Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

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schokoschendrezki
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 11. Aug 2017, 09:44

Ger9374 hat geschrieben:(10 Aug 2017, 20:08)

Der ganz große Aufschrei wegen der PIS blieb
in Polen auch bisher aus. Dabei zündeln die doch wo es geht. Tausende auf den Straßen, leider nur im unteren Bereich. Selbst eine zersplittert auftretende Opposition bringt doch wohl mehr
auf die Straße!? Sind die Polen nicht im Klaren das sie Gefahr laufen sich zu isolieren. Am Bahnsteig zu stehen wenn der E.U zug Fahrt aufnimmt.

Schön wärs ja. Und das war jetzt ganz ehrlich und Null ironisch gemeint. Das Projekt Europa wird nur funktionieren, wenn eine breite Bevölkerungsmehrheit dahinter steht. Das ist sogar wichtiger als die EU-Politik-Ausrichtung der jeweils gewählten Regierungen. Kennst Du die Zustimmungswerte in Dänemark, Niederlande, Frankreich, Finnland ...?
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon H2O » Fr 11. Aug 2017, 09:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Aug 2017, 10:44)

Schön wärs ja. Und das war jetzt ganz ehrlich und Null ironisch gemeint. Das Projekt Europa wird nur funktionieren, wenn eine breite Bevölkerungsmehrheit dahinter steht. Das ist sogar wichtiger als die EU-Politik-Ausrichtung der jeweils gewählten Regierungen. Kennst Du die Zustimmungswerte in Dänemark, Niederlande, Frankreich, Finnland ...?


Mir wäre ehrlich gesagt eine erträgliche EU-Verdossenheit in Polen lieber, wenn dafür in Polen die EU-Regeln sehr weitgehend eingehalten würden, wie etwa in Dänemark, den Niederlanden, Frankreich und Finnland.

Von den genannten sucht nicht ein Partner Streit mit Deutschland oder der EU... noch nicht einmal zum Zeitvertreib.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon H2O » So 27. Aug 2017, 21:46

Inzwischen merken auch die polnischen Normalverbraucher mehrtheitlich, daß sich ihre Regierung mit ihren Maßnahmen gegen den Rat der EU böse verrannt hat. Die Rzeczpospolita ist an diesem Wochenende (Ende August 2017) voll damit.

Auslöser der Artikel ist eine Dienstreise des französischen Staatspräsidenten nach Österreich, wo er am Ende der zweiseitigen Gespräche auch mit den Regierungen von Tschechien und der Slowakei sprach. Danach folgte ein Besuch und Gespräch in Rumänien am Donnerstag und am Freitag eins mit Bulgarien im Seebad Warna.

Formaler Gesprächsgegenstand war das Entsendegesetz, das die besser gestellten EU-Länder als Werkzeug des Sozial- und Lohndumpings empfinden. Denn die entsandten Arbeitskräfte arbeiten im Gastland für Löhne und Sozialbeiträge ihrer Herkunftsländer. Aus Macrons Sicht kommt obendrauf noch Geld der EU für die Entwicklung der Herkunftsstaaten, weil dort ja so wenig verdient wird. Die EU will das Entsendegesetz ändern auf der Grundlage "gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort". Da schwimmen einigen "Entsendern" wohl die Felle davon. Die polnische Ministerpräsidentin Szydło hat deshalb in einem Gespräch mit Präsident Macron einen Streit vom Zaun gebrochen, weil sie Interessen Polens (welcher Polen?) schützen wollte. Österreicher, Tschechen, Slowaken und Rumänen haben Verständnis für das Anliegen der EU (und Präsident Macrons). Bulgarien will diesen Gesetzesvorschlag der EU aus 2016 noch prüfen, signalisierte aber vorab die Bereitschaft zu Kompromissen.

