Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

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Quatschki
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Quatschki » Mi 18. Jul 2018, 21:44

Boracay hat geschrieben:(18 Jul 2018, 22:21)
Man kann Lebensmittel nicht auf Halfe legen und liegen lassen bis sich der Preis erhöht.

Was meinst du, wie die Hanseatischen Pfeffersäcke reich geworden sind? Und wozu die ganzen Speicher, Speicherviertel und Speicherstädte da waren?
Oder warum moderne Obstanbauunternehmen riesige Controlled atmosphere-Lagerhallen haben?
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Welfenprinz
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Welfenprinz » Mi 18. Jul 2018, 22:24

Alpha Centauri hat geschrieben:(18 Jul 2018, 22:16)

Nur wenn wie vielen Ländern Afrikas ( auch Zeile Asiens) für ein Teil der Bevölkerung nicht einmal die Nahrungsmittelsicherheit gewährleistet ist dann (n


Brasilianisches Hähnchenfleisch. Günstig. Sicher lieferbar und verfügbar.

Ich kann das von mir gesagte auch vom Schwanz aufzäumen und kurz zusammenfassen:
Eine Leistungsfähige Landwirtschaft (=kann Lagos mit Lebensmitteln versorgen)gibt es nur in einem entwickelten Schwellen - besser Industrieland.

Mein Kollege in Tansania oder Sierra Leone kann der weltweit beste seines Fachs sein..........er hat (fast) keine Chance.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon sünnerklaas » Do 19. Jul 2018, 07:08

Boracay hat geschrieben:(18 Jul 2018, 22:30)

Nur 2% der Deutschen arbeiten in der Landwirtschaft und nur für 1/3 davon tragen die EU Subventionen nennenswert zum Lebensunterhalt bei.
Und du meinst wegen 0,6% (von denen die meisten durch Haus und Hof ein hohes Vermögen haben) gäbe es soziale und politische Verwerfungen??


Zur Landwirtschaft gehören nicht nur die Landwirte. Zur Landwirtschaft gehört auch noch eine sehr umfangreiche Zulieferer-Industrie. Des weiteren gilt: man kann den ländlich-peripheren Raum nicht noch weiter schwächen. Dann hat man irgendwann ein Riesenproblem. Auch in dünnbesiedelten Räumen wird gewählt.
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Teeernte
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Teeernte » Do 19. Jul 2018, 08:45

Welfenprinz hat geschrieben:(18 Jul 2018, 22:06)

Ich habs jetzt nicht so mit dem recherchieren :dead: ,aber aus der Erinnerung würde ich sagen Ostafrika,Kenia,ist da schon sie ersten Schritte gegangen. Mobilfunkanbieter,Bezahlsystemanbieter etc.

Die Menschen wollen vom Feld weg. Wie hier auch.


Im Mobilfunk wir hier NUR durch den Regulierer und Vorschriften (Statik/Sicherheit) Manpower verbraten.

In Teilen von Afrika werden Mibilfunkstandorte noch mit der guten AK47 "Akquiriert" .... und der Bausatz an einen Baum/alten Reifen (mit Zement und Stahlstab) getackert.
Zum Teil "regenereierte" Alttechnik aus Europa verbraten.

...überwacht in China - in Shenzhen... Europäer/Amerikaner bauen da NUR - wenn die Überwachung durch die bekannten Geheimdienste interessant ist....


Der EINZIGE "Vorteil" - es wird "bezahlt" füür den Anbieter in GELD. ...nicht in Ziegen, Hühnern...oder alten Kabeln.

Braucht man für einen Wechsel der Technik wirklich mal "mehr" Leute - werden die kurz (Weltweit) angemietet. (Abgabefrei)

Grade für "Bezahlsysteme" (auch im Mobilfunk) gibt es wenige hoch spezialisierte Leute - die den Stick kurz anschliessen...oder von ihrer Insel den Teil hochladen..... - also GENAU SO wie in der Schweiz.

Wenn in Afrika mit Mobilfunk auf dem Land ....für NORMAL Sterbliche Geld "verdient" wird.... - sind es die Kopfgelder für Techniker. Mein Kollege ist schon 3 mal entführt worden - der Fahrer ist einmal erschossen worden...und das Auto wird einbehalten..

