Europa wird deutlich muslimischer

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odiug
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon odiug » Mi 6. Dez 2017, 21:34

Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Dec 2017, 17:01)

Ersten lobe ich das Video nicht "über den grünen Klee", das ist einfach nur unsinniger ad hominem Kram, ich halte das Video auch nicht für der Weisheit letzter Schluss, aber es werden einige Dinge gesagt, die ich für richtig halte. Und zweitens sollte schon ein bisschen Auseinandersetzung mit den Aussagen kommen als einfach nur zu behaupten, das Video sei falsch, das ist sonst doch sehr mager.


Von welcher Aufklärung redest du da? Meinen wir das gleiche Zeitalter?


Gute Frage ... konventionell würde man diese mit dem Beginn der Neuzeit ansetzten ... also Ende des 14then Jahrhunderts mit der Frührenaissance finden wir die ersten Anzeichen eines Paradigmenwechsels in Kunst, Wissenschaft und Philosophie.
Und wenn die Aufklärung was taugt, dann sind wir noch mitten drin :p
Man kann aber auch weiter zurück gehen bis in die Frühantike mit dem Aufkommen der schriftlichen Überlieferung von Wissen und Erfahrungen.
Quelle? Aber selbst wenn es so wäre, dann können wir froh und glücklich sein, ich persönlich hätte wenig Lust, in einem religiösen Regime zu leben.
Na ja ... also in der Spätantike, der Völkerwanderung und dem Frühmittelalter waren es die Geistlichen, die sich in Klöster organisierten, die die Wissensvermittlung und Wissenskonservierung in Europa übernahmen und damit die Grundlage für das, was wir heute als Aufklärung betrachten, erarbeiteten.
Das, was populärwissenschaftlich als Aufklärung beschrieben wird, also das Ende des 17ten und das 18te Jahrhundert zeichnet sich durch zwie Entwicklungen aus: erstens die schon oben beschriebene Demokratisierung von Wissen und Wissenserzeugung und zweitens, der Systematisierung von Wissen und Wissenserzeugung und damit auch der Unterscheidung von Wissen und Glauben.


Das stimmt nur teilweise, weil die Aufklärung für Religionsfreiheit gesorgt hat. Einer der Kernpunkte der Aufklärung, die Vernunft, sowie die Hinwendung zu den Naturwissenschaften und der Bildung, steht dem übersinnlichen Aspekt der Religion mMn. diametral gegenüber.
Religionsfreiheit ist eine Frage der politischen Moral. Moral lässt sich aber nicht aus der Vernunft ableiten ... im Gegenteil, oft genug ist die Moral der diametrale Gegensatz zur Vernunft ... leider mag man sagen :(

Besonders die Wüsten-Monotheismen haben den Anspruch, die einzig wahre Religion zu sein und den einzig echten Gott anzubeten, von Vernunft und Toleranz ist da nicht viel zu sehen, das kann man in den "heiligen" Schriften und den Geschichtsbüchern nachlesen bzw. heutzutage noch hautnah erfahren.
Wenn man an einen einzigen Gott glaubt, dann kann es nur der echte sein ... oder :?:
Und man kann den Glauben an einen einzigen Gott machtpolitisch sehr wohl mit der Vernunft begründen. Ein Gott, ein Reich, ein König ist ein sehr vernünftiges Konzept für einen universalen Machtanspruch eines, sagen wir mal fränkischen Herrschers, der die sächsischen Stämme unter seine Knute zwingen will.

Hat die Aufklärung den Anspruch auf absolute Gültigkeit? Sehe ich nicht so, selbst im säkularen Frankreich wurden Religionen nie verbannt, das kam dann erst mit dem real existierenden Sozialismus.