In der abschließenden Pressekonferenz in Warna griff Staatspräsident Macron den Streit Polens mit der EU über den Abbau des rechtsstaatlichen Staatsaufbaus Gesetzgeber, Regierung, unabhängige Justiz auf und auch die Wahnvorstellung von Międzymorze und Trójmorze auf, die Polen mit Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Rumänien und Bulgarien entwickeln wollte: "Polen hat in der Vergangenheit nicht den Kurs der EU bestimmt, und das wird auch in Zukunft so bleiben!"

Für Polen unangenehme Begleitmusik: Tschechen und Slowaken hatten ihre ganz andere europäische Interessenlage gegenüber Macron dargestellt... und daß sie nicht daran dächten, Verträge der Art Międzymorze zu unterschreiben. Das war's denn wohl mit Międzymorze und Polen als Vormacht in Mittel-Osteuropa.

Inzwischen mehren sich die Stimmen, die darauf dringen, das unselige Reparationsthema zum 2. Weltkrieg zu entschärfen und mehr Gemeinsamkeit mit Deutschland zu entwickeln. Mir scheint, daß die Kanzlerin gar keinen Streit mit Polen über offene Fragen im beiderseitigen Verhältnis führen kann, weil diese Themen von der polnischen Seite zurück gezogen werden. Na, mich soll's freuen, zumal die Polen, mit denen ich zu tun habe, durchweg liebenswert und freundlich auftreten. Da tat es weh, immer diesen schwebenden Streit im Rücken zu fühlen.

Mir scheint auch, daß der polnische Präsident Duda zum Retter Polens aus der selbstverschuldeten Isolation aufgebaut wird, weil der sich sowohl gegenüber Staatspräsident Macron als auch bei der Kanzlerin als umgänglicher Gesprächspartner bewährt hat. Na, vielleicht wird ja doch noch etwas aus dem "Weimarer Dreieck"; das würde mich freuen!
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 2. Sep 2017, 17:00

Die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft ist in Polen besonders groß, aber...

Dabei ist das Verhältnis der Polen zur EU eigentlich positiv: 88 Prozent geben noch immer in Umfragen an, für eine Mitgliedschaft zu sein. Das ist Rekord unter den Osteuropäern. Keine ernst zu nehmende Partei tritt offen für den Austritt ein, anders als in Großbritannien oder Frankreich. Doch diese Zustimmung ist leicht ins Wanken zu bringen. Fragen die Meinungsforscher zum Beispiel: Soll Polen im Rahmen europäischer Vereinbarungen Flüchtlinge aufnehmen - oder besser austreten? Dann sprechen sich 51 Prozent für den Polexit aus.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/e ... 65610.html

Das heißt, die Stimmung könnte kippen. Kritiker halten der Regierung vor, sie würde die EU systematisch schlecht reden. Das mag so sein, realistischerweise müsste man aber sehen, dass ein bestimmtes Narrativ weit verbreitet ist - demnach werde die Brüsseler Bürokratie just von Deutschland dominiert, es gehe um Interessen und mit der Solidarität sei es nicht weit her, wenn es etwa um die sicherheitsrelevante Ostsee-Pipeline geht.
Das spricht schon auch Punkte an, die nicht zur Gänze von der Hand zu weisen sind. Deutschland hat aufgrund seiner Dynamik eine Schlüsselrolle eingenommen, die EU-Kommission hat Defizite in der Legitimation und die deutsch-russische Energie-Achse ist nicht sonderlich logisch.

Es ist in der gegebenen Situation sehr zu bezweifeln, ob eine Politik mit der Brechstange sinnvoll sein kann. Man kann sicher darüber streiten, ob sich die EU nun demokratisieren oder aber vereinfachen soll, aber das ist eigentlich ein europäisches Reform-Thema und keine deutsch-polnische Machtfrage.

