Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

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unity in diversity
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon unity in diversity » Sa 18. Nov 2017, 11:04

Ger9374 hat geschrieben:(18 Nov 2017, 09:06)

Deutschlands Wirtschaft profitiert von der E.U und damit auch ein grossteil der Arbeitnehmer.
Unsere Exportwirtschaft boomt seit Jahren, viel über unsere E.U Partner. Die Verhandlungspositionen durch die E.U in Ceta usw.sind stärker als wenn Deutschland alleine
für sich stünde. Nachteil die Unwägbarkeiten des ESM Schirms. Eventuelle folezahlungen in den nächsten Jahren sind kaum kalkulierbar.
Weitere Zahlungen durch den Austritt GB auch noch nicht kalkulierbar. Durch die militärische anvisierte engere Kooperation wird auch Deutschland profitieren, einkauf und Wertschöpfung kommen hier zum tragen.
Wenn diverse Vorgänger Regierungen mehr Deutsche Steuergelder für Rentenkassen und zukünftige Löcher in den Pensionskassen gelassen hätten wäre alles noch besser.
Aber jeder bedient ja seine Klientel auf Kosten der allgemeinheit. Immer Raus mit der Kohle. kommt ja neues nach.

Ohne ausgeglichene Handels- und Zahlungsbilanzen unter den Mitgliedern der europäischen Union, wird es auf Dauer nichts.
Weil sonst ein Gigant im Zentrum auf tönernen Füßen an der Peripherie steht.
"Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze.
Den Falschen und den Unsrigen."
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 18. Nov 2017, 11:23

Papaloooo hat geschrieben:(18 Nov 2017, 10:52)

Dabei vergisst Du allerdings, dass inzwischen die Mindestrente fast exakt auf dem Satz der Sozialhilfe ist.
Und demnächst liegt beides gleichauf.
Und daraus ensteht das Problem des Generationenvertrages:
Immer mehr Menschen werden es nicht mehr einsehen, in ein System einzuzahlen,
wobei ihnen Geld im aktuellen Leben fehlt,
sie aber in der Zukunft von diesen eingezahlten Geldern nicht mehr profitieren werden!


Es sind zwar immer mehr, doch eine deutliche Minderheit. Zudem haben viele Jüngere neben der Rente oft andere Vorsorge.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Julian » Sa 18. Nov 2017, 12:08

Papaloooo hat geschrieben:(18 Nov 2017, 07:17)

Stimmt Julian,
ich bezweifle nur, ob eine "Eigenbrödlerei" auf lange Frist der bessere Weg ist.



Für Eigenbrödlerei bin ich auch nicht, sondern für enge Zusammenarbeit in Europa. Allerdings stellt sich die Frage, wie weit diese Zusammenarbeit und vor allem die Solidarität gehen soll - auch unter Beachtung dessen, was die Menschen in diesem Lande wünschen.

Wird eine Transferunion gewünscht? Diese Frage wurde nie gestellt, doch wir bewegen uns mit großen Schritten eben darauf zu. Das heißt, dass italienische Rentner, spanische Arbeitslose und griechische Patienten letztlich von deutschen Steuer- und Beitragszahlern mitfinanziert werden, ob nun direkt und offen oder indirekt und verdeckt.

Man kann gerne darüber diskutieren, ob das gewünscht wird oder nicht; es ist eine legitime Frage. Wenn wir uns auf einen europäischen Bundesstaat zubewegen, ist es unausweichlich. Ich habe lediglich den Eindruck, dass unsere Sozial- und Steuersysteme und auch die damit einhergehende Mentalität zu verschieden sind, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

Es gibt eben große Unterschiede in der Steuermoral, in der Effizienz der öffentlichen Verwaltung, im Verhältnis der Bürger zu ihrem Staat, gerade im Vergleich von Nord- und Südeuropa. Ich sehe große Konflikte auf uns zukommen, wenn hier eine abgehobene Elite die Integration weiter vorantreibt, ohne den Bürgern reinen Wein einzuschenken und sie nach ihrer Meinung zu fragen.