---

Die Aufklärung hat einen totalitären Anspruch auf die Wirklichkeit und darin auch einen absoluten Anspruch auf Gültigkeit ... ansonsten macht sie keinen Sinn und ihre Wissensproduktion wäre nutzlos.
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Misterfritz » Mi 6. Dez 2017, 21:44

odiug hat geschrieben:(06 Dec 2017, 21:34)
Die Aufklärung hat einen totalitären Anspruch auf die Wirklichkeit und darin auch einen absoluten Anspruch auf Gültigkeit ... ansonsten macht sie keinen Sinn.
Öhem, das wurde ich nicht so sehen.
Aufklärung ist ja kein Prozess, der einmal durchgeführt wurde und dann am Ende ist.
Jeder Wissenzuwachs ist immer auch wieder Aufklärung, ob das den Mächtigen gefällt oder nicht. Gerade heutzutage lässt sich Wissenszuwachs nicht verhindern (ok, es wird auch viel Humbug verbreitet - aber da stehen Religionen nun in nichts nach :D ).
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon odiug » Mi 6. Dez 2017, 21:56

Misterfritz hat geschrieben:(06 Dec 2017, 21:44)

Öhem, das wurde ich nicht so sehen.
Aufklärung ist ja kein Prozess, der einmal durchgeführt wurde und dann am Ende ist.
Jeder Wissenzuwachs ist immer auch wieder Aufklärung, ob das den Mächtigen gefällt oder nicht. Gerade heutzutage lässt sich Wissenszuwachs nicht verhindern (ok, es wird auch viel Humbug verbreitet - aber da stehen Religionen nun in nichts nach :D ).

Aber was ist Wissen überhaupt :?:
Das erklärt sich ja nur über die Sytematisierung von Wissenserzeugung, also den Regeln, den der Wissenschaftliche Betrieb unterliegt ... und diese Regeln sind, solange sie gelten und nicht widerlegt sind, totalitär.
Entweder das Wissen hält ihnen Stand und es wird in den Kanon der Wissenschaften aufgenommen, oder es hält ihnen nicht stand, dann ist es Humbug, Aberglaube oder eine Verschwörungstheorie.
Aber wir sind jetzt sowas von off topic, daß ich fürchte, wir schreddern den Strang ... also zurück zum Muselmann :p
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Tom Bombadil » Do 7. Dez 2017, 00:30

think twice hat geschrieben:(06 Dec 2017, 21:27)

Anständige Menschen verspotten grundsätzlich niemanden.

Also sind alle Kabarettisten, Comedians und jeder, der einen Witz zu Lasten eines anderen erzählt, unanständige Menschen? Was ist mit Hohn und Spott, der auch hierzuforen über die AfD ausgeschüttet wird? Kommt das alles von unanständigen Menschen?
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Tom Bombadil » Do 7. Dez 2017, 00:46

odiug hat geschrieben:(06 Dec 2017, 21:34)

Na ja ... also in der Spätantike, der Völkerwanderung und dem Frühmittelalter waren es die Geistlichen, die sich in Klöster organisierten, die die Wissensvermittlung und Wissenskonservierung in Europa übernahmen...
Sie waren aber auch mit dafür verantwortlich, dass das Mittelalter als finster angesehen wird. Die alten Römer und Griechen waren da schon weiter.
Religionsfreiheit ist eine Frage der politischen Moral.
Die politische Moral in Gesetzesform gegossen wurde aber erst durch die Aufklärung, die der Religion viel Macht nahm, ermöglicht.
Und man kann den Glauben an einen einzigen Gott machtpolitisch sehr wohl mit der Vernunft begründen.
Ja, machtpolitisch kann man das mit Vernunft begründen, es geht aber nicht um die Begründung, warum Religionen als Herrschaftsinstrument genutzt werden, sondern um das spirituelle, metaphysische, okkulte Wesen der Religion, das sich mit Vernunft nicht begründen lässt.
Die Aufklärung hat einen totalitären Anspruch auf die Wirklichkeit und darin auch einen absoluten Anspruch auf Gültigkeit ... ansonsten macht sie keinen Sinn und ihre Wissensproduktion wäre nutzlos.
Ich halte diese Schlussfolgerung - wohl basierend auf Adorno/Horkheimer - für nicht zutreffend. Warum? Weil auch aufgeklärte Menschen zu irrationalen Handlungen und Entscheidungen neigen.
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon odiug » Do 7. Dez 2017, 09:12

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Dec 2017, 00:46)

