Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Senexx » Di 13. Mär 2018, 15:29

Orbiter1 hat geschrieben:(13 Mar 2018, 14:32)

Da geht es um die dritte Stufe der Bankenunion. Das ist eine gemeinsame Einlagensicherung der europäischen Banken. D. h. wenn die italienischen Banken ihre 350 Mrd. € an faulen Krediten abschreiben springen die Einlagensicherungsfonds der anderen EURO-Staaten ein damit die italienischen Bankkunden mit 100.000 € pro Person abgesichert sind. Deutschland macht da prinzipiell mit, aber erst wenn die faulen Kredite weitgehendst aus den Büchern sind. Interessierte Kreise (primär aus Südeuropa) möchten aber dass das auch möglich ist wenn die faulen Kredite noch da sind.

Ich weiß es. Aber warum soll das für uns gut sein?
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » Di 13. Mär 2018, 16:16

Wähler hat geschrieben:(13 Mar 2018, 14:59)
Eine Einlagensicherung macht Sinn, wenn eine einzelne Bank insolvent geht. Die Rettungspakete während der Euro-Krise wurden aber notwendig, weil die ganze Branche, private Banken in Nordirland, Sparkassen in Spanien und Italien, sowie Landesbanken in Deutschland Hilfe brauchten. Dafür wird auch in Zukunft keine Einlagensicherung der Welt ausreichen. Die Bankenunion ist ein Baustein der Fiskalunion, neben dem Europäischen Semester, dem ESM oder später Europäischen Währungsfonds, sowie der gemeinsamen Bankenaufsicht durch die EZB. Eine vertiefte Fiskalunion kann mit oder ohne Euro-Budget und Euro-Finanzminister verwirklicht werden. Die Euro-Länder bilden allerdings innerhalb der Fiskalunion schon eine Art Kern auf Grund der gemeinsamen Währung.

Senexx hat geschrieben:(13 Mar 2018, 15:29)
Ich weiß es. Aber warum soll das für uns gut sein?

Eine effektivere Fiskalunion verringert die Risiken einer erneuten Euro-Krise. Eine bessere Koordinierung von Investitionen stärkt gemeinsame Wirtschaftsstandorte innerhalb der EU. Funktioniert doch in Deutschland genauso, nur in kleinerem Rahmen. Gemäß dem Subsidiaritätsprinzip brauchen wir allerdings den größeren Rahmen der Euro- beziehungsweise EU-Ebene, um als kleineres Deutschland bei der Globalisierung mit China und den USA mithalten zu können.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Brainiac » Di 13. Mär 2018, 17:47

[MOD] Etwas aufgeräumt. Bitte mal das Einzeiler-Pingpong abstellen, danke.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Senexx » Di 13. Mär 2018, 21:18

Wähler hat geschrieben:(13 Mar 2018, 14:59)

Eine Einlagensicherung macht Sinn, wenn eine einzelne Bank insolvent geht. Die Rettungspakete während der Euro-Krise wurden aber notwendig, weil die ganze Branche, private Banken in Nordirland, Sparkassen in Spanien und Italien, sowie Landesbanken in Deutschland Hilfe brauchten. Dafür wird auch in Zukunft keine Einlagensicherung der Welt ausreichen.

Sie schaffen es, sich innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Sätzen zu widersprechen. Wenn keine Einlagensicherung der Welt ausreicht, dann ist auch eine Einlagensicherung der EU überflüssig.

Und Sie sprechen immer von Euro-Krise. Welche Euro-Krise denn?

Die Bankenunion ist ein Baustein der Fiskalunion, neben dem Europäischen Semester, dem ESM oder später Europäischen Währungsfonds, sowie der gemeinsamen Bankenaufsicht durch die EZB. Eine vertiefte Fiskalunion kann mit oder ohne Euro-Budget und Euro-Finanzminister verwirklicht werden. Die Euro-Länder bilden allerdings innerhalb der Fiskalunion schon eine Art Kern auf Grund der gemeinsamen Währung.

