Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

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Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » So 15. Jul 2018, 10:45

Weil dieses Thema innerhalb der Flüchtlingsdebatte immer wieder hoch kommt, habe ich mal versucht, es etwas gründlicher aufzuarbeiten.

1. Europäische Agrarsubventionen

Die EU subventioniert den Agrarsektor mit derzeit ca. 60 Mrd EURO p.a. (2017: 58,58 Mrd. Euro, davon 42,61 Mrd EURO Direktzahlungen an Landwirte, Rest Strukturförderung, siehe https://www.agrarheute.com/politik/eu-haushalt-2017-4261-milliarden-euro-fuer-direktzahlungen-529050)
Daneben gibt es Subventionen auf nationaler Ebene, die aber unter den EU-Mitteln liegen. In Deutschland in 2017 1,7 Mrd. p.a. https://www.bauernverband.de/45-bundesagrarhaushalt-und-agrarsubventionen-803655.
In Summe dürfte die europäische Landwirtschaft wohl mit ca. 70-80 Mrd EURO p.a. subventioniert werden.

Gründe und Ziele dieser Subventionen sind die Existenzsicherung und der Erhalt der Marktfähigkeit des europäischen Landwirtschaftssektors. Hierfür spielen sowohl strategische Ziele (grundsätzlicher Erhalt der Selbstversorgungsfähigkeit Europas) als auch taktische Aspekte (Abschwächung schmerzlicher Strukturwandelprozesse, starke Lobbyverbände) eine Rolle.

2. Effekte auf die afrikanische Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist das Herzstück der afrikanischen Wirtschaft und zentrale Ausgangsbasis jeglicher Entwicklung. 60% der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft_Afrikas#Landwirtschaft

2.1. Effekte der europäischen Agrarsubventionen auf afrikanischen Märkten

Seit langer Zeit wird kritisiert, dass EU-Billigexporte von Agrarprodukten in Afrika die dortige Landwirtschaft konkurrenzieren. Zu Umfang und Wirkungsmechanismen gibt es eine Vielzahl konträrer Meinungen, die der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hier zusammengetragen hat: https://www.bundestag.de/blob/532154/2109aeb63eaa7217c4274f7e4ee3cbf9/wd-5-075-17-pdf-data.pdf
In Summe scheint mir der negative Effekt auf Afrikas Landwirtschaft unstrittig. Allerdings ist zu bedenken, dass diese Exporte aufgrund von Importzöllen vielfach zu Mehreinnahmen afrikanischer Staaten führen und Versorgungsengpässe decken, so dass ein Unterbinden jeglicher Agrarexporte vermutlich sehr negative Folgen hätte.
Besonders in der Kritik standen zumeist die direkten Exportsubventionen. Diese wurden jedoch 2014 abgeschafft: https://web.archive.org/web/20161023112737/https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2013/221-AI-Exporterstattungen.html Dennoch sind die unter 1. genannten Subventionen in Summe indirekt natürlich auch eine Subvention des Exports und tragen dazu bei, dass die Produkte günstiger angeboten werden können, als es ohne die Subventionen möglich wäre.

2.2 Effekte der europäischen Agrarsubventionen auf europäischen Märkten

Die derzeitigen Agrarexporte afrikanischer Staaten nach Europa sind vom Umfang her niedrig. Ursache sind, neben den für den Aufbau umfassender Exportaktivitäten in Afrika kaum gegebenen Voraussetzungen sowie des subventioniert niedrig gehaltenen Preisniveaus europäischer Produkte, auch Markteintrittsbarrieren monetärer wie nichtmonetärer Art. Während afrikanische Staaten bei Rohprodukten zumeist zollfreien Marktzugang besitzen, erhebt die EU Importzölle auf verarbeitete Produkte, zB 7,5% auf geröstete Kaffeebohnen (https://www.az.com.na/nachrichten/viel- ... mportiert-). Dieses und weitere Hemmnisse abzuschaffen sowie u.a. - neben günstigerer Marktpreise - die sogenannten Ursprungsregeln zu verbessern, hätte sicher ein erhebliches Potenzial für Afrikas Landwirtschaft, dürfte aber wohl bestenfalls mittelfristig zu realisieren sein.

2.3 Handelsbarrieren und Zölle

Der Status der Handelsbeziehungen und -regularien zwischen Europa und Afrika ist äußerst verworren und unübersichtlich, da es derzeit regional unterschiedliche Vereinbarungen bis hin zu zahlreichen bilateralen Abkommen mit einzelnen afrikanischen Staaten gibt. Einen recht guten Überblick gibt dieser Artikel, der auch auf die von der EU seit längerem geplante, nun aber ins Stocken gekommene Liberalisierung und Standardisierung der Handelsbeziehungen, Stichwort EPA-Abkommen, abhebt: https://www.dandc.eu/de/article/die-eu-muss-die-politik-ihrer-wirtschaftspartnerschaften-mit-afrika-ueberdenken
Die derzeitigen Regelungen sind jedenfalls in Summe wohl kaum aus Sicht der afrikanischen Staaten als „unfair“ zu bezeichnen, da sie vielfach zollfreien Zugang zum europäischen Markt, gleichzeitig aber Importzölle zum Schutz der heimischen afrikanischen Landwirtschaft beinhalten. Die geplante Liberalisierung erfolgt auch aufgrund des Drucks der Entwicklungsländer anderer Kontinente, die sich benachteiligt sehen und mit WTO-Klagen drohen.

3. Flüchtlings- und Migrationskrise

Hierzu muss nicht viel ausgeführt werden, da dieses Thema bereits in anderen Strängen umfassend diskutiert wird. Jedenfalls drängt sich aufgrund des in Zukunft wohl immer stärker werdenden Migrationsdrucks die Frage auf, ob die europ. Staaten und die EU ggfs. ihre Agrarpolitik fundamental dahingehend überdenken sollten, inwieweit die dort eingesetzten Mittel der Entwicklung der afrikanischen Staaten schaden und insofern besser anderweitig eingesetzt werden sollten.

Zum Vergleich: Die Ausgaben europäischer Staaten für Entwicklungshilfe beliefen sich 2017 auf ca. 80 Mrd EURO, siehe https://www.euractiv.de/section/eu-aussenpolitik/news/abflachen-der-fluechtlingskrise-eu-ausgaben-fuer-entwicklung-fallen. Da hiervon nur ein Teil auf Afrika entfällt, dürften die europäischen Entwicklungshilfsausgaben für Afrika, die übrigens auch Flüchtlingshilfe in den Geberländern enthält, demnach deutlich unter den Agrarsubventionen liegen.

