Wahl in den Niederlanden 2017

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Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon frems » So 5. Mär 2017, 16:34

In zehn Tagen ist es so weit. Unser westliches Nachbarland wählt ein neues Parlament. In den vergangenen Monaten machten vor allem Zugewinne für die rechte Ein-Mann-Partei PVV Schlagzeilen. Das scheint nun etwas abgeklungen zu sein, aber die künftige Regierungsbildung ist weiterhin ungewiss, da Wilders nach wie vor die stärkste Partei werden könnte, auch wenn die Demokraten erklärten, nicht mit dem Antieuropäer koalieren zu wollen. Zulauf erhält auch sozialliberale Partei "GroenLinks", die 2012 noch vier Mandate erhielt und in jüngsten Umfragen (s.u.) auf bis zu 20 kommt.

Kurz vor der niederländischen Parlamentswahl fällt die rechtspopulistische Partei von Wilders in den Umfragen zurück. Er hatte Marokkaner zuletzt als Abschaum bezeichnet.
http://www.zeit.de/politik/2017-03/nied ... te-umfrage

Der radikale Islamkritiker Geert Wilders könnte die niederländischen Parlamentswahlen gewinnen. Historiker Friso Wielenga erklärt warum.
http://www.sueddeutsche.de/politik/nied ... -1.3401337

Donny Bonsink ist 24, schwul und fühlt sich nicht mehr sicher. Er will die Partei von Geert Wilders wählen. Die ist vor allem unter Jüngeren beliebt. Warum?
http://www.zeit.de/campus/2017-03/parla ... ge-waehler


Aktuelle Umfragewerte findet Ihr hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Parlament ... 7#Umfragen
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon frems » So 5. Mär 2017, 20:10

Kleine Ergänzung noch:

Dutch go old school against Russian hacking
A small, tech-savvy nation gives up on computers in this month’s parliamentary election.

http://www.politico.eu/pro/dutch-electi ... therlands/

In der Trump-Falle
Monatelang hat Geert Wilders die Umfragen in den Niederlanden angeführt. Zwei Wochen vor der Wahl droht dem Rechtspopulisten die Puste auszugehen. Sein Problem: die Nähe zu Donald Trump.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/n ... 36946.html

Die liberalen Rechten von Premier Rutte legen im Wahlkampf zu
Lange lag Wilders PVV in den Umfragen vorn, doch die liberalen Rechten von Premier Rutte haben aufgeschlossen.

http://www.badische-zeitung.de/ausland- ... 50625.html

Rutte and Wilders vie for first place in Dutch election
On the rise in the Netherlands: Prime Minister Mark Rutte’s centre-right VDD party has overtaken its far-right rival in the polls ahead of this month’s election.

http://www.euronews.com/2017/03/04/rutt ... h-election
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon Nomen Nescio » Do 9. Mär 2017, 00:01

es ist ungemein spannend, denn in theorie können drei parteien wegen der fehlermargen als erste enden.
jedenfalls wird die bildung einer regierung sehr schwierig sein, denn mindestens vier parteien braucht man dafür. nur eines ist sicher: wilders kommt nicht in der regierung.

wilders übrigens... heute hörte ich einen anwalt der mal notararchive nachgesucht hat und das gesetzbuch nochmals gelesen bezüglich vereine.
zusammengefaßt muß ein verein durch mindestens zwei personen gegründet werden. in der akte von wilders partei stehen zwei namen: wilders als privatperson und wilders als vorsitzende der stiftung einer politischen partei. mitglieder kann man nicht ausfindig machen außer wilders. der anwalt denkt daß hier rede ist von einem scheingeschäft. hoffentlich kommt da eine folge.

überigens hat wilder in den jahren 2014 und 2015 beträge von über 100.000 euros von einem (?) gönner in der USA empfangen. fremd, rußland stützt le penn und konservative (jüdische) leute in der USA wilders...
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon Wasteland » Do 9. Mär 2017, 08:06

Man muss sich schon fragen warum die Konkurrenten der europäischen Länder vor allem die EU-feindlichen Parteien finanzieren und unterstützen. Die Antwort ist sehr offensichtlich. Sie erwarten sich eine politische Schwächung der Länder auf dem Kontinent, weil wir mit EU stark und ohne sie schwach sind.
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon H2O » Do 9. Mär 2017, 09:13

Nomen Nescio hat geschrieben:(09 Mar 2017, 00:01)

es ist ungemein spannend, denn in theorie können drei parteien wegen der fehlermargen als erste enden.
jedenfalls wird die bildung einer regierung sehr schwierig sein, denn mindestens vier parteien braucht man dafür. nur eines ist sicher: wilders kommt nicht in der regierung.

