Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 9. Mai 2018, 08:15

King Kong 2006 hat geschrieben:(09 May 2018, 08:52)

Mal sehen, ob Trump es schafft die Europäer abzuschneiden. So gesehen schafft Trump tatsächlich eher eine multipolare Welt mit mehreren Machtblöcken.
Die EU ist nach meinem Verständnis kein Machtblock. Das hat immer auch etwas mit militärischen Fähigkeiten zu tun. Wir haben es ja noch nicht einmal ohne US-Unterstützung geschafft die Bürgerkriege in Ex-Jugoslawien zu beenden. Und wir würden es auch nicht schaffen den Flüchtlingszustrom abzuwehren falls die Türkei aus dem Deal mit der EU aussteigt. Machtblock ist was anderes.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Wähler » Mi 9. Mai 2018, 14:17

http://www.sueddeutsche.de/politik/berl ... -1.3972647
SZ 8. Mai 2018 Berlin und Paris - Eine Medaille mit zwei Seiten
"Fortschritte scheint es hingegen bei den Gespräche zur Euro-Zonen-Reform zu geben. Während Macron seine ursprüngliche Idee eines eigenen Haushalts für die Euro-Zone ad acta gelegt hat, nähern sich Deutschland und Frankreich bei der Umgestaltung des Rettungsschirms in einen Währungsfonds und beim Thema Bankenunion vorsichtig an. Die Verhandlungen sind technisch, es geht um die "Investitionskapazität", um Regeln, Kontrolle der Parlamente und die Definition eines ökonomischen "Schocks", der Hilfe rechtfertigt."
Auch scheint Macron die Idee eines deutlich höheren EU-Budgets nicht länger zu verfolgen. Finanzminister Olaf Scholz hat klargemacht, dass es wie bisher ein Prozent des Brutto-Nationaleinkommens zu zahlen bereit ist. Das sind zehn Milliarden Euro mehr als bisher, aber für die gesamte EU. Die Idee einer Sonderstellung für die Euro-Zone scheint ebenfalls langsam einzuschlafen.

Eine kleine Lösung zeichnet sich ab.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 9. Mai 2018, 15:15

Trump eröffnet eine zweite Front gegen Europa.

Sanktionen gegen Iran

Trump eröffnet zweite Front gegen Europa

Erst der Streit um Strafzölle, jetzt Trumps Rückzug aus dem Iran-Atomabkommen: Die Beziehungen der USA zur EU verschlechtern sich zusehends. Es droht ein gefährlicher Handelskrieg.


Die EU arbeitet an Schutzmaßnahmen gegen Trumps Politik.

Die EU gibt sich entschlossen. "Wir arbeiten an Plänen, unsere Unternehmen zu schützen", sagte eine Sprecherin der EU-Kommission.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 07015.html
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 9. Mai 2018, 18:10

Macron hat der ARD ein Interview gegeben. Lief wie erwartet. Am Schluss läuft seine Vorstellung der EU auf eine Transferunion hinaus. Vermutlich reicht es ihm noch nicht einmal wenn Deutschland in Verbindung mit dem neuen EU-Haushalt jährlich netto 25 bis 30 Mrd € bezahlt. Für was? Für Nettoempfänger die keinen Bock haben Reformen durchzuführen oder sich an die vertraglich vereinbarten Regeln halten?
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon aleph » Mi 9. Mai 2018, 18:23

Orbiter1 hat geschrieben:(09 May 2018, 19:10)

Macron hat der ARD ein Interview gegeben. Lief wie erwartet. Am Schluss läuft seine Vorstellung der EU auf eine Transferunion hinaus. Vermutlich reicht es ihm noch nicht einmal wenn Deutschland in Verbindung mit dem neuen EU-Haushalt jährlich netto 25 bis 30 Mrd € bezahlt. Für was? Für Nettoempfänger die keinen Bock haben Reformen durchzuführen oder sich an die vertraglich vereinbarten Regeln halten?

angeblich soll Deutschland durch exporterlöse seiner Wirtschaft mehr Einnahmen erzielen, als es an die eu zahlt.

