Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » So 22. Apr 2018, 08:23

Wähler hat geschrieben:(22 Apr 2018, 09:09)

Über eine koordinierte Finanz- und Wirtschaftspolitik schweigt Schäuble aber, wie schon als Finanzminister. Dabei wird nach dem Brexit der überwiegende Teil des Bruttosozialproduktes der EU in den Euro-Ländern erwirtschaftet:
http://www.bpb.de/internationales/europ ... haftskraft
Deutschland weicht den Fragen Macrons nach einer gemeinsamen Finanz- und Wirtschaftspolitik nach wie vor aus.


Das ist schon wahr; aber der Urknall hat angeblich am Anfang des Universums gestanden; da ist unsereiner schon ganz froh, wenn es hier oder da in Sachen Europa wenigstens einmal ein wenig knattert! :)
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » So 22. Apr 2018, 09:14

Wähler hat geschrieben:(22 Apr 2018, 09:09)
Über eine koordinierte Finanz- und Wirtschaftspolitik schweigt Schäuble aber, wie schon als Finanzminister. Dabei wird nach dem Brexit der weit überwiegende Teil des Bruttosozialproduktes der EU in den Euro-Ländern erwirtschaftet:
http://www.bpb.de/internationales/europ ... haftskraft
Deutschland weicht den Fragen Macrons nach einer gemeinsamen Finanz- und Wirtschaftspolitik nach wie vor aus.

Orbiter1 hat geschrieben:(22 Apr 2018, 09:13)
Ist auch verständlich. Man will sich halt nicht verschlechtern.

Das ist aber zu kurzsichtig. Eine besser koordinierte Finanz- und Wirtschaftspolitik könnte auch zu einer besseren Steuerung der Binnenwanderung in der EU beitragen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » So 22. Apr 2018, 09:45

Wähler hat geschrieben:(22 Apr 2018, 10:14)

Das ist aber zu kurzsichtig. Eine besser koordinierte Finanz- und Wirtschaftspolitik könnte auch zu einer besseren Steuerung der Binnenwanderung in der EU beitragen.


Auf das Ergebnis kommt es doch wohl an. Wenn Deutschland mehr Geld bereit stellt, über dessen Verwendung dann Dritte mit Mehrheit bestimmen, dann halte ich das für einen blühenden Unsinn. Damit sollte man schon den eigenen politischen Einfluß vergrößern. In einer Föderation, also gemeinsames Parlament, gemeinsame Ministerien, gemeinsame Armee und Außenpolitik sieht diese Sache ganz anders aus. Da halte ich solche Ausgleichszahlungen für das ganz Alltägliche.

Nie wieder so etwas wie den Euro ohne gemeinsamen Überbau und Übertragung zugehöriger Hoheitsrechte für Wirtschaft und Finanzen auf die Gemeinschaft.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » So 22. Apr 2018, 09:50

Wähler hat geschrieben:(22 Apr 2018, 10:14)
Das ist aber zu kurzsichtig. Eine besser koordinierte Finanz- und Wirtschaftspolitik könnte auch zu einer besseren Steuerung der Binnenwanderung in der EU beitragen.

H2O hat geschrieben:(22 Apr 2018, 10:45)
Auf das Ergebnis kommt es doch wohl an. Wenn Deutschland mehr Geld bereit stellt, über dessen Verwendung dann Dritte mit Mehrheit bestimmen, dann halte ich das für einen blühenden Unsinn. Damit sollte man schon den eigenen politischen Einfluß vergrößern. In einer Föderation, also gemeinsames Parlament, gemeinsame Ministerien, gemeinsame Armee und Außenpolitik sieht diese Sache ganz anders aus. Da halte ich solche Ausgleichszahlungen für das ganz Alltägliche.
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Kein EU-Mitgliedsstaat will eine große Lösung. Es wird mit eher kleinen Schritten weitergehen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » So 22. Apr 2018, 10:21

Wähler hat geschrieben:(22 Apr 2018, 10:50)

Kein EU-Mitgliedsstaat will eine große Lösung. Es wird mit eher kleinen Schritten weitergehen.


