleischerzeugung, eingeführt werden. Unser wesentlicher Export betrifft doch genau diesen Sektor Fleischwaren und Molkereiprodukte. Und unser Umweltproblem mit dem nitrierten Grundwasser mit Antibiotika und vielen Volkskrankheiten durch übertriebenen Fleischgenuß wohl auch.

Daß es gelegentlich Fleischberge, Milchseen, Butterberge, Schweinebäuche gibt, entnehme ich der Presse. Der Inlandsverbrauch in der EU läßt sich kaum steigern, und nach hinreichender Lagerzeit geht der Überschuß in den Export. Ich meine, daß dort der Hammer hängt.

Das Problem wäre vermutlich sofort erledigt, wenn Veredelungsbetriebe ihre Fleischproduktion mit den Erträgen ihrer Ländereien bestreiten müßten. Eine kluge Landwirtschaftspolitik steckt nicht hinter der augenblicklichen Wirtschaftsweise.

Unsere Landwirtschaft müßte so strukturiert werden, daß sie unsere Ernährung mit Grundnahrungsmitteln auch in Schlechtwetterzeiten sicher stellt. Wenn wir Rindfleisch aus Argentinien oder Brasilien, oder Schweinefleisch aus den USA hinzukaufen müßten, das wäre doch kein Beinbruch!

Das alles ist natürlich nur meine Empfindungslage; was wirklich auf dem Gebiet geschieht, das werden Sie besser wissen!
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Welfenprinz » Do 9. Aug 2018, 06:33

H2O hat geschrieben:(09 Aug 2018, 06:54)

Aus meiner Sicht als Mitleser solcher Nachrichten ist doch der Agrarexport der EU überhaupt nicht auf Getreide aufgebaut.


Getreide (Also Mais,Reis,Weizen, und dann noch die Arten mit geringerem Anbauumfang) sind quantitativ das wesentliche Rückgrat der Welternährung und belegen den grössten Teil der Anbauflächen.
Deshalb ist es üblich und bis zu einem gewissen grade auch zulässig “Ernährungsversorgung“ auf ““Getreidemarkt“ zu verkürzen. Auch wenns nicht bis ins letzte Detail exakt ist.
(Platt gesagt ,ist es ja z. B. für die Versorgungssicherheit unerheblich ,dass Obst und Weinbauern von diesem Jahr begeistert sind)




Da ist es eher so, daß Futtermittel (Vielleicht ist das schon unser Getreidenimport!) in großem Stil für die "Veredelungswirtschaft", sprich Fleischerzeugung, eingeführt werden. Unser wesentlicher Export betrifft doch genau diesen Sektor Fleischwaren und Molkereiprodukte.


Import,Export..... :rolleyes: liessen sich jetzt Bibliotheken mit füllen.
Wenn Bahlsen den Agrarrohstoff Weizen zu Keksen verarbeitet(oder Kartoffeln zu chips) und verkauft,sagt keiner was.
Wenn arla den Agrarrohstoff Milch zu Käse verarbeitet und exportiert, ist das das Weltenübel.
Muss ich nicht verstehen.



Unsere Landwirtschaft müßte so strukturiert werden, daß sie unsere Ernährung mit Grundnahrungsmitteln auch in Schlechtwetterzeiten sicher stellt.

!


Grade das geht ja nicht,in keiner Region der Welt.(jedenfalls nicht mit der jetzigen Bevölkerungszahl).
Freiland ist keine Fabrikhalle,und niemand,aber wirklich niemand weiss ob die Ernte nächstes Jahr x % höher oder y % niedriger ausfällt.
Die Versorgung kann nur durch uneingeschränkten Handel rund ums Jahr rund um den Globus klappen.
Jeder Ansatz,der nicht global gefasst ist,zielt ins Leere.

