Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

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Mahmoud
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Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Mahmoud » So 5. Nov 2017, 18:28

Wann immer EU- ; Euro- und globalisierungskritische Stimmen auftauchen, hört man immer wieder von Politikern aller Couleur ( mit Ausnahme der AfD vielleicht) , geradezu gebetsmühlenartig, daß gerade Deutschland am Meisten von der EU und von "offenem" Handel profitiere. Das klingt auch erst mal logisch, schließlich sind wir doch zum x-ten Mal Exportweltmeister, und unser Exportüberschuss ist es auch, dem wir unseren wirtschaftlichen Wohlstand zu verdanken haben.

Aber ich kann mir nicht helfen, irgendwo in meinem Hinterkopf melden sich immer wieder Zweifel: DENN WIR WAREN AUCH ZU D-MARK-ZEITEN SCHON EXPORTWELTMEISTER !
Und alleine diese Tatsache lässt mich an der obigen Aussage unserer Politiker zweifeln, oder besser:..lässt mich vermuten, daß diese Aussage weniger argumentativen als manipulativen Charakter hat.
Womit Ich zur nächsten Frage komme: Welchen Grund sollten unsere Politiker daran haben, das Volk in Richtung Euro und EU zu manipulieren?
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Watchful_Eye
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Watchful_Eye » So 5. Nov 2017, 19:08

Mahmoud hat geschrieben:(05 Nov 2017, 18:28)
Wann immer EU- ; Euro- und globalisierungskritische Stimmen auftauchen, hört man immer wieder von Politikern aller Couleur ( mit Ausnahme der AfD vielleicht) , geradezu gebetsmühlenartig, daß gerade Deutschland am Meisten von der EU und von "offenem" Handel profitiere.

Es stimmt schlicht und einfach. Durch die gemeinsame Währung können die anderen EU-Staaten ihre Währung nicht mehr abwerten und sind dadurch dem offenen Wettbewerb mit uns ausgeliefert. Wenn du EU-Gegner aus irgendeinem südlichen EU-Land fragst, werden die dir als Argument nennen, dass Deutschland davon einseitig profitiere.

Wir haben Wirtschaftswachstum, keine Neuverschuldung, und das bei einer Million Flüchtlinge. Läuft doch super.

Im Gegenteil: Wenn wir den anderen EU-Staaten nicht bald mal Zugeständnisse machen, werden sie den Euro ihrerseits aufkündigen.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Odin1506 » So 5. Nov 2017, 19:11

Watchful_Eye hat geschrieben:(05 Nov 2017, 19:08)

Es stimmt schlicht und einfach. Durch die gemeinsame Währung können die anderen EU-Staaten ihre Währung nicht mehr abwerten und sind dadurch dem offenen Wettbewerb mit uns ausgeliefert. Wenn du EU-Gegner aus irgendeinem südlichen EU-Land fragst, werden die dir als Argument nennen, dass Deutschland davon einseitig profitiere.

Wir haben Wirtschaftswachstum, keine Neuverschuldung, und das bei einer Million Flüchtlinge. Läuft doch super.

Im Gegenteil: Wenn wir den anderen EU-Staaten nicht bald mal Zugeständnisse machen, werden sie den Euro ihrerseits aufkündigen.


Oder der Euro wird massiv abgewertet.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Mahmoud » So 5. Nov 2017, 19:15

Watchful_Eye hat geschrieben:(05 Nov 2017, 19:08)

Es stimmt schlicht und einfach. Durch die gemeinsame Währung können die anderen EU-Staaten ihre Währung nicht mehr abwerten und sind dadurch dem offenen Wettbewerb mit uns ausgeliefert. Wenn du EU-Gegner aus irgendeinem südlichen EU-Land fragst, werden die dir als Argument nennen, dass Deutschland davon einseitig profitiere.


.


Aber daß wir zu D-Mark-Zeiten auch schon Exportweltmeister waren, stimmt auch . Schlicht und Einfach.... :cool:
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 5. Nov 2017, 19:21

Mahmoud hat geschrieben:(05 Nov 2017, 18:28)

Wann immer EU- ; Euro- und globalisierungskritische Stimmen auftauchen, hört man immer wieder von Politikern aller Couleur ( mit Ausnahme der AfD vielleicht) , geradezu gebetsmühlenartig, daß gerade Deutschland am Meisten von der EU und von "offenem" Handel profitiere. Das klingt auch erst mal logisch, schließlich sind wir doch zum x-ten Mal Exportweltmeister, und unser Exportüberschuss ist es auch, dem wir unseren wirtschaftlichen Wohlstand zu verdanken haben.

