Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

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Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Umfrage endete am So 7. Mai 2017, 06:52

Emmanuel Macron (En Marche!)
31
69%
Marine Le Pen (Front National)
14
31%
 
Abstimmungen insgesamt: 45
joschie99
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Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon joschie99 » Mo 24. Apr 2017, 06:52

Am 07.Mai 2017 wird die Stichwahl um die Präsidentschaft in Frankreich entschieden. Wie positioniert ihr Euch?
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Ger9374
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Ger9374 » Mo 24. Apr 2017, 09:43

Macron mit deutlichem Vorsprung 8-10%
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Kritikaster » Mo 24. Apr 2017, 09:51

Keine Frage, Macron.
Der am höchsten entwickelte Sinn ist der Unsinn. (Peter E. Schumacher)
Wo der Sinn aufhört, beginnt der Wahnsinn. (Erhard Horst Bellermann)
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Mo 24. Apr 2017, 11:46

Ger9374 hat geschrieben:(24 Apr 2017, 10:43)

Macron mit deutlichem Vorsprung 8-10%


Die Umfragen gehen von 60:40 bis 70:30 aus. Meine Erwartung liegt näher bei 70:30. Schau'n mer 'mal.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 24. Apr 2017, 11:51

H2O hat geschrieben:(24 Apr 2017, 12:46)

Die Umfragen gehen von 60:40 bis 70:30 aus. Meine Erwartung liegt näher bei 70:30. Schau'n mer 'mal.


Stichwahlen können immer für Überraschungen gut sein.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Mo 24. Apr 2017, 12:54

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(24 Apr 2017, 12:51)

Stichwahlen können immer für Überraschungen gut sein.


Ja, das ist überall zu hören. Vielleicht ist auch ein bißchen Zweckpessimismus dabei, damit man im Fall eines eingetretenen Unglücks nicht auch noch die Lacher gegen sich hat. Dennoch halte ich eine Umkehrung des bisherigen Wahlergebnisses für völlig ausgeschlossen... es sei denn, Herr Macron belüde sich mit einer schweren Schuld.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Adam Smith » Mo 24. Apr 2017, 13:10

H2O hat geschrieben:(24 Apr 2017, 13:54)

Ja, das ist überall zu hören. Vielleicht ist auch ein bißchen Zweckpessimismus dabei, damit man im Fall eines eingetretenen Unglücks nicht auch noch die Lacher gegen sich hat. Dennoch halte ich eine Umkehrung des bisherigen Wahlergebnisses für völlig ausgeschlossen... es sei denn, Herr Macron belüde sich mit einer schweren Schuld.

Im Moment gehen ja fast alle von 2/3 für Macron und 1/3 für Le Pen aus. Abweichungen nach oben oder unten wären dann Überraschungen.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 24. Apr 2017, 13:48

H2O hat geschrieben:(24 Apr 2017, 13:54)

Ja, das ist überall zu hören. Vielleicht ist auch ein bißchen Zweckpessimismus dabei, damit man im Fall eines eingetretenen Unglücks nicht auch noch die Lacher gegen sich hat. Dennoch halte ich eine Umkehrung des bisherigen Wahlergebnisses für völlig ausgeschlossen... es sei denn, Herr Macron belüde sich mit einer schweren Schuld.


Ich bin da nicht so optimistisch. Es ist ja nicht so, dass Macron unumstritten ist. Problematisch könnte eine geringe Wahlbeteiligung werden, weil der vermeintliche Sieger ja sowieso schon feststeht. Das würde wohl Le Pen nützen.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon elmore » Mo 24. Apr 2017, 14:23

