Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovakei)

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Audi
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon Audi » Di 25. Sep 2018, 22:11

Letzter_Hippie hat geschrieben:(25 Sep 2018, 23:07)

Da würde ich dagegen wetten. Moskau wird natürlich anfragen, soviel ist sicher. Aber dahin will man nicht zurück.
(ich meine die im Titel genannten Staaten - nicht UA).

Och, Moskau ist kapitalistisch wie die EU auch. Mental passt man da viel besser hin. Was meinst du was passiert, wenn Eu Ungarn raus haut? Die Polen stecken eh so tief im US Rektum, die würden es kaum merken
Zur Zeit ist Brüssel das Problem wie damals das kommunistische Moskau, welches den Staaten ihren Willen aufbocken wollte.
Zuletzt geändert von Audi am Di 25. Sep 2018, 22:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 22:12

Audi hat geschrieben:(25 Sep 2018, 22:59)

Richtig, nur bindet sich die EU einen Bären ans Bein und legt sich mit einem noch größeren an. Wie soll man so überleben? Wenn die EU jemanden raus wirft, wird man zu Moskau gehe, wetten? Deswegen wird niemand raus fliegen und die EU wird auch niemanden freiwillig gehen lassen, siehe Brexit

Es geht beim möglichen Rausschmiß um EU-Mitglieder und im Fall der Ukraine noch nicht einmal um ein Land in Beitrittsverhandlungen zur EU. Daß die EU keinen Krieg in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft haben möchte, das kann ich ganz gut verstehen. Wir sollten wirklich beim Thema bleiben.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon Audi » Di 25. Sep 2018, 22:16

H2O hat geschrieben:(25 Sep 2018, 23:12)

Es geht beim möglichen Rausschmiß um EU-Mitglieder und im Fall der Ukraine noch nicht einmal um ein Land in Beitrittsverhandlungen zur EU. Daß die EU keinen Krieg in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft haben möchte, das kann ich ganz gut verstehen. Wir sollten wirklich beim Thema bleiben.

Es ist doch das Thema. Rausschmiss hin oder her, es geht darum wieso man trotz den Problemen eine. Staat an sich bindet der weit aus schlimmere folgen hat als ungarn, Polen usw worum es hier auch geht. Ich denke wir reden aneinander vorbei.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon H2O » Di 25. Sep 2018, 22:25

Audi hat geschrieben:(25 Sep 2018, 23:16)

Es ist doch das Thema. Rausschmiss hin oder her, es geht darum wieso man trotz den Problemen eine. Staat an sich bindet der weit aus schlimmere folgen hat als ungarn, Polen usw worum es hier auch geht. Ich denke wir reden aneinander vorbei.


Das kann auch gar nicht anders sein, weil es hier um Vertragsbrüche von EU-Mitgliedern geht, die vor dem EuGH bewertet werden und vermutlich in Geldstrafen umgesetzt werden... wie es heißt: "höhere 6-stellige Beträge pro Woche, so lange die Vertragsverletzung anhält". Da werden die Sünder schon munter werden.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon Letzter_Hippie » Di 25. Sep 2018, 22:29

Audi hat geschrieben:(25 Sep 2018, 23:11)

Zur Zeit ist Brüssel das Problem wie damals das kommunistische Moskau, welches den Staaten ihren Willen aufbocken wollte.


So sehe ich das auch - und das wil man dort nicht mehr, weil man es kennt. Du meinst also, das heutige Russland könnte dann als Partner infrage kommen? Meine Hoffnung wäre eher, dass der ganze Gürtel (Baltics bis Bulgarien) enger zusammengeht und seine Interessen zum Ausdruck bringt.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon H2O » Mi 26. Sep 2018, 07:10

Letzter_Hippie hat geschrieben:(25 Sep 2018, 23:29)

So sehe ich das auch - und das wil man dort nicht mehr, weil man es kennt. Du meinst also, das heutige Russland könnte dann als Partner infrage kommen? Meine Hoffnung wäre eher, dass der ganze Gürtel (Baltics bis Bulgarien) enger zusammengeht und seine Interessen zum Ausdruck bringt.


