Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mo 21. Mai 2018, 19:48

Kritikaster hat geschrieben:(21 May 2018, 20:16)

Man braucht keinen 100-fachen Overkill zur Abschreckung. Frankreich und Großbritannien haben, was gebraucht wird.
Großbritannien ist ja bereits bei PESCO nicht dabei. Die sollte man streichen.
Außerdem sind ja auch noch die USA Teil des angesprochenen Verteidigungsbündnisses.
Das ausgegebene Ziel ist doch sich in militärischer Hinsicht von den USA zu emanzipieren. Das macht man ja nicht zum Spaß sondern weil man sich nicht mehr sicher ist ob die USA tatsächlich Europa verteidigen würden. Mit denen sollte man deswegen nicht rechnen. Bleibt nur noch Frankreich. Etwas wenig. Da macht nach meiner Überzeugung eine enge Kooperation mit Russland deutlich mehr Sinn als eine Verteidigungsgemeinschaft mit den Osteuropäern. Auch finanziell.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mo 21. Mai 2018, 20:04

H2O hat geschrieben:(21 May 2018, 20:47)

Nein, unser Land sollte solchen Bestrebungen widerstehen; das europäische Projekt bietet dazu uns und unseren Nachbarn die besten Möglichkeiten, miteinander mit gegenseitigem Respekt und vertrauensvoll zusammen zu arbeiten.
So respekt- und vertrauensvoll wie bei der Flüchtlingspolitik oder der Umsetzung der EU-Werte?
Unser derzeitiges Problem ist natürlich, daß die Ostländer der EU noch immer in anderen Modellen zu Hause sind, sich tatsächlich von Deutschen und Russen belauert fühlen. Da liegt viel Arbeit vor der EU und auch vor uns Deutschen.
Im Gegensatz zu den Osteuropäern hält Deutschland seine internationalen Verpflichtungen ein. Wenn jemand liefern muß sind es die Osteuropäer.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Mo 21. Mai 2018, 20:26

Orbiter1 hat geschrieben:(21 May 2018, 21:04)

So respekt- und vertrauensvoll wie bei der Flüchtlingspolitik oder der Umsetzung der EU-Werte? Im Gegensatz zu den Osteuropäern hält Deutschland seine internationalen Verpflichtungen ein. Wenn jemand liefern muß sind es die Osteuropäer.


Das ist doch alles völlig klar. Man kann tief enttäuscht das europäische Projekt über die Kante kippen, oder man kann beharrlich daran arbeiten, daß neue Einsichten reifen. Unsere östlichen Partner sind sicher auch lernfähig; sie werden erkennen, welchen Wert das europäische Projekt hat, wenn plötzlich nicht mehr das Schengener Abkommen und die Grundfreiheiten des Binnenmarkts verfügbar sind, wenn Gemeinschaftsleistungen wie Ausgleichs-, Regional- und Entwicklungsfonds ausbleiben.

Mein Vorschlag bleibt unverändert, daß Frankreich und Deutschland ein Zukunftskonzept für die Euro-Gruppe aus den Vorstellungen Macrons und Merkels entwickeln, das sie unseren Europartnern zur Diskussion vorlegen und mit ihnen vollenden. In diesem inneren Kreis bleibt die EU, was sie sein sollte... solidarisch und wertebezogen. Vielleicht gelingt sogar schon ein weiterer Schritt in Richtung einer Föderation. Der innere Kreis der EU nimmt dann Kontakt auf zu den Mitgliedern, die bisher gewollt oder ungewollt den Euro nicht eingeführt haben und teilt ihnen mit, welchen Verlust durch ausbleibende Solidarität und Vertragsbrüche sie zu tragen haben. Die Botschaft muß sein, daß durch Wohlverhalten diese Verluste wieder ausgeglichen werden können. oder durch strammen Gegenkurs weitere Verluste auftreten werden.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mo 21. Mai 2018, 21:05

H2O hat geschrieben:(21 May 2018, 21:26)

