Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Di 13. Dez 2016, 10:57

Wähler hat geschrieben:(13 Dec 2016, 08:01)

Dass die Migrationsdynamik in den EU-Südländern stetig zunimmt, ist unbestritten. Die Auswirkungen in den Ausgangsländern und im Zielland Deutschland sind aber nicht so negativ, wie oft dargestellt. Meine italienische Nichte kommt gerne nach Deutschland zur Berufsausbildung, während mein Neffe sich in Italien wohler fühlt. Überlegenswert ist es, dass die Migrationsdynamik auch in den Ausgangsländern gebremst wird, um dem zunehmenden nationalen Populismus in der EU nicht weiter Vorschub zu leisten.


Ihre Darstellung der zweigeteilten Wanderlust bringt mich auf einen neuen Gedanken: Die jungen und wohl auch wagemutigeren jungen Leute verlassen ihr Land, bringen uns hier Jugend, Wagemut und Weltoffenheit mit ins Land... ob sie nun aus Polen, Rumänien oder Italien kommen. Zurück bleiben die erdverbundenen jungen Leute, die vielleicht auch aus ihrer Erdverbundenheit eine insgesamt löbliche Angelegenheit machen: "Bleibe im Lande, und nähre Dich redlich!" Bis zum Populismus ist es dann vielleicht nicht mehr so weit. :(
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Atheist » Di 13. Dez 2016, 10:58

William hat geschrieben:(13 Dec 2016, 10:30)

Wirklich freie Marktwirtschaft wird bei den derzeitig vorherrschenden Situationen im und rund um den Globalismus nicht möglich sein, denn solange es Länder und Kontinente samt entsprechenden Grenzen gibt, wird sich niemals absolutes Gleichgewicht einstellen.
Gleiche Rechte und Pflichten, ergo auch gleiche Preise und möglichst gleiche Vermögen für alle - also eine Art NWO der sozialen (und finanziellen) Gerechtigkeit - wird es niemals geben, weder innhalb eines einzelnen Landes noch global.


Den freien Markt unfreier zu gestalten mit der prophetischen Weissagung, dass das Ziel nie erreicht werden könne, halte ich dann doch für zu dünn, um damit etwas anfangen zu können.

Dieser Ideologie ist noch nicht mal Merkel verfallen, obwohl ich sie für die in dieser Hinsicht derzeit größte Träumerin mit Machtanspruch halte.
Aber selbst sie spricht nicht von freier sondern sozialer Marktwirtschaft und das will etwas heißen.


Die maßgebliche Bedeutung, die diesem Begriff neben seiner Geschichte und der Lehre rund um ihn zukommt, ist die Vernebelung der Tatsache, dass es zwischen der freien und der Zentralverwaltungswirtschaft keine dritte Richtung geben kann. Mit der sozialen Marktwirtschaft werden lediglich die wohlfahrtlichen Partikularinteressen der breiten Masse, der Mittelschicht, zu Lasten der Ober- und der Unterschicht staatlich erzwungen. Das kann man gut oder schlecht finden, man muss es aber als das zur Kenntnis nehmen, was es ist.

Sie übertreibt es mit dem "sozial" und tritt damit dem arbeitenden Mittelstand auf den Füßen herum, deswegen schrumpft er auch.


Als ob all die geretteten privaten Renten, vielfach Versorgungungswerke der Freiberufler, nicht dem "Mittelstand" gleichgestellt wären...

Und ja, es wird gegenleistungslos Geld an das Volk (und auch die Hochfinanz) verschenkt. Zunehmend mehr und das seit Jahren, u.a. deswegen befinden wir uns auch immer noch in einer Krise.


Über die "Hochfinanz" ließe sich stellenweise streiten, dem restlichen Volk wird selbstverständlich nichts geschenkt. Wie kommst du auf diesen Dampfer?
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon William » Di 13. Dez 2016, 12:08

Atheist hat geschrieben:(13 Dec 2016, 10:58)

Den freien Markt unfreier zu gestalten mit der prophetischen Weissagung, dass das Ziel nie erreicht werden könne, halte ich dann doch für zu dünn, um damit etwas anfangen zu können.



Die maßgebliche Bedeutung, die diesem Begriff neben seiner Geschichte und der Lehre rund um ihn zukommt, ist die Vernebelung der Tatsache, dass es zwischen der freien und der Zentralverwaltungswirtschaft keine dritte Richtung geben kann. Mit der sozialen Marktwirtschaft werden lediglich die wohlfahrtlichen Partikularinteressen der breiten Masse, der Mittelschicht, zu Lasten der Ober- und der Unterschicht staatlich erzwungen. Das kann man gut oder schlecht finden, man muss es aber als das zur Kenntnis nehmen, was es ist.



Als ob all die geretteten privaten Renten, vielfach Versorgungungswerke der Freiberufler, nicht dem "Mittelstand" gleichgestellt wären...



Über die "Hochfinanz" ließe sich stellenweise streiten, dem restlichen Volk wird selbstverständlich nichts geschenkt. Wie kommst du auf diesen Dampfer?


Machtparteien wie SPD und CDU haben mit Unterstützung der Linksgrünen der freien Marktwirtschaft längst entsagt, u.a. in dem immer noch mehr Bürokratie installiert wurde und Gesetze beschlossen, die einen freien Handel eher unterbinden denn stärken.
Jeder kann durch Globalismus profitieren, so die Doktrin. Das ist soweit korrekt, nur sollten die Leute auch begreifen, dass mit "jeder" nicht "alle" gemeint ist. Beim Lottospiel begreift diese einfache Regel der Geldumverteilung jeder, im konkreten Wissen dass nicht alle Millionär werden können.
Globaler Kapitalismus funktioniert ähnlich, nur da kapieren es die Wenigsten. Eigentlich recht erstaunlich, findest du nicht auch?!

