Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Alter Stubentiger
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Alter Stubentiger » So 4. Dez 2016, 09:41

Satori hat geschrieben:(04 Dec 2016, 01:26)

Hm .... wie konnte die EU eigentlich Griechenland hineinholen. :?:
Es müsste ja erst ein Industrieland vorhanden sein, das so ein Tempo überhaupt mithalten kann. Es wurde also offensichtlich gemogelt, Bilanzen gefälscht,
damit die EU eine neue Erweiterung vorzeigen kann.

Was du oben beschreibst, sagte mir auch ein Kollege, dessen Eltern dort eine Gasthaus besitzen.
Handwerker zahlen überhaupt keine Steuern, oder fast keine, sagte er und vieles mehr. Mir scheints man hat die Verantwortlich betrunken gemacht, oder
ihnen Geld zugesteckt, dann haben sie unterschrieben.

Ein EU-Beitritt geht nur so: volle Aufklärung und öffentliche Debatten mindestens 2 Jahre lang. Dann Volksabstimmung.
Genauso andersrum muss das mögliche Austrittsprozedere schon vorher durchdacht werden.

Wichtig ist auch zu untersuchen: Wer drängt eigentlich auf solche Wirtschaftsräume, wer hat wirklich Vorteile.
Cui Bono Wem soll es nützen.
.

Eine intelligente Analyse wie es nach dem ersten Weltkrieg zu einer weiteren Katastrophe kommen konnte führte zum europäischen Wirtschaftsraum. Es wird gnadenlos unterschätzt welche Vorteile so ein Wirtschaftsraum bringt. Man kann der EU nur vorwerfen bei der Aufnahme neuer Länder (auch in den €uro) nicht genau genug hingeschaut zu haben. Man hat die Probleme unterschätzt. Und man hat die Mentalität der Südländer nicht richtig eingeschätzt. Trotzdem. Bei allen Problemen. Die Probleme vor der Gründung der EU waren größer und sie haben viele Millionen in Jahrhunderten voller Kriege das Leben gekostet. 70 Jahre Frieden in Mitteleuropa gab es noch nie. Und daß quasi jeder jeden Tag satt werden kann war vor 1945 auch nicht selbstverständlich. Ganz abgesehen von den anderen Annehmlichkeiten der Friedensgesellschaft die du jeden Tag in Anspruch nimmst.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Europa2050 » So 4. Dez 2016, 10:04

Alter Stubentiger hat geschrieben:(04 Dec 2016, 09:41)

Eine intelligente Analyse wie es nach dem ersten Weltkrieg zu einer weiteren Katastrophe kommen konnte führte zum europäischen Wirtschaftsraum. Es wird gnadenlos unterschätzt welche Vorteile so ein Wirtschaftsraum bringt. Man kann der EU nur vorwerfen bei der Aufnahme neuer Länder (auch in den €uro) nicht genau genug hingeschaut zu haben. Man hat die Probleme unterschätzt. Und man hat die Mentalität der Südländer nicht richtig eingeschätzt. Trotzdem. Bei allen Problemen. Die Probleme vor der Gründung der EU waren größer und sie haben viele Millionen in Jahrhunderten voller Kriege das Leben gekostet. 70 Jahre Frieden in Mitteleuropa gab es noch nie. Und daß quasi jeder jeden Tag satt werden kann war vor 1945 auch nicht selbstverständlich. Ganz abgesehen von den anderen Annehmlichkeiten der Friedensgesellschaft die du jeden Tag in Anspruch nimmst.


Genau so - du hast den Kern zentral getroffen. Und ich bete darum, dass das die Mehrheit der Menschen das auch begreift.

Wenn da nur in letzter Zeit diese Zweifel an der Intelligenz der Menschheit nicht wären ...
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Wähler » So 4. Dez 2016, 10:13

Europa2050 hat geschrieben:(04 Dec 2016, 10:04)
Genau so - du hast den Kern zentral getroffen. Und ich bete darum, dass das die Mehrheit der Menschen das auch begreift.
Wenn da nur in letzter Zeit diese Zweifel an der Intelligenz der Menschheit nicht wären ...

