Rückbau der EU

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Senexx
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Rückbau der EU

Beitragvon Senexx » Do 11. Mai 2017, 00:35

Es ist nicht zu übersehen, die Eu steckt in einer tiefen Krise. Der Brexit ist nur das letzte einer ganzen Reihe von Alarmzeichen.

Hauptursache ist, dass die EU sich immer weitere Kompetenzen anmaßt. Entscheidungen werden von den Bürgern weg verlagert, ins ferne, gefräßige, fette Brüssel.

Es kann keinen Zweifel geben, dass die EU verschlankt und zurückgebaut werden muss. Aber wie?

Vorschläge, was zu tun ist?
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon ebi80 » Do 11. Mai 2017, 01:39

Noch schlanker? Ist doch fast nichts da. Neuerungen müssen her. Keine Zerstörungswut.
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unity in diversity
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon unity in diversity » Do 11. Mai 2017, 01:58

Rückbau?
Der ist ein Selbstläufer geworden, wenn sich nichts ändert.
Ursache ist nicht die Kompetenzanmaßung Brüssels in immer unwichtiger werdenden Fragen.
Die richtig wichtigen Standortfragen gibt nämlich keiner von den zerstrittenen Zwergen irgendwohin ab.
Die verstecken sich hinter den Eurostabilitätskriterien, damit die Konvergenzkriterien unter den Tisch fallen können, die sie sich 1992 gegeben haben.
Einige EU-Länder sind schlicht abgegrast und wenn die rausgeschmissen werden, kommt schlechte Stimmung auf.
Läßt man die Abgehängten drin, greift die Deflation weiter um sich und das verarmt die Länder, in denen noch relativer Wohlstand herrscht, zusätzlich.
Insgesamt kann sich die EU immer weniger am Weltmarkt behaupten.
Weil die Innovationsschwäche unter deflationären Bedingungen kaum behoben werden kann.
Darum versucht man sich im Fach Insolvenzverschleppung, indem man veraltete Güter zu immer billigeren Preisen auf den Weltmarkt wirft.
Ob der immer ungleicher gewordene Hühnerstall jetzt noch zu einer koordinierten Standortpolitik fähig wird?
Vereinigte Staaten müssen in allen belangreichen Fragen mit einer Stimme auftreten.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Senexx » Do 11. Mai 2017, 06:38

Erster Posten wäre natürlich das EU-Parlament. Dieses veranstaltet mehrmals jährlich einen Wanderzirkus. Es gibt schon lange Vorschläge, diesen einzustellen.

Überhaupt ist es ziemlich überflüssig. Gesetzgeberische Kompetenzen hat es keine, kaum jemand nimmt an den Wahlen teil, niemand kennt seinen Abgeordneten, die ja auch keine Wahlkreisarbeit machen, sich nicht als Interessenvertreter ihrer Wähler verstehen, sondern als Promotoren Europas.

Das wäre in etwa so, als würde sich die Bundestagsabgeordneten als Agenten der Bundesrepublik verstehen.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Senexx » Do 11. Mai 2017, 06:47

Auch bei der Kommission kann gespart werden, hat anscheinend auch Junker erkannt. Oettinger soll nicht Vizepräsident werden. Sensationelle 2000 Euro werden dadurch jeden Monat gespart.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/g ... 47112.html :thumbup:
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Sozialdemokrat » Do 11. Mai 2017, 06:49

Europa braucht mehr Kompetenzen und nicht weniger. Nur so könnten die EU-Aussengrenzen gesichert werden.....Deutschland weiss nicht, wie man Grenzen sichert. Wir brauchen Europa!
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon ebi80 » Do 11. Mai 2017, 06:54

Sozialdemokrat hat geschrieben:(11 May 2017, 07:49)

Europa braucht mehr Kompetenzen und nicht weniger. Nur so könnten die EU-Aussengrenzen gesichert werden.....Deutschland weiss nicht, wie man Grenzen sichert. Wir brauchen Europa!