Dann wird es gar nicht weiter gehen, weil der Wille fehlt, sich an die Erfordernisse der Globalisierung an zu passen. Das war der Ausgangspunkt für die große EU. Zeit über nationale Optionen nach zu denken.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » So 22. Apr 2018, 10:26

Wähler hat geschrieben:(22 Apr 2018, 10:50)
Kein EU-Mitgliedsstaat will eine große Lösung. Es wird mit eher kleinen Schritten weitergehen.

H2O hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:21)
Dann wird es gar nicht weiter gehen, weil der Wille fehlt, sich an die Erfordernisse der Globalisierung an zu passen. Das war der Ausgangspunkt für die große EU. Zeit über nationale Optionen nach zu denken.

Es gibt kein Zurück für Deutschland zum traditionellen Nationalstaat in Europa. Wir bürgen bereits mit 190 Milliarden Euro für anderen Euro-Länder. Wir brauchen darüber hinaus dringend eine Koordinierung der Asylpolitik, der Verteidigungs- und Außenpolitik. Wenn es die EU noch nicht gäbe, würde eine andere Form von Supranationalität geschaffen werden.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » So 22. Apr 2018, 10:42

Wähler hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:26)

Es gibt kein Zurück für Deutschland zum traditionellen Nationalstaat in Europa. Wir bürgen bereits mit 190 Milliarden Euro für anderen Euro-Länder. Wir brauchen darüber hinaus dringend eine Koordinierung der Asylpolitik, der Verteidigungs- und Außenpolitik. Wenn es die EU noch nicht gäbe, würde eine andere Form von Supranationalität geschaffen werden.


Ja, kann ich mir vorstellen. Aber eine Supranationalität, die anders angelegt ist als die der EU. Für die EU in ihrer heutigen Form ist es schon zwölf Uhr durch. Macrons Rettungsversuch sah nur die Euro-Zone vor... was ich für machbar hielt. Wenn deutsche Interessen das verhindern, dann wird es andere Wege geben müssen. Sehen Sie die?
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » So 22. Apr 2018, 10:47

Wähler hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:26)
Es gibt kein Zurück für Deutschland zum traditionellen Nationalstaat in Europa. Wir bürgen bereits mit 190 Milliarden Euro für anderen Euro-Länder. Wir brauchen darüber hinaus dringend eine Koordinierung der Asylpolitik, der Verteidigungs- und Außenpolitik. Wenn es die EU noch nicht gäbe, würde eine andere Form von Supranationalität geschaffen werden.

H2O hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:42)
Ja, kann ich mir vorstellen. Aber eine Supranationalität, die anders angelegt ist als die der EU. Für die EU in ihrer heutigen Form ist es schon zwölf Uhr durch. Macrons Rettungsversuch sah nur die Euro-Zone vor... was ich für machbar hielt. Wenn deutsche Interessen das verhindern, dann wird es andere Wege geben müssen. Sehen Sie die?

Ich kann es mir nur im Rahmen der bestehenden EU vorstellen. Merkel sprach ja von einer Änderung der EU-Verträge für einen Europäischen Währungsfonds. Es könnte ja auch eine große Vertragsrefom wie 2007 in Lissabon geben.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon van Kessel » So 22. Apr 2018, 10:52

"Wähler"
Es gibt kein Zurück für Deutschland zum traditionellen Nationalstaat in Europa. Wir bürgen bereits mit 190 Milliarden Euro für anderen Euro-Länder. Wir brauchen darüber hinaus dringend eine Koordinierung der Asylpolitik, der Verteidigungs- und Außenpolitik. Wenn es die EU noch nicht gäbe, würde eine andere Form von Supranationalität geschaffen werden.
hat nicht vor fast 300 Jahren bereits ein deutscher Philosoph aufgezeigt, wie man aus dem selbstverschuldeten Dilemma hinausfindet?
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ‚Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“
Nationalstaaten haben eine wesentlich längere Haltbarkeitsdauer als alle Versuche, die 'Völker dieser Welt' zu einem Klumpen formen zu wollen. Die Globalisierung ist kein gesellschaftlicher Akt, sondern nur ein wirtschaftlicher. Sobald die Bedingungen für einen globalen Handel nicht mehr gegeben sind, stehen die Befürworter einer homogenen Welt wie Waisenkinder in der Wüste der Gesellschaftslosigkeit.