Die Preissteigerungen in der Saison 07/08 -die zu den Hungerdemonstrationen führten- basierten auf einem Erntemengenrückgang von weniger als 10% (!) und gleichzeitig jahrelang (seit 2002)gesunkenen Vorräten.
Vor dem Hintergrund ist es menschenverachtend von “Überschüssen“ zu sprechen oder “Exporte“ zur res non grata zu erklären.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon H2O » Do 9. Aug 2018, 06:47

Welfenprinz hat geschrieben:(09 Aug 2018, 07:33)

Getreide (Also Mais,Reis,Weizen, und dann noch die Arten mit geringerem Anbauumfang) sind quantitativ das wesentliche Rückgrat der Welternährung und belegen den grössten Teil der Anbauflächen.
Deshalb ist es üblich und bis zu einem gewissen grade auch zulässig “Ernährungsversorgung“ auf ““Getreidemarkt“ zu verkürzen. Auch wenns nicht bis ins letzte Detail exakt ist.
(Platt gesagt ,ist es ja z. B. für die Versorgungssicherheit unerheblich ,dass Obst und Weinbauern von diesem Jahr begeistert sind)






Import,Export..... :rolleyes: liessen sich jetzt Bibliotheken mit füllen.
Wenn Bahlsen den Agrarrohstoff Weizen zu Keksen verarbeitet(oder Kartoffeln zu chips) und verlauft,sagt keiner was.
Wenn arla den Agrarrohstoff Milch zu Käse verarbeitet und exportiert, ist das das Weltenübel.
Muss ich nicht verstehen.





Grade das geht ja nicht,in keiner Region der Welt.(jedenfalls nicht mit der jetzigen Bevölkerungszahl).
Freiland ist keine Fabrikhalle,und niemand,aber wirklich niemand weiss ob die Ernte nächstes Jahr x % höher oder y % niedriger ausfällt.
Die Versorgung kann nur durch uneingeschränkten Handel rund ums Jahr rund um den Globus klappen.
Jeder Ansatz,der nicht global gefasst ist,zielt ins Leere.

Die Preissteigerungen in der Saison 07/08 -die zu den Hungerdemonstrationen führten- basierten auf einem Erntemengenrückgang von weniger als 10% (!) und gleichzeitig jahrelang (seit 2002)gesunkenen Vorräten.
Vor dem Hintergrund ist es menschenverachtend von “Überschüssen“ zu sprechen oder “Exporte“ zur res non grata zu erklären.


Niemand sagt etwas gegen Welthandel. Hier ging es darum, daß in großem Umfang Getreide eingeführt wird, das am Ende des Liedes unser Grundwasser verseucht mit einer industriellen Produktion von Fleisch und Milch, die so nicht sein müßte. Und daß davon so viel überschüssig hergestellt wird, daß wir in der Presse davon lesen.

Da fände ich es besser, wir würden diese regelmäßig und wetterunabhängi erzeugte Überproduktion von Fleisch einschränken, erstens um uns nicht daran zu überfressen, und zweitens um den Markt in einigen Exportregionen nicht zu zerstören.

Da liegt etwas im Argen; schändlich, daß sich unsere Regierung damit nicht im Sinne von Besserung befaßt.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Welfenprinz » Do 9. Aug 2018, 08:12

Warum nicht den Anbau von Tabak,Wein,Braugerste,Hopfen, Brennerweizen verbieten und diese Flächen sinnvoll zur Nahrungsmittelproduktion nutzen?
Naja gut,das hat jetzt nix mehr mit Afrika zu tun.


Niemand sagt etwas gegen Welthandel. Hier ging es darum, daß in großem Umfang Getreide eingeführt wird, das am Ende des Liedes unser Grundwasser verseucht mit einer industriellen Produktion von Fleisch und Milch, die so nicht sein müßte. Und daß davon so viel überschüssig hergestellt wird, daß wir in der Presse davon lesen.


Hier widersprichst du dir doch mehrfach selbst.
Wenn niemand was gegen Welthandel sagt,kannst du nicht im nächsten Atemzug selektive Rosinenpickerei betreiben.
Führt die EU denn nun “in grossem Umfang “ Getreide ein oder produziert “die industrialisierte Landwirtschaft in den Agrarsteppen“ zuviel davon und ist schlimm schlimm exportorientiert?
Wenn es etwas verkauft werden kann ,ist es nicht “überschüssig produziert“,dann hat es einen Abnehmer. Vollkommen egal ob Hühnerfüsse und Schnäbel in China Absatz haben oder Käse in Teheran.


