Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Mo 19. Nov 2018, 01:28

So lange Nationalstaaten in der EU bestehen, wird jeder Partnerstaat eine eigenes Verteidigungsministerium, eine eigene Beschaffung und eine eigene Armee haben. Die EU kann nur übergeordnet gewünschte (freiwillige) Zusammenarbeit organisieren.

Mit der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit (PESCO) hat sich die EU diese Organisation aufgebaut.

https://eeas.europa.eu/headquarters/hea ... %93-ssz_de

Bis auf Malta und Dänemark nehmen 25 von 27 EU-Partnern an PESCO teil. Großbritannien ist als Folge des BREXITs nicht beteiligt.

Das gemeinsame Ziel von PESCO bleibt , Projekte von gemeinsamem Interesse von einzelnen EU-Partnern zu erkennen und deren gemeinsame Realisierung zu unterstützen. Das alles aber auf völlig freiwilliger Grundlage.

Der Europäische Rat (EU Ministerrat) hat 17 Projekte definiert in 3 Hauptbereichen:

1. Ausbildung und Training (gemeinsame Qualitätssicherung)
2. Militärische Fähigkeiten (gemeinsame Entwicklungen und Beschaffungen)
3. Übergeordnetes (Logistik, medizinische Versorgung, Nachrichtenwesen)


Die Projekte werden von den daran beteiligten Partnern eigenverantwortlich geführt. Über neue Projekte wird vom EU-Ministerrat entschieden (nur an PESCO beteiligte Partner!)

Wenn man von einer künftigen europäischen Armee spricht, dann sollte man von dieser schon bestehenden Grundlage ausgehen.

Denkbare Zwischenschritte könnten Zusammenschlüsse nationaler Armeen mit einem gemeinsamen Führungsstab und einer gemeinsamen politischen Führung sein. Im Fall der ehemaligen CSSR läge so etwas nahe... oder zwischen den baltischen Staaten der EU. Das würde bedeuten, daß der Verteidigungsbereich von diesen Partnern gemeinsam verantwortet wird, aber ansonsten schon quer durchlässige Personalstrukturen in der Truppe bestehen.

Am Ende dieser Entwicklung stände dann ein EU-Verteidigungsministerium, das dem EU-Ministerrat und dem Ratspräsidenten unterstellt ist. Alle beteiligten Partner haben dann keine nationalen Streitkräfte mehr, in den Standorten (Kasernen) gibt es keine nationalen Truppen mehr, sondern die EU-Streitkräfte.

Vermutlich wird in dem Zusammenhang dann auch die Außenpolitik der EU-Partner in einem EU-Außenministerium verantwortet werden.

Die EU holt also auf den Gebieten Verteidigung und Außenpolitik das nach, was sie mit dem gemeinsamen Binnenmarkt für die Wirtschaft schon umgesetzt hat. Auch dort sind weitere Schritte zur Harmonisierung der Finanzpolitik, der Wirtschaftspolitik, der Steuern und Abgaben, der Sozialleistungen zu erwarten.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 19. Nov 2018, 07:11

Dazu drei Kernthesen.

1. Das unierte Europa ist geschwächt, und zwar durch drei Faktoren - den Brexit, die Nichtübereinstimmung rechtspopulistischer und liberaler Regierungen sowie den ungelösten Konflikt in der assoziierten Ukraine.
Eine "EU-Armee" kann unter diesen Umständen zwar ein ökonomisch interessantes Projekt sein, an der strategischen Schwäche wird das aber nichts zu ändern vermögen.
Bedeutsam ist vor allem Ausrichtung und Kooperation der großen Drei - England, Frankreich und Deutschland. Ob man das Europa nennen will, liegt im Auge des Betrachters.

2. Die Nordatlantische Allianz besteht im Wesentlichen aus europäischen Ländern, nur zwei von 29 Staaten liegen überseeisch. Der Einfluß der Amerikaner besteht aus drei Faktoren - dem Engagement, der großzügigen Finanzierung und der strategischen Bedeutung.
Wer eine eurozentrische Armee will, müsste Finanzierung, Engagement und Strategie skalieren. Und es vor allem der jeweils eigenen Bevölkerung gegenüber kommunizieren, wozu das genau dienlich sein soll. Siehe Punkt 3.