wilders übrigens... heute hörte ich einen anwalt der mal notararchive nachgesucht hat und das gesetzbuch nochmals gelesen bezüglich vereine.
zusammengefaßt muß ein verein durch mindestens zwei personen gegründet werden. in der akte von wilders partei stehen zwei namen: wilders als privatperson und wilders als vorsitzende der stiftung einer politischen partei. mitglieder kann man nicht ausfindig machen außer wilders. der anwalt denkt daß hier rede ist von einem scheingeschäft. hoffentlich kommt da eine folge.

überigens hat wilder in den jahren 2014 und 2015 beträge von über 100.000 euros von einem (?) gönner in der USA empfangen. fremd, rußland stützt le penn und konservative (jüdische) leute in der USA wilders...


Erstaunlich, daß die ansonsten doch so auf saubere Verhältnisse bauenden Niederländer diesen fremdfinanzierten Teufel nicht außer Landes jagen!
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon frems » So 12. Mär 2017, 22:38

H2O hat geschrieben:(09 Mar 2017, 09:13)

Erstaunlich, daß die ansonsten doch so auf saubere Verhältnisse bauenden Niederländer diesen fremdfinanzierten Teufel nicht außer Landes jagen!

Naja, der Wähler macht halt das, was er mit unerwünschten Politikern halt macht: er wendet sich ab. Wo nun der Wahlkampf in Fahrt kommt, fallen Wilders' Ergebnisse wieder: https://www.welt.de/newsticker/news1/ar ... -zwei.html

Scheinbar sind unsere Nachbarn noch nüchtern genug, um nicht aus Protest einen Radikalen zu wählen und am nächsten Tag überrascht zu sein, dass er ordentlich abräumte und an Einfluss gewinnt.
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon Fazer » Mo 13. Mär 2017, 00:16

frems hat geschrieben:(12 Mar 2017, 22:38)

Naja, der Wähler macht halt das, was er mit unerwünschten Politikern halt macht: er wendet sich ab. Wo nun der Wahlkampf in Fahrt kommt, fallen Wilders' Ergebnisse wieder: https://www.welt.de/newsticker/news1/ar ... -zwei.html

Scheinbar sind unsere Nachbarn noch nüchtern genug, um nicht aus Protest einen Radikalen zu wählen und am nächsten Tag überrascht zu sein, dass er ordentlich abräumte und an Einfluss gewinnt.


Na ja, mal sehen. Die Umfrageinstitute in den Niederlanden sind offenbar nicht so gut aufgestellt wie die in Deutschland, Vorhersagen sind in NL bekanntermassen oft sehr ungenau. Und die Ergebnisse liegen so nahe beieinander das fast alles möglich ist. Auch Rutte sagt ja, er hält es weiter für möglich, dass WIlders vorne liegt.

Auf Twitter diskutieren die Leute, wem der Vorfall in Rotterdam mehr nützt - WIlders oder Erdogan. Ich frage mich, warum er nicht Rutte nützen sollte - man hat klare Kante gezeigt als Regierung, das müsste doch an sich gut ankommen?
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon Ger9374 » Mo 13. Mär 2017, 07:24

Mein Wunsch, die Niederländer zeigen am Wahltag deutlich ihr pro Europa denken! Es wird Zeit das deutlich wird das eine Demokratie sich auch von Demagogen auf Dauer nicht verarschen lässt.Der Wilders produziert nur heisse Luft und hat einen scheiss Friseur!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon H2O » Mo 13. Mär 2017, 08:30

Ger9374 hat geschrieben:(13 Mar 2017, 07:24)

Mein Wunsch, die Niederländer zeigen am Wahltag deutlich ihr pro Europa denken! Es wird Zeit das deutlich wird das eine Demokratie sich auch von Demagogen auf Dauer nicht verarschen lässt.Der Wilders produziert nur heisse Luft und hat einen scheiss Friseur!


Den Friseur gönne ich ihm!
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 13. Mär 2017, 09:01

Ger9374 hat geschrieben:(13 Mar 2017, 07:24)

Mein Wunsch, die Niederländer zeigen am Wahltag deutlich ihr pro Europa denken! Es wird Zeit das deutlich wird das eine Demokratie sich auch von Demagogen auf Dauer nicht verarschen lässt.Der Wilders produziert nur heisse Luft und hat einen scheiss Friseur!