In letzter Zeit wird verstärkt auf "Sicherheitsdienste" gesetzt - die die Leute wieder "raushauen".....(auch selten Afrikaner).

Nur wenigen Afrikanern gelingt der Schritt nach Europa durch Bildung - und die Leute fehlen dann vor Ort.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » Do 19. Jul 2018, 19:03

Es wäre übrigens ein nicht ganz zutreffendes Bild Afrikas, dort ausschließlich die um Subsistenzwirtschaft bemühten Familien- und Kleinbetriebe zu sehen. In der Elfenbeinküste gibt es weiträumige Kaffeeplantagen, in der Sierra Leone Palmölfelder, Angola investiert in Großfarmen für Getreide und Burkina Faso in die Hühnchenproduktion. Ich sehe keinen Grund, warum bewährte Verfahren der Massenproduktion nicht auch in Afrika weiter verbreitet möglich sein sollen, hinzu kommen die riesigen Flächenreserven.

Das geht sicher nicht ohne ausländische Investoren, und das sowie die ökologischen Aspekte ruft dann wieder die Gegner auf den Plan, die ja bei jedem Großprojekt in Afrika immer sofort und ausschließlich das Negative aufzählen (eigentlich aber in vielen Fällen auf diesem Umweg die geliebte grundsätzliche Kapitalismuskritik ausleben). Nun, diese Themen werden ja weltweit diskutiert. Jedenfalls ist die Zukunft der Welternährung wohl definitiv ein schwieriges und wichtiges Thema, und mir erschließt sich nicht, warum das nicht für Afrika auch als große Chance gesehen werden kann, irgendwann vielleicht auch mal über den eigenen Kontinent hinaus.

https://afrika.info/newsroom/afrika-die-zukunft-der-landwirtschaft-liegt-im-agribusiness/
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » Do 19. Jul 2018, 19:39

Und wenn Afrikas Landwirtschaft rentabler wird, trägt dies auch den Ausbau unterstützende Dienstleistungen und Tools, somit den Ausbau der IT-Industrie.

https://www.welt.de/wirtschaft/article175062618/Start-ups-in-Afrika-Dating-Plattformen-fuer-die-Landwirtschaft.html
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » So 22. Jul 2018, 21:55

Habe jetzt mal versucht, mir auf Grundlage der Diskussion hier eine Meinung zu bilden, und auch noch etwas recherchiert.

Eine der Kernfragen ist ja, ob und in welchem Umfang die europäischen Agrarexporte nach Afrika tatsächlich die Entwicklung der dortigen Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie substantiell behindern. Dazu ist es sinnvoll, sich den tatsächlichen Handelsverkehr anzuschauen. EU-weit habe ich hierzu keine wirklich geeignete Datenquelle gefunden, aber bezogen auf den deutschen Außenhandel ist diese interaktive Datenbank des Statistischen Bundesamts sehr ergiebig: https://www-genesis.destatis.de/genesis/online/link/tabellen/51000* (und dann zB 51000-0007).

Dort kann man sich beispielsweise zusammenklicken und zusammenrechnen, dass Deutschland in 2017 für ca. 1,5 Mrd EURO Güter der Ernährungswirtschaft (Warengruppen EGW1-4, im allgemeinen auch als "Agrarhandel" im weiteren Sinne bezeichnet) in afrikanische Länder exportiert hat. Davon beispielsweise gut 13.000 Tonnen Fleisch nach Ghana im Wert von gut 8 Mio EURO, was ein äußerst niedriger Durchschnittspreis zu sein scheint.

