Parlamentswahlen in Italien 2018

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 19960
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Di 29. Mai 2018, 21:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 May 2018, 11:42)

In der Sonderwirtschaftszone im polnischen Tichy-Katowice werden seit Jahren tausende und abertausende Fiat-Pkws gebaut. (nur als Beispiel) Mitte Mai wurde die Auslieferung des 2 Millionsten Fita 500 als Cabriolet-Sondermodell gefeiert. Kunde war ein Italiener. Das Werk wurde nicht vom polnischen Staat sondern vom italienischen Unternehmen Fiat errichtet. Und umgekehrt: Der polnische Staat lockt solche Unternehmen als Investoren mit Steuervergünstigungen. Er verzichtet also auf einen Teil der Einnahmen. Unternehmenssteuern sind im Gegensatz zu Mehrwertsteuern EU-weit nicht geregelt. Die Folge ist ein Wettbewerb um die geringsten Unternehmenssteuern, der nur und ausschließlich den Unternehmen zugute kommt. Und am Ende bringt das weder für Polen noch für Italiener einen Vorteil.


Das kann man so einfach leider auch nicht beschreiben. Immerhin sind in Kattowitz einige tausend Menschen dadurch in Arbeit und Brot, zahlen Steuern und Abgaben, beziehen keine staatlichen Unterstützungsleistungen. FIAT erzielt Gewinne, die andernfalls kaum zu erzielen gewesen wären, und bleibt als Unternehmen im Markt. Daß so in Italien Arbeitsplätze verloren gingen, das ist leider wahr. Denkbar aber auch, daß FIAT aus Mangel an Wettbewerbsfähigkeit und infolge von Verlusten vom Markt verschwindet, wenn das Unternehmen nicht jede sich bietende Möglichkeit nutzen würde, um seine Geschäftszahlen zu verbessern..
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11430
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 30. Mai 2018, 07:17

H2O hat geschrieben:(29 May 2018, 22:34)

Das kann man so einfach leider auch nicht beschreiben. Immerhin sind in Kattowitz einige tausend Menschen dadurch in Arbeit und Brot, zahlen Steuern und Abgaben, beziehen keine staatlichen Unterstützungsleistungen. FIAT erzielt Gewinne, die andernfalls kaum zu erzielen gewesen wären, und bleibt als Unternehmen im Markt. Daß so in Italien Arbeitsplätze verloren gingen, das ist leider wahr. Denkbar aber auch, daß FIAT aus Mangel an Wettbewerbsfähigkeit und infolge von Verlusten vom Markt verschwindet, wenn das Unternehmen nicht jede sich bietende Möglichkeit nutzen würde, um seine Geschäftszahlen zu verbessern..

Es ist wohl sowohl das eine als auch das andere richtig. Hier gehts ja um Italien und ich stehe vor der Frage, welche der beteiligten Spieler am ehesten die Interessen eines italienischen Durcschnittsbürgers vertritt. Ein Unternehmen wie "Fiat" wird noch immer in den Köpfen der meisten Menschen als "italienisches Unternehmen" wahrgenommen. Klar: "Fabbrica Italiana Automobili Torino". Ich muss gestehen, dass ich selbst noch nicht mitbekommen habe, dass es Fiat so eigentlich nicht mehr gibt sondern nur noch "FCA" (Fiat Chrysler Automobiles) mit Rechtssitz in Amsterdam und Konzernzentrale in London. Ist das nun ein niederländisches oder britisches oder italienisch-niederländisch-britisches Unternehmen? Wohl nicht. Und welche Rolle spielt dabei die EU? Eine der letzten großen Investitionen und Übernahmen von FCA war 2008 das serbische Zastava. Also außerhalb der (heutigen) EU. Realistisch gesehen würde eine echte demokratische Interessenvertretung italienischer Bürger darauf hinauslaufen, dass sie die Unternehmenspolitik von solchen großen Konzernen wie FCA mitbestimmen. Aussichtslos erstmal. Aber innerhalb der EU immer noch realisitischer als als Einzelnationalstaat.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 19960
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Mi 30. Mai 2018, 09:19

@schokoschendretzki

Ja, unsere Wirtschaftswelt verändert sich, und es ist auch wahr, daß wir Normalverbraucher davon wenig merken. Natürlich ist ein ursprünglich nur in einem Staat ansässiges Unternehmen kein "Volkseigentum", über dessen Internationalisierung nationale Mehrheiten notfalls befinden können. Ohne Zweifel denken Italiener in diesem Sinne national.

