Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

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Europa2050
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Europa2050 » Do 23. Aug 2018, 17:22

Selina hat geschrieben:(23 Aug 2018, 18:11)

Als ob sich jemand von der anderen Seite damals gefreut hätte, wenn es einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" gegeben hätte... zu Zeiten des Eisernen Vorhanges... Sorry, aber verlogener gehts ja wohl nicht mehr. Womit ich dich natürlich nicht persönlich meine. Und was die "verlorenen Jahre" anbelangt: Das ist eine ziemlich einseitige Sicht, denn selbst ich, die auch unter Repressalien zu leiden hatte, betrachte diese Zeit ganz und gar nicht als "verloren".


Ooch - einen Sozialismus mit Pressefreiheit, Reisefreiheit, Versanmlungsfreiheit und freier wirtschaftlicher Betätigung hätte ich schon cool gefunden (wobei ich damals 2 Jahre alt war, das ganze also auch nur historisch kenne).

Und der eiserne Vorhang hatte den Vorteil, das sich jeder auf der anderen Seite rausgehalten hat. Hätte Brešenew den Dubček weiter experimentieren lassen, hätten die Anerikaner auchnichts getan, wie sie es ja auch so haben (und 1953/1956/1961).

Und vor allem - die Hardcoresozialisten heutzutage hätten nicht behaupten können, dass der wirkliche Sozialismus ja nie ausprobiert wurde ... ;)
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Selina
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Selina » Do 23. Aug 2018, 17:30

Europa2050 hat geschrieben:(23 Aug 2018, 18:22)

Ooch - einen Sozialismus mit Pressefreiheit, Reisefreiheit, Versanmlungsfreiheit und freier wirtschaftlicher Betätigung hätte ich schon cool gefunden (wobei ich damals 2 Jahre alt war, das ganze also auch nur historisch kenne).

Und der eiserne Vorhang hatte den Vorteil, das sich jeder auf der anderen Seite rausgehalten hat. Hätte Brešenew den Dubček weiter experimentieren lassen, hätten die Anerikaner auchnichts getan, wie sie es ja auch so haben (und 1953/1956/1961).

Und vor allem - die Hardcoresozialisten heutzutage hätten nicht behaupten können, dass der wirkliche Sozialismus ja nie ausprobiert wurde ... ;)


Also wenn jemand auf Biegen und Brechen nicht wollte, dass der Sozialismus reformiert wird, aber als solcher bestehen bleibt, dann war das eindeutig der Westen. Worauf man aber lauerte damals, war, dass das Ganze endgültig zerfällt und zu Bruch geht. So, wie es dann 1989 der Fall war. Das war das einzige Motiv für den Westen, gespannt auf die Ereignisse zu schauen (bis auf paar Westlinke, die das nochmal etwas anders sahen). Bei dir mag das in deinem Kinderzimmer ja anders gewesen sein :D ;)
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H2O
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Do 23. Aug 2018, 17:31

Selina hat geschrieben:(23 Aug 2018, 18:11)

Als ob sich jemand von der anderen Seite damals gefreut hätte, wenn es einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" gegeben hätte... zu Zeiten des Eisernen Vorhanges... Sorry, aber verlogener gehts ja wohl nicht mehr. Womit ich dich natürlich nicht persönlich meine. Und was die "verlorenen Jahre" anbelangt: Das ist eine ziemlich einseitige Sicht, denn selbst ich, die auch unter Repressalien zu leiden hatte, betrachte diese Zeit ganz und gar nicht als "verloren". Es gibt sogar sehr vieles (neben dem Negativen), was man sich abschauen könnte von den Ossis. Also nicht gerade von den brüllenden Pegidisten, von denen nicht. Aber von vielen anderen. Hab ich an anderer Stelle früher schon geschrieben, was das wäre ;)


Sie schätzen Stimmungen 1968 im Westen falsch ein. Ein Westler zuckt bei 1968 aus zweierlei Gründen zusammen; einer davon die Niederschlagung des "Prager Frühlings". Ende der 60er gewann die SPD allmählich eine Meinungsführerschaft mit Willy Brandt an ihrer Spitze, mit "Wandel durch Annäherung" und ähnlichen Begriffen. Natürlich blieb "der Westen" das Feindbild im ND.