Hier eine der vielen Meinungen dazu, aus dem oben bereits verlinkten Artikel:

Ganz gleich, für welche Verhandlungsvariante man sich entscheidet, hinter dem EPA-Desaster steckt ein bekanntes Grundproblem: Seit den 1950er Jahren ist Schwarzafrika von europäischen Mächten als reiner Rohstoff- und Agrarlieferant definiert worden. Verarbeitende Industrie kam nicht vor, daher gab es auch kaum Verständnis für Förderung und Schutz neuer Industrien in Afrika. Dieser fragwürdige Konsens hat sich direkt in die Aushandlung der EPAs übertragen. Er steht nun offen zur Disposition, neuerdings auch wissenschaftlich. Gravierender noch hat sich die europäische Agrar- und Fischereipolitik ausgewirkt, da sie selbst die Afrika zugedachte Rolle als Primärproduzent untergrub. Niemand in den EPA-Verhandlungsgruppen war naiv genug, um sich von dem proklamierten Verzicht der EU auf direkte Agrar-Exportsubventionen täuschen zu lassen. Die sogenannten entkoppelten Subventionen haben im Wesentlichen den gleichen Effekt auf afrikanische und europäische Märkte.
Die richtige Antwort auf dieses Dilemma wäre das nächste politische Großprojekt in Deutschland und seinen Nachbarländern: der Ausstieg aus der industriellen Massentierhaltung und dem hochsubventionierten Ackerbau.
https://www.dandc.eu/de/article/die-eu-muss-die-politik-ihrer-wirtschaftspartnerschaften-mit-afrika-ueberdenken

Was meint das Forum zu diesem vielschichtigen Thema? Sollten die europäischen Agrarsubventionen umfassend in Frage gestellt werden und zB besser der landwirtschaftlichen Entwicklung Afrikas zugutekommen, um die dortige Verhältnisse zu verbessern und den Migrationsdruck zu lindern? Und wenn ja, durch welche Maßnahmen? Und wie sollte mit der dann - vermutlich vielfach existenzbedrohenden - Verschlechterung der finanziellen Lage für viele europäische Landwirte umgegangen werden?
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Julian » So 15. Jul 2018, 11:01

Das ist ein komplexes Thema. Früher, als ich noch naiver war, hätte ich gesagt: Weg mit all den Agrarsubventionen in Europa, die nur zu Verzerrungen des Marktes führen: Sie hatten ihre Berechtigung in der Nachkriegszeit, als man den Hunger fürchtete und die Produktion steigern wollte.

Inzwischen sehe ich das differenzierter. So ist der prinzipielle Erhalt des Potentials zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln ein legitimes, strategisches Ziel. Das muss nicht bedeuten, dass wir tatsächlich zu jedem Zeitpunkt die Selbstversorgung durchsetzen; es geht mehr um das Potential, sie in einem Bedrohungszustand schnell wiederherstellen zu können. Es wäre unerträglich, vom außereuropäischen Ausland (das teilweise aufgrund der Kolonialgeschichte nach wie vor einen Hass auf den Westen und Europa pflegt) in dieser Hinsicht erpresst zu werden.

Trotzdem könnte man wohl einige Subventionen deutlich kürzen. Ein Interesse an einem geförderten Export europäischer Agrarerzeugnisse sollten wir keinesfalls haben. Es handelt sich aber gerade in Frankreich um eine heilige Kuh; jahrzehntelang war die Förderung der französischen Landwirtschaft auf Kosten des deutschen Steuerzahlers eine der Hauptsäulen der Europäischen Gemeinschaften.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Der Neandertaler » So 15. Jul 2018, 16:30

Hallo Brainiac.
Dies ist in der Tat ein weites und komplexes Thema!

Abgesehen davon, daß das mit den Zöllen wohl stimmen mag, daß also EU-Produkt-Importe recht viele Zölle in die dortigen Ländern spülen ... bisher, aber ...
    ... da sich der Mensch nunmal durch und mit Arbeit definiert, ist es dem Einzelnen wohl recht gleichgültig, ob der Staat reichlich Zolleinnahmen durch Importe einnimmt. Denn wenn sein bischen Arbeitsplatz dadurch verloren geht, daß zunehmend EU-Produkte eingeführt werden, die wegen EU-Subventionen billiger sind, als die, die er im Angesicht seines Schweises produziert hat, ... dann muß er zwangsläufig dorthin, wo er bessere Aussichten auf Arbeit erachtet. Kommt noch hinzu, daß manch afrikanische Regierung wohl sehr unter Korruption zu leiden hat .
      ... daß also das gemeine Volk von diesen Einnahmen noch weniger etwas abbekommt.
Bei Naturkatastrophen und den nachfolgenden Hilfslieferungen wurden recht oft hiesige Lebensmittel dort hin geliefert. Es hat recht lange gedauert, bis ein Umdenken einsetzte. Es wurden zunehmend Spendengelder dazu eingesetzt, um zur Hilfe Lebensmittel in der Region aufzukaufen und in die Katastrophenregion zu lieferern. Oder: es wurde Hilfe zur Selbsthilfe angeboten.

Das sind zwar nicht die einzigen Bedingungen, die dazu beitragen, daß die dortigen Arbeitsplätze vernichtet werden oder die dortigen Lebensbedingungen ansich schlechter werden, ... Kriege - unter Anderem durch EU-Waffenlieferungen begünstigt oder die verdammte Korruption, unter der viele Länder leiden, tun ihr Übriges, aber die EU-Subventionen scheinen doch zumindest ein Teil des Problems zu sein.
    ... und bestimmt kein geringer Teil.
Ich denke, mit dem jetzigen Freihandelsabkommen: Economic Partnership Agreement (EPA), das die EU mit den 78 AKP-Staaten geschloßen hat, vertieft die EU die Situation nur noch weiter, so daß sich letztlich wohl noch mehr der verarmten Bevölkerung auf die Suche nach Verbesserung ihres Lebens machen werden ... machen müssen. Bisher ist der überwiegende Teil in der Region umhergewandert, wenn es aber zunehmend dort auch schlimmer wird, wird sich wohl ein weiterer Teil derer auf den Weg nach Europa machen.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » So 15. Jul 2018, 18:14

Julian hat geschrieben:(15 Jul 2018, 12:01)

Das ist ein komplexes Thema. Früher, als ich noch naiver war, hätte ich gesagt: Weg mit all den Agrarsubventionen in Europa, die nur zu Verzerrungen des Marktes führen: Sie hatten ihre Berechtigung in der Nachkriegszeit, als man den Hunger fürchtete und die Produktion steigern wollte.