Den Dampfer kannst du bei den Flüchtlingen/Migranten beobachten. Ihnen wird geschenkt, ohne dass sie je etwas zur fiskalischen Struktur Deutschlands beigetragen haben. Gleiches gilt auch für diverse Deutsche der Unterschicht welche nicht willens oder in der Lage sind jemals etwas beizusteuern, aber auch z.B. Ausgaben bei Bankenrettungen, egal ob deutschland- oder zukünftig eurolandweit, die oftmals unwiederbringlich verloren sein werden. Den Schaden trägt nicht die Politik sondern gemeinhin der Steuerzahler, also das arbeitende Volk und Firmen "unserer freien Marktwirtschaft".
Viele wollen sich ihr Vermögen nicht dreist vom Staat klauen lassen, deswegen bringen sie es ins Ausland oder verstecken es andersweitig vor dem Fiskus. Ich bin kein Freund von Steuersündern, ganz im Gegenteil, wenn der Staat jedoch Geldverdünnung betreibt und damit alle ärmer macht anstatt wirtschaftliche! Leistung zu honorieren, dann sind wir nicht nur von freier Wirtschaft meilenweit entfernt, sondern schaffen damit den Standort Deutschland und EU ab.
Auch das ist ist ein Grund für die Krise und das wissen Merkel, Schäuble & Co. haargenau. Cui bono? Nicht mir, nicht dir, nicht den Arbeitern und Investoren, sondern nur einigen Wenigen und den Abgehängten. Wobei auch Letztere noch dafür bluten werden müssen, das hat die Geschichte immer wieder eindrucksvoll bewiesen.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon frems » Di 13. Dez 2016, 14:26

Allenstein hat geschrieben:(12 Dec 2016, 08:06)

Das Perverse ist doch, daß die EU-Faschisten das als Errungenschaft ihrer EU feiern, wenn Jugendliche aus Südeuropa ihre Heimat, Familie und Freunde verlassen und tausende Kilometer nach Norden wandern müssen, um einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu finden.

Wenn Du Dir mit Satori einen Wettstreit darüber leisten möchtest, wer die dümmsten, ungebildetsten Sprüche klopfen kann, dann haltet mich da bitte raus. Danke. Trefft Euch einfach irgendwo in Bautzen auf ein Bier und gut iss.
Labskaus!

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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon frems » Di 13. Dez 2016, 14:55

Wähler hat geschrieben:(13 Dec 2016, 08:01)

Dass die Migrationsdynamik in den EU-Südländern stetig zunimmt, ist unbestritten. Die Auswirkungen in den Ausgangsländern und im Zielland Deutschland sind aber nicht so negativ, wie oft dargestellt. Meine italienische Nichte kommt gerne nach Deutschland zur Berufsausbildung, während mein Neffe sich in Italien wohler fühlt. Überlegenswert ist es, dass die Migrationsdynamik auch in den Ausgangsländern gebremst wird, um dem zunehmenden nationalen Populismus in der EU nicht weiter Vorschub zu leisten.

Negativ ist er höchstens für einige Modernisierungsverlierer. Das muss man nicht überbewerten, wenn man sieht, wie einige Wirrköpfe nur so vor Rassismus triefen und in ihrem Wahn völlig unzugänglich für Fakten sind.
Labskaus!

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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Fuerst_48 » Di 13. Dez 2016, 15:17

frems hat geschrieben:(13 Dec 2016, 14:55)

Negativ ist er höchstens für einige Modernisierungsverlierer. Das muss man nicht überbewerten, wenn man sieht, wie einige Wirrköpfe nur so vor Rassismus triefen und in ihrem Wahn völlig unzugänglich für Fakten sind.

Völlig richtig angemerkt. Tragik bekommt das Ganze nur, wenn solche Wirrköpfe an den "Schalthebeln der Macht" sitzen... :thumbup:
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » Mi 14. Dez 2016, 07:03

Ich kann soweit nichts neues an der E.U erkennen.
Einig sind sie sich nur darin das sie sich uneinig sind.Jetzt macht Österreich einen auf Bewahrer
des Parlaments in dem der Kurz den Beschluss Verhandlungen mit der Türkei zu beenden besonders dem Einfrieren des Ministerrates entgegenstellt.Man soll ehrlich zu den Türken sein.Die gute Seele vor Weihnachten noch mal
was nettes tun.Hat wahrscheinlich seinem Ego gut getan. Österreich auf dem Weg zur Visengardmacht.Nein im Moment wirklich nichts neues und das ist das schlimme.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Wähler » Mi 14. Dez 2016, 09:54

http://www.spiegel.de/politik/ausland/e ... 25801.html
Spiegel 14. Dezember 2016 Kampf um EU-Parlamentspräsident - Absage an die Große Koalition
Es sei für ihn derzeit "völlig unmöglich", die informelle Große Koalition fortzusetzen, sagte Pittella (Sozialdemokrat) wenige Stunden vor Tajanis (Christdemokrat) Wahl in Straßburg. Man werde in Zukunft von Thema zu Thema entscheiden, mit wem man kooperiere. In einer "strukturierten Zusammenarbeit" mit der EVP sehe er keinen Sinn.