Ich glaube, daß wir im Westen zufrieden gewesen wären mit einer funktionierenden sozialistischen Tschechoslowakei mitten in Europa, die nicht in allem und jedem der SU gefolgt wäre. Vielleicht auch mit der Hoffnung, daß die Bedrückung in der "DDR" zurück gefahren worden wäre. Es ist ja nicht so, daß die Menschen im Westen hoch und trocken die Drangsalierungen in der "DDR" kommentiert hätten. Da gab es schon noch Familien, die getrennt waren. Gott-sei-Dank ist das vorbei!
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Europa2050 » Do 23. Aug 2018, 17:50

Selina hat geschrieben:(23 Aug 2018, 18:30)

Also wenn jemand auf Biegen und Brechen nicht wollte, dass der Sozialismus reformiert wird, aber als solcher bestehen bleibt, dann war das eindeutig der Westen. Worauf man aber lauerte damals, war, dass das Ganze endgültig zerfällt und zu Bruch geht. So, wie es dann 1989 der Fall war. Das war das einzige Motiv für den Westen, gespannt auf die Ereignisse zu schauen (bis auf paar Westlinke, die das nochmal etwas anders sahen). Bei dir mag das in deinem Kinderzimmer ja anders gewesen sein :D ;)


Ich hab in meinem Kinderzimmer vermutlich auf Bauklötze geschaut, vielleicht waren ja blau-weiß-rote dabei, aber nicht auf Dubček. Aber heute kann ich für mich sagen, dass Dubčeks Ideen es wert gewesen wären, ausprobiert zu werden. Vielleicht wäre das der immer noch erfolglos gesuchte dritte Weg geworden?

Nach meiner Erfahrung mit Tschechen hätten die sich für antisowjetische Maßnahmen auch nicht hergegeben, wenn man sie nur in Ruhe gelassen hätte (ist natürlich Spekulation)

Und , wenn die ČSSR sich entsprechend entwickelt hätte, hätte der Westen auch nicht viel gemacht. Den blockfreien/neutralen/sowjetfreundlichen Status in Finnland, Österreich oder Jugoslawien hat man ja auch akzeptiert, später sogar bestens kooperiert.

Das Problem wäre eher gewesen, dass bei einem Erfolg Dubčeks Polen auch nicht mehr zu halten gewesen wäre. Und die hätten keinen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ gemacht, sondern „Kapitalismus amerikanischer Reinform“. Und das an der Sowjetgrenze und mit Connections nach Litauen, Belarus und Ukraine und auf der Verbindungslinie UdSSR - DDR.

Soweit meine (zugegebenermaßen kontrafaktische) Meinung. Eine vergebene Chance des Sozialismus (vielleicht auch Sozialdemokratismus).
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Selina » Do 23. Aug 2018, 18:03

Europa2050 hat geschrieben:(23 Aug 2018, 18:50)

Aber heute kann ich für mich sagen, dass Dubčeks Ideen es wert gewesen wären, ausprobiert zu werden. Vielleicht wäre das der immer noch erfolglos gesuchte dritte Weg geworden?


Ja. Dafür meine volle Zustimmung :) ;)
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Brainiac » Do 23. Aug 2018, 18:22

Brainiac hat geschrieben:(23 Aug 2018, 18:20)

[MOD] Bitte zu Tschechien zurückkommen, es gibt im Forum 33 genügend Russlandstränge.