Das afrikanische BIP (nominal) beläuft sich insgesamt auf knapp 2 Bill. EURO, davon entfallen ca. 300 Mrd EURO auf den Agrarsektor. (Quelle: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/ + Berechnungen). Wenn man dem die 1,5 Mrd EURO Agrarexporte Deutschlands nach Afrika gegenüberstellt und mit dem Faktor 5 (halbwegs plausibler Wert) auf die EU hochrechnet, kommt man auf ein Verhältnis von etwa 1:40 zwischen EU-Exporten und Gesamt-Agrar-BIP Afrikas. Wenn man nun noch einbezieht, dass ein Großteil der afrikanischen Landwirtschaft der Subsistenz dient und nicht oder nur sehr lokal begrenzt in den Handel gelangt, kann man sich schon vorstellen, dass die - aus hochsubventionierter Landwirtschaft resultierenden - EU-Exporte in bestimmten Konstellationen sehr negative Effekte auf das lokale afrikanische Agrobusiness haben können. (Zur pauschalen Erklärung des Nicht-Vorankommens des Kontinents Afrika, im Sinne "hauptschuldig", reichen die EU-Exporte aber natürlich bei weitem nicht aus.)

Beispiel Fleisch, Ghana: Das Agrar-BIP Ghanas beläuft sich auf ca. 7 Mrd Euro. Dem stehen Fleischexporte für 8 Mio EURO aus Deutschland, also vielleicht ca. 40 Mio EURO aus der EU insgesamt, gegenüber. Von den 8 Mrd Agrar-BIP entfallen aber nur ein kleiner Teil auf tatsächlichen Handel (Rest = Subsistenz) und davon wiederum nur ein vermutlich kleinerer Teil auf Fleisch, also ist es plausibel, dass die Importe aus der EU eine schwer überwindbare Hürde für lokales Fleischbusiness darstellen, und so ist es auch (ideologisch wohl unverdächtige Quelle):

Selbst dort, wo die Nachfrage deutlich steigt und gute Verkaufspreise zu erzielen wären, wie in der Geflügelverarbeitung, wird nur wenig investiert, weil die oft subventionierte Ware aus dem Ausland noch billiger ist. "Lokale ghanaische Produzenten können da nur schwer mithalten", meint Kojo Blankson Wilson, Director of Operations des privaten Schlachtbetriebs JFAMCO.
https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=in-ghana-kommt-das-agrobusiness-nicht-von-der-stelle,did=1786708.html

Das Thema scheint also nicht ganz unberechtigt die Runde in der Presse gemacht zu haben, wenn auch vielfach mit übertriebener Polemik. Sicherlich ließen sich auch genügend andere, weniger öffentlichkeitswirksame Fälle finden. Man kann zB die Getreideexporte nach Nordafrika unter die Lupe nehmen, die in Jahren schlechter Ernte sicherlich unumgänglich sind, in anderen Jahren aber möglicherweise die Entwicklung der dortigen Getreidewirtschaft unnötig behindern. Ein anderes Beispiel wären die Exporte von Milch- und Molkereiprodukten nach Westafrika.

Soweit zu den Marktdaten.

Des weiteren habe ich der Diskussion entnommen, dass es wenig Einwände gegen ein Zurückfahren der EU-Agrarsubventionen aus Sicht der europäischen Landwirtschaft gibt - außer, dass man eine prinzipielle Selbstversorgungsfähigkeit aufrechterhalten sollte. Das wäre aber vermutlich mit wesentlich geringeren Subventionen leistbar (auch wenn ich dazu keine Zahlen habe).

Des weiteren scheint mir, dass eine noch stärkere Protektionierung der afrikanischen Agrarmärkte sinnvoll und notwendig wäre. Auch wenn Protektionismus immer ein zweischneidiges Schwert ist und man auch viele Gegenargumente aufführen kann. Andererseits gibt es durchaus Beispiele, wo der Schutz der eigenen Märkte Staaten nachweislich bei der Entwicklung zum Schwellen- bzw Industriestaat geholfen haben (China, Südkorea etc.). Afrika hinkt in der Entwicklung so hinterher, dass es ohne Protektionismus wohl nicht gehen wird.

