Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Orbiter1 » Mi 22. Aug 2018, 10:11

Es war und ist ein historischer Fehler solche russlandfreundlichen Osteuropastaaten wie Tschechien in die EU aufzunehmen. Damit hat Russland ein trojanisches Pferd in der EU und kann mitbestimmen. Mir graut davor wenn auch noch Serbien dazukommen soll. Dort ist gemäß Umfragen Putin der beliebteste Politiker. Durch die EU-Mitgliedschaft wird es auch nicht gelingen diese Länder zu EU-Befürwortern zu machen, die bleiben im Herzen russlandfreundlich. Tschechien hat wie kaum ein anderes Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert. Die Arbeitslosigkeit liegt unter der von Deutschland, es wurden hohe 2-stellige Milliardenbeträge netto von der EU nach Tschechien gepumpt und was ist beim letzten Eurobarometer vom April 2017 rausgekommen?

"In Tschechien besteht von allen europäischen Ländern die geringste Zustimmung zur EU. Dies geht aus dem neuesten sogenannten Eurobarometer hervor, das das Europäische Parlament ausarbeiten ließ. Demnach sehen nur 33 Prozent der Tschechen die EU-Mitgliedschaft ihres Landes positiv, während es in Deutschland zum Beispiel 79 Prozent sind (EU-Durchschnitt: 57 Prozent)."
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H2O
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Do 23. Aug 2018, 08:27

Ich meine auch, daß die EU endlich die Kraft zu einer Neuordnung aufbringen muß. Nur Weißbücher über künftige Formen der Zusammenarbeit schreiben, das reicht leider nicht. Man muß auch auswählen und handeln. Mit dieser gegenseitigen Behinderung wird das nie etwas. Vielleicht hätte doch Herr Schulz die Bundestagswahl gewinnen sollen, nur, damit sich in Brüssel endlich einmal etwas bewegt!

Mein Traum: Die EU bewegt sich in Richtung Wertegemeinschaft und formuliert die gemeinsamen Werte in Form eines Vertrags. Wer die mehrheitlichen Werte so nicht teilt, der ist draußen. Eine vorsätzliche Verletzung der gemeinsamen Werte führt zum Ausschluß. Klein und entscheidungsfähig ist doch besser als groß und gelähmt. Vielleicht machbar als Neuauflage des Karolinger Reichs plus Gutwillige im Norden.

Ob Tschechien dann noch dabei wäre, das erscheint zweifelhaft. Wozu denn auch?
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon schokoschendrezki » Do 23. Aug 2018, 12:23

Ich möchte nur mal wissen, was Menschen, die sich vor (vermeintlichen) Russland-Feinden wie Polen oder die baltischen Staaten oder (vermeintlichen) Russland-Freunden wie Tschechien oder Serbien eigentlich für sich ganz persönlich befürchten? Neulich hab' ich mich mit einem AfD-Sympathisanten untterhalten, der tatsächlich meinte, keine Kinder mehr in die Welt setzen zu wollen, wenn die Konfrontationspolitik gegenüber Russland nicht beendet wird.

Sehr russlandkritische Regierungen wie die Polens oder Estlands sollten auf diplomatischem Weg zur Mäßigung gebracht werden. Und aus opportunistischen Gründen russlandfreundliche Regierungen wie die Ungarns oder Tschechiens sollten auf diplomatischem Weg zu einer Politik gegenüber Russland gebracht werden, die den EU-Richtlinien nicht widersprechen.

Es geht noch immer und vor allem um eine Sicherheitsarchitektur in Europa. "Mir graut davor wenn auch noch Serbien dazukommen soll"? Nee. Mir graut davor, wenn Serbien nicht dazukommt. Hundert Jahre ist der Beginn des ersten WK schon vorbei. Amnesie nennt man das wohl.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon schokoschendrezki » Do 23. Aug 2018, 12:29

H2O hat geschrieben:(23 Aug 2018, 09:27)

Ich meine auch, daß die EU endlich die Kraft zu einer Neuordnung aufbringen muß. Nur Weißbücher über künftige Formen der Zusammenarbeit schreiben, das reicht leider nicht. Man muß auch auswählen und handeln. Mit dieser gegenseitigen Behinderung wird das nie etwas. Vielleicht hätte doch Herr Schulz die Bundestagswahl gewinnen sollen, nur, damit sich in Brüssel endlich einmal etwas bewegt!