Sie waren aber auch mit dafür verantwortlich, dass das Mittelalter als finster angesehen wird. Die alten Römer und Griechen waren da schon weiter.Die politische Moral in Gesetzesform gegossen wurde aber erst durch die Aufklärung, die der Religion viel Macht nahm, ermöglicht.Ja, machtpolitisch kann man das mit Vernunft begründen, es geht aber nicht um die Begründung, warum Religionen als Herrschaftsinstrument genutzt werden, sondern um das spirituelle, metaphysische, okkulte Wesen der Religion, das sich mit Vernunft nicht begründen lässt.Ich halte diese Schlussfolgerung - wohl basierend auf Adorno/Horkheimer - für nicht zutreffend. Warum? Weil auch aufgeklärte Menschen zu irrationalen Handlungen und Entscheidungen neigen.

Nein ... erstens war das Mittelalter nicht finster und wenn es doch seine Schattenseiten hatte, so war es meist der Adel, der dafür verantwortlich war.
Wusstest du, daß das Münster in Münster wahrscheinlich knalle bunt bemalt war ... die ganze Kirche ... Das Mittelalter war weder finster noch grau.
Schau dir mal gothische Malerei an ... gibt es in Augsburg im Schätzlerpalais wunderbare Beispiele von Holbein dem Älteren ... lohnt sich :thumbup:
Die schlimmsten Hexenverfolgungen fanden in der Neuzeit statt, also im Umbruch, wie auch die schrecklichsten Epidemien und Religionskriege in der beginnenden Neuzeit wüteten und nicht im Mittelalter.
Das mit den Gesetzen, dem Untergang des römischen Reichs und schreckliche Zusammenbruch der Zivilisation mit dem Einfall der Barbaren ist so eine Sache, die man auch mal genauer betrachten muß.
Unter den Barbaren gab es keine Sklaven und die Gladiatorenkämpfe waren auch Geschichte mit dem Untergang Roms.
Die Rechtsauffassung der sogenannten Barbaren war eine völlig andere. Sie beruhte nicht auf Strafe, sonder Wiedergutmachung, die in der Gemeinschaft beraten wurde ... dem sogenannten Thing. Das macht in kleineren Stammesgesellschaften auch Sinn und ist durchaus vernünftig.
Was die Kelten betrifft, so waren diese auf einem sehr hohen zivilisatorischen und technischen Niveau ... nur deren Geschichte ging mit Ceasars Gallienfeldzug unter.
Die Römer rotteten gut ein Viertel der Bevölkerung in Gaul aus :eek:
Aber sie bauten schöne Straßen ... man könnte bei den Römern auch" Autobahn" sagen :p
Nochmals zum ach so schrecklichen Mittelalter ... die Idee, Bauwerke über Generationen zu bauen, die großen Kathedralen, finde ich faszinierend ... man kann das heute kaum noch nachvollziehen, wenn man diese Bauwerke betrachtet.
Der Glauben ist zu hohen, zivilisatorischen Leistungen fähig und kann dabei auf Sklaven völlig verzichten.
Das erinnert ein wenig an den Flughafen Berlin ... aber doch nicht wirklich :D
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Tom Bombadil » Do 7. Dez 2017, 11:48

