Parlamentswahlen in Italien 2018

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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » Di 2. Okt 2018, 09:20

Salvini kommt heute auch noch nicht so richtig in Fahrt.

"Italien: Vizepremier Salvini: Italien ist nicht Griechenland, niemand glaubt Junckers Drohungen." Quelle: Guidants News https://news.guidants.com

Aber der Tag ist ja noch nicht vorbei.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » Mi 10. Okt 2018, 10:07

Erwartungsgemäß nimmt die italienische Populistenregierung jetzt auch die kritischen Medien stärker ins Visier. Die verbreiten ja bekanntlich nur Fake News.

"Auslöser der jüngsten Attacke dürfte die kritische Berichterstattung der italienischen Medien über die Budgetpläne der Regierung gewesen sein. Weil die Opposition politisch zu schwach sei, versuche sie über ihre Zeitungen Terror zu verbreiten und die Börsen in Aufruhr zu versetzen, schimpfte Di Maio und bezeichnete die Medien als unverantwortliche Feinde des Volkes."

In Wirklichkeit sieht es so aus:

"Die Cinque Stelle sind seit Jahren Spitzenreiter im Bereich der Fake News. Sie versuchen der Öffentlichkeit nicht nur ein Narrativ über Italien aufzudrücken, das mit der Realität wenig zu tun hat. Auf ihren Nachrichtenportalen und Blogs verbreiten sie auch Informationen von fragwürdigen russischen Webseiten weiter. Ihr Koalitionspartner, die Lega, wiederum pflegt Kontakte zu rechtsnationalen Kreisen in den USA und Europa, die nach dem Vorbild von Steve Bannon versuchen, mit systematischen Falschmeldungen demokratische Prozesse zu torpedieren." Quelle: https://www.nzz.ch/amp/international/it ... ld.1426918

Mal sehen wie sich die Pressefreiheit In Italien in Zukunft entwickelt. Ich fürchte da muß man sich große Sorgen machen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Europa2050 » Mi 10. Okt 2018, 10:44

Orbiter1 hat geschrieben:(10 Oct 2018, 11:07)

Erwartungsgemäß nimmt die italienische Populistenregierung jetzt auch die kritischen Medien stärker ins Visier. Die verbreiten ja bekanntlich nur Fake News.

"Auslöser der jüngsten Attacke dürfte die kritische Berichterstattung der italienischen Medien über die Budgetpläne der Regierung gewesen sein. Weil die Opposition politisch zu schwach sei, versuche sie über ihre Zeitungen Terror zu verbreiten und die Börsen in Aufruhr zu versetzen, schimpfte Di Maio und bezeichnete die Medien als unverantwortliche Feinde des Volkes."

In Wirklichkeit sieht es so aus:

"Die Cinque Stelle sind seit Jahren Spitzenreiter im Bereich der Fake News. Sie versuchen der Öffentlichkeit nicht nur ein Narrativ über Italien aufzudrücken, das mit der Realität wenig zu tun hat. Auf ihren Nachrichtenportalen und Blogs verbreiten sie auch Informationen von fragwürdigen russischen Webseiten weiter. Ihr Koalitionspartner, die Lega, wiederum pflegt Kontakte zu rechtsnationalen Kreisen in den USA und Europa, die nach dem Vorbild von Steve Bannon versuchen, mit systematischen Falschmeldungen demokratische Prozesse zu torpedieren." Quelle: https://www.nzz.ch/amp/international/it ... ld.1426918

Mal sehen wie sich die Pressefreiheit In Italien in Zukunft entwickelt. Ich fürchte da muß man sich große Sorgen machen.


Ich fürchte langsam, dass das die Masse der Gesellschaft vor lauter wichtigen Fragen - welcher Messermord genau von wem verübt wurde (siehe D) oder ob Homosexuelle eventuell heiraten können dürften (siehe ROM) - solche Nebensächlichkeiten wie Behinderung unabhängiger Medien (A), Aushebelung der Gewaltenteilung (USA, P), einseitige Ausrichtung der Bildung (H) gar nicht mehr Interessieren.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Mi 10. Okt 2018, 10:55

Europa2050 hat geschrieben:(10 Oct 2018, 11:44)
Ich fürchte langsam, dass das die Masse der Gesellschaft vor lauter wichtigen Fragen - welcher Messermord genau von wem verübt wurde (siehe D) oder ob Homosexuelle eventuell heiraten können dürften (siehe ROM) - solche Nebensächlichkeiten wie Behinderung unabhängiger Medien (A), Aushebelung der Gewaltenteilung (USA, P), einseitige Ausrichtung der Bildung (H) gar nicht mehr Interessieren.

