Macron und die Folgen

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Fliege
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Fliege » Mo 4. Jun 2018, 19:18

yogi61 hat geschrieben:(04 Jun 2018, 19:55)

Macrons Vorschläge wurden heute von Merkel abgebügelt. Paris zeigt sich tief enttäuscht und Macron wurde kurz mal entzaubert.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/a ... 11172.html

Ich würde Macron ebenfalls sagen: Mache zunächst deine Schröder-Reform, lasse fünf Jahre ins Land gehen, und anschließend können wir
reden. ;-)
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein.
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Senexx
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Senexx » Mo 4. Jun 2018, 20:05

Macron ist ein Leichtgewicht und Hasardeur.

Heute war in Le Monde eine Analyse zu lesen über sein gescheitertes Antichambrieren bei Putin und seine Speichelleckerei.

Vielleicht poste ich dazu noch ausführlicher.
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H2O
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon H2O » Mo 4. Jun 2018, 20:57

In Frankreich gibt es ewig gestrige Kräfte, die ihren Präsidenten scheitern sehen möchten. Was bleibt dem Mann weiter übrig, als beharrlich seinen vorgezeichneten Weg zu verfolgen, um beim nächsten nationalen Wahlgang den Erfolg seines Programms vorstellen zu können? Bis dahin hat er noch 4 Jahre Arbeit vor sich.

Auch in Deutschland gibt es Kräfte, die gern schlechte Nachrichten verbreiten, weil die mehr Aufmerksamkeit finden als gute. Die Kanzlerin wird ihre Darlegungen sicher nicht als Ergebnis von Verhandlungen mit Frankreich über das gemeinsame Vorgehen in der EU verstehen, sondern als Einstieg in diese Gespräche.

Irgendwann in den nächsten Wochen wird es eine gemeinsame Erklärung dazu geben, auf deren Grundlage das Gespräch mit den übrigen Partnern begonnen werden kann. Dabei wird es am Ende weitere Verschiebungen von Schwerpunkten geben... alles andere wäre verwunderlich.

Aber ebenso "irgendwann" wird es auch harte Entscheidungen geben müssen, wenn die EU als Gemeinschaft verläßlicher Partner weiter bestehen will. Das werden dann wirklich schlechte Nachrichten sein.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Alpha Centauri » Mo 4. Jun 2018, 21:31

Senexx hat geschrieben:(04 Jun 2018, 21:05)

Macron ist ein Leichtgewicht und Hasardeur.

Heute war in Le Monde eine Analyse zu lesen über sein gescheitertes Antichambrieren bei Putin und seine Speichelleckerei.

Vielleicht poste ich dazu noch ausführlicher.


Ach komm znd andere wie Merkel.lecken keinen ( vor allem neuerdings) chinesischen Speichel? :cool:
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Alpha Centauri » Mo 4. Jun 2018, 21:34

H2O hat geschrieben:(04 Jun 2018, 21:57)

In Frankreich gibt es ewig gestrige Kräfte, die ihren Präsidenten scheitern sehen möchten. Was bleibt dem Mann weiter übrig, als beharrlich seinen vorgezeichneten Weg zu verfolgen, um beim nächsten nationalen Wahlgang den Erfolg seines Programms vorstellen zu können? Bis dahin hat er noch 4 Jahre Arbeit vor sich.

Auch in Deutschland gibt es Kräfte, die gern schlechte Nachrichten verbreiten, weil die mehr Aufmerksamkeit finden als gute. Die Kanzlerin wird ihre Darlegungen sicher nicht als Ergebnis von Verhandlungen mit Frankreich über das gemeinsame Vorgehen in der EU verstehen, sondern als Einstieg in diese Gespräche.

Irgendwann in den nächsten Wochen wird es eine gemeinsame Erklärung dazu geben, auf deren Grundlage das Gespräch mit den übrigen Partnern begonnen werden kann. Dabei wird es am Ende weitere Verschiebungen von Schwerpunkten geben... alles andere wäre verwunderlich.