3. Das Wichtigste sind die strategischen Inhalte und Ziele - was will man, wo und warum. Will man die Stabilität um Europa herum sichern? Auch die internationalen Seewege ? Was will man zur Krisenprävention regional oder global beitragen ? Möchte man einer überraschten Bevölkerung das neue Engagement erläutern ? Wie geht man mit unzuverlässigen Regierungen innerhalb des unierten Europas um ?
Wenn man keine Inhalte klären kann oder aufgrund der geschwächten Lage kein Thema sein können, verharrt man in reiner Symbolik - abgesehen von möglichen ökonomischen "Gags". Es entspricht dann, um es mal ganz pointiert zu sagen, dem Spielen mit Zinnsoldaten.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Mo 19. Nov 2018, 09:34

Nein, das ist denn doch zu abwertend betrachtet. Übrigens sind die Briten nicht an PESCO beteiligt... und sie haben als Nicht-Mitglieder der EU auch der Organisation der europäischen Armee keinerlei politische Führungsaufgabe..

Natürlich setzt eine gemeinsame Europäische Armee auch veränderte Formen der demokratischen Zusammenarbeit der EU voraus. Aus meiner Sicht kann die "Dividende" der Grande Armée nicht eingestrichen werden, wenn weiterhin Nationalstaaten mit souveränen Rechten in diesem für sie so wichtigen Teil herum fuhrwerken. Dann bleibt es bei PESCO und einzelnen Armeen in nationaler Verantwortung wie bisher auch. Das kann man gut finden und damit in die Zukunft marschieren... unter der Führung der USA im Rahmen der NATO.

Wenn eine Europäische Armee aber eine eigene Schlagkraft aufbauen möchte, die den davon betroffenen 500 Mio Menschen entspricht, dann ist ein politischer Umbau in der EU fällig, der die Streitkräfte einem gemeinsamen EU-Verteidigungsministerium unterstellt, das entweder vom EU-Parlament oder vom EU-Ministerrat kontrolliert wird. Das ist die Ausprägung der Europäischen Armee, die ich bevorzuge. Weiterhin braucht man einen gemeinsamen Generalstab zur militärischen Führung der Streitkräfte und einen gemeinsamen ständig tagenden Verteidigungssauschuß der beteiligten Länder der EU, entweder entsandt aus den nationalen Parlamenten oder aus dem EU Parlament.

Die gemeinsame europäische Armee sollte eine Parlamentsarmee bleiben. Den entscheidenden Einsatzbefehl sollte das EU-Parlament geben, für schnelle Reaktionen auf Überfälle sollte der ständig tagende Verteidigungsausschuß des EU-Parlaments und der Präsident des EU-Ministerrats verantwortlich sein. Der gemeinsame Generalstab hat den politischen Befehlen (Zielvorgaben) Folge zu leisten, aber die technische Durchführung von Einsätzen unterliegt allein dem Generalstab, also den Fachleuten für das Militärische.

Bis dahin ist von PESCO aus noch ein weiter Weg zu gehen; aber der lohnt sich durch Einsparungen in der Entwicklung, Beschaffung und Mannschaftsstärke. Bei 800.000 europäischen Soldaten sollte in Friedenszeiten auf jeden Fall Schluß sein. Die europäische Armee kann weiterhin der europäische Stützpfeiler der NATO sein und deshalb im NATO-Führungsstab mitarbeiten.

Wir werden abzuwarten haben, zu welcher künftigen "ständig sich vertiefenden Zusammenarbeit" sich die EU durchringen wird. Die Formen der europäischen Streitkräfte werden dadurch entscheidend gestaltet.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon van Kessel » Mo 19. Nov 2018, 12:04

Man kann kein Omelette herstellen, ohne Eier zu zerschlagen. Lieb gewordene Ansichten und Ausrichtungen müssen schon auf den Prüfstand, wenn man etwas erreichen und nicht nur vorhandene Wasserköpfe aufblasen möchte.