Aber ich kann mir nicht helfen, irgendwo in meinem Hinterkopf melden sich immer wieder Zweifel: DENN WIR WAREN AUCH ZU D-MARK-ZEITEN SCHON EXPORTWELTMEISTER !
Und alleine diese Tatsache lässt mich an der obigen Aussage unserer Politiker zweifeln, oder besser:..lässt mich vermuten, daß diese Aussage weniger argumentativen als manipulativen Charakter hat.
Womit Ich zur nächsten Frage komme: Welchen Grund sollten unsere Politiker daran haben, das Volk in Richtung Euro und EU zu manipulieren?

Das Weltmeisterauto von 1990 ist heute nicht mehr konkurrenzfähig. Mit der DM konnte man vielleicht Ossis und Kosovaren beglücken, aber für die heutige Weltwirtschaft käme sie als Dollarsubstitut nicht in Frage - der Euro kann es. Wir sollten Polen &co nachhaltiger drängen, dem WKM II beizutreten.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Watchful_Eye » So 5. Nov 2017, 19:29

Mahmoud hat geschrieben:(05 Nov 2017, 19:15)

Aber daß wir zu D-Mark-Zeiten auch schon Exportweltmeister waren, stimmt auch . Schlicht und Einfach.... :cool:

Natürlich. Aber die Situation war halt eine andere. Ich weiß nicht, ob wir ohne Euro auch Heute noch Exportweltmeister wären. Ich gehe ehrlich gesagt sogar davon aus, dass wir den Platz auch mit Euro bald endgültig an China verlieren werden. So groß sind wir einfach nicht.

Mir ist klar, dass die Welt nicht untergehen würde ohne Euro. Aber warum sollte man nicht etwas aufrechterhalten, wovon man profitiert?
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Mahmoud » So 5. Nov 2017, 19:37

Watchful_Eye hat geschrieben:(05 Nov 2017, 19:29)



Aber warum sollte man nicht etwas aufrechterhalten, wovon man profitiert?


Tja, warum? Lass mal kurz nachdenken.......Weil wir für all die südeuropäischen Schuldenländer mitzahlen? Weil wir unfähige Staaten unterstützen mit unseren Steuergeldern? Weil wir uns für all diese "looser" verschulden und diese Schulden wahrscheinlich nie mehr zurückerstattet bekommen.....

Sind das triftige Gründe? Der Punkt ist, daß all die Schulden und Kredite, die wir aufgenommen bzw. gewährt haben, sich in Heller und Pfennig beziffern lassen. Der Profit, den wir angeblich aus dem Euro ziehen, ist Nichts als eine imaginäre Wolke, die Niemand beziffern kann. Deswegen darf man daran zweifeln.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon NMA » So 5. Nov 2017, 19:46

Wird jetzt hier über den Euro diskutiert oder über die EU?

Wer bei der EU nur ans Geld denkt, hat sie nicht verstanden.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon think twice » So 5. Nov 2017, 19:47

Mahmoud hat geschrieben:(05 Nov 2017, 19:37)

Tja, warum? Lass mal kurz nachdenken.......Weil wir für all die südeuropäischen Schuldenländer mitzahlen? Weil wir unfähige Staaten unterstützen mit unseren Steuergeldern? Weil wir uns für all diese "looser" verschulden und diese Schulden wahrscheinlich nie mehr zurückerstattet bekommen.....

Sind das triftige Gründe? Der Punkt ist, daß all die Schulden und Kredite, die wir aufgenommen bzw. gewährt haben, sich in Heller und Pfennig beziffern lassen. Der Profit, den wir angeblich aus dem Euro ziehen, ist Nichts als eine imaginäre Wolke, die Niemand beziffern kann. Deswegen darf man daran zweifeln.

Mein nagelneuer VW wurde in Spanien gebaut (ist für VW günstiger in der Produktion)' dann wurde er nach Tschechien gekarrt und dort für einen Tag zugelassen (VW hat einen Bonus bekommen für die Zulassung im Ausland). Anschließend kam er nach Deutschland und ich habe ihn für 5000€ billiger bekommen, weil er eben laut Papieren kein Neuwagen mehr war.
VW und ich haben also profitiert, die Spanier und Tschechen eher nicht. Kann man denen aber nicht vorwerfen.
Wie kann es sein, dass Europa seine Werte verteidigt, in dem es andere Menschen von seinen Werten ausschließt?
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon odiug » So 5. Nov 2017, 20:00

Mahmoud hat geschrieben:(05 Nov 2017, 18:28)

Wann immer EU- ; Euro- und globalisierungskritische Stimmen auftauchen, hört man immer wieder von Politikern aller Couleur ( mit Ausnahme der AfD vielleicht) , geradezu gebetsmühlenartig, daß gerade Deutschland am Meisten von der EU und von "offenem" Handel profitiere. Das klingt auch erst mal logisch, schließlich sind wir doch zum x-ten Mal Exportweltmeister, und unser Exportüberschuss ist es auch, dem wir unseren wirtschaftlichen Wohlstand zu verdanken haben.