Die Leute hier in Deutschland werden es begreifen, wenn der Einwanderungsdruck auch aus den Südländern der EU wegen der Arbeitslosigkeit dort weiter zunimmt. Deshalb ist auch die innenpolitische Auseinandersetzung darüber hier so wichtig.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » So 4. Dez 2016, 10:19

Europa2050 hat geschrieben:(04 Dec 2016, 10:04)

Genau so - du hast den Kern zentral getroffen. Und ich bete darum, dass das die Mehrheit der Menschen das auch begreift.

Wenn da nur in letzter Zeit diese Zweifel an der Intelligenz der Menschheit nicht wären ...


Die Zweifel sind leider gerechtfertigt. In der EU ist eine Stimmung entstanden, die im 19. Jahrhundert weit verbreitet war. Man muß sich vergegenwärtigen, daß die neu aufkommenden Kräfte ihr Heil in der Nähe der Feinde des europäischen Projekts suchen... Motto: Wer kann am besten mit Putin? Unseren Balten muß doch speiübel sein! Warum beginnt niemand damit, das Kerneuropa zu erkunden, bevor es auch dazu zu spät ist?
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » So 4. Dez 2016, 10:22

Wähler hat geschrieben:(04 Dec 2016, 10:13)

Die Leute hier in Deutschland werden es begreifen, wenn der Einwanderungsdruck auch aus den Südländern der EU wegen der Arbeitslosigkeit dort weiter zunimmt. Deshalb ist auch die innenpolitische Auseinandersetzung darüber hier so wichtig.


Nein, zu spät! Die Arbeitslosigkeit geht allmählich zurück. Der Wanderungsdruck hat nachgelassen: Bei uns ist es zu kalt (Wetter), zu weit entfernt von Muttern und die Sprache ist so etwas von schwierig! Die Leute machen hier sehr schnell die Biege gen Heimat.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » So 4. Dez 2016, 10:30

Nicht wenn die Wirtschaft in den Südländern
stagniert oder Rezession Eintritt.Politik wie in Griechenland dürfte den jungen Menschen( gut ausgebildet) wenig Optionen geben. Der Staat baut auch stellen ab, wohin denn?. Italien ist der
Nächste Wackelkandidat( auch politisch).
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Wähler » So 4. Dez 2016, 11:59

H2O hat geschrieben:(04 Dec 2016, 10:22)
Nein, zu spät! Die Arbeitslosigkeit geht allmählich zurück. Der Wanderungsdruck hat nachgelassen: Bei uns ist es zu kalt (Wetter), zu weit entfernt von Muttern und die Sprache ist so etwas von schwierig! Die Leute machen hier sehr schnell die Biege gen Heimat.

Ich weiß nicht, auf Grund welcher Fakten Du zu diesem Schluss kommst, zumal viele Zahlen für 2016 noch nicht veröffentlicht sind:
https://mediendienst-integration.de/mig ... -geht.html
Mediendienst Integration Wer kommt, wer geht?
Von den rund 2,1 Millionen Zugezogenen kamen laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts 58 Prozent aus einem anderen europäischen Staat nach Deutschland und 45 Prozent aus der Europäischen Union. Aus Asien kamen 30 Prozent der Zuwanderer (220.000), aus Afrika wanderten fünf Prozent ein.

http://www.sueddeutsche.de/politik/juge ... -1.3143223
SZ 31. August 2015 Trotz milliardenschwerer Förderprogramme sind Millionen Menschen unter 25 Jahren ohne Stelle. Besonders schlimm ist es in Südeuropa.
Am stärksten betroffen sind Jugendliche in Griechenland. Dort ist die Arbeitslosenquote mit mehr als 50 Prozent europaweit am höchsten, gefolgt von Spanien und Italien (siehe Grafik). Insgesamt waren im Juli mehr als 4,2 Millionen Jugendliche in der EU ohne Stelle. Das gab die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch bekannt. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Quote junger Erwerbsloser im Euro-Raum um ein Prozent, in der gesamten EU um 1,4 Prozent.