In Italien gibt es allerdings auch wirkliche gesellschaftliche Probleme. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit und das Problem des armen Südens haben viele Wähler den Cinque Stelle zugetrieben. Es bringt doch nichts, allein die politische Kultur und Gefährdungen der Demokratie ins Debattenfeld zu führen. Die Ursachen für den Populismus in der EU liegen auch bei schlechter handwerklicher Arbeit der etablierten politischen Parteien.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Mi 10. Okt 2018, 12:46

Wähler hat geschrieben:(10 Oct 2018, 11:55)

In Italien gibt es allerdings auch wirkliche gesellschaftliche Probleme. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit und das Problem des armen Südens haben viele Wähler den Cinque Stelle zugetrieben. Es bringt doch nichts, allein die politische Kultur und Gefährdungen der Demokratie ins Debattenfeld zu führen. Die Ursachen für den Populismus in der EU liegen auch bei schlechter handwerklicher Arbeit der etablierten politischen Parteien.


Sehe ich alles irgendwie ein; allerdings kann ich den Italienern nicht die Frage ersparen, warum seit der italienischen Einigung zwischen 1815 und 1870 der Süden am Tropf des italienischen Staats hängt, und er sich nie aus dieser mißlichen Lage befreien konnte. Da ist politisch doch etwas oberfaul! Die 5* Bewegung ist höchstens 10 Jahre alt.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Mi 10. Okt 2018, 16:34

Wähler hat geschrieben:(10 Oct 2018, 11:55)
In Italien gibt es allerdings auch wirkliche gesellschaftliche Probleme. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit und das Problem des armen Südens haben viele Wähler den Cinque Stelle zugetrieben. Es bringt doch nichts, allein die politische Kultur und Gefährdungen der Demokratie ins Debattenfeld zu führen. Die Ursachen für den Populismus in der EU liegen auch bei schlechter handwerklicher Arbeit der etablierten politischen Parteien.

H2O hat geschrieben:(10 Oct 2018, 13:46)
Sehe ich alles irgendwie ein; allerdings kann ich den Italienern nicht die Frage ersparen, warum seit der italienischen Einigung zwischen 1815 und 1870 der Süden am Tropf des italienischen Staats hängt, und er sich nie aus dieser mißlichen Lage befreien konnte. Da ist politisch doch etwas oberfaul! Die 5* Bewegung ist höchstens 10 Jahre alt.

Mehr EU bedeutet auch, mehr koordinierte Wirtschaftspolitik, hier Regionalförderung, und den Einstieg in eine koordinierte Sozialpolitik. In Italien gibt es noch keine nationale Grundsicherung, wie in vielen anderen EU-Ländern. Ohne gemeinsame politische Ziele wird es nicht vorangehen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Mi 10. Okt 2018, 16:44

Wähler hat geschrieben:(10 Oct 2018, 17:34)

Mehr EU bedeutet auch, mehr koordinierte Wirtschaftspolitik, hier Regionalförderung, und den Einstieg in eine koordinierte Sozialpolitik. In Italien gibt es noch keine nationale Grundsicherung, wie in vielen anderen EU-Ländern. Ohne gemeinsame politische Ziele wird es nicht vorangehen.


Sehe ich genau so; die EU und dort vor allem der Ministerrat, hätte schon viel mehr tun müssen, damit unsere Art zu leben von den Voraussetzungen her in der gesamten EU möglichst überein stimmt. Am Ende drücken sich sozialstaatliche Unterschiede auch in der Wettbewerbsfähigkeit der Mitglieder aus.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Varilion » Do 11. Okt 2018, 20:08

Die soziale Ausgaben Italiens sind schon hoch genug. Der Anteil von BIP, der ins Welfare gehet, ist under den Höchsten in Europa. Das Problem ist vielleicht wie dieses Geld benutzt ist.

Aber, vergessen wir jetzt für einen Moment die Populisten und reden wir über die Andere, besonders über “PD” (die “sozialdemokraten”) .

Die sind seit ende 2016 mit einer innerlichen “Bürgerkrieg” beschäftigt. Das Land zu regieren, einen Wahl zu gewinnen oder jetzt Opposition zu machen sind zurzeit nicht ihr Ding. Das einzige Problem, das für die wichtig ist, ist wer neuer Parteivorsitzender wird.

