Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

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Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Sa 21. Okt 2017, 17:04

So ganz nebenbei und unbeachtet haben gestern und heute Parlamentswahlen in Tschechien stattgefunden. Es sieht so aus, als ob euroskeptische Oligarchen demnächst Tschechien regieren werden. Mit Oligarchen meine ich hier Leute, die man besser nicht nach der Entstehungsgeschichte ihres wirtschaftlichen Reichtums fragen sollte.

Der "Unternehmer" Babis lehnt die Einführung des Euros ab, lehnt Beteiligung an der Flüchtlingsverteilung in Europa ab. Das finden 30% der Tschechen vernünftig. Ein weiterer "Unternehmer" Okamura (klingt sehr japanisch...) erhielt 11% dafür, daß er die Islamisierung Tschechiens verhindern will. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob in Tschechien 10 oder 20 Moslems das Straßenbild bestimmen.

http://www.zeit.de/news/2017-10/21/wahl ... t-21090802

Besonders reizvoll die Aussicht, daß ein Subventionsbetrugsverfahren der EU gegen den Wahlsieger läuft. Immerhin wird sehr wahrscheinlich die nächste tschechische Regierung von diesen beiden "Unternehmern" geführt. Keine guten Aussichten für die europäische Gemeinschaft!
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 21. Okt 2017, 17:15

Mir gefällt seine Politik nicht, aber so zu tun als sei er kein richtiger Unternehmer ist vermessen.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Sa 21. Okt 2017, 17:53

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(21 Oct 2017, 18:15)

Mir gefällt seine Politik nicht, aber so zu tun als sei er kein richtiger Unternehmer ist vermessen.


Wäre doch aber aufschlußreich zu erfahren, wie diese Gestalten aus dem Reich des Sozialismus zu ihrem sagenhaften Reichtum gelangt sind... oder? Oligarchen gibt es offenbar nicht nur in Rußland und der Ukraine. Ich finde bemerkenswert, daß gegen Babis ein Strafverfolgungsverfahren wegen Subventionsbetrug anhängig ist. Die Strafverfolgungsleute sind sicher nur Neider...
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 21. Okt 2017, 18:11

H2O hat geschrieben:(21 Oct 2017, 18:53)

Wäre doch aber aufschlußreich zu erfahren, wie diese Gestalten aus dem Reich des Sozialismus zu ihrem sagenhaften Reichtum gelangt sind... oder? Oligarchen gibt es offenbar nicht nur in Rußland und der Ukraine. Ich finde bemerkenswert, daß gegen Babis ein Strafverfolgungsverfahren wegen Subventionsbetrug anhängig ist. Die Strafverfolgungsleute sind sicher nur Neider...

Wie naiv möchte man sein. Wer nicht erbt oder Glückstreffer hat, ist meist hart an den Grenzen. Beispiel, wer gewonnen hat: Quandt, Krupp. Beispiel, wer zu weit drüber war: Middelhoff. Schwarzweiss ist in dem Geschäft selten.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Dieter Winter » Sa 21. Okt 2017, 18:25

Langsam sind wir eingekreist. Neben Polen und Teschen haben auch die Österreicher einen strammen Rechtskurz, die Dänen sowieso und auch in der Schweiz ist die SVP gut dabei. Wenn sich der FN noch durchsetzen sollte, was bei Macrons Politik nicht so ganz undenkbar ist, sind wir dann bis auf die BeNeLux Staaten sozusagen isoliert.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Sa 21. Okt 2017, 18:26

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(21 Oct 2017, 19:11)

Wie naiv möchte man sein. Wer nicht erbt oder Glückstreffer hat, ist meist hart an den Grenzen. Beispiel, wer gewonnen hat: Quandt, Krupp. Beispiel, wer zu weit drüber war: Middelhoff. Schwarzweiss ist in dem Geschäft selten.


Solche Vergleiche sind völlig unzulässig! Hier geht es um Milliarden aus dem persönlichen Nichts. Bei Krupp sind die Vermögen durch industrielle Fertigung über mehrere Generationen erworben worden. Hier geht es nicht um zufälliges Glück, sondern um korrupte Seilschaften, die aus der Konkursmasse einer Staatswirtschaft ihre Vermögen heraus gelöst haben.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Sa 21. Okt 2017, 18:30

Dieter Winter hat geschrieben:(21 Oct 2017, 19:25)

Langsam sind wir eingekreist. Neben Polen und Teschen haben auch die Österreicher einen strammen Rechtskurz, die Dänen sowieso und auch in der Schweiz ist die SVP gut dabei. Wenn sich der FN noch durchsetzen sollte, was bei Macrons Politik nicht so ganz undenkbar ist, sind wir dann bis auf die BeNeLux Staaten sozusagen isoliert.