Einen Konflikt mit Russland/Ukraine kann Europa nur mit den Beteiligten lösen. Dies ist ein europäischer 'Job' und fällt nicht in die Verantwortung der USA. Durch einseitige Schuldzuweisung kann man keine Probleme lösen, sondern nur einen Kalten Krieg befeuern. Europa kann und darf sich durch derlei Konflikte - welche es immer und zu jeder Zeit gegeben hat - nicht 'an den Baum fesseln' lassen.

So wie sich aus einer Vereinigung von 6 Ländern Europas eine EU formte, so kann es im militärischen Bereich auch nur einen äußerst schmalen Zugang mit wenigen willigen und verlässlichen Partnern geben. Wer Kriterien erfüllt, kann dazustoßen oder sich einem großen Beschützer andienen. Diese Option erweist sich allerdings als zunehmend problematisch.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Mo 19. Nov 2018, 13:47

Noch dürfen wir aber hoffen, daß die PESCO-Partner ernsthaft auf gemeinsame Streitkräfte hinarbeiten werden. Erst wenn sich diese Hoffnungen erkennbar zerschlagen, müssen wir bescheidenere Ziele setzen. Letzte Rückfallposition: Deutschland und Frankreich vereinigen ihre Streitkräfte und bilden Organisationsstrukturen, die für später hinzukommende Partner offen sind. Dieses Ziel scheint mir aber viel zu kleinlaut zu sein. Wir stehen mit PESCO ja am Anfang einer solchen Entwicklung.

Die Ziele der gemeinsamen Streitkräfte müssen ständig nachgepflegt werden. Sie hängen von den erreichten Fähigkeit und den politischen Rahmenbedingungen ab, die sich in Schritten verändern. Was sich nicht verändern wird, das ist unsere Lage auf dem Erdball und die großräumige Nachbarschaft Rußland, Vorderasien und Nordafrika. Dort dürften die Entwicklungen gleichermaßen nicht stillstehen. Auf Konflikte dorthin werden wir uns technisch und gedanklich vor zu bereiten haben.

Was sich aller Voraussicht auch verändern wird, das dürfte die besondere Beziehung über den Atlantik zu den westlichen Demokratien Nordamerikas sein. Ein Feindbild dorthin kann ich mir nicht vorstellen, aber sicher ein Auf und Ab von Interessen. Es könnte also sein, daß wir ohne deren Schutz einer Bedrohung begegnen müssen.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Fliege » Mo 19. Nov 2018, 14:09

H2O hat geschrieben:(19 Nov 2018, 01:28)
So lange Nationalstaaten in der EU bestehen, wird jeder Partnerstaat eine eigenes Verteidigungsministerium, eine eigene Beschaffung und eine eigene Armee haben. Die EU kann nur übergeordnet gewünschte (freiwillige) Zusammenarbeit organisieren.

Ein guter Einstieg dürfte m. E. sein, die EU-Länder und interessierte europäische Nicht-EU-Länder zu ermuntern und zu ermuntigen, in einem ersten Schritt beispielsweise zehn Prozent ihrer Streitkräfte für eine EU-Armee unter EU-Kommando zur Verfügung zu stellen, wobei es darum gehen würde, durch eine solche Entsendung ländertypische Schwerpunkte zu setzen.

So könnten Norwegen, Finnland, Österreich und Schweiz gezielt ihre besonderen Stärken im Umgang mit Kälte, Bergen, Eis und Schnee in eine entsprechende Einsatzgruppe einbringen. Britannien, Dänemark, Schweden, Italien und Griechenland würden ihre maritime Kompetenz zusammenlegen. Die Franzosen mit dem einzigen EU-Flugzeugträger wären federführend bei den mobilen See- und Luftstreitkräften im Mittelmeer. Deutschland Griechenland und Zypern könnten sich um den Ausbau eines stationären Flugzeugträgers Zypern kümmern, der für eine Unterstützung Israels wichtig wäre. Eine Einsatzgruppe für landgestützte Aktionen (beispielsweise im Osten und im Südosten, aber auch zur Bildung von Brückenköpfen etwa in Nordafrika) wäre als breitangelegte Querschnittsaufgabe anzulegen mit besonderem Schwerpunkt bei Deutschland, Polen, Ungarn, Bulgarien. Die atomare Rückendeckung würde von Frankreich und Britannien kommen.