Aber ebenso "irgendwann" wird es auch harte Entscheidungen geben müssen, wenn die EU als Gemeinschaft verläßlicher Partner weiter bestehen will. Das werden dann wirklich schlechte Nachrichten sein.


Oder sie schwärmen vom deutschen Heldentum der Weltkriegssoldaten oder beklagen.einen manischen Schuldkult denn dass bringt Schlagzeilen und damit Aufmerksamkeit, durchschaubares Verhalten der ewig Gestrigen.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Senexx » Mo 4. Jun 2018, 23:03

Auch der Corriere berichtet heute, dass Macron den Schulterschluss mit Italien sucht, um den deutschen Einfluss in Europa einzudämmen.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon H2O » Di 5. Jun 2018, 04:27

Senexx hat geschrieben:(05 Jun 2018, 00:03)

Auch der Corriere berichtet heute, dass Macron den Schulterschluss mit Italien sucht, um den deutschen Einfluss in Europa einzudämmen.


Ja, das ist doch prima; dann wird Italien trotz seiner merkwürdigen Koalition wieder enger in die EU eingebunden... denn sonst wäre ein solcher Gedanke sinnlos. Soll Frau Merkel jetzt den Schulterschluß mit Putin suchen, um dem Einfluß der Welschen in der EU etwas entgegen zu setzen? Die Journaille kommt nicht los vom 19. Jahrhundert! :mad2:
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Orbiter1 » Di 5. Jun 2018, 06:13

Senexx hat geschrieben:(05 Jun 2018, 00:03)

Auch der Corriere berichtet heute, dass Macron den Schulterschluss mit Italien sucht, um den deutschen Einfluss in Europa einzudämmen.
Ja, und m nächsten Schritt kündigt Macron die deutsch-französische Freundschaft und baut mit den Populisten in Italien die EU der Zukunft auf. Da wünsche ich viel Glück!
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon DagDag » Di 5. Jun 2018, 06:34

H2O hat geschrieben:(05 Jun 2018, 05:27)

Ja, das ist doch prima; dann wird Italien trotz seiner merkwürdigen Koalition wieder enger in die EU eingebunden... denn sonst wäre ein solcher Gedanke sinnlos. Soll Frau Merkel jetzt den Schulterschluß mit Putin suchen, um dem Einfluß der Welschen in der EU etwas entgegen zu setzen? Die Journaille kommt nicht los vom 19. Jahrhundert! :mad2:

Ist doch schön wenn Deutschland eingedämmt wird bevor die Nazen wieder regieren. Dann kann man das schlimmste vielleicht verhindern.
Aber mit Italien..... :?
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon TheManFromDownUnder » Di 5. Jun 2018, 07:00

H2O hat geschrieben:(10 May 2018, 21:38)

Ich finde es aber erfrischend, daß ein Freund frisch von der Leber weg das sagt, was ihn bewegt. Kein vernünftiger Mensch möchte eine verdruckste Stimmung zwischen Deutschen und Franzosen, wo der jeweils andere sich fürchten muß, in ein bereitgestelltes Fettnäpfchen zu treten.

Ihre wiederholte Kritik an der Person Macron wird diese Grundeinstellung nicht verändern.

Die Kanzlerin hat noch in ihrer Lobrede auf Präsident Macron darauf hingewiesen, daß beide in etlichen Fragen unterschiedliche Auffassungen vertreten, die man in Gesprächen durch Kompromisse ausgleichen möchte. Sie freue sich schon auf die Arbeit auf diesem gemeinsamen Weg.

Präsident Macron hat den Karlspreis redlich verdient, weil er in seiner noch kurzen Amtszeit und auch schon in seinen Wahlkämpfen mehr Lösungsideen für die Neuaufstellung der EU aufgegriffen hat als so mancher andere Mitläufer in Europa in seinem ganzen politischen Leben!