Sie werfen da einiges durcheinander. Nicht-Euroländer stehen nicht unter der Aufsicht der EZB. Und die EZB unter ihrem Präsidenten Draghi und seiner Politik des billigen Geldes ist nicht Teil des Lösung, sondern Teil des Problems. Ich sehen überhaupt nicht, warum wir Deutschen, ein Volk von vermögenslosen Hungerleidern, für andere haften sollen. Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum Steuerzahler und Sparer für Zockerbanken bluten sollen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 14. Mär 2018, 06:30

Senexx hat geschrieben:(13 Mar 2018, 21:18)

Welche Euro-Krise denn?
Die Eurokrise wie sie unter Wikipedia beschrieben ist. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Eurokrise Bestreiten sie denn deren Existenz oder ist die aus ihrer Sicht bereits ausgestanden? Nach meinem Verständnis besteht die immer noch und ist, insbesondere durch die Maßnahmen der EZB (Nullzinsen, Aufkauf von Staatsanleihen), lediglich abgedämpft, wobei klar ist dass die Maßnahmen der EZB auch negative Auswirkungen haben und nicht bis zum Sanktnimmerleinstag weitergeführt werden können.
Ich sehen überhaupt nicht, warum wir Deutschen, ein Volk von vermögenslosen Hungerleidern, für andere haften sollen.
Mit einer europäischen Einlagensicherung hätte ich kein Problem, sofern damit keine Altlasten beseitigt werden sollen.
Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum Steuerzahler und Sparer für Zockerbanken bluten sollen.
Für die Abwicklung bzw. Sanierung von gefährdeten Banken ist doch bereits ein Prozess definiert worden (einheitlicher Bankenabwicklungsmechanismus). Da bluten im ersten Schritt die Aktionäre, Gläubiger und großen Einleger der betroffenen Bank.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Senexx » Mi 14. Mär 2018, 07:15

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Mar 2018, 06:30)

Die Eurokrise wie sie unter Wikipedia beschrieben ist. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Eurokrise Bestreiten sie denn deren Existenz oder ist die aus ihrer Sicht bereits ausgestanden? Nach meinem Verständnis besteht die immer noch und ist, insbesondere durch die Maßnahmen der EZB (Nullzinsen, Aufkauf von Staatsanleihen), lediglich abgedämpft, wobei klar ist dass die Maßnahmen der EZB auch negative Auswirkungen haben und nicht bis zum Sanktnimmerleinstag weitergeführt werden können.
Mit einer europäischen Einlagensicherung hätte ich kein Problem, sofern damit keine Altlasten beseitigt werden sollen. Für die Abwicklung bzw. Sanierung von gefährdeten Banken ist doch bereits ein Prozess definiert worden (einheitlicher Bankenabwicklungsmechanismus). Da bluten im ersten Schritt die Aktionäre, Gläubiger und großen Einleger der betroffenen Bank.

Ja, ja, Wikipedia. Gleich am Anfang sagt man dort, dass es gar keine Euro-Krise gab, denn der Außenwert des Euro blieb ja stabil. Das was dort beschrieben wurde ist vor allem eine Hirnkrise.

Aus Sicht der Deutschen ist es vor allem eine Verletzung des Treueschwurs der Regierenden, den Nutzen des deutschen Volkes zu mehren. Es hat den Deutschen, diesem Volk von besitzlosen Hungerleidern, zusätzliche Lasten und Staatsschulden aufgebürdet, um Vermögende aller Schattierungen und reiche Völker zu mästen.

Die Deutschen haben unter den bedeutenden europäischen Wirtschafts Aktionen die schlechteste Vermögenspositionen. Dies hat verschiedene Ursachen. Eine wesentliche ist die geringe Wohnungseigentumsquote. Die Deutschen sind allerdings so blöd, und werden von allerlei politischen Interessengruppen so verdummt, dass sie das nicht sehen. Richtige Politik im Sinne des Treueschwurs wäre es gewesen, die Niedrigzinsphase zu nutzen, eine Politik zu machen, die eine deutliche Steigerung der Vermögensbildung und der Bildung von Wohneigentum einleitet. Jegliche zusätzliche Euros, die im Zuge dieser Hirnkrise dort hingeflossen sind, hätten nicht dorthin fließen dürfen, sondern in die Taschen der Deutschen bzw. In deutsche Staatsinvestitionen und Reparaturen der maroden Infrastruktur.