Früher haben sie, jahrzehntelang, mit einer starken “linke-Rhetorik” Wahlkampagne gemacht. Früher war aber Berlusconi der Monster, der die Arbeitsgesetz reformieren wollte und die Rentenalter (ein bisschen) erhöhte. Dann regieren sie und was machen sie? Na ja, die “Reformen” die das Land seit lange brauchte! Und Überraschung: in nur 4 Jahren verlieren sie 50% ihrer Wählern.

Am ersten Überblick sieht es schlimm, aber die Realität ist noch schlimmer.
Nachdem Renzi (als Parteivorsitzende) beim Europawahl 2014 40% der stimme bekommen hatte, fängt die innerparteiliche politische Minderheit es an, seine Reformagenda zu attackieren. Die Delegitimierung der Parteipolitik, das von der “Minderheit” verursacht ist, ist gewaltig.
2016 sind erfolgreich um die Verfassungsreform, zusammen mit der Opposition (Berlusconi, 5 Sterne, Lega), abzustürzen. Den nächsten Jahr trennen sich einigen von denen von der Partei, um eine neue Partei zu gründen, und sie bereiteten sich aus der Verlust an Konsensus von PD zu kassieren. Noch mal: Überraschung! Sie bekommen nur 3% (meistens von anderen links radikalischen Parteien) und die 5 Sternen springen vom 17% bis zum über 30!
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Do 11. Okt 2018, 20:27

Für ein Nordlicht schwer zu verstehen bleibt die Tatsache, daß im italienischen Süden eine so große Armut herrscht, wobei der Teilnehmer Orbiter darauf hingewiesen hatte, daß Italien keine Grundsicherung kennt. Das heißt, wer nach vorgegebener Zeit ohne Einkommen bleibt, der fällt ins Bodenlose. So habe ich das verstanden. Erst die ***** haben diesen armen Schluckern ein Grundeinkommen versprochen und damit deren Zustimmung in den letzten Wahlen gewonnen. Das Grundeinkommen (780 €) mag nach unseren Maßstäben zu hoch gegriffen sein... aber Null kann auch nicht richtig gewesen sein.

Insofern ist es verwunderlich, daß die PD mit Herrn MP Renzi auf ihre Reformen stolz war, aber doch eine solche riesige Versorgungslücke bestehen blieb.

Daß in der PD nun Kämpfe ausgebrochen sind um den Vorsitz, das ist völlig vorhersehbar nach einer so empfindlichen Wahlniederlage. Ich möchte nicht wissen, wie hier in Deutschland die Fetzen fliegen, wenn die CDU einmal "ganz alt" aussieht, sie von ihren Wettbewerbern in Wahlen überholt wird.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Varilion » Fr 12. Okt 2018, 19:44

Doch hat PD auch etwas für die Armut durch seine “Einkommen der sozialen Eingliederung” (Reddito inclusione sociale) unternommen. Das bestand aber nicht aus +780€ für alle. In Italien gibt es keine Grundsicherung, aber zahlreiche (zu viele) Subventionen für unterschiedlichen Kategorien von Personen, obwohl der wichtigsten Teil des italienischen Welfares die “Rente von Oma” bleibt. Was wir überhaupt nicht haben möchten, ist ein zuzaliches Einkommen für Schwarzarbeiter.

Es geht aber nicht nur um diese “Grundeinkommen”. Der Punk ist die Weltanschau. Was möchten wir haben? Eine effizientere Verwaltung oder neue Arbeitsplätze als Beamter? Wieso hat PD in diesen Krisenjahren keine keynesianische Wirtschaftspolitik gefolgt? Europa ist dagegen? Usw...
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Sa 13. Okt 2018, 11:26

Varilion hat geschrieben:(12 Oct 2018, 20:44)

Doch hat PD auch etwas für die Armut durch seine “Einkommen der sozialen Eingliederung” (Reddito inclusione sociale) unternommen. Das bestand aber nicht aus +780€ für alle. In Italien gibt es keine Grundsicherung, aber zahlreiche (zu viele) Subventionen für unterschiedlichen Kategorien von Personen, obwohl der wichtigsten Teil des italienischen Welfares die “Rente von Oma” bleibt. Was wir überhaupt nicht haben möchten, ist ein zuzaliches Einkommen für Schwarzarbeiter.