Denn Tajani ist letztlich ein Kandidat Südeuropas. In der EVP hat er die Unterstützung von Italienern, Portugiesen, Spaniern, Rumänen und am Ende, nach einer Empfehlung des im ersten Wahlgang abgestraften Lamassoure, auch der Franzosen. Sie alle drängen auf ein Ende der deutschen Sparpolitik.

Ein kontinuierlicher Streit um Sachthemen ist besser, als eine "strukturierte Zusammenarbeit". Das schafft mehr Transparenz.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Mi 14. Dez 2016, 10:43

Wähler hat geschrieben:(14 Dec 2016, 09:54)

http://www.spiegel.de/politik/ausland/e ... 25801.html
Spiegel 14. Dezember 2016 Kampf um EU-Parlamentspräsident - Absage an die Große Koalition


Ein kontinuierlicher Streit um Sachthemen ist besser, als eine "strukturierte Zusammenarbeit". Das schafft mehr Transparenz.


Richtig; so lange keine Regierung mit Regierungskoalition gebildet werden muß, sehe ich auch keinen besonderen Sinn in einem Parteienzusammenschluß. Der sollte vor Wahlen mit Vertrag beschlossen werden, und man tritt dann mit einer gemeinsamen Liste zur Wahl an. Ein Parlament ist der Ort, an dem über Sachen und Sichtweisen gestritten werden soll, um am Ende den bestmöglichen Lösungsweg im bestehenden Machtgefüge anbieten zu können. Der Streit soll auch öffentlich geführt werden, damit der Wähler zumindest mitdenkend das Ergebnis versteht.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 16. Dez 2016, 08:41

Die mächtigste Frau der Welt übernimmt Verantwortung. Global. Genauergesagt Berlin, noch offizieller die EU. Flankiert vom "neuen Europa" (O-Ton Ex-US Außenminister Rumsfeld), Polen. Jetzt wo die Briten praktisch weg sind, also die US-Trojaner (O-Ton Charles de Gaulle) springt Warschau bei. Womöglich die neuen Trojaner. Merkel wirft Moskau und Teheran Verbrechen vor. Genaueres ist nicht bekannt.

Merkel wirft Russland und Iran Verbrechen in Aleppo vor

Erst nach Stunden konnten sich die EU-Staaten auf eine Sprachregelung zu Aleppo einigen. Merkel erhob schwere Vorwürfe gegen Russland und Iran. Tusk versicherte: "Uns ist das Leiden nicht egal."

http://www.spiegel.de/politik/ausland/e ... 26136.html


Natürlich sind Tusk die Aktivitäten Russlands nicht egal. Das war es Polen noch nie. Auch ist die fremdenfreundliche Tusk-Regierung, die Ausländer, solange sie da bleiben, wo sie sind auch nicht egal.

Bis dato sieht es so aus, daß der Frauen, Mexikaner, Muslim und Behindertenfreund Trump, mit seinem zukünftigen Ex-Exxon, russlandfreundlichen Außenminister, nicht sehr empathisch mit den Leiden innerhalb und außerhalb der USA umgehen wird. So muß es die EU sein?
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Fr 16. Dez 2016, 14:56

King Kong 2006 hat geschrieben:(16 Dec 2016, 08:41)

Die mächtigste Frau der Welt übernimmt Verantwortung. Global. Genauergesagt Berlin, noch offizieller die EU. Flankiert vom "neuen Europa" (O-Ton Ex-US Außenminister Rumsfeld), Polen. Jetzt wo die Briten praktisch weg sind, also die US-Trojaner (O-Ton Charles de Gaulle) springt Warschau bei. Womöglich die neuen Trojaner. Merkel wirft Moskau und Teheran Verbrechen vor. Genaueres ist nicht bekannt.



Natürlich sind Tusk die Aktivitäten Russlands nicht egal. Das war es Polen noch nie. Auch ist die fremdenfreundliche Tusk-Regierung, die Ausländer, solange sie da bleiben, wo sie sind auch nicht egal.

Bis dato sieht es so aus, daß der Frauen, Mexikaner, Muslim und Behindertenfreund Trump, mit seinem zukünftigen Ex-Exxon, russlandfreundlichen Außenminister, nicht sehr empathisch mit den Leiden innerhalb und außerhalb der USA umgehen wird. So muß es die EU sein?


In der EU wollte bisher nur Rußland Unfrieden stiften. Nun kommen offenbar weitere Störer dazu. Dann muß man die Reihen schließen und Freunde dort suchen, wo gleiche Interessen an zu treffen sind. Noch ist die EU nicht verloren!

Was halten Sie denn von Jaroslaw Kaczyńskis Ausspruch: "Frau Merkels Wahlsieg liegt im polnischen Interesse!" Gibt es da zarte Annäherungsversuche? :)
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Europa2050 » Fr 16. Dez 2016, 15:17

H2O hat geschrieben:(16 Dec 2016, 14:56)

In der EU wollte bisher nur Rußland Unfrieden stiften. Nun kommen offenbar weitere Störer dazu. Dann muß man die Reihen schließen und Freunde dort suchen, wo gleiche Interessen an zu treffen sind. Noch ist die EU nicht verloren!