Da die Meinungsforscher das Ergebnis des ersten Wahlgangs recht gut prognostizierten,
darf man davon ausgehen, dass auch die Vorhersagen - eines deutlichen Sieges - von Macron für die Stichwahl
eintreten werden und er wohl mit klarem Abstand gewinnen wird. Wobei die Unterschiede, ob mit 65:35 oder 70:30
oder gar 75:25 unerheblich sind. Dass F ein gespaltenes Land ist und besonders nach dieser Wahl sein wird,
sollte dabei nicht vergessen werden. In dem Zusammenhang verweise ich darauf, dass - nicht nur in D - sondern
auch in F ein unverkennbarer Rechtsruck schon seit längeren zu beobachten ist. Wobei der extreme linke und rechte
Rand in F schon immer deutlicher und größer war als in D.
Hätte beispielsweise der ultrakonservative (kathol. und recht islamophobe) Kandidat Fillon nicht diesen Skandal
familiärer Vorteilsnahme und Bereicherung gehabt, wäre Macron einfach in der Versenkung geblieben oder dorthin
verschwunden und wir hätten Stand heute eine Stichwahl zwischen Le Pen und Fillon, die natürlich ebenso
deutlich zugunsten des Kandidaten Fillon ausgehen würde.

Das Emporkommen Macron vernebelt etwas die generelle Verschiebung und Tendenz auch in F, zunehmend
sackkonservative und rechts tendierende Positionen einzunehmen. Und letztlich sollte man auch wissen,
aus welchem politischen Stall Macron kommt. Er wurde zunächst von Sarkozy politisch gefördert und
in den inneren Elitekreis der zentralistischen Führungseliten Frankreichs eingehegt und kam dann in
sicherlich talentierten Wendemanövern als Günstling Hollandes und der sozialistischen Partei
recht geschickt in seiner eigenen Karriere voran, die bis zu seinem aktuellen Wahlerfolg vor allem
eines zeigt:

Er ist biegsam, flexibel und sehr fähig, sich opportun und für ihn günstig in
den richtigen politischen Wind zu drehen, der da gerade weht oder zu wehen beginnt.
Wenn man so will, fast schon so ein klassischer Wendehalsartist wie das einstige politische
Ziehkind Kohls, die heutige Kanzlerin Deutschlands, Angela Merkel. Die sich auch zum richtigen
Zeitpunkt von Kohl distanzierte bzw. sogar klar gegen ihn positionierte.

Ihr Vorteil eines Aufwärtstrends und knallharter, notwendiger Reformen, die in der damaligen Lage Deutschlands
- als kranker Mann Europas - anstanden, war allerdings gegenüber der heutigen Situation Macrons in F,
dass diese Reformen durch den Kanzler der Bosse, Gerhard Schröder, und seine rot-grüne Koalition, die sich um jeden
Preis an der Regierungsmacht halten wollte, bereits getätigt waren. Wobei man nicht vergessen sollte, dass
es letztlich die schwarze Bruderschaft von CDU/CSU war, samt einer gesamtmedialen öffentlichen Antistimmung,
die Schröders Koalition in einige sozialpolitische Sauerein zwang und diese letztlich durchsetze, allem voran
die vom damaligen CSU-Häuptling geforderte Kürzung von AG 1 von drei Jahren auf nur noch 12 Monate und
der Einführung von Hartz IV innerhalb dieser sogenannten Agenda 2010. Letzlich stimmt es zwar,
dass diese drastischen Einschnitte nebst Reallohn-/Renten- und Sozialleistungskürzungen und
1-Euro Jobs und generell staatlich subventioniertem Niedrigstlohn-Dumping die Zeiten der
wirtschaftlichen und finanzpolitischen Verwerfungen in D in erstaunlich guten Grenzen hielten,
allerdings zum sehr hohen Preis einer immer größer werdenden Verliererseite in D, deren existenzielle
Situation sich dadurch nicht verbesserte. Im Gegenteil.

Aber zusammengefasst lässt sich sagen, dass Merkel als Kanzlerin des Ungefähren im Grunde nur die
gelegten Samen dieser drastischen Reformeinschnitte und das Aufblühen dieser Saat abwarten musste,
um es dann genüßlich als Ihren Erfolg und natürlich auch als Errungenschaft ihrer Schwarzen Bruderschaft abzuernten.
Dank genialer Gehirnwäsche war und blieb der böse schwarze Peter dabei immer bei Schröder und seiner SPD.
Selbst im eigenen Genossenlager wurde er als Kanzler des sozialen Kahlschlags, als Ikone der Ungerechtigkeit,
eindeutig identifiziert und für den Verrat an den "kleinen Leuten" und sozial Schwächeren, als deren Vertreter und Anwalt
sich die SPD immer noch sah.