keine Ahnung, wie hoch die Erlöse ohne eu wären. die Problematik, die du ansprichst, ist ein allgegenwärtiges Problem, haben wir innerhalb Deutschlands auch mit ländertransfer und sozialtransfer. innerhalb der eu kann das mit Mitbestimmung gelöst werden, sprich ein Wirtschaftsministerium finanzministerium der eu, das nur Geld bei entsprechenden gegenleistungen zur Verfügung stellt.

wie sind denn deine Vorstellungen einer eu?
Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Bielefeld09 » Mi 9. Mai 2018, 18:30

Orbiter1 hat geschrieben:(09 May 2018, 19:10)

Macron hat der ARD ein Interview gegeben. Lief wie erwartet. Am Schluss läuft seine Vorstellung der EU auf eine Transferunion hinaus. Vermutlich reicht es ihm noch nicht einmal wenn Deutschland in Verbindung mit dem neuen EU-Haushalt jährlich netto 25 bis 30 Mrd € bezahlt. Für was? Für Nettoempfänger die keinen Bock haben Reformen durchzuführen oder sich an die vertraglich vereinbarten Regeln halten?

Nur mal nachdenken.
Deutschland ist nicht alles und profitiert von Europa und der Weltwirtschaft.
Das ist auch gut so.
Aber wir sind nur so gut wie unsere Partner.
Oder anders,
könnte dieses Land weiterhin Märkte erobern,
ohne Partner zu beteiligen?
Was stellst du also für eine Frage?
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon aleph » Mi 9. Mai 2018, 20:02

Bielefeld09 hat geschrieben:(09 May 2018, 19:30)

Nur mal nachdenken.
Deutschland ist nicht alles und profitiert von Europa und der Weltwirtschaft.
Das ist auch gut so.
Aber wir sind nur so gut wie unsere Partner.
Oder anders,
könnte dieses Land weiterhin Märkte erobern,
ohne Partner zu beteiligen?
Was stellst du also für eine Frage?

wir sollten Chinesen, Japaner, Amerikaner usa. einladen, die Europäische Union mitzufinanzieren. dann können Sie an die nunmehr stärkeren Partner mehr verkaufen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 9. Mai 2018, 20:57

aleph hat geschrieben:(09 May 2018, 19:23)

die Problematik, die du ansprichst, ist ein allgegenwärtiges Problem, haben wir innerhalb Deutschlands auch mit ländertransfer und sozialtransfer. innerhalb der eu kann das mit Mitbestimmung gelöst werden, sprich ein Wirtschaftsministerium finanzministerium der eu, das nur Geld bei entsprechenden gegenleistungen zur Verfügung stellt.
Wie schlecht das funktioniert kann man sich im Fall Griechenland ansehen. Nach Schuldenschnitt von 107 Mrd €, Kredite der Euro-Steuerzahler von 260 Mrd € und 7 Jahren „Herrschaft“ durch die Troika kann von nachhaltiger Änderung keine Rede sein. Vetternwirtschaft, Korruption und Steuerhinterziehung sind auf dem gleichen Level wie davor. Das gleiche gilt für den Schuldenstand.

wie sind denn deine Vorstellungen einer eu?
Maximal 10 Länder aus West- und Nordeuropa die von der Wirtschaftskraft und Mentalität her zusammenpassen. Die sind dann auch in der Lage eine tiefere Integration umzusetzen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Mi 9. Mai 2018, 21:24

aleph hat geschrieben:(09 May 2018, 19:23)

angeblich soll Deutschland durch exporterlöse seiner Wirtschaft mehr Einnahmen erzielen, als es an die eu zahlt.

Da müßte man zur Klärung eingreifen: Sind dies die Erlöse, die unsere Wirtschaft durch den Binnenhandel innerhalb der EU erwirtschaftet? Und wenn es denn genau so wäre, warum sollen wir denn keinen Gewinn aus der EU ziehen? Wir Deutschen arbeiten und liefern doch auch dafür.

keine Ahnung, wie hoch die Erlöse ohne eu wären. die Problematik, die du ansprichst, ist ein allgegenwärtiges Problem, haben wir innerhalb Deutschlands auch mit ländertransfer und sozialtransfer. innerhalb der eu kann das mit Mitbestimmung gelöst werden, sprich ein Wirtschaftsministerium finanzministerium der eu, das nur Geld bei entsprechenden gegenleistungen zur Verfügung stellt.

