Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Ger9374
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » Mi 1. Feb 2017, 09:52

H2O hat geschrieben:(01 Feb 2017, 09:46)

Das Volk wird zu jeder Europa-Wahl gefragt, im Abstand von 4 Jahren, damit auch noch zwischendurch etwas bearbeitet werden kann.Und vor dem ersten Male werden alle dazu gewillten Nationen eine Volksabstimmung machen. Mit 2/3 ihrer Stimmen sind sie dabei; ansonsten erst einmal Skepsis einüben bis die Einsicht sie erfaßt.

Vorhersagen haben immer den Makel, daß sie die Zukunft zu kennen glauben.



Guten Morgen H20!!

War das nicht alle 5 Jahre die E.U wahlen, oder habe ich wieder was verpasst;-);-)
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Feb 2017, 09:57

King Kong 2006 hat geschrieben:(31 Jan 2017, 20:24)
Ein Mann ohne Abitur, ohne Studium und mit einem Alkoholproblem, mit einem überlegten Auftreten gegen den Pöbeltypen und Businessmann Trump? Schulz, der Europa-Mann. Kann er im "mächtigsten" EU-Land, Deutschland, Schwung in die Bude bringen. Ich hoffe es. Zuletzt war ich recht EU-skeptisch. Bei Trump und Schulz bekomme ich wieder mehr Lust auf EU. Bei jedem auf seiner Weise. :D

Allerdings muß die EU dann auch anders werden. Unmittelbarer, transparenter. Und bei einigen Themen, innenpolitisch, wie supranational, muß mehr Kante gezeigt werden. Z.B. in Sachen Einwanderung und Leitkultur. So, wie bisher finde ich das sehr ärgerlich und desillusionierend. Da können einige ja nur auf die Idee eines Trump oder AfD kommen.

Tusk ist für mich die Überraschung des Tages. Schulz hat hoffentlich Potential. Wenn nicht im Kanzlerwahlkampf, denn im Sinne einer Lokomotive für eine neue EU. Nicht der, der zuletzt die Kohle ausgegangen ist und abschnauft.


Bei "Tusk und Schulz" meinst du sicher, oder? Trump hat die beiden - ich glaube Mitte Januar war das - auch schon mal verwechselt. Kam in mehreren Nachrichten. Zeigt aber auch, welche Bedeutung Trump der EU bzw. Kritik von Seiten der EU tatsächlich beimisst. Wenig.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 1. Feb 2017, 11:09

H2O hat geschrieben:(01 Feb 2017, 09:46)

Das Volk wird zu jeder Europa-Wahl gefragt, im Abstand von 4 Jahren, damit auch noch zwischendurch etwas bearbeitet werden kann.Und vor dem ersten Male werden alle dazu gewillten Nationen eine Volksabstimmung machen. Mit 2/3 ihrer Stimmen sind sie dabei; ansonsten erst einmal Skepsis einüben bis die Einsicht sie erfaßt.

Vorhersagen haben immer den Makel, daß sie die Zukunft zu kennen glauben.

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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 1. Feb 2017, 19:47

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Feb 2017, 09:57)

Bei "Tusk und Schulz" meinst du sicher, oder? Trump hat die beiden - ich glaube Mitte Januar war das - auch schon mal verwechselt. Kam in mehreren Nachrichten. Zeigt aber auch, welche Bedeutung Trump der EU bzw. Kritik von Seiten der EU tatsächlich beimisst. Wenig.


Nein, ich meinte tatsächlich Trump! Bei Trump bekomme ich wieder mehr Lust auf EU.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 1. Feb 2017, 20:54

Der potentielle US-Botschafter Malloch vergleicht schon mal die EU mit der UdSSR und befürwortet die sukzessive Auflösung der EU in seine Einzelteile. Natürlich um "fair" die schwächeren Einzelstaaten bei Deals überzeugen zu können.

Sollt er tatsächlich als EU-Botschafter in Frage kommen, wird überlegt ihn abzulehnen. Ein Prozedere, das sonst eher mal mit verdächtigen Drittweltstaaten vollzogen wird.