Das wäre auch mein Wunsch. Nur: Die Niederländer haben sich in den letztem 20,30 Jahren von Pro-Europäern ersten Ranges zu EU-Skeptikern ersten Ranges gewandelt. Das wurde erstmals 2005 deutlich, als es in den Niederlanden eine Volksabstimmung kontra Lissabon-Vertrag gab und letztens mit der Volksabstimmung kontra Ukraine-EU-Assoziation. Gestern hörte ich eine Vorlesung (dradio Hörsaal) zum Thema "Religion und Öffentlche Medien", in denen die Niederlande das Beispiel par excellence für den Wandel von einem "Alle dürfen alles"-Modell zu einem "Niemand darf irgendwas"-Modell diente. Noch bis vor kurzem hätte es für so gut wie alle religiösen Strömungen (Katholiken, Protestanten, jüdische Gemeinden,Moslems, Hindus, Buddhisten) Möglichkeiten der medialen Präsentation gegeben. Die Frage für mich ist (ich kenne die Niederlande zu wenig): Sind das eher Äußerlichkeiten und aktuelle Momenterscheinungen oder haben sich die Gesellschaften kleinerer westeuropäischer Staaten wie Dänemark oder Niederlande tatsächlich, wie es in vielen politischen Kommentaren heißt, tiefgreifend und grundlegend gewandelt? Von liberal zu konservativ?
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon immernoch_ratlos » Mo 13. Mär 2017, 09:09

Ein "erster Platz" für Wilders scheint nur für die kommenden Wahlen in einer Reihe europäischer Staaten das "Schreckgespenst". In den Niederlanden hat sich Geerd und seine Partei wohl schon (wieder) vollkommen isoliert :
Quelle hat geschrieben:...Sie liegt knapp auf Platz zwei hinter der Rutte-Partei. Gut möglich, dass der europaweite Türkei-Streit dem Regierungschef nützt. Der ließ zwei Wahlkampfauftritte von türkischen Ministern vor dem Referendum am 16. April platzen und handelte sich daraufhin eine Kanonade mit Nazi-Beleidigungen aus Ankara ein.

Die geografisch kleine Niederlande bietet dem gewichtigen Nato-Partner Türkei und dessen verbal ausrastenden Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Stirn: Mit dieser Klare-Kante-Politik wird Rutte bei seinen Landsleuten punkten. Viele hätten dem bedächtigen Premier, der den diskreten Charme eines Buchhalters :p hat, eine derart kraftvolle Vorstellung nicht zugetraut.

Hinzu kommt, dass sich Wilders in eine solche Außenseiterrolle kapriziert hat, dass niemand mit ihm koalieren will. In einem Elf-Parteiensystem wie den Niederlanden ist dies aber politischer Selbstmord. Wer vorhat, zu regieren, muss sich auf Kompromisse einlassen. Einige der Protestwähler, die bislang Wilders zuneigten, haben sich offenbar abgewendet.
Schau mer mal...
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon immernoch_ratlos » Mo 13. Mär 2017, 09:19

schokoschendrezki hat geschrieben:...Sind das eher Äußerlichkeiten und aktuelle Momenterscheinungen oder haben sich die Gesellschaften kleinerer westeuropäischer Staaten wie Dänemark oder Niederlande tatsächlich, wie es in vielen politischen Kommentaren heißt, tiefgreifend und grundlegend gewandelt? Von liberal zu konservativ?
Oder eine andere Erklärung, die durchaus auch "größere" europäische Staaten betreffen könnte - womöglich ist die "multikulturelle Besoffenheit" einer rationellen Katerstimmung gewichen ? Probleme kann man sich eine Weile schön saufen, verschwunden sind sie dadurch im allgemeinen nicht.
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon H2O » Mo 13. Mär 2017, 09:30

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Mar 2017, 09:01)

Das wäre auch mein Wunsch. Nur: Die Niederländer haben sich in den letztem 20,30 Jahren von Pro-Europäern ersten Ranges zu EU-Skeptikern ersten Ranges gewandelt. Das wurde erstmals 2005 deutlich, als es in den Niederlanden eine Volksabstimmung kontra Lissabon-Vertrag gab und letztens mit der Volksabstimmung kontra Ukraine-EU-Assoziation. Gestern hörte ich eine Vorlesung (dradio Hörsaal) zum Thema "Religion und Öffentlche Medien", in denen die Niederlande das Beispiel par excellence für den Wandel von einem "Alle dürfen alles"-Modell zu einem "Niemand darf irgendwas"-Modell diente. Noch bis vor kurzem hätte es für so gut wie alle religiösen Strömungen (Katholiken, Protestanten, jüdische Gemeinden,Moslems, Hindus, Buddhisten) Möglichkeiten der medialen Präsentation gegeben. Die Frage für mich ist (ich kenne die Niederlande zu wenig): Sind das eher Äußerlichkeiten und aktuelle Momenterscheinungen oder haben sich die Gesellschaften kleinerer westeuropäischer Staaten wie Dänemark oder Niederlande tatsächlich, wie es in vielen politischen Kommentaren heißt, tiefgreifend und grundlegend gewandelt? Von liberal zu konservativ?