Papaloooo hat geschrieben:(18 Nov 2017, 07:17)
Die Armut unter Rentner in Deutschland halte ich in erster Linie als eine Folge der Plünderung der Rentenkassen in der Ära Kohl
um damit den Aufbau-Ost zu finanzieren.


Das Rententhema ist komplex; da spielen viele Faktoren hin, vor allem natürlich die Alterung der Gesellschaft, aber auch der Verlust sozialer Bindungen. Es spricht auch viel dafür, dass es heutigen Rentnern besser als den früheren geht. Dennoch: Die sichtbare Armut hat meiner Meinung nach zugenommen. Mir ist früher nie aufgefallen, welche verhärmten Gestalten auf den Straßen rumlaufen.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Papaloooo » Sa 18. Nov 2017, 16:19

Julian, da bin ich Deiner Meinung:

Eine Transfergesellschaft wäre auf jeden Fall der falsche Weg.
Und doch zeichnet sich da manches so ab.

Thema Griechenland:
Mit wie viel Milliarden wurden sie gerettet?
Und wurden sie denn wirklich gerettet?
Sie schliddern einfach geradewegs in die nächste Pleite hinein!
Und dann? Alles wieder von vorn?

Wenn ich mal anschaue, wie viele deutsche Waren in griechischen Supermärkten rumliegen,
und wie viele deutsche Autos auf griechischen Straßen herumfahren,
dann frage ich mich manchmal, wieso die Griechen auf die Deutschen oft so sauer sind?

Würden sie mehr eigene Waren produzieren, dann wären sie nicht in dieser desolaten Lage!
Sollte man dafür andere Staaten belangen?
Sicherlich nicht!

Die Eigenverantwortung aller Staaten für ihre Wirtschaftslage als Grundlage muss für eine Europäische Union die Voraussetzung sein!
Sonst werden durch den Geld-Transfer auch Eigenanstrengungen dieser Länder geschwächt.
da
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Realist2014 » Sa 18. Nov 2017, 16:32

Papaloooo hat geschrieben:(18 Nov 2017, 10:52)

Dabei vergisst Du allerdings, dass inzwischen die Mindestrente fast exakt auf dem Satz der Sozialhilfe ist.
Und demnächst liegt beides gleichauf.
U !



es gibt in Deutschland keine "Mindestrente"....
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Wähler » Sa 18. Nov 2017, 16:33

Julian hat geschrieben:(18 Nov 2017, 12:08)
Wird eine Transferunion gewünscht? Diese Frage wurde nie gestellt, doch wir bewegen uns mit großen Schritten eben darauf zu. Das heißt, dass italienische Rentner, spanische Arbeitslose und griechische Patienten letztlich von deutschen Steuer- und Beitragszahlern mitfinanziert werden, ob nun direkt und offen oder indirekt und verdeckt.

Bisher haben wir noch keine Transferunion, da der EU-Haushalt nur 1% der Wirtschaftsleistung aller EU-Länder entspricht. In den ESM haben wir einmalig 22 Milliarden Euro Eigenkapital gezahlt und bürgen maximal für 190 Milliarden Euro ESM-Kredite an EU-Länder mit Rettungsprogrammen. Erst, wenn wir jedes Jahr das Eigenkapital des ESM mit Milliardenbeträgen ausstocken müssten, hätten wir einen zweiten Nettobeitrag wie beim EU-Haushalt zu stemmen.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Realist2014 » Sa 18. Nov 2017, 16:33

Julian hat geschrieben:(18 Nov 2017, 12:08)

. Dennoch: Die sichtbare Armut hat meiner Meinung nach zugenommen. Mir ist früher nie aufgefallen, welche verhärmten Gestalten auf den Straßen rumlaufen.


"Früher" waren die schon "eher" tot...