Was ich also für sinnvoll erachten würde, wäre:

1. Eine drastische Reduzierung der EU-Agrarsubventionen auf das (evtl. noch zu ermittelnde) Niveau des Erhalts der prinzipiellen Subsistenzfähigkeit.
2. Ein einheitliches und für die afrikanischen Staaten noch günstigeres Handelsabkommen, das den heutigen Flickenteppich ablöst und keine Importzölle in die EU mehr beinhaltet (auch auf verarbeitete Nahrungsmittel nicht) und demgegenüber den afrikanischen Staaten hohe Importzölle für Güter gestattet, die geeignet sind, das lokale Agrobusiness zu gefährden. Dies müsste allerdings WTO-konform erfolgen, und ggfs müsste man anderen armen Staaten ähnliche Vergünstigungen einräumen, was aber auch vertretbar scheint - arme Menschen gibt es ja nicht nur in Afrika.
3. Sofern Mangel und Not an Grundnahrungsmitteln entsteht, weil die afrikanische Produktion den Bedarf nicht bedienen kann, Nutzung von eingesparten Agrarsubventionsmitteln zur Übergangsnothilfe. Aber nur genau dann.
4. Des weiteren Nutzung der eingesparten EU-Agrarsubventionen im Rahmen der Entwicklungshilfe zur Finanzierung von Investvorhaben in die afrikanische Landwirtschaft, die sonst an der Finanzierungs- oder Know-How-Hürde scheitern würden (zB Flächenerschließung, Massenproduktion).

Das wäre m.E. sinnvoll. Eine sofortige, umfassende Verbesserung der Situation Afrikas, und damit eine Reduzierung des Migrationsdrucks, ist damit natürlich nicht erreichbar - es klemmt ja auch an vielen anderen Stellen und der wohl wichtigste Hebel besteht in der Förderung und Belohnung von Good Governance, wie auch immer man das am besten macht (nicht Thema dieses Stranges). Aber man würde zumindest einen Beitrag leisten. Wie erheblich der ist, kann wohl kein lebender Mensch beziffern.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon H2O » So 22. Jul 2018, 22:19

Vielen Dank für diese gute Arbeit zur Objektivierung unserer Diskussionen über die europäischen Agrarexporte nach Afrika! Ich übernehme dieses Gedankengebäude gern bis noch bessere Darstellungen verfügbar sind.

Eine klitzekleine Ergänzung habe ich noch, ohne daß ich jetzt mit einer Quellenangabe punkten könnte: Mir ist in Erinnerung gelieben, daß die EU Fleischwirtschaft im wesentlichen Schlachtteile nach Afrika exportiert, die hier nicht absetzbar sind. So türmen sich in unseren Supermärkten Hähnchen und Putenbrüste, auch die Schlegel und Flügel, aber die Rückenstücke finden keine Abnehmer in genügend großer Zahl. Diese Schlachtteile werden zu wahren Schleuderpreisen auf afrikanischen Märkten angeboten, und die meist sehr armen Menschen kaufen das auch, weil die örtlichen Geflügelhalter auf ihren vollwertigen Produkten ganz einfach sitzen bleiben. Der nächste Schritt: Diese Landwirtschaft ernährt ihre Leute nicht mehr, und die Bauern wandern ab in die Städte, weil sie dort näher an Hilfsleistungen aus den reichen Staaten der Erde leben können.

Das vielleicht zu dem extrem niedrigen Preis für Fleischexporte nach Afrika.

Gute Regierungsführung und die weitgehende Abwesenheit von Korruption sollten Leuchtfeuer für Hilfen aus Europa werden!
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » So 22. Jul 2018, 22:29

Das wäre eine plausible Erklärung, ja. Wenn man die Zahlen nach Ländern vergleicht, fällt allerdings auf, dass der Durchschnittspreis vor allem für Exporte nach Westafrika (Ghana, Elfenbeinküste) besonders niedrig ist.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 23. Jul 2018, 09:48

Welfenprinz hat geschrieben:(18 Jul 2018, 22:06)

Die Menschen wollen vom Feld weg. Wie hier auch.