Au ja, und dann zeigen Deutsche und Russen, wie man solche Pufferstaaten auf Vordermann bringt. Wer solche Gedanken hegt, der hat den Geschichtsunterricht der letzten 300 Jahre geschwänzt! Ihr Modell heißt auf Polnisch Międzymorze. Inzwischen hat man dort aber auf Trójmorze umgeschaltet. Gute Reise!
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 26. Sep 2018, 08:44

Mahmoud hat geschrieben:(25 Sep 2018, 18:29)

Guter Beitrag? Das will ich hoffen.

Aber ich wollte eigentlich etwas Anderes damit ausdrücken: Daß es für uns Deutsche Zeit wird, von unserem hohem Ross runter zukommen. Denn wenn es so weitergeht, sind wir bald in der Minderheit ( oder sind wir das schon?) Die linksliberalen Faschisten in diesem Land glauben nämlich immer noch, daß " am deutschen Wesen die Welt genesen soll"... ;) Und übersehen dabei, daß wir bald alleine dastehen. Es wird nach jetzigem Stand keine Sanktionen gegen "Abtrünnige" geben, denn die "Abtrünnigen" sind die Mehrheit.

"Abtrünnig" ist der falsche Begriff. Längst, und das müsste einem schon lange klar sein, läuft eine europäische Integration auf Wirtschafts-Basis. Und die flutscht nur so gerade in den Ländern, die jetzt politisch unter Druck gesetzt werden. In Südeuropa, Italien, Griechenland, Spanien, siehts wieder ganz anders aus.

Wie dieses reale Szenario zu bewerten ist, ist noch mal eine ganz andere Frage.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 26. Sep 2018, 08:57

H2O hat geschrieben:(25 Sep 2018, 18:46)

Um Himmelswillen... ich kritisiere keine persönliche oder zivile Vereinigung, die unser europäisches Projekt voran bringen möchte! Also weder eine Vereinigung, die von Herrn Soros gefördert wird, noch Pulse of Europe, noch das European Democracy Lab.

Natürlich ist das Ziel der post-nationalen Republik Europa genau das, wovon wir Europäer träumen. Ich bin da etwas bodenständiger... würde also eine Föderation europäischer Staaten lieber sehen; halte sie auch für eher erreichbar. Nicht meinetwegen... ich würde so ziemlich überall in Europa zufrieden leben... aber wohl doch der befürchteten Vorbehalte wegen, sich dann doch fremd "im eigenen Haus" zu fühlen.

Wenn also Frau Guériot eine Vorstellung hat, wie wir an den bestehenden Sprach- und Volksgruppen vorbei unsere Europäische (Bundes-)Republik erreichen könnten, dann bin ich "ihr Mann".


In einer Politik-Talk-Runde erklärte Frau Guérot, dass ihr die Utopie ihrer Vorstellungen eigentlich klar sei. Dass es aber wichtig sei, diese Utopie am Leben zu erhalten. Was wir sehen sind Dinge wie: "Kanzlerin Merkel und Präsident Macron schreiten zu den Klängen der Nationalhymnen die Ehrenformation ab" und was wir - ich jedenfalls - eigentlich wollen: Ich muss nicht erst einen Reisepass (statt eines PAs) haben, um in Ungarn ein Konto zu eröffnen oder ein Grundstück bei der Gemeindeverwaltung anmelden zu können und die französische Freundin unserer Tochter kann wie selbstverständlich und ohne Verwaltungsaufand in Berlin bei einer deutschen Vertretung einer französischen Firma arbeiten. Und natürlich auch, dass überhaupt Waren und Personen frei und unbehindert transferieren können. Dass man in Deutschland wohnen und in Polen arbeiten kann. Dass man ungehindert eine Firma in Tschechien gründen kann. Aber weiter eben nix. Wenn das Wort "Werte" kommt, fällt bei mir eine Klappe herunter.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon H2O » Mi 26. Sep 2018, 10:05

schokoschendrezki hat geschrieben:(26 Sep 2018, 09:57)