Übrigens ist Deutschland noch nie ein 'traditioneller' Nationalstaat gewesen (gemessen z.B. an den Niederlanden oder der Schweiz).
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » So 22. Apr 2018, 10:57

Wähler hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:26)
Es gibt kein Zurück für Deutschland zum traditionellen Nationalstaat in Europa. Wir bürgen bereits mit 190 Milliarden Euro für anderen Euro-Länder. Wir brauchen darüber hinaus dringend eine Koordinierung der Asylpolitik, der Verteidigungs- und Außenpolitik. Wenn es die EU noch nicht gäbe, würde eine andere Form von Supranationalität geschaffen werden.

van Kessel hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:52)
Nationalstaaten haben eine wesentlich längere Haltbarkeitsdauer als alle Versuche, die 'Völker dieser Welt' zu einem Klumpen formen zu wollen. Die Globalisierung ist kein gesellschaftlicher Akt, sondern nur ein wirtschaftlicher. Sobald die Bedingungen für einen globalen Handel nicht mehr gegeben sind, stehen die Befürworter einer homogenen Welt wie Waisenkinder in der Wüste der Gesellschaftslosigkeit.
Übrigens ist Deutschland noch nie ein 'traditioneller' Nationalstaat gewesen (gemessen z.B. an den Niederlanden oder der Schweiz).

Unser Wohlstand in Deutschland hängt vom Wettbewerb mit chinesischen und us-amerikanischen Unternehmen ab. Soll Deutschland allein die Strafzölle mit Trump aushandeln? Genau das ist ja seine Strategie, nur bilaterale Verträge mit kleinen Nationalstaaten, statt mit der großen EU.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » So 22. Apr 2018, 11:27

Wähler hat geschrieben:(22 Apr 2018, 11:47)

Ich kann es mir nur im Rahmen der bestehenden EU vorstellen. Merkel sprach ja von einer Änderung der EU-Verträge für einen Europäischen Währungsfonds. Es könnte ja auch eine große Vertragsrefom wie 2007 in Lissabon geben.


Ob eine Vertragsreform wohl mit 27 Partnern auf den Weg zu bringen ist? Der Lissabonvertrag ist seinerzeit schon gescheitert, weil Iren, Niederländer und Franzosen ihre Innenpolitik mit Denkzetteln würzen wollten. Dann hat die Kanzlerin höchstpersönlich alle Partner bekniet, einen Vertrag zu unterzeichnen und am Ende auch zu ratifizieren, den einige Partner nach Belieben brechen:

Der Euro sollte mit Ausnahme GB und DK längst Gemeinschaftswährung sein. In einigen Partnerstaaten gibt es keine unabhängige Justiz mehr, in anderen eine unfaßbare Korruption und Schwund europäischer Mittelzuweisungen. Völlig legale Mehrheitsbeschlüsse mitsamt EuGH-Urteil zur Flchtlingsverteilung werden mißachtet. Da werden EU-Pässe meistbietend verkauft und so EU-Sanktionen gegen Oligarchen unterlaufen, da wirken Mafia und Politik eng zusammen bis hin zum Mord.

Mit solchen Partnern kann man doch keine Gemeinschaft bauen, in der Partner auf allen Ebenen vertrauensvoll zusammen arbeiten. Wie gesagt: Zwölf Uhr ist durch, bald schlägt es dreizehn.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mo 23. Apr 2018, 16:19

Es gibt ja doch ein Land das die Reformen von Macron unterstützt, zumindest zum Teil - Spanien. Hier ein Zitat des spanischen Außenministers.