Meine Vermutung: Europas kleinere Völker sehen ihre nationalen Eigenarten in der sehr engen Gemeinschaft mit den großen Staaten um sie herum stärker bedroht als etwa Franzosen, Italiener oder Spanier. Dann wächst wohl die Neigung, seine Besonderheit nach außen zu kehren. Das erscheint mir menschlich-allzumenschlich... wenn auch dumm und sogar auf Dauer gefährlich, wenn die Globalisierung sich daran macht, fast alle Unterschiede glatt zu bügeln, ohne daß eine nahezu gleichartige Kultur ringsum einen Schutz gegen das völlige Verschwinden bietet. Als Norddeutscher muß man nur sehen, in welchem Ausmaß Niederländer von offenen Grenzen und offenen Meinungen leben... dazu paßt das von Ihnen beschriebene Rückzugsverhalten überhaupt nicht.
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon Ger9374 » Mo 13. Mär 2017, 09:33

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Mar 2017, 09:01)

Das wäre auch mein Wunsch. Nur: Die Niederländer haben sich in den letztem 20,30 Jahren von Pro-Europäern ersten Ranges zu EU-Skeptikern ersten Ranges gewandelt. Das wurde erstmals 2005 deutlich, als es in den Niederlanden eine Volksabstimmung kontra Lissabon-Vertrag gab und letztens mit der Volksabstimmung kontra Ukraine-EU-Assoziation. Gestern hörte ich eine Vorlesung (dradio Hörsaal) zum Thema "Religion und Öffentlche Medien", in denen die Niederlande das Beispiel par excellence für den Wandel von einem "Alle dürfen alles"-Modell zu einem "Niemand darf irgendwas"-Modell diente. Noch bis vor kurzem hätte es für so gut wie alle religiösen Strömungen (Katholiken, Protestanten, jüdische Gemeinden,Moslems, Hindus, Buddhisten) Möglichkeiten der medialen Präsentation gegeben. Die Frage für mich ist (ich kenne die Niederlande zu wenig): Sind das eher Äußerlichkeiten und aktuelle Momenterscheinungen oder haben sich die Gesellschaften kleinerer westeuropäischer Staaten wie Dänemark oder Niederlande tatsächlich, wie es in vielen politischen Kommentaren heißt, tiefgreifend und grundlegend gewandelt? Von liberal zu konservativ?



Vielleicht ist das die Gegenbewegung zu den Liberalen, sozialdemokratisch geprägten letzten
Jahrzehnten. Skandinavien sah ich da immer als sehr freiheitlich sozial dominiert. Aber ist es nicht eher schon weltweit so das Rechts konservative auf dem Vormarsch sind. Das alles ist alleine nicht so erschreckend wie das Aufkommen der Demagogen und Volksverhetzer. In einigen Demokratien beginnen diese Parteien ernsthaft Einfluss auf die Politik der Staaten zu nehmen.
Am besten dann noch mit Anti Europa Politik.
Da diese Parteien sich oft von alleine demontieren
bleibt die hoffnung das die Mehrheit der Wähler diesen Spuk durch verdächtige Stimmabgabe in Grenzen hält! Da ist eine Allianz der Demokraten gegen die Radikalen geboten!! Und zwar gegen alle Radikalen Kräfte die gegen die FDGO sind!!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 13. Mär 2017, 14:42

Ger9374 hat geschrieben:(13 Mar 2017, 09:33)

Vielleicht ist das die Gegenbewegung zu den Liberalen, sozialdemokratisch geprägten letzten
Jahrzehnten.

Oder es ist das, was in das Vakuum einströmt, das das Ende der Ideologien und des Ost-West-Konflikts hinterlassen hat ...
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon Hyde » Mo 13. Mär 2017, 14:54

Aus der Ferne betrachtet verstehe ich nicht ganz, warum in den Niederlanden eine gewisse Unzufriedenheit herrscht. Sie sind in den letzten Jahren besser aus der wirtschaftlichen Krise herausgekommen als alle anderen westeuropäischen Länder, und im Gegensatz zu Deutschland hatten sie auch nicht mal eine Flüchtlingskrise zu bewältigen.