Das ist nachvollziehbar. Aber damit man auch mit Dienstleistungen Geld verdienen kann, muss es mMn. eine wie auch immer geartete Produktion von realen Gütern geben, die auch im Ausland gefragt sind. Man könnte zB. endlich mal eine Autoproduktion in Afrika ankurbeln, von Afrikanern für Afrikaner. Simple, robuste Technik zum bezahlbaren Preis, angepasst an die dortigen Straßenverhältnisse. Unsere Schrottkarren kommen dann auch wirklich zur Verwertung und werden nicht nach Afrika geschippert. Nur mal als Beispiel.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon ThorsHamar » Mo 23. Jul 2018, 10:14

Tom Bombadil hat geschrieben:(23 Jul 2018, 10:48)

Das ist nachvollziehbar. Aber damit man auch mit Dienstleistungen Geld verdienen kann, muss es mMn. eine wie auch immer geartete Produktion von realen Gütern geben, die auch im Ausland gefragt sind. Man könnte zB. endlich mal eine Autoproduktion in Afrika ankurbeln, von Afrikanern für Afrikaner. Simple, robuste Technik zum bezahlbaren Preis, angepasst an die dortigen Straßenverhältnisse. Unsere Schrottkarren kommen dann auch wirklich zur Verwertung und werden nicht nach Afrika geschippert. Nur mal als Beispiel.


Das tatsächlich einzige Problem ist, dass ( auch hier ) stets und ständig ausgeblendet wird, dass die gesellschaftliche Entwicklung in grössten Teilen Afrikas um hunderte bis tausende Jahre hinter der Moderne zurück steht ...
Mit den Stämmen aus der Steinzeit und Clans aus dem Vormittelalter gibt es keine Nationalstaaten und somit verantwortlich agierende Regierungen, mit denen man tatsächlich Pläne erarbeiten könnte.
Der relativ gewaltige Aufschwung in der Entwicklung geschah nur wegen der Kolonialmächte aus Europa.
Ohne die Kolonialzeit blickte wir in grossen Teilen Afrikas noch weiter in die Vergangenheit der Menschheit ....

In der Situation, wie sie jetzt ist, müsste jede Firma, die in Afrika etwas Konkurrenzfähiges produzieren möchte, eigene Arbeiter mitbringen ....
Die Chinesen haben das längst begriffen und "kolonialisieren" sehr erfolgreich.
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon H2O » Di 24. Jul 2018, 08:56

So sicher bin ich mir da aber nicht. In Afrika soll es funktionierende Königreiche gegeben haben, bevor Europäer und Araber ihnen den Garaus machten. Warum erzählen Sie nur so unausgegorene Geschichten?

https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigreich_Benin
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84thiopien
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_his ... _in_Afrika

Je mehr man sucht, desto mehr findet man. :)

Das heutige gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Durcheinander in Mittel- und Süd-Amerika könnte zu sehr ähnlichen Fehlschlüssen verleiten. Auch dort gab es hochentwickelte Kulturen, die von uns Europäern blindwütig und gierig vernichtet wurden.
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Re: Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik

Beitragvon Orbiter1 » Mi 8. Aug 2018, 10:25

Entwicklungsminister Müller weiß auch was in Sachen Afrika notwendig wäre.

"Nach Ansicht von Entwicklungsminister Gerd Müller sollte die Europäische Union ihre Märkte für sämtliche Güter aus Afrika öffnen. Besonders Agrarprodukte sollten zoll- und quotenfrei in die EU eingeführt werden können, sagte der CSU-Politiker der Welt. Derzeit sei der europäische Markt für Produkte aus Afrika faktisch gesperrt, gleichzeitig stiegen die europäischen Exporte nach Afrika. Durch eine Öffnung des Markts könnten Jobs für Millionen arbeitslose junge Menschen in Afrika geschaffen werden. .... Europa könne sich trotzdem nicht völlig gegen Migration aus Afrika abschotten, sagte Müller. Er forderte ein EU-Afrika-Abkommen, durch das Menschen aus afrikanischen Ländern auch legale Möglichkeiten bekämen, um in Europa zu arbeiten. Von den afrikanischen Ländern könne die EU im Gegenzug verlangen, abgelehnte Asylbewerber ohne Duldung zurückzunehmen." Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-08/ ... l-oeffnung

Die europäische Agrarlobby wird das mit Sicherheit verhindern.