"Befürwortet Spanien einen europäischen Finanzminister, wie Emmanuel Macron ihn vorschlägt?
Wichtiger als ein neuer Minister sind neue Mechanismen. Wir wollen die Bankunion vollenden, einen gemeinsamen EU-Haushalt und eine Transferunion. Am Ende sollen alle Mitglieder Arbeitsplätze schaffen, wachsen und weltweit wettbewerbsfähig sein." Quelle: http://www.handelsblatt.com/my/politik/ ... 03520.html

Bei der Einführung des Euro wurde den Deutschen versprochen, bei allem was überhaupt auf dieser Welt heilig ist, dass es niemals eine Transferunion geben wird. Niemals wird Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen müssen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » Mo 23. Apr 2018, 21:20

Wünschen kann sich jeder Euro-Partner, was immer er aus seiner Sicht für sinnvoll hält. Vor allem sollten wir das Ergebnis der deutsch-französischen Gespräche über die Reform der EU abwarten und nicht immer wieder für gereizte Stimmung sorgen. Erst nach diesen Gesprächen wissen wir, wohin so ungefähr der europäische Hase läuft. Denn danach folgt mit Sicherheit ein weiterer Abgleich mit den übrigen Euro-Partnern und solchen, die es kurzfristig werden wollen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 23. Apr 2018, 23:10

Macron scheint Trump fast in den Griff zu bekommen. Das hat nicht nur etwas mit dem gemeinsamen Militärschlag zu tun, die Chemie der beiden ist ähnlich - wenn auch nicht gleich. Geschickt hatte der Franzose den Amerikaner zum Nationalfeiertag eingeladen und eine Militärparade vorgeführt. Trump hat das beeindruckt. Dr. Angela Merkel müsste man erst erklären, warum es da Funken sprühen kann.
Im Grunde fing es aber schon weit früher an. Bei der ersten Begegnung ergriff Macron vor den Kameras Trumps Hand und hielt sie fest umklammert, weit über Gebühr. Trump verwirrte das, aber er verwirrt ja auch selbst.
Als Führerin der freien Welt taucht Merkel in der US-Presse nicht mehr auf. Deutschland dürfte mittlerweile als etwas zu zauderlich gelten. Dafür haben wir einen Handelsüberschuss. Das ist wichtig in Europa. Und der Franzose ist arm, aber sexy.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mo 23. Apr 2018, 23:22

DarkLightbringer hat geschrieben:(24 Apr 2018, 00:10)

Macron scheint Trump fast in den Griff zu bekommen.
Da sollte die Betonung nach meiner Einschätzung auf „fast“ liegen. Bald stehen die Zwischenwahlen in den USA an und die Stimmen bekommt Trump nicht von Macron oder den anderen Europäern. Trump hat derzeit die höchsten Zustimmungswerte seiner Präsidentschaft. Gefällt seinen Wählern wie er mit dem Rest der Welt umspringt. Ich gehe davon aus dass er wie gewohnt weitermacht und auf jeden Fall Strafzölle gegen die EU erheben wird. In ein paar Tagen wissen wir mehr.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 24. Apr 2018, 13:13

Orbiter1 hat geschrieben:(24 Apr 2018, 00:22)

Da sollte die Betonung nach meiner Einschätzung auf „fast“ liegen. Bald stehen die Zwischenwahlen in den USA an und die Stimmen bekommt Trump nicht von Macron oder den anderen Europäern. Trump hat derzeit die höchsten Zustimmungswerte seiner Präsidentschaft. Gefällt seinen Wählern wie er mit dem Rest der Welt umspringt. Ich gehe davon aus dass er wie gewohnt weitermacht und auf jeden Fall Strafzölle gegen die EU erheben wird. In ein paar Tagen wissen wir mehr.