Mein Traum: Die EU bewegt sich in Richtung Wertegemeinschaft und formuliert die gemeinsamen Werte in Form eines Vertrags. Wer die mehrheitlichen Werte so nicht teilt, der ist draußen. Eine vorsätzliche Verletzung der gemeinsamen Werte führt zum Ausschluß. Klein und entscheidungsfähig ist doch besser als groß und gelähmt. Vielleicht machbar als Neuauflage des Karolinger Reichs plus Gutwillige im Norden.

Ob Tschechien dann noch dabei wäre, das erscheint zweifelhaft. Wozu denn auch?


Ganz einfach: Weil draußen nicht drinnen ist. Der Positiv-Gewinn einer "Wertegemeinschaft" ist bei weitem geringer als der Negativ-Verlust eines wieder gespaltenen und womöglich auch noch innerlich verfeindeten Europas. Europa muss offen und kompromissfähig bleiben. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, worin der persönliche Zugewinn einer solchen Wertegemeinschaft bestehen sollte. Ich will ohne Pass und Grenzkontrolle nach Tschechien reisen und einfach mit meiner EC-Card Kronen abheben und mir in Prag ein Bier kaufen und in Usti ein Jazz-Konzert besuchen. Und infolge der Wirtschaftsinvestitionen in Osteuropa sollen sich die Lebensverhältnisse angleichen. So. Das ist meine "Wertegemeinschaft". Und Tschechien soll unter keinen Umständen auf die Idee kommen können, die SLowakei wiederzuerobern. Das ist natürlich bei weitem wichtiger. Verhinderung militärischer Konflikte. Dazu ist eine Einbindung nötig. Und dazu ist auch eine weitere Einbindung der West-Balkan-Staaten nötig. Dass die tatsächlich auch vorangetrieben wird hat andere, zumeist wirtschaftliche Gründe. Und da treffen sich ganz pragmatisch meine persönlichen Wünsche mit den realen Entwicklungen.

Was ich von einem "formulierten Vertrag" haben soll, ist mir völlig schleierhaft.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Orbiter1 » Do 23. Aug 2018, 12:46

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Aug 2018, 13:23)

Ich möchte nur mal wissen, was Menschen, die sich vor (vermeintlichen) Russland-Feinden wie Polen oder die baltischen Staaten oder (vermeintlichen) Russland-Freunden wie Tschechien oder Serbien eigentlich für sich ganz persönlich befürchten? Neulich hab' ich mich mit einem AfD-Sympathisanten untterhalten, der tatsächlich meinte, keine Kinder mehr in die Welt setzen zu wollen, wenn die Konfrontationspolitik gegenüber Russland nicht beendet wird.
Na hoffentlich hält er sich auch daran.
Es geht noch immer und vor allem um eine Sicherheitsarchitektur in Europa. "Mir graut davor wenn auch noch Serbien dazukommen soll"? Nee. Mir graut davor, wenn Serbien nicht dazukommt. Hundert Jahre ist der Beginn des ersten WK schon vorbei. Amnesie nennt man das wohl.
Vielleicht solltest du dich mit aktuellen Entwicklungen beschäftigen. Russland und Serbien führen seit mehreren Jahren gemeinsame Manöver ihrer Streitkräfte in der Nähe zur kroatischen Grenze durch. Ich frage mich auf welche potenziellen gemeinsamen Gegner diese Manöver vorbereiten sollen. Zu welcher Sicherheitsarchitektur Europas soll denn das passen? Und im Gegensatz zu fast allen anderen europäischen Ländern wird der NATO-Beitritt von der überwältigenden Mehrheit (84%) der serbischen Bürger abgelehnt. Warum wohl? So ein Land hat in der EU nichts verloren. Solange es keine EU-Vertragsänderungen gibt, die bei einer massiven Mißachtung der europäischen Werte auch einen Ausschluß aus der EU ermöglichen (mit qualifizierter Mehrheit), dürfte sowieso kein einziges Land mehr der EU beitreten. Es muß ein Ende damit haben dass EU-Staaten ungestraft die Werte der EU, zu deren Einhaltung sie sich verpflichtet haben, mit Füßen treten. Korrupte Autokratien, in die jedes Jahr Mrd gepumpt werden, hat die EU bereits zu genüge.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon schokoschendrezki » Do 23. Aug 2018, 14:14