Edit: Es gibt dazu ein Interview von Müller mit der Welt. Ein Zitat daraus:

"Müller: Wenn wir Afrika in der Landwirtschaft nicht zum Selbstversorger und Exporteur werden lassen: Wo sollen denn dann Arbeitsplätze entstehen? Sowohl die Amerikaner als auch die Europäer stützen ihre Landwirtschaft Jahr für Jahr mit vielen Milliarden. Aber auch Afrikas Landwirtschaft wird von verheerenden Dürren heimgesucht und muss Produktivitätssprünge machen. Brüssel hat noch nicht erkannt, dass die Zeichen der Zeit neue Schwerpunkte erfordern. Das zeigt sich deutlich am EU-Haushalt für die kommenden Jahre. Von 2021 bis 2027 sind 370 Milliarden Euro für Agrarzahlungen in der EU vorgesehen, der Ansatz für die Afrikapolitik in ihrer ganzen Breite liegt dagegen nur bei 39 Milliarden.

WELT: Wollen Sie Geld aus dem Agrartopf in den Afrikatopf umschichten?

Müller: Ich will nicht die einen gegen die anderen ausspielen. Aber die bisherigen Haushaltsansätze entsprechen nicht den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Um es bildlich zu sagen: Afrika wird nicht mit einigen Regentropfen grün. Wir müssen dem Kontinent einen neuen Stellenwert einräumen – auch politisch." Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland ... geben.html

Da kann er recht haben so viel er will, die Agrarlobby wird die Ansätze von Müller zügig beerdigen.
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Re: Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik

Beitragvon TheManFromDownUnder » Mi 8. Aug 2018, 10:43

Ist ja keine schlechte Idee. Kaffee aus Ethopia ! Kein Grund dafuer Zoll zu erheben. Sicher gibt es genug Produkte aus Afrika die zollfrei eingefuehrt werden koennten!

Und warum nicht Afrikanern die Moeglichkeit zu geben in der EU zu arbeiten wenn dies auf einem Zeitvertrag basiert ohne Anrecht auf permanenten Aufenthalt.

Wir haben hier in Australien eine Visakategorie, die es erlaubt Menschen voruebergehend und befristet in Australien zu arbeiten, meistens als Erntehelfer. Viele Chinesen machen daraus eifrig gebraucht. Im Moment in unserer Region als Ernethelfer bei der Erdbeer Ernte. Mindestgehalt festgelegt von der Regierung. Keine Benachteiligung gegenueber Einheimischen. Unterkunft gestellt durch den Arbeitgeber. Die Arbeiter fliegen nach Hause mit vielen Dollar in der Tasche und kommen gerne wieder naechstes Jahr.
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Re: Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik

Beitragvon zollagent » Mi 8. Aug 2018, 11:40

Wen es interessiert, die Zolltarifnummer für gerösteten, nicht entkoffeinierten Kaffee ist 09012100000. Im Europäischen Zolltarif findet man unter dem Länderkürzel ET (für Ethiopia) einen Drittlandszollsatz von 7,5 %, der mit nachgewiesener Herkunft mittels Präferenzpapier auf Null abgesenkt wird. Die Umsatzsteuer für Kaffee beträgt 7 %. Sie ist bei Einfuhr IMMER zu entrichten.
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Re: Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik

Beitragvon Nightrain » Mi 8. Aug 2018, 15:30

Interessant ist ja nur, ob afrikanischen Ländern durch den Kaffee Zoll ein Nachteil gegenüber Wettbewerbern entsteht.
Müsste eigentlich nicht Afrika Einfuhrzölle für europäische Waren erheben, um die eigene Wirtschaft zu schützen? Geschieht das nicht?

Bezüglich Import von afrikanischen Waren in die EU vermute ich, dass ein Großteil nicht ansatzweise die europäischen Mindestnormen erfüllen wird. Wer in der EU möchte in Afrika produzierten Ananas-Saft, der unter völlig zweifelhaften Bedigungen produziert wurde? Bis zu den ersten Lebensmittelskandalen würde es nicht lange dauern.
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Re: Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik

Beitragvon zollagent » Mi 8. Aug 2018, 16:07

Nightrain hat geschrieben:(08 Aug 2018, 16:30)

Interessant ist ja nur, ob afrikanischen Ländern durch den Kaffee Zoll ein Nachteil gegenüber Wettbewerbern entsteht.
Müsste eigentlich nicht Afrika Einfuhrzölle für europäische Waren erheben, um die eigene Wirtschaft zu schützen? Geschieht das nicht?