Wenn es darauf ankommt, ein in eine Schieflage geratenes Unternehmen zu "retten", dann sind sich ansonsten "internationale" Unternehmen nicht zu schade, den industriellen Stolz der verlassenen Gemeinschaft ein zu fordern, um politischen Druck auf die Amtsträger aus zu üben, in irgend einer gewünschten Weise aus zu helfen. Natürlich geht es dann um Arbeitsplätze, also um den "kleinen Mann". Aber solche Maßnahmen verpflichten nicht zu dauerhafter Treue, und wenn sich die Gelegenheit bietet, irgendwo unter dem Strich günstiger zu wirtschaften, dann geschieht das auch ratz-fatz.

Die einzige Möglichkeit, diese böse Falle zu vermeiden, besteht darin, daß die Gemeinschaft durch gewährte Hilfen ein Miteigentum am Unternehmen erwirbt, so daß sie im Aufsichtsrat und womöglich in der Geschäftsleitung mit entscheiden kann. Leider auch kein Mittel auf Dauer, wie das Unternehmen VW zeigt, wenn Staat und Unternehmen zu eng verbandelt sind.

Wir alle müssen uns auf eine zunehmend globalisierte Wirtschaftsweise einstellen, wenn wir wollen, daß wirtschaftlich gesunde Unternehmen Menschen beschäftigen und Steuern bezahlen.

Heute früh gab es dazu einen klugen Kommentar im Kölner Stadtanzeiger:

Kölner Stadt-Anzeiger
über Italien: „Die politische und ökonomi-
sche Misere in Italien ist hausgemacht. Es
wäre unlauter, anderen EU-Staaten oder den
Brüsseler Institutionen die Verantwortung
dafür zuzuschieben. Sämtliche Spielregeln
der Eurozone hat Italien mitbeschlossen.
Auch jene, die das Land zu Sparsamkeit ver-
pflichten. Sollte jetzt allerdings das Projekt
einer großen EU-Reform scheitern, so tra-
gen andere dafür sehr wohl eine Mitverant-
wortung. Allen voran Deutschland und
Kanzlerin Merkel. Acht Monate ist es her,
dass Frankreichs Präsident Macron in sei-
ner Sorbonne-Rede seine Vision für eine
Neugründung Europas und eine Vertiefung
der Eurozone präsentierte. Auf eine Antwort
aus Berlin wartet er bis heute.“


Eigentlich gehört dieser Kommentar in den Strang "Quo vadis, Europa?" Aber er bietet eine Teilantwort auf ihre Ausführungen zur wirtschaftlichen Entwicklung Italiens, und was daraus wohl ab zu leiten ist.
Benutzeravatar
Eiskalt
Beiträge: 1969
Registriert: Mi 2. Dez 2009, 11:05
Benutzertitel: Der Staat bin ich

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Eiskalt » Mi 30. Mai 2018, 14:41

Wenn die Politik meint das Ihre Entscheidungen über ökonomischen Grundsätzen steht geht es eben schief.
Wirtschaftspolitik ist eigentlich zu wichtig um diese einem Politiker zu überlassen.....
Memento mori
-Römisches Sprichwort
Benutzeravatar
Orbiter1
Beiträge: 2102
Registriert: Fr 23. Feb 2018, 13:25

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » Mi 30. Mai 2018, 15:24

Das Kasperletheater in Italien ist ja noch unterhaltsamer als das Kasperletheater in Katalonien.