Die Kommandostruktur würde ich fähigkeitenbasiert ausrichten, wobei die Befehlsspitze in Brüssel zulaufen müsste bei einem nicht militärischen Oberbefehlshaber. Der deutsche Parlamentsvorbehalt würde auf Einsätze der deutschen Armee außerhalb der EU-Armee beschränkt, wobei der deutsche Armeeeinsatz in einer EU-Armee pauschal etwa auf zwei Jahre vergeben werden könnte.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 19. Nov 2018, 14:14

van Kessel hat geschrieben:(19 Nov 2018, 12:04)

Man kann kein Omelette herstellen, ohne Eier zu zerschlagen. Lieb gewordene Ansichten und Ausrichtungen müssen schon auf den Prüfstand, wenn man etwas erreichen und nicht nur vorhandene Wasserköpfe aufblasen möchte.

Einen Konflikt mit Russland/Ukraine kann Europa nur mit den Beteiligten lösen. Dies ist ein europäischer 'Job' und fällt nicht in die Verantwortung der USA. Durch einseitige Schuldzuweisung kann man keine Probleme lösen, sondern nur einen Kalten Krieg befeuern. Europa kann und darf sich durch derlei Konflikte - welche es immer und zu jeder Zeit gegeben hat - nicht 'an den Baum fesseln' lassen.

So wie sich aus einer Vereinigung von 6 Ländern Europas eine EU formte, so kann es im militärischen Bereich auch nur einen äußerst schmalen Zugang mit wenigen willigen und verlässlichen Partnern geben. Wer Kriterien erfüllt, kann dazustoßen oder sich einem großen Beschützer andienen. Diese Option erweist sich allerdings als zunehmend problematisch.

Ja, und wie löst man Konflikte ohne USA ? Das ist halt die spannende und entscheidende Mutter aller Fragen. Die bloße Anmietung neuer Büroräume wird niemanden beeindrucken.

Man kann es natürlich trotzdem machen und wie gewohnt auf die vielgerühmte Dialogbereitschaft setzen, mit oder ohne PESCO. Man könnte aber auch Zinnsoldaten gießen und diese in einem Salon aufstellen, wo ist der Unterschied ?

Ich sehe im Moment weder Eier noch Omelette, sondern vielmehr die Idee, eine zweite Pfanne auf den Herd zu bringen.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Fliege » Mo 19. Nov 2018, 14:23

DarkLightbringer hat geschrieben:(19 Nov 2018, 14:14)
Ich sehe im Moment weder Eier noch Omelette, sondern vielmehr die Idee, eine zweite Pfanne auf den Herd zu bringen.

Längerfristig könnten kooperierende europäische Länder im NATO-Verbund als eigenständige Größe neben den USA auftreten, wobei weitere Ländern wie die Türkei als kleinere Drittpartner hinzu kämen, so dass die zweite Pfanne mit der ersten Pfanne eng abgestimmt zum Kochen verwendet würde (vgl. Bacon and Eggs).
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Mo 19. Nov 2018, 14:26

Fliege hat geschrieben:(19 Nov 2018, 14:09)

Ein guter Einstieg dürfte m. E. sein, die EU-Länder und interessierte europäische Nicht-EU-Länder zu ermuntern und zu ermuntigen, in einem ersten Schritt beispielsweise zehn Prozent ihrer Streitkräfte für eine EU-Armee unter EU-Kommando zur Verfügung zu stellen, wobei es darum gehen würde, durch eine solche Entsendung ländertypische Schwerpunkte zu setzen.

So könnten Norwegen, Finnland, Österreich und Schweiz gezielt ihre besonderen Stärken im Umgang mit Kälte, Bergen, Eis und Schnee in eine entsprechende Einsatzgruppe einbringen. Britannien, Dänemark, Schweden, Italien und Griechenland würden ihre maritime Kompetenz zusammenlegen. Die Franzosen mit dem einzigen EU-Flugzeugträger wären federführend bei den mobilen See- und Luftstreitkräften im Mittelmeer. Deutschland Griechenland und Zypern könnten sich um den Ausbau eines stationären Flugzeugträgers Zypern kümmern, der für eine Unterstützung Israels wichtig wäre. Eine Einsatzgruppe für landgestützte Aktionen (beispielsweise im Osten und im Südosten, aber auch zur Bildung von Brückenköpfen etwa in Nordafrika) wäre als breitangelegte Querschnittsaufgabe anzulegen mit besonderem Schwerpunkt bei Deutschland, Polen, Ungarn, Bulgarien. Die atomare Rückendeckung würde von Frankreich und Britannien kommen.