Orbiter1 hat geschrieben:(23 Aug 2018, 13:46)

Na hoffentlich hält er sich auch daran.
Vielleicht solltest du dich mit aktuellen Entwicklungen beschäftigen. Russland und Serbien führen seit mehreren Jahren gemeinsame Manöver ihrer Streitkräfte in der Nähe zur kroatischen Grenze durch. Ich frage mich auf welche potenziellen gemeinsamen Gegner diese Manöver vorbereiten sollen. Zu welcher Sicherheitsarchitektur Europas soll denn das passen? Und im Gegensatz zu fast allen anderen europäischen Ländern wird der NATO-Beitritt von der überwältigenden Mehrheit (84%) der serbischen Bürger abgelehnt. Warum wohl? So ein Land hat in der EU nichts verloren. Solange es keine EU-Vertragsänderungen gibt, die bei einer massiven Mißachtung der europäischen Werte auch einen Ausschluß aus der EU ermöglichen (mit qualifizierter Mehrheit), dürfte sowieso kein einziges Land mehr der EU beitreten. Es muß ein Ende damit haben dass EU-Staaten ungestraft die Werte der EU, zu deren Einhaltung sie sich verpflichtet haben, mit Füßen treten. Korrupte Autokratien, in die jedes Jahr Mrd gepumpt werden, hat die EU bereits zu genüge.


Wollen wir mal ganz konkret bleiben. Aktuelle Entwicklungen: Ganz aktuell beginnt gerade jetzt im August der Bau des sogenannten Swine-Tunnels.Er wird die polnische Ostseeinsel Wolin mit der Insel Usedom verbinden, auf der im Osten die polnische Stadt Swinemünde liegt und die ansonsten von bekannten deutschen Ostseeseebädern besiedelt ist. Der (ziemlich teure) Tunnel wird als Infrastrukturmaßnahme zu 15 Prozent von der Stadt Swinemünde und ansonsten aus EU-Fördermitteln bezahlt. Es gibt Proteste wegen der zu erwartenden erheblichen Steigerung des Schwerlastverkehrs auf Usedom von Polen Richtung Westen. Nun ist es aber so: Geschätzt vielleicht 5 Prozent dieses Verkehrs wird im polnischen Swinemünde enden. 95 Prozent des Verkehrs werden Güter von Polen weiter Richtung Westeuropa transportieren. So läuft das. Preiswerte gute PKWs gibts in Europa vor allem, weil es das sogenannte mitteleuropäische Automobilcluster (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn) gibt. Und für solche Art Exporte wird ein Projekt wie der Swinetunnel genutzt werden. Du bist bzw, Wir sind die Hauptprofiteure solcher EU-Osterweiterungen und Fördermittelzahlungen. Und eher weniger Tschechen oder Polen. Die haben eher mit den ziemlich rigiden Arbeitsbedingungen in den Sonderwirtschaftszonen bei Toyota, Audi oder Fiat zu tun. Die "europäischen Werte" bestehen vor allem darin, möglichst billige Autos, Kreuzfahrten und Urlaubsflüge angeboten zu bekommen. Denk doch versuchsweise einfach mal darüber nach, was tatsächlich abläuft und hinterfrage deine kulturalistischen Vorurteile gegenüber Menschen in Osteuropa.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Do 23. Aug 2018, 14:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Europa2050 » Do 23. Aug 2018, 14:17

Orbiter1 hat geschrieben:(23 Aug 2018, 14:47)

Sollen sie mal, dann wäre der größte historische Fehler der EU wieder korrigiert.