"Im Streit über die Regierungsbildung in Italien hat der vom Präsidenten bestimmte Chef einer möglichen Expertenregierung, Carlo Cottarelli, neue Optionen angedeutet. Nach einem weiteren Treffen mit Staatspräsident Sergio Mattarella erwähnte der einstige IWF-Ökonom in einer Mitteilung statt einer Expertenregierung die "Geburt einer politischen Regierung" auf Grundlage des Ergebnisses der Parlamentswahl Anfang März. Das könnte einen erneuten Anlauf der rechtsextremen Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung bedeuten. ... Inzwischen ist Di Maio offen für Kompromisse. "Wir sind bereit, unsere Position zu überdenken. Wenn wir etwas falsch gemacht haben, sagen wir es." Sogleich verbreitete sich die Spekulation, dass Di Maio und Lega-Chef Salvini doch noch ihre "Regierung des Wandels" angehen und dabei Mattarella entgegenkommen. Das würde bedeuten, einen anderen Kandidaten für das Amt des Wirtschaftsministers vorzuschlagen." Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/201 ... ngsbildung
Wähler
Beiträge: 4045
Registriert: Di 25. Dez 2012, 13:04
Wohnort: Bayern

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Wähler » Do 31. Mai 2018, 05:47

Orbiter1 hat geschrieben:(30 May 2018, 16:24)
"Im Streit über die Regierungsbildung in Italien hat der vom Präsidenten bestimmte Chef einer möglichen Expertenregierung, Carlo Cottarelli, neue Optionen angedeutet. Nach einem weiteren Treffen mit Staatspräsident Sergio Mattarella erwähnte der einstige IWF-Ökonom in einer Mitteilung statt einer Expertenregierung die "Geburt einer politischen Regierung" auf Grundlage des Ergebnisses der Parlamentswahl Anfang März. Das könnte einen erneuten Anlauf der rechtsextremen Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung bedeuten. ... Inzwischen ist Di Maio offen für Kompromisse. "Wir sind bereit, unsere Position zu überdenken. Wenn wir etwas falsch gemacht haben, sagen wir es." Sogleich verbreitete sich die Spekulation, dass Di Maio und Lega-Chef Salvini doch noch ihre "Regierung des Wandels" angehen und dabei Mattarella entgegenkommen. Das würde bedeuten, einen anderen Kandidaten für das Amt des Wirtschaftsministers vorzuschlagen." Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/201 ... ngsbildung

Den beteiligten Protagonisten dämmert es wohl, dass eine Neuwahl keine veränderte Ausgangssituation ergeben könnte. Die deutsche Regierungsbildung lässt grüßen ;)
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
Polibu
Beiträge: 5628
Registriert: Mo 11. Dez 2017, 02:04

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Polibu » Do 31. Mai 2018, 07:32

H2O hat geschrieben:(30 May 2018, 10:19)

@schokoschendretzki

Ja, unsere Wirtschaftswelt verändert sich, und es ist auch wahr, daß wir Normalverbraucher davon wenig merken. Natürlich ist ein ursprünglich nur in einem Staat ansässiges Unternehmen kein "Volkseigentum", über dessen Internationalisierung nationale Mehrheiten notfalls befinden können. Ohne Zweifel denken Italiener in diesem Sinne national.

Wenn es darauf ankommt, ein in eine Schieflage geratenes Unternehmen zu "retten", dann sind sich ansonsten "internationale" Unternehmen nicht zu schade, den industriellen Stolz der verlassenen Gemeinschaft ein zu fordern, um politischen Druck auf die Amtsträger aus zu üben, in irgend einer gewünschten Weise aus zu helfen. Natürlich geht es dann um Arbeitsplätze, also um den "kleinen Mann". Aber solche Maßnahmen verpflichten nicht zu dauerhafter Treue, und wenn sich die Gelegenheit bietet, irgendwo unter dem Strich günstiger zu wirtschaften, dann geschieht das auch ratz-fatz.

Die einzige Möglichkeit, diese böse Falle zu vermeiden, besteht darin, daß die Gemeinschaft durch gewährte Hilfen ein Miteigentum am Unternehmen erwirbt, so daß sie im Aufsichtsrat und womöglich in der Geschäftsleitung mit entscheiden kann. Leider auch kein Mittel auf Dauer, wie das Unternehmen VW zeigt, wenn Staat und Unternehmen zu eng verbandelt sind.

Wir alle müssen uns auf eine zunehmend globalisierte Wirtschaftsweise einstellen, wenn wir wollen, daß wirtschaftlich gesunde Unternehmen Menschen beschäftigen und Steuern bezahlen.

Heute früh gab es dazu einen klugen Kommentar im Kölner Stadtanzeiger:



Eigentlich gehört dieser Kommentar in den Strang "Quo vadis, Europa?" Aber er bietet eine Teilantwort auf ihre Ausführungen zur wirtschaftlichen Entwicklung Italiens, und was daraus wohl ab zu leiten ist.