Finde ich auch und es ist erfrischend einen europaeischen Staatschef zu sehen, der Europa will und sich nicht scheut fuer den Buednispartner unbequeme Vorschlaege zu machen. Merkel ist zu unbeweglich und festgefahren wenn es darum geht die EU mit neuen Ideen zu beleben.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon H2O » Di 5. Jun 2018, 12:21

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(05 Jun 2018, 08:00)

Finde ich auch und es ist erfrischend einen europaeischen Staatschef zu sehen, der Europa will und sich nicht scheut fuer den Buednispartner unbequeme Vorschlaege zu machen. Merkel ist zu unbeweglich und festgefahren wenn es darum geht die EU mit neuen Ideen zu beleben.


Nach dem jüngsten Pressegespräch bin ich von der Kanzlerin nicht mehr so tief enttäuscht; sie hat einen hohen Preis für spontane Mitmenschlichkeit gegenüber gestrandeten Flüchtlingen bezahlt. So eine Dummheit wird sie sich nie wieder leisten... obwohl ich weder das eine (Mitmenschlichkeit für Menschen in Not) noch das andere (das europäische Projekt) für eine Dummheit halte. Sie will die EU der 27 Partner weiter entwickeln, Präsident Macron die vertiefte Zusammenarbeit voran treiben, indem er mit der Euro-Gruppe voraus eilt. Ich sehe da viele gemeinsame Möglichkeiten: Das eine tun, das andere nicht lassen.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Orbiter1 » Di 5. Jun 2018, 13:24

H2O hat geschrieben:(05 Jun 2018, 13:21)

Sie will die EU der 27 Partner weiter entwickeln, Präsident Macron die vertiefte Zusammenarbeit voran treiben, indem er mit der Euro-Gruppe voraus eilt. Ich sehe da viele gemeinsame Möglichkeiten: Das eine tun, das andere nicht lassen.
Nach meinem Verständnis geht es nicht um Weiterentwicklung der EU 27 vs. Vertiefung der Euro-Gruppe sondern um Beibehaltung der Austeritätspolitik (Reformen, Ausgabedisziplin, ... das wollen Mittel-/Nord- und Osteuropa) vs Transferunion (Schuldenvergemeinschaftung, Dauersubventionierung, ... das will Südeuropa). Macron ist aus meiner Sicht jemand der versucht die beiden Positionen zu versöhnen. Seinem Land verordnet er Reformen (ob er damit nachhaltig durchkommt muß man aber abwarten), aber ansonsten vertritt er die Position der Südeuropäer und will eine Transferunion, auch wenn er es anders nennt. Was die ganze Sache extrem schwierig macht ist der um sich greifende Nationalismus und Populismus in den EU-Staaten. Geht es mehr in Richtung Austeritätspolitik wird in den reformunwilligen Staaten der Nationalismus und Populismus immer stärker, geht es mehr in Richtung Transferunion passiert das in den anderen Staaten. Am Ende läuft es entweder auf einen faulen Kompromiss hinaus (etwas weniger Austeritätspolitik und etwas mehr Transferunion), der niemandem wirklich hilft oder die Eurozone (und im Schlepptau die EU) fliegt auseinander. Da hoffe ich eher auf ein Auseinanderfliegen mit Neuanfang eines EU-Nachfolgeorganisation. Dann dürfen aber nur noch Länder dabei sein die von der Mentalität und den Wirtschaftszahlen zusammenpassen. Wenn es schlecht läuft haben die Staaten Europas aber hinterher für viele Jahrzehnte keine Lust mehr auf Gemeinschaft.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Senexx » Di 5. Jun 2018, 13:37

Macron ist die Abrissbirne Europas.
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Orbiter1 » Di 5. Jun 2018, 14:06

Senexx hat geschrieben:(05 Jun 2018, 14:37)

Macron ist die Abrissbirne Europas.
Würden sie das bitte kurz begründen.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon H2O » Di 5. Jun 2018, 14:48

Orbiter1 hat geschrieben:(05 Jun 2018, 14:24)

Nach meinem Verständnis geht es nicht um Weiterentwicklung der EU 27 vs. Vertiefung der Euro-Gruppe sondern um Beibehaltung der Austeritätspolitik (Reformen, Ausgabedisziplin, ... das wollen Mittel-/Nord- und Osteuropa) vs Transferunion (Schuldenvergemeinschaftung, Dauersubventionierung, ... das will Südeuropa). Macron ist aus meiner Sicht jemand der versucht die beiden Positionen zu versöhnen. Seinem Land verordnet er Reformen (ob er damit nachhaltig durchkommt muß man aber abwarten), aber ansonsten vertritt er die Position der Südeuropäer und will eine Transferunion, auch wenn er es anders nennt. Was die ganze Sache extrem schwierig macht ist der um sich greifende Nationalismus und Populismus in den EU-Staaten. Geht es mehr in Richtung Austeritätspolitik wird in den reformunwilligen Staaten der Nationalismus und Populismus immer stärker, geht es mehr in Richtung Transferunion passiert das in den anderen Staaten. Am Ende läuft es entweder auf einen faulen Kompromiss hinaus (etwas weniger Austeritätspolitik und etwas mehr Transferunion), der niemandem wirklich hilft oder die Eurozone (und im Schlepptau die EU) fliegt auseinander. Da hoffe ich eher auf ein Auseinanderfliegen mit Neuanfang eines EU-Nachfolgeorganisation. Dann dürfen aber nur noch Länder dabei sein die von der Mentalität und den Wirtschaftszahlen zusammenpassen. Wenn es schlecht läuft haben die Staaten Europas aber hinterher für viele Jahrzehnte keine Lust mehr auf Gemeinschaft.


Bei Präsident Macron hat sich der Eindruck festgesetzt, daß man mit einigen unserer EU-Partner keine vertiefte Gemeinschaft bilden kann... nicht weil sie arm und hilfsbedürftig wären, sondern weil ihnen das europäische Projekt, die immer tiefer zusammenwachsende Gemeinschaft, keine Herzensangelegenheit ist. Deshalb waren seine Vorschläge auf die Euro-Gruppe beschränkt, von der er mit einiger Berechtigung mehr guten Willen für eine sich vertiefende Gemeinschaft erwartet.

Da sollte ein gemeinsamer Wirtschafts- und Finanzminister die Haushalte überwachen und Mittel zur Entwicklung dieser Staaten zuteilen. Da sollte ein gemeinsamer Fonds gebildet werden, in den die Geberländer ein zahlen und über die der Euro-Finanzminister dann administrativ verfügt. Da sollte ein Parlament gebildet werden, dem nur Euro-Partner angehören sollten.

Die deutsche Seite hat nur das Wort "gemeinsame Finanzen" gehört, und damit war das Ding gelaufen., Pfui Deibel, die Transferunion droht. Niemals... Sie hätte natürlich auch mit Nachdruck diese Entwicklung voran treiben können, indem sie über die Vorschläge Macrons hinaus weitere gemeinsame Minister für Verteidigung, Sicherheitsdienste, Grenzschutz, Harmonisierung des Sozialwesens, ...und, und... ins Spiel gebracht hätte. Das wäre aus meiner Sicht die Gelegenheit gewesen, die Europabegeisterung Macrons zu testen und tatsächlich das europäische Projekt voran zu bringen... um den Preis einer Trennung vom Partnern, die davon gar nichts halten, obwohl sie dem Vertrag von Lissabon beigetreten waren.

Dieses Ergebnis fand nie die Zustimmung von EU-Kommissionspräsident Juncker, der immer die 27 zusammen durch das Ziel bringen wollte. Bei SPD-Schultz hätte man hoffen können, daß er auf diesen Zug begeistert aufspringt und dafür kämpft... aber dann hat ihn wohl der Mut verlassen, weil seine Partei nicht an einen Erfolg dieser Zielvorstellung glaubte. Jetzt haben sie 16%...