Was halten Sie denn von Jaroslaw Kaczyńskis Ausspruch: "Frau Merkels Wahlsieg liegt im polnischen Interesse!" Gibt es da zarte Annäherungsversuche? :)


Ich hatte es in dem gelöschten Tread zum polnischen Fake-Brief schon geschrieben:
Kaczynski mag ein Nationalist und innen- und gesellschaftspolitisch total daneben sein - an die
Giedroyc - Doktrin hält er sich genau so wie alle polnischen Nachwenderegierungen, auch die seines Bruders.

Und die besagt eben, dass für Polens Freiheit und Sicherheit gute Beziehungen zu unabhängigen ULB-Staaten und zu einem vereinten Deutschland nötig sind.

In sofern überraschen mich solche Aussagen nicht.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Fr 16. Dez 2016, 15:31

Europa2050 hat geschrieben:(16 Dec 2016, 15:17)

Ich hatte es in dem gelöschten Tread zum polnischen Fake-Brief schon geschrieben:
Kaczynski mag ein Nationalist und innen- und gesellschaftspolitisch total daneben sein - an die
Giedroyc - Doktrin hält er sich genau so wie alle polnischen Nachwenderegierungen, auch die seines Bruders.

Und die besagt eben, dass für Polens Freiheit und Sicherheit gute Beziehungen zu unabhängigen ULB-Staaten und zu einem vereinten Deutschland nötig sind.

In sofern überraschen mich solche Aussagen nicht.


So lange die Polen auf diesem frommen Pfad wandeln, kann Ihnen auch nichts Böses widerfahren. Am besten wäre eine besonders innige Beziehung zwischen beiden Ländern, etwa vom Ansatz her so wie die deutsch-französische Partnerschaft. Die erlebt auch Höhen und Tiefen, aber sie berappelt sich dann doch immer wieder.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Europa2050 » Fr 16. Dez 2016, 15:43

Könnte aber sein, dass die "Russki-Mir-Fraktion", die zwischen Berlin und Moskau nur Zwischenräume verortet, das anders sieht ;)

Ich finde Polen und die Polen klasse.

Geht mir aber bei Tschechen, Österreichern, Schweizern, Franzosen, Beneluxiern und Dänen genau so. Ich würde meine Nachbarschaft nicht eintauschen wollen ...
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Fr 16. Dez 2016, 19:34

Europa2050 hat geschrieben:(16 Dec 2016, 15:43)

Könnte aber sein, dass die "Russki-Mir-Fraktion", die zwischen Berlin und Moskau nur Zwischenräume verortet, das anders sieht ;)

Ich finde Polen und die Polen klasse.

Geht mir aber bei Tschechen, Österreichern, Schweizern, Franzosen, Beneluxiern und Dänen genau so. Ich würde meine Nachbarschaft nicht eintauschen wollen ...


Ja, das kann natürlich sein... für viele Menschen scheint ein Gefühl von Allmacht, und wenn diese Allmacht beim Herrscher aller Reussen liegt, immer noch etwas zu sein, wofür sie Kopf und Kragen auf's Spiel setzen würden.

Wir Deutschen sind zum ganz überwiegendem Teil geheilt von solchen Träumen, die meist in Verzweiflung, Angst und Not enden... jedenfalls ist uns Deutschen das nun mehrfach so ergangen. Unsere westlichen Nachbarn haben das wohl verstanden, bis auf einige versprengte Dauernörgler. Wenn wir Deutschen schon nicht mit furchterregenden Armeen auftrumpfen, dann eben mit unserer vernichtenden Wirtschaftskraft, und wenn wir zwischendurch als "kranker Mann Europas" bedauert werden wollen, dann kommt da auch nur Hohn. Ein erträgliches Maß an Irren finden wir in jedem unserer europäischen Völkchen.

Ja, es wäre gut, wenn die Polen auch ohne Wenn und Aber auf diese westeuropäische Linie einschwenkten, anstatt sich ausdauernd und hingebungsvoll in ihrer so ungerechten Vergangenheit zu wälzen. Ich lebe hier auf dem platten Lande in Pommern... und "meine Polen" sind durchweg liebenswerte Leute, hilfsbereit und aufgeschlossen, die sich rührend um mich alten Knacker bemühen. Nur die Sprache, die ist der Schlüssel zu den Menschen... und wenn sie erkennen, wie sehr man sich mit ihrer Sprache um Verständigung bemüht, dann öffnen sich die Herzen vom "kleinen Mann" bis zur leitenden Amtsperson. So meine Erfahrung.

Als Europäer ist mir nur ein-, zweimal im Leben ein europäischer Nachbar grundlos dumm gekommen; da war ich noch ein kleiner Junge bis Halbwüchsiger und der vergangene Krieg steckte den Leuten wohl noch tief in den Knochen. Vielleicht plagte sie auch das schlechte Gewissen nach der Zusammenarbeit mit den Nazis, so daß sie öffentlich zeigen wollten, daß sie ganz tolle Helden im Dienste für das Vaterland sind. Mein Onkel, ein Flame, hat diesen üblen Stänkern mit passenden Bemerkungen den Tag versaut. Scheinriesen...