In einer Politik-Talk-Runde erklärte Frau Guérot, dass ihr die Utopie ihrer Vorstellungen eigentlich klar sei. Dass es aber wichtig sei, diese Utopie am Leben zu erhalten. Was wir sehen sind Dinge wie: "Kanzlerin Merkel und Präsident Macron schreiten zu den Klängen der Nationalhymnen die Ehrenformation ab" und was wir - ich jedenfalls - eigentlich wollen: Ich muss nicht erst einen Reisepass (statt eines PAs) haben, um in Ungarn ein Konto zu eröffnen oder ein Grundstück bei der Gemeindeverwaltung anmelden zu können und die französische Freundin unserer Tochter kann wie selbstverständlich und ohne Verwaltungsaufand in Berlin bei einer deutschen Vertretung einer französischen Firma arbeiten. Und natürlich auch, dass überhaupt Waren und Personen frei und unbehindert transferieren können. Dass man in Deutschland wohnen und in Polen arbeiten kann. Dass man ungehindert eine Firma in Tschechien gründen kann. Aber weiter eben nix. Wenn das Wort "Werte" kommt, fällt bei mir eine Klappe herunter.


Na ja, die "Werte" stehen wie selbstverständlich dahinter; denn sonst würde alles das, was Sie in Europa als so angenehm empfinden, überhaupt nicht funktionieren.

Daher mein Zorn, wenn jemand an den "Werten" herum dreht"!
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon Letzter_Hippie » Mi 26. Sep 2018, 11:59

H2O hat geschrieben:(26 Sep 2018, 08:10)

Au ja, und dann zeigen Deutsche und Russen, wie man solche Pufferstaaten auf Vordermann bringt. Wer solche Gedanken hegt, der hat den Geschichtsunterricht der letzten 300 Jahre geschwänzt! Ihr Modell heißt auf Polnisch Międzymorze. Inzwischen hat man dort aber auf Trójmorze umgeschaltet. Gute Reise!


Danke für den Hintergrund, ich wusste nicht dass der Gedanke schon so populär ist - er schien mir nur kulturell naheliegend.
Nun kann ich aber noch nicht erkennen wo der Unterschied von "Międzymorze" und "Trójmorze" liegt - denn beides scheint dem zu entsprechen was ich mir vorstellte. Ich wäre Ihnen daher dankbar, wenn Sie diesen Unterschied in einigen dürren Worten auf den Punkt bringen könnten.

Nachtrag: soviel ich sehe, scheint "Międzymorze" einen einzigen zusammengehängten Staat anzuvisieren. Das halte ich keineswegs für eine gute Idee. Sondern mein Gedanke zielt -wie geschrieben- auf ein "enger zusammengehen", also gegenseitige Unterstützung, vertiefte Beziehungen, gemeinsame Interessen gemeinsam artikulieren, usw.usf. Wenn Sie natürlich Argumente haben, was daran schlecht wäre, also warum die slawischen Staaten lieber gegeneinander arbeiten sollten, dann bin ich ganz interessiert.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 26. Sep 2018, 12:35

H2O hat geschrieben:(26 Sep 2018, 11:05)

Na ja, die "Werte" stehen wie selbstverständlich dahinter; denn sonst würde alles das, was Sie in Europa als so angenehm empfinden, überhaupt nicht funktionieren.


Da bin ich mir nicht so sicher. Jedenfalls nicht, wenn die Kausalbeziehung so dargestellt wird: Unsere Werte sind Demokratie, Rechsstaat, Aufklärung, Humanismus. Und nun bauen wir mal diesen Werten ensprechend das Gebilde EU. Tatsächlich dürfte die Relation eher dialektisch sein. Bestimmte Dinge funktionieren in einer Freihandelsgemeinschaft einfach besser. Es läuft einfach besser so. Und Offenheit und Rechtsstaatlichkeit ist weniger eine Vorgabe als viel mehr eine gute praktische Erfahrung, die man dann gerne nachträglich und selbstgefällig als "Wert" ausgibt.