Stattdessen wurde blablasiert, vom Zerfall des Euro phantasiert und von Solidarität bramabarbisiert. Beim Geld hört die Freundschaft auf. Es wäre überhaupt kein Beinbruch, wenn Länder wie Griechenland den Staatsbankrott abmelden. Und wenn sie den Euro verlassen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » Mi 14. Mär 2018, 09:03

Senexx hat geschrieben:(14 Mar 2018, 07:15)

...

... Es wäre überhaupt kein Beinbruch, wenn Länder wie Griechenland den Staatsbankrott abmelden. Und wenn sie den Euro verlassen.


Hhm, ""n" und "b" liegen auf deutschen Tastaturen nebeneinander. Das hat mich auch schon kalt erwischt.

Noch schöner wäre es aber, sie nähmen ihre aufgehäuften Schulden gleich noch mit... solidarisch mit den Partnern, wie sie nun einmal sind.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » Mi 14. Mär 2018, 09:07

Senexx hat geschrieben:(13 Mar 2018, 21:18)
Sie schaffen es, sich innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Sätzen zu widersprechen. Wenn keine Einlagensicherung der Welt ausreicht, dann ist auch eine Einlagensicherung der EU überflüssig.
Und Sie sprechen immer von Euro-Krise. Welche Euro-Krise denn?
Sie werfen da einiges durcheinander. Nicht-Euroländer stehen nicht unter der Aufsicht der EZB. Und die EZB unter ihrem Präsidenten Draghi und seiner Politik des billigen Geldes ist nicht Teil des Lösung, sondern Teil des Problems. Ich sehen überhaupt nicht, warum wir Deutschen, ein Volk von vermögenslosen Hungerleidern, für andere haften sollen. Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum Steuerzahler und Sparer für Zockerbanken bluten sollen.

Sie zitieren mich falsch. Ich habe geschrieben, dass eine Einlagensicherung für die Insolvenz einzelner Banken Sinn macht. Eine Euro-weite Einlagensicherung wäre aus Gründen des betriebswirtschaftlichen Skalierungseffektes für die einzelne nationale Bank günstiger, weil sie weniger Eigenkapital hinterlegen müsste.
Eine "Einlagensicherung" für eine ganze Branche, zum Beispiel Landesbanken, hingegen, also die Abfederung einer Bankensystemkrise kann nur vom ESM, der EZB, sowie den Steuerzahlern und allen Besitzern der betroffenen Banken geschultert werden. Es gab in Folge der internationalen Hypothekenbankenkrise von 2009 mehrere Bankenrettungspakete innerhalb der EU in verschiedenen Ländern. Bei Zypern wurden durch das Bail-In-Prinzip zum ersten Mal auch die Besitzer erheblich zur Kasse gebeten.
Der Name "Euro-Krise" ist ein Synonym für die Staatsschuldenkrise seit 2010 bei verschiedenen Euro-Ländern. Für die Bekämpfung der Krise wurde der ESM geschaffen, für dessen Kapital Deutschland mit maximal 190 Milliarden Euro haftet. Die Zinspolitik der EZB hat Deutschland übrigens eine Ersparnis von 100 Milliarden Euro Zinszahlungen seit 2010 ermöglicht.
Wie lauten denn Ihre Gegenvorschläge für eine neue Finanz- und Bankenordnung innerhalb der EU? Auf die beiden Krisen seit 2009 musste ja irgendwie reagiert werden.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » Mi 14. Mär 2018, 09:29

Wähler hat geschrieben:(14 Mar 2018, 09:07)

...

...Die Zinspolitik der EZB hat Deutschland übrigens eine Ersparnis von 100 Milliarden Euro Zinszahlungen seit 2010 ermöglicht.

...


Vor allem aber hat diese Zinspolitik der EZB kapitalbasierte Alterssicherungssysteme zur Lachnummer werden lassen. Ja gut, mit Industrieaktien hätte man spekulieren sollen.... hätte, hätte... aber die Sparer wollten ja Sicherheit.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 14. Mär 2018, 10:08

Wie groß die Kluft zwischen Macron und Merkel ist lässt sich auch an der sehr unterschiedlichen Haltung zu Unternehmen und Kapitalismus ablesen.

