Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 20. Okt 2017, 15:19

Alter Stubentiger hat geschrieben:(20 Oct 2017, 15:36)

Aber gegen eine weitere Vereinheitlichung wird dann auch wieder gemault. Auf allen Seiten. Lassen wir dass einfach. Ich finde die Arbeit an einem Europa der Regionen viel wichtiger für das Selbstverständnis der Menschen.

Und eine Wiedervereinigung würde auch eine weitere Machtkonzentration bedeuten. Ich finde dass alles keine gute Idee.

Macht ist nicht immer schlecht. Die deutsche Vereinigung geschah auch dadurch, dass ein Teilstaat so groß und hervorragend wurde, dass er den anderen wirksam Vorschläge machen konnte und zumindest nichts mehr geschah, das er nicht wollte. Ein Modell auch für Europa.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 20. Okt 2017, 15:54

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(20 Oct 2017, 16:19)

Macht ist nicht immer schlecht. Die deutsche Vereinigung geschah auch dadurch, dass ein Teilstaat so groß und hervorragend wurde, dass er den anderen wirksam Vorschläge machen konnte und zumindest nichts mehr geschah, das er nicht wollte. Ein Modell auch für Europa.


Äh. Nein. Das schafft gefährliche Ungleichgewichte.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 20. Okt 2017, 15:55

Alter Stubentiger hat geschrieben:(20 Oct 2017, 16:54)

Äh. Nein. Das schafft gefährliche Ungleichgewichte.


Besser als ein Gleichgewicht des Schreckens.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sofawolf » Fr 20. Okt 2017, 16:20

Flaschengeist hat geschrieben:(17 Oct 2017, 22:49)

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Tagespresse

Aber gut gemacht. :thumbup:


Ha, ha ... ok, da bin ich mal selbst auf sowas hereingefallen ( a la Postillon), aber es ist und war nicht die einzige Quelle !
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sofawolf » Fr 20. Okt 2017, 16:24

Alter Stubentiger hat geschrieben:(18 Oct 2017, 15:27)

Ich halte diese Statement für Deutschtümelei. Die Österreicher hatten vielleicht den Wunsch die deutschen Königreiche und Fürstentümer in ihr Reich einzugliedern. Aber historisch gesehen warÖsterreich-Ungarn schon sehr lange abgetrennt von den Gebieten im Norden. Und man sich nicht gescheut immer wieder gegen Preussen in den Krieg zu ziehen. Zuletzt im Bündnis mit Bayern.

Und nach dem ersten Weltkrieg war die Deutschland-Begeisterung nicht sonderlich groß. Das kam erst mit der wirtschaftlichen Scheinblüte Deutschlands und der militärischen Aufrüstung. ...


Naja, aber das stimmt ja alles historisch nicht. Und deine Zitate belegen es auch nicht. Sie belegen nur, dass Italien eine Zeit lang dagegen war.

Informiere dich z.B. hier (vor allem unter Punkt 1): https://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss ... _Weltkrieg

AUSZUG: "Alle österreichischen Parteien – einschließlich der Kommunistischen Partei Österreichs, welche nach einer erfolgreichen Revolution einen Anschluss „Sowjetösterreichs“ an „Sowjetdeutschland“ forderte[11] – waren vor 1933 grundsätzlich für die Vereinigung mit dem Deutschen Reich. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAPDÖ) zum Beispiel forderte noch 1926 im überwiegend marxistisch ausgerichteten Linzer Programm den Anschluss „mit friedlichen Mitteln“ an die Deutsche Republik.[12]"

Der Grund, warum dieses Thema heutzutage weitgehend tabu ist, ist, dass es für "Deutschtümelei" gehalten wird (infolge des sogenannten Anschlusses von 1938).
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sofawolf » Fr 20. Okt 2017, 16:30

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(18 Oct 2017, 16:10)

Sein Beitrag hat mit Hitler gar nichts zu tun. 1866 war kein Hitler.


Danke, ich denke, diese Assoziationen sind auch der Grund, warum das Thema heutzutage weitgehend tabu ist.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sofawolf » Fr 20. Okt 2017, 16:32

Alter Stubentiger hat geschrieben:(18 Oct 2017, 17:11)

Mein Beitrag beschreibt die Zeit vor 1866 bis hin zur Regierung Dollfuß. In der ganzen Zeit "fühlten" sich die Österreicher nicht als "Deutsche".