Hast du eigentlich nichts anderes als Flüchtlinge im Kopf. Darum geht es hier gar nicht. :dead:
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Adam Smith » Do 11. Mai 2017, 07:13

ebi80 hat geschrieben:(11 May 2017, 07:54)

Hast du eigentlich nichts anderes als Flüchtlinge im Kopf. Darum geht es hier gar nicht. :dead:

Die Polen wünschen sich in dieser Hinsicht weniger EU.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Mai 2017, 07:54

Adam Smith hat geschrieben:(11 May 2017, 08:13)

Die Polen wünschen sich in dieser Hinsicht weniger EU.

Die kritische Haltung einer Mehrheit der Polen in Hinsicht auf Flüchtlingsaufnahme hat nix mit der Haltung zur EU zu tun. In keinem anderen europäischen Land gibt es eine positivere Haltung der Bevölkerung zur EU. Ich kann es nicht oft genug betonen. Dass die Polen gleichzeitig mit der PiS eine betont EU-kritische Regierung gewählt haben, gehört einfach zu den Widersprüchligkeiten einer komplexen politischen Weltlage. Die EU-Kritik dieser Regierung (ebenso wie die der ungarischen Regierung) zielt auch keineswegs - wie in UK - auf einen EU-Austritt sondern auf eine EU-Veränderung ab. Man hält sich für stark genug, dies zu bewirken. Meine persönliche Ansicht ist, dass dies mit der Rückendeckung zu tun hat, die diese Länder von seiten konservativer Kräfte in Europa wie etwa der deutschen CSU bekommen, die dies nur nicht so offen zur Schau stellen wollen. Es hat ganz sicher und hundertprozentig nix mit der Spitzenstellung bei den EU-Förderbeiträgen zu tun. Diese Argumentation geht selbst bei bei Netto-Einzahlern wie UK daneben. Auch dort werden Gemeindezentren oder Radwege mit EU-Fördergeldern bezahlt, die nun in Kürze nicht mehr fließen.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Sozialdemokrat » Do 11. Mai 2017, 07:57

ebi80 hat geschrieben:(11 May 2017, 07:54)

Hast du eigentlich nichts anderes als Flüchtlinge im Kopf. Darum geht es hier gar nicht. :dead:

Ich sprach von Grenzsicherung und nicht von "Flüchtlingen". Das ist ein himmelweiter Unterschied. Eigentlich gibt es da gar keinen Zusammenhang.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Sozialdemokrat » Do 11. Mai 2017, 08:03

Adam Smith hat geschrieben:(11 May 2017, 08:13)

Die Polen wünschen sich in dieser Hinsicht weniger EU.

Es ist nicht so lange her, da hatten wir innerhalb Europas so gut wie keine Grenzkontrollen mehr. Schengen war keine Illusion sondern Realität. Die EU befindet sich diesbezüglich in einer Rückbauphase. So gibt es jetzt zum Beispiel wieder Grenzkontrollen zwischen den Schengen-Staaten Österreich und Slowenien. Die Ungarn streben ein Europa ohne interne Grenzkontrollen an. Darum sichern sie die Schengen-Außengrenze auf eine professionelle Weise.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Mai 2017, 08:06

Sozialdemokrat hat geschrieben:(11 May 2017, 08:57)

Ich sprach von Grenzsicherung und nicht von "Flüchtlingen". Das ist ein himmelweiter Unterschied. Eigentlich gibt es da gar keinen Zusammenhang.

Realiter ist das Modell "Festung Europa" gerade die Geschäftsgrundlage für kommerziell arbeitende Schlepperbanden. Wir brauchen ein offenes Europa.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Sozialdemokrat » Do 11. Mai 2017, 08:15

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2017, 09:06)

Realiter ist das Modell "Festung Europa" gerade die Geschäftsgrundlage für kommerziell arbeitende Schlepperbanden. Wir brauchen ein offenes Europa.