Es geht aber nicht nur um diese “Grundeinkommen”. Der Punk ist die Weltanschau. Was möchten wir haben? Eine effizientere Verwaltung oder neue Arbeitsplätze als Beamter? Wieso hat PD in diesen Krisenjahren keine keynesianische Wirtschaftspolitik gefolgt? Europa ist dagegen? Usw...


So wie ich die EU kennengelernt habe, besteht die auf der Einhaltung von Verträgen und Regelungen, die für alle Mitglieder so ausgehandelt und beschlossen worden sind. Ansonsten ist der EU fast alles recht, was zu ausgeglichenen Haushalten und mehr Wohlstand und gesellschaftlichem Ausgleich in den Mitgliedsländern führt.

Omas Rente als Lebensversicherung für Leute ohne Broterwerb, das ist natürlich ganz wunderbar, weil Oma vermutlich ein wenig auf Gerechtigkeit sieht... wozu man keine Beamten benötigt, die die Verteilungsgerechtigkeit steuern müßten. Nur mag das in kinderreichen Familien noch ganz vernünftig funktionieren. Wenn aber gar keine Kinder/Enkel vorhanden sind, wie etwa in modernen Gesellschaften oft genug zu sehen ist, dann funktioniert das Instrument "Omas Rente" nicht mehr.

Vielleicht sollten die Minister für Arbeit und Soziales und Familien und Gesundheit sich zusammen setzen... ich meine auf EU-Ebene, um eine gemeinsame europäische Lösung zu überlegen. Bei "mehr Europa" wäre so etwas so unerläßlich wie die Harmonisierung von Steuern und Abgaben, aus denen dieser "Spaß" am Ende bezahlt werden muß.

Die Zeiten nationaler Alleingänge sollten wir ganz dringend hinter uns lassen!
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Senexx » Mo 15. Okt 2018, 05:08

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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » Sa 20. Okt 2018, 10:34

Mal sehen wie lange die eigentlich "unmögliche" Koalition aus Lega und 5-Sterne noch durchhält. Da scheint es ja ordentlich zu kriseln.

"Lega und Cinque Stelle hatten sich am Montag in letzter Minute auf ein Budget und ein dazugehöriges Steuerdekret geeinigt, das unter anderem eine Steueramnestie vorsieht, um die leere Staatskasse zu füllen. Am Dienstagabend warf Di Maio dem Partner in einer Talkshow dann vor, das Dekret manipuliert zu haben. Bei dem peinlichen Auftritt drohte er gar mit einer Strafanzeige. Bis heute ist unklar, ob die Cinque Stelle bei den Verhandlungen nicht aufgepasst hatten und etwas durchgehen liessen, was der Basis später sauer aufstiess, oder ob vonseiten der Lega in Nachhinein tatsächlich etwas hinzugefügt wurde. Beide Seiten erheben seither jedenfalls bittere Vorwürfe gegeneinander und drohen mit Boykott im Parlament. Die Affäre macht einmal mehr deutlich, dass die ideologischen Differenzen enorm sind und die beiden Parteien ausser der Hass auf das Establishment in Rom und Brüssel wenig verbindet. Der Steuerstreit könnte am Ende zwar oberflächlich gekittet werden. Die grosse Frage aber bleibt, wie lange die Koalition noch halten wird. Je grösser der politische Druck und die wirtschaftlichen Turbulenzen werden, desto tiefer wird nämlich auch der Graben zwischen den ungleichen Partnern." Quelle: https://www.nzz.ch/amp/meinung/italiens ... ld.1429732

So wie es aktuell aussieht würde von Neuwahlen vor allem die Lega mit ihrem Chef Salvini profitieren. Die Italiener sind begeistert davon wie der Flüchtlingshasser Salvini mit dem Thema Migration umgeht. Gemäß Umfragen konnte die Lega ihren Stimmenanteil seit der letzten Parlamentswahl mehr als verdoppeln. Die liegen inzwischen weit über 30% und sind die stärkste politische Kraft in Italien.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Senexx » Sa 20. Okt 2018, 10:41

Im gewichteten Durchschnitt auf dem Politikthermometer (verlinken darf ich nicht) liegen sie bei 32,5%, "Centrodestra" insgesamt käme auf 44%, nahe an die Regierungsfähigkeit. Die Clownbewegung ist auf 28% abgestürzt, die Kommunisten liegen bei 17%. Das ist nur eine Momentaufnahme.