Und 1866 haben Österreich und Bayern Krieg gegen Preussen geführt. So groß war die Liebe zu den Deutschen im Norden.........

Und selbst die österreichische Revolution von 1848 hatte ganz andere Zielsetzungen als die bürgerliche Revolution von 1848 in Deutschland. Was ja auch klar war. Da gabs halt einen Haufen anderer Völker die vor allem ihre politische und wirtschaftliche Position verbessert sehen wollten.


Wenn du dich doch bitte noch einmal belesen würdest.

ZITAT: "Vom Einbezug des deutschen Teils von Österreich in einen deutschen Nationalstaat war bereits in der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 die Rede. Erzherzog Johann von Österreich wurde von ihr im Sinn der großdeutschen Lösung zum Reichsverweser gewählt."

(Link siehe oben)
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sofawolf » Fr 20. Okt 2017, 16:38

odiug hat geschrieben:(18 Oct 2017, 21:45)

An dem Post von Sofawolf stimmt so einiges nicht.
Es gab nie eine Hauptstadt des heiligen römischen Reichs ... das hätten die Kurfürsten nie zugelassen.
Die Abspaltung Österreichs ist auch ein falsches Bild. Faktisch spalteten sich die Fürsten ab, in dem sie sich mit Napoleon verbündeten, nachdem die französische Grand Armee ihre Herrschaftsbereiche überrannte.
Das heilige römische Reich wurde von Napoleon endgültig zerschlagen.
Den endgültige Ausschluß Österreichs aus dem deutschen Bund, vollzog Bismarck, der die Konkurrenz zwischen den Hohenzollern und den Habsburgern fürchtete.
Es kann nur einen Kaiser in Deutschland geben.
Die Bayern aber waren auf der Seite Österreichs, gegen Preußen.


Hmm, finde ich aber gar nicht.

Die Frage, ob Wien Hauptstadt war oder nur Regierungssitz oder nur Sitz der Kaiser oder nur Zentrum des "Deutschen Reiches" oder oder ... finde ich nicht wesentlich für die eigentliche Frage. Dass Österreich sich abgespalten hat, habe ich auch nicht gesagt. Ich habe gesagt - ich kann hier nicht seitenlang Geschichte referieren -, dass 1866 Preußen Österreich besiegte und danach 1871 das Deutsche Kaiserreich unter Ausschluss von Österreich (u.a.) gründete. Ich habe gesagt, bis dahin war Österreich ein deutscher Staat von vielen.

Was soll noch nicht stimmen? :-)
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sofawolf » Fr 20. Okt 2017, 16:44

Alter Stubentiger hat geschrieben:(19 Oct 2017, 18:13)

Ja. Bismarck hat dies kommen sehen. Es war nicht sehr klug Elsass-Lothringen zu annektieren. Hitler hat dies in einem klaren Moment vermieden. Was ich interessant finde.


Oh, du scheinst ja ein bisschen sehr alternativ mit historischen Fakten umzugehen.
:-)

Zu deiner Signatur: Das genau sagte E.H. und hatte er damit nicht sogar Recht: "Am 19. Januar 1989, genau vor 25 Jahren, sagte Erich Honecker: „Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe nicht beseitigt werden.“ " Die Gründe wurden 1989 beseitigt, nämlich der Sturz des "SED-Regimes".

http://www.tagesspiegel.de/berlin/die-m ... 52568.html

Elsass-Lothringen musste das besiegte Frankreich zwar nicht offiziell abtreten (womöglich gab es gar keine Regierung, die das hätte tun können?), aber: "Während des Frankreichfeldzuges 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht das Elsass, unterstellte es reichsdeutscher Zivilverwaltung und schloss es dem NSDAP-Gau Baden-Elsass an."

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschicht ... .80.931945
Zuletzt geändert von Sofawolf am Fr 20. Okt 2017, 16:53, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sofawolf » Fr 20. Okt 2017, 16:50

Woppadaq hat geschrieben:(19 Oct 2017, 23:09)

Wiedervereinigungstendenzen hat es seit 1945 dort nicht mehr gegeben.


Naja, ist ja aber auch damals (aus verständlichen Gründen) verboten worden.