Niemand wollte damals wie heute sehen, dass es vor allem die CDU/CSU war, die über den Druck des Bundesrats
und angesichts der damals sehr ungünstigen gesamten Wirtschaftslage Schröders Koalition letztlich in diesen
bis heute wirkenden sozialen Kahlschlag führte, der Deutschland bis heute und immer mehr zu einem
großen Teil spaltet, trotz sprudelnder Staatseinnahmen.
Ein immer weiter wachsender Anteil an einkommensschwachen, in Armut fallender Menschen bis hin
zu jenen, denen trotz bester ökonomischer Lage Deutschlands vor allem im Ruhestand Armut droht,
und auf der anderen Seite jene Hälfte guter und sicherer Einkommensschichten, die von den
Segnungen des globalen Premiumwettbewerbers und Exportweltmeisters Deutschland profitierten.
Allen voran die oberen Zehntausend, deren Reichtum sich geradezu unanständig vergrößerte,
während auch in der breiten Masse der sogar existenziell gut dastehenden Mitte Altersrücklagen
und Sparguthaben regelrecht pulverisiert wurden und weiter werden.

Frankreich steht für Macron vor ähnlich großen Problemen, wie damals Schröder in der Periode von
2000-2005, an deren Ende er nur noch die Wahl hatte, sich als Kanzler der größten sozialen Ungerechtigkeitsreformen
für immer zu verewigen oder - lieber doch vorher zurückzutreten. Nicht mitzumachen. Wie aber bekannt ist,
war das für einen selbstgerechten, machtbesoffen-arroganten Kanzler Schröder nicht möglich.

Ob Macron, derzeit als leuchtende Hoffnungsikone, vergleichbar mit jener Lichtgestalt Obama bei seiner
ersten Wahl zum Präsidenten, recht schnell auf dem Boden der Realität ankommen wird,
- vielleicht sogar vorher und vorschnell mit irgendeinem Nobelpreis geadelt - wird sich zeigen.
Und ob er, im Gegensatz zu Merkel damals, einige seiner Reformen als Ungerechtigkeitspräsident
Nr. 1 in der jüngeren Geschichte Frankreichs durchdrücken kann. Und längerfristig die gesamtwirtschaftliche
Erholung Frankreichs zwar anstoßen kann, aber zu welchem Preis?

Fraglich ist auch, ob er dringend notwendige Maßnahmen des Arbeitsmarktes / Kündigungsschutz etc.
ins Werk setzen kann, die 35-Std. Woche faktisch beenden kann und all die weiteren Reformen,
die zwar ökonomisch sinnvoll und erfolgversprechend nötig sein mögen, aber eben auch, wie in D,
die ohnehin schon vorhandene soziale Spaltung und die Schere zwischen arm und reich immer größer
werden lassen.

Und im Gegensatz zu Merkel braucht Macron eine Reform hin zur tatsächlichen Transferunion
der Eurozone. Die wird ihm aber eine - wahrscheinlich wieder siegreiche Kanzlerin Merkel -
und ihr spezieller Kettenhund Schäuble als "europäischer" Finanzminister kaum gewähren.
Ebensowenig wie Macron sich mit seinem "Plan" durchsetzen wird, den Handelsbilanzüberschuß
Deutschlands und seine Exporterfolge durch Ausgleichszahlungen zu beschneiden. Zugungsten
natürlich auch von FRA und seiner konkurrenten Wettbewerbssituation gegenüber dem "Erzfreund"
Deutschland. Soweit geht die Liebe aus dem französisch-deutschen Freundschaftsvertrag
nicht. Wirtschaftlich gesehen sind Deutschland und Frankreich alles andere als Freunde. Waren sie nie,
werden sie auch nie werden. Genausowenig wie die gesamte Eurozone, auch die EU der 27, das nie
sein kann und sein wird. Sondern allenfalls eine politische Interessengemeinschaft, in der jedes Land
zunächst versucht, seine Vorteile möglichst weit und umfassend durchzubringen.

