EU und der "breite Dialog" mit dem Iran ->Afghanistan/Drogen und Sicherheit

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 3151
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: EU und der "breite Dialog" mit dem Iran ->Afghanistan/Drogen und Sicherheit

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 6. Jun 2018, 17:01

Vongole hat geschrieben:(06 Jun 2018, 17:49)

Ja, Europa emanzipiert sich auch noch vom letzten Rest Vernunft und Realitätsbezug.
Wer nach 3 jahren immer noch nicht erkennt, dass der Iran Europa ausgesprochen idiotisch aussehen lässt und seine Vertragspartner am Nasenring durch die Manege zieht,
muss sich nicht wundern, wenn sein Einfluss in der intern. Sicherheitspolitik immer marginaler wird.


Wer sich so den Interessen der USA unterwirft braucht den Europäern ganz sicher nichts vom Realitätsbezug erzählen. Und so einigen anderen großen Volkswirtschaften auch nicht. Alle, alle stehen gegen die derzeitige US-Politik. Von Island bis Indien. Nur Netanjahu steht zu Trump. Aber über dessen Realitätsverlust kann wohl ohnehin kein Zweifel bestehen.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 3151
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: EU und der "breite Dialog" mit dem Iran ->Afghanistan/Drogen und Sicherheit

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 6. Jun 2018, 17:03

King Kong 2006 hat geschrieben:(06 Jun 2018, 17:56)

Nein. Die USA ist weit weg. Die können Kriege in Nahost zur (wirtschaftlichen) Interessenswahrung führen. Auch kommen Millionen Flüchtlinge nicht in die USA, sie kommen nach Europa. Trump interessiert nicht im geringsten Sorgen oder Interessen der Europäer. Er will die EU kleinhalten. Das interessiert ihn. Kein Schutz, sondern Eindämmung.

Das die EU sich wehrt ist bemerkenswert. Das war schon unter Bush abzusehen und seinen Unilateralismus. Trump gibt dem den Rest. Es ist nicht primär die USA. Die haben ja das Abkommen mitverhandelt. Es ist Trump und seine Neocon-Berater wie Bolton. Man kann natürlich auch die Region entfesseln. Ohne Abkommen. Wird auch von iranischen Hardlinern sehr hinderlich betrachtet. Nicht nur von Kriegsfalken in den USA.

Ja. Diesmal gibt es keine Koalition der Willigen. Nicht mal die Briten wollen da mitmachen.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 4566
Registriert: Di 3. Jun 2008, 10:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: EU und der "breite Dialog" mit dem Iran ->Afghanistan/Drogen und Sicherheit

Beitragvon King Kong 2006 » Do 7. Jun 2018, 22:50

Man muß an dieser Stelle noch einmal klarstellen, daß es hier um europäische Sicherheitsinteressen geht. Es geht nicht um eine wie auch immer geartete Sympathie für den Iran.

Administrationen wie die von G.W.Bush oder jetzt von Trump, flankiert von Neocons (z.B. Bolton damals und heute als Sicherheitsberater von Trump) haben zur Interessensdurchsetzung die Holzhammermethode. Das "Herumspielen" und infantile Ausprobieren. Erstmal etwas kaputtmachen und dann sehen wir mal, was wir davon gebrauchen können. Das kann man vielleicht realpolitisch machen, wenn man auf dem Mond wohnt, oder eben auf einem anderen Kontinent, wie den USA, das hat aber konkrete Auswirkungen auf die Nachbarschaft, z.B. Europa. Syrien, ist ganz klar symbiotisch mit dem Krieg gegen den Irak zu sehen. Auch der IS. Die Flüchltingsmassen, die Terroristen kommen auch nach Europa, wie geschehen. Nicht in die USA. Europa hat knallharte, reale Sicherheitsinteressen, die anders sind als die von Trump.