Möglich wäre eine Ablehnung Mallochs durchaus. Schlägt ein Staat einen neuen EU-Botschafter vor, müssen die Kommission und der Rat - letztlich also die Regierungen der Mitgliedstaaten - über den Vorschlag befinden, und das einstimmig. Damit, sagt ein Europaabgeordneter, habe SPD-Politiker Leinen den Ball seinem Parteifreund Sigmar Gabriel zugespielt. Der Außenminister habe es jetzt in der Hand, Malloch zu verhindern.

Üblicherweise passiert es allenfalls Drittwelt-Diktaturen, dass ihren Diplomaten die Akkreditierung verweigert wird. Rhetorisch aber scheinen sich die EU und die USA einem solchen Verhältnis anzunähern. "Die Werte und Interessen der EU müssen gegen die Angriffe von Trump und anderen Vertretern der Administration verteidigt werden", erklärt Leinen.

Ähnlich klingt Donald Tusk, der Präsident des Europäischen Rats: In einem offenen Brief an die EU-Staats- und Regierungschefs hatte er die Politik der US-Regierung als Bedrohung bezeichnet und in eine Reihe mit Russlands Aggressionen und dem Terror des "Islamischen Staats" gestellt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/d ... 32684.html


Im Osten arbeitet Putin ebenfalls weiter daran.

Putin trifft Orbán

Gebrüder Zwietracht

Eben noch Gegner, nun enge Verbündete - innerhalb kürzester Zeit treffen sich Russlands Präsident Putin und der ungarische Premier Orbán zum dritten Mal. Ihre Agenda: die EU schwächen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/w ... 32619.html


Also, wenn Trump im Westen und Putin im Osten der Überzeugung sind, daß die EU ein Problem darstellt und den beiden im Weg ist, kann man fast zur Überzeugung kommen, daß diese doch nicht so übel ist. ;)
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Europa2050 » Mi 1. Feb 2017, 21:05

King Kong 2006 hat geschrieben:(01 Feb 2017, 20:54)

Also, wenn Trump im Westen und Putin im Osten der Überzeugung sind, daß die EU ein Problem darstellt und den beiden im Weg ist, kann man fast zur Überzeugung kommen, daß diese doch nicht so übel ist. ;)


Meine Rede. Oder auf bayerisch:
Hoits zam!
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Feb 2017, 23:08

King Kong 2006 hat geschrieben:(01 Feb 2017, 19:47)

Nein, ich meinte tatsächlich Trump! Bei Trump bekomme ich wieder mehr Lust auf EU.

Ja, o.k., schon verstanden. Wenn ichs auch nicht ganz nachvollziehen kann.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 1. Feb 2017, 23:31

King Kong 2006 hat geschrieben:(01 Feb 2017, 20:54)

Im Osten arbeitet Putin ebenfalls weiter daran.
Also, wenn Trump im Westen und Putin im Osten der Überzeugung sind, daß die EU ein Problem darstellt und den beiden im Weg ist, kann man fast zur Überzeugung kommen, daß diese doch nicht so übel ist. ;)

Die Überschrift in dem verwiesenen Spiegel-Artikel
Eben noch Gegner, nun enge Verbündete - innerhalb kürzester Zeit treffen sich Russlands Präsident Putin und der ungarische Premier Orbán zum dritten Mal. Ihre Agenda: die EU schwächen.

Trifft es nicht bzw. widerspricht dem Text des eigenen Artikels:
Spiegel hat geschrieben:Für Putin ist es wichtig, dass er vorführen kann, wie gespalten die EU in der Sanktionsfrage ist, während Orbán seinerseits zeigen möchte, dass Russland Ungarn stark unterstützt und man sich dafür unter den neuen internationalen Gegebenheiten, also nach der Wahl Trumps, nicht mehr schämen muss", umreißt der Politologe Péter Krekó vom Budapester Institut Political Capital die Bedeutung des Orbán-Putin-Treffens.