Nein, das ist mir zu arrogant westlich-besserwisserisch (bei allem Befremden über diverse Tendenzen in den Länden).

Das Projekt Europäische Union (und Vorläufer) ist gestartet, um Feinde zu versöhnen, Menschen zueinander zu bringen und Krieg unmöglich zu machen.
Für Deutschland als Verursacher unendlichen Leides eine Gnade der Vergebung. Hat bis 1989 so gut funktioniert, dass Pierre-Normalfranzose bei Deutschland nicht mehr die Bilder aus 160 Jahren Erbfeindschaft in den Sinn kommen, sondern aus 70 Jahren Kooperation.
Zusätzlich noch die wirtschaftliche Stärkung der Mitglieder und Vertretung nach außen gegen die „Großen“ USA und China.

Dieses Projekt hätte sich selbst ad absurdum geführt, hätte man den Mittel- und Ostmitteleuropäischen Staaten, die erst 1989 ff. die Chance hatten, teilzunehmen, die Tür gewiesen. Bereits die Aufnahmeregularien haben dazu geführt, dass alte Konfliktlinien (D-PL; D/Ö-CZ/PL-LIT/SK-HUN) gar nicht erst wieder aufbrachen, zusätzlich die friedliche „Scheidung“ der CSFR.

Während anderswo SFRJ / UdSSR die Gruppen mit Mordwerkzeug auf sich und diverse Minderheiten los gingen und es bis heute tun (Ukraine).

Nein, wenn die EU ihrem Anspruch gerecht werden will, muss sie den Mittel- und Ostmitteleuropäern den Weg zu ihren Werten weiterhin ermöglichen, und da war auch die Aufnahme richtig.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon sünnerklaas » Do 23. Aug 2018, 14:33

Selina hat geschrieben:(23 Aug 2018, 15:26)

Interessanter Gedanke. Wobei ich nicht die Geflohenen selbst und auch nicht diese imaginäre "Flüchtlingskrise 2015" als "Teil einer hybriden Kriegsführung" sehe, sondern lediglich das, was seitdem daraus gemacht wird von unterschiedlichen Interessengruppen. Das ist die reine Demagogie. Das stimmt. Vielleicht meinst du es ja auch so.


Die Geflohenen wurden als Instrumente benutzt - ohne deren bewusstes Zutun. Gleichzeitig wurden rechte Gruppierungen in Europa gezielt aus Moskau mit Geld und Infrastruktur versorgt. RT hat konsequent live berichtet. PEGIDA war da wohl so ein Versuchsballon. Man darf nicht vergessen, dass Putin viele Jahre in DD gelebt hat.
Ich frage mich auch inzwischen, ob die Bezeichnung "Rechtspopulistisch" wirklich zielführend ist. Vielleicht ist der Begriff "neostalinistisch" treffender...
Wie ich darauf komme? Wir hatten gerade den 50. Jahrestag der Niederschlagung des Prager Frühlings. Die sogenannten "Rechtspopulisten" hielten sich da erstaunlich zurück. Der aktuelle tschechische Präsident hat nicht einmal ein Grußwort von sich gegeben. Das lässt tief blicken.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Orbiter1 » Do 23. Aug 2018, 14:45

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Aug 2018, 15:14)