Man kann diese "Einkreisung" aber auch als Ausgangspunkt für eine besonders enge Zusammenarbeit der Gründerstaaten der EU in Kerneuropa nutzen. Dann können die Nationalisten Europas sich gegenseitig so viel ärgern wie sie wollen... betrifft uns nicht.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Allenstein » Sa 21. Okt 2017, 18:35

Gute Nachrichten für das freie Europa.

Das dürfte "Visegrad" weiter stärken und gemeinsam mit Österreich bildet "Visegrad" das wichtigste Bollwerk Europas gegen seine Feinde von innen und außen.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Dieter Winter » Sa 21. Okt 2017, 18:41

Allenstein hat geschrieben:(21 Oct 2017, 19:35)

Gute Nachrichten für das freie Europa.

Das dürfte "Visegrad" weiter stärken und gemeinsam mit Österreich bildet "Visegrad" das wichtigste Bollwerk Europas gegen seine Feinde von innen und außen.



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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Sa 21. Okt 2017, 18:41

Allenstein hat geschrieben:(21 Oct 2017, 19:35)

Gute Nachrichten für das freie Europa.

Das dürfte "Visegrad" weiter stärken und gemeinsam mit Österreich bildet "Visegrad" das wichtigste Bollwerk Europas gegen seine Feinde von innen und außen.


Dieses Bollwerk sollen die Visegradskis gern allein bewohnen. Wir Freunde des europäischen Projekts sollten unbeirrt den Weg zur stetig sich vertiefenden Zusammenarbeit fortsetzen. Ich baue auf die Gründerstaaten der EU und auf das deutsch-französische Tandem. Mal sehen, wer sich besser entwickelt!
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Dieter Winter » Sa 21. Okt 2017, 18:51

H2O hat geschrieben:(21 Oct 2017, 19:41)

Dieses Bollwerk sollen die Visegradskis gern allein bewohnen. Wir Freunde des europäischen Projekts sollten unbeirrt den Weg zur stetig sich vertiefenden Zusammenarbeit fortsetzen. Ich baue auf die Gründerstaaten der EU und auf das deutsch-französische Tandem. Mal sehen, wer sich besser entwickelt!


Tja, die EU Erweiterung erweist sich zunehmend als suboptimal...
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon H2O » Sa 21. Okt 2017, 19:32

Dieter Winter hat geschrieben:(21 Oct 2017, 19:51)

Tja, die EU Erweiterung erweist sich zunehmend als suboptimal...


Diese Entwicklung der Visegradskis hätte ich so nie und nimmer erwartet. Man muß aber auch sehen, daß die baltischen Partner dafür mit besonderem Schwung am gemeinsamen Haus Europa bauen. Erfreulich!

Inzwischen ziehen die Visegradskis Vergleiche mit der Sowjetherrschaft, wenn sie von Pflichten gegenüber der EU sprechen: Verlust von Hoheitsrechten. Die neu gewonnenen bürgerlichen Freiheiten innerhalb der EU: Damit können sie offenbar nichts anfangen. Dann sind sicher Hopfen und Malz verloren. Die EU entartet zur Geldquelle.

Die EU darf Vertragsverletzungen nicht mehr straffrei hinnehmen; sonst erfüllt jeder Partner seine Pflichten gegenüber der Gemeinschaft nur so, wie er es gerade gut findet!
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Julian » Sa 21. Okt 2017, 19:36

Zuerst Millionen von Flüchtlingen hereinlassen, der EU immer mehr Entscheidungsgewalt überschreiben, und die Ostmitteleuropäer ständig von oben herab maßregeln - wen wundert da das Ergebnis? Mich nicht. Die Menschen in Prag wollen nicht im Namen einer Religion von LKWs überfahren oder auf der Straße mit Äxten attackiert werden. Und sie wollen, dass ihr Land souverän bleibt in seinen Entscheidungen und nicht anonym und ohne demokratische Kontrolle aus Brüssel regiert werden.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Olympus » Sa 21. Okt 2017, 19:39

Julian hat geschrieben:(21 Oct 2017, 20:36)

Zuerst Millionen von Flüchtlingen hereinlassen, der EU immer mehr Entscheidungsgewalt überschreiben, und die Ostmitteleuropäer ständig von oben herab maßregeln - wen wundert da das Ergebnis? Mich nicht. Die Menschen in Prag wollen nicht im Namen einer Religion von LKWs überfahren oder auf der Straße mit Äxten attackiert werden. Und sie wollen, dass ihr Land souverän bleibt in seinen Entscheidungen und nicht anonym und ohne demokratische Kontrolle aus Brüssel regiert werden.