Ich plädiere für Einheit und Vereinfachung auf der Basis gemeinsamer Nenner und für die Konzentration auf das Wesentliche. Die EU muss wieder als Lösung wahrgenommen werden und nicht als Problem. Das ist ein Unterschied.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon Ger9374 » Sa 2. Sep 2017, 19:39

Die E.U. ist zu gross und komplex geworden für einfache Lösungen. Stop für neue beitrittskandidaten und durchstarten für Kerneuropa. Die unwilligen auf die Zuschauertribüne.
Mehrheitsentscheidungen und Parlament und E.U
Regierung aufbauen. Sonst wird das nie was!!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon Pro&Contra » Sa 2. Sep 2017, 19:54

Was ist denn das für eine Union, wenn man jeden zwingen will nach EU Pfeife zu tanzen? Im Prinzip ist die EU doch nur eine Bündnis, welches durch Geld zusammengehalten wird. Weder gemeinsame Werte noch gemeinsame Interessen halten das Bündnis zusammen.

Keine Wunder, dass jeder dämonisiert wird, der aus der Reihe tanzt. Es ist ein Bündnis auf wackeligen Füßen.
Wenn ich nicht antworte, dann habe ich entweder keine Lust oder deine Argumente sind Unsinn.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon frems » Sa 2. Sep 2017, 21:40

Ger9374 hat geschrieben:(02 Sep 2017, 20:39)

Die E.U. ist zu gross und komplex geworden für einfache Lösungen. Stop für neue beitrittskandidaten und durchstarten für Kerneuropa. Die unwilligen auf die Zuschauertribüne.
Mehrheitsentscheidungen und Parlament und E.U
Regierung aufbauen. Sonst wird das nie was!!

Darauf läuft's ja hinaus, um die Handlungsfähigkeit zu stärken. Blockiert ein Mitglied Integrationsschritte, weil es sich durch einen Kuhhandel mehr Mittel verspricht, kann das nicht im Sinne des Erfinders sein. Da braucht man eben demokratische Mehrheitsbeschlüsse, die alle akzeptieren müssen. Die Polen können ja selbst entscheiden, ob sie ein Mitglied erster oder zweiter Klasse sein wollen. Ich find das persönlich gar nicht so dramatisch. Es gab ja von einigen progressiven Politikern (u.a. aus der FDP) den Vorschlag, dass man ein Drei-Ringe-System aufstellt. Im Kern sind die Mitglieder der Eurozone mit eigenem Haushalt und Parlament, wo es staatsähnliche, föderale Strukturen mit einer handlungsfähigen Exekutive gibt. Im zweiten Ring sind die sonstigen EU-Mitglieder, die sich weitestgehend nur an der wirtschaftlichen Integration ohne gemeinsame Währung beteiligen. Das bedeutet aber natürlich auch weniger Rechte, um mitzuentscheiden. Was der Kern macht, entscheidet er selbst. Und der dritte Ring ist eine losere Form der Partizipation, welches keinen kompletten Zugriff zum Binnenmarkt bedeutet. Das wäre ein Nachfolgemodell für die EFTA (Schweiz), den EWR (Norwegen, Island, Liechtenstein) und ggf. die Zollunion (Andorra, Monaco, San Marino, die Türkei und u.U. bald Großbritannien).
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 2. Sep 2017, 21:47

Pro&Contra hat geschrieben:(02 Sep 2017, 20:54)

Was ist denn das für eine Union, wenn man jeden zwingen will nach EU Pfeife zu tanzen? Im Prinzip ist die EU doch nur eine Bündnis, welches durch Geld zusammengehalten wird. Weder gemeinsame Werte noch gemeinsame Interessen halten das Bündnis zusammen.