Aber die Sprachen sind später auch der Schlüssel zu den Menschen gewesen: Italien, Frankreich, Belgien... da fühlte ich mich immer wohl und gut aufgenommen, im Urlaub und auch dienstlich. Und nun, auf meine alten Tage, lebe ich monatelang in Polen, in einer wunderschönen ländlichen Gegend. Auch darum liegt mir natürlich an einem besonders guten Verhältnis zu Polen auf allen Ebenen... der reinste Eigennutz! :)
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » Fr 16. Dez 2016, 22:31

Es mag sein das Polen die Russen nicht besonders mag, aber dafür verstehen sie es gut
sich allgemein in ein schlechtes Licht zu rücken.
Die Westorientierung wird ja seit Jahrzehnten
gepredigt und trotzdem wird zu viel auf Deutschland rumgehackt! Vergangenheit kann
nicht allein der Grund sein,oder doch?? Gott sei
Dank gibt es in Polen noch besonnene Köpfe
die nicht alles mit ihrer Nationalen Brille sehen!!
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Fr 16. Dez 2016, 23:35

Ger9374 hat geschrieben:(16 Dec 2016, 22:31)

Es mag sein das Polen die Russen nicht besonders mag, aber dafür verstehen sie es gut
sich allgemein in ein schlechtes Licht zu rücken.
Die Westorientierung wird ja seit Jahrzehnten
gepredigt und trotzdem wird zu viel auf Deutschland rumgehackt! Vergangenheit kann
nicht allein der Grund sein,oder doch?? Gott sei
Dank gibt es in Polen noch besonnene Köpfe
die nicht alles mit ihrer Nationalen Brille sehen!!


Ja, das offizielle Gehabe kann einem ganz erheblich auf den Senkel gehen. Aber man muß schon sagen, daß das Herumgehacke auf Deutschland inzwischen doch sehr nachgelassen hat. Im persönlichen Bereich habe ich hier nicht ein einziges unangenehmes Gespräch über längst vergangene Vorfälle erlebt. Wenn man bei der platten Wahrheit bleibt, dann gibt es auch keinen Streit. Es bringt ja keinen einzigen Schritt voran, wenn man beharrlich in den Greueln der Vergangenheit herum bohrt und dann vor Selbstmitleid zerfließt. Das haben hier vermutlich viele Leute dazu gelernt.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Di 20. Dez 2016, 20:41

Muß die "neue EU" eine Festung werden, um zu überleben?

Was wird die Führungsmacht der EU, Deutschland und Merkel (mächtigeste Frau der Welt), jetzt gezwungen sein zu tun? Nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt? Es wäre sicherlich vermessen dem oder den Attentätern so viel Macht zu zusprechen, mit diesem Terroranschlag soviel Einfluß auf Deutschland und der EU, das wäre fatal, aber Merkel kann das nicht ignorieren.

Ich bewundere die stoische Haltung Merkels. Sie ist sicher eine fähige und weitsichtige Politikerin. Aber Menschen machen eben auch mal Fehler. Oder wie man es nennen mag. Meiner Meinung nach, war ihre Führung während des Flüchtlingsansturms und ich benutze bewußt diese Formulierung ein Versagen epischen Ausmasses. Für Deutschland und für die EU. Das war etwas, daran haben Generationen etwas. Meiner Meinung nach ein schlimmer Fehler. Dafür hat sie zwar den Respekt von Zeitschriften erhalten, die sie tabellarisch ganz oben als tollste Person 2016 listen konnten und Erdogan kann sie herumführen, aber das kanns ja nicht sein... Sie ist dt. Bundeskanzlerin und hat eine primäre Verantwortung für Deutschland. Und alles was das beeinhaltet. Und vielleicht noch, als größtes Schwergewicht, Verantwortung für die EU.

Wie soll Deutschland, das von seinen Nachbarn (nicht nur von der eigenen Opposition) schwere Führungsschwächen vorgeworfen wird, wenn auch nicht immer offen, aber ich erinnere an Nachbarn wie Österreich, sich positionieren in der EU?

Festung Deutschland? Oder Festung Europa? Festung Deutschland könnte ein KO für die EU bedeuten. GB kann man noch gehen lassen. Deutschland? Das wars. Also, sollte es Festung EU werden? Dann kann das nicht noch einmal wiederholt werden, was Merkel da zugelassen hat. Asylrecht ja, aber gecheckt an der Außengrenze der EU. Alles andere ist eine Einladung zu kommen. Nicht nur besteht die Gefahr durch unkontrollierter Einwanderung und gesellschaftlicher Unruhe, sondern auch durch die Reaktionen an der Wahlurne. Ich mache ungern diese Vergleiche, aber es sind schon schlimme Leute gewählt worden.

Die EU kann nur stark sein und ihre Werte behaupten, wenn sie stark ist. Eine zerrüttete, erschütterte EU, von innen heraus, schafft das nicht. Es ist die Pflicht - auch von Merkel - dafür zu sorgen. Dafür hat sie einen Eid abgelegt. Ich will keinen Schreihals Trump in Deutschland. Oder Erdogan. Damit das nicht geschieht, muß Merkel vielleicht ein bißchen so werden?

Eines ist klar. Es muß rechtsstaatlich gehandelt werden. Sonst lachen sich die Terroristen kaputt. Man macht genau das, was sie wollen. Blöder kann man nicht sein. Aber man kann auch mal realpolitischer werden.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Di 20. Dez 2016, 21:50

King Kong 2006 hat geschrieben:(20 Dec 2016, 20:41)

Muß die "neue EU" eine Festung werden, um zu überleben?
Natürlich nicht; wohl aber werden wir unsere Außengrenzen wirksamer schließen müssen, damit unerwünschte Zuwanderer nicht einfach die innere Reisefreiheit in der EU für verbrecherisches Treiben mißbrauchen können. Bis dahin muß Deutschland seine Landesgrenze leider wieder kontrollieren, damit der Leichtsinn unserer Partner hier zu Lande möglichst wenig Schaden anrichten kann.