Stichwort steigende Lebenserwartung
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 18. Nov 2017, 18:54

Papaloooo hat geschrieben:(18 Nov 2017, 16:19)

Julian, da bin ich Deiner Meinung:

Eine Transfergesellschaft wäre auf jeden Fall der falsche Weg.
Und doch zeichnet sich da manches so ab.

Thema Griechenland:
Mit wie viel Milliarden wurden sie gerettet?
Und wurden sie denn wirklich gerettet?
Sie schliddern einfach geradewegs in die nächste Pleite hinein!
Und dann? Alles wieder von vorn?

Wenn ich mal anschaue, wie viele deutsche Waren in griechischen Supermärkten rumliegen,
und wie viele deutsche Autos auf griechischen Straßen herumfahren,
dann frage ich mich manchmal, wieso die Griechen auf die Deutschen oft so sauer sind?

Würden sie mehr eigene Waren produzieren, dann wären sie nicht in dieser desolaten Lage!
Sollte man dafür andere Staaten belangen?
Sicherlich nicht!

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Sonst werden durch den Geld-Transfer auch Eigenanstrengungen dieser Länder geschwächt.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon H2O » Sa 18. Nov 2017, 19:22

Julian hat geschrieben:(18 Nov 2017, 12:08)

...

Wird eine Transferunion gewünscht? Diese Frage wurde nie gestellt, doch wir bewegen uns mit großen Schritten eben darauf zu. Das heißt, dass italienische Rentner, spanische Arbeitslose und griechische Patienten letztlich von deutschen Steuer- und Beitragszahlern mitfinanziert werden, ob nun direkt und offen oder indirekt und verdeckt.

Man kann gerne darüber diskutieren, ob das gewünscht wird oder nicht; es ist eine legitime Frage. Wenn wir uns auf einen europäischen Bundesstaat zubewegen, ist es unausweichlich. Ich habe lediglich den Eindruck, dass unsere Sozial- und Steuersysteme und auch die damit einhergehende Mentalität zu verschieden sind, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

Es gibt eben große Unterschiede in der Steuermoral, in der Effizienz der öffentlichen Verwaltung, im Verhältnis der Bürger zu ihrem Staat, gerade im Vergleich von Nord- und Südeuropa. Ich sehe große Konflikte auf uns zukommen, wenn hier eine abgehobene Elite die Integration weiter vorantreibt, ohne den Bürgern reinen Wein einzuschenken und sie nach ihrer Meinung zu fragen.

... Dennoch: Die sichtbare Armut hat meiner Meinung nach zugenommen. Mir ist früher nie aufgefallen, welche verhärmten Gestalten auf den Straßen rumlaufen.


Wenn wir unser europäisches Projekt voran bringen wollen, dann sind Ausgleichszahlungen von wohlhabenden Regionen in solche, die bisher noch keinen europäischen Lebensstandard erreicht haben, wohl gar nicht zu umgehen. Das europäische Projekt soll ja wohl nach dem Empfinden seiner Unterstützer auf eine europäische Föderation hinaus laufen, in der so ungefähr gleiche Lebenschancen vor zu finden sind.

Allerdings erkenne ich in etlichen Fällen die Voraussetzungen für eine solche Föderation nicht. Völlig richtig wird doch bemängelt, daß etliche Mitglieder derzeit hinter die Aufnahmebedingungen der EU zurück gefallen sind, sie die im Vertrag von Lissabon eingegangenen Verpflichtungen zur Übernahme der Gemeinschaftswährung nicht erfüllen wollen. Kurzum erkenne ich keinen Sinn darin, Zahlungen zu leisten, die als Vorleistung für die stetig sich vertiefende Zusammenarbeit in Richtung einer europäischen Föderation zu verstehen sind.

Nur im Fall der Türkei ist die EU endlich bereit, die Vorauszahlungen für den beabsichtigten EU-Beitritt der Türkei zurück zu drehen. Da scheint aber auch geklärt zu sein, daß die heutige Türkei nicht beabsichtigt, die Aufnahmebedingungen der EU zu erfüllen.