odiug hat geschrieben:(07 Dec 2017, 09:12)
Nein ... erstens war das Mittelalter nicht finster und wenn es doch seine Schattenseiten hatte, so war es meist der Adel, der dafür verantwortlich war.
Der Klerus war ein privilegierter Stand (Erster Stand) und dem Adel (Zweiter Stand) in weiten Bereichen gleichgestellt, teilweise auch übergeordnet (siehe Konflikt König/Kaiser Papst, Investiturstreit) man war Großgrundbesitzer, trieb den Zehnten ein, war Lehnsherr und Herr über ein Heer von Leibeigenen, die meisten höherrangigen "Geistlichen" stammten aus dem Adel. Für die Angehörigen des Dritten Standes und die Leibeigenen (also für die weit überwiegende Masse der Menschen) war das Mittelalter sehr finster, sie waren weitgehend rechtlos und ungebildet. Die Situation für Nichtadlige besserte sich erst mit dem Aufkommen von Freien Städten ("Stadtluft macht frei") und mit Abstrichen auch Reichsstädten.
Die schlimmsten Hexenverfolgungen...
Und was ist mit der Verfolgung, Vertreibung und Hinrichtung von Ketzern? Zigtausende (wenn nicht noch mehr) Katharer und Waldenser (und viele andere Gruppierungen) wurden ermordet und ausgerottet. Alles im Namen des einen gerechten und gütigen Gottes. Von den Angriffskriegen, genannt Kreuzzüge, gegen andere Christen und Muslime wollen wir da gar nicht erst reden.
Unter den Barbaren gab es keine Sklaven...
Welches Volk ist damit gemeint? Weil du den Thing ansprichst, scheinst du damit eher germanische Völker zu meinen, dort war Sklaverei und Sklavenhandel aber Gang und Gäbe, die Sklavenhaltung ging mit Ausbreitung der Kirche zurück, weil ein Christ kein Sklave sein durfte, dafür aber Leibeigener.
Der Glauben ist zu hohen, zivilisatorischen Leistungen fähig und kann dabei auf Sklaven völlig verzichten.
Leibeigenschaft ist auch nicht viel besser als Sklaverei... Für die Arbeit hatte die Kirche ja zusätzlich noch ihre Gläubigen, denen man mit Feiertags-/Sonntagsarbeit und Ablassbriefen auch noch die letzte Muskelkraft aus den Rippen und den letzten Pfennig aus der Geldbörse leiern konnte. Alles "freiwillig", wer nicht mitmachen will, der schmort nur ewiglich in der Hölle. Das macht ein buntbemalter Tempel natürlich wett. Nicht.
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon odiug » Do 7. Dez 2017, 13:27

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Dec 2017, 11:48)

Der Klerus war ein privilegierter Stand (Erster Stand) und dem Adel (Zweiter Stand) in weiten Bereichen gleichgestellt, teilweise auch übergeordnet (siehe Konflikt König/Kaiser Papst, Investiturstreit) man war Großgrundbesitzer, trieb den Zehnten ein, war Lehnsherr und Herr über ein Heer von Leibeigenen, die meisten höherrangigen "Geistlichen" stammten aus dem Adel. Für die Angehörigen des Dritten Standes und die Leibeigenen (also für die weit überwiegende Masse der Menschen) war das Mittelalter sehr finster, sie waren weitgehend rechtlos und ungebildet. Die Situation für Nichtadlige besserte sich erst mit dem Aufkommen von Freien Städten ("Stadtluft macht frei") und mit Abstrichen auch Reichsstädten.Und was ist mit der Verfolgung, Vertreibung und Hinrichtung von Ketzern? Zigtausende (wenn nicht noch mehr) Katharer und Waldenser (und viele andere Gruppierungen) wurden ermordet und ausgerottet. Alles im Namen des einen gerechten und gütigen Gottes. Von den Angriffskriegen, genannt Kreuzzüge, gegen andere Christen und Muslime wollen wir da gar nicht erst reden.Welches Volk ist damit gemeint? Weil du den Thing ansprichst, scheinst du damit eher germanische Völker zu meinen, dort war Sklaverei und Sklavenhandel aber Gang und Gäbe, die Sklavenhaltung ging mit Ausbreitung der Kirche zurück, weil ein Christ kein Sklave sein durfte, dafür aber Leibeigener.Leibeigenschaft ist auch nicht viel besser als Sklaverei... Für die Arbeit hatte die Kirche ja zusätzlich noch ihre Gläubigen, denen man mit Feiertags-/Sonntagsarbeit und Ablassbriefen auch noch die letzte Muskelkraft aus den Rippen und den letzten Pfennig aus der Geldbörse leiern konnte. Alles "freiwillig", wer nicht mitmachen will, der schmort nur ewiglich in der Hölle. Das macht ein buntbemalter Tempel natürlich wett. Nicht.