"Artikel 4. Verbot des Anschlusses
1. Die Alliierten und Assoziierten Mächte erklären, daß eine politische oder wirtschaftliche Vereinigung zwischen Österreich und Deutschland verboten ist. Österreich anerkennt voll und ganz seine Verantwortlichkeiten auf diesem Gebiete und wird keine wie immer geartete politische oder wirtschaftliche Vereinigung mit Deutschland eingehen."

https://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss ... ation_1943
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon odiug » Fr 20. Okt 2017, 18:18

Sofawolf hat geschrieben:(20 Oct 2017, 17:38)

Hmm, finde ich aber gar nicht.

Die Frage, ob Wien Hauptstadt war oder nur Regierungssitz oder nur Sitz der Kaiser oder nur Zentrum des "Deutschen Reiches" oder oder ... finde ich nicht wesentlich für die eigentliche Frage. Dass Österreich sich abgespalten hat, habe ich auch nicht gesagt. Ich habe gesagt - ich kann hier nicht seitenlang Geschichte referieren -, dass 1866 Preußen Österreich besiegte und danach 1871 das Deutsche Kaiserreich unter Ausschluss von Österreich (u.a.) gründete. Ich habe gesagt, bis dahin war Österreich ein deutscher Staat von vielen.

Was soll noch nicht stimmen? :-)

Das kommt daher, weil du nicht suchst.
Das heilige römische Reich war kein Staat, keine Nation.
Es war eine Lehensherrschaft und nicht mehr.
Das Subjekt, der Untertan war auch nicht loyal gegenüber einem Staat, sondern gegenüber einem Herrscher, einer Dynastie.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 20. Okt 2017, 18:30

odiug hat geschrieben:(20 Oct 2017, 19:18)

Das kommt daher, weil du nicht suchst.
Das heilige römische Reich war kein Staat, keine Nation.
Es war eine Lehensherrschaft und nicht mehr.
Das Subjekt, der Untertan war auch nicht loyal gegenüber einem Staat, sondern gegenüber einem Herrscher, einer Dynastie.

Das ist für die Frage nicht so relevant, weil das HRR bereits mit Napoleon 1806 hinfällig war und davor auch nicht mehr viel hermachte. Hingegen ist der deutsche Nationalgedanke in den 1840er bis 1870er Jahren nicht an dieses Reich gebunden und auch die verschiedenen Versuche, ein neues Reich oder zumindest einen neuen Bund der Fürsten mit oder ohne Österreich, mit oder ohne anderssprachige Gebiete zu formen darf man nicht ignorieren. In diesem Verständnis von Deutschland und deutschen Menschen waren die wesentlichen Teile Österreichs unbestritten enthalten. Ob ein deutscher Staat sie enthalten sollte, war eine mehr taktisch-politische Frage. Die Preußen wollten das ganz einfach nicht. Spulen wir ins 21. Jahrhundert vor, sehen wir aktuell keine wichtige Bewegung in der Frage. Man kann also unaufgeregt diskutieren, was die Vor- und Nachteile wären und was Gründe sind, dafür oder dagegen zu sein. Es wird keine Folgen haben, es ist kein aktuelles Thema.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 20. Okt 2017, 19:04

Sofawolf hat geschrieben:(20 Oct 2017, 17:24)

Naja, aber das stimmt ja alles historisch nicht. Und deine Zitate belegen es auch nicht. Sie belegen nur, dass Italien eine Zeit lang dagegen war.

Informiere dich z.B. hier (vor allem unter Punkt 1): https://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss ... _Weltkrieg

AUSZUG: "Alle österreichischen Parteien – einschließlich der Kommunistischen Partei Österreichs, welche nach einer erfolgreichen Revolution einen Anschluss „Sowjetösterreichs“ an „Sowjetdeutschland“ forderte[11] – waren vor 1933 grundsätzlich für die Vereinigung mit dem Deutschen Reich. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs (SDAPDÖ) zum Beispiel forderte noch 1926 im überwiegend marxistisch ausgerichteten Linzer Programm den Anschluss „mit friedlichen Mitteln“ an die Deutsche Republik.[12]"

Der Grund, warum dieses Thema heutzutage weitgehend tabu ist, ist, dass es für "Deutschtümelei" gehalten wird (infolge des sogenannten Anschlusses von 1938).