Da fände ich es besser, wir würden diese regelmäßig und wetterunabhängi erzeugte Überproduktion von Fleisch einschränken, erstens um uns nicht daran zu überfressen, und zweitens um den Markt in einigen Exportregionen nicht zu zerstören.


In diesem Exportregionen besteht Nachfrage,die wird bedient(und in Afrika von Brasilien,die EU ist da nur ein Lückenfüller).
Und in Ländern mit ein paar hundert Dollar Jahreseinkommen sind erschwingliche Lebensmittel wohl eher Segen denn Fluch.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Tom Bombadil » Do 9. Aug 2018, 08:20

Welfenprinz hat geschrieben:(09 Aug 2018, 09:12)

Wenn es etwas verkauft werden kann ,ist es nicht “überschüssig produziert“,dann hat es einen Abnehmer.

Oftmals kann etwas aber nur verkauft werden, weil es vorher hoch subventioniert wurde und das wirkt dann schädlich in den Ländern, die ihre Landwirtschaft nicht oder nicht so hoch subventionieren können.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Quatschki » Do 9. Aug 2018, 08:26

Tom Bombadil hat geschrieben:(09 Aug 2018, 09:20)

Oftmals kann etwas aber nur verkauft werden, weil es vorher hoch subventioniert wurde und das wirkt dann schädlich in den Ländern, die ihre Landwirtschaft nicht oder nicht so hoch subventionieren können.

Wenn die Produkte zu den höheren Preisen verkauft würden, die sich die dortigen Erzeuger vorstellen, wäre das dann nicht für viele der dortigen Verbraucher unbezahlber??
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Tom Bombadil » Do 9. Aug 2018, 08:37

Quatschki hat geschrieben:(09 Aug 2018, 09:26)

Wenn die Produkte zu den höheren Preisen verkauft würden, die sich die dortigen Erzeuger vorstellen, wäre das dann nicht für viele der dortigen Verbraucher unbezahlber??

Wenn die Nachfrage mangels Kaufkraft einbricht, sinken die Preise automatisch.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Welfenprinz » Do 9. Aug 2018, 08:42

Gerade im Verdlungsbereich ist gar nix hoch subventioniert.
Die ganzen Hühner und Schweineställe würden ungerührt weiter produzieren,wenn die EU Agrarzahlungen morgen auf 0 gestellt werden.

Hoch subventioniert sind alle extensiven Wirtschaftsweisen,Biolandbau und die auf Mittelgebirgswiesen grasende Mutterkuhherde zur Landschaftspflege.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon H2O » Do 9. Aug 2018, 09:05

Welfenprinz hat geschrieben:(09 Aug 2018, 09:12)

Warum nicht den Anbau von Tabak,Wein,Braugerste,Hopfen, Brennerweizen verbieten und diese Flächen sinnvoll zur Nahrungsmittelproduktion nutzen?
Naja gut,das hat jetzt nix mehr mit Afrika zu tun.




Hier widersprichst du dir doch mehrfach selbst.
Wenn niemand was gegen Welthandel sagt,kannst du nicht im nächsten Atemzug selektive Rosinenpickerei betreiben.
Führt die EU denn nun “in grossem Umfang “ Getreide ein oder produziert “die industrialisierte Landwirtschaft in den Agrarsteppen“ zuviel davon und ist schlimm schlimm exportorientiert?
Wenn es etwas verkauft werden kann ,ist es nicht “überschüssig produziert“,dann hat es einen Abnehmer. Vollkommen egal ob Hühnerfüsse und Schnäbel in China Absatz haben oder Käse in Teheran.