Bezüglich Import von afrikanischen Waren in die EU vermute ich, dass ein Großteil nicht ansatzweise die europäischen Mindestnormen erfüllen wird. Wer in der EU möchte in Afrika produzierten Ananas-Saft, der unter völlig zweifelhaften Bedigungen produziert wurde? Bis zu den ersten Lebensmittelskandalen würde es nicht lange dauern.

Nein, dieser Nachteil entsteht deshalb nicht, weil so gut wie alle Kaffeeproduzenten ebenfalls diese Zollfreiheit genießen. Und zusätzlich unser Kaffee aus einem Mix dieser unterschiedlichen Kaffeesorten besteht, so daß jeder seinen Anteil am Kuchen hat. Ob der Kuchen groß genug für alle ist, steht dabei auf einem anderen Blatt.
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Re: Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik

Beitragvon Welfenprinz » Mi 8. Aug 2018, 18:07

Nightrain hat geschrieben:(08 Aug 2018, 16:30)



Bezüglich Import von afrikanischen Waren in die EU vermute ich, dass ein Großteil nicht ansatzweise die europäischen Mindestnormen erfüllen wird. Wer in der EU möchte in Afrika produzierten Ananas-Saft, der unter völlig zweifelhaften Bedigungen produziert wurde? Bis zu den ersten Lebensmittelskandalen würde es nicht lange dauern.


Zu verarbeiteten Produkten kann ich nix sagen,aber Obst und Gemüseimporte aus Nordafrika (die seit den diversen Frühlingen mehr geworden sind) sind genauso fern oder nah an Lebensmittelskandalen wie polnische oder spanische.
Gewisse Anlaufschwierigkeiten in punkto Qualität (Wassermelonen aus Marokko. :rolleyes: :p ) sind normal und erledigen sich im laufe von 3-4 Jahren
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik

Beitragvon Nightrain » Mi 8. Aug 2018, 19:41

Welfenprinz hat geschrieben:(08 Aug 2018, 19:07)
Zu verarbeiteten Produkten kann ich nix sagen,aber Obst und Gemüseimporte aus Nordafrika (die seit den diversen Frühlingen mehr geworden sind) sind genauso fern oder nah an Lebensmittelskandalen wie polnische oder spanische.
Gewisse Anlaufschwierigkeiten in punkto Qualität (Wassermelonen aus Marokko. :rolleyes: :p ) sind normal und erledigen sich im laufe von 3-4 Jahren


Das ist aber alles keine Verarbeitung. Schon der Fruchtsaft wird nicht mehr in Afrika produziert, sondern die Früchte nach Europa gebracht, um sie hier weiterzuverarbeiten.

Man darf auch nicht vergessen, dass grundsätzlich eine Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln angestrebt wird. Ich denke nicht, dass überhaupt Bedarf besteht Getreide in die EU zu importieren. Das wächst hier ausgezeichnet.
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Re: Europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik

Beitragvon Welfenprinz » Mi 8. Aug 2018, 19:52

Nightrain hat geschrieben:(08 Aug 2018, 20:41)

gebracht, um sie hier weiterzuverarbeiten.

Man darf auch nicht vergessen, dass grundsätzlich eine Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln angestrebt wird.


Fail.
Ernährungssicherheit kann ausschliesslich über globalen Handel hergestellt werden. Ausgleich der durch verschiedene Faktoren hervorgerufenen Mengenschwankungen.


Ich denke nicht, dass überhaupt Bedarf besteht Getreide in die EU zu importieren. t.

Fail.
Passiert immer öfter,dürfte dies Jahr auch wieder passieren.
Wie schon weiter vorn im Strang geschrieben ,waren wir es mit unserer Kaufkraft ,die 2007/08 den Menschen das Essen weg gekauft haben,die in Kairo oder Mexiko demonstriert haben .
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.

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