Das ist doch alles völlig klar. Man kann tief enttäuscht das europäische Projekt über die Kante kippen, oder man kann beharrlich daran arbeiten, daß neue Einsichten reifen.
Die Realität sind aber immer tiefere Gräben zwischen den EU-Blöcken. Man kommt sich nicht näher, sondern man entfernt sich immer weiter voneinander. Der nächste Schub in diese Richtung wird wohl von Italien ausgehen, sofern der italienische Staatspräsident die neue Regierung starten lässt. Sich den Realitäten zu verweigern ist nicht hilfreich.
Unsere östlichen Partner sind sicher auch lernfähig; sie werden erkennen, welchen Wert das europäische Projekt hat, wenn plötzlich nicht mehr das Schengener Abkommen und die Grundfreiheiten des Binnenmarkts verfügbar sind, wenn Gemeinschaftsleistungen wie Ausgleichs-, Regional- und Entwicklungsfonds ausbleiben.
Aus welchem Anlass sollen denn die ausbleiben?
Mein Vorschlag bleibt unverändert, daß Frankreich und Deutschland ein Zukunftskonzept für die Euro-Gruppe aus den Vorstellungen Macrons und Merkels entwickeln, das sie unseren Europartnern zur Diskussion vorlegen und mit ihnen vollenden. In diesem inneren Kreis bleibt die EU, was sie sein sollte... solidarisch und wertebezogen. Vielleicht gelingt sogar schon ein weiterer Schritt in Richtung einer Föderation. Der innere Kreis der EU nimmt dann Kontakt auf zu den Mitgliedern, die bisher gewollt oder ungewollt den Euro nicht eingeführt haben und teilt ihnen mit, welchen Verlust durch ausbleibende Solidarität und Vertragsbrüche sie zu tragen haben. Die Botschaft muß sein, daß durch Wohlverhalten diese Verluste wieder ausgeglichen werden können. oder durch strammen Gegenkurs weitere Verluste auftreten werden.
Das ist Wunschdenken. In der Realität haben heute 154 Wirtschaftsprofessoren sogar vor dem Minikompromiss, der Umwandlung des EMS in den EWF und der nächsten Stufe der Bankenunion gewarnt. Das wird zumindest bei CDU/CSU Eindruck hinterlassen.

„Wir – 154 Wirtschaftsprofessoren – warnen davor, die europäische Währungs- und Bankenunion noch weiter zu einer Haftungsunion auszubauen. Die in der Berliner Koalitionsvereinbarung erwähnten Vorschläge des französischen Präsidenten Macron und des EU-Kommissionschefs Juncker bergen hohe Risiken für die europäischen Bürger.“ Weiteres hier: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 00325.html

Es wäre keine allzu große Überraschung wenn nicht einmal dieser Minikompromiss zustande kommt.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Mo 21. Mai 2018, 21:28

Orbiter1 hat geschrieben:(21 May 2018, 22:05)

Die Realität sind aber immer tiefere Gräben zwischen den EU-Blöcken. Man kommt sich nicht näher, sondern man entfernt sich immer weiter voneinander. Der nächste Schub in diese Richtung wird wohl von Italien ausgehen, sofern der italienische Staatspräsident die neue Regierung starten lässt. Sich den Realitäten zu verweigern ist nicht hilfreich. Aus welchem Anlass sollen denn die ausbleiben?
Anläßlich andauernder Vertragsbrüche... bis die Sache im Guten geklärt ist. Traumhaft: Der eine bricht das Gemeinschaftsrecht, und alle anderen zahlen, als ob das selbstverständlich wäre?
Das ist Wunschdenken. In der Realität haben heute 154 Wirtschaftsprofessoren sogar vor dem Minikompromiss, der Umwandlung des EMS in den EWF und der nächsten Stufe der Bankenunion gewarnt. Das wird zumindest bei CDU/CSU Eindruck hinterlassen.

„Wir – 154 Wirtschaftsprofessoren – warnen davor, die europäische Währungs- und Bankenunion noch weiter zu einer Haftungsunion auszubauen. Die in der Berliner Koalitionsvereinbarung erwähnten Vorschläge des französischen Präsidenten Macron und des EU-Kommissionschefs Juncker bergen hohe Risiken für die europäischen Bürger.“ Weiteres hier: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 00325.html

Also, was nicht getan werden soll, das sagen die hohen Herren. Hinterher haben sie immer schon gesagt... Nö, die sollen doch sagen, was zu tun ist, damit die EU voran kommt. Das wär's doch!
Es wäre keine allzu große Überraschung wenn nicht einmal dieser Minikompromiss zustande kommt.

Vor der Beratung gibt es keine Beschlüsse und auch keine Kompromisse. Noch sind das ungelegte Eier.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mo 21. Mai 2018, 21:49

H2O hat geschrieben:(21 May 2018, 22:28)

Anläßlich andauernder Vertragsbrüche... bis die Sache im Guten geklärt ist. Traumhaft: Der eine bricht das Gemeinschaftsrecht, und alle anderen zahlen, als ob das selbstverständlich wäre?
Sanktionen müssen einstimmig beschlossen werden. Das wird nicht passieren.
Also, was nicht getan werden soll, das sagen die hohen Herren. Hinterher haben sie immer schon gesagt... Nö, die sollen doch sagen, was zu tun ist, damit die EU voran kommt.
Das tun sie doch.