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Also ich möchte schon mal einwenden, daß Exportüberschüsse nichts, aber auch rein gar nichts zu unsrem Wohlstand beitragen.
Im Gegenteil ... Exportüberschüsse sind eigentlich ein Export von Wohlstand :eek:
Weil wir kriegen ja nix zurück, außer Schuldscheine, die vielleicht mal bezahlt werden ... irgend wann einmal ... oder vielleicht auch nicht :eek:
Eine ausgeglichene Handelsbilanz würde den Wohlstand in Deutschland erheblich anheben ... da bekämen wir statt Papier nämlich reale Dinge, mit denen wir was anfangen können.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Misterfritz » So 5. Nov 2017, 20:01

Mahmoud hat geschrieben:(05 Nov 2017, 19:37)

Tja, warum? Lass mal kurz nachdenken.......Weil wir für all die südeuropäischen Schuldenländer mitzahlen? Weil wir unfähige Staaten unterstützen mit unseren Steuergeldern? Weil wir uns für all diese "looser" verschulden und diese Schulden wahrscheinlich nie mehr zurückerstattet bekommen.....

Sind das triftige Gründe? Der Punkt ist, daß all die Schulden und Kredite, die wir aufgenommen bzw. gewährt haben, sich in Heller und Pfennig beziffern lassen. Der Profit, den wir angeblich aus dem Euro ziehen, ist Nichts als eine imaginäre Wolke, die Niemand beziffern kann. Deswegen darf man daran zweifeln.
An diesen Krediten verdient die dts. Bundesbank hervorragend.
Im übrigen, wenn wir diese Staaten nicht unterstützen, könnten wir auch nichts dorthin exportieren.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon frems » So 5. Nov 2017, 20:06

Mahmoud hat geschrieben:(05 Nov 2017, 19:37)
Tja, warum? Lass mal kurz nachdenken.......Weil wir für all die südeuropäischen Schuldenländer mitzahlen? Weil wir unfähige Staaten unterstützen mit unseren Steuergeldern? Weil wir uns für all diese "looser" verschulden und diese Schulden wahrscheinlich nie mehr zurückerstattet bekommen.....

Nichtloser schreiben Loser mit einem O. Zudem können sie EU und Eurozone auseinanderhalten, aber lassen wir's. Da zahlt auch keiner was mit und dieses "nie mehr zurückerstattet" hieß für die Bundesbank bereits ein Milliardengewinn, da Deutschland zu niedrigen Zinsen Geld aufnahm und zu schlechteren Bedingungen an Staaten wie Griechenland weiterreichte. Du kommst mit diesen Befürchtungen viele, viele Jahre zu spät.

Sind das triftige Gründe? Der Punkt ist, daß all die Schulden und Kredite, die wir aufgenommen bzw. gewährt haben, sich in Heller und Pfennig beziffern lassen. Der Profit, den wir angeblich aus dem Euro ziehen, ist Nichts als eine imaginäre Wolke, die Niemand beziffern kann. Deswegen darf man daran zweifeln.

Öhm, doch, lässt sich beziffern. Alleine für den Handel innerhalb der Eurozone bedeutet die Währung eine Senkung der Transaktionskosten im mittleren zweistelligen Milliardenbereich für deutsche Unternehmen. Auch in Sachen Arbeitsmarkt lässt sich einiges errechnen. Demnach gehen knapp über 50% des wirtschaftlichen Erfolgs auf die Eurozone mit ihrer EZB zurück: http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 93186.html

Von der geopolitischen Komponente und der Bedeutung für das europäische Projekt ganz zu schweigen. Hol Dir doch mal ein Buch zur Volkswirtschaftslehre. Nur Vorurteile vom Stammtisch helfen nicht weiter.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon odiug » So 5. Nov 2017, 20:22

Misterfritz hat geschrieben:(05 Nov 2017, 20:01)

An diesen Krediten verdient die dts. Bundesbank hervorragend.
Im übrigen, wenn wir diese Staaten nicht unterstützen, könnten wir auch nichts dorthin exportieren.