Die EU muß sich häuten und alle Partner zurück lassen, die das europäische Projekt nicht als gemeinsames Ziel verstehen. Eine Frage irgendwelcher Eliten dürfte das gar nicht sein, sondern eine Sache des kühlen Verstandes. Welcher ordentlich wirtschaftende Europäer wünscht sich eine Zwangsvereinigung mit jenen Partnern, die im Überschwang der 2000er Jahre "Masse bringen" sollten... aber es an der Klasse dauerhaft vermissen lassen? Die die EU als Quelle von Mittelzuflüssen betrachten, ohne erkennbar das europäische Projekt zu fördern. Je eher diese Trennung vollzogen wird, desto besser. Das wachsende Mißvergnügen an der EU kann doch niemand übersehen... leider auch in den Ländern, die das europäische Projekt in Gang gebracht hatten.

Aus meiner Sicht hat die EU mit dem Glücksfall Macron einen Antreiber gewonnen, der das europäische Projekt ohne wenn und aber voran bringen möchte. Aber ohne tatkräftige Mitwirkung des deutschen Partners kann ihm das nicht gelingen. Wir müssen hoffen, daß die Regierungsbildung in Deutschland nun bald vollzogen sein wird. So weit ich das beurteilen kann, sind durchweg dem europäischen Projekt freundlich gesonnene Parteien an der Bundesregierung beteiligt. Dann muß das europäische Projekt und die Meilensteine dorthin gemeinsam mit den französischen Partnern festgelegt werden, damit sie mit unseren übrigen EU-Partnern besprochen werden können.

Damit besteht keinerlei Aussicht auf Minderung der Zahlungen aus deutschen Mitteln; aber die Hoffnung ist begründet, daß damit das europäische Projekt beschleunigt werden kann. Im Sinne der Strangüberschrift wird Deutschland dann aufgrund seines Wohlstands eine besonders hohe Verantwortung und ein besonders hohes Verdienst um die europäische Einigung zufallen. Ich bin der Meinung, daß diese Absichten "der Eliten" in vernünftigen Darlegungen bekannt gemacht werden sollten, damit sie bei der nächsten Bundestagswahl und den nächsten Präsidentschaftswahlen in Frankreich und in anderen Ländern der EU ihre Wirkung entfalten können... und die oben erwähnte Häutung der EU endlich in Gang kommt.

Als Deutscher und Europäer meine ich, daß Deutschland von der Einigkeit seiner Partner die größten Vorteile gewinnt... das für unsere Partner aber ein Deutschland dieses Zuschnitts zum Hauptgewinn wird.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon H2O » Sa 18. Nov 2017, 19:29

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(18 Nov 2017, 18:54)

Der Sinn der EU ist u.a. ein gemeinsamer Markt, bei dem egal ist, ob der Feta aus Griechenland und der Fisch aus Nordeuropa kommt.


Das ist doch nicht der Sinn der EU, sondern eine wirtschaftliche Existenzgrundlage für den gemeinsamen Wohlstand. Daran würden die Briten gern teilhaben, aber sich mit dem "lästigen Rest" der EU nicht mehr befassen. Der "lästige Rest" der EU, nämlich die sich stetig vertiefende Zusammenarbeit ihrer Mitglieder in Richtung eines europäischen Staatswesens, war aber die Grundlage des politischen Handelns seit der Gründung der EU und ihrer Vorläufer.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 18. Nov 2017, 19:49

Entfällt
Zuletzt geändert von Sole.survivor@web.de am Sa 18. Nov 2017, 23:24, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 18. Nov 2017, 20:02

H2O hat geschrieben:(18 Nov 2017, 19:29)

Das ist doch nicht der Sinn der EU, sondern eine wirtschaftliche Existenzgrundlage für den gemeinsamen Wohlstand. Daran würden die Briten gern teilhaben, aber sich mit dem "lästigen Rest" der EU nicht mehr befassen. Der "lästige Rest" der EU, nämlich die sich stetig vertiefende Zusammenarbeit ihrer Mitglieder in Richtung eines europäischen Staatswesens, war aber die Grundlage des politischen Handelns seit der Gründung der EU und ihrer Vorläufer.