„Es gilt, Strukturreformen voranzubringen, statt neue Kreditlinien und Anreize für wirtschaftliches Fehlverhalten zu schaffen. Die Privilegierung der Staatsanleihen in der Risikovorsorge der Banken ist abzuschaffen. Die Eurozone braucht ein geordnetes Insolvenzverfahren für Staaten und ein geordnetes Austrittsverfahren. Die Kapitalmarktunion sollte vollendet werden – auch weil internationale Kapitalbewegungen asymmetrische Schocks kompensieren. Bei der EZB sollten Haftung und Stimmrechte miteinander verbunden werden. Die Target-Salden sind regelmäßig zu begleichen. Die Ankäufe von Staatsanleihen sollten ein schnelles Ende finden.“
Vor der Beratung gibt es keine Beschlüsse und auch keine Kompromisse. Noch sind das ungelegte Eier.
Meine Vermutung. Wegen der neuen italienischen Regierung rückt die strategische Neuausrichtung der EU bis auf weiteres in den Hintergrund. Dann geht es erst mal um Krisenbewältigung und Entscheidungen auf Sicht. Liegt der Merkel auch besser als das langfristige Strategie-Gedöns. D. h. die EU macht erstmal weiter wie bisher. Vielleicht bringen die Verhandlungen über den neuen EU-Haushalt noch die eine oder andere Veränderung.
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Können Macron und Juncker noch gestoppt werden?

Beitragvon Senexx » Di 22. Mai 2018, 02:21

Schon der Euro war ökonomisch gesehen ein Wahnsinn. Er traf auf entschlossenen Widerstand seitens der Ökonomen. Wie die Geschichte ausging, wissen wir. Gegen jede ökonomische Vernunft wurde er dann doch noch eingeführt.

Die Krisen häufen sich, die Stabilität ist bedroht. EU-Zentralisten und Meridionale wollen die Schuldenunion. Mit der Wahl Macrons haben sie einen mächtigen Fürsprecher.

Nun haben 154 Ökonomen einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie vor den Plänen von Macron und Junkers warnen

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 00643.html

Kann es dieses Mal gelingen, neue Dummheiten zu verhindern?
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
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Re: Können Macron und Juncker noch gestoppt werden?

Beitragvon Adam Smith » Di 22. Mai 2018, 06:00

Im Prinzip ist die Schuldenunion vernünftig. Hier gilt aber genau das gleiche wie für den Euro. Die Mitgliedsstaaten sollten dann einen ausgeglichenen Haushalt haben. Die Zentralbank sollte sich nicht die japanische Zentralbank zum Vorbild nehmen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Di 22. Mai 2018, 07:27

Orbiter1 hat geschrieben:(21 May 2018, 22:49)

Sanktionen müssen einstimmig beschlossen werden. Das wird nicht passieren.
Das tun sie doch.

Vertragsbrüche werden ja auch einstimmig beschlossen. :) So kann man die Sache mit den Zahlungen auch halten: Einstimmig nicht zahlen.
„Es gilt, Strukturreformen voranzubringen, statt neue Kreditlinien und Anreize für wirtschaftliches Fehlverhalten zu schaffen. Die Privilegierung der Staatsanleihen in der Risikovorsorge der Banken ist abzuschaffen. Die Eurozone braucht ein geordnetes Insolvenzverfahren für Staaten und ein geordnetes Austrittsverfahren. Die Kapitalmarktunion sollte vollendet werden – auch weil internationale Kapitalbewegungen asymmetrische Schocks kompensieren. Bei der EZB sollten Haftung und Stimmrechte miteinander verbunden werden. Die Target-Salden sind regelmäßig zu begleichen. Die Ankäufe von Staatsanleihen sollten ein schnelles Ende finden.“

Die Herren Professoren haben stramm bei mir abgeschrieben. :) Volle Zustimmung, Entschuldigung... das war mir entgangen!
Meine Vermutung. Wegen der neuen italienischen Regierung rückt die strategische Neuausrichtung der EU bis auf weiteres in den Hintergrund. Dann geht es erst mal um Krisenbewältigung und Entscheidungen auf Sicht. Liegt der Merkel auch besser als das langfristige Strategie-Gedöns. D. h. die EU macht erstmal weiter wie bisher. Vielleicht bringen die Verhandlungen über den neuen EU-Haushalt noch die eine oder andere Veränderung.