Der Aufstieg des römischen Reichs ab etwa dem 5. Jh. v. Chr. .... Einen der Mechanismen, die dafür ursächlich waren, kann man grob vereinfacht so zusammenfassen: Die Römer hatten erkannt, dass "Fremde" und "Eroberte" eigentlich auch zu Sklaven, Abgabenverpflichteten und Soldaten gemacht werden können und nicht unbedingt einfach ausgeraubt und hingemordet werden müssen. Dass das die wesentlich effektivere Methode ist. Bis dahin, dass auch Fremde, freigelassene Sklaven zu gewissen Teilen Bürgerrechte bekamen. "Römisches Recht" ist bis heute die Hauptquelle unserer demokratischen Rechtsstaatlichkeitsvorstellungen. Es handelt sich dabei aber nicht um einen irgendwie ewigen "Wert" sondern schlicht und einfach um die Erfahrung einer sehr effizienten Expansionsstrategie.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon H2O » Mi 26. Sep 2018, 14:05

schokoschendrezki hat geschrieben:(26 Sep 2018, 13:35)

Da bin ich mir nicht so sicher. Jedenfalls nicht, wenn die Kausalbeziehung so dargestellt wird: Unsere Werte sind Demokratie, Rechsstaat, Aufklärung, Humanismus. Und nun bauen wir mal diesen Werten ensprechend das Gebilde EU. Tatsächlich dürfte die Relation eher dialektisch sein. Bestimmte Dinge funktionieren in einer Freihandelsgemeinschaft einfach besser. Es läuft einfach besser so. Und Offenheit und Rechtsstaatlichkeit ist weniger eine Vorgabe als viel mehr eine gute praktische Erfahrung, die man dann gerne nachträglich und selbstgefällig als "Wert" ausgibt.

Der Aufstieg des römischen Reichs ab etwa dem 5. Jh. v. Chr. .... Einen der Mechanismen, die dafür ursächlich waren, kann man grob vereinfacht so zusammenfassen: Die Römer hatten erkannt, dass "Fremde" und "Eroberte" eigentlich auch zu Sklaven, Abgabenverpflichteten und Soldaten gemacht werden können und nicht unbedingt einfach ausgeraubt und hingemordet werden müssen. Dass das die wesentlich effektivere Methode ist. Bis dahin, dass auch Fremde, freigelassene Sklaven zu gewissen Teilen Bürgerrechte bekamen. "Römisches Recht" ist bis heute die Hauptquelle unserer demokratischen Rechtsstaatlichkeitsvorstellungen. Es handelt sich dabei aber nicht um einen irgendwie ewigen "Wert" sondern schlicht und einfach um die Erfahrung einer sehr effizienten Expansionsstrategie.


Demokratie und Rechtsstaat, erster Volltreffer. Nun noch Gewaltenteilung in der Demokratie und Rechtssicherheit im Rechtsstaat. Sodann gegenseitige Anerkennung auf der Grundlage von Gleichheit und Wohnung innerhalb der Gemeinschaft. Nun noch Harmonisierung des Rechtswesens und der Gesetze. Ja, da hat das alte Rom einen guten und grundlegenden Beitrag geleistet. Zulassung eines grenzüberschreitenden fairen Wettbewerbs von Wirtschaft und Gewerbe innerhalb der Gemeinschaft durch gemeinsame Normen für Waren, Dienstleistungen, Maße und Gewichte. Natürlich Niederlassungsfreiheit... das war ja Ihr wesentlicher Punkt.

Das alles sind Werte, die jedem Partner Verzicht auf sein eigenes Jodeldiplom abnötigen.

Bestimmt kann man diese Werteaufzählung fortsetzen. Sie ist die freiwillige Grundlage unserer Gemeinschaft.