Also was den Sklavenhandel betrifft, so muß man sagen, daß die zB Wikinger sich am Sklavenhandel beteiligten, aber ihre Gesellschaft war nicht darauf aufgebaut ... ähnliches galt wahrscheinlich auch für die germanischen Stämme ... sie taten es, weil es einen Markt dafür gab außerhalb ihrer Gesellschaft.
Ketzer ist auch eher eine Sache der Neuzeit wie auch die spanische Inquisition ... keine Sache des Mittelalters.
Wenn, dann könnte man vielleicht die Kreuzzüge dem eigentlichen Mittelalter anlasten ... ist aber auch interessant zu wissen, daß das ursprünglich keine Sache des fanatischen Glaubens war, sondern eine politische Notwendigkeit um den Frieden innerhalb Europas zu gewährleisten.
Es gab einen Bevölkerungsüberschuß und vor allem, nachdem ist die politischen Strukturen in Europa gefestigt hatten mit der Etablierung stabiler Königreiche einen Überschuß an Rittersöhnen, die raubend und mordend über die Lande zogen, da das damalige Erbrecht den zweit, dritt oder überhaupt spätgeborenen keinerlei Zukunft bot.
Die mussten beschäftigt werden und da bot der böse Muselmann sich halt an.
Es ist schon richtig ... das Leben im Mittelalter war sicherlich aus heutiger Sicht kein Zuckerschlecken ... aber die Menschen damals waren weder dümmer, noch ignoranter oder unglücklicher als heute.
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Tom Bombadil » Do 7. Dez 2017, 14:14

odiug hat geschrieben:(07 Dec 2017, 13:27)

Ketzer ist auch eher eine Sache der Neuzeit wie auch die spanische Inquisition ... keine Sache des Mittelalters.

Das ist definitiv falsch, der Höhepunkt der Verfolgung der Katharer und Waldenser fand im 13. Jahrhundet statt.

Zu den anderen Ausführungen: sicherlich waren die Kreuzzüge nicht ausschließlich religiös motiviert, der Klerus war aber ein großer Anheizer, ein Anstifter, heute würde man sie als geistige Brandstifter titulieren, weil sie Hass auf Andersgläubige predigten, weil heiliger Boden heim ins christliche Reich geholt werden musst. Bezeichnend auch, dass die Kreuzzüge anfänglich als bewaffnete Pilger- oder Wallfahrt bezeichnet wurden. Deus lo vult. Krieg, Terror, Mord, Leid und Schrecken wurden mit dem Willen Gottes begründet und die gläubigen Schäflein glaubten es. Erinnert an heutige Zustände, es ist nur noch nicht ganz so schlimm, wobei die Kriege in Afghanistan und im Irak schon schlimm genug waren. Gegen das IS-Kalifat musste dann Russland in den Kreuzzug ziehen, wenn auch nicht aus religiösen Motiven.

Es ist schon richtig ... das Leben im Mittelalter war sicherlich aus heutiger Sicht kein Zuckerschlecken ... aber die Menschen damals waren weder dümmer, noch ignoranter oder unglücklicher als heute.

Es hat niemand behauptet, dass die damaligen Menschen dümmer oder ignoranter waren. Glücklich sein ist auch immer die Perspektive des Standorts. Ein primitives Naturvolk im Amazonasgebiet wird sich trotz haarsträubender Kindersterblichkeit und grassierender Epidemien nicht als unglücklich ansehen. Sie kennen es ja nicht anders.
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon odiug » Do 7. Dez 2017, 17:29

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Dec 2017, 14:14)

Das ist definitiv falsch, der Höhepunkt der Verfolgung der Katharer und Waldenser fand im 13. Jahrhundet statt.

Zu den anderen Ausführungen: sicherlich waren die Kreuzzüge nicht ausschließlich religiös motiviert, der Klerus war aber ein großer Anheizer, ein Anstifter, heute würde man sie als geistige Brandstifter titulieren, weil sie Hass auf Andersgläubige predigten, weil heiliger Boden heim ins christliche Reich geholt werden musst. Bezeichnend auch, dass die Kreuzzüge anfänglich als bewaffnete Pilger- oder Wallfahrt bezeichnet wurden. Deus lo vult. Krieg, Terror, Mord, Leid und Schrecken wurden mit dem Willen Gottes begründet und die gläubigen Schäflein glaubten es. Erinnert an heutige Zustände, es ist nur noch nicht ganz so schlimm, wobei die Kriege in Afghanistan und im Irak schon schlimm genug waren. Gegen das IS-Kalifat musste dann Russland in den Kreuzzug ziehen, wenn auch nicht aus religiösen Motiven.