Keine Wunder, dass jeder dämonisiert wird, der aus der Reihe tanzt. Es ist ein Bündnis auf wackeligen Füßen.

nicht ganz. das EU-gerichtshoft sorgt z.b. dafür daß rechtsregeln in allen ländern uniform ausgelegt werden wenn sie einen EU-vertrag oder EU-regel betreffen. damit wird willkür wie unter orban zuvorzukommen.
aber auch die freiheit von bewegung ist mir viel wert. vllt daß du es nicht weißt, aber ich erinnere mich noch ganz gut daß ich merkte, daß es länder gibt wo die menschen nicht wohnen wollen. sie durften aber nicht weggehen.
usw.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon H2O » So 3. Sep 2017, 08:43

frems hat geschrieben:(02 Sep 2017, 22:40)

Darauf läuft's ja hinaus, um die Handlungsfähigkeit zu stärken. Blockiert ein Mitglied Integrationsschritte, weil es sich durch einen Kuhhandel mehr Mittel verspricht, kann das nicht im Sinne des Erfinders sein. Da braucht man eben demokratische Mehrheitsbeschlüsse, die alle akzeptieren müssen. Die Polen können ja selbst entscheiden, ob sie ein Mitglied erster oder zweiter Klasse sein wollen. Ich find das persönlich gar nicht so dramatisch. Es gab ja von einigen progressiven Politikern (u.a. aus der FDP) den Vorschlag, dass man ein Drei-Ringe-System aufstellt. Im Kern sind die Mitglieder der Eurozone mit eigenem Haushalt und Parlament, wo es staatsähnliche, föderale Strukturen mit einer handlungsfähigen Exekutive gibt. Im zweiten Ring sind die sonstigen EU-Mitglieder, die sich weitestgehend nur an der wirtschaftlichen Integration ohne gemeinsame Währung beteiligen. Das bedeutet aber natürlich auch weniger Rechte, um mitzuentscheiden. Was der Kern macht, entscheidet er selbst. Und der dritte Ring ist eine losere Form der Partizipation, welches keinen kompletten Zugriff zum Binnenmarkt bedeutet. Das wäre ein Nachfolgemodell für die EFTA (Schweiz), den EWR (Norwegen, Island, Liechtenstein) und ggf. die Zollunion (Andorra, Monaco, San Marino, die Türkei und u.U. bald Großbritannien).


Genau diese Zielvorgabe getraut sich derzeit aber niemand ernsthaft aus zu sprechen. In Kommentaren, auch in Polen, wird die entsprechende Befürchtung schon angesprochen, daß sich Polen urplötzlich am Rande Europas wiederfinden könnte. Ich halte diese Befürchtung inzwischen für untertrieben, denn eine EU-Mitgliedschaft setzt schon noch Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung voraus, einmal unabhängig von der Tiefe der Zusammenarbeit und gemeinschaftlichen oder nationalen Hoheitsrechten. Speziell Polen könnte sich also irgendwann ohne jedes Stimmrecht und ohne Zahlungsströme hin und zurück hinter einer Zollgrenze wiederfinden.

Kommissionspräsident Juncker hatte das Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten skizziert, weil er den Zerfall de bestehenden Union erkannt hatte. Präsident Hollande hatte vor drei Jahren das Kern-Europa der Willigen als Notlösung gegen Bremser der Fortentwicklung der EU ins Rennen geschickt, als Premier Cameron mit der BREXIT-Drohung weitere Lockerungen der EU-Bindungskräfte ertrotzen wollte.

Inzwischen hat das Kerneuropa theoretisch Gestalt angenommen... eine Gemeinschaft mit gemeinsamer Währung, einem eigenen Parlament und mindestens einer "Wirtschaftsregierung"... oder mehr. Der Schönheitsfehler dieses Konzepts ist aber, daß bisher keiner der entscheidenden Mitgliedsstaaten praktische Schritte zu diesem Ziel vorgeschlagen hat, oder daß eine erkennbare "Vereinsbildung" dazu zu erkennen wäre. Im Gegenteil gehen die untauglichen Versuche immer weiter, mit den Regeln der EU "unbotmäßige" Mitglieder bei der Stange halten zu wollen. Irgendwie fehlt die Einsicht, daß solche Regeln nur etwas taugen, wenn sie allseits anerkannt werden... und dann bräuchte man sie auch gar nicht. :)