Für die mittelfristige Entwicklung kann man beim besten Willen noch keine Entwarnung geben, vor allem nicht für bestimmte Südländer der EU.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Kibuka » So 4. Dez 2016, 16:37

Alter Stubentiger hat geschrieben:(03 Dec 2016, 10:16)

Deine "Diskussion" beschränkte sich darauf einfach nur die Buzzwörter Massenmigration und Haftungsunion in den Ring zu werfen. Das reicht dir anscheinend um die EU zu bewerten. Für mich ist das indiskutabel. Und wer mit "Massenmigration" kommt sollte ohnehin wissen auf welchem dünnen Eis er sich bewegt. So wie du rumeierst weißt du das auch. So schürt man Überfremdungsängste. Überfremdung. Auch so ein Unwort. Aber seit Pegida scheinen ja solche Aussagen normal zu werden.


Deine Spezialität beschränkt sich offensichtlich darauf, inhaltsleere Beiträge zu verfassen, in denen du mit Nullaussagen eine gewisse Stimmung machst. Von Pegida war nirgends die Rede, aber der Begriff passt ausgezeichnet zu deinem infantilen Diskussionsstil.

Währenddessen sind Eurokrise und Flüchtlingskrise keine inhaltsleeren Phrasen, sondern aktuelle Themen, die selbst auf Wikipedia zahlreiche Seiten füllen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Eurokrise

https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCc ... nd_ab_2015

Themen, die du hier als "Buzzwörter" diskreditierst und anschließend versuchst die User, die diese Themen anschneiden, in eine bestimmte Ecke zu drücken ohne auch nur ansatzweise argumentativ darauf einzugehen.

Besonders frech wird es aber, wenn ahnungslose User, wie du, anderen Usern unterstellen, sie würden sich auf "dünnen Eis bewegen" oder "rumeiern". Gerade du, hast überhaupt kein Recht das zu behaupten, weil deine Beiträge nicht ansatzweise auf das Thema oder auf Inhalte im Allgemeinen eingehen!
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Alter Stubentiger » So 4. Dez 2016, 18:21

Kibuka hat geschrieben:(04 Dec 2016, 16:37)

Deine Spezialität beschränkt sich offensichtlich darauf, inhaltsleere Beiträge zu verfassen, in denen du mit Nullaussagen eine gewisse Stimmung machst. Von Pegida war nirgends die Rede, aber der Begriff passt ausgezeichnet zu deinem infantilen Diskussionsstil.

Währenddessen sind Eurokrise und Flüchtlingskrise keine inhaltsleeren Phrasen, sondern aktuelle Themen, die selbst auf Wikipedia zahlreiche Seiten füllen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Eurokrise

https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCc ... nd_ab_2015

Themen, die du hier als "Buzzwörter" diskreditierst und anschließend versuchst die User, die diese Themen anschneiden, in eine bestimmte Ecke zu drücken ohne auch nur ansatzweise argumentativ darauf einzugehen.

Besonders frech wird es aber, wenn ahnungslose User, wie du, anderen Usern unterstellen, sie würden sich auf "dünnen Eis bewegen" oder "rumeiern". Gerade du, hast überhaupt kein Recht das zu behaupten, weil deine Beiträge nicht ansatzweise auf das Thema oder auf Inhalte im Allgemeinen eingehen!