Welcher kluge Kommentar? Macron will die Haftungsunion. Deutschland als Zahlmichel. Das ist kein kluger Kommentar. Das ist genau das Gegenteil.
Everythingchanges
Beiträge: 127
Registriert: Mi 30. Mai 2018, 17:37

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Everythingchanges » Do 31. Mai 2018, 09:53

Eiskalt hat geschrieben:(30 May 2018, 15:41)

Wenn die Politik meint das Ihre Entscheidungen über ökonomischen Grundsätzen steht geht es eben schief.
Wirtschaftspolitik ist eigentlich zu wichtig um diese einem Politiker zu überlassen.....


Wie kommst du denn darauf, dass das so wäre?

Gerade Wirtschaftspolitik ist immer massivem Lobbyismus ausgesetzt und sooo fähig seinen diese nichtpolitischen Kräfte auch nicht zu sein, wenn man sich mal anschaut, wie die Hütte in der EU aktuell brennt. ;)
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 19960
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon H2O » Do 31. Mai 2018, 10:51

Polibu hat geschrieben:(31 May 2018, 08:32)

Welcher kluge Kommentar? Macron will die Haftungsunion. Deutschland als Zahlmichel. Das ist kein kluger Kommentar. Das ist genau das Gegenteil.


In unserem Lande und in unserem Forum gibt es eine lautstarke Minderheit von 20%, die von der Weiterentwicklung und der notwendigen Neuaufstellung der EU nichts hält. Ihre Behauptung ist fast böswillig zu bezeichnen, denn so würde man die EU sehr schnell zerstören. Auch ein Präsident Macron verfügt über hinreichend viel Geist, um seinen Partnern nichts Unzumutbares auf zu bürden. Auch sollte sein Verstand ausreichen an zu nehmen, daß deutsche Politiker durchaus vergiftete Geschenke erkennen werden. Daher empfiehlt es sich, mit Präsident Macron und seiner Mannschaft vertrauensvoll zu reden, dabei sämtliche beiderseitigen Bedenken zu umrunden und ab zu arbeiten.

Danach ist auf jeden Fall aus zu loten, welche übrigen EU-Partner Interesse an einer weiteren vertieften Zusammenarbeit auf der Grundlage des deutsch-französischen Konzepts haben, um mit ihnen den Feinschliff an einem neuen Vertrag für die Weiterentwicklung der EU zu vollenden. Vor allem muß das von Präsident Macron angeregte Gespräch mit dem EU-Bürger stattfinden. Auch dazu kommt von der Bundesregierung und unseren europafreundlichen Parteien nichts. Das ist niederschmetternd.

Aus meiner Sicht ist die deutsche Quängelei nur schäbig... da kommt nichts Eigenes, nur immer "So nicht!" Wie möchte Deutschland denn die EU umbauen, damit sie wieder Fahrt aufnehmen kann? Zusehen, wie alles inzwischen Erreichte durch nationalen Eigensinn zerstört wird, und dann und zurück auf 1900?
Polibu
Beiträge: 5628
Registriert: Mo 11. Dez 2017, 02:04

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Polibu » Do 31. Mai 2018, 11:05

Warum wohl wurde einer der fähigsten deutschen Finanzminister auf den Posten des Bundestagspräsidenten abgeschoben?
Everythingchanges
Beiträge: 127
Registriert: Mi 30. Mai 2018, 17:37

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Everythingchanges » Do 31. Mai 2018, 11:23

Polibu hat geschrieben:(31 May 2018, 12:05)

Warum wohl wurde einer der fähigsten deutschen Finanzminister auf den Posten des Bundestagspräsidenten abgeschoben?


Weil er (bzw. seine Ausrichtung) die Eurozone an die Wand gefahren hat und genau diese Ausrichtung korrigiert werden müsste, damit die EURO-Zone und die EU überhaupt eine Reformchance haben.
Heute kann ausschließlich die EZB den Euro am Leben halten und die EUROpäische Bankenwelt steht 10 Jahre nach Finanzkrisenbeginn trotz Billionenschwemme, 0-Zinsen und Eurokurs"pflege" in Flammen.
Der angeblich fähigste Finanzminister war nicht in der Lage diesen Verlauf zu verhindern.