Von Verdienst läßt sich erst dann sprechen, wenn am Schluß die Bundes Bank mehr Geld in der Kasse hat, als vorher.
Also müsste Griechenland seine Kredite erst zurückgezahlt haben, dann kann man die Zinszahlungen der Griechen auch als Gewinn verbuchen.
Davon sind die Griechen aber noch sehr weit weg ... sehr sehr weit weg ... sehr sehr sehr weit weg.
Dennoch ist es richtig, daß die Bundesbank diese Kredite gewährt ... auch in Zukunft noch ausweitet, trotz des Geplapper eines Lucke, Söder oder Bosbach.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Loki » So 5. Nov 2017, 20:34

frems hat geschrieben:(05 Nov 2017, 20:06)

[...]

Und dafür die Währungshoheit abgeben ?

Kredit ans Ausland oder Wertpapiere etc. aus eben diesem erwerben, ist auch ohne EU/Euro prinzipiell möglich,
unabhängig davon, wie kritisch beäugt das Thema Geldzins werden sollte.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon frems » So 5. Nov 2017, 20:37

Loki hat geschrieben:(05 Nov 2017, 20:34)

Und dafür die Währungshoheit abgeben ?

Kredit ans Ausland oder Wertpapiere etc. aus eben diesem erwerben, ist auch ohne EU/Euro prinzipiell möglich,
unabhängig davon, wie kritisch beäugt das Thema Geldzins werden sollte.

Die ist nicht abgegeben. Wir sind Teil des Euroraums. Dass die EZB nach deutschem Vorbild (unabhängig sowie Hauptziel Währungsstabilität) gegründet wurde, lässt eher den Süden Europas aufstöhnen. Als Deutscher hat man da wirklich keinen seriösen Grund zu jammern.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Loki » So 5. Nov 2017, 20:48

frems hat geschrieben:(05 Nov 2017, 20:37)
Als Deutscher hat man da wirklich keinen seriösen Grund zu jammern.

Wenn man "als Deutscher" die Währung ändern, im Sinne von verbessern, will, schon,
weil hierbei die anderen Euro-Nutzer im Ausland ein Wörtchen mitzureden haben, selbst wenn 90 % der Deutschen Wähler den Euro, die derzeitig hier genutzte Währung und einziges gesetzliches Zahlungsmittel, ändern möchten.
Dann darf darüber gejammert werden, daß man ja für die EU stimmte... bei einer nie erfolgten Wahl diesbezüglich.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon frems » So 5. Nov 2017, 20:52

Loki hat geschrieben:(05 Nov 2017, 20:48)

Wenn man "als Deutscher" die Währung ändern, im Sinne von verbessern, will, schon,
weil hierbei die anderen Euro-Nutzer im Ausland ein Wörtchen mitzureden haben, selbst wenn 90 % der Deutschen Wähler den Euro, die derzeitig hier genutzte Währung und einziges gesetzliches Zahlungsmittel, ändern möchten.
Dann darf darüber gejammert werden, daß man ja für die EU stimmte... bei einer nie erfolgten Wahl diesbezüglich.

Die Eurozone umfasst über 340 Mio. Bürger. Dass ein kleiner Teil davon nicht alleine alles entscheiden kann, hat auch was mit Demokratie zu tun, Genosse. Aber dann jammer halt weiter, dass die Mehrheit der Deutschen keinen währungspolitischen Selbstmord anstreben und entsprechend wählen.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Loki » So 5. Nov 2017, 21:03

frems hat geschrieben:(05 Nov 2017, 20:52)

Die Eurozone umfasst über 340 Mio. Bürger. Dass ein kleiner Teil davon nicht alleine alles entscheiden kann, hat auch was mit Demokratie zu tun, Genosse.

In dem Vergleich würde man in Hamburg darüber mitabstimmen, welches Bier am Oktoberfest getrunken werden muß.

Nein nein, die Währungshoheit abzugeben, wird ein Fehler gewesen sein. So ist nun etwas gesetzliches Zahlungsmittel im Bundeslände, was vom Ausland mitgestaltet werden kann; auch mehrheitlich vom Ausland, da das Ausland als Gesamtes die demokratische Mehrheit im Euroraum besitzt.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Julian » So 5. Nov 2017, 21:04

Die Debatte krankt daran, dass im gegenwärtigen Denkstil der deutschen Politik "Europa" alternativlos ist und ein Ziel darstellt, das als gleichwertig zu oder sogar identisch mit Frieden, Demokratie und Wohlstand verstanden wird. Typischerweise werden auch Begriffe wie "Europa", "EU" und "Euro" vermengt. Wer also beispielsweise auch nur Nachteile der Währungsunion äußert, wird in der Regel als Gegner von "Europa", oder gar von Frieden, Demokratie und Wohlstand gebrandmarkt. Von daher ist eine um Objektivität bemühte, ergebnisoffene Diskussion kaum möglich.