Manche sagen, dass aus dem gemeinsamen Markt, der eben nicht bloß eine Zollunion ist, alles weitere folgt. Der Euro ist nicht zwingend, aber nützlich und möglich, weil es gemeinsame Standards und Vergleichbarkeit gibt: Bei Bildung, bei Umwelt, bei Sicherheit, bei Berufszertifikaten. Es gibt sogar eine Freizügigkeit der Arbeitnehmer und eine der Dienstleister neben einer der Waren, das geht nur mit dem ganzen kleinteiligen eu-weit festlegen. Deshalb ist die Schweiz so fest in der EU verankert, hat tausende EU-Regeln übernommen, zahlt viel Geld in EU-Programme ein. Dito Norwegen. Diese Tiefe hat keine der vielen "Freihandelszonen" und Zollunionen in der Welt. Manche sagen sogar, die GASP und die neue EU-Totschießtruppe seien eine logische Folge des EWR, der Bedarf hat, seine gemeinsamen Seewege zu schützen und sich in Krisen dritter Staaten einzumischen, wenn da eigene Interessen auf dem Spiel stehen. Einige vor allem im Ausland rechnen herum, wem die EU netto am meisten nützt und halten sie für den dritten deutschen Griff nach der Weltmacht. Nur ein unbeugsamer Haufen von Islamängstlichen, Ausländerauskennern und Erbsenzählern hält dem entgegen, dass Deutschland für dieses Wirtschaftsviagra einen (größten) Unkostenbeitrag zahlen muss, obwohl die Mittel teilweise auswärts verwendet werden. Das ist schon ein wenig naiv.

Man kann Europa auch als große Vision der Politik und des Friedens sehen, wo die Wirtschaft nur ein Feld ist. Dann wäre die Aufregung über Peanuts aber erst recht albern.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Julian » Sa 18. Nov 2017, 20:47

Wähler hat geschrieben:(18 Nov 2017, 16:33)

Bisher haben wir noch keine Transferunion, da der EU-Haushalt nur 1% der Wirtschaftsleistung aller EU-Länder entspricht. In den ESM haben wir einmalig 22 Milliarden Euro Eigenkapital gezahlt und bürgen maximal für 190 Milliarden Euro ESM-Kredite an EU-Länder mit Rettungsprogrammen. Erst, wenn wir jedes Jahr das Eigenkapital des ESM mit Milliardenbeträgen ausstocken müssten, hätten wir einen zweiten Nettobeitrag wie beim EU-Haushalt zu stemmen.


Ich schrieb deswegen ja von direkt und indirekt. Indirekte Kosten ergeben sich beispielsweise durch die Niedrigzinsphase, die zahlreiche deutschen Bürger noch teuer zu stehen kommen wird. Bei Versicherungen, gerade bei solchen, die auf Langfristigkeit und Sicherheit angelegt sind, herrscht Anlagenotstand. Meine Rentenversicherung wird mir deswegen schon deutlich weniger auszahlen als ursprünglich erwartet. Ein weiterer Punkt ist der Eurokurs, der mich im Ausland wesentlich ärmer dastehen lässt, als es bei einer eigenen deutschen Währung der Fall wäre. Mit der D-Mark könnte ich mir bessere französische Weine und einen luxuriöseren Auslandsurlaub leisten.