Da bin ich anderer Meinung; die EU muß den Mut aufbringen, gegen Störer vor zu gehen. Die übertriebene Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten von Mitgliedern hat uns genau dahin geführt, daß die EU eigentlich nur noch einig ist, wenn es gegen Dritte geht. Klare Vertragsbrüche müssen schneller zu Gegenmaßnahmen der Gemeinschaft führen; dazu müssen qualifizierte Mehrheiten ausreichen.
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Re: Können Macron und Juncker noch gestoppt werden?

Beitragvon H2O » Di 22. Mai 2018, 07:56

Adam Smith hat geschrieben:(22 May 2018, 07:00)

Im Prinzip ist die Schuldenunion vernünftig. Hier gilt aber genau das gleiche wie für den Euro. Die Mitgliedsstaaten sollten dann einen ausgeglichenen Haushalt haben. Die Zentralbank sollte sich nicht die japanische Zentralbank zum Vorbild nehmen.


Ihre Randbedingungen setzen aber Staaten voraus, die ihre Haushaltsrechte vergemeinschaftet haben... also die Euro-Gruppe mit gemeinsamer Finanz- und Wirtschaftsführung, harmonisiertem Steuerrecht und Sozialrecht. Unter solchen Bedingungen wäre die Gemeinschaftswährung ein Selbstläufer. Bis dahin haben wir aber einen weiten Weg vor uns. Erstaunlich, wie gut sich trotz aller schlechten Voraussetzungen der Euro bisher gehalten hat.

Natürlich darf niemals ein Lage entstehen, wo alle Mitglieder sich der Einrichtung frei bedienen ohne die dazu erforderlichen Pflichten ein zu halten. Dann beschließt das italienische / griechische Parlament, daß wir die Einrichtung zu versorgen haben, aus der es sich bedienen möchte. Nix da!
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Re: Können Macron und Juncker noch gestoppt werden?

Beitragvon Der Neandertaler » Di 22. Mai 2018, 08:28

Hallo Senexx.
Senexx hat geschrieben:Stabilität ist bedroht ... ökonomisch ... Wahnsinn. ... neue Dummheiten verhindern?
Ich-weiß-nicht, davon war schon immer die Rede ... es wurde gewarnt, was das Zeug hält. Und ... ist unser Wohlstand wegen des Euro eingebrochen? Die Herren Ökonomen haben trotzdem nicht Recht behalten - unsere Wirtschaft wächt allen Unkenrufen zum Trotz.

Als die EZB in der großen Krise (die ja keine Euro- sondern eine Vertrauenskrise war) ... als über Staatsanleihenkäufe nachdachte wurde, wurde ebenfalls gewarnt. Die Aufkäufe sollten die Wertpapiere für Geschäftsbanken unattraktiv machen und sie zu einer stärkeren Kreditvergabe anregen. Letztlich sollte so die heimische Wirtschaft gestärkt werden. Und ... hat's geholfen?

Dies sei "ökonomischer Wahnsinn", wurde kolportiert. Der psychologische Effekt war allerdings größer als der ökonomische, den die Herren Ökonomen voraus gesagt haben.

Ich wäre also vorsichtig, wenn lauthals Thesen aufgestellt und verbreitet werden. Daß die Warner Ökonomen sind ... studierte Ökonomen, heißt nicht, daß sie Recht behalten müssen und werden. Mit den richtigen und sinnvollen Rahmenbedingungen können auch Eurobons ihre positve Wirkung erzielen ... psychologisch gesehen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 22. Mai 2018, 18:24

Ich würd' ja gerne mal wissen, ich kenn' mich in Sachen Wirtschaftskriminalität nicht aus ... wie ist es eigentlich zu begründen, dass ein Unternehmenschef wie Zuckerberg, der - sagen wir mal nebulös - irgendwelcher Vergehen bezichtigt wird, sich vor dem EU-Parlament (und nicht vor irgendwelchen Gerichten verantwortet). Er tritt dort gerade auf im anzug wie ein Staatsmann und man gewinnt den Eindruck, Unternehmen ab einer gewissen Relevanz wie Facebook werden gar nicht mehr wie Unternehmen behandelt sondern wie (noch nicht) deklarierte Staaten und EU-Mitglieder.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Di 22. Mai 2018, 18:37

Da ging die Initiative vom EU-Parlament aus. Die wollen halt auch so ernst genommen werden wie der US-Kongress, außerdem hat Facebook in der EU mehr Kunden als in den USA. Diese Anhörung ersetzt keinen Gerichtsprozess.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 23. Mai 2018, 09:53

Dem Eurobarometer (Umfragen des EU-Parlaments) kann man auch nicht trauen.