Wollen wir mal ganz konkret bleiben. Aktuelle Entwicklungen: Ganz aktuell beginnt gerade jetzt im August der Bau des sogenannten Swine-Tunnels.
In deinem letzten Posting ging es "vor allem um eine Sicherheitsarchitektur in Europa". Scheint aber nach dem Hinweis auf die russisch-serbischen Militärmanöver nicht mehr so wichtig zu sein. Na meinetwegen.
... Preiswerte gute PKWs gibts in Europa vor allem, weil es das sogenannte mitteleuropäische Automobilcluster (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn) gibt. Und für solche Art Exporte wird ein Projekt wie der Swinetunnel genutzt werden. Du bist bzw, Wir sind die Hauptprofiteure solcher EU-Osterweiterungen und Fördermittelzahlungen. Und eher weniger Tschechen oder Polen. Die haben eher mit den ziemlich rigiden Arbeitsbedingungen in den Sonderwirtschaftszonen bei Toyota, Audi oder Fiat zu tun.
Dann sollten die von brutalen westlichen Automobilherstellern mißbrauchten Osteuropäer endlich aus ihrer Knechtschaft befreit werden. Das gleiche gilt für die ca. 12 Mio EU-Osteuropäer die in Westeuropa ihre Brötchen verdienen müssen. Raus aus der EU und wieder Einzelkontrolle und Visum bei der Einreise sowie Handel nach den WTO-Regeln. Mit dem russischen großen Bruder wird es den Osteuropäern sicher viel besser gehen als mit der EU und der Wohlstand macht sich endlich auch dort so richtig breit.
Die "europäischen Werte" bestehen vor allem darin, möglichst billige Autos, Kreuzfahrten und Urlaubsflüge angeboten zu bekommen.
Dann solltest du dir den EU-Vertrag mal genauer ansehen, dort kannst du die Werte der EU nachlesen.
Denk doch versuchsweise einfach mal darüber nach, was tatsächlich abläuft und hinterfrage deine kulturalistischen Vorurteile gegenüber Menschen in Osteuropa.
Diese Vorurteile wie du sie nennst werden leider Tag für Tag von den EU-Osteuropastaaten bestätigt.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Selina » Do 23. Aug 2018, 14:48

sünnerklaas hat geschrieben:(23 Aug 2018, 15:33)

Die Geflohenen wurden als Instrumente benutzt - ohne deren bewusstes Zutun. Gleichzeitig wurden rechte Gruppierungen in Europa gezielt aus Moskau mit Geld und Infrastruktur versorgt. RT hat konsequent live berichtet. PEGIDA war da wohl so ein Versuchsballon. Man darf nicht vergessen, dass Putin viele Jahre in DD gelebt hat.
Ich frage mich auch inzwischen, ob die Bezeichnung "Rechtspopulistisch" wirklich zielführend ist. Vielleicht ist der Begriff "neostalinistisch" treffender...
Wie ich darauf komme? Wir hatten gerade den 50. Jahrestag der Niederschlagung des Prager Frühlings. Die sogenannten "Rechtspopulisten" hielten sich da erstaunlich zurück. Der aktuelle tschechische Präsident hat nicht einmal ein Grußwort von sich gegeben. Das lässt tief blicken.


Ja. Ich finde ziemlich amüsant, dass "unsere Medien" gerade voll der Erinnerung an den Prager Frühling sind. Dabei ist es damals um einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" gegangen. Und nicht um die Überführung der Tschechoslowakei in das kapitalistische System. Eigentlich kein Grund für die heutigen System-Vertreter, so in Erinnerungen zu schwelgen und so voll des Lobes bzw. voll der Trauer übers Scheitern zu sein. Ein wirklich reformierter Sozialismus a la Prag wäre nämlich der Hammer gewesen. Was aber eigentlich kein Anlass zur Freude des Westens - weder damals noch heute - sein dürfte. Denn auch, wenn das Ziel ein grundlegend reformierter Sozialismus gewesen ist, war es immer noch ein Sozialismus ;)
Zuletzt geändert von Selina am Do 23. Aug 2018, 14:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Orbiter1 » Do 23. Aug 2018, 14:54

Europa2050 hat geschrieben:(23 Aug 2018, 15:17)