Überdenke mal selber welche Begrifflichkeiten du verwendest. Es ist nun mal so daß deine Antwort an mich aus genau zwei Worten bestand die wohl alles erklären sollten. Das empfinde ich nun mal als keine Diskussion. Und nochmal. Bedenke mal welche Bilder im Kopf du erzeugst wenn du einfach nur so, ohne eine genauere Aussage, "Massenmigration" in den Ring wirfst. Da entstehen im Kopf Massen von Menschen die Europa fluten. Und genau diese Bilder möchten die Hetzer vom rechten Rand auch erzeugen. Die freuen sich einen Ast ab wenn du so etwas tust. Ich zeige dir nur was du tust. Gut. Ich habe es wohl zu scharf gemacht. Dafür entschuldige ich mich.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » So 4. Dez 2016, 20:28

Wähler hat geschrieben:(04 Dec 2016, 11:59)

Ich weiß nicht, auf Grund welcher Fakten Du zu diesem Schluss kommst, zumal viele Zahlen für 2016 noch nicht veröffentlicht sind:
https://mediendienst-integration.de/mig ... -geht.html
Mediendienst Integration Wer kommt, wer geht?

http://www.sueddeutsche.de/politik/juge ... -1.3143223
SZ 31. August 2015 Trotz milliardenschwerer Förderprogramme sind Millionen Menschen unter 25 Jahren ohne Stelle. Besonders schlimm ist es in Südeuropa.

Für die mittelfristige Entwicklung kann man beim besten Willen noch keine Entwarnung geben, vor allem nicht für bestimmte Südländer der EU.


Nein, ich greife diese Verhaltensweisen unserer Südstaatler doch nicht aus dem luftleeren Raum. Dazu gab es im vergangenen Jahr etliche "features" im Deutschlandfunk. Da nahm die Sache mit dem Wetter, der Sprache und der Familie viel Raum ein.

Warum fluten denn diese jungen Leute ohne Arbeit und Zukunft aus den Südstaaten (Griechenland, Italien, Spanien, Portugal) der EU nicht unseren Arbeitsmarkt? An Ihren Zahlen zweifele ich ja gar nicht. Aber wo bleiben sie denn? Da fehlen keine Unterkünfte, wohl aber für Asylbewerber. Fachkräftemangel wird doch immer wieder genannt.

Als wir noch keine EU hatten, sind die Menschen aus diesen Ländern in Größenordnung Millionen hier eingetroffen, um hier zu arbeiten. Diesen Ansturm sollte man doch nun in der EU erneut erwarten. Aber da kommen im wesentlichen Menschen aus Albanien, Kosovo, Montenegro... als unerwünschte Zuwanderer auf der Asylschiene. Das alles brauchen unsere Südstaatler nicht. Die können kommen und machen. Wo sind sie?
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Satori » Mo 5. Dez 2016, 01:30

H2O hat geschrieben:(04 Dec 2016, 07:33)

Nein, so harsch gehe ich mit den Leuten auch nicht ins Gericht. Das europäische Projekt muß auch Platz haben für solche Mitglieder. Dazu muß man dann nur die zweckmäßigen Randbedingungen schaffen... auf der Seite der EU. Etwa Geld nur dann, wenn... oder offene Grenzen nur dann, wenn...


Geld nur dann ... :?
Wenn ich eine Bank hab, muss ich Kredite vergeben, und wenn der Markt gesättigt ist, also wenn alle Kredit-"würdigen" Kunden jetzt weniger oder
kaum noch Geld aufnehmen, dann biete ich die nächsten Kredite auch den Kreditunwürdigeren Kunden an, denn ich muss ja wachsen,
wachsen, wachsen.
Jetzt ist Griechenland noch mehr pleite als je zuvor.
Die Hilfen, die es erhält, sieht Griechenland gar nicht, die gleich zurück in die Bank.
Oder hab ich was falsch verstanden.
:?:
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon frems » Mo 5. Dez 2016, 02:02

H2O hat geschrieben:(04 Dec 2016, 20:28)
Warum fluten denn diese jungen Leute ohne Arbeit und Zukunft aus den Südstaaten (Griechenland, Italien, Spanien, Portugal) der EU nicht unseren Arbeitsmarkt?