Es hat niemand behauptet, dass die damaligen Menschen dümmer oder ignoranter waren. Glücklich sein ist auch immer die Perspektive des Standorts. Ein primitives Naturvolk im Amazonasgebiet wird sich trotz haarsträubender Kindersterblichkeit und grassierender Epidemien nicht als unglücklich ansehen. Sie kennen es ja nicht anders.



Die Verfolgung der Katharer und Waldenser war zwar auch ein Kreuzzug ... aber man kann das auch als Ketzerverfolgung sehen und bezeichnen ... auf jeden Fall ging es um Ungläubige.
Schau her ... ich bin der letzte, der sich zur Verteidigung der Kirche berufen fühlt ... und ich gebe dir ja im Prinzip auch recht ... nur habe ich was gegen die pauschale Verteufelung des Mittelalters.
Und nein ... ich will da nicht leben müssen, vor allem weil ich nächste Woche zum Zahnarzt muß :eek: und ich genieße auch Zentralheitzung und sonstige Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation, nur denke ich, die Menschen im Mittelalter waren nicht dümmer als wir und wussten auch gut zu leben ... in manchen Bereichen, zumindest wenn es der eigene Stand erlaubte, waren sie auch viel freier als wir heute.
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon ThorsHamar » Do 7. Dez 2017, 18:34

think twice hat geschrieben:(06 Dec 2017, 21:27)

Anständige Menschen verspotten grundsätzlich niemanden.


:p Ein netter Irrtum und Selbstschuss, mal wieder ....
Wusstest Du, dass politisches Kabarett LINKS war und ist?
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Nomen Nescio » Do 7. Dez 2017, 22:20

think twice hat geschrieben:(06 Dec 2017, 21:27)

Anständige Menschen verspotten grundsätzlich niemanden.

sorry, aber da liegst du falsch. wenn man zum kabarett geht, dann weiß man daß dort sachen die nicht taugen lächerlich gemacht werden.
nicht taugen kann viel umfassend sein: große und grobe politische böcke; aber auch einfache fehler; situationen zum lachen; na ja, du bedenkst was und ohne zweifel kann einen kabarettisten wohl was finden.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon H2O » Fr 8. Dez 2017, 16:29

think twice hat geschrieben:(06 Dec 2017, 21:27)

Anständige Menschen verspotten grundsätzlich niemanden.


Damit liegen Sie auf der Linie, die schon in Jahrtausende alten Psalmen (Psalm 1:1) vorgetragen wird:

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Pfad der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen.

Ich meine allerdings, daß mit Spott gotteslästerliche Reden gemeint sind. Aber ein Theologe wird das besser wissen!
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 8. Dez 2017, 20:49

H2O hat geschrieben:(08 Dec 2017, 16:29)

Damit liegen Sie auf der Linie, die schon in Jahrtausende alten Psalmen (Psalm 1:1) vorgetragen wird:

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Pfad der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen.

Ich meine allerdings, daß mit Spott gotteslästerliche Reden gemeint sind. Aber ein Theologe wird das besser wissen!

auch im AT findet man stellen die »heiter« sind: abram der seinen sohn opfern muß; hiob der alles verliert.
und vor allem das paradies und die schlange.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 8. Dez 2017, 20:57

think twice hat geschrieben:(06 Dec 2017, 21:27)

Anständige Menschen verspotten grundsätzlich niemanden.

m.e. soll das kriterium sein »war es als schadenfreude gemeint« ? wenn nein, dann muß es können.
die schönsten judenwitze hörte ich von einem jüdischen witzenerzähler. der machte davon nach WK II seinen beruf (max tailleur).
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Keoma » Fr 8. Dez 2017, 21:21

Nomen Nescio hat geschrieben:(08 Dec 2017, 20:57)

m.e. soll das kriterium sein »war es als schadenfreude gemeint« ? wenn nein, dann muß es können.
die schönsten judenwitze hörte ich von einem jüdischen witzenerzähler. der machte davon nach WK II seinen beruf (max tailleur).