Wirtschaftlich sind sie wohl sowieso das wohlhabendste Land der EU, abgesehen von dem kleinen Luxemburg.

Wenn einer keine Gründe zur Unzufriedenheit hat, dann doch die Holländer.
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon Moses » Mo 13. Mär 2017, 14:57

Hyde hat geschrieben:(13 Mar 2017, 14:54)

Aus der Ferne betrachtet verstehe ich nicht ganz, warum in den Niederlanden eine gewisse Unzufriedenheit herrscht. Sie sind in den letzten Jahren besser aus der wirtschaftlichen Krise herausgekommen als alle anderen westeuropäischen Länder, und im Gegensatz zu Deutschland hatten sie auch nicht mal eine Flüchtlingskrise zu bewältigen.

Wirtschaftlich sind sie wohl sowieso das wohlhabendste Land der EU, abgesehen von dem kleinen Luxemburg.

Wenn einer keine Gründe zur Unzufriedenheit hat, dann doch die Holländer.

Ich vermute mal, dass auch in den Niederlanden nur eine Minderheit dermaßen unzufrieden ist - so wie in Deutschland auch. Nur macht diese Minderheit einen Höllenrabatz und wirkt dadurch viel größer als sie wirklich ist.
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon Hyde » Mo 13. Mär 2017, 15:08

Moses hat geschrieben:(13 Mar 2017, 14:57)

Ich vermute mal, dass auch in den Niederlanden nur eine Minderheit dermaßen unzufrieden ist - so wie in Deutschland auch. Nur macht diese Minderheit einen Höllenrabatz und wirkt dadurch viel größer als sie wirklich ist.


Wenn die Rechtspopulisten bei 15-20 Prozent landen, ist das aber schon beträchtlich und deutlich mehr als in Deutschland, zumal die Rechtspopulisten in Deutschland ohne die Flüchtlingskrise wohl sogar Probleme hätten, über die 5 Prozent Hürde zu kommen.

Wenn in einem chronisch stagnierenden Land wie Frankreich oder Italien die Populisten auf dem Vormarsch sind, kann ich diese Unzufriedenheit noch irgendwie nachvollziehen. Aber in Holland?
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 13. Mär 2017, 17:07

Hyde hat geschrieben:(13 Mar 2017, 14:54)

... im Gegensatz zu Deutschland hatten sie auch nicht mal eine Flüchtlingskrise zu bewältigen.

sag das mal in den vielen gemeinden wo man flüchtlingen aufnehmen mußte. gebäude brennten ab, es gab krawalle, usw.

der instanz, der das regelte, kannte nur eine devise: schafft platz.
dadurch wurde es möglich daß z.b. in einem dorf mit ± 400 einwöhner liebst ± 800 flüchtlinge kommen mußten. oder daß eine verabredung gemacht war um 400 flüchtlinge zu schicken und am ende fast 3.000 kamen.
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Re: Wahl in den Niederlanden 2017

Beitragvon Hyde » Mo 13. Mär 2017, 17:48

Nomen Nescio hat geschrieben:(13 Mar 2017, 17:07)

sag das mal in den vielen gemeinden wo man flüchtlingen aufnehmen mußte. gebäude brennten ab, es gab krawalle, usw.

der instanz, der das regelte, kannte nur eine devise: schafft platz.
dadurch wurde es möglich daß z.b. in einem dorf mit ± 400 einwöhner liebst ± 800 flüchtlinge kommen mußten. oder daß eine verabredung gemacht war um 400 flüchtlinge zu schicken und am ende fast 3.000 kamen.


Zwei Drittel aller (!) Asylanträge in der EU 2016 wurden in Deutschland gestellt. Also doppelt so viele wie im Rest der EU zusammen. Zum Vergleich: die EU hat 500 Mio Einwohner, Deutschland gerade mal 80 Mio.
Und das restliche Drittel der Asylanträge fiel hauptsächlich auf Österreich, Schweden, Länder der Balkanroute oder Südeuropa (Italien, Griechenland).

Die paar tausend Flüchtlinge, die 2016 in die Niederlande kamen, kamen nach Deutschland teilweise an einem Tag.

Also da kann man nicht wirklich von einer holländischen Flüchtlingskrise sprechen.

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