Was wird die Führungsmacht der EU, Deutschland und Merkel (mächtigeste Frau der Welt), jetzt gezwungen sein zu tun? Nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt? Es wäre sicherlich vermessen dem oder den Attentätern so viel Macht zu zusprechen, mit diesem Terroranschlag soviel Einfluß auf Deutschland und der EU, das wäre fatal, aber Merkel kann das nicht ignorieren.
Frau Merkel muß und kann gar nichts tun. Der Innenminister und seine Länderkollegen müssen ihre Arbeit machen, unsere Geheimdienste müssen sämtliche irgendwie dazu geeigneten Verfahren anwenden, um mögliche Täter festsetzen zu können und entwischte Täter fangen zu können. Unser Parlament muß entsprechende Vollmachten erteilen bis hin zum Ausnahmezustand, wenn sinnvoll... siehe Frankreich.

Ich bewundere die stoische Haltung Merkels. Sie ist sicher eine fähige und weitsichtige Politikerin. Aber Menschen machen eben auch mal Fehler. Oder wie man es nennen mag. Meiner Meinung nach, war ihre Führung während des Flüchtlingsansturms und ich benutze bewußt diese Formulierung ein Versagen epischen Ausmasses. Für Deutschland und für die EU. Das war etwas, daran haben Generationen etwas. Meiner Meinung nach ein schlimmer Fehler. Dafür hat sie zwar den Respekt von Zeitschriften erhalten, die sie tabellarisch ganz oben als tollste Person 2016 listen konnten und Erdogan kann sie herumführen, aber das kanns ja nicht sein... Sie ist dt. Bundeskanzlerin und hat eine primäre Verantwortung für Deutschland. Und alles was das beeinhaltet. Und vielleicht noch, als größtes Schwergewicht, Verantwortung für die EU.

Nachskaten kann jeder; wir wissen noch nicht einmal, ob der Täter (die Täter?) von Berlin überhaupt etwas mit den Flüchtlingen im Herbst des Jahres 2015 zu tun hat, bauen aber schon ein ganzes Gebäude von Vorwürfen und Verantwortlichkeiten auf! Das ist wirklich abwegig! Ich meine inzwischen aber auch, daß die Kanzlerin sich vermehrt von internationalen Aufgaben lösen sollte, um etliche Schieflagen im Inneren zurecht zu rücken. Die EU wird sich auch ohne Deutschland als Treiber oder Zugpferd behelfen müssen. Die Reibungsverluste auf der Ebene sind viel zu hoch.

Wie soll Deutschland, das von seinen Nachbarn (nicht nur von der eigenen Opposition) schwere Führungsschwächen vorgeworfen wird, wenn auch nicht immer offen, aber ich erinnere an Nachbarn wie Österreich, sich positionieren in der EU?

Deutschland soll seinen Verpflichtungen in der EU nachkommen und jene handeln lassen, die sich dazu bereit erklärt hatten, und die zugehörigen politischen Ämter besetzen. Meckern können auch deutsche Politiker, wenn ihnen etwas nicht paßt.

Festung Deutschland? Oder Festung Europa? Festung Deutschland könnte ein KO für die EU bedeuten. GB kann man noch gehen lassen. Deutschland? Das wars. Also, sollte es Festung EU werden? Dann kann das nicht noch einmal wiederholt werden, was Merkel da zugelassen hat.
Siehe oben; solche Aufgeregtheiten führen zu gar nichts. Längst ist entschieden, daß es eine Wiederholung der Offenen Grenzen nicht geben wird; wenigstens nicht an deutschen Staatsgrenzen. Die Grenzkontrollen werden den Notwendigkeiten angepaßt... ganz nach Sachlage, was denn sonst?

Asylrecht ja, aber gecheckt an der Außengrenze der EU. Alles andere ist eine Einladung zu kommen. Nicht nur besteht die Gefahr durch unkontrollierter Einwanderung und gesellschaftlicher Unruhe, sondern auch durch die Reaktionen an der Wahlurne. Ich mache ungern diese Vergleiche, aber es sind schon schlimme Leute gewählt worden.

Warum soll erneut beschlossen werden, was längst beschlossen ist und durchgeführt wird? Daß sich in Europa Populisten seit Jahren wachsender Zustimmung erfreuen, das ist doch keine deutsche Besonderheit! Auch sind in Deutschland unübersehbar Korrekturen auf den Weg gebracht worden, diesen Populisten einen Großteil möglicher Wähler zu entziehen. Das sind Bemühungen, die Zeit benötigen. Die nächste Sonntagsumfrage wird das nicht aus den Angeln heben.


Die EU kann nur stark sein und ihre Werte behaupten, wenn sie stark ist. Eine zerrüttete, erschütterte EU, von innen heraus, schafft das nicht. Es ist die Pflicht - auch von Merkel - dafür zu sorgen. Dafür hat sie einen Eid abgelegt. Ich will keinen Schreihals Trump in Deutschland. Oder Erdogan. Damit das nicht geschieht, muß Merkel vielleicht ein bißchen so werden?


Nein, überhaupt nicht. Ein gestandener Politiker sollte wahrhaftig sein und nicht etwa den Mitbürgern ein Theater vorspielen. Die Kanzlerin ist gut für unser Land, so wie sie sich verhält. Gegenüber der EU erfüllt unser Land seine Pflicht. Das muß in der augenblicklichen Gemengelage in der EU genügen. Wenn "die EU" mehr von Deutschland erwartet, dann würde ich mehr offene bis angriffslustige Unterstützung unseres Landes durch seine Partner erwarten, oder wenigstens durch jene, die sich deutsche Führung wünschen und gleichgerichtete Interessen vertreten. Dann kann man einen Kern der Willigen bilden und sich gemeinsame Ziele und Werte verordnen, und wenn es jene sind, die im Vertrag von Lissabon aufgeschrieben wurden.