"In seinem für den Wahlkampf verfassten Buch «Révolution» hatte der französische Präsident Emmanuel Macron die an eine Schrift von Lenin erinnernde Ansicht vertreten, dass sich der «Kapitalismus wegen dessen Exzessen in der Endphase» befinde. Es kann mithin nicht überraschen, dass die Regierung in Paris eine Reform aufgleisen will, laut der im Zivilgesetzbuch neu festgehalten werden soll, dass sich Unternehmen neben dem Gewinnstreben auch um das Gemeinwohl kümmern müssen. .... Die Unternehmen könnten sich nicht mehr aufs Erzielen von Gewinnen beschränken, sie müssten sich auch an der «Transformation der Gesellschaft und Verbesserung des Alltags aller beteiligen». Die im Detail noch nicht verbindlich ausformulierte neue Bestimmung ist Teil eines Gesetzes, dessen Entwurf die Regierung Mitte April im Ministerrat verabschieden will. .... Das neue Gesetzesprojekt stellt nur eine weitere Etappe bei der in Frankreich besonders weit fortgeschrittenen Enteignung der Aktionäre und der immer stärkeren Politisierung der Unternehmen dar, denen in radikaler Umkehr von Adam Smith gerne eine intrinsisch böse Gewinnmaximierung angedichtet wird." https://www.nzz.ch/wirtschaft/macron-ge ... ld.1365791

Da liegen Welten zwischen Merkel/der Bundesregierung und Macron und da darf man gespannt sein wie eine enger abgestimmte Wirtschafts- und Finanzpolitik aussehen soll.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » Mi 14. Mär 2018, 14:04

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Mar 2018, 10:08)
....

...dass sich Unternehmen neben dem Gewinnstreben auch um das Gemeinwohl kümmern müssen. .... Die Unternehmen könnten sich nicht mehr aufs Erzielen von Gewinnen beschränken, sie müssten sich auch an der «Transformation der Gesellschaft und Verbesserung des Alltags aller beteiligen.

...


Wenn man einmal die Schlußfolgerungen der NZZ beiseite legt, dann bleibt obiger Satz. Den hatte ich auch schon einmal ganz unerschüttert im Wahlprogramm des künftigen Präsidenten Macron gelesen. Mein Gedanke war damals: "Aha, die franzölsische Politik hat die Soziale Marktwirtschaft entdeckt!" In aller Unschuld meine ich das jetzt immer noch. Bei Ludwig Erhard hieß das, daß unser wirtschaftliches Handeln dem Gemeinwohl zu dienen habe. Leider ist unsere deutsche Wirtschaftsweise davon tüchtig abgekommen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 14. Mär 2018, 15:43

Angeblich gibt es zwischen D und F auch Differenzen im Verteidungsbereich. Macron sind das etwas zuviele PESCO-Mitglieder. Eine kleinere und dynamischere Gruppe wäre ihm wohl lieber gewesen.

"Es hakt auch in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, dem zweiten großen Thema der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Macron ist stinksauer, weil sich Merkel ausgerechnet in dieser französischen Paradedisziplin durchgesetzt hat. Denn die neue PESCO – die ständige strukturierte Zusammenarbeit im Militärbereich – wurde mit der größtmöglichen Zahl von EU-Mitgliedern gestartet, genau wie Merkel dies wollte. Die Kanzlerin setzte sich mit ihrem „inklusiven“ Ansatz über die Forderung Macrons hinweg, zunächst nur ein „Bündnis der Fähigen“ aufzubauen. Zudem übernahm Deutschland auch noch die Führung; angeblich sinnt Macron bereits auf Rache." https://www.cicero.de/angela-merkel-emm ... u-eurozone

Da könnte durchaus was dran sein. Kleiner und dynamischer (schneller effektiv einsatzbereit) wäre mir auch lieber gewesen. Bei dem Thema sollte man nicht zuviel Zeit mit Abstimmungen vertrödeln.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 14. Mär 2018, 15:48

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Mar 2018, 15:43)

Angeblich gibt es zwischen D und F auch Differenzen im Verteidungsbereich. Macron sind das etwas zuviele PESCO-Mitglieder. Eine kleinere und dynamischere Gruppe wäre ihm wohl lieber gewesen.