Mit anderen Worten: Der Mut fehlt zu einer gründlichen Umgestaltung der EU mit dem Ziel einer Gemeinschaft, die das europäische Projekt vollendet. Dabei ist völlig klar, daß nicht alle derzeitigen EU-Mitglieder dabei mitmachen werden, daß es also eine Rückentwicklung geben wird, wodurch diese kleinere Gemeinschaft an wirtschaftlicher Bedeutung verlieren wird. Dafür gewinnt sie aber an politischer Bindekraft und aller Voraussicht nach auch an wirtschaftlicher Dynamik.

Die EWG hat letztendlich auch durch ihren wirtschaftlichen Erfolg die Nordeuropäer und Iberer dazu gebracht, sich tiefer in die EU ein zu bringen... und dieser Erfolg hat letztendlich auch die große Osterweiterung bewirkt. Ohne einen kühnen Schritt in Richtung Kerneuropa verfault die EU an allen Ecken und Enden durch nationalen Eigensinn. Da aber das Kerneuropa ohne seine Protonen D & F niemals erfolgreich wirken kann, sollten nach der Bundestagswahl die beiden Regierungen einen Werbefeldzug für das Kerneuropa anstarten, um den "Kreis der Willigen" zu ermitteln, der wesentliche Hoheitsrechte auf den Kern überträgt mit dem Ziel, das europäische Projekt zu verwirklichen. Offene Grenzen, gegenseitige Zahlungsverpflichtungen und die Grundfreiheiten der EU sollte es auch nur noch im Kern-Europa geben. Für Partner, denen der Kern zu enge Bindungen abverlangt, sollte eine Zusammenarbeit nach dem Muster Norwegens oder der Schweiz offen stehen... aber nur unter der Bedingung der Rechtsstaatlichkeit und der Gewaltenteilung. Von der politischen Gestaltung des Kerns sind die dann aber ausgeschlossen... können ihm aber beitreten, wenn die Mehrheit der Wähler im Kern dem zustimmt.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon DarkLightbringer » So 3. Sep 2017, 11:22

Brechstangen-Politik bringt gar nichts. Selbst wenn man Regierungen kleinerer Staaten unter Druck setzen kann, die Bevölkerung wählt dann ab, wenn sie gefragt wird. Das hat man etwa beim entsprechenden Frankreich-Referendum gesehen.

Es bleibt nichts anderes übrig, als durch Erfolge zu überzeugen. Außer, man will ein Europa ohne Europäer.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon Ger9374 » So 3. Sep 2017, 16:35

DarkLightbringer hat geschrieben:(03 Sep 2017, 12:22)

Brechstangen-Politik bringt gar nichts. Selbst wenn man Regierungen kleinerer Staaten unter Druck setzen kann, die Bevölkerung wählt dann ab, wenn sie gefragt wird. Das hat man etwa beim entsprechenden Frankreich-Referendum gesehen.

Es bleibt nichts anderes übrig, als durch Erfolge zu überzeugen. Außer, man will ein Europa ohne Europäer.


Erfolge gegen einige die sich querstellen, gar nicht so einfach. Es wäre schon hilfreich wenn einzelne
Parteien oder Politiker aufhören würden sich auf kosten der E.U zu profilieren. Nach der btw wird
sich was bewegen müssen, sonst bleibt der E.U zug im Bahnhof stehen!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon DarkLightbringer » So 3. Sep 2017, 17:43

Ger9374 hat geschrieben:(03 Sep 2017, 17:35)

Erfolge gegen einige die sich querstellen, gar nicht so einfach. Es wäre schon hilfreich wenn einzelne
Parteien oder Politiker aufhören würden sich auf kosten der E.U zu profilieren. Nach der btw wird
sich was bewegen müssen, sonst bleibt der E.U zug im Bahnhof stehen!