Inzwischen sehe ich das differenzierter. So ist der prinzipielle Erhalt des Potentials zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln ein legitimes, strategisches Ziel. Das muss nicht bedeuten, dass wir tatsächlich zu jedem Zeitpunkt die Selbstversorgung durchsetzen; es geht mehr um das Potential, sie in einem Bedrohungszustand schnell wiederherstellen zu können. Es wäre unerträglich, vom außereuropäischen Ausland (das teilweise aufgrund der Kolonialgeschichte nach wie vor einen Hass auf den Westen und Europa pflegt) in dieser Hinsicht erpresst zu werden.

Trotzdem könnte man wohl einige Subventionen deutlich kürzen. Ein Interesse an einem geförderten Export europäischer Agrarerzeugnisse sollten wir keinesfalls haben. Es handelt sich aber gerade in Frankreich um eine heilige Kuh; jahrzehntelang war die Förderung der französischen Landwirtschaft auf Kosten des deutschen Steuerzahlers eine der Hauptsäulen der Europäischen Gemeinschaften.

Für mich ist das Ziel der Selbstversorgungsfähigkeit Europas auch nachvollziehbar. Ich frage mich aber, was von den gut 60-70 Mrd. p.a. Agrarsubventionen dazu eigentlich (nur) erforderlich wären. :?:

Im Übrigen ein Argument pro EU. ;)
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » So 15. Jul 2018, 18:19

Der Neandertaler hat geschrieben:(15 Jul 2018, 17:30)

Hallo Brainiac.
Dies ist in der Tat ein weites und komplexes Thema!

Abgesehen davon, daß das mit den Zöllen wohl stimmen mag, daß also EU-Produkt-Importe recht viele Zölle in die dortigen Ländern spülen ... bisher, aber ...
    ... da sich der Mensch nunmal durch und mit Arbeit definiert, ist es dem Einzelnen wohl recht gleichgültig, ob der Staat reichlich Zolleinnahmen durch Importe einnimmt. Denn wenn sein bischen Arbeitsplatz dadurch verloren geht, daß zunehmend EU-Produkte eingeführt werden, die wegen EU-Subventionen billiger sind, als die, die er im Angesicht seines Schweises produziert hat, ... dann muß er zwangsläufig dorthin, wo er bessere Aussichten auf Arbeit erachtet. Kommt noch hinzu, daß manch afrikanische Regierung wohl sehr unter Korruption zu leiden hat .
      ... daß also das gemeine Volk von diesen Einnahmen noch weniger etwas abbekommt.
Bei Naturkatastrophen und den nachfolgenden Hilfslieferungen wurden recht oft hiesige Lebensmittel dort hin geliefert. Es hat recht lange gedauert, bis ein Umdenken einsetzte. Es wurden zunehmend Spendengelder dazu eingesetzt, um zur Hilfe Lebensmittel in der Region aufzukaufen und in die Katastrophenregion zu lieferern. Oder: es wurde Hilfe zur Selbsthilfe angeboten.

Das sind zwar nicht die einzigen Bedingungen, die dazu beitragen, daß die dortigen Arbeitsplätze vernichtet werden oder die dortigen Lebensbedingungen ansich schlechter werden, ... Kriege - unter Anderem durch EU-Waffenlieferungen begünstigt oder die verdammte Korruption, unter der viele Länder leiden, tun ihr Übriges, aber die EU-Subventionen scheinen doch zumindest ein Teil des Problems zu sein.
    ... und bestimmt kein geringer Teil.
Ich denke, mit dem jetzigen Freihandelsabkommen: Economic Partnership Agreement (EPA), das die EU mit den 78 AKP-Staaten geschloßen hat, vertieft die EU die Situation nur noch weiter, so daß sich letztlich wohl noch mehr der verarmten Bevölkerung auf die Suche nach Verbesserung ihres Lebens machen werden ... machen müssen. Bisher ist der überwiegende Teil in der Region umhergewandert, wenn es aber zunehmend dort auch schlimmer wird, wird sich wohl ein weiterer Teil derer auf den Weg nach Europa machen.

Hallo Neandertaler,

in der Tendenz würde ich dir zustimmen. Man kann noch ergänzen, dass Migrationsströme in Afrika auch aus Umweltproblemen wie Dürren, Überschwemmungen etc. resultieren, die wohl zumindest teilweise durch die Klimaerwärmung verstärkt werden. An letzterer hat Afrika aber nur einen geringen Anteil, insofern scheint auch vor diesem Hintergrund ein Unterstützen Afrikas gerechtfertigt.

Nur eine Anmerkung: Die EPAs sind NICHT in Kraft, bzw. nur mit einem kleineren Teil der der AKP-Staaten. Mehr wird wohl auch nicht passieren. Wichtige Länder wie Nigeria haben sich gesperrt, die hiesige Kritik hat ggf. ihr übriges getan.

Die Bundesregierung setzt darauf, dass die neue Freihandelszone der Afrikanischen Union ein Erfolg wird. „Wenn die Staaten Afrikas ihre Zollschranken untereinander abbauen, dann entsteht ein riesiger Markt mit 1,2 Milliarden Einwohnern.

[...]