Das ist auch meine Sicht der Dinge. Systematische Ländertransfers und Sozialtransfers bedeuten auf jeden Fall so etwas wie eine staatliche Einheit; vor allem aber darf diese Leistung nicht auf "ewig" angelegt sein. Vielmehr müssen die Beteiligten einen gemeinsam Weg finden, an dessen Ende diese Transfers nicht mehr erforderlich sind. Das heißt politische Mitbestimmung in der Wirtschaftspolitik der Leistungsempfänger. In meiner nationalen Welt wäre das so, daß die Bundesregierung mit den Empfängerländern Abhilfen für deren Notlagen sucht... oder eben die Geberländer diese Verantwortung übernehmen.
wie sind denn deine Vorstellungen einer eu?

Im Großen und Ganzen sehe ich auch die Randbedingungen in einer Gemeinschaft, die Orbiter1 aufgeschrieben hat. Eine politische Gemeinschaft von sehr Ungleichen in ihren Erwartungen kann auf Dauer nicht gut gehen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon BingoBurner » Mi 9. Mai 2018, 21:38

Orbiter1 hat geschrieben:(09 May 2018, 21:57)

Wie schlecht das funktioniert kann man sich im Fall Griechenland ansehen. Nach Schuldenschnitt von 107 Mrd €, Kredite der Euro-Steuerzahler von 260 Mrd € und 7 Jahren „Herrschaft“ durch die Troika kann von nachhaltiger Änderung keine Rede sein. Vetternwirtschaft, Korruption und Steuerhinterziehung sind auf dem gleichen Level wie davor. Das gleiche gilt für den Schuldenstand.

Maximal 10 Länder aus West- und Nordeuropa die von der Wirtschaftskraft und Mentalität her zusammenpassen. Die sind dann auch in der Lage eine tiefere Integration umzusetzen.



Na dann.....fangen wir mal von vorne an......

Griechenland und Italien haben sich um die Flüchlingstströme gekümmert........
Als deren Laut größer wurde........nach dem Motto.........EH............... WIR BRAUCHEN UNTERSTÜZUNG..........schweigen im Walde.....WIR BRAUCHEN GELD LIEBE EU

Daraus hat man aber gelernt.........ich frage mich eher wer die Eu weiterhin auf Kurs hält...............Macron oder Merkel........
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 9. Mai 2018, 21:54

BingoBurner hat geschrieben:(09 May 2018, 22:38)

Na dann.....fangen wir mal von vorne an......
Am besten bei einer verkleinerten EU.
Griechenland und Italien haben sich um die Flüchlingstströme gekümmert........
Ja, sie haben die Flüchtlingsströme aus dem Meer gefischt und anschließend an ihre nördliche Landesgrenzen gebracht. Kümmern ist was anderes.
Als deren Laut größer wurde........nach dem Motto.........EH............... WIR BRAUCHEN UNTERSTÜZUNG..........schweigen im Walde.....WIR BRAUCHEN GELD LIEBE EU
Alles was Griechenland heute für die Betreuung von Flüchtlingen ausgibt ist voll von der EU finanziert.
Daraus hat man aber gelernt.........ich frage mich eher wer die Eu weiterhin auf Kurs hält...............Macron oder Merkel........
Was hat man denn daraus gelernt und was für ein Kurs?
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 10. Mai 2018, 15:53

Trump hat den Europäern eine klare Abfuhr erteilt. Quasi sogar den Federhandschuh zum Händel hingeworfen. Vielleicht hilft das als Starter? ;)

M & M, Merkel und Macron:

Merkel:

Vielmehr müsse Europa "sein Schicksal selbst in die Hand nehmen". "Das ist die Aufgabe der Zukunft."


Macron:

Ähnlich klang das bei Macron, der die Europäer zu Stärke und Einigkeit aufrief: "Seien wir nicht schwach", sagte der 40-Jährige. Europa müsse eine eigene Souveränität aufbauen und dürfe seinen Kurs nicht von anderen Mächten bestimmen lassen. Mit Blick auf die Reaktion großer europäischer Länder auf den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit den Iran sagte Macron: "Wir haben uns entschieden, Frieden und Stabilität im Nahen und Mittleren Osten zu schaffen."