Wenn wir nun Humanität und Aufklärung noch ein wenig auswalzen, dann werden Sie sehr bald verstehen, weshalb der eine oder andere Partner sich peinliche Fragen gefallen lassen muß; oder der unabhängige Rechtsstaat und die Rechtssicherheit. Über das Ausmaß von Verletzungen dieser Grundsätze entscheidet der EuGH... also noch eine gemeinsame Veranstaltung, die alle Partner gemeinsam anerkannt haben, damit es in der Gemeinschaft überall mit rechten Dingen zu geht.

Ja, wenn alles das anerkannt ist und auch als tägliche Gepflogenheit gelebt wird... ja dann geht alles das, wovon Sie zu Recht träumen.

Aber wir haben sogar noch mehr: Weithin eine gemeinsame Währung, durchgängige Verkehrsnetze, weiträumig gemeinsame Uhrzeiten und Fahrpläne. Ach ja, wir haben moderne Flugzeuge, und eben ruft mir meine Frau noch zu, daß heute die 100. ARIANE zusätzliche Satelliten ins All gebracht hat. Meine Vermutung: Satelliten vom Typ GALILEO für unser europäisches Navigationssystem. Auch das sind gemeinsame Werte, denn keiner unserer Kleinstaaten hätte es jemals zu weltweit wettbewerbsfähigen Flugzeugen und Raumfahrzeugen gebracht.

Vielleicht verstehen Sie jetzt, weshalb ich mich über Rückfälle ins frühe 20. Jahrhundert so aufregen kann... und sicher verstehen Sie auch, was wir verlieren können.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon Letzter_Hippie » Mi 26. Sep 2018, 14:25

H2O hat geschrieben:(26 Sep 2018, 15:05)
Wenn wir nun Humanität und Aufklärung noch ein wenig auswalzen, dann werden Sie sehr bald verstehen, weshalb der eine oder andere Partner sich peinliche Fragen gefallen lassen muß; oder der unabhängige Rechtsstaat und die Rechtssicherheit. Über das Ausmaß von Verletzungen dieser Grundsätze entscheidet der EuGH... also noch eine gemeinsame Veranstaltung, die alle Partner gemeinsam anerkannt haben, damit es in der Gemeinschaft überall mit rechten Dingen zu geht.


Nun, das obige Zitat über die römische Hegemonialstrategie und Sklaverei macht ja gut deutlich, wie diese "rechten Dinge" aussehen sollen: Vernichtung traditioneller Kulturen, Entwurzelung und Versklavung der Menschen, und dann Umwandlung in geistig gleichgeschaltete "römische Bürger".

In heutiger Zeit, in der das Capitol in Washington steht, und das Weltreich von Konzernen beherrscht wird, heisst das dann eher: Vernichtung traditioneller Kulturen, Entwurzelung und Durchmischung der Menschen und Umwandlung in geist- und seelenlose, roboterhafte Konsumzombies, im Sinne der fortdauernden Profitsicherung.

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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon H2O » Mi 26. Sep 2018, 14:51

Letzter_Hippie hat geschrieben:(26 Sep 2018, 15:25)

Nun, das obige Zitat über die römische Hegemonialstrategie und Sklaverei macht ja gut deutlich, wie diese "rechten Dinge" aussehen sollen: Vernichtung traditioneller Kulturen, Entwurzelung und Versklavung der Menschen, und dann Umwandlung in geistig gleichgeschaltete "römische Bürger".

In heutiger Zeit, in der das Capitol in Washington steht, und das Weltreich von Konzernen beherrscht wird, heisst das dann eher: Vernichtung traditioneller Kulturen, Entwurzelung und Durchmischung der Menschen und Umwandlung in geist- und seelenlose, roboterhafte Konsumzombies, im Sinne der fortdauernden Profitsicherung.

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Wer findet denn solchen Wahnsinn erstrebenswert? Ihre Vorstellungskraft ist wirklich eindrucksvoll. Dem europäischen Projekt wird sie leider nicht gerecht.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon schokoschendrezki » Do 27. Sep 2018, 06:43

Ich stehe weder auf dieser eher traditionalistischen, werteorientierten Seite von H2O noch auf der Seite von hoffnungslos veralteten und aus der Zeit gefallenen linken Parolen von Letzter_Hippie.