Nein, da legen Sie mir etwas zur Last, das ich so nie gesagt habe und schon gar nicht meine. Zu Ihrem ersten Absatz: Not lehrt beten. Wenn also der Notfall eingetreten ist, dann pflanzen Leute Gemüse im Grünstreifen und im Hinterhof. Dann ist es sicher auch nicht verwerflich, auf den Tabakanbau zu verzichten, wenn dadurch die Not gelindert wird. Leider habe ich da keine Vorstellung; derzeit meine ich, daß Braugerste und Brennweizen auch als Nahrungsmittel durchgeht, aber anders verwendet wird. Da bleibe ich ziemlich locker. Den Weinbau betreibt man dort,b wo Getreide nur unter großen Qualen an zu bauen wäre. Das sieht in Süd-Europa anders aus... und da könnte man angesichts von Weinseen wirklich auf den Gedanken kommen, mit dem Boden etwas Sinnvolleres an zu stellen. Vermutlich gibt es Staatsknete dafür... wer macht denn so etwas, wenn keine Kunden als Abnehmer zu finden sind.

Nein, ich betreibe keine Rosinenpickerei, wenn ich meinen Ärger über versautes Grundwasser ausdrücke, das durch eine rücksichtslose Überforderung der landwirtschaftlich genutzten Flächen hohe Einträge von Nitraten und Antibiotika aus der Tiermast verursacht wird. Das Fleisch wird dann auch in großem Ausmaß exportiert. die Milch sogar in Form von Milchpulver verschleudert. Wenn es für diesen Wahnsinn keine Staatsknete gäbe, dann wäre damit sicher gleich Schluß. Diese Form der Produktion hat mit "Landwirtschaft" gar nichts mehr zu tun; sie ist gemeingefährlich und in ihrer Wirkung auch gesundheitsschädlich. Es ist eben nicht egal, womit Überschüsse erzielt werden. Nur bei anderen Überschüssen verfallen die Preise, so daß diese Produktion unterbleibt. Das scheint bei unserer Form der Landwirtschaft fast ausgeschlossen zu sein. Da heißt es, der Milchpreis ist existenzgefährdend billig, und schon sind Produktionsketten und Staat dabei, diesen gefährlichen Zustand wieder aus zu gleichen... Butterberge werden eingelagert und Fleischberge auch.

Die Agrarsteppen verdanken wir dem Anbau von Energiepflanzen, jedenfalls den Maisanbau. Das ist eine Fehlentwicklung. So lange sie ohne Staatsknete läuft... warum nicht? Einen Idealzustand werden wir ohnehin nicht erreichen... siehe Hitzewellen und Gewitterstürme. Die Folgen kann man nur durch Welthandel halbwegs meistern.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon H2O » Do 9. Aug 2018, 09:16

Welfenprinz hat geschrieben:(09 Aug 2018, 09:42)

Gerade im Verdlungsbereich ist gar nix hoch subventioniert.
Die ganzen Hühner und Schweineställe würden ungerührt weiter produzieren,wenn die EU Agrarzahlungen morgen auf 0 gestellt werden.

Hoch subventioniert sind alle extensiven Wirtschaftsweisen,Biolandbau und die auf Mittelgebirgswiesen grasende Mutterkuhherde zur Landschaftspflege.


Ich als Steuerzahler bin bereit, für landschaftsschonende Bewirtschaftung und grasende Rinderherden mit meinen Steuern ein zu stehen. Schließlich sollen Kinder und Kindeskinder hier noch ihr Leben gestalten können.

Ich bin nicht gewillt, die Tiermast mit Importfutter zu fördern, nachdem klar ist, welche Folgen dieser Raubbau auf unsere Lebensgrundlagen und unsere Gesundheit hat. Wenn da in der Tat nichts staatlich gefördert wird, dann muß dort der Gesetzgeber eingreifen.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » Sa 11. Aug 2018, 13:49

Welfenprinz hat geschrieben:(08 Aug 2018, 21:12)

Aus dem Kopf erinnert war die EU Getreidenettoimporteur
in den Jahren 2003,2007,2011,2012 und jetzt diese Saison.
Ich habe ehrlich gesagt keine Lust mehr die Zahlen dazu rauszusuchen,weils ja eh nicht geglaubt werden soll.

Klar glaube ich dir das. Zahlen wären trotzdem nett. Ich habe hier auch einige genannt, denen man gerne qualifiziert widersprechen darf.