Eines ist klar. Es muß rechtsstaatlich gehandelt werden. Sonst lachen sich die Terroristen kaputt. Man macht genau das, was sie wollen. Blöder kann man nicht sein. Aber man kann auch mal realpolitischer werden.


Die Aufforderung zum rechtsstaatlichen Handeln läßt vermuten, daß der Fordernde meint, daß es unser Staat es daran fehlen ließ. Das ist nun wirklich abwegig! Sicher kommt es immer wieder einmal zu individuellem Fehlverhalten, wie das nun einmal ist im Leben. Aber eine Tendenz oder gar einen Vorsatz zum Verfassungsbruch kann ich unserem Staat beim bösesten Willen nicht vorhalten. Was sollen solche Anspielungen? Ich bin völlig einverstanden mit der augenblicklich geübten Außenpolitik. Wir sollten einen Teufel tun und uns etwa mit unseren schwierigen Partnern innerhalb und außerhalb der EU anlegen oder -noch schlimmer- mit ihnen gemeinsame Sache machen.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 21. Dez 2016, 21:17

H2O hat geschrieben:(20 Dec 2016, 21:50)

Natürlich nicht; wohl aber werden wir unsere Außengrenzen wirksamer schließen müssen, damit unerwünschte Zuwanderer nicht einfach die innere Reisefreiheit in der EU für verbrecherisches Treiben mißbrauchen können. Bis dahin muß Deutschland seine Landesgrenze leider wieder kontrollieren, damit der Leichtsinn unserer Partner hier zu Lande möglichst wenig Schaden anrichten kann.


Widerspricht sich das nicht? Meinst du die Außengrenzen Deutschlands? Oder der EU? Wenn die Grenzen Deutschlands gemeint sind, dann ist der europäische Gedanke zuende. Das muß nicht zwangsläufig schlecht sein. Etwas anderes ist es die Außengrenzen wirksamer zu schützen.

Frau Merkel muß und kann gar nichts tun. Der Innenminister und seine Länderkollegen müssen ihre Arbeit machen, unsere Geheimdienste müssen sämtliche irgendwie dazu geeigneten Verfahren anwenden, um mögliche Täter festsetzen zu können und entwischte Täter fangen zu können. Unser Parlament muß entsprechende Vollmachten erteilen bis hin zum Ausnahmezustand, wenn sinnvoll... siehe Frankreich.


Merkel ist Bundeskanzlerin. Ich kann nicht den saarländischen Innenminister für die Flüchtlingsproblematik an den dt. Außengrenzen oder an der EU-Grenze als Diskussionspartner nehmen. Es war Merkel, nicht ein Hamburger Senator, der gesagt hat, daß z.B. im Kontext Ungarns jetzt die Grenzen aufgemacht werden. Auch kann ein Pfälzer Innenminster nicht mit Ankara verhandeln. Das ist nicht deren Zuständigkeitsbereich. ;)

Ich spreche nicht davon, daß die Untergebenen von Merkel jetzt aufräumen müssen. Sondern, was im Vorfeld Merkel veranstaltet hat. Das jetzt andere wegbürokratisieren müssen. Im Wahlkampf hat der Minister von Meck-Pomm gesagt, das es nicht angeht, daß Merkel gewisse Entscheidungen fällt und das "Ergebnis" haben dann andere, auch er zu lösen. Und wenn es Probleme gibt, ja, dann machen die eben keine gute Arbeit. Ja, da hat er Recht.

Nachskaten kann jeder; wir wissen noch nicht einmal, ob der Täter (die Täter?) von Berlin überhaupt etwas mit den Flüchtlingen im Herbst des Jahres 2015 zu tun hat, bauen aber schon ein ganzes Gebäude von Vorwürfen und Verantwortlichkeiten auf! Das ist wirklich abwegig! Ich meine inzwischen aber auch, daß die Kanzlerin sich vermehrt von internationalen Aufgaben lösen sollte, um etliche Schieflagen im Inneren zurecht zu rücken. Die EU wird sich auch ohne Deutschland als Treiber oder Zugpferd behelfen müssen. Die Reibungsverluste auf der Ebene sind viel zu hoch.


Wieso Nachskaten? Was für Gebäude baue ich auf? Kritik ist erlaubt berechtigt. Egal ob von Politikern oder Bürgern. In einer Demokratie steht einem Opposition und eine kritische Meinung durchaus zu. Oder nennen wir es Vorwürfe. Ansonsten stimme ich zu. Sie sollte sich auch mal wieder auf innere Befindlichkeiten konzentrieren. Nur durch ein stabiles Inneres kann man auch konstruktiv und dynamisch nach Außen auftreten.

Siehe oben; solche Aufgeregtheiten führen zu gar nichts. Längst ist entschieden, daß es eine Wiederholung der Offenen Grenzen nicht geben wird; wenigstens nicht an deutschen Staatsgrenzen. Die Grenzkontrollen werden den Notwendigkeiten angepaßt... ganz nach Sachlage, was denn sonst?