"Zwei Drittel der EU-Bürger und 75 Prozent der Deutschen finden, ihr Land profitiere von der Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Das ist der höchste Wert seit 1983." Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/201 ... ger-brexit

Die Wahlergebnisse in den EU-Ländern sagen was ganz anderes.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Nomen Nescio » Mi 23. Mai 2018, 15:22

Orbiter1 hat geschrieben:(22 May 2018, 19:37)

Da ging die Initiative vom EU-Parlament aus. Die wollen halt auch so ernst genommen werden wie der US-Kongress, außerdem hat Facebook in der EU mehr Kunden als in den USA. Diese Anhörung ersetzt keinen Gerichtsprozess.

wieviel dieser kunden fallen aber jetzt unter amerika ? FB hat sie doch von europa weggeholt und bei der USA untergebracht ?
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 23. Mai 2018, 15:25

Nomen Nescio hat geschrieben:(23 May 2018, 16:22)

wieviel dieser kunden fallen aber jetzt unter amerika ? FB hat sie doch von europa weggeholt und bei der USA untergebracht ?
Nö, FB hat sich an die europäischen Datenschutzgesetze zu halten. Und falls sie das nicht tun gibt es drakonische Strafen. Ist aber einen eigenen Thread wert.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Nomen Nescio » Mi 23. Mai 2018, 15:30

Orbiter1 hat geschrieben:(23 May 2018, 16:25)

Nö, FB hat sich an die europäischen Datenschutzgesetze zu halten. Und falls sie das nicht tun gibt es drakonische Strafen. Ist aber einen eigenen Thread wert.

ja, da hast du recht. das gilt aber nur für leute die unter FB-europa fallen. ich hörte in den nachrichten aber, daß FB viel dieser user fortan unter FB-amerika fallen läßt. und dort sind die bedingungen eher lässig.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Brainiac » Mi 23. Mai 2018, 18:42

Orbiter1 hat geschrieben:(23 May 2018, 10:53)

Dem Eurobarometer (Umfragen des EU-Parlaments) kann man auch nicht trauen.

"Zwei Drittel der EU-Bürger und 75 Prozent der Deutschen finden, ihr Land profitiere von der Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Das ist der höchste Wert seit 1983." Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/201 ... ger-brexit

Die Wahlergebnisse in den EU-Ländern sagen was ganz anderes.

Wir hatten das hier irgendwo schon mal diskutiert. Aus meiner Sicht sagen die Wahlergebnisse der letzten Zeit ziemlich wenig über die Haltung der Bürger zur EU aus.

  • In D war es gar kein richtiges Wahlkampfthema, weil Schulz sich nicht getraut hat, obwohl er die Chance hatte. Das BTW-Ergebnis sagt also nichts zum Thema aus.
  • In F wurde immerhin Macron gewählt, mit einem klar proeuropäischem Wahlkampf.
  • In I ist das Wahlergebnis sicher eher als EU-kritisch anzusehen.

In Summe ergibt sich für mich kein klares Meinungsbild.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 24. Mai 2018, 07:18

Trumps Handelskrieg geht in die nächste Runde.

Eskalation im Handelsstreit

Trump lässt Importzölle auf Autos prüfen

Mehrfach hat der US-Präsident bereits damit gedroht, auf Autos Strafzölle zu erheben - davon wären besonders deutsche Hersteller betroffen. Nun fordert Trump das Handelsministerium offiziell auf, einen solchen Schritt zu prüfen.


Es müsse geklärt werden, ob die Autoeinfuhren eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA seien, erklärte der US-Präsident in Washington

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 09192.html
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Do 24. Mai 2018, 07:28

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 May 2018, 19:24)

Ich würd' ja gerne mal wissen, ich kenn' mich in Sachen Wirtschaftskriminalität nicht aus ... wie ist es eigentlich zu begründen, dass ein Unternehmenschef wie Zuckerberg, der - sagen wir mal nebulös - irgendwelcher Vergehen bezichtigt wird, sich vor dem EU-Parlament (und nicht vor irgendwelchen Gerichten verantwortet). Er tritt dort gerade auf im anzug wie ein Staatsmann und man gewinnt den Eindruck, Unternehmen ab einer gewissen Relevanz wie Facebook werden gar nicht mehr wie Unternehmen behandelt sondern wie (noch nicht) deklarierte Staaten und EU-Mitglieder.


Meine Vermutung: Für das, wo den Parlamentariern die Schuhe drücken, gibt es noch gar keine gesetzliche Regelung. Bevor die sich aber als Gesetzgeber an die Arbeit machen, wollen die erst einmal verstehen, wie das Geschäftsmodell läuft, und wo möglicherweise für den Staat und seine Bürger Nachteile entstehen. Das ist doch völlig vernünftig.

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