Wir brauchen ein offenes und freies Europa. Das kann es nur geben mit funktionierender Sicherung der EU-Außengrenzen.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon H2O » Do 11. Mai 2017, 08:24

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2017, 08:54)

Die kritische Haltung einer Mehrheit der Polen in Hinsicht auf Flüchtlingsaufnahme hat nix mit der Haltung zur EU zu tun. In keinem anderen europäischen Land gibt es eine positivere Haltung der Bevölkerung zur EU. Ich kann es nicht oft genug betonen. Dass die Polen gleichzeitig mit der PiS eine betont EU-kritische Regierung gewählt haben, gehört einfach zu den Widersprüchligkeiten einer komplexen politischen Weltlage. Die EU-Kritik dieser Regierung (ebenso wie die der ungarischen Regierung) zielt auch keineswegs - wie in UK - auf einen EU-Austritt sondern auf eine EU-Veränderung ab. Man hält sich für stark genug, dies zu bewirken. Meine persönliche Ansicht ist, dass dies mit der Rückendeckung zu tun hat, die diese Länder von seiten konservativer Kräfte in Europa wie etwa der deutschen CSU bekommen, die dies nur nicht so offen zur Schau stellen wollen. Es hat ganz sicher und hundertprozentig nix mit der Spitzenstellung bei den EU-Förderbeiträgen zu tun. Diese Argumentation geht selbst bei bei Netto-Einzahlern wie UK daneben. Auch dort werden Gemeindezentren oder Radwege mit EU-Fördergeldern bezahlt, die nun in Kürze nicht mehr fließen.


Warum nicht klipp und klar sagen, daß die polnische Regierungspartei sich ein freigiebiges und zu allen denkbaren Wohltaten bereites Europa wünscht, in dem Polen den Ton angeben kann? Oder fällt Ihnen jetzt kurz ein Akt polnischer Solidarität ein, wenn wir erst einmal beide Augen zudrücken, was die Verteilung von Flüchtlingen in der EU betrifft? Der Vergleich Polens mit GB hinkt ein klein wenig, weil GB die Mittel, die es der EU zuführt höchstens in geschrumpfter Form für den Bau von "Radwegen" zurück erhält, also diese Mittel auch ohne EU umlenken könnte, wenn GB vergleichbare Regionalförderungen im Sinn hätte.

Dieses Kunststück muß die polnische Regierung erst noch lernen, denn die Fördermittel der EU laufen auf etwa 5% des Brutto-Sozialproduktes herauf... habe ich mir aus einem Ihrer Beiträge gemerkt. Wenn also die EU ihre Cents etwas sparsamer fließen ließe, dann gäbe es in Polen betretene Mienen. Und wenn westliche Investitionen ausblieben, und die Möglichkeit entfiele, im Westen ordentlich entlohnt zu werden, dann würden die Mienen lang und länger.

Nicht etwa, daß ich solche Ansichten verfolgte oder herbei wünschte... aber der Vergleich mit GB erschien mir denn doch zu gewagt! Daß der alltägliche Pole ein Pfundskerl ist, mit dem man zur Not auch Pferde stehlen kann, das sollte hier nicht unerwähnt bleiben. Ich wohne da nämlich. Aber die Zahl meiner Pferde hält sich in Grenzen. :)
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon H2O » Do 11. Mai 2017, 08:33

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2017, 09:06)

Realiter ist das Modell "Festung Europa" gerade die Geschäftsgrundlage für kommerziell arbeitende Schlepperbanden. Wir brauchen ein offenes Europa.


Auha, wenn ich an den Zustrom im Herbst 2015 denke, als das "offene" Europa seine volle Wirkung entfaltete, dann kämen wir in Mitteleuropa "spielend" auf 2 bis 4 Mio Flüchtlinge im Jahr von Bangladesch, Indien, Afghanistan, Pakistan, der arabischen Halbinsel und Nordafrika. Auf die Weise wäre Deutschland sehr bald eine Weltmacht von der Zahl seiner Einwohner her; wir bräuchten aber UNO-Spenden gegen alle möglichen Mangelerscheinungen.