Dann war es ein Fehler, was Merkel getan hat? Dann sollte sie es auch kommentieren und nicht aus Karrieregründen weiterhin daran festhalten das grenzenlos Optimale geleistet zu haben. Aber ok, welcher Politiker tut das? Aktive? Wie gesagt epischer Fehler. Die fehlende Einsicht, was du als "angepasst nach Sachlage" bezeichnest, nehmen ihr viele Übel. Sprich, sie kann sich keiner suboptimalen Entscheidungen entsinnen. Vermeintliche Folge: Wir machen weiter so. Kausalität? Dann muß das ein anderer machen. Das schlimme ist, das kann sich auch an der Urne bemerkbar machen. Es geht hier nicht nur um Eitelkeiten und Ehre. Oder Vorwürfe. Das kann faktische Folgen haben.

Nein, überhaupt nicht. Ein gestandener Politiker sollte wahrhaftig sein und nicht etwa den Mitbürgern ein Theater vorspielen. Die Kanzlerin ist gut für unser Land, so wie sie sich verhält. Gegenüber der EU erfüllt unser Land seine Pflicht. Das muß in der augenblicklichen Gemengelage in der EU genügen. Wenn "die EU" mehr von Deutschland erwartet, dann würde ich mehr offene bis angriffslustige Unterstützung unseres Landes durch seine Partner erwarten, oder wenigstens durch jene, die sich deutsche Führung wünschen und gleichgerichtete Interessen vertreten. Dann kann man einen Kern der Willigen bilden und sich gemeinsame Ziele und Werte verordnen, und wenn es jene sind, die im Vertrag von Lissabon aufgeschrieben wurden.


Wie gesagt, ich finde Merkel gar nicht so schlecht. Aber einen wahrhaftigen Politiker gibts nicht. Jeder lässt weg, beschönigt, betont bestimmtes, spielt anderes herunter. Das ist sein Job. Stell dir mal einen Politiker vor, der IMMER die Wahrheit sagt. Das will man sich gar nicht ausmalen. So einen Menschen gibts nicht. Und als Politiker schon gar nicht. So jemand hätte eine schwere psychische Behinderung. :?

Ansonsten mag je unter wissenschaftlicher oder theoretischer Betrachtung deine Darstellung irgendwie genügen. Nur der gemeine Deutsche folgt sowas nicht. Der folgt dem Bauch. Dem Gefühl. Der kann diesen Ausführungen nicht folgen und Entscheidungen treffen. Die stärkste Waffe von Merkel ist die - vermeintliche - Wahrhaftigkeit. Das kann wahrgenommen und gefühlt werden. Das Problem daran ist, daß dies wiederum Öl ins Feuer giesst. Denn das kann genausogut, siehe oben, als "ich hab alles richtig gemacht, also geht es SO weiter..." empfunden und wahrgenommen werden.

Die Aufforderung zum rechtsstaatlichen Handeln läßt vermuten, daß der Fordernde meint, daß es unser Staat es daran fehlen ließ. Das ist nun wirklich abwegig! Sicher kommt es immer wieder einmal zu individuellem Fehlverhalten, wie das nun einmal ist im Leben. Aber eine Tendenz oder gar einen Vorsatz zum Verfassungsbruch kann ich unserem Staat beim bösesten Willen nicht vorhalten. Was sollen solche Anspielungen? Ich bin völlig einverstanden mit der augenblicklich geübten Außenpolitik. Wir sollten einen Teufel tun und uns etwa mit unseren schwierigen Partnern innerhalb und außerhalb der EU anlegen oder -noch schlimmer- mit ihnen gemeinsame Sache machen.


Keineswegs. Ich fordere weiterhin Rechtsstaatlichkeit.

Vor einigen Jahren gab es das Thema Festung Europa. Da dachte man allerdings an die Afrikaner die nach Europa strömen würden. Jetzt waren es erstmal die Orientalen. Die Afrikaner kommen wohl auch noch. Man täte gut daran aus den letzten beiden Jahren Erfahrungen zu ziehen. Das tut man vermutlich auch schon. Nur ist das nicht attraktiv darüber zu sprechen. Als neulich eine dt. Fregatte ins Mittelmeer geschickt wurde, ein deutsches Kriegsschiff, wurde das im Radio so kommentiert, daß damit dem schrecklichen Los der Flüchtlingen auf dem Meer entgegen getreten werden soll. Für mich ergibt es mehr Sinn, daß ein Kriegsschiff mit seinen Möglichkeiten massive Präsenz, dem Zustrom Einhalt gebieten soll. Hier den Schleppern klare Kante zeigen soll. Mit entsprechenden Fähigkeiten. So etwas aber offiziell zu sagen ist weniger schön, das klingt ja wie ein Kriegszustand oder eine Bedrohung, als wenn man sagt, daß ein dt. Kriegsschiff einzelne kl. Boote sucht mit Hilfsbedürftigen. Um ihnen warme Getränke zu reichen. Wozu gibt es denn sonst Kriegsschiffe?

Es täte auch einmal gut, wenn man offiziell mal Kante zeigt. Nicht so heftig wie Trump oder Erdogan. Nur, die Menschen neigen dazu notfalls genau solche Leute auch mal zu wählen, wenn nicht mal ein Funken davon von den sogenannten Etablierten kommt. Stattdessen ein "weiter so". Ohne Reflektion. Dann wählen die Leute Hooligans. Und nicht, daß auch Deutschland das nicht schon mal getan hätte. Da sind die Deutschen auch nicht anders als Amerikaner oder Türken.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten

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