Die europäische Politik hat seit Jahren auf ganzer Linie versagt und auf Grund seiner besonderen Stellung trifft Deutschland ein deutlich größerer Teil der Verantwortung.
Benutzeravatar
Eiskalt
Beiträge: 1969
Registriert: Mi 2. Dez 2009, 11:05
Benutzertitel: Der Staat bin ich

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Eiskalt » Do 31. Mai 2018, 11:28

Everythingchanges hat geschrieben:(31 May 2018, 10:53)

Wie kommst du denn darauf, dass das so wäre?

Gerade Wirtschaftspolitik ist immer massivem Lobbyismus ausgesetzt und sooo fähig seinen diese nichtpolitischen Kräfte auch nicht zu sein, wenn man sich mal anschaut, wie die Hütte in der EU aktuell brennt. ;)


Ja die Hütte brennt doch auch wegen der Politik.
Entgegen aller Vernunft und Warnung wurden Länder wie Griechenland aufgenommen weil es politisch gewollt war.
Memento mori
-Römisches Sprichwort
Everythingchanges
Beiträge: 127
Registriert: Mi 30. Mai 2018, 17:37

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Everythingchanges » Do 31. Mai 2018, 11:40

Eiskalt hat geschrieben:(31 May 2018, 12:28)

Ja die Hütte brennt doch auch wegen der Politik.
Entgegen aller Vernunft und Warnung wurden Länder wie Griechenland aufgenommen weil es politisch gewollt war.


Glaubst du denn, dass das politische Entscheidungen waren?
Die gesamte EU ist als Projekt ein feuchter Traum der Wirtschaft und genau der Einfluss dieser Kräfte ist auch maßgeblich für den heutigen Zustand verantwortlich.
Der EU fehlt es an Weitblick.
Das gilt sowohl für die Wirtschaftskapitäne und Lobbys als auch für die Politik.

Die Politik hätte NIE eine Politik gegen die Interessen der Wirtschaft etablieren können.
Schau dir die 4 Grundfreiheiten an. Das sind vor allem die Forderungen derer, die man in Wirtschaftsnähe verorten kann.
Heute werden just die Konflikte auf Sicht geflickt, die aus den Widersprüchen der großen Ziele erwachsen.

https://de.wikipedia.org/wiki/European_Round_Table
https://www.youtube.com/watch?v=3lHVcvJdWIs Die Anstalt ca. ab Minute 7 zu den Anfängen der EU und den Einflüssen... ;)
Benutzeravatar
Senexx
Beiträge: 6719
Registriert: Di 25. Apr 2017, 08:21
Benutzertitel: Catalunya nou Estat d'Europa

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Senexx » Do 31. Mai 2018, 12:39

Everythingchanges hat geschrieben:(31 May 2018, 12:23)
Der angeblich fähigste Finanzminister war nicht in der Lage diesen Verlauf zu verhindern.

Schäuble war immer fehl am Platz. Er ist ohne Sachverstand.

Von Ausbildung ist er Jurist. Juristen sind als Finanzminister völlig ungeeignet.

Zudem hat er seine Karriere im Finanzamt begonnen. Ein kleinkarierter Finanzbeamter ist er immer geblieben.

Er hat die Chance mit den historisch niedrigen Zinsen völlig verspielt.
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
Benutzeravatar
Eiskalt
Beiträge: 1969
Registriert: Mi 2. Dez 2009, 11:05
Benutzertitel: Der Staat bin ich

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Eiskalt » Do 31. Mai 2018, 13:05

Everythingchanges hat geschrieben:(31 May 2018, 12:40)

Glaubst du denn, dass das politische Entscheidungen waren?
Die gesamte EU ist als Projekt ein feuchter Traum der Wirtschaft und genau der Einfluss dieser Kräfte ist auch maßgeblich für den heutigen Zustand verantwortlich.
Der EU fehlt es an Weitblick.
Das gilt sowohl für die Wirtschaftskapitäne und Lobbys als auch für die Politik.