Eine wirklich föderal und solidarisch funktionierende Union, wo die wirtschaftlich Stärkeren den
Schwächeren wirklich helfen wollten und soziale Ungleichgewichte besser ausbalanciert
sind, funktioniert ja weder in D noch in F. Wie soll sie dann innerhalb eines ohnehin
immer mehr in egoistisch-nationale Eigeninteressen zerstrittenen EU-Haufens
gelingen? Da wird Le President Macron schnell politische Realität lernen und zur Kenntnis nehmen müssen.

btw: Fitch hat die Kreditwürdigkeit Italiens gerade erst herabgestuft…Italien ist und bleibt das Sorgenkind Nr. 1
in der EU, besonders der Eurozone. Und wie die nächsten Wahlen Italiens ausgehen oder dieses Land
ändern werden, ist alles andere als klar.

Fazit: Der Proeuropäer Macron ist zwar höchst erfreulich als neuer franz. Staatsführer und ein Segen gegen
die deshalb aber noch lange nicht verschwundene, sondern seit längerem erstarkende Rechtsbewegung in
ganz Europa. Macron wird sie auch nicht in F zum Erlahmen bringen. Auch wenn ich das für dieses Land
erhoffe. Aber es sieht nicht danach aus. Ein Viertel aller Franzosen und Französinnen sind offen -und
fast schon seit Jahrzehnten - rechts bis ultrarechts sympathisierend…Ungefähr so, als ob bei uns
regelmäßig 20-25% NPD wählen würden…

Egal, ich drücke der Grand Nation und ihrem neuen Häuptling "Winnetou" Macron die Daumen… Vive La France! ... allez les Bleus! …venceremos usw. … :D

edit: kleine Textverbesserungen
Zuletzt geändert von elmore am Mo 24. Apr 2017, 14:52, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Adam Smith » Mo 24. Apr 2017, 14:28

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(24 Apr 2017, 14:48)

Ich bin da nicht so optimistisch. Es ist ja nicht so, dass Macron unumstritten ist. Problematisch könnte eine geringe Wahlbeteiligung werden, weil der vermeintliche Sieger ja sowieso schon feststeht. Das würde wohl Le Pen nützen.

Pessemistisch bin ich für die Zeit danach. Macron sich vermutlich an Deutschland halten um Erfolg zu haben.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Loki » Mo 24. Apr 2017, 14:42

Macron wird die, die andere "Heuschrecken-Kapitalisten" nennen, ins Land holen oder vermehrt lassen.
Ein Sieg für den Rechts-Kapitalismus.

Klar, daß Deutschland von diesem Ausverkauf Frankreichs mitprofitieren wird und auch soll.
Somit kann nur gehofft werden, daß die politisch Nationalen Frankreichs tatsächlich nach der Stichwahl keine Chance mehr haben, auch uns Deutschen die Tür zu zu machen.


Die politische Ausrichtung Macrons laut politicalcompass.org hat aus dieser Tür sogar ein riesengroßes Scheunentor gemacht.
Es werden wirtschaftlich noch rosigere Zeit auf Deutschland zukommen.

Als Gegenleistung werden hierfür einigen jungen Franzosen Arbeitsplätze im Geringverdiener-Bereich erschaffen werden.


Von deutscher Seite aus gilt deshalb großen Dank an viele frz. internationale Linkskräfte, die - so wie es sich gehört für Faschismus- und Nationalismusverhinderer - Macron gewählt haben und bei der Stichwahl wählen werden.


Spannende Zeiten kommen auf die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Frankreich und Deutschland zu.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Adam Smith » Mo 24. Apr 2017, 14:52

Fillon hätte es wie Schröder gemacht. Macron ist da nicht so hart. Ich tippe darauf, dass Macron auf Deutschland zu gehen wird.
elmore

Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon elmore » Mo 24. Apr 2017, 14:56

Adam Smith hat geschrieben:(24 Apr 2017, 15:52)

Ich tippe darauf, dass Macron auf Deutschland zu gehen wird.


Und das wäre wie? Was will er denn D anbieten, dass D gerade brauchen könnte und das Macron
vor allem im eigenen Land dann als Erfolg durch Zugehen verkaufen könnte?
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Adam Smith » Mo 24. Apr 2017, 14:59

elmore hat geschrieben:(24 Apr 2017, 15:56)

Und das wäre wie? Was will er denn D anbieten, dass D gerade brauchen könnte und das Macron
vor allem im eigenen Land dann als Erfolg durch Zugehen verkaufen könnte?