Noch mal rekapitulieren:
a) "Spalten" bedeutet nicht "schwächen" sondern ist lediglich eine Strategie, selbst eine führende Rolle zu übernehmen.
b) Eben noch gab es bemerkenswerte Offensiven zur Reaktivierung der sogenannten Visegrád-Staaten mit Ungarn und Polen als Hauptachse und Orbán und Kaczynski als Brüder und Verbündete im Geiste
Was folgt aus beidem? Etwas, das ich seit langem zwar für möglich aber dennoch für sehr sehr unwahrscheinlich hielt: Eine strategische Partnerschaft - nicht Freundschaft! - der politisch eigentlich ohnehin zusammengehörigen rechtskonservativ-nationalistischen Visegrád-Staaten mit dem rechtskonservativ-nationalistischen Russland. Nicht einmal der Flugzeugabschuss durch die Türkei und die NATO-Mtigliedschaft der Türkei haben eine strategische Partnerschaft der rechtskonservativ-nationalistischen Staaten Türkei und Russland verunmöglicht. Und selbst das rechtskonservativ-nationalistische Baltikum und die rechtskonservativ-nationalistische Ukraine sind potenziell und mittelfristig strategische Partner der genannten Staaten. Und das neue rechtskonservativ-nationalistische Amerika ohnehin.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 2. Feb 2017, 07:48

Politisch interessant im Zusammnhang mit dem Thema Putin-Orbán-Treffen sind natürlich die Reaktionen in Polen selbst. Die Gazeta Wyborcza geht in ihrem Hauptartikel vor allem auf die Kooperationsgespräche bezüglich einer Beteiligung Ungarns an den Projekten Nord Stream 2 und Turkish Stream ein. Der Autor sieht das Ganze (verständlicherweise) kritisch. Ich habe mich (leider) mit diesen sehr wichtigen Energiewirtschaftsthemen noch zu wenig beschätigt. Was spricht denn eigentlich prinzipiell dagegen, eine Einbeziehung Polens, der Ukraine und der baltischen Staaten nachträglich in Kooperation mit Russland herbeizuführen? Dass diese Staaten energiepolitisch autark werden/bleiben möchten?

Interessant bleibt es in jedem Fall. Orbán und Kaczynski sehen sich als Vorreiter einer neuen, noch mehr an den Nationalstaaten orientierten EU. Sie werden sich kaum entzweien. Orbáns Fidesz in Mitglied der großen konservativen EU-Parlamentsfraktion. Gleichzeitig kooperiert Orbán mit Putin. Wird an irgendeiner Stelle dieses Gesamgefüge Risse bekommen?
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » Do 2. Feb 2017, 08:19

Es wird so verkauft das es jedem dabei gelingt als Gewinner dazustehen. Wenn alle es geschickt angehen gibt es offiziell nur Gewinner . Realpolitik
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Do 2. Feb 2017, 10:21

Ger9374 hat geschrieben:(01 Feb 2017, 09:52)

Guten Morgen H20!!

War das nicht alle 5 Jahre die E.U wahlen, oder habe ich wieder was verpasst;-);-)


Meinetwegen auch diese Wahlperiode! :D Mir geht es darum, daß das Wahlvolk regelmäßig um seine Meinung zur geleisteten Arbeit des Parlaments befragt wird. Die außergewöhnliche Volksbefragung ist praktisch eine Schicksalsentscheidung, weil damit eine Staatsangehörigkeit erweitert wird von der Nation allein auf Bürger einer demokratischen Föderation oder eines demokratischen Bundesstaats.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Do 2. Feb 2017, 10:31

DarkLightbringer hat geschrieben:(01 Feb 2017, 11:09)

Eine Verständnisfrage: Wann ist das "erste Mal" ?
Meinetwegen gern am 27. März 2017. Oder am Europatag, wenn es den gibt. In der EU wissen die Menschen ziemlich genau, wie es um das europäische Projekt steht. Allzu viel Vorbereitung wäre für diese Schicksalswahlen nicht erforderlich. Je eher, desto besser!
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Do 2. Feb 2017, 10:50

schokoschendrezki hat geschrieben:(02 Feb 2017, 07:48)

Politisch interessant im Zusammnhang mit dem Thema Putin-Orbán-Treffen sind natürlich die Reaktionen in Polen selbst. Die Gazeta Wyborcza geht in ihrem Hauptartikel vor allem auf die Kooperationsgespräche bezüglich einer Beteiligung Ungarns an den Projekten Nord Stream 2 und Turkish Stream ein. Der Autor sieht das Ganze (verständlicherweise) kritisch. Ich habe mich (leider) mit diesen sehr wichtigen Energiewirtschaftsthemen noch zu wenig beschätigt. Was spricht denn eigentlich prinzipiell dagegen, eine Einbeziehung Polens, der Ukraine und der baltischen Staaten nachträglich in Kooperation mit Russland herbeizuführen? Dass diese Staaten energiepolitisch autark werden/bleiben möchten?