Ach ja? Dollfuß war dagegen......... Schuschnigg auch........die vaterländische Front auch. Es ist also wieder einmal zu sehen das diese Deutschtümelei oder eben auch die Ablehnung einer Vereinigung mit D. eine Sache war die das Großbürgertum und die Politiker bewegte. Ich finde es wird bei solchen Dingen immer wieder ausgeblendet das das eigentliche Volk ganz andere Fragen bewegte. Früher wie heute wird gern mit dem angeblichen "Volkswillen" gespielt. Es kotzt mich an.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Julian » Fr 20. Okt 2017, 22:08

Woppadaq hat geschrieben:(19 Oct 2017, 23:09)

Aber nicht genug, um sich mit Deutschland wiederzuvereinigen.


Deine Antworten haben wenig mit meinen Bemerkungen zu tun, die ich in Bezug auf die faktisch falschen Aussagen eines Mitdiskutanten äußerte. Geht es dir vielleicht eher darum, mir zu widersprechen, selbst dann, wenn ich einfach nur historisch richtig liege? Oder bestreitest du etwa, dass sich die deutschsprachigen Österreicher um 1920 herum als Deutsche fühlten und diesem Gefühl in Referenden Ausdruck verliehen? Dass es nicht zur Vereinigung kam, ist allein den Auflagen der Siegermächte zuzuschreiben.

Woppadaq hat geschrieben:(19 Oct 2017, 23:09)
Es ist seitdem aber eine eigene Nation, nur unterbrochen von ein paar Jahren NS-deutscher Annexion. Wiedervereinigungstendenzen hat es seit 1945 dort nicht mehr gegeben.


Darauf, was mit Österreich danach passierte, bin ich gar nicht eingegangen. Heute gäbe es in Österreich selbstverständlich keine Mehrheit mehr für eine Vereinigung mit Deutschland. Dies ist meiner Meinung nach ausschließlich auf den verlorenen Zweiten Weltkrieg zurückzuführen. Für mich ist und bleibt Österreich dennoch ein deutscher Staat, und ich fühle mich einer Stadt wie Wien kulturell sehr viel mehr verbunden als Berlin. Es muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, wenn es mehrere deutsche Staaten gibt; allein würde ich mir wünschen, dass die Austeilung gerechter erfolgt wäre und weite Teile Süddeutschlands, mindestens aber Bayern, Württemberg und Baden, von Wien aus regiert würden.

Woppadaq hat geschrieben:(19 Oct 2017, 23:09)
Sie sind vertrieben worden und in Deutschland gelandet. So wie Flüchtlinge das nun mal tun.


Die Sudetendeutschen, die ja offenbar vorher deutschsprachige Österreicher waren, wurden als Deutsche vertrieben. Was ich damit sagen wollte, ist, dass eine Trennung in Österreicher und Deutsche historisch oft wenig Sinn macht und zu Widersprüchen führt. Für dich mag das alles einerlei sein, weil für dich sicherlich syrische Flüchtlinge den gleichen Stellenwert haben wie Vertriebene aus Böhmen.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon KarlRanseier » Fr 20. Okt 2017, 22:47

Sofawolf hat geschrieben:(16 Oct 2017, 17:37)

Wie wäre es in einer Zeit, in der sich andere Länder und Regionen trennen und/oder abspalten wollen, wenn sich auch mal wieder wer zusammentut?

Was spricht heute noch gegen eine Vereinigung von Deutschland und Österreich? Beides sind deutschsprachige Staaten. Beide haben eine lange gemeinsame (!) Geschichte. Bekanntlich war Wien jahrhundertelang Hauptstadt des Deutschen Reiches (Heiliges Römisches Reich deutscher Nation). Erst 1866 begann der "eigene Weg" Österreichs, als Preußen die Vorherrschaft unter den deutschen Staaten übernahm und 1871 das Deutsche Kaiserreich gründete. Bekanntlich nannte sich "Rest-Österreich" nach dem 1. Weltkrieg und dem Zerfall der Donaumonarchie zunächst "Deutsch-Österreich" (von den Siegermächten verboten). Bekanntlich wollten bis zum Anschluss 1938 bis auf die Kommunisten alle politischen Kräfte des Landes die Vereinigung von Deutschland und Österreich?