Mit diesem afrikanischen Binnenmarkt sollte die EU dann auch ein neues Handelsabkommen schließen, forderte Nooke. Denn der bisher verfolgte Weg über die Europäischen Partnerschaftsabkommen (EPA), die für afrikanische Güter den Marktzugang nach Europa ermöglichen sollen, sei gescheitert. „Die EPAs sind tot“, sagte Nooke.
https://app.handelsblatt.com/politik/deutschland/entwicklungshilfe-bundesregierung-hofft-auf-afrikas-neue-freihandelszone/21128472.html?ticket=ST-1711772-eZjjYQnOngDv5TeqYF7b-ap5

Über die neue afrikaweite Freihandelszone hatte ich bereits im Afrika-Forum berichtet: http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?f=68&t=56912&start=20#p4167956

Ich bin grundsätzlich schon für ein neues einheitliches Handelsabkommen, ob man das nun EPA oder sonstwie nennt, sofern es denn unter entwicklungspolitischen Gesichtspunkten vernünftig abgeschlossen wird. Das gegenwärtige fragile Chaos, das kaum einer überblickt, ist nicht gut, weil es investitionshemmend wirkt.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Welfenprinz » So 15. Jul 2018, 18:58

1. Es wäre äusserst wünschenswert,die Agrarsubventionen besser gestern als heute abzuschaffen. Und ich kenne mehr als einen Kollegen ,der genauso denkt wie ich. Problem: die Politik wird einen Teufel tun. Sind die Agrarsubventionen schliesslich ein Lenkungsinstrument......unvorstellbar man würde uns vollkommen “frei“ lassen.

2. Eigenversorgung. Spielt sicherlich eine Rolle. Gerade,die letzten 20 Jahre wo die Welternährungssituation immer mehr knapp auf Kante läuft. Wobei ein gewisser Korridor von Über - und Unterversorgung sicherlich verantwortbar ist.
Etwas anderes ist wichtig: in der Saison 2007/08 ,in der bisher grössten globalen Versorgungskrise, haben wir als EU-Bürger die hohen Rohstoffpreise und den hohen EU-Importanteil gar nicht gemerkt,unsere Kaufkraft wuppt das locker weg. In Kairo und Mexiko aber waren Hungerdemonstrationen .........weil wir diesen Menschen das Futter vor den hungrigen Lippen weg gekauft haben. Das sollte sich jeder Schlaumeier,der fordert,dass der “reiche Westen“ weniger produziert,hinter die Löffel schreiben. Es ist eine zutiefst menschenfeindliche Einstellung.


3.Afrika. gut,da gibt es bestimmt jede Menge zu zu sagen. Und ich hab alles andere als viel Ahnung dazu. Billige Lebensmittel? Na klar,wie will man denn sonst eine Bevölkerung mit ein paar hundert Dollar Jahreseinkommen ernähren. Die europäischen Länder haben zu Beginn der Industrialisierung um die Arbeiter in die Fabriken zu kriegen auch Nahrungsmittel importiert(euphemismus für Kolonien ausbeuten). Oder die Unterversorgung durch Auswanderung ausgeglichen.

Gehungert wird dort,wo “die kleinbäuerliche auf Selbstversorgung “ausgerichtete Landwirtschaft dominiert.....irgendwelche halbsesshaften Beduinenstämme schaffen es nicht Timbuktu oder Abidjan mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

4. Ohne zu weit auszuholen: das wichtigste sind die wirtschaftsrechtlichen Fragen. Deutsche verdiente Agrarkoryphäen des 19. Jahrhunderts,wie Albrecht von Thaer, haben sich nicht nur um Produktionsfaktoren gekümmert sondern auch sehr stark im Agrarsozialen Bereich gewirkt. Römisches Eigentumsrecht,volle Verfügbarkeit von Boden und Produktionsfaktoren für den Eigentümer, Teilnahme am Kapitalmarkt,Absatzorganisationen. Das wäre soweit ich es beurteilen kann für Afrika wichtiger als ein paar Prozent Zoll mehr oder weniger. Die Stammesversammlung ist für Fortschritt und Entwicklung genauso tödlich wie hier früher die Allmende. Der Einzelne muss die Chance haben sich daraus zu lösen.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Der Neandertaler » So 15. Jul 2018, 19:01

Hallo Brainiac.
Brainiac hat geschrieben:Nur eine Anmerkung: Die EPAs sind NICHT in Kraft, bzw. nur mit einem kleineren Teil der der AKP-Staaten. Mehr wird wohl auch nicht passieren. Wichtige Länder wie Nigeria haben sich gesperrt, die hiesige Kritik hat ggf. ihr übriges getan.
OK! Stimmt. Mein Fehler. Mea culpa!
    Wenn mich jemand sucht, ich bin nebenan und öffne mir die Pulsadern.
Ich hatte mich nämlich zuerst an einen Report-Mainz-Bericht erinnert - rückblickend glaube ich, er war aus 2015. Dort wurde ein Interview mit Francisco Marí gesendet. Ebenso wurde darin berichte, wie die EU ihre wirtschaftlichen Interessen gegenüber Afrika durchsetzt. Daß alteingesessenen Gemüsebauern, die Bohnen nach Europa exportiert haben ... die also schon vorher zollfreien Zugang zum EU-Markt gehabt haben, daß die Bauern quasi als Druckmittel benutzt, damit deren Länder dieses Abkommen unterschreiben. Aber zu einem freien Wettbewerb mit der EU ist Afrika wohl nicht in der Lage.
Brainiac hat geschrieben:Ich bin grundsätzlich schon für ein neues einheitliches Handelsabkommen, ob man das nun EPA oder sonstwie nennt, sofern es denn unter entwicklungspolitischen Gesichtspunkten vernünftig abgeschlossen wird. Das gegenwärtige fragile Chaos, das kaum einer überblickt, ist nicht gut, weil es investitionshemmend wirkt.
...hemmend für wen? Ich kann mich nämlich an eine Äußerung von der EU-Handelskommissarin, Cecilia Malmström, erinnern. Darin sagte sie, daß Handelsabkommen zwar keine Allheilmittel sind, daß diese aber ein wichtiges Werkzeug sind, um Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze in ganz Europa zu sichern. Das läßt in mir den Verdacht aufkeimen, daß es primär darum geht, Europas Wohlstand zu sichern, ... also Abkommen zugunsten Europas abzuschließen - wie? ... egal! Wenn die USA ... und das Trumpeltier Druck und Erpressung einsetzen, um etwas zu erreichen, ... EU first!
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » So 15. Jul 2018, 20:21

Welfenprinz hat geschrieben:(15 Jul 2018, 19:58)

1. Es wäre äusserst wünschenswert,die Agrarsubventionen besser gestern als heute abzuschaffen. Und ich kenne mehr als einen Kollegen ,der genauso denkt wie ich. Problem: die Politik wird einen Teufel tun. Sind die Agrarsubventionen schliesslich ein Lenkungsinstrument......unvorstellbar man würde uns vollkommen “frei“ lassen.