Die landwirtschaftliche Fachpresse von griinpiss und co verbreitet halt ihre Märchen ,in den Köpfen der Menschen existieren angebliche “Getreideberge“,während in Wirklichkeit die Welternährung auf Kante läuft,China die Ware ansaugt,bunkert,als Waffe einsetzt und nicht damit handelt.
So einfach ist das.

Meinst du diese Zusammenhänge?
Die Antwort ist nicht ganz leicht. Die Marktsignale sind widersprüchlich. So haben sich die globalen Weizenvorräte in den letzten zwölf Monaten spürbar erholt. Handelsnahe Meinungsmacher nutzten das für Baisse-Prognosen. Diese haben sich aber nicht bestätigt. Im Gegenteil: Selbst jetzt, kurz vor der neuen Ernte, tendieren die Preise überwiegend stabil bis fest.

Analysten machen dafür China und Indien verantwortlich, die ihre Getreidevorräte sukzessive aufstocken. Peking bunkert mittlerweile rund ein Viertel der globalen Weizenvorräte, und weitere 10 bis 11 % lagern in Indien. Der Großteil dieser Bestände ist aber gar nicht für den Weltmarkt vorgesehen. Das gilt besonders für die chinesischen. Unterm Strich ist das marktwirksame Sicherheitspolster also wohl erheblich dünner als es auf den ersten Blick erscheint.

Spannend wird es deshalb, wenn wir keine gute Ernte einfahren, und die weltweite Versorgung nur durch den Rückgriff auf Lagerbestände gewährleistet ist. Die Hochrechnungen und Prognosen des Internationalen Getreiderates (IGC), des US-Agrarministeriums (USDA), der EU sowie anderer Stellen sehen im Moment nicht bei allen Getreidearten auskömmliche Erntemengen.
https://www.topagrar.com/archiv/Bleibt-Getreide-knapp-und-teuer-867459.html

Ich gebe zu, dass mir das in der Form nicht präsent war. Mein Bild der Dinge war, dass wir vermutlich bei weiter stark wachsender Weltbevölkerung so etwa ab 2050 größere Probleme mit der Welternährungssituation bekommen könnten, aber noch nicht jetzt.

Dh. vor diesem Hintergrund sollte man anscheinend auch in der EU so viel Getreide wie möglich anbauen und lagern.
Andererseits ist es offensichtlich für die Entwicklung des lokalen Agrobusiness in Entwicklungsländern kontraproduktiv, wenn in Zeiten, wo kein Mangel herrscht, dennoch sehr preisgünstige Agrarexporte aus Übersee auf den dortigen Markt drängen. (Oder siehst du das nicht so, und wenn nicht, warum nicht?)

Wir stehen also vor einem Dilemma. Vielleicht ist ein möglicher Kompromiss, bei Grundnahrungsmitteln die Produktion auch in der EU hoch zu halten, aber eben nur in solchen Zeiten Exporte in Entwicklungsländer zuzulassen, in denen dort daran gravierender Mangel herrscht. Das würde eine Marktregulierung bedeuten, die sicher auch kontraproduktiv wirken kann, aber mir fällt nichts besseres ein. Gute Ideen jederzeit willkommen.

Zu den beiden folgenden Aussagen würden mich auch Quellen interessieren:

Welfenprinz hat geschrieben:(09 Aug 2018, 09:42)
Gerade im Verdlungsbereich ist gar nix hoch subventioniert.
Die ganzen Hühner und Schweineställe würden ungerührt weiter produzieren,wenn die EU Agrarzahlungen morgen auf 0 gestellt werden.

Hoch subventioniert sind alle extensiven Wirtschaftsweisen,Biolandbau und die auf Mittelgebirgswiesen grasende Mutterkuhherde zur Landschaftspflege.