Vor einer Großmacht Deutschland muss doch heute keiner mehr Angst haben! Unsere Demokratie ist stark und stabil. Also was spräche wuaus heutiger Sicht eigentlich noch dagegen, wenn wir uns zusammentun?!



Die Österreicher würden, wenn sie solchen Käse lesen würden, Dir einen Vogel zeigen.

Sie haben deutlich höhere Löhne und Gehälter und eine gut funktionierende Rente. Sie müssten vollkommen umnachtet sein, wenn sie sich mit Merkels Billiglohnland vereinigen würden... Was hätten sie denn davon? :?:
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Woppadaq » Fr 20. Okt 2017, 23:08

Julian hat geschrieben:(20 Oct 2017, 23:08)
Oder bestreitest du etwa, dass sich die deutschsprachigen Österreicher um 1920 herum als Deutsche fühlten und diesem Gefühl in Referenden Ausdruck verliehen? Dass es nicht zur Vereinigung kam, ist allein den Auflagen der Siegermächte zuzuschreiben.


Erklär mir doch mal, warum die Auflagen der Siegermächte bei der deutschen Wiedervereinigung - wozu auch das jahrelange Betonen der "Offenheit der deutschen Frage" gehörte - keine Rolle spielten, bei der Ösi-Wiedervereinigung aber plötzlich doch. Könnte das auch etwas mit der österreichischen Unlust zu besagter Vereinigung zusammenhängen?

Darauf, was mit Österreich danach passierte, bin ich gar nicht eingegangen. Heute gäbe es in Österreich selbstverständlich keine Mehrheit mehr für eine Vereinigung mit Deutschland. Dies ist meiner Meinung nach ausschließlich auf den verlorenen Zweiten Weltkrieg zurückzuführen.


Inwiefern soll der zweite Weltkrieg Schuld an etwas sein, was 70 Jahre lang vorher auch nicht geklappt hat ?

Für mich ist und bleibt Österreich dennoch ein deutscher Staat


Die Ösis sind deutsch, keine Frage, aber sie sind eben keine Deutschen, sondern Österreicher.

Es muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, wenn es mehrere deutsche Staaten gibt; allein würde ich mir wünschen, dass die Austeilung gerechter erfolgt wäre und weite Teile Süddeutschlands, mindestens aber Bayern, Württemberg und Baden, von Wien aus regiert würden.


Es lag in deren Ermessen, sich dem preussisch beherrschten Norddeutschen Bund oder Österreich anzuschliessen. Es muss Gründe gegeben haben, dass sie ersteres taten.

Die Sudetendeutschen, die ja offenbar vorher deutschsprachige Österreicher waren, wurden als Deutsche vertrieben. Was ich damit sagen wollte, ist, dass eine Trennung in Österreicher und Deutsche historisch oft wenig Sinn macht und zu Widersprüchen führt. Für dich mag das alles einerlei sein, weil für dich sicherlich syrische Flüchtlinge den gleichen Stellenwert haben wie Vertriebene aus Böhmen.


Da geht und ging nicht nur mir so. Als angebliche Brüdern und Schwestern waren sie im Nachkriegsdeutschland genauso wenig beliebt wie es heute syrische Flüchtlinge sind.

Was die Trennung von Österreichern und Deutschen angeht: geschichtlich magst du da Recht haben, aber man muss sich auch fragen, ab wann man überhaupt von Deutschland als Nation sprechen will. Im Grunde haben wir erst mit Gründung des Deutschen Reiches so etwas wie eine echte deutsche Nation. Und im Grunde erst seit dem gibt es auch Österreich.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Hyde » Sa 21. Okt 2017, 00:23

Ein Anschluss Österreichs würde nicht dazu führen, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft stärker werden würde. Somit fällt der wichtigste Grund für eine Wiedervereinigung mit Österreich ohnehin schon weg.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sofawolf » Sa 21. Okt 2017, 00:24

odiug hat geschrieben:(20 Oct 2017, 19:18)

Das kommt daher, weil du nicht suchst.
Das heilige römische Reich war kein Staat, keine Nation.
Es war eine Lehensherrschaft und nicht mehr.
Das Subjekt, der Untertan war auch nicht loyal gegenüber einem Staat, sondern gegenüber einem Herrscher, einer Dynastie.