Aber es gab in Europa auch in der Euro-Gruppe weitere Gegner der ganz großen Lösung. Denen war die Vorherrschaft D & F unheimlich. Diesen Ball hat die Kanzlerin aufgenommen und grundsätzlich gelten ihre Vorschläge für die gesamte EU, also auch der Entwicklungsfonds, der aus den Instrumenten zur Rettung des Euros entwickelt werden soll. Gemeinsame Verteidigung, ja, aber. Entzug von EU-Mitteln für Vertragsverletzer, nein, eher nicht, aber vielleicht keine Mittel aus dem Entwicklungsfonds. Gemeinsame Verteidigung, ja, aber erst einmal auf Rüstungsvorhaben beschränkt, Parlamentsarmee und so.

Dieser Unterschied ist doch überdeutlich.

Ich meine, daß man auf der Grundlage beider Vorschlagspakete etwas aufbauen könnte: Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Das eine tun gemeinsam mit jenen Partnern, die dafür gewonnen werden können, das andere eben so fortsetzen als gäbe es die Kernbildung in der EU gar nicht. Aber dazu gehört politischer Mut und politische Phantasie, und die fehlt dieser GroKo völlig. Ein ziemlich verzagter Haufen.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon Senexx » Di 5. Jun 2018, 15:19

Orbiter1 hat geschrieben:(05 Jun 2018, 15:06)

Würden sie das bitte kurz begründen.


Mit seinem Europa der zwei Geschwindigkeiten und den Strafaktionen treibt er die Osteuropäer weiter in die Arme der Nationalisten.

Mit seinen Finanzideen und seiner Schuldenunion stärkt er den Widerstand der wirtschaftlich starken Ländern und stärkt dort populistische Parteien.

Es ist krass, dass ein Newcomer, ein Grünschnabel, eine solche Sprengkraft entwickelt.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon unity in diversity » Di 5. Jun 2018, 16:31

Senexx hat geschrieben:(05 Jun 2018, 16:19)

Mit seinem Europa der zwei Geschwindigkeiten und den Strafaktionen treibt er die Osteuropäer weiter in die Arme der Nationalisten.

Mit seinen Finanzideen und seiner Schuldenunion stärkt er den Widerstand der wirtschaftlich starken Ländern und stärkt dort populistische Parteien.

Es ist krass, dass ein Newcomer, ein Grünschnabel, eine solche Sprengkraft entwickelt.

Wer den Neoliberalismus von Merkel und Macron nicht länger ertragen will, sucht sich halt andere Bündnisse.
So wie der Ösi Kurz.
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon LiberalKonservativ » Di 5. Jun 2018, 20:28

H2O hat geschrieben:(05 Jun 2018, 13:21)

Nach dem jüngsten Pressegespräch bin ich von der Kanzlerin nicht mehr so tief enttäuscht; sie hat einen hohen Preis für spontane Mitmenschlichkeit gegenüber gestrandeten Flüchtlingen bezahlt. So eine Dummheit wird sie sich nie wieder leisten... obwohl ich weder das eine (Mitmenschlichkeit für Menschen in Not) noch das andere (das europäische Projekt) für eine Dummheit halte. Sie will die EU der 27 Partner weiter entwickeln, Präsident Macron die vertiefte Zusammenarbeit voran treiben, indem er mit der Euro-Gruppe voraus eilt. Ich sehe da viele gemeinsame Möglichkeiten: Das eine tun, das andere nicht lassen.