Die Kommandostruktur würde ich fähigkeitenbasiert ausrichten, wobei die Befehlsspitze in Brüssel zulaufen müsste bei einem nicht militärischen Oberbefehlshaber. Der deutsche Parlamentsvorbehalt würde auf Einsätze der deutschen Armee außerhalb der EU-Armee beschränkt, wobei der deutsche Armeeeinsatz in einer EU-Armee pauschal etwa auf zwei Jahre vergeben werden könnte.


Dieses Vorgehen halte ich für im dritten Näherungsschritt durchführbar, wenn der erste Näherungsschritt über PESCO hinaus schon erfolgreich war... also tatsächlich die 17 Arbeitsfelder zur allseitigen Zufriedenheit abgearbeitet wurden, die notwendigen Organisationen arbeiten... und man eigentlich den nächsten Schritt planen müßte. Dann sollte die europäische Armee aber auch schon Realität sein. Bis dahin bringen weitere Partner ohne EU-Bindung zu viel Unruhe in das "Kerngeschäft".
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 19. Nov 2018, 14:31

Fliege hat geschrieben:(19 Nov 2018, 14:23)

Längerfristig könnten kooperierende europäische Länder im NATO-Verbund als eigenständige Größe neben den USA auftreten, wobei weitere Ländern wie die Türkei als kleinere Drittpartner hinzu kämen, so dass die zweite Pfanne mit der ersten Pfanne eng abgestimmt zum Kochen verwendet würde (vgl. Bacon and Eggs).

Also viele Köche - Eigenständige, Uneigenständige, Erst-, Zweit- und Drittpartner - aber kein Rezept.

In den Ohren diverser Nicht-Europäer dürfte das sehr, sehr europäisch klingen. ;) Galant formuliert.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Fliege » Mo 19. Nov 2018, 14:43

H2O hat geschrieben:(19 Nov 2018, 14:26)
Dieses Vorgehen halte ich für im dritten Näherungsschritt durchführbar, wenn der erste Näherungsschritt über PESCO hinaus schon erfolgreich war... also tatsächlich die 17 Arbeitsfelder zur allseitigen Zufriedenheit abgearbeitet wurden, die notwendigen Organisationen arbeiten... und man eigentlich den nächsten Schritt planen müßte. Dann sollte die europäische Armee aber auch schon Realität sein. Bis dahin bringen weitere Partner ohne EU-Bindung zu viel Unruhe in das "Kerngeschäft".

Die Sicherheit Europas halte ich für so wichtig (wegen Bedrohungen aus Russland, Türkei, Arabien und Nordafrika sowie wegen des Islam-Terrorismus), dass ich auf günstig verlaufende EU-Selbstfindungsprozesse nicht warten möchte. Überhaupt ist derzeit unklar, ob die EU überhaupt entsprechend reformierbar ist, um für ansprechende Problemlösungen zur Verfügung zu stehen. (So funktioniert Fontex als polizeilich-militärischer Außengrenzschutz trotz Jahre langer EU-Anstrengungen noch immer nicht.) Daher kann ich mich auch mit einer europäischen Kommandostruktur arrangieren, die nicht in EU-Brüssel zusammenläuft, sondern in einem Europäischen Militärrat.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Mo 19. Nov 2018, 15:23

Fliege hat geschrieben:(19 Nov 2018, 14:43)

Die Sicherheit Europas halte ich für so wichtig (wegen Bedrohungen aus Russland, Türkei, Arabien und Nordafrika sowie wegen des Islam-Terrorismus), dass ich auf günstig verlaufende EU-Selbstfindungsprozesse nicht warten möchte. Überhaupt ist derzeit unklar, ob die EU überhaupt entsprechend reformierbar ist, um für ansprechende Problemlösungen zur Verfügung zu stehen. (So funktioniert Fontex als polizeilich-militärischer Außengrenzschutz trotz Jahre langer EU-Anstrengungen noch immer nicht.) Daher kann ich mich auch mit einer europäischen Kommandostruktur arrangieren, die nicht in EU-Brüssel zusammenläuft, sondern in einem Europäischen Militärrat.