"Es hakt auch in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, dem zweiten großen Thema der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Macron ist stinksauer, weil sich Merkel ausgerechnet in dieser französischen Paradedisziplin durchgesetzt hat. Denn die neue PESCO – die ständige strukturierte Zusammenarbeit im Militärbereich – wurde mit der größtmöglichen Zahl von EU-Mitgliedern gestartet, genau wie Merkel dies wollte. Die Kanzlerin setzte sich mit ihrem „inklusiven“ Ansatz über die Forderung Macrons hinweg, zunächst nur ein „Bündnis der Fähigen“ aufzubauen. Zudem übernahm Deutschland auch noch die Führung; angeblich sinnt Macron bereits auf Rache." https://www.cicero.de/angela-merkel-emm ... u-eurozone

Da könnte durchaus was dran sein. Kleiner und dynamischer (schneller effektiv einsatzbereit) wäre mir auch lieber gewesen. Bei dem Thema sollte man nicht zuviel Zeit mit Abstimmungen vertrödeln.

Das ist vorrangig eine politstrategische Frage. Deutschland will mit einem Bündnis fast aller Druck auf die Außenstehenden aufbauen, sodass die Idee einer universellen EU am Ende obsiegt - wie beim Euro, wo von einer Schwächephase abgesehen alle jungen EU-Länder mindestens Pläne für die Einführung skizzieren und die Zahl der Altfälle ohne Euro durch die kluge Politik von Kohl, Schröder und Merkel erfreulich gering ist.
Macron möchte eher eine EU der Optionen, wo er als zweite Geige im Gesamtkonzert auch mal seinen Part bekommt, in einer kleinen Besetzung den Ton anzugeben.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 14. Mär 2018, 15:55

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(14 Mar 2018, 15:48)

Das ist vorrangig eine politstrategische Frage. Deutschland will mit einem Bündnis fast aller Druck auf die Außenstehenden aufbauen, sodass die Idee einer universellen EU am Ende obsiegt - wie beim Euro, wo von einer Schwächephase abgesehen alle jungen EU-Länder mindestens Pläne für die Einführung skizzieren und die Zahl der Altfälle ohne Euro durch die kluge Politik von Kohl, Schröder und Merkel erfreulich gering ist.
Ich empfinde die Zahl der Länder ohne EURO als unerfreulich hoch. Schweden, Dänemark, Tschechien und Polen können problemlos den EURO einführen, wollen es aber nicht. Ist auch verständlich (s. Eurokrise). Nur das ärmste Land Bulgarien will ihn.
Macron möchte eher eine EU der Optionen, wo er als zweite Geige im Gesamtkonzert auch mal seinen Part bekommt, in einer kleinen Besetzung den Ton anzugeben.
Da könnte was dran sein.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Senexx » Mi 14. Mär 2018, 15:58

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Mar 2018, 10:08)

Wie groß die Kluft zwischen Macron und Merkel ist lässt sich auch an der sehr unterschiedlichen Haltung zu Unternehmen und Kapitalismus ablesen.

"In seinem für den Wahlkampf verfassten Buch «Révolution» hatte der französische Präsident Emmanuel Macron die an eine Schrift von Lenin erinnernde Ansicht vertreten, dass sich der «Kapitalismus wegen dessen Exzessen in der Endphase» befinde. Es kann mithin nicht überraschen, dass die Regierung in Paris eine Reform aufgleisen will, laut der im Zivilgesetzbuch neu festgehalten werden soll, dass sich Unternehmen neben dem Gewinnstreben auch um das Gemeinwohl kümmern müssen. .... Die Unternehmen könnten sich nicht mehr aufs Erzielen von Gewinnen beschränken, sie müssten sich auch an der «Transformation der Gesellschaft und Verbesserung des Alltags aller beteiligen». Die im Detail noch nicht verbindlich ausformulierte neue Bestimmung ist Teil eines Gesetzes, dessen Entwurf die Regierung Mitte April im Ministerrat verabschieden will. .... Das neue Gesetzesprojekt stellt nur eine weitere Etappe bei der in Frankreich besonders weit fortgeschrittenen Enteignung der Aktionäre und der immer stärkeren Politisierung der Unternehmen dar, denen in radikaler Umkehr von Adam Smith gerne eine intrinsisch böse Gewinnmaximierung angedichtet wird." https://www.nzz.ch/wirtschaft/macron-ge ... ld.1365791

Da liegen Welten zwischen Merkel/der Bundesregierung und Macron und da darf man gespannt sein wie eine enger abgestimmte Wirtschafts- und Finanzpolitik aussehen soll.