Tun sie doch schon. Alleine 2014 kamen über eine Million Europäer aus Süd- und Osteuropa nach Deutschland. Im Schnitt waren sie deutlich jünger und besser gebildet als die deutsche Durchschnittsbevölkerung, was aber nicht verwunderlich ist, da junge Menschen eine höhere Mobilität bzw. Flexibilität haben, wenn noch kein Nachwuchs da ist. Ebenso gehen höher gebildete Menschen eher zum Fremdsprachunterricht, sofern sie die Sprache ihres Ziellandes nicht schon bereits beherrschen. Und: für Akademiker sieht der Arbeitsmarkt in Deutschland (sowie Skandinavien, England, Irland, Benelux, Österreich, ...) besser aus.

Nur hat man da meist kein großes Fass aufgemacht. Die Leute kamen einfach im Rahmen der europäischen Freizügigkeit. Wie viele junge Leute dauerhaft bei uns bleiben, wird man dann sehen.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Satori » Mo 5. Dez 2016, 02:05

Alter Stubentiger hat geschrieben:(04 Dec 2016, 09:41)

Eine intelligente Analyse wie es nach dem ersten Weltkrieg zu einer weiteren Katastrophe kommen konnte führte zum europäischen Wirtschaftsraum. Es wird gnadenlos unterschätzt welche Vorteile so ein Wirtschaftsraum bringt. Man kann der EU nur vorwerfen bei der Aufnahme neuer Länder (auch in den €uro) nicht genau genug hingeschaut zu haben. Man hat die Probleme unterschätzt. Und man hat die Mentalität der Südländer nicht richtig eingeschätzt. Trotzdem. Bei allen Problemen. Die Probleme vor der Gründung der EU waren größer und sie haben viele Millionen in Jahrhunderten voller Kriege das Leben gekostet. 70 Jahre Frieden in Mitteleuropa gab es noch nie. Und daß quasi jeder jeden Tag satt werden kann war vor 1945 auch nicht selbstverständlich. Ganz abgesehen von den anderen Annehmlichkeiten der Friedensgesellschaft die du jeden Tag in Anspruch nimmst.


Also ich nehm keine Friedensgesellschaft in Anspruch, ich hab schon einmal den Kriegsdienst verweigert.
Ich bin sicher, die meisten hier würden kein Uniform anziehen um für die Reichen in den Krieg zu ziehen.
Seit wahrscheinlich 4, 5 Jahrzehnten sind Mobilisierungen undurchführbar, also in Europa.

Ein friedliches und freiheitliches Europa haben wir längst, wenn sich Länder gegenseitig Zölle erlassen und Arbeitserlaubnis geben usw
gewöhnen wir uns daran. Das war nie ein Problem. Aber die EU war nie ein Friedensprojekt, sondern ein konzentriertes Finanzprojekt.
Wir sollten mal genau hinschauen, wer bisher profitiert hat, und wer bisher veramt wurde.
Seit Maastricht 1993. Und das Meterband in die Zukunft legen, dann sehen wir, wie es weitergehen würde, wenn wir jetzt nicht ein Stopp machen. :cool:

Ich würde sagen, man hat die Mentalität der Südländer richtig eingeschätzt. Man kennt die Neigung zur Korruption
und man bietet den Paten einen Deal an und versichert ihnen einen Fluchtweg, wenn mal "alles rauskommt".
Hat ja geklappt, jetzt kucken die Völker dumm aus der Wäsche.

Zur Mentalität eines EU-Machthabers:

"Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."