Vielleicht ist die Festung Europa mitsamt dem Kampf gegen Schlepperbanden doch noch das kleinere Übel?
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon H2O » Do 11. Mai 2017, 08:42

Rückbau der EU bedeutet aus meiner Sicht die Beschränkung der EU auf jene Mitglieder, denen die stetig sich vertiefende Zusammenarbeit als Wegbeschreibung in eine europäische Föderation am Herzen liegt. Nur in einem gemeinsamen Staat ist eine Gemeinschaftswährung durch zu halten. Ansonsten gibt es immer wieder Pfiffikusse, die zum Nachteil der Partner einen groben Unfug mit der Gemeinschaftswährung veranstalten. Wer aber die Mitgliedschaft im Euro ablehnt, der will auch den gemeinsamen staatlichen Überbau nicht. Der will allenfalls einen Marktzugang.

Auch der gemeinsame Binnenmarkt kann ein gemeinsames Ziel sein. Mein Vorschlag für den Rückbau der EU: Der gemeinsame Binnenmarkt, an dem sich die europäische Föderation wie ein einziger Staat beteiligt. Dann wäre vermutlich sehr viel Verdruß über die EU erledigt: Keine Trittbrettfahrer mehr, keine unerfüllbaren Erwartungen mehr!
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Mai 2017, 09:19

H2O hat geschrieben:(11 May 2017, 09:24)

Warum nicht klipp und klar sagen, daß die polnische Regierungspartei sich ein freigiebiges und zu allen denkbaren Wohltaten bereites Europa wünscht, in dem Polen den Ton angeben kann? Oder fällt Ihnen jetzt kurz ein Akt polnischer Solidarität ein, wenn wir erst einmal beide Augen zudrücken, was die Verteilung von Flüchtlingen in der EU betrifft? Der Vergleich Polens mit GB hinkt ein klein wenig, weil GB die Mittel, die es der EU zuführt höchstens in geschrumpfter Form für den Bau von "Radwegen" zurück erhält, also diese Mittel auch ohne EU umlenken könnte, wenn GB vergleichbare Regionalförderungen im Sinn hätte.

Dieses Kunststück muß die polnische Regierung erst noch lernen, denn die Fördermittel der EU laufen auf etwa 5% des Brutto-Sozialproduktes herauf... habe ich mir aus einem Ihrer Beiträge gemerkt. Wenn also die EU ihre Cents etwas sparsamer fließen ließe, dann gäbe es in Polen betretene Mienen. Und wenn westliche Investitionen ausblieben, und die Möglichkeit entfiele, im Westen ordentlich entlohnt zu werden, dann würden die Mienen lang und länger.


Naja, 5 Prozent sind eben einerseit nicht nichts, aber andererseits eben auch nicht so bedeutsam, dass sich ein Kaczynski davon maßgeblich beeinflussen ließe. Zumal lokale Infrastrukturprojekte, auf die EU-Förderung maßgeblich abzielt, wahrscheinlich ohnehin nicht so sehr im Fokus der PiS stehen. Bei Investitionen siehts schon ganz anders aus. Für die muss aber "nur" gewährleistet sein, dass man sich ohne Behinderung ansiedeln kann und dass ohne Behinderung Produkte (auf diesem sehr kurzen Weg) innerhalb Europas transportiert werden können. Das jedoch, diesen Zweck der EU-Vergemeinschaftung stellen weder Polen noch Ungarn auch nur irgendwie in Frage. Wäre ja auch einigermaßen töricht.

Was die Flüchtlingspolitik anbetrifft. Ich schrieb ja bereits: Die ist in Polen sehr sehr widersprüchlich. Da steht EU-Begeisterung der Bevölkerung gegen Offenheit in dieser Frage.

Ein hochinteressantes Detail in dieser Frage übrigens: Während des 2. Weltkriegs flohen zirka einhunderttausend Polen aus den durch die Sowjetunion okkupierten Landesteilen im Osten Polens - ausgerechnet! - nach Persien. Ich finde momentan leider den Podcast dazu nicht, den ich zu diesem Thema kürzlich hörte. Es war jedenfalls außerordentlich spannend. Insbesondere Gruppen von polnischen Kindern wurden im Iran aufgenommen und sogar persönlich vom damaligen Schah empfangen und mit Speiseeis und Süßigkeiten bewirtet. Es wird berichtet, dass diese polnischen Kinder nach den Schrecken des Kriegs und der Zwangsunterbringung in der SU übereinstimmend der Meinung waren, "ins Paradies" gekommen zu sein. Das sollte man gerade dem Teil der patriotisch veranlagten Polen, die sich gegen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus dem Nahen Osten wenden, mal als Argumentationshilfe mit auf den Weg geben.