Es geht nicht allein um Querulanz, sondern einfach darum, dass sich die verschiedenen Positionen zur Zukunft der EU in allen Parteien und Bevölkerungen wieder finden. Wenn nun jemand mit erhobenem Zeigefinger "Polen" sagt, dann sag ich "Frankreich". In beiden Ländern wollen die Menschen in der EU sein, aber sie wollen im Detail nicht alles, was wiederum jemand anderes will. Kennt man eigentlich von der Innenpolitik her.

Und Erfolg heißt sichtbarer Erfolg, nicht irgendeine Theorie von Bahnhöfen, Ringen und verschiedenen Geschwindigkeiten, sondern in den Kernbereichen Sicherheit und Wohlstand.

Wer Bewegung will, muss bewegungsfähig sein.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon H2O » So 3. Sep 2017, 18:29

DarkLightbringer hat geschrieben:(03 Sep 2017, 18:43)

Es geht nicht allein um Querulanz, sondern einfach darum, dass sich die verschiedenen Positionen zur Zukunft der EU in allen Parteien und Bevölkerungen wieder finden. Wenn nun jemand mit erhobenem Zeigefinger "Polen" sagt, dann sag ich "Frankreich". In beiden Ländern wollen die Menschen in der EU sein, aber sie wollen im Detail nicht alles, was wiederum jemand anderes will. Kennt man eigentlich von der Innenpolitik her.

Und Erfolg heißt sichtbarer Erfolg, nicht irgendeine Theorie von Bahnhöfen, Ringen und verschiedenen Geschwindigkeiten, sondern in den Kernbereichen Sicherheit und Wohlstand.

Wer Bewegung will, muss bewegungsfähig sein.


Tja, da ist etwas dran; mir paßt überhaupt nicht, daß Polen auf die Gewaltenteilung pfeift und das mit seinen nationalen Hoheitsrechten begründet. Die gönne ich den Polen. Nur ist in der EU für hartnäckige Vertragsverletzer eben kein Platz. Das paßt der EU-Kommission nicht, das paßt Frankreich und Italien nicht, und die Kanzlerin will das auch nicht ertragen... hat sie sehr klar gesagt. Wir sollten die Erfolge der EU mit jenen teilen, die sie voran bringen oder wenigstens Anstrengungen unternehmen, sie voran zu bringen. Manchmal ist weniger eben mehr.

Das Tandem D & F sollte nun in der Tat Bewegung zeigen und die EU der Willigen schmieden. Mit Larifari wird das nix!
Zuletzt geändert von H2O am So 3. Sep 2017, 18:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon H2O » So 3. Sep 2017, 18:37

DarkLightbringer hat geschrieben:(03 Sep 2017, 12:22)

Brechstangen-Politik bringt gar nichts. Selbst wenn man Regierungen kleinerer Staaten unter Druck setzen kann, die Bevölkerung wählt dann ab, wenn sie gefragt wird. Das hat man etwa beim entsprechenden Frankreich-Referendum gesehen.

Es bleibt nichts anderes übrig, als durch Erfolge zu überzeugen. Außer, man will ein Europa ohne Europäer.


Die Sache mit dem Befragen und Abwählen halte ich für gesund. Die Menschen könnten ja auch zustimmen... :) ... so etwas wie "Pulse of Europe" gibt es ja auch noch. Dann muß abwählen aber heißen: In diesem Verein will ich nicht Mitglied sein. Nicht etwa weiter voll dabei sein, sich im Glanz von Erfolgen sonnen, die die anderen erringen, und den Mehrheitswillen blockieren. Insofern ist der -EXIT eine gute Sache. Eine Mannschaft sollte schon noch nach einer gemeinsamen Spielregel kämpfen.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 4. Sep 2017, 07:27

H2O hat geschrieben:(03 Sep 2017, 19:29)