Nein, wenn die EU ihrem Anspruch gerecht werden will, muss sie den Mittel- und Ostmitteleuropäern den Weg zu ihren Werten weiterhin ermöglichen, und da war auch die Aufnahme richtig.
Der Kern des Problems besteht darin dass sich diese Staaten den Werten der EU keineswegs nähern sondern immer weiter davon entfernen, s. Entwicklungen in Polung, Ungarn, Tschechien, Rumänien. Eine Weiterentwicklung der EU und einen neuen EU-Vertrag wird es mit den Osteuropastaaten nicht geben. Die EU ist damit an ihrem Ende angekommen.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon schokoschendrezki » Do 23. Aug 2018, 15:01

Orbiter1 hat geschrieben:(23 Aug 2018, 15:45)

In deinem letzten Posting ging es "vor allem um eine Sicherheitsarchitektur in Europa". Scheint aber nach dem Hinweis auf die russisch-serbischen Militärmanöver nicht mehr so wichtig zu sein. Na meinetwegen.

Die sind sogar sehr wichtig. Aber eben Teil einer komplexen und widersprüchlichen Gesamtwelt. Es ist völlig naiv, ja infantil, irgendwo eine Gut-Böse-Grenze zu vernuten oder anzunehmen. Hier ist jetzt nicht der Platz, Dutzende und Aberdutzende Beispiele dagegen anzuführen. Gute Politik ist fachlich kompetentes Management mit Konflikten und vor allem zur Vermeidung von Konflikten. Und nicht kulturalistische Abgrenzung.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon schokoschendrezki » Do 23. Aug 2018, 15:09

Ich weiß gar nicht: Ist "Wertedebatte" inzwischen ein gängiger deutscher Internationalismus so wie "Kindergarten"? ;)
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Europa2050 » Do 23. Aug 2018, 15:14

Orbiter1 hat geschrieben:(23 Aug 2018, 15:54)

Der Kern des Problems besteht darin dass sich diese Staaten den Werten der EU keineswegs nähern sondern immer weiter davon entfernen, s. Entwicklungen in Polung, Ungarn, Tschechien, Rumänien. Eine Weiterentwicklung der EU und einen neuen EU-Vertrag wird es mit den Osteuropastaaten nicht geben. Die EU ist damit an ihrem Ende angekommen.


Naja, Totgesagte leben Länger.

Ich betrachte es einfach als „Lebensaufgabe“ der EU, Europa zusammenzuführen, auch wenn es mal hakt.

Und was wäre denn die Alternative? Du kannst davon ausgehen, dass die von dir genannten Länder außerhalb der EU noch eine deutlich schlechtere Entwicklung genommen hätten, Nationalismus, Autokratie und Korruption direkt hinter Berlin, Wien und Athen noch wesentlich präsenter wären. Das kann auch nicht in unserem Sinne sein.

Und zum Beispiel Polen: Dreimal haben sie uns den A... gerettet (bzw. waren beteiligt), 1683, 1920 und in den 80ern. Zwei Mal haben wir(bzw. unsere Vorfahren) sie danach verraten. Da wäre jetzt mal etwas Langmut angebracht, auch wenn die aktuelle Regierung einem das wahrlich nicht leicht macht.

Was nicht heißt, nicht auf den Werten der EU zu bestehen!
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Do 23. Aug 2018, 15:18

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Aug 2018, 13:29)

Ganz einfach: Weil draußen nicht drinnen ist. Der Positiv-Gewinn einer "Wertegemeinschaft" ist bei weitem geringer als der Negativ-Verlust eines wieder gespaltenen und womöglich auch noch innerlich verfeindeten Europas. Europa muss offen und kompromissfähig bleiben. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, worin der persönliche Zugewinn einer solchen Wertegemeinschaft bestehen sollte. Ich will ohne Pass und Grenzkontrolle nach Tschechien reisen und einfach mit meiner EC-Card Kronen abheben und mir in Prag ein Bier kaufen und in Usti ein Jazz-Konzert besuchen. Und infolge der Wirtschaftsinvestitionen in Osteuropa sollen sich die Lebensverhältnisse angleichen. So. Das ist meine "Wertegemeinschaft". Und Tschechien soll unter keinen Umständen auf die Idee kommen können, die SLowakei wiederzuerobern. Das ist natürlich bei weitem wichtiger. Verhinderung militärischer Konflikte. Dazu ist eine Einbindung nötig. Und dazu ist auch eine weitere Einbindung der West-Balkan-Staaten nötig. Dass die tatsächlich auch vorangetrieben wird hat andere, zumeist wirtschaftliche Gründe. Und da treffen sich ganz pragmatisch meine persönlichen Wünsche mit den realen Entwicklungen.