Der beste Erzähler jüdischer Witze, den ich kenne, ist der ehemalige Oberrabbiner von Wien.
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 8. Dez 2017, 22:13

Nomen Nescio hat geschrieben:(07 Dec 2017, 22:20)

sorry, aber da liegst du falsch. wenn man zum kabarett geht, dann weiß man daß dort sachen die nicht taugen lächerlich gemacht werden.
nicht taugen kann viel umfassend sein: große und grobe politische böcke; aber auch einfache fehler; situationen zum lachen; na ja, du bedenkst was und ohne zweifel kann einen kabarettisten wohl was finden.

Meistens ist es bloß das Vorurteil der oft geistig stehengebliebenen Zielgruppe. Die Fans von Urban Priol, Jan Böhmermann, Dieter Hildebrand & co dürften mehrheitlich die Uni zuletzt vor drei Jahrzehnten von innen gesehen haben, wenn überhaupt.
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Bielefeld09 » Fr 8. Dez 2017, 22:27

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(08 Dec 2017, 22:13)

Meistens ist es bloß das Vorurteil der oft geistig stehengebliebenen Zielgruppe. Die Fans von Urban Priol, Jan Böhmermann, Dieter Hildebrand & co dürften mehrheitlich die Uni zuletzt vor drei Jahrzehnten von innen gesehen haben, wenn überhaupt.

Na und?
Welche Fans streben dir denn so vor?
Müssen die erst noch geboren werden,
damit ein Schweigegelübde erfüllt wird?
Sorry Mods, es ist nie persönlich gemeint. Ihr habt immer recht. Sorry :( :p
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 8. Dez 2017, 22:43

Bielefeld09 hat geschrieben:(08 Dec 2017, 22:27)

Na und?
Welche Fans streben dir denn so vor?
Müssen die erst noch geboren werden,
damit ein Schweigegelübde erfüllt wird?

Ich halte nichts von Kabarett gleich jeder Ausprägung. Kabarett funktioniert wie der Ostfriesenwitz. Oder der Judenwitz. Man schluckt jedesmal die hässliche, rein ideologische Prämisse für einen an sich billigen Lacher und ein wenig Stallgeruch des Studienrat-Milieus und seiner spätgymnasialen Apologeten. Das ist Mario Barth für geistig verarmte. Wohingegen das Original nicht darauf baut, dass da früher mal was gewesen sein muss.

In der Tat ist der Spott eine schlechte Angewohnheit, denn er hilft schon nicht überzeugen, wo man es sonst könnte. Wo man von vornherein nicht unbestreitbar richtig liegt, wird er billige Selbstvergewisserung. Bestenfalls ist er unterhaltsam. So manchem ist die Sache nicht gut bekommen. Aber ihr seid ja fast alle Charlie. Das war jetzt die Überleitung zum Thema Islam. Europa wird muslimischer. Die Zeit des Kabarett-Spotts alter Machart ist vorbei.
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Re: Europa wird deutlich muslimischer

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 8. Dez 2017, 22:56

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(08 Dec 2017, 22:43)

Die Zeit des Kabarett-Spotts alter Machart ist vorbei.


Richtig. Die Figuren, und damit meine ich die Charaktere, die Kaberettisten auf die Bühne bringen, sind ins Denunziatorische abgeglitten. Das liegt nicht an der Dummheit der Vortragenden, sondern an der weltanschaulichen Ausrichtung ihrer Alter Egos. Schramms Ur-Dombrowski, bevor er den zum Gesellschaftskritker umfunktionierte, hatte Ansätze. Heute müsste ein Kaberettist einen Reaktionär vom Schlage eines de Maistre oder eines Gómez Dávila in die Moderne versetzen, um noch glaubhaft Gesellschaftskritik üben zu können. So sind Mario Barth oder Fips Asmussen die Originale und das Gros der Kabarettisten und ihrer Figuren tatsächlich nur ideologisierter Abklatsch.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)

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