Von den Risiken, die Deutschland, oder besser: seine Steuer- und Beitragszahler eingegangen sind, will ich gar nicht reden. Was die TARGET2-Salden bedeuten, wird sich noch zeigen; wenn Herr Sinn recht hat, könnte es katastrophal enden.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 18. Nov 2017, 23:13

Wähler hat geschrieben:(18 Nov 2017, 16:33)

Bisher haben wir noch keine Transferunion, da der EU-Haushalt nur 1% der Wirtschaftsleistung aller EU-Länder entspricht. In den ESM haben wir einmalig 22 Milliarden Euro Eigenkapital gezahlt und bürgen maximal für 190 Milliarden Euro ESM-Kredite an EU-Länder mit Rettungsprogrammen. Erst, wenn wir jedes Jahr das Eigenkapital des ESM mit Milliardenbeträgen ausstocken müssten, hätten wir einen zweiten Nettobeitrag wie beim EU-Haushalt zu stemmen.

und griechenland ??
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Ger9374 » Sa 18. Nov 2017, 23:30

Die ursprüngliche Wirtschaftsgemeinschaft , mit dem politischen willen Nachkriegseuropas für eine bessere Zukunft sind die antriebskräfte der E.U gewesen. Keine Kriege mehr, wohlstand die Erbfeindschaft Deutschland und Frankreichs beenden.Dazu die bedrohung durch den Warschauer Pakt. Es scheint das dieser druck von aussen auf die Staaten Europas immer noch am effektivsten für weiterentwicklung sorgte.
Wer weiss, vielleicht werden spätere Europäer de
Russen und Trump anders bewerten als wir heute.
Es bleibt bei meiner ansicht das es keine E.U ohne Deutschland gäbe, genauso wenig es keine E.U ohne Frankreich sinn hätte.Herz und Motor müssen funktionieren. Auch das Vertrauen der kleineren Staaten zeigt die tiefe Demokratische verankerung der E.U Staaten. Das vereinzelte abdriften von National geführten Regierungen sehe ich als temporär an. Wird aber durch Brüssel kritisch beäugt. Es gibt bis auf ab und zu kritische
äusserungen von verunsicherten Bürgern über die Zuwanderung in die E.U nicht viel zu kritisieren.
Doch eines , gesetzte Spielregeln sollten nicht allzu oft verwässert werden, irgendwann nimmt die dann keiner mehr ernst!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon H2O » So 19. Nov 2017, 09:16

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(18 Nov 2017, 20:02)

Manche sagen, dass aus dem gemeinsamen Markt, der eben nicht bloß eine Zollunion ist, alles weitere folgt. Der Euro ist nicht zwingend, aber nützlich und möglich, weil es gemeinsame Standards und Vergleichbarkeit gibt: Bei Bildung, bei Umwelt, bei Sicherheit, bei Berufszertifikaten. Es gibt sogar eine Freizügigkeit der Arbeitnehmer und eine der Dienstleister neben einer der Waren, das geht nur mit dem ganzen kleinteiligen eu-weit festlegen. Deshalb ist die Schweiz so fest in der EU verankert, hat tausende EU-Regeln übernommen, zahlt viel Geld in EU-Programme ein. Dito Norwegen. Diese Tiefe hat keine der vielen "Freihandelszonen" und Zollunionen in der Welt. Manche sagen sogar, die GASP und die neue EU-Totschießtruppe seien eine logische Folge des EWR, der Bedarf hat, seine gemeinsamen Seewege zu schützen und sich in Krisen dritter Staaten einzumischen, wenn da eigene Interessen auf dem Spiel stehen. Einige vor allem im Ausland rechnen herum, wem die EU netto am meisten nützt und halten sie für den dritten deutschen Griff nach der Weltmacht. Nur ein unbeugsamer Haufen von Islamängstlichen, Ausländerauskennern und Erbsenzählern hält dem entgegen, dass Deutschland für dieses Wirtschaftsviagra einen (größten) Unkostenbeitrag zahlen muss, obwohl die Mittel teilweise auswärts verwendet werden. Das ist schon ein wenig naiv.

Man kann Europa auch als große Vision der Politik und des Friedens sehen, wo die Wirtschaft nur ein Feld ist. Dann wäre die Aufregung über Peanuts aber erst recht albern.