Oh, das ist wirklich interessant. Ist mir bisher entgangen. Die Hybris des Grand-Écolien Macron ist ja kaum noch zu toppen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Senexx » Mi 14. Mär 2018, 15:59

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Mar 2018, 15:55)

Ich empfinde die Zahl der Länder ohne EURO als unerfreulich hoch. Schweden, Dänemark, Tschechien und Polen können problemlos den EURO einführen, wollen es aber nicht. Ist auch verständlich (s. Eurokrise). Nur das ärmste Land Bulgarien will ihn.
Da könnte was dran sein.

Sie wären schön blöd, führten Sie ihn ein.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 14. Mär 2018, 16:04

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Mar 2018, 15:55)

Ich empfinde die Zahl der Länder ohne EURO als unerfreulich hoch. Schweden, Dänemark, Tschechien und Polen können problemlos den EURO einführen, wollen es aber nicht.

Schweden erfüllt alle Eurokriterien und will nur nicht weitergehen - das lässt man einstweilen durchgehen. Dänemark hat vom Euro alles außer Banknoten, ist sogar im WKM II - aber Dänemark hat eine legale alte Ausnahmeregelung. Polen ist noch nicht fit. Ungarn würde heute als Kandidat nicht mal in den EU-Warteraum aufgenommen werden, wurde aber aus geopolitischen Gründen vorzeitig in die EU gelassen. Rumänien ist auf einem guten Weg. Bulgarien erfüllt die meisten Kriterien heute schon, das wird irgendwann kommen. Kroatien ist objektiv noch zu hoch verschuldet. Seine Zeit wird kommen. Mögliche EU-Kandidaten wie Montenegro, Serbien und Kosovo haben den Euro bereits als graue Straßenwährung. Es sieht nur halb so schlimm aus.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon frems » Mi 14. Mär 2018, 16:09

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Mar 2018, 15:55)

Ich empfinde die Zahl der Länder ohne EURO als unerfreulich hoch. Schweden, Dänemark, Tschechien und Polen können problemlos den EURO einführen, wollen es aber nicht. Ist auch verständlich (s. Eurokrise). Nur das ärmste Land Bulgarien will ihn.
Da könnte was dran sein.

Das stimmt so nicht. Schweden erfüllt derzeit die Auflagen zur Aufnahme in der Eurozone nicht(, genau wie die nicht genannten Länder Kroatien, Ungarn und das ausscheidende UK). Tschechien und Polen waren im Bericht der EZB von 2016 erstmals ganz knapp aufnahmefähig, aber nach den ersten Auswertungen von 2017 ist das wohl auch wieder Geschichte, zumal sie keine zwei Jahre am ERM II teilnahmen. Besser sieht's bei Dänemark aus, aber das Königreich hat seine Währung eh seit anderthalb Jahrzehnten an den Euro gekoppelt und macht somit, genau wie Bulgarien, keine eigene Währungspolitik mehr. Die Eurokrise war eben keine Währungskrise, wenn man bspw. auf Außenwert und Inflation schaut, wo der Euro stabiler und stärker war als die D-Mark in ihrer Geschichte, sondern eine asynchrone Krise in einzelnen Kleinstaaten mit unterschiedlichen, nationalen Ursachen. So einfach ist es leider nicht.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Senexx » Mi 14. Mär 2018, 17:51

Dänemark hatte seine Krone schon 1982 an die DM gebunden. Eine eigene Währungspolitik muss es genau deshalb machen, weil es diese Bindung und damit den Kurs verteidigen muss. Dänemark hat schon früher als andere Negativzinsen eingeführt, die niedrigen Zinsen haben zu einer extremen Inflation der Immobilienpreise geführt. Irgendwann wird die Blase auch dort platzen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » Mi 14. Mär 2018, 18:31

frems hat geschrieben:(14 Mar 2018, 16:09)

...Schweden erfüllt derzeit die Auflagen zur Aufnahme in der Eurozone nicht....


Diese Feststellung überrascht mich dann doch. Ich hielt Schweden immer für ein kerngesund wirtschaftendes Land. Wo hapert es denn dort, wenn man es in den Euro hinein ziehen wollte?

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