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 07138.html
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon van Kessel » Do 10. Mai 2018, 23:17

als Karlspreis-Verleihungs-Verein kann Europa überleben; als politische Union nicht. Als Wirtschaftsgemeinschaft kann sie sich ein wenig über die Zeit retten.
Es wäre empfehlenswert für die Union, Kassensturz zu machen und die Verträge von Maastricht/Lissabon auf die veränderte Weltlage abzustimmen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Wähler » Fr 11. Mai 2018, 08:30

http://www.sueddeutsche.de/politik/karl ... -1.3974079
SZ 10. Mai 2018 Emmanuel Macron schafft ein neues Gleichgewicht in Europa
Macron positioniert sich zwischen den aktuellen Polen des "Weiter so" oder "Alles anders". Man muss seinen Vorschlägen nicht folgen, aber man kann sich freuen, dass wieder inhaltlich gestritten wird. Dass die Europäische Union wieder mehr werden könnte als ein Haufen Länder, die mit hängenden Schultern seufzen: "Wir haben ja sonst nichts."

"Frankreichs Präsident tritt als entschiedener Partner des südlichen Europa auf. Er lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass das von Deutschland vorgegebene Sparprogramm in Griechenland, Italien und Spanien gerade die Jugend hart getroffen hat."
Deutschland sollte ein Gleichgewicht zwischen Nord-, Süd- und Osteuropa finden, wie damals unter Bismarck, allerdings ohne Vormachtsansprüche.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 11. Mai 2018, 09:41

Wähler hat geschrieben:(11 May 2018, 09:30)

http://www.sueddeutsche.de/politik/karl ... -1.3974079
SZ 10. Mai 2018 Emmanuel Macron schafft ein neues Gleichgewicht in Europa

"Frankreichs Präsident tritt als entschiedener Partner des südlichen Europa auf. Er lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass das von Deutschland vorgegebene Sparprogramm in Griechenland, Italien und Spanien gerade die Jugend hart getroffen hat."
Deutschland sollte ein Gleichgewicht zwischen Nord-, Süd- und Osteuropa finden, wie damals unter Bismarck, allerdings ohne Vormachtsansprüche.

unter bismarck flossen nicht milliarden nach anderen ländern. als durch den krieg 1870-1871 eine entschädigung bezahlt wurde, kam es sogar zu einer wirtschaftlichen krise.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Fr 11. Mai 2018, 15:20

Wähler hat geschrieben:(11 May 2018, 09:30)

http://www.sueddeutsche.de/politik/karl ... -1.3974079
SZ 10. Mai 2018 Emmanuel Macron schafft ein neues Gleichgewicht in Europa

"Frankreichs Präsident tritt als entschiedener Partner des südlichen Europa auf. Er lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass das von Deutschland vorgegebene Sparprogramm in Griechenland, Italien und Spanien gerade die Jugend hart getroffen hat."
Deutschland sollte ein Gleichgewicht zwischen Nord-, Süd- und Osteuropa finden, wie damals unter Bismarck, allerdings ohne Vormachtsansprüche.


Solche Schmeicheleien verhelfen den Südstaaten nicht zu Wohlstand, sondern nur eigene Leistung und Produkte, die nachgefragt sind. "Leistung" bedeutet hier auch die sparsame und unbestechliche Verwaltung und der Verzicht auf Unternehmen, die nur am Dauertropf des Staats und des Auslands hängend anderer Leute Geld verbrauchen. Nur dort lohnen sich Investitionen, wo Rechtssicherheit und endlich auch Erträge zu erwarten sind. Was denn sonst?

Deutschland soll weiterhin schön klein und häßlich dafür sorgen, daß deutsche Interessen gewahrt bleiben. Die Rolle des Deutschen Reichs zur Zeit Bismarcks und danach hat uns Deutschen kein Glück gebracht, wohl aber eine Menge nationalen Hochmuts. Um solche Wahnsinnsvorstellungen müssen wir Deutschen einen ganz großen Bogen machen. Mit allen Gleichgesinnten bestmögliche Zusammenarbeit pflegen und entwickeln, vor Sirenengesängen die Ohren verstopfen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Fr 11. Mai 2018, 15:31

Nomen Nescio hat geschrieben:(11 May 2018, 10:41)

unter bismarck flossen nicht milliarden nach anderen ländern. als durch den krieg 1870-1871 eine entschädigung bezahlt wurde, kam es sogar zu einer wirtschaftlichen krise.