Interessant bleibt es in jedem Fall. Orbán und Kaczynski sehen sich als Vorreiter einer neuen, noch mehr an den Nationalstaaten orientierten EU. Sie werden sich kaum entzweien. Orbáns Fidesz in Mitglied der großen konservativen EU-Parlamentsfraktion. Gleichzeitig kooperiert Orbán mit Putin. Wird an irgendeiner Stelle dieses Gesamgefüge Risse bekommen?


Meine Sicht zur Energieversorgung:

Polen hoffte ähnlich wie die Ukraine auf Durchleitungsgelder für russische Gaslieferungen nach Westen. Das hat GAZPROM mit Unterstützung der Bundesregierung durch Nordstream 2 zu vermeiden versucht. Dann war der Gegenzug, politisch gut begründet, daß sich Europa nicht ein russisches Versorgungsmonopol an den Hals ziehen sollte. Also Aufbau des LNG-Hafens Warsow/Swinemünde für Flüssiggas aus aller Welt.

Tja, geschickt wäre es sicher, beide Ziele einvernehmlich zu verfolgen... also günstig über Nordstream 2 an russisches Gas zu gelangen, und das über einen gemeinsamen Knoten in Deutschland an alle östlichen Nachbarn zu verteilen. Dann sollte sich Deutschland an Warsow aktiv beteiligen und eine Leitung zum Verteilerknoten bauen, wo das Gas wie zuvor ebenfalls verteilt werden kann. Dann kann man mit den Gaslieferstaaten verhandeln und günstig einkaufen, langfristige Vertäge schließen, die sich gegen niemanden richten, aber Europa nützen.

Wenn's mit den Visegradskis ganz dicke kommen sollte, dann muß die EU insgesamt eine ganz andere europäische Lösung finden... so etwas wie Kerneuropa ohne diese Gruppe. Diese Entwicklung schwebt schon seit über 2 Jahren über der EU, seit Beginn des BREXIT-Geredes.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon DarkLightbringer » Do 2. Feb 2017, 11:10

Eine alternative Sicht zur Energieversorgung:

Unsere östliche Partner und Alliierten sehen sich durch Nordstream 2 in ihrer Sicherheit bedroht. Gazprom ist praktisch staatlich und ein Instrument des Putin-Regimes, unter anderem auch dafür, diverse Kriegsabenteuer zu finanzieren und Abhängigkeiten zu schaffen. Europa braucht mehr denn je die Energiediversifikation und die Energie-Union. Kein Blut für Gas.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 2. Feb 2017, 15:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Feb 2017, 23:31)

Die Überschrift in dem verwiesenen Spiegel-Artikel

Trifft es nicht bzw. widerspricht dem Text des eigenen Artikels:

Noch mal rekapitulieren:
a) "Spalten" bedeutet nicht "schwächen" sondern ist lediglich eine Strategie, selbst eine führende Rolle zu übernehmen.
b) Eben noch gab es bemerkenswerte Offensiven zur Reaktivierung der sogenannten Visegrád-Staaten mit Ungarn und Polen als Hauptachse und Orbán und Kaczynski als Brüder und Verbündete im Geiste
Was folgt aus beidem? Etwas, das ich seit langem zwar für möglich aber dennoch für sehr sehr unwahrscheinlich hielt: Eine strategische Partnerschaft - nicht Freundschaft! - der politisch eigentlich ohnehin zusammengehörigen rechtskonservativ-nationalistischen Visegrád-Staaten mit dem rechtskonservativ-nationalistischen Russland. Nicht einmal der Flugzeugabschuss durch die Türkei und die NATO-Mtigliedschaft der Türkei haben eine strategische Partnerschaft der rechtskonservativ-nationalistischen Staaten Türkei und Russland verunmöglicht. Und selbst das rechtskonservativ-nationalistische Baltikum und die rechtskonservativ-nationalistische Ukraine sind potenziell und mittelfristig strategische Partner der genannten Staaten. Und das neue rechtskonservativ-nationalistische Amerika ohnehin.