Ich habe weder bei Merkel noch bei Macron auch nur im geringsten gehört, wie sie gedenken die Bürger am Entwicklungsprozess zu beteiligen. Und ich bin nach dem Pressegespräch eher erschrocken, wie weit Merkel da "weiter integrieren" will. Sie stößt das Tor zur Transferunion ja meter weit auf. Ohne Bürgerbeteiligung wird uns das spätestens dermaßen um die Ohren fliegen. Eine notwendige, aber bei weitem nicht hinreichende, Bedingung für eine Transferunion sind gleiche Steuersätze, Renten, etc.. Es ist schlicht ungerecht und asozial, wenn das Land mit einer der höchsten Steuer und Abgabelasten die ganze Zeit die Party in anderen Ländern finanzieren soll.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon LiberalKonservativ » Di 5. Jun 2018, 20:33

Orbiter1 hat geschrieben:(05 Jun 2018, 14:24)

Nach meinem Verständnis geht es nicht um Weiterentwicklung der EU 27 vs. Vertiefung der Euro-Gruppe sondern um Beibehaltung der Austeritätspolitik (Reformen, Ausgabedisziplin, ... das wollen Mittel-/Nord- und Osteuropa) vs Transferunion (Schuldenvergemeinschaftung, Dauersubventionierung, ... das will Südeuropa). Macron ist aus meiner Sicht jemand der versucht die beiden Positionen zu versöhnen. Seinem Land verordnet er Reformen (ob er damit nachhaltig durchkommt muß man aber abwarten), aber ansonsten vertritt er die Position der Südeuropäer und will eine Transferunion, auch wenn er es anders nennt. Was die ganze Sache extrem schwierig macht ist der um sich greifende Nationalismus und Populismus in den EU-Staaten. Geht es mehr in Richtung Austeritätspolitik wird in den reformunwilligen Staaten der Nationalismus und Populismus immer stärker, geht es mehr in Richtung Transferunion passiert das in den anderen Staaten. Am Ende läuft es entweder auf einen faulen Kompromiss hinaus (etwas weniger Austeritätspolitik und etwas mehr Transferunion), der niemandem wirklich hilft oder die Eurozone (und im Schlepptau die EU) fliegt auseinander. Da hoffe ich eher auf ein Auseinanderfliegen mit Neuanfang eines EU-Nachfolgeorganisation. Dann dürfen aber nur noch Länder dabei sein die von der Mentalität und den Wirtschaftszahlen zusammenpassen. Wenn es schlecht läuft haben die Staaten Europas aber hinterher für viele Jahrzehnte keine Lust mehr auf Gemeinschaft.


Wenn der Euro scheitert, scheitert nicht Europa. Das war so der ziemlich blödest Unfug, den Merkel jemals von sich gab. Der Euro ist eine Zwangsjacke, die nur Unfrieden stiftet. Nord- und Südeuro in jeweils homogenen Räumen könnte noch funktionieren, aber die Länder der Eurozone und erst recht der EU sind zu heterogen, um zentral gesteuert zu werden. Diese Brüssler Zwangszentralisierung ist es, was Europa spaltet. Die demokratische Zukunft gehört noch immer den weitgehend souveränen in Frieden und Kooperation lebenden Nationalstaaten und nicht irgendwelchen antidemokratischen supranationalen Organisationen.
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Re: Macron und die Folgen

Beitragvon LiberalKonservativ » Di 5. Jun 2018, 20:42

H2O hat geschrieben:(05 Jun 2018, 15:48)

Bei Präsident Macron hat sich der Eindruck festgesetzt, daß man mit einigen unserer EU-Partner keine vertiefte Gemeinschaft bilden kann... nicht weil sie arm und hilfsbedürftig wären, sondern weil ihnen das europäische Projekt, die immer tiefer zusammenwachsende Gemeinschaft, keine Herzensangelegenheit ist. Deshalb waren seine Vorschläge auf die Euro-Gruppe beschränkt, von der er mit einiger Berechtigung mehr guten Willen für eine sich vertiefende Gemeinschaft erwartet.

Da sollte ein gemeinsamer Wirtschafts- und Finanzminister die Haushalte überwachen und Mittel zur Entwicklung dieser Staaten zuteilen. Da sollte ein gemeinsamer Fonds gebildet werden, in den die Geberländer ein zahlen und über die der Euro-Finanzminister dann administrativ verfügt. Da sollte ein Parlament gebildet werden, dem nur Euro-Partner angehören sollten.