''Wenn es ernst wird, muss man lügen''

Jean-Claude Juncker
.
Zuletzt geändert von Satori am Mo 5. Dez 2016, 02:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Satori » Mo 5. Dez 2016, 02:16

frems hat geschrieben:(05 Dec 2016, 02:02)

Tun sie doch schon. Alleine 2014 kamen über eine Million Europäer aus Süd- und Osteuropa nach Deutschland. Im Schnitt waren sie deutlich jünger und besser gebildet als die deutsche Durchschnittsbevölkerung, was aber nicht verwunderlich ist, da junge Menschen eine höhere Mobilität bzw. Flexibilität haben, wenn noch kein Nachwuchs da ist. Ebenso gehen höher gebildete Menschen eher zum Fremdsprachunterricht, sofern sie die Sprache ihres Ziellandes nicht schon bereits beherrschen. Und: für Akademiker sieht der Arbeitsmarkt in Deutschland (sowie Skandinavien, England, Irland, Benelux, Österreich, ...) besser aus.

Nur hat man da meist kein großes Fass aufgemacht. Die Leute kamen einfach im Rahmen der europäischen Freizügigkeit. Wie viele junge Leute dauerhaft bei uns bleiben, wird man dann sehen.


Und einfache Rumänen und Bulgaren müssen in die Hauptstadt fahren, um überhaupt noch einen Arzt zu finden.
Manche deutsche Ärzte fliegen übers Wochenende nach Grossbritannien, um sich was dazu zu verdienen.
Ich kenne eine Hebamme, die lebt gut. Die ist in der Schweiz angestellt.
:thumbup:

.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon frems » Mo 5. Dez 2016, 02:39

Satori hat geschrieben:(05 Dec 2016, 02:16)

Und einfache Rumänen und Bulgaren müssen in die Hauptstadt fahren, um überhaupt noch einen Arzt zu finden.
Manche deutsche Ärzte fliegen übers Wochenende nach Grossbritannien, um sich was dazu zu verdienen.
Ich kenne eine Hebamme, die lebt gut. Die ist in der Schweiz angestellt.
:thumbup:

.

So ist das bei einem gemeinsamen Binnenmarkt halt. Kannst ja eine Mauer um Deine Kommune bauen, damit da niemand rein- oder rauskommt. Oder NPD-Schilder an der Oder aufhängen, die vor der "Poleninvasion" warnen. Immerhin sind 0,8 Mio. Bürger Deutschlands polnischer Staatsangehörigkeit, darauf folgen 0,6 Mio. Italiener: http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/D ... cationFile (S. 109 f.)
Labskaus!

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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Wähler » Mo 5. Dez 2016, 08:58

H2O hat geschrieben:(04 Dec 2016, 20:28)
Warum fluten denn diese jungen Leute ohne Arbeit und Zukunft aus den Südstaaten (Griechenland, Italien, Spanien, Portugal) der EU nicht unseren Arbeitsmarkt? An Ihren Zahlen zweifele ich ja gar nicht. Aber wo bleiben sie denn? Da fehlen keine Unterkünfte, wohl aber für Asylbewerber. Fachkräftemangel wird doch immer wieder genannt.

http://archiv.wirtschaftsdienst.eu/jahr ... utschland/
Der Anteil der Zuzüge aus den alten Mitgliedstaaten der EU ist im Zuge der Wirtschaftskrise in südeuropäischen EU-Staaten wie Griechenland, Spanien und Italien in den letzten Jahren ebenfalls gestiegen und macht derzeit gut ein Fünftel der Zuzüge aus.

Zahlen von 2009 bis 2013.

https://www.welt.de/politik/deutschland ... hland.html
Welt 6. Januar 2016 Wo kommen die Migranten her?
Nicht nur die Asylbewerberzahlen steigen rasant – auch für EU-Bürger ist Deutschland attraktiv wie nie.