Was ich von einem "formulierten Vertrag" haben soll, ist mir völlig schleierhaft.


Tja, gut gemeint... aber das stößt auf wenig Gegenliebe in Tschechien. Vorteile einer Gemeinschaft abschöpfen, nichts, gar nichts beitragen zu ihrer Entwicklung. Ich wäre auch froh, wenn ich unbehindert in Tschechien Reisen und mit Karte zahlen könnte. Wer denn nicht? In Norwegen und der Schweiz klappt das doch... oder? In Israel doch auch und demnächst in GB. Sogar in den USA oder Kanada. Aber Mitglied sein ist schon etwas anderes. Da arbeitet man an Zielen mit, gestaltet die eigene und die gemeinsame Zukunft.

Sie als Person haben von einem formulierten Staatsvertrag erst einmal gar nichts. Nur die Möglichkeiten, die in einer einigen Wertegemeinschaft entwickelt werden können, die kommen Ihnen zu Gute. Genießen Sie ja heute: Offene Grenzen, keine Kontrollen, kooperierende Banken, wirksame Krankenversicherung. Das alles kam, freie Wahl des Aufenthalts und der Arbeitsaufnahme, Erwerb von Eigentum im Ausland. So etwas fällt dem Nutznießer erst auf, wenn das nicht mehr für ihn gilt. Genau dieses böse Erlebnis fehlt einigen Trittbrettfahrern des europäischen Projekts.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Do 23. Aug 2018, 15:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Aug 2018, 16:09)

Ich weiß gar nicht: Ist "Wertedebatte" inzwischen ein gängiger deutscher Internationalismus so wie "Kindergarten"? ;)

Zumindest müßte nicht nur darüber gesprochen werden, sondern ein europäischer Vorrat an gemeinsamen Werten zusammen getragen werden und als verbindlich erklärt werden. Schon damit sich niemand in unerfüllten Träumen wieder findet: Es gilt der Vertrag!
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Orbiter1 » Do 23. Aug 2018, 16:09

Europa2050 hat geschrieben:(23 Aug 2018, 16:14)

Naja, Totgesagte leben Länger.

Ich betrachte es einfach als „Lebensaufgabe“ der EU, Europa zusammenzuführen, auch wenn es mal hakt.
Nein, Europa zusammenzuführen (schon gar nicht wenn es hakt) ist nicht Aufgabe der EU, schon gar keine "Lebensaufgabe". Die EU kann nur für sich selbst werben. Staaten die davon angetan und bereit sind alle entsprechenden Rechte und Pflichten einzuhalten können ihr beitreten, der Rest hat dort nichts verloren.
Und was wäre denn die Alternative? Du kannst davon ausgehen, dass die von dir genannten Länder außerhalb der EU noch eine deutlich schlechtere Entwicklung genommen hätten, Nationalismus, Autokratie und Korruption direkt hinter Berlin, Wien und Athen noch wesentlich präsenter wären. Das kann auch nicht in unserem Sinne sein.
Bitte etwas mehr Respekt vor den Bürgern dieser Staaten. Die empfinden Demokratie, den Rechtsstaat und eine kritische Medienlandschaft in der Mehrheit offenbar nicht als wichtig und erhaltenswert, sonst hätten sie ja nicht Parteien und Politiker gewählt (oder sogar wiedergewählt) die diese Errungenschaften systematisch bekämpfen und abschaffen. Wenn die Mehrheit der Bürger das so will ist das aus meiner Sicht absolut in Ordnung, aber bitteschön außerhalb der EU. Die Werte der EU mit Füßen treten und jedes Jahr netto Mrd einsacken das geht gar nicht.
Und zum Beispiel Polen: Dreimal haben sie uns den A... gerettet (bzw. waren beteiligt), 1683, 1920 und in den 80ern. Zwei Mal haben wir(bzw. unsere Vorfahren) sie danach verraten. Da wäre jetzt mal etwas Langmut angebracht, auch wenn die aktuelle Regierung einem das wahrlich nicht leicht macht.
Die aktuelle polnische Regierung hat nach meinem Verständnis die Gesetze und die Rechtsstaatlichkeit bereits soweit verändert dass eine Abkehr auf den Weg zur Autokratie kaum noch möglich ist. Aber das ist das Problem der Polen, die EU kann ihnen dabei nicht helfen.
Was nicht heißt, nicht auf den Werten der EU zu bestehen!
Hier sollte nach meiner Überzeugung kein Zwang ausgeübt werden. Länder deren Bürger mit den Werten der EU nichts anzufangen wissen und sie ablehnen sollten sie auch nicht aufoktroyiert werden. Das heißt im Gegenzug dass diese Länder auf keinen Fall in die EU aufgenommen bzw. in der EU bleiben dürfen.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Do 23. Aug 2018, 16:28