Tiefere Integration von Europa, sichere Grenzen, Frankreich ohne Le Pen usw.
elmore

Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon elmore » Mo 24. Apr 2017, 15:20

Adam Smith hat geschrieben:(24 Apr 2017, 15:59)

Tiefere Integration von Europa, sichere Grenzen, Frankreich ohne Le Pen usw.


Davon abgesehen, was Sie mit dem von mir im Zitat gefetteten Begriff genauer meinen…?

Frankreich ohne Le Pen wird er nicht anbieten können. Auch wenn Macron Präsident wird und ist,
wird er damit nicht Le Pen als politischen Faktor auslöschen bzw. den Front National
verschwinden lassen können und auch nicht den Druck von rechts, den diese Dame und ihr
rechter Gesinnungsverein weiterhin erzeugen werden. Auch hinsichtlich antieuropäischer
Vorbehalte. Man sollte nicht vergessen, dass Frankreich in einem Referendum eines,
wenn nicht sogar das Schlüsselland war, dass "Lissabon" und damit eine Europäische Verfassung
ablehnte…

Und bezüglich sicherer Grenzen. Was soll das heissen? - Beibehaltung oder zumindest ein
Eintreten Macrons für den Fortbestand des Schengenabkommens und keine innereuropäischen
Grenzen? Die Aussengrenzen Europas müssen sowieso andere sichern, und weder D noch F
sind hier die Länder, die diese Grenzen sichern können oder müssen.

Siehe ITA und Griechenland, teils Spanien mit den nordafrikanischen Enklaven und jene EU-Länder,
die vor allem die Balkan und Ostblockrouten abschotten oder "dicht" machen müssen.

Ich glaube kaum, dass Macron beispielsweise den ungarischen Rassisten und Antidemokraten Orban
in Schranken weisen will oder auch die Polnische PIS-Partei. Ersterer hat im Grunde Narrenfreiheit,
die man innerhalb der EU - zwar öffentlichkeitswirksam murrend - kritisiert, insgeheim aber
mit "Gottseidank" und "im Ergebnis positiv", weil Flüchtlingsströme eindämmend, hofiert.

Und ich glaube nicht, dass Macron, anders als Hollande, gegen die mehrheitliche Stimmungslage
in FRA, die keine weiteren Flüchtlinge will, schon gar nicht arabische bzw. muslimische, ändern wird.
Wie war gleich nochmal die Haltung Frankreichs, als es in der EU darum ging, Flüchtlingskontigente
fair zu verteilen und aufzunehmen?

Ansage aus F: max. 30.000, dann ist Schluss. Egal, wieviele
Hundertausende oder sogar in den Millionenbereich gehende Flüchtlingsströme (=in tiefer Not
stehende Menschen) da vor den Toren Europas stehen mögen. Es war F unter Hollande piepenhagen
und wird es auch unter Macron sein.
Neue Zugeständnisse in Sachen Flüchtlingsaufnahme kommt ganz sicher auch für Macron alles andere
als gut…

Also bleibt allenfalls bessere Grenzkontrolle und Kooperation der Sicherheitsbehörden zwischen D und F,
ohne Schengen direkt und offen zu canceln…Da das Problem des islamistischen Terrors aber gesamteuropäisch und keineswegs
als ausschließliche Frage franz.-deutscher Kooperation zu sehen ist, und auch die Frage sicherer Grenzen
eine gesamteuropäische Lösung darstellt und entsprechend erfordert, sehe ich hier nicht sehr große Angebotsmöglichkeiten Macrons.

Es sei denn, er würde klar die sehr restriktive Aufnahmebereitschaft Frankreichs unter Hollande, Flüchtlinge aufzunehmen,
deutlich revidieren. Glaube ich aber nicht…
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Mo 24. Apr 2017, 16:41

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(24 Apr 2017, 14:48)

Ich bin da nicht so optimistisch. Es ist ja nicht so, dass Macron unumstritten ist. Problematisch könnte eine geringe Wahlbeteiligung werden, weil der vermeintliche Sieger ja sowieso schon feststeht. Das würde wohl Le Pen nützen.