Die Zahlen von 2014 und 2015 bestätigen den steigenden Trend seit 2009. Von Flut hat doch niemand jemals gesprochen. Es geht um steigenden Migrationsdruck, auch unabhängig von der Flüchtlingsproblematik. Muss ja nicht negativ sein, schafft aber praktische Probleme, die zu lösen sind.
Zuletzt geändert von Wähler am Mo 5. Dez 2016, 09:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Mo 5. Dez 2016, 09:44

Satori hat geschrieben:(05 Dec 2016, 01:30)

Geld nur dann ... :?
Wenn ich eine Bank hab, muss ich Kredite vergeben, und wenn der Markt gesättigt ist, also wenn alle Kredit-"würdigen" Kunden jetzt weniger oder
kaum noch Geld aufnehmen, dann biete ich die nächsten Kredite auch den Kreditunwürdigeren Kunden an, denn ich muss ja wachsen,
wachsen, wachsen.
Jetzt ist Griechenland noch mehr pleite als je zuvor.
Die Hilfen, die es erhält, sieht Griechenland gar nicht, die gleich zurück in die Bank.
Oder hab ich was falsch verstanden.
:?:

Ja, haben Sie; Griechenland trägt so gut wie gar keine Schulden ab; zahlt vielleicht noch einen lachhaften Zins für Teile der aufgenommenen Schulden. Das Geld der Euro-Gruppe wird benötigt, um den griechischen Staatshaushalt zu finanzieren. Konnten Sie schon sehen, als in den Verhandlungen für weitere Gelder der Geldzufluß abbrach. Das war gar nicht lustig für die Griechen.

Das wesentliche Ziel muß nach wie vor der ausgeglichene Haushalt sein... ganz unabhängig von Zinszahlungen und Rückzahlungen zu ermitteln. Leider wird derzeit nicht so genau beobachtet, ob das Land sich diesem Zustand nähert. Bis zum nächsten Crash...?
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Mo 5. Dez 2016, 09:48

Wähler hat geschrieben:(05 Dec 2016, 08:58)

http://archiv.wirtschaftsdienst.eu/jahr ... utschland/

Zahlen von 2009 bis 2013.

https://www.welt.de/politik/deutschland ... hland.html
Welt 6. Januar 2016 Wo kommen die Migranten her?

Die Zahlen von 2014 und 2015 bestätigen den steigenden Trend seit 2009. Von Flut hat doch niemand jemals gesprochen. Es geht um steigenden Migrationsdruck, auch unabhängig von der Flüchtlingsproblematik. Muss ja nicht negativ sein, schafft aber praktische Probleme, die zu lösen sind.


Alle Achtung; Sie haben sich um Maß und Zahl bemüht. Die Zuwanderung aus der EU beträgt derzeit also 1/5 des gesamten Zuzugs. Tatsächlich stammt aber die große Zahl der Zuwanderer aus Rumänien, Polen, Bulgarien, Kroatien und Ungarn.

https://www.welt.de/politik/deutschland ... hland.html

Die Gesamtzahl der arbeitssuchenden "Südländer" erreicht noch nicht einmal die Zahl der Rumänen oder der Polen, die bei uns Arbeit und Brot suchen. Darum fürchte ich, daß diese Wanderungsbewegung kaum zum Abbau der 25% Jugendarbeitslosigkeit in den Südländern beiträgt. Ich finde diese Erkenntnis ernüchternd.
Zuletzt geändert von H2O am Mo 5. Dez 2016, 10:09, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 5. Dez 2016, 10:04

H2O hat geschrieben:(02 Dec 2016, 13:12)

Auch diesen Profis müßte klar sein, daß Investitionen der Art Györ davon leben, daß zwischen den beteilgten Staaten ein gutes Einvernehmen auf fast allen Ebenen herrscht. Mit anderen Worten: Wenn aus dem Schengenthema ein Mini-Schengen wird, oder auch mit dem Zoll- und Steuersystem etwas auseinander läuft, dann verdorrt ein so erfreulicher Setzling auch wieder. Der technische Wandel ist nun einmal nicht an solche Orte gebunden. Für gewöhnlich reißen sich die Regionen um solche Investitionen, kauen Wölfe auch schon einmal Kreide.