Und der Vergleich UK Polen ist wenigstens insofern nicht ganz verkehrt, als dass beide Regierungsparteien (noch) die beiden einzigen maßgeblichen in der EU-Parlaments-Fraktion EKR, also quasi Schwesterparteien sind.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Mai 2017, 09:22

H2O hat geschrieben:(11 May 2017, 09:33)

Auha, wenn ich an den Zustrom im Herbst 2015 denke, als das "offene" Europa seine volle Wirkung entfaltete, dann kämen wir in Mitteleuropa "spielend" auf 2 bis 4 Mio Flüchtlinge im Jahr von Bangladesch, Indien, Afghanistan, Pakistan, der arabischen Halbinsel und Nordafrika. Auf die Weise wäre Deutschland sehr bald eine Weltmacht von der Zahl seiner Einwohner her; wir bräuchten aber UNO-Spenden gegen alle möglichen Mangelerscheinungen.

Vielleicht ist die Festung Europa mitsamt dem Kampf gegen Schlepperbanden doch noch das kleinere Übel?



Das Konzept "Offenes Europa" meint ja nicht wirklich und wörtlich komplett offene Außengrenzen ohne jegliche Kontrolle.
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon Adam Smith » Do 11. Mai 2017, 10:30

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2017, 10:19)

Naja, 5 Prozent sind eben einerseit nicht nichts, aber andererseits eben auch nicht so bedeutsam, dass sich ein Kaczynski davon maßgeblich beeinflussen ließe. Zumal lokale Infrastrukturprojekte, auf die EU-Förderung maßgeblich abzielt, wahrscheinlich ohnehin nicht so sehr im Fokus der PiS stehen. Bei Investitionen siehts schon ganz anders aus. Für die muss aber "nur" gewährleistet sein, dass man sich ohne Behinderung ansiedeln kann und dass ohne Behinderung Produkte (auf diesem sehr kurzen Weg) innerhalb Europas transportiert werden können. Das jedoch, diesen Zweck der EU-Vergemeinschaftung stellen weder Polen noch Ungarn auch nur irgendwie in Frage. Wäre ja auch einigermaßen töricht.

Was die Flüchtlingspolitik anbetrifft. Ich schrieb ja bereits: Die ist in Polen sehr sehr widersprüchlich. Da steht EU-Begeisterung der Bevölkerung gegen Offenheit in dieser Frage.

Ein hochinteressantes Detail in dieser Frage übrigens: Während des 2. Weltkriegs flohen zirka einhunderttausend Polen aus den durch die Sowjetunion okkupierten Landesteilen im Osten Polens - ausgerechnet! - nach Persien. Ich finde momentan leider den Podcast dazu nicht, den ich zu diesem Thema kürzlich hörte. Es war jedenfalls außerordentlich spannend. Insbesondere Gruppen von polnischen Kindern wurden im Iran aufgenommen und sogar persönlich vom damaligen Schah empfangen und mit Speiseeis und Süßigkeiten bewirtet. Es wird berichtet, dass diese polnischen Kinder nach den Schrecken des Kriegs und der Zwangsunterbringung in der SU übereinstimmend der Meinung waren, "ins Paradies" gekommen zu sein. Das sollte man gerade dem Teil der patriotisch veranlagten Polen, die sich gegen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus dem Nahen Osten wenden, mal als Argumentationshilfe mit auf den Weg geben.

Und der Vergleich UK Polen ist wenigstens insofern nicht ganz verkehrt, als dass beide Regierungsparteien (noch) die beiden einzigen maßgeblichen in der EU-Parlaments-Fraktion EKR, also quasi Schwesterparteien sind.