Selina hat geschrieben:(23 Aug 2018, 15:48)

Ja. Ich finde ziemlich amüsant, dass "unsere Medien" gerade voll der Erinnerung an den Prager Frühling sind. Dabei ist es damals um einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" gegangen. Und nicht um die Überführung der Tschechoslowakei in das kapitalistische System. Eigentlich kein Grund für die heutigen System-Vertreter, so in Erinnerungen zu schwelgen und so voll des Lobes bzw. voll der Trauer übers Scheitern zu sein. Ein wirklich reformierter Sozialismus a la Prag wäre nämlich der Hammer gewesen. Was aber eigentlich kein Anlass zur Freude des Westens - weder damals noch heute - sein dürfte. Denn auch, wenn das Ziel ein grundlegend reformierter Sozialismus gewesen ist, war es immer noch ein Sozialismus ;)


Der "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" ist erst einmal eine Sache, in der Menschlichkeit die wesentliche Rolle spielt. Alles andere ergibt sich daraus. Ja, wäre schön gewesen, auch für den "Westen". Das Ende der menschenverachtenden Diktaturen mußte noch 20 Jahre warten. Schade. 20 verlorene Jahre für so viele Europäer!
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Selina » Do 23. Aug 2018, 17:11

H2O hat geschrieben:(23 Aug 2018, 17:28)

Der "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" ist erst einmal eine Sache, in der Menschlichkeit die wesentliche Rolle spielt. Alles andere ergibt sich daraus. Ja, wäre schön gewesen, auch für den "Westen". Das Ende der menschenverachtenden Diktaturen mußte noch 20 Jahre warten. Schade. 20 verlorene Jahre für so viele Europäer!


Als ob sich jemand von der anderen Seite damals gefreut hätte, wenn es einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" gegeben hätte... zu Zeiten des Eisernen Vorhanges... Sorry, aber verlogener gehts ja wohl nicht mehr. Womit ich dich natürlich nicht persönlich meine. Und was die "verlorenen Jahre" anbelangt: Das ist eine ziemlich einseitige Sicht, denn selbst ich, die auch unter Repressalien zu leiden hatte, betrachte diese Zeit ganz und gar nicht als "verloren". Es gibt sogar sehr vieles (neben dem Negativen), was man sich abschauen könnte von den Ossis. Also nicht gerade von den brüllenden Pegidisten, von denen nicht. Aber von vielen anderen. Hab ich an anderer Stelle früher schon geschrieben, was das wäre ;)
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Brainiac » Do 23. Aug 2018, 17:20

[MOD] Bitte zu Tschechien zurückkommen, es gibt im Forum 33 genügend Russlandstränge.
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