Aus heutiger Sicht war die Behandlung des Kaiserreichs Frankreich nach dessen Niederlage im Kriege 1870/71 ein ganz schlimmer Fehler. Preußen hätte dem Land die Hand reichen müssen für eine freundschaftliche Zusammenarbeit, oder wenigstens nach Partnern in Frankreich suchen sollen, mit denen diese Zusammenarbeit möglich gewesen wäre. Erst wenn solche Bemühungen fruchtlos geblieben wären, hätte Preußen die kleindeutsche Einheit voran bringen sollen. Schade!
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 11. Mai 2018, 16:01

Während "Alternativlos" Merkel schwere Vorwürfe gegen Trump erhebt, sieht Heiko M. der Außenminister Deutschlands schwere Risse gegenüber den USA. Nun ja, die sind da auch. Aber das man sich jetzt traut das mal zu sagen...

Streit über Iran-Abkommen

Maas sieht Risse im Verhältnis zu den USA

Der einseitige US-Ausstieg aus dem Iran-Abkommen wirkt wie Gift fürs transatlantische Verhältnis. Außenminister Maas sagte dem SPIEGEL, die Freundschaft zu den USA sei beschädigt. Einknicken sei keine Option.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 07236.html


Hört! Hört! Berlin wird erwachsen. :cool:

Derweil schlägt Trumps Handelskrieg gegen Europa durch und das hat noch nicht einmal etwas mit dem von Trump und Netanjahu bewußt torpedierten internationalen Abkommen etwas zu tun.

Trumps Steuerreform trifft fast 5000 deutsche Firmen

Die Bundesregierung ist wegen der Steuerreform von Donald Trump alarmiert.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 07291.html
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Fr 11. Mai 2018, 16:33

@King Kong 2006

Dieses Zerwürfnis ist doch aber nicht neu. Das begann schon unter Präsident Obama, der die Zukunft der USA mehr auf der pazifischen Seite sah und schon deshalb die Europäer aufforderte, sich endlich selbst zu schützen und auf zu hören, sich auf die USA in nahezu jeder Hinsicht zu verlassen.

Präsident Trump hat dieses Sonderverhältnis der USA zu Europa nun ziemlich energisch aufgekündigt. Nach ihrem ersten Besuch beim frisch ins Amt gewählten Präsidenten Trump, kam von der Kanzlerin der unvergessliche Satz, daß die Zeiten, in denen sich Europa und Deutschland auf die USA unbedingt verlassen konnten, "ein Stück weit vorbei" seien. Künftig werde man in Europa sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen müssen. Inzwischen bestätigt sich diese Einschätzung sehr nachdrücklich. Die EU hat als NATO-Partner vermehrte Verteidigungsanstrengungen angeschoben. Die Landesverteidigung gewinnt in Deutschland wieder an Gewicht, die Rüstungsplanungen der EU-Partner wurden zusammengefaßt, die Beweglichkeit unserer Streitkräfte innerhalb der EU wird gesteigert durch entsprechende Verkehrswege. Das alles braucht Zeit, ist schneller überlegt als durchgeführt.

Und nun geraten gemeinsam ausgehandelte Verträge in Schieflage, mit einigem Erpressungspotential der US-Administration gegen europäische und deutsche Unternehmen, die in den USA gute Geschäfte machen. Sicher ein Grund, auch diese Abhängigkeit neu zu bewerten und sich nach Möglichkeit aus ihr zu befreien. Nach der Ankündigung eines Handelskriegs durch die US-Regierung sind also neue Bedrohungen deutscher und europäischer Interessen durch die USA entstanden. Jetzt gilt es deshalb zu überlegen, wie wir auf dieser Seite des Atlantiks neue Partner und gleichlaufende Interessen zusammenbringen, ohne das Verhältnis zu den USA mutwillig zu beschädigen. Auch so etwas ist nicht mit dem Gedanken daran schon erledigt. Auch das braucht Zeit und vor allem einen entwicklungsfähigen und anpassungsfähigen Plan der politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen. Das Ende ist klar: Mehr Unabhängigkeit, im Grunde ungern, aber dann doch notwendig.