Welfenprinz hat geschrieben:(09 Aug 2018, 09:12)
[...]und in Afrika von Brasilien,die EU ist da nur ein Lückenfüller.
(Anmerkung: es ging um Fleisch)
this is planet earth
Eulenwoelfchen
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Eulenwoelfchen » Sa 8. Sep 2018, 21:26

http://www.faz.net/aktuell/race-to-feed-the-world/tomatenernte-fluechtlinge-in-italien-werden-ausgebeutet-15776725.html

Die Tomatenbetriebe werden von der EU subventioniert. Und es ist zum Gotterbarmen, wie diesen Menschen umgegangen wird.
Keine EU, die hier einschreitet, gegen die üble Stimmungsmache eines Salivini und einer italiensischen Regierung,
die scheinheilig zusieht oder wie Salvini, das Problem, die Schuld an dieser zynischen, antisozialen und inhumanen Behandlung
den armen Menschen, den Flüchtlingen in die Schuhe schiebt:

"Würden diese Wirtschaftsflüchtlinge da bleiben, wo sie hin gehören, und nicht Italien überschwemmen, hätten die ganzen
kriminellen und mafiosen Firmen und Unternehmen einschließlich der dortigen Tomatenbauern kein so leichtes Spiel,
diese Menschen gnadenlos auszubeuten.

Und natürlich muss auch die Marktmacht besonders der deutschen Lebensmittelgiganten Edeka, Lidl, Aldi un REWE
erwähnt werden. Sie stellen schließlich 80% der Einkaufsmacht für diese landwirtschaftlichen Produkte aus Italien.
Mit entsprechendem Preisdruck. Die Arbeitsbedingungen interessieren diese Unternehmen einen Scheissdreck.
Erbärmlich.

Edeka - Slogan:"Wir lieben Lebensmittel" - Das vielleicht. Die Menschen, die sie ernten, dafür umso weniger.

Es ist nur noch beschämend...
Eulenwoelfchen
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Eulenwoelfchen » Sa 8. Sep 2018, 21:42

H2O hat geschrieben:(09 Aug 2018, 10:05)
Die Agrarsteppen verdanken wir dem Anbau von Energiepflanzen, jedenfalls den Maisanbau. Das ist eine Fehlentwicklung. So lange sie ohne Staatsknete läuft... warum nicht?


Ganz ohne Staatsknete läuft das allerdings nicht. Denn viele dieser Energiepflanzen landen in Biogasanlagen, die staatl. hochsubventioniert sind pro kw/h des erzeugten Stroms.

Und selbstverständlich haben Sie recht, dass die extensive, und stark überdüngende Massenproduktionslandwirtschaft das Grundwasser stark gefährdet und zunehmend vergiftet.
Die Dinge sind einfach ausser Balance geraten. Allerdings auch befeuert von preisdumpenden Lebesnmittelgiganten, die mit ihren Angeboten von Schnitzeln für 60 bis 90 Cent/je 100g
oder noch billigeren Dauersonderangeboten sowohl den Wert des Lebensmittels Fleisch für den Endverbraucher zu einem jederzeit verfügbaren Billigmassenprodukt machen und
gleichzeitig eine Landwirtschaft befeuern, die nur noch mit Masse statt Klasse überleben oder Geld verdienen kann.

Dass damit die Umwelt nicht nur die Grundlagen für unser wertvollstes Lebensmittel, das Wasser, sondern auch die Böden nachhaltig und dauerhaft zerstört werden,
geht unter. Hauptsache billig und jeden Tag einen Fetzen Fleisch auf dem Teller. So wurde das dem Verbraucher angewöhnt und so ist er es dann auch gewohnt und gibt
es an seine Kinder weiter. Respekt und Achtung vor Lebensmitteln weicht der beliebigen und billigen Verfügbarkeit und einer Erwartungshaltung, dies alles jederzeit und
365/24 und so billig wie möglich zur Verfügung zu haben.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon H2O » So 9. Sep 2018, 07:58

Im Leben hat fast jedes Fehlverhalten seinen Preis, ob nun im persönlichen Bereich oder auf Staatsebene. Nur zu dumm, daß die Sünder längst verstorben sind, wenn deren Nachkommen die Rechnung mit Heulen und Zähneklappern zu begleichen haben. Denn die Rechnung kommt unvermeidlich.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Eulenwoelfchen » So 9. Sep 2018, 18:42

Da ist viel Wahres dran. Ja!

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