Nochmal: In einem Land wie Ungarn werden massiv standortverlagerte Produktions- und Entwicklungs- und Forschungsstätten großer westeuropäischer Unternehmen errichtet. Das BIP im letzten Quartal hatte einen historischen Höchststand an Zuwachs. Orbán verfolgt einen populistischen, antidemokratischen Kurs. Und ist erfolgreich wie nie bei der Bevölkerung. Die Pressefreiheit wird beschnitten. Das Rechtssystem ausgehebelt. Es werden staatliche, gerade mal so umfrisierte antisemitische Kampagnen gefahren. Orbáns Fidesz bleibt in der EVP. Orbán ist nach wie vor "LIeber Freund" der meisten CSU-Europa-Abgeordneten. Ungarn hat historisch gesehen die Öffnung des Eisernen Vorhangs und die ganz große Umwälzung Europas eingeleitet. So. Nun bringt das mal irgendwie zusammen und fasst das in einen kurzen politischen Slogan. Viel Spaß!

Ist es so unverständlich, wenn ich angesichts dessen einfach auf die Minimalforderung "freier Waren- und Personenverkehr" sowie "europaweiter Bürokratieabbau" setze?
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon H2O » Do 27. Sep 2018, 06:56

@schoko
viewtopic.php?f=8&t=64469&p=4308495#p4308495

Kein Zweifel: Ungarn sucht den politischen Konflikt aus einer Position vermeintlicher Stärke; tatsächlich aber geliehener Stärke. Der Konflikt wird sicher vor Gericht (EuGH) geklärt, muß aber auch politisch im EU-Parlament und im EU-Ministerrat ausgetragen werden.

Und erneut: Ihre (nein, auch meine!) Wünsche und Hoffnungen auf freien Waren- und Personenverkehr mit Bürokratieabbau lassen sich nur auf der Grundlage der von mir weiter oben aufgezählten Werte erfüllen. Ansonsten ergibt sich ein sehr einseitiges Verhältnis von Geben und Nehmen, und dann klappen in Europa die Bürgersteige hoch.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon schokoschendrezki » Do 27. Sep 2018, 07:24

H2O hat geschrieben:(27 Sep 2018, 07:56)

@schoko
viewtopic.php?f=8&t=64469&p=4308495#p4308495

Kein Zweifel: Ungarn sucht den politischen Konflikt aus einer Position vermeintlicher Stärke; tatsächlich aber geliehener Stärke. Der Konflikt wird sicher vor Gericht (EuGH) geklärt, muß aber auch politisch im EU-Parlament und im EU-Ministerrat ausgetragen werden.

Und erneut: Ihre (nein, auch meine!) Wünsche und Hoffnungen auf freien Waren- und Personenverkehr mit Bürokratieabbau lassen sich nur auf der Grundlage der von mir weiter oben aufgezählten Werte erfüllen. Ansonsten ergibt sich ein sehr einseitiges Verhältnis von Geben und Nehmen, und dann klappen in Europa die Bürgersteige hoch.


Sie vergessen, dass in diesen ausgelagerten Produktions- und Entwicklungs-Standorten kluge, fleißige ungarische, rumänische, polnische Ingenieure tüfteln und basteln was das Zeug hält und in den Industriehallen Arbeiter zu relativ geringen Löhnen volles Rohr arbeiten. In Deutschland, mal etwas sehr vereinfacht gesagt, wollen die jungen Leute eher TV-Köche oder Staranwälte werden. Können Sie verstehen, dass diese Überheblichkeit des vermeintlichen Gebers den Nationalismus und die EU-Skepsis in diesen Ländern eher noch anfeuern?
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon H2O » Do 27. Sep 2018, 08:01

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Sep 2018, 08:24)

Sie vergessen, dass in diesen ausgelagerten Produktions- und Entwicklungs-Standorten kluge, fleißige ungarische, rumänische, polnische Ingenieure tüfteln und basteln was das Zeug hält und in den Industriehallen Arbeiter zu relativ geringen Löhnen volles Rohr arbeiten. In Deutschland, mal etwas sehr vereinfacht gesagt, wollen die jungen Leute eher TV-Köche oder Staranwälte werden. Können Sie verstehen, dass diese Überheblichkeit des vermeintlichen Gebers den Nationalismus und die EU-Skepsis in diesen Ländern eher noch anfeuern?