Tja, da ist etwas dran; mir paßt überhaupt nicht, daß Polen auf die Gewaltenteilung pfeift und das mit seinen nationalen Hoheitsrechten begründet. Die gönne ich den Polen. Nur ist in der EU für hartnäckige Vertragsverletzer eben kein Platz. Das paßt der EU-Kommission nicht, das paßt Frankreich und Italien nicht, und die Kanzlerin will das auch nicht ertragen... hat sie sehr klar gesagt. Wir sollten die Erfolge der EU mit jenen teilen, die sie voran bringen oder wenigstens Anstrengungen unternehmen, sie voran zu bringen. Manchmal ist weniger eben mehr.

Das Tandem D & F sollte nun in der Tat Bewegung zeigen und die EU der Willigen schmieden. Mit Larifari wird das nix!

Zunächst einmal, das unierte Europa in seiner gegenwärtigen Aufstellung wird gebraucht, es ist kein reiner Spaßverein. Die Union ist der drittgrößte Ökonomie-Faktor in der Welt und neben den USA der Haupt-Exporteur für die Idee der Freiheit. Darüber hinaus ist die Union die zweitgrößte Friedensmacht. Sie ist wichtig für die Nachbarschaftspolitik und für den Einfluß in der UNO. Sie ist sogar entscheidender Faktor für eine regelbasierte Zukunft im 21. Jahrhundert.

Die Union braucht allerdings eine Reform sowie sichtbare Erfolge, sie muss sozusagen erwachsen werden, um den robusten Anfechtungen gerecht werden zu können.

Ein Rückbau zum Spaßverein der Wenigen, gar zur deutsch-französischen Doppelmonarchie in der Mentalität des Wiener Kongresses, ist aus meiner Sicht jedoch ein historisch längst überholter und destruktiver Ansatz.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 4. Sep 2017, 07:38

H2O hat geschrieben:(03 Sep 2017, 19:37)

Die Sache mit dem Befragen und Abwählen halte ich für gesund. Die Menschen könnten ja auch zustimmen... :) ... so etwas wie "Pulse of Europe" gibt es ja auch noch. Dann muß abwählen aber heißen: In diesem Verein will ich nicht Mitglied sein. Nicht etwa weiter voll dabei sein, sich im Glanz von Erfolgen sonnen, die die anderen erringen, und den Mehrheitswillen blockieren. Insofern ist der -EXIT eine gute Sache. Eine Mannschaft sollte schon noch nach einer gemeinsamen Spielregel kämpfen.

Der Mehrheitswille der Menschen sagt praktisch überall, in ganz Europa, ja zur Union, aber nein zu bürokratischem Nichtsnutz. Just in Polen sind 88 % für einen Verbleib in der EU, mehr als in Frankreich oder Deutschland. Ein K.O.-System zur Durchsetzung von Partikularinteressen würde die Fliehkräfte stärken, den Exit zum Standard erheben und ein Europa ohne Europäer gestalten.
Alternativvorschlag: Verhandeln, Reformieren und was "Richtiges" machen.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon H2O » Mo 4. Sep 2017, 08:11

DarkLightbringer hat geschrieben:(04 Sep 2017, 08:38)

Der Mehrheitswille der Menschen sagt praktisch überall, in ganz Europa, ja zur Union, aber nein zu bürokratischem Nichtsnutz. Just in Polen sind 88 % für einen Verbleib in der EU, mehr als in Frankreich oder Deutschland. Ein K.O.-System zur Durchsetzung von Partikularinteressen würde die Fliehkräfte stärken, den Exit zum Standard erheben und ein Europa ohne Europäer gestalten.
Alternativvorschlag: Verhandeln, Reformieren und was "Richtiges" machen.