Stichwort Atomdeal.
Eine Einigung zwischen USA und DE, FR, GB scheint fast in trockenen Tüchern zu liegen. Dabei werden die Kritikpunkte seitens der USA berücksichtigt und neue Sanktionsdrohungen gegenüber dem Iran sind enthalten.

https://www.msn.com/de-de/nachrichten/p ... spartanntp

Sollte das Platzen, würden die Europäer praktisch einen eigenen Weg gehen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Di 24. Apr 2018, 13:48

DarkLightbringer hat geschrieben:(24 Apr 2018, 14:13)

Stichwort Atomdeal.
Eine Einigung zwischen USA und DE, FR, GB scheint fast in trockenen Tüchern zu liegen. Dabei werden die Kritikpunkte seitens der USA berücksichtigt und neue Sanktionsdrohungen gegenüber dem Iran sind enthalten.

https://www.msn.com/de-de/nachrichten/p ... spartanntp

Sollte das Platzen, würden die Europäer praktisch einen eigenen Weg gehen.
Für den Iran spielt es keine Rolle ob die Europäer einen eigenen Weg gehen. Die überragende Militärmacht dieser Welt sind die USA. Die werden dieses Jahr 700 Mrd. $ für ihr Militär ausgeben und in den Folgejahren wird es nicht viel weniger sein. Aus meiner Sicht wird es demnächst einen militärischen Konflikt mit dem Iran geben. Da werden die USA, Saudi-Arabien und Israel mal zeigen wer die Vorherrschaft in der Region hat, bevor der Iran noch mächtiger wird und weiter militärisch aufrüstet. Idealerweise sollte der Iran den Grund für den Militäreinsatz liefern. Mit der Kündigung des Atomdeals durch die USA werden die Voraussetzungen dafür geschaffen. Ich sehe in den USA, Saudi-Arabien und Israel die Falken am Zug. Das hat jetzt mit dem Thread nur noch wenig zu tun.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 25. Apr 2018, 06:09

„Nicht nur in der Türkei, Ägypten oder den USA. Besonders in europäischen Ländern wie Polen, Ungarn, Slowakei und Tschechien wird die Pressefreiheit zunehmend eingeschränkt. .... In keiner anderen Weltregion hat sich die Lage der Pressefreiheit im vergangenen Jahr so stark verschlechtert wie in Europa. Journalistinnen und Journalisten sind dort zunehmend medienfeindlicher Hetze durch Regierungen oder führende Politiker ausgesetzt. Das ergibt sich aus der Rangliste der Pressefreiheit 2018, die von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) am Mittwoch veröffentlicht wurde. ... Vier der fünf Länder, deren Platzierung sich in der neuen Rangliste der Pressefreiheit am stärksten verschlechtert hat, liegen in Europa: die EU-Mitglieder Malta, Tschechien und Slowakei sowie das Balkanland Serbien.„ Quelle: https://amp.tagesspiegel.de/medien/rang ... 09454.html

Die Osteuropastaaten und Balkanstaaten haben in der EU, oder noch besser deren Nachfolgeorganisation, nichts verloren.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » Mi 25. Apr 2018, 09:40

@Orbiter1:

Zu dieser Erkenntnis bin ich mit dem Auftreten der Visegrad-Gruppe und anhand der Korruption in den Balkanstaaten auch gelangt. Polen war übrigens in den Rundfunkmeldungen des DLFs zur Pressefreiheit nicht erwähnt worden. Wäre auch etwas merkwürdig; die Gazeta Wyborcza und die Rzeczpospolita sind aus meiner Sicht sehr sachliche und freisinnige Tageblätter. Und bei pauschal "Osteuropa" sehe ich die Balten meist als ziemlich vorbildliche EU-Mitglieder.