Die deutsche Seite hat nur das Wort "gemeinsame Finanzen" gehört, und damit war das Ding gelaufen., Pfui Deibel, die Transferunion droht. Niemals... Sie hätte natürlich auch mit Nachdruck diese Entwicklung voran treiben können, indem sie über die Vorschläge Macrons hinaus weitere gemeinsame Minister für Verteidigung, Sicherheitsdienste, Grenzschutz, Harmonisierung des Sozialwesens, ...und, und... ins Spiel gebracht hätte. Das wäre aus meiner Sicht die Gelegenheit gewesen, die Europabegeisterung Macrons zu testen und tatsächlich das europäische Projekt voran zu bringen... um den Preis einer Trennung vom Partnern, die davon gar nichts halten, obwohl sie dem Vertrag von Lissabon beigetreten waren.

Dieses Ergebnis fand nie die Zustimmung von EU-Kommissionspräsident Juncker, der immer die 27 zusammen durch das Ziel bringen wollte. Bei SPD-Schultz hätte man hoffen können, daß er auf diesen Zug begeistert aufspringt und dafür kämpft... aber dann hat ihn wohl der Mut verlassen, weil seine Partei nicht an einen Erfolg dieser Zielvorstellung glaubte. Jetzt haben sie 16%...

Aber es gab in Europa auch in der Euro-Gruppe weitere Gegner der ganz großen Lösung. Denen war die Vorherrschaft D & F unheimlich. Diesen Ball hat die Kanzlerin aufgenommen und grundsätzlich gelten ihre Vorschläge für die gesamte EU, also auch der Entwicklungsfonds, der aus den Instrumenten zur Rettung des Euros entwickelt werden soll. Gemeinsame Verteidigung, ja, aber. Entzug von EU-Mitteln für Vertragsverletzer, nein, eher nicht, aber vielleicht keine Mittel aus dem Entwicklungsfonds. Gemeinsame Verteidigung, ja, aber erst einmal auf Rüstungsvorhaben beschränkt, Parlamentsarmee und so.

Dieser Unterschied ist doch überdeutlich.

Ich meine, daß man auf der Grundlage beider Vorschlagspakete etwas aufbauen könnte: Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Das eine tun gemeinsam mit jenen Partnern, die dafür gewonnen werden können, das andere eben so fortsetzen als gäbe es die Kernbildung in der EU gar nicht. Aber dazu gehört politischer Mut und politische Phantasie, und die fehlt dieser GroKo völlig. Ein ziemlich verzagter Haufen.


Wir hatten das schon mal in nem anderen Strang diskutiert...
Macht endlich in jedem Land ein Volksbegehren zu dem Thema "immer tiefer zusammenwachsende Gemeinschaft". Das will vermutlich nicht einmal eine Mehrheit in Deutschland. Und wenn Sie das nicht akzeptieren wollen, sind Sie schlicht kein Demokrat. Wenn es eine Mehrheit gibt, dann gründet die United States of Europe, ich bin der letzte der das dann anfechten würde, da ich Mehrheitsentscheidungen akzeptiere. Was ich aber nicht akzeptiere ist dieses antidemokratische Vorgehen. Zumal ein derat heterogenes und komplexes Konstrukt inheränt andidemokratisch geführt werden wird.
Die Sozis in Persona Martin Schulz schaufeln sich mit diesem United States of Europe Nationalismus und mit ihrer open borders Agenda ihr eigenes Grab:
http://pubman.mpdl.mpg.de/pubman/item/e ... 7_1208.pdf
http://www.zeit.de/2017/18/europaeische ... ettansicht
https://www.welt.de/debatte/kommentare/ ... sitesearch
http://www.deutschlandfunkkultur.de/abs ... _id=410341

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