Ja. Das ist richtig. Aber irgendwie bringen Politiker wie Orbán oder Kaczynski es fertig, diese neu erwachte Vaterlandsliebe mit einem ziemlich investorenfreundlichen Klima zu verbinden. Abgesehen von VW/Audi in Györ: Erst im Juli dieses Jahres kündigte Daimler-Benz an, ein weiteres (zweites) großes Werk im ungarischen Kecskemét zu bauen. Mit Milliarden-Investitionen und hunderten qualifizierten Jobs (auch dort soll nicht nur gefertigt sondern entwickelt werden). Man wird dieses Phänomen, dass Politiker wie Orbán (scheinbar) vor Kraft kaum laufen können und oppositionelle Parteien völlig an den Rand drängen, nicht verstehen, wenn man diese Kombination aus populistischem Nationalismus einerseits und absolut pragmatischer Wirtschaftspolitik andererseits nicht durchschaut.

So sprachen denn auch Orbán und Kaczynski bei einem Wirtschaftstreffen im September davon, sie wollten der EU durch eine "kulturelle Gegenrevolution" (wörtlich) "auf die Beine helfen". Das ist ziemlich genau auch das politische Programm von Fillon. "Mister Nobody muss jetzt Europa retten" ist bezeichnenderweise ein jüngerer Artikel in der WELT dazu überschrieben.

Die eigentliche Frage ist, wie progressive, linksliberal eingestellte Menschen sich dazu stellen und damit umzugehen gedenken.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Mo 5. Dez 2016, 10:17

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Dec 2016, 10:04)

Ja. Das ist richtig. Aber irgendwie bringen Politiker wie Orbán oder Kaczynski es fertig, diese neu erwachte Vaterlandsliebe mit einem ziemlich investorenfreundlichen Klima zu verbinden. Abgesehen von VW/Audi in Györ: Erst im Juli dieses Jahres kündigte Daimler-Benz an, ein weiteres (zweites) großes Werk im ungarischen Kecskemét zu bauen. Mit Milliarden-Investitionen und hunderten qualifizierten Jobs (auch dort soll nicht nur gefertigt sondern entwickelt werden). Man wird dieses Phänomen, dass Politiker wie Orbán (scheinbar) vor Kraft kaum laufen können und oppositionelle Parteien völlig an den Rand drängen, nicht verstehen, wenn man diese Kombination aus populistischem Nationalismus einerseits und absolut pragmatischer Wirtschaftspolitik andererseits nicht durchschaut.

So sprachen denn auch Orbán und Kaczynski bei einem Wirtschaftstreffen im September davon, sie wollten der EU durch eine "kulturelle Gegenrevolution" (wörtlich) "auf die Beine helfen". Das ist ziemlich genau auch das politische Programm von Fillon. "Mister Nobody muss jetzt Europa retten" ist bezeichnenderweise ein jüngerer Artikel in der WELT dazu überschrieben.

Die eigentliche Frage ist, wie progressive, linksliberal eingestellte Menschen sich dazu stellen und damit umzugehen gedenken.


Kurz geschüttelt... und auch gut! Wenn denn die freie Fahrt für Geld und Wirtschaft ungehindert bei Rechtssicherheit funktioniert, dann soll uns Deutschen das doch nur Recht sein. Derzeit sieht es so aus, daß jährlich ~300.000 Menschen aus Rumänien, Polen, Bulgarien und Ungarn bei uns Arbeit und Brot suchen. Wenn man die Arbeit dorthin brächte, dann wäre das auch nicht schlecht.

Dann ist aber die EU nicht mehr der richtige Rahmen, sondern zweiseitige Verträge mit diesen Ländern. Die EU als Wertegemeinschaft können wir dann anderweitig leben.

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