Die EU sollte das Thema Korruption viel höher bewerten... Korruption und Gute Regierungsführung sind doch sehr fest miteinander verbunden. Vor allem darf Korruption nie wieder in der EU durch die EU oder durch Einrichtungen der EU ermittelt werden, sondern nur noch neutral durch transparency international. Das vorliegende Ergebnis kann man dann immer noch bewerten... aber nicht grenzenlos überdehnen. Dann unterbleiben auch politische Mauscheleien und mögliche Erpressungsversuche. Die EU hat mit der nur politisch-strategisch begründbaren Aufnahme vieler Oststaaten ohne Rücksicht auf Verluste einen schweren Fehler begangen. Derzeit läuft die EU Gefahr, diesen Unfug zu wiederholen, weil die Bewerber natürlich sagen werden: "Warum habt Ihr Euch denn so bei uns, und Bulgarien, Rumänien sind drin?"

Derzeit baue ich ein wenig auf Präsident Macron, daß es ihm gelingt, etwas mehr Zug in den Ofen zu bringen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 25. Apr 2018, 12:29

H2O hat geschrieben:(25 Apr 2018, 10:40)

@Orbiter1:

Zu dieser Erkenntnis bin ich mit dem Auftreten der Visegrad-Gruppe und anhand der Korruption in den Balkanstaaten auch gelangt. Polen war übrigens in den Rundfunkmeldungen des DLFs zur Pressefreiheit nicht erwähnt worden. Wäre auch etwas merkwürdig; die Gazeta Wyborcza und die Rzeczpospolita sind aus meiner Sicht sehr sachliche und freisinnige Tageblätter. Und bei pauschal "Osteuropa" sehe ich die Balten meist als ziemlich vorbildliche EU-Mitglieder.

Die EU sollte das Thema Korruption viel höher bewerten... Korruption und Gute Regierungsführung sind doch sehr fest miteinander verbunden. Vor allem darf Korruption nie wieder in der EU durch die EU oder durch Einrichtungen der EU ermittelt werden, sondern nur noch neutral durch transparency international. Das vorliegende Ergebnis kann man dann immer noch bewerten... aber nicht grenzenlos überdehnen. Dann unterbleiben auch politische Mauscheleien und mögliche Erpressungsversuche.
Ja, halte ich auch für eine sinnvolle Vorgehensweise. Wird aber mit dem Blick auf die Realitäten im Rahmen der EU nicht kommen. So einer Vereinbarung müssten auch die Osteuropäer zustimmen.
Die EU hat mit der nur politisch-strategisch begründbaren Aufnahme vieler Oststaaten ohne Rücksicht auf Verluste einen schweren Fehler begangen.
Der Fehler lässt sich leider nicht mehr gutmachen.
Derzeit läuft die EU Gefahr, diesen Unfug zu wiederholen, weil die Bewerber natürlich sagen werden: "Warum habt Ihr Euch denn so bei uns, und Bulgarien, Rumänien sind drin?"

Derzeit baue ich ein wenig auf Präsident Macron, daß es ihm gelingt, etwas mehr Zug in den Ofen zu bringen.
Macron hat ja schon angedeutet dass es mit ihm weitere Mitglieder nur geben wird wenn sich die EU (seinen) Reformen unterzogen hat. Mal sehen ob es auch so kommt. Da hab ich Zweifel.

Zumindest bei der Entwicklung und dem Bau von Militärgerät wird die deutsch/französische Partnerschaft noch enger.

"Airbus und Dassault bündelten ihre Kräfte zur Entwicklung und Produktion des europäischen Kampfflugzeugs der Zukunft, dem "Future Air Combat System", hieß es in einer Erklärung der Unternehmen anlässlich der ILA. "Wir sagen unseren Verteidigungsministerinnen, unseren politisch Verantwortlichen: Wir sind bereit", sagte Dassault-Chef Eric Trappier bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Airbus-Rüstungsvorstand Dirk Hoke. Zusätzlich zu dem Flugzeug soll das Programm Drohnen sowie Kommunikationsinfrastruktur umfassen. Nun warteten die Unternehmen darauf, dass sich Deutschland und Frankreich auf Details einigten und diese bekanntgeben." Quelle: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/air ... t-101.html

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