2. Eigenversorgung. Spielt sicherlich eine Rolle. Gerade,die letzten 20 Jahre wo die Welternährungssituation immer mehr knapp auf Kante läuft. Wobei ein gewisser Korridor von Über - und Unterversorgung sicherlich verantwortbar ist.

1. überrascht mich etwas, allgemein und vor dem Hintergrund von 2.

Allgemein: Würde die Abschaffung nicht zu zahlreichen Existenzkrisen führen?
Vor dem Hintergrund von 2: Ist die Selbstversorgungsfähigkeit denn subventionsfrei überhaupt darstellbar?

Etwas anderes ist wichtig: in der Saison 2007/08 ,in der bisher grössten globalen Versorgungskrise, haben wir als EU-Bürger die hohen Rohstoffpreise und den hohen EU-Importanteil gar nicht gemerkt,unsere Kaufkraft wuppt das locker weg. In Kairo und Mexiko aber waren Hungerdemonstrationen .........weil wir diesen Menschen das Futter vor den hungrigen Lippen weg gekauft haben. Das sollte sich jeder Schlaumeier,der fordert,dass der “reiche Westen“ weniger produziert,hinter die Löffel schreiben. Es ist eine zutiefst menschenfeindliche Einstellung.

Dass diese Schlaumeierforderung in Zeiten der Nahrungsmittelknappheit falsch sein kann, dem würde ich zustimmen. Als "zutiefst menschenfeindlich" würde ich sie nicht bezeichnen. Sie resultiert aus dem Glauben, dass Überproduktionen in Europa und deren Exporte die Entwicklung der afrikanischen Landwirtschaft hemmen, ob das nun richtig oder falsch oder differenziert zu betrachten ist.

4. Ohne zu weit auszuholen: das wichtigste sind die wirtschaftsrechtlichen Fragen. Deutsche verdiente Agrarkoryphäen des 19. Jahrhunderts,wie Albrecht von Thaer, haben sich nicht nur um Produktionsfaktoren gekümmert sondern auch sehr stark im Agrarsozialen Bereich gewirkt. Römisches Eigentumsrecht,volle Verfügbarkeit von Boden und Produktionsfaktoren für den Eigentümer, Teilnahme am Kapitalmarkt,Absatzorganisationen. Das wäre soweit ich es beurteilen kann für Afrika wichtiger als ein paar Prozent Zoll mehr oder weniger. Die Stammesversammlung ist für Fortschritt und Entwicklung genauso tödlich wie hier früher die Allmende. Der Einzelne muss die Chance haben sich daraus zu lösen.

Dem stimme ich zu, und hier liegt in den afrikanischen Entwicklungsländern definitiv vieles im Argen. Es ist aber eher eine Frage der Good Governance. Fändest du es richtig, weitere EZA-Gelder an die Erfüllung solcher institutionellen Voraussetzungen zu knüpfen? Es bedeutet ja eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Empfängerlandes, die aber vielleicht notwendig ist.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » So 15. Jul 2018, 20:37

Der Neandertaler hat geschrieben:(15 Jul 2018, 20:01)

Wenn mich jemand sucht, ich bin nebenan und öffne mir die Pulsadern.

Das hielte ich für voreilig.Das Thema ist wirklich äusserst verworren und geradezu recherchefeindlich angelegt, man muss N Quellen im Kontext betrachten, um sich ein halbwegs plausibles Bild machen zu können.

. ...hemmend für wen? Ich kann mich nämlich an eine Äußerung von der EU-Handelskommissarin, Cecilia Malmström, erinnern. Darin sagte sie, daß Handelsabkommen zwar keine Allheilmittel sind, daß diese aber ein wichtiges Werkzeug sind, um Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze in ganz Europa zu sichern. Das läßt in mir den Verdacht aufkeimen, daß es primär darum geht, Europas Wohlstand zu sichern, ... also Abkommen zugunsten Europas abzuschließen - wie? ... egal! Wenn die USA ... und das Trumpeltier Druck und Erpressung einsetzen, um etwas zu erreichen, ... EU first!

... hemmend ua. für afrikanische Investoren, die vielleicht gerne ein größer angelegtes Exportgeschäft nach Europa aufziehen würden, aber nicht wissen, welche Bedingungen morgen gültig sind.

Sicherlich auch hemmend für europäische Investoren, was vielleicht aktuell gut für die afrikanischen Märkte ist. Insgesamt und mittel-/langfristig halte ich aber nichts davon, Marktintransparenz auf diesem Gebiet künstlich aufrechtzuerhalten. Letztlich schadet diese allen, also auch Afrika.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Tom Bombadil » So 15. Jul 2018, 20:55

Das ist ein sehr weiträumiges und komplexes Thema, da braucht man nur mal an die Billigrosenzucht in Kenia zu denken, die die Lebensmittellandwirtschaft verdrängt und die die Gewässer verdreckt. Die aber auch ein sehr wichtiger Industriezweig ist und dringend benötigte Devisen ins Land schafft, zudem hängen davon mW. über 1 Mio Arbeitsplätze ab.

MMn. sollte die EU keine Lebensmittel nach Afrika exportieren (humanitäre Krisen ausgenommen) und auch möglichst wenig von dort importieren. Auch der Fischfang vor Afrikas Küsten sollte eingestellt werden. Es gibt aber ein weiteres gewaltiges Problem: China. Die kaufen en masse Land in Afrika, die dort angebauten Lebensmittel gehen nach China. Und auch bei den Fischereirechten werden die Chinesen nur zu gerne in die Bresche springen. Gleiches gilt für Rohstoffe, der Konflikt im Südsudan sei da nur mal exemplarisch für Chinas Beteiligung angemerkt.

Wo ist Alexander, der den gordischen Knoten durchschlägt?
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Welfenprinz » So 15. Jul 2018, 20:56

Brainiac hat geschrieben:(15 Jul 2018, 21:21)

1. überrascht mich etwas,

Ist sicherlich betriebsformenabhängig. Wir haben heute die skurrile Situation,dass kleine oder mittlere Betriebe (hohe Intensität) auf die Prämie definitiv nicht angewiesen sind(auch wenn sie sie natürlich mitnehmen) und 200 ha Getreidebaubetriebe den Betriebsgewinn in Höhe der Prämie haben. Die Subventionen hemmen nicht den Strukturwandel und helfen nicht den Kleinbetrieben.
Ausserdem sind da einige Bedingungen und Fallstricke mit verbunden. (Im einzelnen führe ich das hier nicht aus,würde sehr speziell). Für mich ist sehr wahrscheinlich nach der nächsten Refo.... Kürzung schluss. Dann überwiegen die Einschränkungen den Nutzen.