Wenn Sie sich selbst so verunsichert fühlen, dann sind diese Wege aus dem europäischen Elend überhaupt nicht mehr offen. Dazu ist Geduld und nochmals Geduld notwendig. Die erste Verunsicherung würde ich auch nur national ausgleichen... mit 80 Mio Bürgern sind wir Deutschen bisher noch gar nicht in Tritt gekommen... im wesentlichen auch, weil wir das gar nicht wollten. Friedensdividende und so weiter.

Diesen Weg beschreiten wir jetzt gerade, PESCO hin oder PESCO her. Noch gibt es die europäische Streitmacht nicht, und niemand weiß mit Gewißheit, ob es dazu wirklich kommen wird... bisher sind das alles Absichtserklärungen, mehr nicht. Dann aber, wenn wir national mit unserer Abwehrbereitschaft im Reinen sind, müssen wir verschärft auf die europäische Streitmacht zuarbeiten, damit niemand Dummheiten macht mit seinen nationalen Spielzeugen und kleinen Bündnissen.

Nur der Wunsch nach einer europäischen Streitmacht reicht nun einmal nicht. Die Voraussetzungen dazu müssen wachsen. Da ist nichts mit dem Ruck, der durch Europa geht, sondern bedächtig, Schritt für Schritt geht es weiter.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Fliege » Mo 19. Nov 2018, 17:05

H2O hat geschrieben:(19 Nov 2018, 15:23)
Nur der Wunsch nach einer europäischen Streitmacht reicht nun einmal nicht. Die Voraussetzungen dazu müssen wachsen. Da ist nichts mit dem Ruck, der durch Europa geht, sondern bedächtig, Schritt für Schritt geht es weiter.

Mir wäre lieber, die EU hätte bereits seit zehn Jahren die Strukturen, die sie heute benötigt, um nicht unter die Räder zu kommen. Die EU wäre gut beraten, nicht bloß Schritte anzukündigen, sondern Schritte tatsächlich zu machen. Problemlösungen möchte ich nicht weiter auf die lange Bank geschoben sehen.

(Bei Frontex beispielsweise tut sich so gut wie gar nichts, weil Juncker und Merkel seit Jahren blockieren. Wo sind beispielsweise die 243 bewaffneten Schnellboote, mit denen Frontex nach USA-Vorbild das Mittelmeer von Portugal bis Griechenland sowie das Schwarze Meer von Bulgarien bis Rumänien gegen Warenschmuggel und illegale Migration sichert? Und wo sind die Lager, in denen Fontex die illegalen Migranten nach australischem Vorbild unterbringt, damit sie nicht in die EU weiterwandern?)
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Orbiter1 » Mo 19. Nov 2018, 17:29

Fliege hat geschrieben:(19 Nov 2018, 17:05)

(Bei Frontex beispielsweise tut sich so gut wie gar nichts, weil Juncker und Merkel seit Jahren blockieren.
Erzähl hier keine Märchen. Beim letzten EU-Flüchtlingsgipfel wurde die Aufstockung von FRONTEX auf 10.000 Mann und die Übernahme weiterer Aufgaben (z.B. Durchführung Abschiebung) vorgestellt. Wer die Umsetzung dieser Pläne blockiert sind deine Freunde Orban https://youtu.be/mspFcklnT0Q und Salvini. https://diepresse.com/home/ausland/auss ... ntexPlaene
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Fliege » Mo 19. Nov 2018, 18:34

Orbiter1 hat geschrieben:(19 Nov 2018, 17:29)
Erzähl hier keine Märchen. Beim letzten EU-Flüchtlingsgipfel wurde die Aufstockung von FRONTEX auf 10.000 Mann und die Übernahme weiterer Aufgaben (z.B. Durchführung Abschiebung) vorgestellt.