Leben noch Polen im Iran?
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Re: Rückbau der EU

Beitragvon H2O » Do 11. Mai 2017, 10:40

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 May 2017, 10:19)

Naja, 5 Prozent sind eben einerseit nicht nichts, aber andererseits eben auch nicht so bedeutsam, dass sich ein Kaczynski davon maßgeblich beeinflussen ließe. Zumal lokale Infrastrukturprojekte, auf die EU-Förderung maßgeblich abzielt, wahrscheinlich ohnehin nicht so sehr im Fokus der PiS stehen. Bei Investitionen siehts schon ganz anders aus. Für die muss aber "nur" gewährleistet sein, dass man sich ohne Behinderung ansiedeln kann und dass ohne Behinderung Produkte (auf diesem sehr kurzen Weg) innerhalb Europas transportiert werden können. Das jedoch, diesen Zweck der EU-Vergemeinschaftung stellen weder Polen noch Ungarn auch nur irgendwie in Frage. Wäre ja auch einigermaßen töricht.

Was die Flüchtlingspolitik anbetrifft. Ich schrieb ja bereits: Die ist in Polen sehr sehr widersprüchlich. Da steht EU-Begeisterung der Bevölkerung gegen Offenheit in dieser Frage.

Ein hochinteressantes Detail in dieser Frage übrigens: Während des 2. Weltkriegs flohen zirka einhunderttausend Polen aus den durch die Sowjetunion okkupierten Landesteilen im Osten Polens - ausgerechnet! - nach Persien. Ich finde momentan leider den Podcast dazu nicht, den ich zu diesem Thema kürzlich hörte. Es war jedenfalls außerordentlich spannend. Insbesondere Gruppen von polnischen Kindern wurden im Iran aufgenommen und sogar persönlich vom damaligen Schah empfangen und mit Speiseeis und Süßigkeiten bewirtet. Es wird berichtet, dass diese polnischen Kinder nach den Schrecken des Kriegs und der Zwangsunterbringung in der SU übereinstimmend der Meinung waren, "ins Paradies" gekommen zu sein. Das sollte man gerade dem Teil der patriotisch veranlagten Polen, die sich gegen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus dem Nahen Osten wenden, mal als Argumentationshilfe mit auf den Weg geben.

Und der Vergleich UK Polen ist wenigstens insofern nicht ganz verkehrt, als dass beide Regierungsparteien (noch) die beiden einzigen maßgeblichen in der EU-Parlaments-Fraktion EKR, also quasi Schwesterparteien sind.


Sie können inzwischen sicher bewerten, daß ich nicht so entschieden auftrete, wie ich mich hier gebe :) . Das lernt man als Familienvater sehr schnell!

Ich möchte fast wetten, daß die polnischen Nachbarn durchaus sehen, wie die ehemalige sowjetische Zone aufgeblüht ist. Das erlebe ich jetzt in Westpolen zu meiner großen Freude: Überall wird gemauert, gemalt, werden Dächer erneuert, werden öffentliche Gebäude auf Hochglanz gebracht...und überall findet man auch das große Schild, daß dies mit beachtlichen Zuschüssen aus dem EU-Regionalfonds finanziert wurde... also die EU zu Arbeitsplätzen in Polen und mehr Lebensqualität beiträgt. Wenn das urplötzlich entfiele, dann blieben die Schlaglöcher in so mancher Nationalstraße einige Jahre offen, würde so mancher Verkehrsweg gar nicht erst gebaut. Gut, daß ich das noch erleben kann!

Vorsicht, Herr Kaczyński hatte schon die ganz große Meckerei begonnen, weil die großen deutschen Verlagshäuser sich in Polen all der notleidenden Zeitungsverlage angenommen hatten. Da war von Enteignung die Rede, da war von deutschen Supermärkten die Rede, die den polnischen Tante-Emma-Läden die Luft abdrücken. Daß auch das ein großer Schritt in die Neuzeit ist, das hat die PiS erst spät gemerkt. Deren nationalem Demokratieverständnis traue ich zu, daß zu gegebner Zeit die Meckerei auch wieder auflebt. Aber die PiS ist nicht Polen; inzwischen kämpfen liberalere Gruppen darum, daß das Schulwesen nicht zu stets fügsamen frommen Leuten erzieht, sondern zu selbstbewußten und kritikfähigen jungen Leuten... und das auch unter europäischen Flaggen. Noch ist Polen nicht verloren!

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