Allgemein: Würde die Abschaffung nicht zu zahlreichen Existenzkrisen führen?

Jeder Wandel birgt diese Gefahr.
Vor dem Hintergrund von 2: Ist die Selbstversorgungsfähigkeit denn subventionsfrei überhaupt möglich?

Die Subventionen unterstützen längst nicht mehr nur die Produktion. Die NGOs wie BUND und NABU als grösste Grundbesitzer Deutschlands haben längst vor den Gerichten erstritten,dass sie auch empfangsberechtigt sind. Und bei denen gehts bestimmt nicht um Produktion.
Ansonsten führen Subventionen eben immer zu Fehlallokation von Ressourcen. Da wird manche Kultur auf ungeeignetem Standort angebaut,weil sie durch die
Zuschüsse eben rentabel wird.
Sicher würde manche Fläche brach fallen,das würde ich mich aber nicht trauen vorauszusagen. Wir haben gerade auf manchen wirklich schlechten Standorten hoch intensive Anbauregionen mit immenser Werschöpfung(Gemüseanbau in der Pfalz, zwiebeln/Frühkartoffeln in Peine Dollbergen). Da haben sich schon vor Jahrzehnten gute Leute gute Gedanken gemacht wie sie mehr verdienen können als mit Niedrigertragsgezreide + Subventionen.

Ausser den Existenzkrisen würde eine solche Umstellung auch verdammt viel Kreativität und Tatkraft frei setzen.


ass diese Schlaumeierforderung in Zeiten der Nahrungsmittelknappheit falsch sein kann, dem würde ich zustimmen. Als "zutiefst menschenfeindlich" würde ich sie nicht bezeichnen. Sie resultiert aus dem Glauben, dass Überproduktionen in Europa und deren Exporte die Entwicklung der afrikanischen Landwirtschaft hemmen, ob das nun richtig oder falsch oder differenziert zu betrachten ist.


Es ist differenziert zu betrachten. Dass Ananas nicht in Kiel gut wächst leuchtet jedem sofort ein. Dass Weizen in Timbuktu das spiegelbildliche Äquivalent dazu ist,ist intuitiv schwerer erfassbar.
Je freier die Märkte werden ,desto mehr wird gelten,dass die Produktion an den geeignetsten Standort geht. Ein fairer Handel würde dann tatsächlich bedeuten,dass jede Region sich auf die in seiner Region geeignetsten Kulturen konzentriert und diese anbietet.


[
Es bedeutet ja eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Empfängerlandes, die aber vielleicht notwendig ist.


Ja,es würde wohl kaum auf Gegenliebe stossen.
Unsere Reformer Anfang des 19. Jahrhunderts hatten ja das historische Glück,dass sie in den bürgerlichen Revolutionen Teil eines breiten gesellschaftlichen Wandels waren.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » So 15. Jul 2018, 21:14

Welfenprinz hat geschrieben:(15 Jul 2018, 21:56)

Ist sicherlich betriebsformenabhängig. Wir haben heute die skurrile Situation,dass kleine oder mittlere Betriebe (hohe Intensität) auf die Prämie definitiv nicht angewiesen sind(auch wenn sie sie natürlich mitnehmen) und 200 ha Getreidebaubetriebe den Betriebsgewinn in Höhe der Prämie haben. Die Subventionen hemmen nicht den Strukturwandel und helfen nicht den Kleinbetrieben.
Ausserdem sind da einige Bedingungen und Fallstricke mit verbunden. (Im einzelnen führe ich das hier nicht aus,würde sehr speziell). Für mich ist sehr wahrscheinlich nach der nächsten Refo.... Kürzung schluss. Dann überwiegen die Einschränkungen den Nutzen.


Jeder Wandel birgt diese Gefahr.

Die Subventionen unterstützen längst nicht mehr nur die Produktion. Die NGOs wie BUND und NABU als grösste Grundbesitzer Deutschlands haben längst vor den Gerichten erstritten,dass sie auch empfangsberechtigt sind. Und bei denen gehts bestimmt nicht um Produktion.
Ansonsten führen Subventionen eben immer zu Fehlallokation von Ressourcen. Da wird manche Kultur auf ungeeignetem Standort angebaut,weil sie durch die
Zuschüsse eben rentabel wird.
Sicher würde manche Fläche brach fallen,das würde ich mich aber nicht trauen vorauszusagen. Wir haben gerade auf manchen wirklich schlechten Standorten hoch intensive Anbauregionen mit immenser Werschöpfung(Gemüseanbau in der Pfalz, zwiebeln/Frühkartoffeln in Peine Dollbergen). Da haben sich schon vor Jahrzehnten gute Leute gute Gedanken gemacht wie sie mehr verdienen können als mit Niedrigertragsgezreide + Subventionen.

Ausser den Existenzkrisen würde eine solche Umstellung auch verdammt viel Kreativität und Tatkraft frei setzen.

Ok, interessant zu hören.


Es ist differenziert zu betrachten. Dass Ananas nicht in Kiel gut wächst leuchtet jedem sofort ein. Dass Weizen in Timbuktu das spiegelbildliche Äquivalent dazu ist,ist intuitiv schwerer erfassbar.

Hähnchen allerdings wachsen dort wie hier auf den Bäumen.

Je freier die Märkte werden ,desto mehr wird gelten,dass die Produktion an den geeignetsten Standort geht. Ein fairer Handel würde dann tatsächlich bedeuten,dass jede Region sich auf die in seiner Region geeignetsten Kulturen konzentriert und diese anbietet.

Da würde ich auch zustimmen, mit der Einschränkung, dass die Transportkosten ja auch eine Rolle spielen (produktabhängig sicher sehr unterschiedlich). Dh. was man in A zu X verkaufen kann, kann man in in B nur zu X + x anbieten, und dann kann es sinnvoll sein, dass in B andere zu Y anbieten, wenn Y größer als X aber kleiner als X+x ist. Aber ja, etwas was in Europa 10x billiger angebaut oder hergestellt werden kann (und zwar aus klimatischen Gründen, nicht aus organisatorischen Gegebenheiten heraus), ist sicher nicht geeignet, um in Afrika damit den Sprung nach vorn zu machen.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » So 15. Jul 2018, 21:15

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jul 2018, 21:55)

MMn. sollte die EU [...] möglichst wenig von dort importieren.