Das "Richtige" ist aus meiner Sicht die Neutralisierung von vorsätzlichen Störenfrieden. Weniger Europäer, die aber ihre Gedanken und Fähigkeiten zum Wohl der Gemeinschaft einbringen, werden die EU wirtschaftlich, sozial und politisch voran bringen. Die 88% Europäer in Polen müssen sich entscheiden, ob sie eine allein unter nationalen Gesichtspunkten handelnde Regierung haben möchten, oder eine Regierung, die das europäische Projekt fördert. Beides zugleich paßt nun einmal nicht zusammen.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 4. Sep 2017, 08:23

H2O hat geschrieben:(04 Sep 2017, 09:11)

Das "Richtige" ist aus meiner Sicht die Neutralisierung von vorsätzlichen Störenfrieden. Weniger Europäer, die aber ihre Gedanken und Fähigkeiten zum Wohl der Gemeinschaft einbringen, werden die EU wirtschaftlich, sozial und politisch voran bringen. Die 88% Europäer in Polen müssen sich entscheiden, ob sie eine allein unter nationalen Gesichtspunkten handelnde Regierung haben möchten, oder eine Regierung, die das europäische Projekt fördert. Beides zugleich paßt nun einmal nicht zusammen.

Nein, das "Richtige" ist eine erkennbar gute Regierungs- und Verwaltungspolitik. Die Politik ist für die Menschen da, nicht umgekehrt.
Wenn Sie alle neutralisieren wollen, die von einer Theorie der Bahnhöfe, Ringe und Geschwindigkeiten nichts oder wenig halten, gibt es die EU schlichtweg nicht mehr.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon H2O » Mo 4. Sep 2017, 08:26

DarkLightbringer hat geschrieben:(04 Sep 2017, 08:27)

...

Ein Rückbau zum Spaßverein der Wenigen, gar zur deutsch-französischen Doppelmonarchie in der Mentalität des Wiener Kongresses, ist aus meiner Sicht jedoch ein historisch längst überholter und destruktiver Ansatz.


Mit Verlaub, dieser Ausflug ins Unsinnige ist Ihrer nicht würdig! Es wird keine auf D & F beschränkte Gemeinschaft geben. Vielmehr wird von diesen wirtschaftlichen und politischen Schwergewichten der EU ein Kern gebildet, der gutwillige Europäer anzieht und einbindet... vom ersten Tage an. Mir als überzeugtem Europäer ist schon heute klar, welche Partner sofort bereit sind, diesen Weg zu gehen. Außerdem steht diese vermeintlich kleinere EU allen offen, die ihre Spielregeln befolgen wollen. Mancher wird sich erst durch wirtschaftliche Erfolge des Kerns "überzeugen" lassen. Und die Erfolge werden nicht ausbleiben.

Die vermeintliche Größe der bestehenden EU lähmt Entscheidungsgänge und kostet wertvolle Zeit, die uns die Dynamik der Globalisierung aber nicht schenkt.

Kommissionspräsident Junker hat "seine" 5 Szenarien sicher nicht zum Zeitvertreib skizziert.
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Re: Will Polen die Entwicklung der EU behindern?

Beitragvon H2O » Mo 4. Sep 2017, 08:30

DarkLightbringer hat geschrieben:(04 Sep 2017, 09:23)

Nein, das "Richtige" ist eine erkennbar gute Regierungs- und Verwaltungspolitik. Die Politik ist für die Menschen da, nicht umgekehrt.
Wenn Sie alle neutralisieren wollen, die von einer Theorie der Bahnhöfe, Ringe und Geschwindigkeiten nichts oder wenig halten, gibt es die EU schlichtweg nicht mehr.


Na prima, dann sorgen Sie bitte dafür, daß diese gute Regierungs- und Verwaltungspolitik EU-weit stattfindet. Da verfügen Sie, anders als die EU-Kommission, Präsident Macron, die Kanzlerin und andere europäische Staatsmänner, über eine Naturbegabung, die Sie nutzen sollten. Ich werde Ihnen auf jeden Fall dabei zujubeln.

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