Sie dürfen ruhig aus der EU aussteigen. Wird halt sehr Arm das Leben, stört ja nicht, schuld sind immer alle anderen.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Dieter Winter » Sa 21. Okt 2017, 19:57

H2O hat geschrieben:(21 Oct 2017, 20:32)

Diese Entwicklung der Visegradskis hätte ich so nie und nimmer erwartet.


So vielleicht nicht, aber dass es um die Rosinen, sprich Zuwendungen aus Brüssel geht, war an sich schon klar.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 21. Okt 2017, 20:12

Dieter Winter hat geschrieben:(21 Oct 2017, 20:57)

So vielleicht nicht, aber dass es um die Rosinen, sprich Zuwendungen aus Brüssel geht, war an sich schon klar.

Es ist legitim, Zuwendungen zu wollen. Man sollte verstärkt auch über Pflicht reden. Etwa Euro-Einführung, Rechtsstaatlichkeit usw.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Dieter Winter » Sa 21. Okt 2017, 20:16

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(21 Oct 2017, 21:12)

Es ist legitim, Zuwendungen zu wollen. Man sollte verstärkt auch über Pflicht reden. Etwa Euro-Einführung, Rechtsstaatlichkeit usw.


Imho ist die Reihenfolge nicht ideal. Erst die Pflichten, dann die Kohle.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 21. Okt 2017, 20:21

Dieter Winter hat geschrieben:(21 Oct 2017, 21:16)

Imho ist die Reihenfolge nicht ideal. Erst die Pflichten, dann die Kohle.

Eine Zeit lang war es der EU wichtig, Tatsachen zu schaffen und diese Staaten im Sack zu haben bevor sie bilateral mit USA sich einrichten und nur Nato wollen. Oder schlimmer noch, in Verträge mit Russland einsteigen, die später mal nicht zur EU passen. Da hat man auch mal weniger genau hingesehen, etwa bei der Korruption. Und die Staaten sind auch gern und freiwillig gekommen. Das sollte man bei Ukraine, Russland, Türkei, Belarus und den Balkanresten nicht wiederholen.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon Julian » Sa 21. Okt 2017, 20:37

Olympus hat geschrieben:(21 Oct 2017, 20:39)

Sie dürfen ruhig aus der EU aussteigen. Wird halt sehr Arm das Leben, stört ja nicht, schuld sind immer alle anderen.


Den Sozialismus in seinem Lauf / hält weder Ochs noch Esel auf.
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Re: Tschechien wählt mehrheitlich Gegner der EU

Beitragvon frems » Sa 21. Okt 2017, 20:42

Olympus hat geschrieben:(21 Oct 2017, 20:39)

Sie dürfen ruhig aus der EU aussteigen. Wird halt sehr Arm das Leben, stört ja nicht, schuld sind immer alle anderen.

Wird wohl kein Politiker dort anstreben, weil die Tschechen mit großer Mehrheit proeuropäisch eingestellt sind und das Land in vielen Bereichen als Musterschüler galt. Deshalb sorgt man sich dort auch um ein "Kerneuropa" (http://www.focus.de/finanzen/news/wirts ... 41500.html), dem man möglicherweise nicht angehört und somit an Souveränität einbüßen würde, da man quasi ein Mitglied zweiter Klasse wäre und weniger die angestrebte Vertiefung der Integration mitgestalten könnte; und letzteres will Prag. Andrej Babis mag über Flüchtlinge verschnupft sein, aber da muss man hinzufügen, dass es die anderen Parteien auch sind.

Auch wenn Rechte und Populisten zulegten – die Situation in Tschechien ist nicht vergleichbar mit Polen oder Ungarn, wo nationalistische Regierungen gegen die EU poltern. Andrej Babiš, der Wahlsieger, ist zwar Populist, aber kein Ideologe. Er bleibt vielmehr ein kühl kalkulierender Pragmatiker. Ihm gehe es vor allem um seine eigenen Interessen, werfen ihm Kritiker immer wieder vor; das Programm seiner Bewegung entstand erkennbar unter dem Eindruck von aktuellen Meinungsumfragen und weniger nach politischen Grundüberzeugungen.

In welche Richtung sich Tschechien in den nächsten Jahren bewegen wird, dürfte jetzt vor allem davon abhängen, mit wem Wahlsieger Babiš eine Regierung bildet. Die gemäßigte Variante wäre eine Koalition mit den Sozial- und den Christdemokraten. Das wäre eine Fortführung des bisherigen Bündnisses, nur unter umgedrehten Kräfteverhältnissen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017 ... en-analyse
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.

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