Warum das, so pauschal? Ich meine, klar, die Nahrungsmittel können im Land fehlen. Andererseits ist der Export eine Chance zur wirtschaftlichen Entwicklung.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Tom Bombadil » So 15. Jul 2018, 21:23

Eben drum:
Brainiac hat geschrieben:(15 Jul 2018, 22:15) Ich meine, klar, die Nahrungsmittel können im Land fehlen.


Eine evtl. Überproduktion der afrikanischen Staaten könnte ja auch innerafrikanisch gehandelt werden.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon sünnerklaas » So 15. Jul 2018, 21:29

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jul 2018, 21:55)

Das ist ein sehr weiträumiges und komplexes Thema, da braucht man nur mal an die Billigrosenzucht in Kenia zu denken, die die Lebensmittellandwirtschaft verdrängt und die die Gewässer verdreckt. Die aber auch ein sehr wichtiger Industriezweig ist und dringend benötigte Devisen ins Land schafft, zudem hängen davon mW. über 1 Mio Arbeitsplätze ab.

MMn. sollte die EU keine Lebensmittel nach Afrika exportieren (humanitäre Krisen ausgenommen) und auch möglichst wenig von dort importieren. Auch der Fischfang vor Afrikas Küsten sollte eingestellt werden. Es gibt aber ein weiteres gewaltiges Problem: China. Die kaufen en masse Land in Afrika, die dort angebauten Lebensmittel gehen nach China. Und auch bei den Fischereirechten werden die Chinesen nur zu gerne in die Bresche springen. Gleiches gilt für Rohstoffe, der Konflikt im Südsudan sei da nur mal exemplarisch für Chinas Beteiligung angemerkt.

Würden die Chinesen sich zurückziehen, wären pronto Russen oder Inder da. Indien sollte man nicht unterschätzen.

Wo ist Alexander, der den gordischen Knoten durchschlägt?


Das einzige, was den Afrikanern wirklich helfen würde, wäre eine komplette Revision der Grenzen. Die Staaten dort sind Kunstprodukte, die Grenzen von den Kolonialmächten willkürlich gezogen. Wenn es in Afrika überhaupt Staaten geben dürfte, dann bestenfalls als Konföderationen oder als föderale Staaten. Es muss dabei der Grundsatz gelten: jeder Stamm, jedes Volk hat sein eigenes Selbstbestimmungsrecht, seine eigene Souveränität. Diesen Weg müssen die Afrikaner alleine gehen. Auswertige Mächte haben da eigentlich nichts mitzubestimmen.
Das Dumme: kein einziges Land der Industrienationen würde so einen Weg unterstützten - im Gegenteil. Bei so einem Weg würde vielen in den Industrienationen angst und bange. Denn dann stehen auf einem Mal dort auch Unabhängigkeitsbestrebungen ganzer Regionen auf der Tagesordnung: Schottland, Korsika, das Baskenland, Katalonien, Kurdistan. Das Dogma von der "Unteilbarkeit von Nationen" wäre obsolet - und in den Industrienationen hätten viele die Sorge, wegen Afrika die Büchse der Pandora geöffnet zu haben.
Aber ehrlich gesagt sehe ich für Afrika und die arabische Welt keinen anderen Weg.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Brainiac » So 15. Jul 2018, 21:30

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jul 2018, 22:23)

Eben drum:


Eine evtl. Überproduktion der afrikanischen Staaten könnte ja auch innerafrikanisch gehandelt werden.

Das erzählst du dann wohl besser nicht der Elfenbeinküste. Wiki:

Im Jahre 2007 exportierte die Elfenbeinküste Waren im Wert von 6,2 Milliarden Euro und importierte Waren im Wert von 4 Milliarden Euro. Wichtigste Exportgüter sind Erdölprodukte und Rohöl, Kakao, Holz, Kaffee, Cashew-Nüsse, Baumwolle, Naturkautschuk, Palmöl, Fisch, Textilien, Zement und Tropenfrüchte. Importiert werden hingegen Rohöl und Erdölprodukte, industrielle Rohstoffe, Lebensmittel, Getränke sowie Investitionsgüter. Wichtigste Zielmärkte für die Exporte der Elfenbeinküste sind die EU (41,1 %) und hier vor allem Frankreich...
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 15. Jul 2018, 21:42

sünnerklaas hat geschrieben:(15 Jul 2018, 22:29)

Würden die Chinesen sich zurückziehen, wären pronto Russen oder Inder da. Indien sollte man nicht unterschätzen.



Das einzige, was den Afrikanern wirklich helfen würde, wäre eine komplette Revision der Grenzen. Die Staaten dort sind Kunstprodukte, die Grenzen von den Kolonialmächten willkürlich gezogen. Wenn es in Afrika überhaupt Staaten geben dürfte, dann bestenfalls als Konföderationen oder als föderale Staaten. Es muss dabei der Grundsatz gelten: jeder Stamm, jedes Volk hat sein eigenes Selbstbestimmungsrecht, seine eigene Souveränität. Diesen Weg müssen die Afrikaner alleine gehen. Auswertige Mächte haben da eigentlich nichts mitzubestimmen.
Das Dumme: kein einziges Land der Industrienationen würde so einen Weg unterstützten - im Gegenteil. Bei so einem Weg würde vielen in den Industrienationen angst und bange. Denn dann stehen auf einem Mal dort auch Unabhängigkeitsbestrebungen ganzer Regionen auf der Tagesordnung: Schottland, Korsika, das Baskenland, Katalonien, Kurdistan. Das Dogma von der "Unteilbarkeit von Nationen" wäre obsolet - und in den Industrienationen hätten viele die Sorge, wegen Afrika die Büchse der Pandora geöffnet zu haben.
Aber ehrlich gesagt sehe ich für Afrika und die arabische Welt keinen anderen Weg.