Nein, das würde ich überhaupt nicht verstehen, sondern im Bewußtsein meiner Fähigkeiten belustigt zur Kenntnis nehmen, vielleicht sogar meine überheblichen Kollegen veralbern. Mir ist im ganzen Berufsleben weder in Europa noch in Süd-Amerika noch in Asien ein solcher Hochmut begegnet... übrigens auch nicht im deutschen Ost-West-Verhältnis. Da war der gemeinsame Erfolg unser Antrieb. Besser sein als der Wettbewerber!

Ich vermute hinter solchem Verhalten andere Beweggründe. Allerdings fallen die mir nicht ein, weil sie mir so fremd sind.
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon Letzter_Hippie » Do 27. Sep 2018, 10:00

schokoschendrezki hat geschrieben:(27 Sep 2018, 07:43)
hoffnungslos veralteten und aus der Zeit gefallenen linken Parolen von Letzter_Hippie.


Wow. Bist Du Dir sicher dass Du Dich da nicht vertippt hast?
Oder anders gefragt: weiss hier überhaupt jemand was er will (ausser natürlich die Profite)?
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Re: Wie abwegig ist es mit Rauswurf aus der EU zu drohen für mangelhafte Solidarität (Ungarn, Polen, Tschechien, Slovake

Beitragvon schokoschendrezki » Do 27. Sep 2018, 12:33

Letzter_Hippie hat geschrieben:(27 Sep 2018, 11:00)

Wow. Bist Du Dir sicher dass Du Dich da nicht vertippt hast?
Oder anders gefragt: weiss hier überhaupt jemand was er will (ausser natürlich die Profite)?


Die Profite? Als wenn ich da die Wahl hätte. "Leider" hätte ich beinahe gesagt ... aber willl ich eigentlich auch nicht.

In heutiger Zeit, in der das Capitol in Washington steht, und das Weltreich von Konzernen beherrscht wird, heisst das dann eher: Vernichtung traditioneller Kulturen, Entwurzelung und Durchmischung der Menschen und Umwandlung in geist- und seelenlose, roboterhafte Konsumzombies, im Sinne der fortdauernden Profitsicherung.

In den meisten Ländern Osteuropas findet etwas völlig anderes statt: Die Entmischung von Menschen. Kroaten, Serben, Slowenen, Albanier, Mazeodnier, die jahrelang Haus and Haus friedlich zusammenlebten, glauben, das unter keinen Umständen mehr tun zu können. Slowaken und Tschechen haben vor nicht allzulanger Zeit einen eigenen Staat gegründet. Juden ziehen sich in Ungarn wegen antisemitischer Umtriebe von der Provinz in die Hauptstadt (oder gleich nach Israel) zurück. Angehörige der Roma werden völlig zurückgedrängt. Entmischung überall wo man hinschaut und auf ganzer Breite.

Dafür eine Renaissance und Wiederbelebung "traditioneller Kulturen" (und Religionen) in einem Maße, das es in den meisten Fällen an schlimmen Nationalismus grenzt.

"Konsum" gibt es selbstverständlich. Und ob! Aber keinen "roboterhaften". In einer Stadt wie Budapest oder Breslau oder Prag wissen sich die meisten Menschen im Durschnitt (nach meinem Eindruck) um einiges geschmackvoller zu kleiden als etwa in Berlin oder Hamburg. Und streifen dafür kenntnisreich durch verschiedene Warenhäuser und Boutiquen... EInfach mal selbst hinfahren und nicht solche Plattitüden daherreden.

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