Weil ich nicht suche ... ;-) Der war gut.

Aber ansonsten wüsste ich nicht, was das Lehenswesen des Mittelalters mit dem im 19. Jahrhundert erwachenden Nationalbewusstsein zu tun hat, also warum man sich im 19. Jahrhundert und später nicht einem Volk zugehörig empfinden durfte / darf, nur weil das im Mittelalter noch keine Rolle gespielt hatte.

Erklär bitte!
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sofawolf » Sa 21. Okt 2017, 00:26

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(20 Oct 2017, 19:30)

... Spulen wir ins 21. Jahrhundert vor, sehen wir aktuell keine wichtige Bewegung in der Frage. Man kann also unaufgeregt diskutieren, was die Vor- und Nachteile wären und was Gründe sind, dafür oder dagegen zu sein. Es wird keine Folgen haben, es ist kein aktuelles Thema.


Ja, genau.

Ein gutes Argument dagegen wäre für mich der Europagedanke bzw. das vereinte Europa. In einem Europa der Regionen, wo Grenzen nicht mehr trennen und vieles staatenübergreifend geregelt wird, bedarf es womöglich auch keiner Nationalstaaten mehr.
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Re: Wiedervereinigung mit Österreich - warum eigentlich nicht?!

Beitragvon Sofawolf » Sa 21. Okt 2017, 00:35

Woppadaq hat geschrieben:(21 Oct 2017, 00:08)

Erklär mir doch mal, warum die Auflagen der Siegermächte bei der deutschen Wiedervereinigung - wozu auch das jahrelange Betonen der "Offenheit der deutschen Frage" gehörte - keine Rolle spielten, bei der Ösi-Wiedervereinigung aber plötzlich doch. Könnte das auch etwas mit der österreichischen Unlust zu besagter Vereinigung zusammenhängen?

Inwiefern soll der zweite Weltkrieg Schuld an etwas sein, was 70 Jahre lang vorher auch nicht geklappt hat ?

Die Ösis sind deutsch, keine Frage, aber sie sind eben keine Deutschen, sondern Österreicher.

Es lag in deren Ermessen, sich dem preussisch beherrschten Norddeutschen Bund oder Österreich anzuschliessen. Es muss Gründe gegeben haben, dass sie ersteres taten.

Da geht und ging nicht nur mir so. Als angebliche Brüdern und Schwestern waren sie im Nachkriegsdeutschland genauso wenig beliebt wie es heute syrische Flüchtlinge sind.

Was die Trennung von Österreichern und Deutschen angeht: geschichtlich magst du da Recht haben, aber man muss sich auch fragen, ab wann man überhaupt von Deutschland als Nation sprechen will. Im Grunde haben wir erst mit Gründung des Deutschen Reiches so etwas wie eine echte deutsche Nation. Und im Grunde erst seit dem gibt es auch Österreich.


Und warum wurde den Österreichern die Vereinigung mit Deutschland sowohl nach dem 1. als auch nach dem 2. Weltkrieg verboten, wenn doch eigentlich kein Österreicher das will / wollte? Seit 1938 ist aber dieses Thema mit dem Namen A. Hitler verbunden und das vergrault natürlich viele.

Man darf nicht Staatsangehörigkeit und Volkszugehörigkeit verwechseln. Das sind zwei verschiedene Paar Schuh'. Man kann das unwichtig finden, sowohl das eine als auch das andere, aber es ist eben nicht das Gleiche - nur gebrauchen wir dafür oft, vor allem in Deutschland, den gleichen Begriff. Man kann "Deutscher" sein im Sinne der Staatsangehörigkeit (Nation) und man kann "Deutscher" sein im Sinne der Volkszugehörigkeit (Volk). So kann jemand auch Rumäne sein im Sinne der Staatsangehörigkeit und Deutscher im Sinne der Volkszugehörigkeit (Siebenbürger Sachse nämlich) und Türke im Sinne der Volkszugehörigkeit, aber Deutscher im Sinne der Staatsangehörigkeit.

Wie gesagt, man kann das ja unwichtig finden, insbesondere in der heutigen Zeit und wahrscheinlich, nein offensichtlich ist es hierzulande auch immer unwichtiger. Anderswo ist es das aber nicht (Katalonien, Schottland, Baskenland, Serbien, Slowenien und und und ...)
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