Das ist keine Option. Die Afrikabewohner werden wohl, wie so viele andere Flecken der Welt, Diversität leben müssen. Ein Staatenteppich nach relativen Mehrheiten würde schwerlich funktionieren.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon Marmelada » So 15. Jul 2018, 23:27

Brainiac hat geschrieben:(15 Jul 2018, 22:15)

Warum das, so pauschal? Ich meine, klar, die Nahrungsmittel können im Land fehlen. Andererseits ist der Export eine Chance zur wirtschaftlichen Entwicklung.
Das hängt vom Preis ab.

https://www.welt.de/politik/deutschland ... eutet.html
Unsere Lebensmittelketten beziehen ihr Obst aus Westafrika. Es wird Zeit, dass wir faire Preise dafür an die afrikanischen Produzenten zahlen. Die Marktverhältnisse müssen sich ändern. Nehmen Sie zum Beispiel Kakao aus Ghana. Für eine Tafel Schokolade bezahlen wir bei uns im Discounter 59 Cent. Davon bleiben nur zwei Cent im Anbauland. Wären es nur zwei Cent mehr, also vier Cent, würde das bei dem Schokoladenkonsum in Deutschland 120 Millionen Euro mehr ausmachen.
...außerdem natürlich davon, dass die höheren Gewinne nicht in goldene Wasserhähne des Plantagenbesitzers investiert werden.

https://www.schwaebische.de/ueberregion ... 01959.html
Wie entkräften Sie das Argument, dass jede Investition in Entwicklungsländern den korrupten Eliten, aber nicht den Menschen nutzt?

Durch einen neuen Ansatz in der Entwicklungspolitik. Wir stellen klare Bedingungen für die Zusammenarbeit – das ist Teil meines „Marshallplans mit Afrika“. Wer sich bei Korruption sichtbar verschlechtert, verliert uns als Partner. Stattdessen werde ich unsere Maßnahmen zunehmend auf solche Länder konzentrieren, die Korruption messbar abbauen, Vertragstreue garantieren, rechtsstaatliche Prinzipien beachten, die Menschenrechte einhalten und eigene Steuererhebungs- und Verwaltungsstrukturen aufbauen. Mit drei Ländern haben wir inzwischen entsprechende Reformpartnerschaften abgeschlossen.
Das ist eine sehr gute Idee zur Bekämpfung von Fluchtursachen. Hoffentlich wird es auch langfristig so durchgezogen. Und am Ausbau des fairen Handels führt wohl kein Weg vorbei.

Haben fair gehandelte Produkte das Potenzial, die wirtschaftlichen Probleme von Afrika tatsächlich zu verkleinern?

Eindeutig: ja. Afrika wird die größten Entwicklungssprünge machen können, wenn wir den Handel auf eine faire Basis stellen. Afrika ist ja nicht nur ein Krisen- und Kriegskontinent, wie es so oft dargestellt wird. Der Kontinent ist reich an Ressourcen, an Menschen, Ideen und Innovationen. Um dieses Potenzial zu aktivieren, brauchen wir vor allem offene Marktzugänge, damit Agrarprodukte zoll- und quotenfrei nach Europa eingeführt werden können. Für Tomaten und Olivenöl aus Tunesien ist der Zugang zum Beispiel immer noch beschränkt. Mauretanien hat den besten Fisch der Welt, aber er kommt wegen hochkomplizierter EU-Vorschriften nicht auf unsere Teller. Fairer Handel mit Afrika schließt auch Rohstoffe und Bodenschätze ein. Bei uns funktioniert kein Handy ohne Coltan, kein Auto fährt ohne seltene Erden aus Kongo, das Gold für die meisten Eheringe wird in Ghana abgebaut. Und für die Batterien in Elektroautos braucht es Kobalt, das zu 70 Prozent aus Afrika kommt. Deshalb braucht Afrika einen fairen Marktzugang, faire Preise und faire Konditionen.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon sünnerklaas » Mo 16. Jul 2018, 07:58

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(15 Jul 2018, 22:42)

Das ist keine Option. Die Afrikabewohner werden wohl, wie so viele andere Flecken der Welt, Diversität leben müssen. Ein Staatenteppich nach relativen Mehrheiten würde schwerlich funktionieren.


Das krampfhafte Festklammern am status quo definitiv auch nicht. Das Recht, ihren eigenen Weg zu finden, wird den Afrikanern nicht zugestanden. Sollten sie es versuchen, sind ratzefatze Militärinterventionen der Industriestaaten am Laufen.
Die Afrikaner sind nicht frei, zu entscheiden, wie sie sich staatlich organisieren. Sie sind nicht einmal frei zu entscheiden, wer sie regiert. Nicht einmal Ansätze der Geburtenkontrolle gibt es, ohne dass es in den westlichen Staaten wütendes Geschrei gibt. Das ist doch das Problem.
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Re: Die europäische Agrarpolitik vor dem Hintergrund der Flüchtlings- und Migrationskrise

Beitragvon H2O » Mo 16. Jul 2018, 08:35

sünnerklaas hat geschrieben:(16 Jul 2018, 08:58)

Das krampfhafte Festklammern am status quo definitiv auch nicht. Das Recht, ihren eigenen Weg zu finden, wird den Afrikanern nicht zugestanden. Sollten sie es versuchen, sind ratzefatze Militärinterventionen der Industriestaaten am Laufen.
Die Afrikaner sind nicht frei, zu entscheiden, wie sie sich staatlich organisieren. Sie sind nicht einmal frei zu entscheiden, wer sie regiert. Nicht einmal Ansätze der Geburtenkontrolle gibt es, ohne dass es in den westlichen Staaten wütendes Geschrei gibt. Das ist doch das Problem.


Das sind doch Märchenerzählungen! Dort, wo in Afrika ein Anlauf zur eigenverantwortlichen politischen Landschaftsgestaltung unternommen wurde, versinken diese neuen Gebilde in Bürgerkriegen.. siehe Süd-Sudan oder Gegensätze anglophon/frankophon in Togo. Marokko hat auch entschieden, daß die südliche Sahara zum Königreich Marokko gehört. Ich sehe da keine "Eingriffe der Industrienationen". Woraus leiten Sie denn Ihre Anklage ab?

Wer soll denn die Geburtenkontrolle in Afrika durchsetzen, wenn nicht die Afrikaner selbst? Sollen das jetzt wieder "die Industrienationen" tun? Dann erhöbe sich zu Recht ein großes Wehklagen!

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