Sollte es Wahlen geben, werden sich vielleicht viele besinnen und mehr Wähler Kreuze bei "Centrodestra" machen. Italien braucht wieder eine Regierung ohne die Clowns und die Kommunisten, die sich gerne weiter selbst zerfleischen dürfen.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon unity in diversity » So 21. Okt 2018, 00:57

Orbiter1 hat geschrieben:(20 Oct 2018, 11:34)

Mal sehen wie lange die eigentlich "unmögliche" Koalition aus Lega und 5-Sterne noch durchhält. Da scheint es ja ordentlich zu kriseln.

"Lega und Cinque Stelle hatten sich am Montag in letzter Minute auf ein Budget und ein dazugehöriges Steuerdekret geeinigt, das unter anderem eine Steueramnestie vorsieht, um die leere Staatskasse zu füllen. Am Dienstagabend warf Di Maio dem Partner in einer Talkshow dann vor, das Dekret manipuliert zu haben. Bei dem peinlichen Auftritt drohte er gar mit einer Strafanzeige. Bis heute ist unklar, ob die Cinque Stelle bei den Verhandlungen nicht aufgepasst hatten und etwas durchgehen liessen, was der Basis später sauer aufstiess, oder ob vonseiten der Lega in Nachhinein tatsächlich etwas hinzugefügt wurde. Beide Seiten erheben seither jedenfalls bittere Vorwürfe gegeneinander und drohen mit Boykott im Parlament. Die Affäre macht einmal mehr deutlich, dass die ideologischen Differenzen enorm sind und die beiden Parteien ausser der Hass auf das Establishment in Rom und Brüssel wenig verbindet. Der Steuerstreit könnte am Ende zwar oberflächlich gekittet werden. Die grosse Frage aber bleibt, wie lange die Koalition noch halten wird. Je grösser der politische Druck und die wirtschaftlichen Turbulenzen werden, desto tiefer wird nämlich auch der Graben zwischen den ungleichen Partnern." Quelle: https://www.nzz.ch/amp/meinung/italiens ... ld.1429732

So wie es aktuell aussieht würde von Neuwahlen vor allem die Lega mit ihrem Chef Salvini profitieren. Die Italiener sind begeistert davon wie der Flüchtlingshasser Salvini mit dem Thema Migration umgeht. Gemäß Umfragen konnte die Lega ihren Stimmenanteil seit der letzten Parlamentswahl mehr als verdoppeln. Die liegen inzwischen weit über 30% und sind die stärkste politische Kraft in Italien.

Italien is to big to fail:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/it ... t-103.html
Die EZB wird die geplante Zinsanhebung vertagen und die Schuldenunion wird immer wahrscheinlicher.
Fiat-Autos sind nicht mehr der aktuelle Stand der Technik.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » So 21. Okt 2018, 08:50

unity in diversity hat geschrieben:(21 Oct 2018, 01:57)

Italien is to big to fail:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/it ... t-103.html
Das lässt sich dem verlinkten Artikel nicht entnehmen und darüber gibt es sehr unterschiedliche Ansichten. Klar ist jedenfalls dass sich vor allem Italien ins Unglück stürzen würde. Es sind primär die italienischen Banken die ihre Wertpapierdepots bis zur Halskrause mit italienischen Staatsanleihen eingedeckt haben. Wenn die nicht mehr zurückgezahlt werden gibt es kein Bankensystem mehr in Italien, mit den entsprechenden Konsequenzen.
Die EZB wird die geplante Zinsanhebung vertagen und die Schuldenunion wird immer wahrscheinlicher.
2 mal Nein.
Fiat-Autos sind nicht mehr der aktuelle Stand der Technik.
Die entscheidende Frage ist ob sie schwarze Zahlen schreiben und ja, das sieht ganz ordentlich aus.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » So 21. Okt 2018, 09:28

unity in diversity hat geschrieben:(21 Oct 2018, 01:57)

Italien is to big to fail:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/it ... t-103.html
Die EZB wird die geplante Zinsanhebung vertagen und die Schuldenunion wird immer wahrscheinlicher.
Fiat-Autos sind nicht mehr der aktuelle Stand der Technik.


Vor allem hat doch die EZB große Mengen italienischer Staatspapiere gebunkert. Wenn die mit einem Schlage nichts mehr wert sind, weil Italien sie nicht ablöst und auch sonst niemand sie haben möchte, dann stehen diese Verluste in den Büchern der übrigen Euro-Partner, auch bei denen mit einer schwarzen Null.