Welche Abschiebungen?
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Ger9374 » Di 20. Nov 2018, 02:33

Die Brüsseler Räder mahlen langsam, bleibt zu hoffen das entsprechende Ergebnisse dann gut durchdacht sind .
Es brennt um uns herum ja nicht lichterloh, aber eine weiterentwickelte Sicherheitsstruktur wäre mir lieber.
Geld ist da, wer weiß wie das in Zukunft ist.
So wie Merkel unsere Gelder mit ihre. Steigbügelhaltern rausschmeissen.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Ger9374 » Di 20. Nov 2018, 02:34

Ger9374 hat geschrieben:(20 Nov 2018, 02:33)

Die Brüsseler Räder mahlen langsam, bleibt zu hoffen das entsprechende Ergebnisse dann gut durchdacht sind .
Es brennt um uns herum ja nicht lichterloh, aber eine weiterentwickelte Sicherheitsstruktur wäre mir lieber.
Geld ist da, wer weiß wie das in Zukunft ist.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon Orbiter1 » Di 20. Nov 2018, 07:28

H2O hat geschrieben:(19 Nov 2018, 15:23)

PESCO hin oder PESCO her. Noch gibt es die europäische Streitmacht nicht, und niemand weiß mit Gewißheit, ob es dazu wirklich kommen wird... bisher sind das alles Absichtserklärungen, mehr nicht.
Da hat man die ersten Schritte gestern beschlossen.

"Bie EU-Staaten haben eine Ausweitung der ständigen militärischen Zusammenarbeit beschlossen. Bei einem Treffen in Brüssel stimmten die Außen- und Verteidigungsminister gestern 17 neuen Projekten für die sogenannte Pesco zu. Darunter sind solche zur Entwicklung neuer Waffensysteme und der Aufbau einer Fortbildungseinrichtung für Geheimagenten.

Deutschland beteiligt sich unter anderem an einem Projekt, das die gemeinsame Nutzung von Militärstützpunkten anregen soll. Zudem werden die von der Bundesrepublik unterstützte Entwicklung der Eurodrohne und des Kampfhubschraubers Tiger Mark III zu Pesco-Projekten. „Es sind Schritte auf dem Weg zu einer Armee der Europäer“, kommentierte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen." Quelle: https://www.morgenweb.de/mannheimer-mor ... 54664.html
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon DarkLightbringer » Di 20. Nov 2018, 09:15

Fortbildungen und die Entwicklung neuer Produkte ist ja auch was Feines, egal unter welchem Namen.
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Re: Zusammenschluss aller Streitkräfte zur europäischen Armee?

Beitragvon H2O » Di 20. Nov 2018, 10:28

Fliege hat geschrieben:(19 Nov 2018, 17:05)

Mir wäre lieber, die EU hätte bereits seit zehn Jahren die Strukturen, die sie heute benötigt, um nicht unter die Räder zu kommen. Die EU wäre gut beraten, nicht bloß Schritte anzukündigen, sondern Schritte tatsächlich zu machen. Problemlösungen möchte ich nicht weiter auf die lange Bank geschoben sehen.

(Bei Frontex beispielsweise tut sich so gut wie gar nichts, weil Juncker und Merkel seit Jahren blockieren. Wo sind beispielsweise die 243 bewaffneten Schnellboote, mit denen Frontex nach USA-Vorbild das Mittelmeer von Portugal bis Griechenland sowie das Schwarze Meer von Bulgarien bis Rumänien gegen Warenschmuggel und illegale Migration sichert? Und wo sind die Lager, in denen Fontex die illegalen Migranten nach australischem Vorbild unterbringt, damit sie nicht in die EU weiterwandern?)



Erst einmal grundsätzlich einverstanden; leider sind Diskussionsthemen und echte Beschlüsse der EU nur schwer auseinander zu halten. PESCO hat ja gezündet. und nun müssen wir zusehen, wie die europäischen Mühlen mahlen. Mir wäre es auch lieber, da könnte man den Nachbrenner einschalten.

Ich meine, daß ein Regierungswechsel zu frischen Kräften fällig ist. Mit Schwung und Freude am Gestalten sehe ich in unserem Bundestag niemanden am Werk. Am ehesten noch DIE GRÜNEN... was Europa betrifft, haben die sich etwas vorgenommen. Da bekäme Präsident Sarkozy die Partner, die er braucht, um die vertiefte Zusammenarbeit voran zu treiben. Vielleicht ist er dann plötzlich der Getriebene ;)

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