Eine Zusammenarbeit zwischen den Visegrád-Staaten und Russland ist nicht unrealistisch. Eine Menge Gründe sprechen für eine zweckgebundene Zusammenarbeit. Meine Meinung in mancherlei Hinsicht ist ohnehin "weniger ist manchmal mehr". Gute Kontakte zwischen Staaten ja, was aber nicht heißen muß, daß man eine WG oder Ehe eingehen muß. Das ist eine ganz andere Nummer. Nur, weil Firmen und Konzerne gute Geschäftspartner sind, muß eine Fusion nicht der Höhepunkt der Beziehung sein. Deshalb glaube ich auch, daß es mittel- wie langfristig eh eine Art Kerneuropa geben wird. Als EU. Diese kann eine ganz andere Dynamik entfalten, als so ein zusammengeklopptes Gefährt.

Zweifellos bleibt aber ein enges Bündnis zwischen den Staaten der größte Garant für ein friedliches Zusammenleben. Vielleicht reicht die NATO dafür aus, falls sich die EU mal zu einem Kerneuropa "gesundschrumpft"... Die NATO könnte der größere Überbau in sicherheitspolitischer Zusammenarbeit bleiben. Und der Kit zu den anglo-amerikanischen Staaten und "five eyes". Solange sie noch anglo-amerikanisch geprägt sind. ;)
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Do 2. Feb 2017, 22:21

DarkLightbringer hat geschrieben:(02 Feb 2017, 11:10)

Eine alternative Sicht zur Energieversorgung:

Unsere östliche Partner und Alliierten sehen sich durch Nordstream 2 in ihrer Sicherheit bedroht. Gazprom ist praktisch staatlich und ein Instrument des Putin-Regimes, unter anderem auch dafür, diverse Kriegsabenteuer zu finanzieren und Abhängigkeiten zu schaffen. Europa braucht mehr denn je die Energiediversifikation und die Energie-Union. Kein Blut für Gas.


Aus meiner Sicht benutzen unsere Partner das Thema "Sicherheit" zur Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Aber man sollte zweifellos zu gemeinsamem Handeln finden und die Vorteile der Märkte nutzen, anstatt sich einem übermächtigen Gasversorger aus zu liefern. Dieses Handeln richtet sich gegen niemanden, dient aber unseren europäischen Interessen.

Energiediversifikation ist ein großes Wort: Was steht denn zur Verfügung: Braunkohle, Kohle, Erdöl, Erdgas, Wasserkraft, Biogas, Windkraft, Sonnenstrahlung, Geothermie, Atomkraft. Hoffentlich habe ich noch einige Energiequellen vergessen, denn nach dem Ausstieg aus der Kernkraft und der Kohleverstromung bleibt in Europa nicht so sehr viel übrig außer Erdöl, Erdgas und regenerierbaren Energien. Aber Sie meinten vermutlich den gezielten Übergang zum globalen Einkauf von Energie, um unsere Nachfragemacht zu Preiszugeständnissen nutzen zu können und ein russisches Monopol zu verhindern. Dabei würde eine Energieunion sicher große wirtschaftliche Vorteile bieten:
Infrastruktur der Versorgungsleitungen vernetzen, Pufferspeicher anlegen, LNG-Terminals gemeinsam betreiben... Tankerflotte aufbauen...

Das muß man wohl nur wollen. Mir unbegreiflich, daß diese Energieunion nicht schon längst arbeitsfähig gemacht wurde mit dem Ziel, allmählich die vernetzte Infrastruktur zu schaffen.