Rede ich chinesisch?
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Brainiac » Do 23. Aug 2018, 20:18

Brainiac hat geschrieben:(23 Aug 2018, 19:22)

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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon sünnerklaas » Do 23. Aug 2018, 20:26

Europa2050 hat geschrieben:(23 Aug 2018, 16:26)

Dann stellt sich aber doch die Frage, warum die russische Luftwaffe genau drei Tage nach Merkels legendärem „Wir schaffen das“ (was zu diesem Zeitpunkt auch zutreffend war) begann, syrische Städte zu bombardieren.

Das war jedem Ali-Normalsyrer klar, dass sich der Krieg nicht nur zwischen Parteien abspielte, sondern bei ihm im Wohnzimmer und er packte - die, die Syrien ganz abgeschrieben hatten, bis ins zukunftsfähigere Europa.

Da hat Putin Merkel klassisch ausgegnockt, sicher auch eine Revanche für die vorhergehende Unterstützung der Bundesregierung für die ukrainische Opposition.

Wie so viele hat er allerdings das Stehvermögen der Kanzlerin unterschätzt.


In den Visegrad-Staaten ist die Rechung danach ja komplett aufgegangen. Auch in Tschechien.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Brainiac » Do 23. Aug 2018, 20:32

Jetzt reicht's. Wenn es für so dermassen viele User so dermassen unmöglich ist, das Strangthema zu beachten, dann braucht das hier auch keiner und hat erst mal Pause. Die tatsächlich an Tschechien interessierten User dürfen sich bei den anderen bedanken.

Edit: Massiv aufgeräumt. Bitte um Verständnis, es waren auch recht gute Beiträge dabei, und ich dulde ja durchaus die eine oder andere Nebendiskussion, aber natürlich dann nicht mehr, nachdem ich ausdrücklich zum Zurückkehren zum Strangthema aufgefordert habe. Ich hasse es, wenn das einfach ignoriert wird, das dürfte wohl nachvollziehbar sein.

Wieder auf.
Zuletzt geändert von Brainiac am So 26. Aug 2018, 10:49, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Edit
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Do 6. Sep 2018, 21:09

Ein Zufallsfund in der polnischen Gazeta Wyborcza:

Dort wird mit heutigem Datum berichtet, daß sich in Tschechien ausländische Kampfgruppen bilden zur Abwehr eindringender (islamische) Flüchtlinge. Auf dem zugehörigen Pressephoto von Michal Cizek, AFP ist eine Männergruppe mit Gesichtern zu sehen, die stark an solche erinnern, die in Chemnitz ihren Auftritt hatten. Offenbar können diese Gruppen unbehelligt in der Nähe von Prag ihre "Übungen" abhalten. Im Text wird erwähnt, daß der tschechische Geheimdienst fürchtet, daß diese Gruppen ihrer Kontrolle entgleiten könnten... ein tolles Stück Europa! Noch aufregender dürfte aber die Beobachtung sein, daß diese Gruppen mit der örtlichen tschechischen Polizei und den örtlichen tschechischen Behörden engen Kontakt halten.

Der stark tschechische Charakter dieser Gruppe zeigt sich an Aufschriften auf den T-shirts "Stop Islam", gereckten Fäusten und gröhlenden Mündern... das alles typisch tschechisch begleitet von einer Bundesdienstflagge Schwarz-Rot-Gold (der mit dem Bundesadler) im Hintergrund. Nicht zu fassen: 73 Jahre nach der menschenverachtenden Vertreibung der Sudetendeutschen tummeln sich dort rechtsradikale Vaterlandsverteidiger unter deutscher Flagge.

Mir scheint, daß nicht nur die Ämter und Behörden Sachsens sehr kritisch auf Verfassungsfeinde durchsucht werden müssen, sondern daß auch die tschechischen Behörden nicht frei davon sind... sie zumindest deutsche Verfassungsfeinde gewähren lassen!

Wer genauere Angaben benötigt: Bitte mit PN nachfragen; unsere Nutzungsbedingungen lassen diese Links nicht zu, weil inhaltlich nicht ohne erheblichen Aufwand zu überprüfen.

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