Genau da liegt ja auch meine Befürchtung! Daß nämlich in froher Siegeszuversicht die französischen Wähler einen schönen Familientag anstatt des Marsches zu den Wahllokalen planen, und sie am Abend dann eine unangenehme Bescherung vor finden. Auch vermute ich, daß doch der eine oder andere Wähler verärgert ist, weil sein Wunschkandidat es nicht in die zweite Runde geschafft hat, und er sich deshalb seine Stimmenabgabe verkneift. Das Verhalten könnte gemäßigte Bewerber eher treffen als einen Populisten.

Man kann also nicht einfach die Wähler Mélenchons zu Le Pens Anhängerschar hinzu zählen und den Rest dann Herrn Macron zuschanzen. Es wäre gut, wenn die französischen Wähler erneut um rege Wahlbeteiligung gebeten werden, damit diese Überraschung möglichst vermieden werden kann.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Hyde » Mo 24. Apr 2017, 17:03

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Macron sich das noch nehmen lässt, wo er sogar schon die erste Runde gewonnen hat. Als gemäßigter Mann der Mitte wird er in der zweiten Runde sowohl viele Wähler von links (Hamon, Melenchon) als auch von rechts (Fillon) einbinden können, während Le Pen im rechten Abseits nicht viel mehr als ihre Stammwählerschaft mobilisieren dürfte.

Trotzdem fühlt sich diese Wahl so an, als habe Frankreich erstmal noch einmal 5 Jahre Gnadenfrist erhalten. Diese Zeit muss der (voraussichtliche) Präsident Macron nun nutzen, um politische und wirtschaftliche Erfolge zu erzielen, damit das Vertrauen der Bürger in die Politik wieder gestärkt werden kann. Denn mit über 40% Stimmanteilen für die Linksradikalen und die Rechtsradikalen ist es in Frankreich fünf vor Zwölf.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Adam Smith » Mo 24. Apr 2017, 17:22

elmore hat geschrieben:(24 Apr 2017, 16:20)

Davon abgesehen, was Sie mit dem von mir im Zitat gefetteten Begriff genauer meinen…?


Hollande strebte nach seiner Wahl zum Präsidenten im Jahr 2012 eine tiefere Integration der EU an.

17.10.2012
Frankreichs Präsident will eine tiefere Gemeinschaft in Europa erreichen, doch er misst mit zweierlei Maß: Während Schulden vergemeinschaftet werden sollen, sollten nicht alle Staaten alle Entscheidungen mittragen müssen.

Die Gruppe der Euro-Staaten müsse politisch gestärkt werden, forderte der sozialistische Politiker. So sollten sich die Staats- und Regierungschefs der Währungsunion künftig jeden Monat treffen. Der Präsident der Euro-Gruppe müsse „ein klares und ausreichend langes Mandat“ bekommen. Für ihn sei klar, dass die derzeit aus 27 Mitgliedstaaten bestehende EU weiter wachsen werde. Aber: „Diese große Union darf es nicht verhindern, dass manche ihrer Mitgliedstaaten verstärkt zusammenarbeiten.“ Neben der Gemeinschaftswährung sei dies etwa auch bei der Einführung einer Börsensteuer der Fall. Und wenn Staaten wie Großbritannien abseits stehen wollten, sei das hinzunehmen.

Konkret mit Blick auf die Schuldenkrise forderte Hollande wirtschaftlich stärkere Länder dazu auf, mehr Solidarität zu zeigen und deren Binnennachfrage anzukurbeln. Dies könne durch eine Erhöhung der Löhne oder eine Senkung der Abgaben geschehen, schlug der französische Präsident vor, ohne Deutschland konkret beim Namen zu nennen. Zudem bekräftigte er seine Forderung nach einer „teilweisen Vergemeinschaftung der Schulden“ durch die Einführung von Euro-Bonds. Die Zinssätze, zu denen sich die Euro-Staaten auf den Kapitalmärkten finanzieren, dürften nicht mehr so stark auseinanderklaffen.