Die Politik hätte NIE eine Politik gegen die Interessen der Wirtschaft etablieren können.
Schau dir die 4 Grundfreiheiten an. Das sind vor allem die Forderungen derer, die man in Wirtschaftsnähe verorten kann.
Heute werden just die Konflikte auf Sicht geflickt, die aus den Widersprüchen der großen Ziele erwachsen.

https://de.wikipedia.org/wiki/European_Round_Table
https://www.youtube.com/watch?v=3lHVcvJdWIs Die Anstalt ca. ab Minute 7 zu den Anfängen der EU und den Einflüssen... ;)


Und dennoch wurde von fachlicher Seite der EU vorher gewarnt das Griechenland nicht bereit ist, dennoch wurde das weggewischt u.a. von Schröder,
weil es politisch gewollt war.
Den Schlamassel sieht man ja.
Also was ich sagte stimmt schon das man ökonomische Gesetze nicht einfach übergehen kann, was aber die Politik gerne macht.

Siehe Venezuela der Sozialismus des 21. Jahrhunderts....
Nichts zu fressen haben die Leute dort, die Produktivität der Staatsbetriebe ist drastisch gefallen.
Selbst Scheisspapier wird zu einem begehrten Gut.
Aber es passiert nichts.
Memento mori
-Römisches Sprichwort
Benutzeravatar
Orbiter1
Beiträge: 2102
Registriert: Fr 23. Feb 2018, 13:25

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Orbiter1 » Do 31. Mai 2018, 18:33

Orbiter1 hat geschrieben:(30 May 2018, 16:24)

Das Kasperletheater in Italien ist ja noch unterhaltsamer als das Kasperletheater in Katalonien.

"Im Streit über die Regierungsbildung in Italien hat der vom Präsidenten bestimmte Chef einer möglichen Expertenregierung, Carlo Cottarelli, neue Optionen angedeutet. Nach einem weiteren Treffen mit Staatspräsident Sergio Mattarella erwähnte der einstige IWF-Ökonom in einer Mitteilung statt einer Expertenregierung die "Geburt einer politischen Regierung" auf Grundlage des Ergebnisses der Parlamentswahl Anfang März. Das könnte einen erneuten Anlauf der rechtsextremen Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung bedeuten. ... Inzwischen ist Di Maio offen für Kompromisse. "Wir sind bereit, unsere Position zu überdenken. Wenn wir etwas falsch gemacht haben, sagen wir es." Sogleich verbreitete sich die Spekulation, dass Di Maio und Lega-Chef Salvini doch noch ihre "Regierung des Wandels" angehen und dabei Mattarella entgegenkommen. Das würde bedeuten, einen anderen Kandidaten für das Amt des Wirtschaftsministers vorzuschlagen." Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/201 ... ngsbildung
Nöchster Akt im italienischen Kasperletheater. Offenbar sind sich die Lega und M5S erneut einig geworden eine Regierung zu bilden. Mal sehen wen sie dieses mal als Ministerpräsident und als Finanzminister aussuchen und was Mattarella von den Leuten hält.
Benutzeravatar
Senexx
Beiträge: 6719
Registriert: Di 25. Apr 2017, 08:21
Benutzertitel: Catalunya nou Estat d'Europa

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Senexx » Do 31. Mai 2018, 20:09

Conte und Tria.
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
Benutzeravatar
yogi61
Moderator
Beiträge: 49180
Registriert: So 1. Jun 2008, 10:00
Benutzertitel: Heimatminister
Wohnort: Bierstadt von Welt

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon yogi61 » Do 31. Mai 2018, 21:04

Italien bekommt jetzt doch eine neue Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega.
Two unique places, one heart
https://www.youtube.com/watch?v=Ca9jtQhnjek
Benutzeravatar
frems
Beiträge: 43875
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 13:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon frems » Fr 1. Jun 2018, 07:50

yogi61 hat geschrieben:(31 May 2018, 22:04)

Italien bekommt jetzt doch eine neue Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega.

Das würde ich erst einmal abwarten.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
Benutzeravatar
Senexx
Beiträge: 6719
Registriert: Di 25. Apr 2017, 08:21
Benutzertitel: Catalunya nou Estat d'Europa

Re: Parlamentswahlen in Italien 2018

Beitragvon Senexx » Fr 1. Jun 2018, 08:04

Matterella hat den Schwanz eingezogen und die Vereidigung für 16 Uhr angesetzt.
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.

Zurück zu „31. EU - EFTA“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: schokoschendrezki und 1 Gast