Auch mit Blick auf erneuerbare Energien wäre die Energieunion ein Gewinn, um wetterbedingte Ausfälle der Stromversorgungen regional ausgleichen zu können. Was tut sich unser Land schon schwer, die Stromtrassen zu verlegen, damit offshore-Windenergie den gewonnenen Strom bis in den Süden leiten kann!
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » Fr 3. Feb 2017, 23:26

Heute hat Hollande sich für eine engere Zusammenarbeit der E.U Streitkräfte ausgesprochen, Merkel hat das relativiert,
Manchmal geht mir Mutti auf den Geist mit ihrer
übervorsicht.Wenigstens Richtung Alter Freunde
mal Notwendigkeiten ansprechen und etwas unterstützen. Die USA meinte ich damit im Moment aber nicht.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Sa 4. Feb 2017, 14:19

Ger9374 hat geschrieben:(03 Feb 2017, 23:26)

Heute hat Hollande sich für eine engere Zusammenarbeit der E.U Streitkräfte ausgesprochen, Merkel hat das relativiert,
Manchmal geht mir Mutti auf den Geist mit ihrer
übervorsicht.Wenigstens Richtung Alter Freunde
mal Notwendigkeiten ansprechen und etwas unterstützen. Die USA meinte ich damit im Moment aber nicht.


Dazu muß man wissen, was damit gemeint ist: Der industrielle Sektor, auf dem der französische Staat seit eh und je als Unternehmer auftritt. Dann sitzen Leute zusammen und verhandeln, die auf der einen Seite zwischen Ministerien und Unternehmen hin und her wechseln, und auf der anderen Seite Leute, die das Geld ihrer Investoren mehren sollen. Politik gegen Unternehmerverantwortung.

Mit einem Schlagwort ist da nichts bewirkt zum beiderseitigen Vorteil. Wenn Sie das erkannt haben, dann werden Sie Muttis Vorsicht und Zurückhaltung zu schätzen wissen.

Erst einmal muß ein gemeinsamer Plan auf Regierungsebnene aufgestellt werden und allseits Zustimmung finden. Und davon sollte nicht nur der industrielle Bereich, sondern auch die Führungsverantwortung und die gemeinsame Finanzierung erfaßt sein.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » So 5. Feb 2017, 09:28

Wahlsiege von Wilders und Le Pen bedeutet das Ende der EU und vielleicht der NATO.
Front National

Marine Le Pen plant Nato-Austritt

Marine Le Pen will im Falle eines Wahlsiegs ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft Frankreichs abhalten. Nun stellt die rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin auch die Nato-Mitgliedschaft infrage.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/f ... 33202.html


Auch, wenn es noch nicht soweit ist, aber wer hätte gedacht, daß so etwas in greifbare Nähe rückt? Man ist in Europa seit dem Ende des 2. Weltkrieges einfach an strategische Umwälzungen nicht mehr gewöhnt...
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Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » So 5. Feb 2017, 19:11

King Kong 2006 hat geschrieben:(05 Feb 2017, 09:28)

Wahlsiege von Wilders und Le Pen bedeutet das Ende der EU und vielleicht der NATO.


Auch, wenn es noch nicht soweit ist, aber wer hätte gedacht, daß so etwas in greifbare Nähe rückt? Man ist in Europa seit dem Ende des 2. Weltkrieges einfach an strategische Umwälzungen nicht mehr gewöhnt...



Die NATO,die E.U alles Eckpfeiler der westlichen
Welt.Ich bin diesen Institutionen zutiefst dankbar für das was sie möglich machten.
Im Frieden und relativer Sicherheit aufwachsen
zu können, kleinen Wohlstand erreichen zu können.Und trotzdem so manches kritisieren zu dürfen.So mancher mag glauben das wir auf Militärischen Schutz oder Wirtschaftlichen anständige Voraussetzungen nicht mehr so
angewiesen sind wie vor 60 Jahren. Aber
die Welt ist nicht friedlicher geworden, unser Wohlstand wird auch kritisch gesehen!!
Wenn wir diese Eckpfeiler NATO und E.U als zu selbstverständlich sehen besteht die Gefahr sie zu verlieren.Am Ende werden wir auch bereit sein müssen diese mit Worten und Taten zu verteidigen oder zu bewahren!!
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