In Europa und Deutschland gilt es also keineswegs, nun wutentbrannt auf zu heulen, sondern sich geschmeidig in die aufgenötige Rolle hinein zu fügen. Europa verfolgt seine Interessen, oder wenigstens Deutschland, und nur seine Interessen. Nicht etwa die Interessen einer oder mehrerer zerstrittener Parteien im Nahostkonflikt. Fast bin ich davon überzeugt, daß es diesen deutschen Plan in groben Umrissen schon gibt. Aber da ist ein funktionierender Schließmuskel Gold wert!
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 11. Mai 2018, 19:41

H2O hat geschrieben:(11 May 2018, 17:33)

@King Kong 2006

Dieses Zerwürfnis ist doch aber nicht neu. Das begann schon unter Präsident Obama, der die Zukunft der USA mehr auf der pazifischen Seite sah und schon deshalb die Europäer aufforderte, sich endlich selbst zu schützen und auf zu hören, sich auf die USA in nahezu jeder Hinsicht zu verlassen.

Präsident Trump hat dieses Sonderverhältnis der USA zu Europa nun ziemlich energisch aufgekündigt. Nach ihrem ersten Besuch beim frisch ins Amt gewählten Präsidenten Trump, kam von der Kanzlerin der unvergessliche Satz, daß die Zeiten, in denen sich Europa und Deutschland auf die USA unbedingt verlassen konnten, "ein Stück weit vorbei" seien. Künftig werde man in Europa sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen müssen. Inzwischen bestätigt sich diese Einschätzung sehr nachdrücklich. Die EU hat als NATO-Partner vermehrte Verteidigungsanstrengungen angeschoben. Die Landesverteidigung gewinnt in Deutschland wieder an Gewicht, die Rüstungsplanungen der EU-Partner wurden zusammengefaßt, die Beweglichkeit unserer Streitkräfte innerhalb der EU wird gesteigert durch entsprechende Verkehrswege. Das alles braucht Zeit, ist schneller überlegt als durchgeführt.

Und nun geraten gemeinsam ausgehandelte Verträge in Schieflage, mit einigem Erpressungspotential der US-Administration gegen europäische und deutsche Unternehmen, die in den USA gute Geschäfte machen. Sicher ein Grund, auch diese Abhängigkeit neu zu bewerten und sich nach Möglichkeit aus ihr zu befreien. Nach der Ankündigung eines Handelskriegs durch die US-Regierung sind also neue Bedrohungen deutscher und europäischer Interessen durch die USA entstanden. Jetzt gilt es deshalb zu überlegen, wie wir auf dieser Seite des Atlantiks neue Partner und gleichlaufende Interessen zusammenbringen, ohne das Verhältnis zu den USA mutwillig zu beschädigen. Auch so etwas ist nicht mit dem Gedanken daran schon erledigt. Auch das braucht Zeit und vor allem einen entwicklungsfähigen und anpassungsfähigen Plan der politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen. Das Ende ist klar: Mehr Unabhängigkeit, im Grunde ungern, aber dann doch notwendig.

In Europa und Deutschland gilt es also keineswegs, nun wutentbrannt auf zu heulen, sondern sich geschmeidig in die aufgenötige Rolle hinein zu fügen. Europa verfolgt seine Interessen, oder wenigstens Deutschland, und nur seine Interessen. Nicht etwa die Interessen einer oder mehrerer zerstrittener Parteien im Nahostkonflikt. Fast bin ich davon überzeugt, daß es diesen deutschen Plan in groben Umrissen schon gibt. Aber da ist ein funktionierender Schließmuskel Gold wert!


Sowas hat natürlich immer einen Vorlauf. In der Tat war das Verhältnis Europas zur USA geprägt vom Kalten Krieg. Das hatte seinen Sinn und Nutzen. Aber das gabs vorher nicht und muß auch nicht in alle Ewigkeit - in der Form - so weiter existieren. Natürlich wäre eine Feindschaft fatal. Davon kann aber keine Rede sein. Trump schafft maximal noch eine Legislaturperiode. Man kann hoffen, daß es dann besser wird. Ein neues Verhältnis wird fast immer unter Schmerzen geboren. Das erleben wir jetzt. Sicher keinen Erdrutsch. Aber wir haben eben nicht mehr die 50s, 60s oder 70s. Schon in den 80s wurde langsam anders.
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