Hollande sagte, er sei überzeugt, dass die Schuldenkrise schon bald überwunden sei. Bis Ende des Jahres müsse die Lage Griechenlands geklärt sein. Zweitens müssten die Reformen in den Krisenstaaten mit Hilfen flankiert werden. Drittens müsse die Banken-Union verwirklicht werden. 2013 sollten dann die Entscheidungsmechanismen der EU reformiert und die Union vertieft werden.


http://www.handelsblatt.com/politik/int ... 66058.html

Kurze Zeit später ist dann das Projekt wegen offenbaren Blödsinn wieder verschwunden. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Macron eine Neuauflage plant. Mehr jetzt natürlich nicht.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon Adam Smith » Mo 24. Apr 2017, 17:36

In Frankreich ist die Präsidentenwahl eine Richtungswahl. Der Aufsteiger Macron begeistert die bereits 185.000 Anhänger seiner Bewegung „En Marche“ nicht zuletzt mit einer positiven Vision der Europäischen Union. Während Le Pen sie am liebsten abschaffen würde, stellt Macron die EU sogar ins Zentrum seiner Kampagne. Er fordert eine „Neugründung“ der Union und lässt keinen Zweifel, dass er mehr Zusammenarbeit, mehr Kooperation und eine tiefere Integration für den richtigen Weg hält. Manche seiner Vorschläge wie die Wirtschaftsregierung oder der europäische Finanzausgleich dürfte zwar in der Bundesrepublik mindestens kontrovers diskutiert werden. Aber wenn das Projekt Europäische Union für die Zukunft gerüstet werden soll, bedarf es ganz sicher einer unvoreingenommenen Diskussion über neue Ideen.


https://www.vorwaerts.de/blog/schulz-ma ... offnung-eu

Einen Blog von Simon Bujanowski habe ich zu dem Thema gefunden.
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Re: Präsidentschaftswahl 2017 in Frankreich (Stichwahl)

Beitragvon H2O » Mo 24. Apr 2017, 17:46

Adam Smith hat geschrieben:(24 Apr 2017, 15:59)

Tiefere Integration von Europa, sichere Grenzen, Frankreich ohne Le Pen usw.


Ich ergänze einmal mit meinen Erwartungen an die deutsch-französische Zusammenarbeit:

Tiefere Integration:

Sehr enge Zusammenarbeit der Dienste und Polizeien der EU-Partner zur Bekämpfung der Kriminalität und des Terrorismus... vielleicht sogar eine Art Überbau mit unmittelbarem Zugriff auf die nationalen Polizeien und Dienste

Gemeinsame Wirtschafts- und Finanzregierung unter der Leitung des Bundeskanzlers und des Staatspräsidenten, die die Entwicklung der Haushalte in D und F engstens abstimmen.

Harmonisierung der Steuer- und Abgabesysteme und der Wirtschaftsförderung in abgehängten Regionen

Gemeinsam voran gebrachte Harmonisierung der Sozial-und Rentensysteme

Vergemeinschaftung von Staatsschulden und gemeinsamer Abtrag dieser Schulden

Zusammenführen der Netze von SNCF und DB zu einem Kern der europäischen Schienennetze;
Privatisierung von SNCF und DB als Wirtschaftsbetriebe in eigener Verantwortung

Gemeinsame Planung, Aufbau und Pflege der Verkehrsnetze

Gemeinsamer Überbau für eine europäische Forschungs- und Wissenschaftslandschaft; Forschungsinstitute, Industrieförderung durch angewandte Forschungsergebnisse.

Sehr enge Zusammenarbeit der Streitkräfte bei der Entwicklung und Beschaffung von Wehrmaterial. Gemeinsame Nutzung der Luftwaffen und Seestreitkräfte zwischen Nordkap und Lampedusa, Zypern und Azoren, DOM-TOM.

Wenn man lange genug nachdenkt, dann gibt es sicher weitaus mehr Felder, auf denen eine sehr enge Zusammenarbeit zum Vorteil der Bürger unserer Länder möglich und sinnvoll ist, wo Staatsgeld eingespart werden kann, ohne daß ein Nachteil für die steuerzahlenden Bürger entsteht!

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