Ohne fühlbare Verbesserung des Wohlstands in der EU würde selbstverständlich die Zustimmung zur EU arg nachlassen; das dürfte unbestritten so enden. Aber es gibt auch einen Kern von Europäern, denen der Gewinn an Sicherheit innerhalb der Gemeinschaft, die offenen Grenzen und die Niederlassungsfreiheit wenigstens genau so wichtig ist. Das sind so ungefähr 30% der Mitbürger in der EU, weit weg von einer absoluten Mehrheit, die unserem Kleinstaatenunwesen ein Ende bereiten könnte. Schade.

Politisch gesehen ist Deutschland der große Gewinner der EU: Wirtschaftliche Freiheit, Reisefreiheit, Niederlassungsfreiheit, Investitionssicherheit... und keine wirksame Gegenwehr gegen unseren wirtschaftlichen und politischen Erfolg, wenn wir von gelegentlichem Dominanzgemotze einiger Nachbarn absehen. Ändert aber nix: Wir können machen und uns als gute Europäer erweisen. Von "Verarmung Deutschlands" keine Spur!
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Papaloooo » So 19. Nov 2017, 13:12

Realist2014 hat geschrieben:(18 Nov 2017, 16:32)

es gibt in Deutschland keine "Mindestrente"....

Stimmt Realist, besser:
Wenn für einen Rentner, oder eine Rentnerin die untere Grenze der Rentenhöhe unterschritten wird, und somit die Grundsicherung eintritt.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Papaloooo » So 19. Nov 2017, 13:21

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(18 Nov 2017, 18:54)

Der Sinn der EU ist u.a. ein gemeinsamer Markt, bei dem egal ist, ob der Feta aus Griechenland und der Fisch aus Nordeuropa kommt.

Dennoch kann eine gemeinsame Währung nur dann richtig funktionieren,
wenn die Wirtschaftsleistung der Länder, die diese Währung haben,
nicht allzu sehr voneinander abweicht.

Das ist ja das Problem von Griechenland:
Hätten sie eine schwächere Währung, so könnten sie durch niedrigere Preise profitieren.

Theoretisch denkbar wäre eine "festere" Währung und eine davon unabhängige "weichere" Währung für die Staaten in der Eurozone,
welche eine schwächere Wirschaftsleistung haben.

Und dann könnte ein Land mit der "weicheren" Währung,
sollte es seine Wirtschaftsleistung merklich verbessern
auch wieder in die "festere" Währung aufgenommen werden.
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Ger9374 » So 19. Nov 2017, 15:12

Das Spiel mit den Währungen gab es doch vor dem €. Italien, Spanien, ect. Heute kann dank des € nicht mehr so einfach von Spekulanten gegen solche Staaten spekuliert werden! Wirtschaftlich ging es den Weich Währungsstaaten soviel besser auch nicht. Heute auch durch den € sind die Ratingagenturen bei Ramschbeurteilungen zu diesen Staaten vorsichtiger geworden.Behaupte ich allerdings aus einem Bauchgefühl heraus!!
Grösserer Währungsraum macht Handeln einfacher. Wirtschaftskraft braucht Grundlagen.
Südeuropa leidet seit Jahrzehnten unter Bürokratie, Korruption, Mangelnde Haushaltsdisziplin. Auch wenn es Lichtblicke gibt,
nur durch eine niedrig bewertete Währung können andere Defizite nicht ausgeblendet werden.
Respekt was in einigen Ländern bewegt wurde,
hätte man eher damit begonnen wären einige folgen für die Bevölkerung nicht so extrem geworden. Aber auch hier, die Bürger wählen ihre Regierungen selbst.
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
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Re: Profitiert wirklich Deutschland am Meisten von der EU?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 19. Nov 2017, 17:00

Der Beitritt zum Euro hat armen Staaten umfangreichen und zinsgünstigen Kredit in harter Weltwährung verschafft. Etwa Griechenland hat das über Jahre für aufholende Investitionen genutzt. Die Abwertung der eigenen Währung ist kein folgenloser lustiger Wirtschaftsturbo sondern wirkt letztlich wie eine Entwertung von Löhnen, Renten und Sparguthaben, während Sachanlagen wie Grundstücke weitgehend unberührt sind.
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