Italien dürfte sich von dem Absturz in die Staatspleite auch in Jahrzehnten nicht mehr erholen. Das gibt doch einen Rückfall in Tauschgeschäfte: Bündelweise Geldscheine gegen italienische Waren. Ungefähr so stelle ich mir die Handhabung der EURO-Währung in Montenegro vor: Ein-Ausfuhr in Euro über ausländische Banken. Banken gäbe es in Italien dann ja wohl nicht mehr... und wer würde denn schon deren Geschäftsmodell glauben und ihnen Euro anweisen?
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » So 21. Okt 2018, 10:40

H2O hat geschrieben:(21 Oct 2018, 10:28)
Vor allem hat doch die EZB große Mengen italienischer Staatspapiere gebunkert. Wenn die mit einem Schlage nichts mehr wert sind, weil Italien sie nicht ablöst und auch sonst niemand sie haben möchte, dann stehen diese Verluste in den Büchern der übrigen Euro-Partner, auch bei denen mit einer schwarzen Null.

Von 130% zu 170% Staatsverschuldung wie in Griechenland ist kein großer Schritt mehr. Die italienische Regierung spekuliert also darauf, dass die EZB die Zinsen auch mittelfristig nicht erhöhen wird und die Kapitalmärkte das akzeptieren. Die USA, Japan und China verschulden sich mit Unterstützung ihrer Zentralbanken auch immer weiter. Die Besitzer von Geldguthaben oder Geldwertpapieren werden also irgendwann eine böse Überraschung erleben. Ist aber auch nichts Neues in der Weltgeschichte.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » So 21. Okt 2018, 11:35

Wähler hat geschrieben:(21 Oct 2018, 11:40)

Von 130% zu 170% Staatsverschuldung wie in Griechenland ist kein großer Schritt mehr. Die italienische Regierung spekuliert also darauf, dass die EZB die Zinsen auch mittelfristig nicht erhöhen wird und die Kapitalmärkte das akzeptieren. Die USA, Japan und China verschulden sich mit Unterstützung ihrer Zentralbanken auch immer weiter. Die Besitzer von Geldguthaben oder Geldwertpapieren werden also irgendwann eine böse Überraschung erleben. Ist aber auch nichts Neues in der Weltgeschichte.


Inzwischen sollten wir aber hoffen, daß unser Bundesfinanzminister die Interessen deutscher Sparer schützt, und er mit seiner Hausmacht weiteren groben Unfug in der EZB verhindert. Ich bin davon überzeugt, daß er damit zumindest die Kollegen in Nordeuropa und Westeuropa hinter sich versammeln kann.

Mal sehen, ob andere Geldgeber als die EZB sich finden, die zu hohen Zinsen dieser Regierung Geld leihen, die inzwischen auf "Ramschniveau" herab gestuft wurde.
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Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » So 21. Okt 2018, 14:03

Wähler hat geschrieben:(21 Oct 2018, 11:40)

Von 130% zu 170% Staatsverschuldung wie in Griechenland ist kein großer Schritt mehr. Die italienische Regierung spekuliert also darauf, dass die EZB die Zinsen auch mittelfristig nicht erhöhen wird und die Kapitalmärkte das akzeptieren.
Es spielt für Italien keine Rolle ob die EZB die Leitzinsen planmäßig im nächsten Jahr von aktuell 0,0% auf 0,25% oder 0,50% erhöht oder nicht. Nachdem klar war dass die Lega und M5S eine Regierungskoalition bilden sind die Zinsen für 10-jährige italienische Staatsanleihen von 1,6 auf aktuell 3,6% gestiegen. Und wenn Salvini übermorgen, nach der Zurückweisung des italienischen Budgetplans durch die EU, ein paar aggressive Sprüche klopft werden die Zinsen über 4% steigen. Einfach deswegen weil das Risiko für die Geldgeber das geliehene Geld nicht mehr zurückzubekommen steigt. Die Geldgeber lassen sich dieses Risiko über höhere Zinsen bezahlen.
Die USA, Japan und China verschulden sich mit Unterstützung ihrer Zentralbanken auch immer weiter.
In den USA ist der Ankauf von Staatsanleihen schon vor einer Weile ausgelaufen, in China gab es so ein Programm gar nicht.
Die Besitzer von Geldguthaben oder Geldwertpapieren werden also irgendwann eine böse Überraschung erleben. Ist aber auch nichts Neues in der Weltgeschichte.
Vor allem die Besitzer italienischer Staatsanleihen dürften schon bald nervös werden.

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