Dabei hat der Euro selbstverständlich sowohl Vorteile als auch Nachteile für Deutschland. Für Deutschland ist die Währung unterbewertet, was deutsche Exporte verbilligt, Importe oder Reisen oder Investitionen im Ausland jedoch verteuert. Deswegen sind Deutsche auch international gesehen nicht so wohlhabend, wie sie es mit einer eigenen, harten Währung wären; so ist der Wohlstandsnachteil gegenüber der Schweiz ja stetig gewachsen.

Ob es ein Vorteil ist, "Exportweltmeister" zu sein, wage ich zu bezweifeln. Es ist sicherlich ein schöner Propagandabegriff, der das Vertrauen in die deutsche Wirtschaftsordnung steigern kann. Allerdings halte ich den großen Exportüberschuss für problematisch, zumal das Geld für all die Güter, die Deutschland exportiert, derzeit nicht real ist, sondern quasi nur angeschrieben ist. Die TARGET2-Salden sind ja wieder regelrecht explodiert; wir nähern uns einer Billion Euro. Damit exportiert Deutschland wertvolle Produkte und lässt die Südländer dafür anschreiben, ohne zu wissen, ob die Imbalance jemals ausgeglichen werden wird.

Mit einiger Sorge sehe ich auch den Arbeitsmarkt in Deutschland. Ja, die Zahlen sind beeindruckend; die Arbeitslosigkeit sinkt und sinkt, die Beschäftigung steigt. Angeblich soll es einen Fachkräftemangel geben. Allerdings muss man eben leider anmerken, dass die Beschäftigungsverhältnisse teilweise wirklich prekär sind, und die Arbeitsbedingungen katastrophal. Die Zahl der Transferleistungsempfänger steigt. Viele Leute außerhalb Deutschlands, etwa in Frankreich, würden nicht auf den Gedanken kommen, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Selbst Hochqualifizierte werden in Deutschland schlecht bezahlt. All dies spiegelt sich wider in Statistiken zur Vermögensverteilung in Europa, die Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, darunter auch Südländern, als Armenhaus ausweisen.

Sicherlich hat die EU Deutschland auch viel Positives gebracht. Dennoch ist es fraglich, ob derselbe Effekt nicht auch anders möglich gewesen wäre, etwa ohne den Aufbau einer überbordenden Bürokratie und Abgabe von Souveränitätsrechten. Insbesondere das völlig unklare Verhältnis von europäischen Institutionen und nationalem Recht kann einem durchaus Sorgen bereiten; hier könnte das Grundgesetz durch die Hintertür ausgehebelt werden.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon frems » So 5. Nov 2017, 21:07

Loki hat geschrieben:(05 Nov 2017, 21:03)

In dem Vergleich würde man in Hamburg darüber mitabstimmen, welches Bier am Oktoberfest getrunken werden muß.

Nee. Wir deutschen Europäer sind noch immer Teil der Eurozone, genau wie französische, slowakische, estnische oder irische Europäer. Da kann niemand alleine entscheiden. Und das ist auch gut so, zumal die EZB noch immer kein Spielball der Politik ist, sondern unabhängig wie einst die Bundesbank.

Nein nein, die Währungshoheit abzugeben, wird ein Fehler gewesen sein. So ist nun etwas gesetzliches Zahlungsmittel im Bundeslände, was vom Ausland mitgestaltet werden kann; auch mehrheitlich vom Ausland, da das Ausland als Gesamtes die demokratische Mehrheit im Euroraum besitzt.

Sowas provinzielles liest man wirklich selten. "Wir Deutsche", total homogen in politischen Fragen, und "die im Ausland", ebenfalls komplett homogen, ob ein Liberaler in den Niederlanden, ein Kommunist in Österreich, ein Rechtspopulist in Belgien oder ein Grüner in Italien. Die sind alle nur "das Ausland", das dem armen Deutschen ans Portemonnaie möchte und sonst keinen Sinn im (politischen) Leben hat. Steckt den wohl in den Genen, hm? Tja, und dann profitiert auf einmal der arme, kleine deutsche Michel, während kleinere Mitgliedsstaaten Europas Entscheidungen zähneknirschend mittragen.
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