Wenn man ein großes, zentrales Land der Region, mit 80 Mio. EW., den Iran jetzt wieder mit Sanktionen so in die Zange nimmt, dann wird das einmal harte Gegenreaktionen mit sich bringen, also eine Eskalationsschraube (Ausweitung des Atomprogrammes, oder auf anderen Feldern) und schlimmstenfalls zu einem Kollaps solch eines großen Landes. Mit Nachbarn, die alle mehr oder weniger strukturelle Probleme haben. Pakistan, indischer Subkontinent, Kaukasus, die Türkei, Zentralasien, Nahost, selbst der östliche Teil Chinas (ist näher als Griechenland an dem Iran). Von daher nimmt es kaum Wunder, daß gerade neben Europäern auch Russen, Türken und Chinesen und auch der Iran an einem geordneten Zustand größtes Interesse haben. Nicht Trump in Übersee. Das sind keine dämonischen Absichten. Das sind Sicherheitsinteressen. Das es Dominoeffekte gibt, sah man am Irak, dann Syrien und alle Nachbarn die dann sogar militärisch eingriffen.

Schon damals wurde diese Politikerclique gewarnt, im Falle des Irakkrieges. Egal. Wie egal das diesen Leuten ist, sah man auch an Rumsfeld, der schwurbelte auf die Frage, wo denn die ABC-Waffen nun seien irgendwas von "irgendwo nördlich, südlich, östlich und westlich vom sunnitischen Dreieck". Lächerlich. Darum ging es gar nicht. Der Iran hat damals unter Reformorientierten Politikern Angebote gemacht (z.B. Schweizer Memorandum). Das wurde einfach ignoriert. Wurde nicht weitergeleitet, "mißtinterpretiert" usw. Danach konnten dieser iranischen Politiker einpacken. Hardliner kamen als Reaktion. Jetzt das Atomabkommen. Wieder ramponiert. Die Reaktion wird entsprechend sein. Auch die Position der eher Reformorientieren. Wie damals kann diese bestimmte Politikerkaste in den USA nur zerstören. Sei es im Krieg, durch Sanktionen oder Kündigungen von wichtigen, internationalen Abkommen. Kündigung des Klimaabkommens (global viel verheerender als das Atomabkommen) usw. Dazu gibt es keinen Plan B. Immer nur Kündigen und Konfrontation. Das kann man wie gesagt machen, wenn man in Übersee lebt. Das hat für Nachbarn (Europa) ganz konkrete Auswirkungen. Ob beim BAMF, Ankerzentren, Integration, AFD-Wahlverhalten oder in LKWs rasende Terroristen in Frankreich. Nicht in den USA. Wobei man klar sagen muß, das es nicht immer die USA sind. Es waren und sind Bush und Trump und Berater aus dem bestimmten Lager.

Auch Netanjahu ist da für Europa nicht hilfreich. Er schadronierte im Vorfeld des Irakkrieges dasselbe wie jetzt gegenüber dem Atomabkommen. Sicher sieht es Bibi gerne, wenn potentiell starke Gegner zerschreddert werden. Israel lebt eh, wie auch der Iran, in einer gefährlichen Gegend. Aber es geht um europäische Interessen, nicht um die von Netanjahu.

Iraq 2002, Iran 2012: Compare and Contrast Netanyahu's Speeches

The arguments are the same, the intonation is the same, even the advisers are the same.

https://www.haaretz.com/bibi-and-the-bo ... -1.5176006


In other words, Netanyahu wanted the United States to get rid of Iraq’s Saddam Hussein in the interest of Israeli security—and now wants us to risk another war to take care of the fallout from that destabilizing misadventure.

http://www.theamericanconservative.com/ ... with-iran/


Das Atomabkommen (was vielen auch im Iran nicht gefällt, aber als Kröte geschluckt wurde) soll eine Eskalation eindämmen. Nun wird wieder durch destruktives Verhalten versucht das auszuhebeln. Es ist nicht im Sicherheitsinteresse Europas. Wie gesagt, das hat nichts mit Appeasement oder Naivität oder Sympathie für den Iran zu tun. Man hat einmal erlebt, was so ein Verhalten ausgelöst hat. Und Europa kann sich davor nicht wirklich schützen. Das sind knallharte Sicherheitsinteressen. Das die EU ins Rotieren kommt, belastet wird, angeschlagen, wird Trump vielleicht gefallen. Die EU ist eh der "größere Gegner" für Trump als der Iran. Das es da im Karton rappelt ist ja unüberhörbar. Siehe Handelskrieg. Übergeordnet ist es die Auseinandersetzung mit dem trägen Riesen EU. Der versucht sich zumindest zu wehren. Direkt in der Nachbarschaft einen Ärger um den Iran, der die Katastrophe Syriens und Iraks deutlich toppen würde, ist nicht im Interesse Europas.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten

Zurück zu „31. EU - EFTA“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste