Rückkehr des Nationalismus in der EU

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think twice
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon think twice » So 23. Jul 2017, 22:30

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(23 Jul 2017, 23:17)

Ich will dir doch nichts absprechen. Du machst da sicher eine wertvolle Arbeit, genau wie andere hier.
Ich bin nur fassungslos, wie man mit diesem Hintergrund so einen kollektivistischen Unsinn verbreiten kann, der jedem Polenwitz an Plumpheit in nichts nachsteht. Sind wir dann gleich bei schmutzigen Griechen, faulen Italienern und so weiter?


Ich schon, meine Zeit auf Erden ist endlich und meistens ist Warten auf Nachzügler und Unorganisierte kein Spaß. Ob in der Arbeit, in der Freizeit oder im politischen Verein: Pünktlichkeit spart Lebenszeit. Mit dem Fleiß ist es dasselbe, die Minderleistung Einzelner ist das Problem für alle. Das gilt ganz unabhängig von Kapitalismus, Sozialismus oder Allesselbstmachenmuss. Nicht dem Fleiß gegenüberstellen sollte man die Fauleit, denn die treibt tatsächlich zu Innovation und Mehrleistung an.

Der moderne Nationalismus indessen hat sich von solchen Charakterschablonen emanzipiert. Wie neokonservative Kreise dem armen Individuum seine Armut als persönlichen Fehler vorhalten, so können sie sich die Staatenkonkurrenz auch nur als eigenes Anrecht auf Erfolg und das Scheitern anderer Staaten nur als deren Schwäche und Dekadenz herleiten. Die EU jenseits von Sonntagsreden als Konkurrenzmittel der Staaten für ihren individuellen, nationalen Erfolg zu begreifen, erspart so manche Enttäuschung. Eine Rückkehr des Nationalismus entpuppt sich über weite Strecken als bloße Neubewertung der EU-Institutionen auf ihre Nützlichkeit für den konkreten Einzelstaat.


Das ist doch verständlich. Man kann sich Lebensstile angewöhnen und sie erklären sich oft aus vorfindlichen Umständen. Die traditionelle Siesta in Spanien ist / war ein anderes Beispiel für einen solchen angepassten Lebensstil. Nur ist es dem Individuum überlassen, solche Gewohnheiten zu haben, zu behalten oder anzupassen wenn es sinnvoll ist. So wenig wie eine durchschnittliche Kriminalität ist also auch ein regional verbreiteter Lebensstil eine dem einzelnen Menschen innewohnende "Volkseigenschaft" oder dergleichen. Wir sollten solche Denkfiguren totschießen, wo wir sie finden.

Ich weiß jetzt nicht, warum du dich bei mir aufregst und Nomen Nescio zustimmst und sogar noch das Beispiel mit der Siesta nennst. Ich weiss auch nicht, warum du Unpünktlichkeit und fehlende Lust auf Leistungszwang mit faul und schmutzig gleichsetzst. Bestimmte Lebensstile pflegen Individuen, aber auch pauschal Menschen in den verschiedensten Regionen dieser Welt.über die pauschale Aussage, die Deutschen lieben Pünktlichkeit und Fleiß, regst du dich ja auch nicht auf. ;)
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H2O
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon H2O » So 23. Jul 2017, 22:30

Nomen Nescio hat geschrieben:(23 Jul 2017, 23:08)

als ich in den tropen wohnte, war es so heiß, daß notgedrungen viel sachen aufgeschoben wurden. heute nicht? na ja, dann morgen. das ist eine lebensstil die man sich angewöhnen muß, aber womit sich gut leben läßt. noch immer habe ich einige züge behalten.
finde ich etwas nicht wichtig, dann kann es morgen auch. wenn mich dagegen was interessiert, dann muß es gestern schon erledigt sein statt heute.


Sie nehmen die Sache mit "zuverlässig, pünktlich, fleißig" ein wenig zu persönlich! In meinem Beruf kam es darauf an, daß viele Menschen ihre körperlichen und geistigen Kräfte gleichzeitig einsetzten, um ein aufwendiges Werk zu verrichten und gemeinsam Erfolg damit zu haben. Folgerichtig waren die für weniger bedeutsam erklärten Eigenschaften die Voraussetzung für den Erfolg unserer Gemeinschaft. Entsprechend sorgfältig verfuhren wir bei der Auslese unserer Mitarbeiter.

Natürlich gab es auch scheiternde Gemeinschaften; von denen redet heute niemand mehr.
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Hyde » So 23. Jul 2017, 22:34

Billie Holiday hat geschrieben:(23 Jul 2017, 22:10)

Also als Rassistin sehe ich dich auf keinen Fall.
Jetzt spontan fällt mir auch kein Schwarzer ein, der die schwarze Rasse als beste von allen hervorhebt. Jedoch gibt es viele Beispiele von Weißen, die Schwarze und andere für minderwertig erklären.


Rassistisches Gedankengut gibt es überall, in Europa, in Asien, in Afrika, in Amerika. Das hat erstmal nichts mit der Ethnie zu tun, es gibt auch in jeder Ethnie Idioten und Bösartigkeit.

Die weiße Rasse war in der Vergangenheit aufgrund ihrer technologischen Überlegenheit jedoch die einzige Ethnie gewesen, die Rassismus im großen Stil ausleben konnte und andere unterwerfen konnte.
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 23. Jul 2017, 22:39

think twice hat geschrieben:(23 Jul 2017, 23:30)

Ich weiß jetzt nicht, warum du dich bei mir aufregst und Nomen Nescio zustimmst

Könnte daran liegen, dass er was anderes zum Thema hat als du.

über die pauschale Aussage, die Deutschen lieben Pünktlichkeit und Fleiß, regst du dich ja auch nicht auf.

Die ist genau so bescheuert. In dieselbe Kategorie fällt dann "schwarz gut, weiß böse".

Hyde hat geschrieben:Die weiße Rasse war in der Vergangenheit aufgrund ihrer technologischen Überlegenheit jedoch die einzige Ethnie gewesen, die Rassismus im großen Stil ausleben konnte und andere unterwerfen konnte.

Die Japaner hatten durchaus die technischen Möglichkeiten, in China und Korea zu wüten. Über Idi Amin informiere sich bitte jeder selbst. Der Fakt, dass Europäische Kolonialreiche weltumspannend und rassistisch Mensch und Natur ausbeuteten, ist unbestritten. Daraus darf aber nicht folgen, dass wir heute zu Themen zu schweigen hätten, über die andere sprechen dürften.
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 24. Jul 2017, 02:38

H2O hat geschrieben:(23 Jul 2017, 23:30)

Sie nehmen die Sache mit "zuverlässig, pünktlich, fleißig" ein wenig zu persönlich! In meinem Beruf kam es darauf an, daß viele Menschen ihre körperlichen und geistigen Kräfte gleichzeitig einsetzten, um ein aufwendiges Werk zu verrichten und gemeinsam Erfolg damit zu haben. Folgerichtig waren die für weniger bedeutsam erklärten Eigenschaften die Voraussetzung für den Erfolg unserer Gemeinschaft. Entsprechend sorgfältig verfuhren wir bei der Auslese unserer Mitarbeiter.

ich wäre bei deinem betrieb deutlich durchgefallen. :D
ich konnte es mich leisten, denn verrichtete fast nut denkarbeit. und das ist schwer !
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 24. Jul 2017, 04:27

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(23 Jul 2017, 23:17)
Das ist doch verständlich. Man kann sich Lebensstile angewöhnen und sie erklären sich oft aus vorfindlichen Umständen. Die traditionelle Siesta in Spanien ist / war ein anderes Beispiel für einen solchen angepassten Lebensstil. Nur ist es dem Individuum überlassen, solche Gewohnheiten zu haben, zu behalten oder anzupassen wenn es sinnvoll ist. So wenig wie eine durchschnittliche Kriminalität ist also auch ein regional verbreiteter Lebensstil eine dem einzelnen Menschen innewohnende "Volkseigenschaft" oder dergleichen. Wir sollten solche Denkfiguren totschießen, wo wir sie finden.

Völlig richtig. Es ist systemisch erklärbar, dass sich durch Interaktion (Wirtschaft, Kommunikation, persönliche Beziehungen, Kultur natürlich ....) Prägnanzen herausbilden und sich wiederum und nicht zuletzt durch Gewohnheit, Nennung, Reflexion systemisch verstärken. Dass man dies mit Nationen, Ethnien, Nationalstaaten verknüpft, war vor allem eine Idee des 19. Jahrhunderts.

Es läuft übrigens gerade eine zehnteilige Sendung innerhalb der Reihe "swr2 wissen" zum Thema "Das neue Deutschland", in welcher all die Themenbereiche dieses Threads, also zum Beispiel, ob "Pünktlichkeit und Ordnung" typisch deutsch sind, ob es eine "Deutsche Denke" gibt usw. ausführlichst behandelt werden. http://www1.swr.de/podcast/xml/swr2/wissen.xml

Der Mensch des 21. Jahrhunderts benötigt solches Wissen nicht, um sein "Nationalbewusstsein" oder gar seinen "Nationalstolz" zu festigen (--> 19. Jh.), sondern weil er im Austausch mit anderen dringend etwas benötigt, was man sich angewöhnt hat, als "interkulturelle Kompetenz" zu bezeichnen. Wir befinden uns - so sehe ich es jedenfalls - in einer Übergangsphase von der Welt der Nationalstaaten hin zu einer globalisierten Welt, in der es gut und nützlich ist, zu wissen, dass Menschen, die aus dem Raum Deutschland kommen, im Durchschnitt Wert auf Pünktlichkeit legen und es lieben, direkt zur Sache zu kommen, während für Menschen aus dem Raum Nordamerika Small Talk nichts Ünnötiges und Überflüssiges sondern wichtiger Bestandteil sozialer Interaktion ist. Das ist schlicht und einfach Wissen. So wie ich wissen muss, dass ich für bestimmte Weltregionen je nach Klima unterschiedliche Kleidungsausstattungen benötige.

Gerade die Tatsache, dass es in Form von Neonationalismus, Renaissance der Religionen usw. aktuell und fast überall heftigsten Widerstand gegen eine solche Entwicklung gibt, bestärlkt mich in dieser Ansicht.
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Billie Holiday » Mo 24. Jul 2017, 05:21

Nomen Nescio hat geschrieben:(23 Jul 2017, 23:08)

als ich in den tropen wohnte, war es so heiß, daß notgedrungen viel sachen aufgeschoben wurden. heute nicht? na ja, dann morgen. das ist eine lebensstil die man sich angewöhnen muß, aber womit sich gut leben läßt. noch immer habe ich einige züge behalten.
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Pünktlichkeit bedeutet, die Zeit des Wartenden wertzuschätzen und ist ein Zeichen seiner Verlässlichkeit.
Ich hasse Unpünktlichkeit, habe noch nie Vorteile darin gesehen, irgendwo zu spät zu erscheinen, andere warten zu lassen oder selbst auf andere zu warten.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 24. Jul 2017, 05:35

Billie Holiday hat geschrieben:(24 Jul 2017, 06:21)

Pünktlichkeit bedeutet, die Zeit des Wartenden wertzuschätzen und ist ein Zeichen seiner Verlässlichkeit.
Ich hasse Unpünktlichkeit, habe noch nie Vorteile darin gesehen, irgendwo zu spät zu erscheinen, andere warten zu lassen oder selbst auf andere zu warten.

weißt du, als ich 15 war besuchte ich einmal einen freund aus meiner klasse. seine mutter öffnete die tür und fragte mir »weißt du wohl wie spät es ist«? es war 20.15 uhr. dagegen war ich gewöhnt daß menschen ruhig um 21 uhr klingeln konnten.

und als wir einmal nachts (±01.30 uhr) angerufen wurden durch gute bekannten die gerade in antwerpen arriviert waren, wurde selbstverständlich alles geregelt daß sie mehrere tage bei uns verbleiben konnten und würden.

in meiner jugend hörte man gegen abendessenszeit sagen - falls es noch nicht verstanden war - »wir müssen jetzt aber essen«.
bei uns war es usus daß besucher mitaßen.

das sind nun mal gewohnheiten die wir aus den tropen haben. allmählich sind die sitten in europa auch geändert.
heute kannst du nicht mehr pünktlich sein mit den vielen staus. aber man kann es versuchen. ;)
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon H2O » Mo 24. Jul 2017, 06:51

Nomen Nescio hat geschrieben:(24 Jul 2017, 03:38)

ich wäre bei deinem betrieb deutlich durchgefallen. :D
ich konnte es mich leisten, denn verrichtete fast nut denkarbeit. und das ist schwer !


Ja, wir sind leichten Mutes im Tanzschritt unserer Arbeit nachgegangen, so als frei schaffende Künstler, während andere für uns dachten. Ja, so wird's gewesen sein!
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 24. Jul 2017, 07:08

H2O hat geschrieben:(24 Jul 2017, 07:51)

Ja, wir sind leichten Mutes im Tanzschritt unserer Arbeit nachgegangen, so als frei schaffende Künstler, während andere für uns dachten. Ja, so wird's gewesen sein!

touché :thumbup:
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 24. Jul 2017, 11:52

Nomen Nescio hat geschrieben:(24 Jul 2017, 06:35)
in meiner jugend hörte man gegen abendessenszeit sagen - falls es noch nicht verstanden war - »wir müssen jetzt aber essen«.
bei uns war es usus daß besucher mitaßen.

Man wird doch nicht die Besucher unverrichtet beim Essen zuschauen lassen!
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon H2O » Mo 24. Jul 2017, 12:27

Nomen Nescio hat geschrieben:(24 Jul 2017, 06:35)

...

heute kannst du nicht mehr pünktlich sein mit den vielen staus. aber man kann es versuchen. ;)


Heute gibt es aber Mobiltelefone, mit denen man seine unverschuldete Verspätung ankündigen kann; verbunden mit der Bitte, mit dem Abendbrot doch schon einmal zu beginnen. Dann sind beide Seiten frei. Man kann warten oder auch nicht. Irgend einen Nutzen haben diese Spielzeuge dann doch noch. :D
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon think twice » Mo 24. Jul 2017, 12:32

Billie Holiday hat geschrieben:(24 Jul 2017, 06:21)

Pünktlichkeit bedeutet, die Zeit des Wartenden wertzuschätzen und ist ein Zeichen seiner Verlässlichkeit.
Ich hasse Unpünktlichkeit, habe noch nie Vorteile darin gesehen, irgendwo zu spät zu erscheinen, andere warten zu lassen oder selbst auf andere zu warten.

Ja, so haben wir es auch begründet. Einige finden es immer noch doof, die meisten haben aber die Vorteile der Pünktlichkeit durchaus erkannt.
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 24. Jul 2017, 13:31

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(24 Jul 2017, 12:52)

Man wird doch nicht die Besucher unverrichtet beim Essen zuschauen lassen!

nein, man sagte ihm einfach »verschwinde«. das waren zeiten wo viel menschen sich noch ganz gut WK II erinnerten.

na ja, glücklich war das bei uns anders.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Hieronymus » Mo 24. Jul 2017, 14:59

gödelchen hat geschrieben:(23 Jul 2017, 13:55)

(...)

Ohne National/national geht nichts. National bedeutet ja erst mal nicht zwangsläufig, das Bewusstsein, Stolz oder sonst ein Begriff dazu gesetzt wird. Wir brauchen Nation/national. Einmal weil wir es aus juristischen/völkerrechtlichen Begründungen heraus brauchen, sonst könnte ich keine Institution/Körperschaft / Staat verpflichtend einbinden. Dann bedeutet national ja einen Staat betreffend. Also ist national unbedingt an einen Staat z.B. Deutschland gebunden.


Bevor es ab 1871 einen deutschen "Staat", das Kaiserreich gab, gab es denn da keine deutsche "Nation"? 1871 wurde die sog. "kleindeutsche Lösung" verwirklicht. Gehörten alle anderen "deutschen" Regionen und Länder außerhalb des Kaiserreiches denn nicht zur deutschen "Nation"?

Anders gefragt: Braucht eine "Nation" nur 1 (in Worten: einen) "Staat"; oder kann sich eine "Nation" auch auf mehrere Staaten verteilen? Braucht ein "Staat" überhaupt eine "Nation"; oder genügt es für einen "Staat", Staatsbürger zu haben, die sich mit ihm identifizieren und seine "Institutionen" mit Leben füllen?

Dabei ergibt sich nicht die Frage was braucht Deutschland. Und weil wir eine Basis für Verhandlungen, Verträgen und Absprachen mit anderen Menschen brauchen , haben wir uns auf das geeinigt, dass Menschen, die in einem bestimmten Gebiet, das sie als für sich bindend und von andern gültig als deren Gebiet anerkannt haben, dieses Gebiet Nation nennen, wenn bestimmte rechtliche Kriterien dort erfüllt sind (...)


Dieses "Gebiet" nennt sich Bundesrepublik Deutschland, hat eine freiheitlich-demokratische Verfassung, ist organisiert in: Bund, Länder, Kommunen. Die Bundesrepublik hat ein Staatsvolk, "die Deutschen", zu denen alle Menschen zählen, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.
MfG

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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Hieronymus » Mo 24. Jul 2017, 15:06

Hyde hat geschrieben:(23 Jul 2017, 15:06)

(...)

Wir können nicht in einer demokratischen Welt leben, in der es keine Nationen gibt.

(...)


Sollte man nicht präziser so formulieren: Wir können nicht in einer demokratischen Welt leben, in der es keine S t a a t l i c h k e i t gibt.
MfG

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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Hieronymus » Mo 24. Jul 2017, 15:12

Woppadaq hat geschrieben:(23 Jul 2017, 16:38)

(...) Gesundes Nationalbewusstsein bedeutet, in seinem Heimatland mehr zu sehen als nur Nazizeit, ohne das man diese vergessen sollte.


Nein, das nennt man Geschichtsbewusstsein, das geradezu gebietet, sowohl die guten als auch die schlechten Seiten vorallem der eigenen Geschichte (und günstigenfalls auch der in diese Geschichte involvierten Länder) zu kennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
MfG

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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Hieronymus » Mo 24. Jul 2017, 15:34

Hyde hat geschrieben:(23 Jul 2017, 17:32)

Du hast folgendes gesagt:
"Bei mir verursacht die Kombination von "gesund" und "Nation", egal in welcher Form, nur einen Brechreiz."

Das sagt nunmal aus, dass du das Modell einer "Nation" als ungesund empfindest.
Für mich ist aber die Nation etwas ganz natürliches, sogar etwas notwendiges. Seit Anbeginn der Zeit hat der Mensch sich in Gruppen organisiert, in der Steinzeit, in der Antike, in der Moderne. Das liegt in der Natur des Menschen.




Wenn jemand sagt, dass er "stolz" auf etwas ist (auf seine Tochter, auf seinen Lieblingsverein, auf sein Land, auf was auch immer), dann muss das erstmal nichts Schlechtes sein, es sei denn man definiert "stolz" per se als eine negative Empfindung und als eine negative Charaktereigenschaft.


Vielleicht sollte man einmal die Begriffe unterscheiden!

Nation -> bedeutet eigentlich nur Volk, Volksstamm.

Wenn man aber noch ein "-alismus" dranhängt, dann wird aus Nation sogleich ein Glaubenssystem bzw. eine Ideologie. Ich füge eine meiner Ansicht nach zutreffende Definition von Nationalismus ein:

Aus kulturalistischer Sicht wird Nationalismus 1. als ein System gedachter Ordnungen verstanden, das geeignet ist, Menschen zu Gruppen zu integrieren. 2. Die Abgrenzung gegenüber "anderen" ist für den Nationalismus konstitutiv. Er ist eine Integrationsideologie, in der Inklusion und Exklusion einander bedingen. 3. Nationalismus beruft sich auf einen scheinbar überzeitlichen ethnischen Kern, den er jedoch selbst erst hervorbringt. Deswegen sind 4. nationale Mythologeme für seine Legitimation und Verbreitung von entscheidender Bedeutung. 5. Weiterhin ist die Konstruktion spezifischer Geschlechtsidentitäten dem Nationalismus inhärent.

Unter politischem Gesichtspunkt wird unter Nationalismus 6. ein säkulares Glaubenssystem verstanden, das als oberstes Legitimationsprinzip Anspruch auf Loyalität und Vorrang vor anderen Werten erhebt. Nationalismus bezieht sich 7. auf ein bestimmtes Territorium und tendiert dazu, die Grenzen von Nation und Staat zur Deckung zu bringen. 8. Zwischen Nationalismus und Krieg herrscht eine innige Wechselbeziehung. 9. Nationalismus enthält eine Teilhabeverheißung und greift damit über bestehende politische Ordnungen hinaus. Unter Berufung auf den Nationalismus lassen sich Partizipationsansprüche anmelden. 10. Daher vermag Nationalismus Menschen zum Handeln zu bewegen.

Sozialgeschichtlich gesehen werden 11. nationale Vorstellungen zunächst von einer bestimmten, sozial abgrenzbaren Trägerschicht mit spezifischen Interessen artikuliert. Später zeichnen sich diese Vorstellungen 12. durch eine hinreichende Verbreitung aus und lassen sich dauerhaft über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten. Zu dieser Ausdehnung muss ein Mindestmaß an strukturellen Voraussetzungen vorliegen - etwa ein gemeinsamer Kommunikations- und Wirtschaftsraum oder übergreifende Institutionen.


Quelle: http://www.bpb.de/apuz/28089/nation-und ... chte?p=all

In dem Aufsatz wird auch ein kurzer historischer Blick auf die Begriffe "Nation und Nationalismus" geworfen.
MfG

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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Hieronymus » Mo 24. Jul 2017, 15:57

Hyde hat geschrieben:(23 Jul 2017, 19:20)

Wenn man stolz auf das heutige Deutschland ist mit all seinen Errungenschaften, die vergangene Generationen aufgebaut haben, wenn man also stolz auf die Leistungen eines Landes (das heißt: stolz auf die Leistungen von Menschen) ist, dann ist das nicht gleichbedeutend damit, stolz auf die eigene Herkunft zu sein.
Außerdem finde ich die verschiedenen Maßstäbe merkwürdig, die bei solchen Themen an den Tag gelegt werden. Wenn jemand sagt: "Ich bin stolzer Saarländer!" oder "Ich bin stolzer Hamburger!", dann stört sich daran niemand. Wenn jedoch jemand sagt: "Ich bin stolzer Deutscher!", dann ist das plötzlich schlecht. Wer das eine gut findet, muss auch das andere gut finden, wer das eine schlecht findet, muss auch das andere schlecht finden.
Oder wenn jemand sagt: "I'm a proud african-american!" ("Ich bin ein stolzer Afro-Amerikaner!"), dann würden sich links eingestellte Menschen wie Selina nicht daran stören, obwohl sie doch eigentlich so eine negative Einstellung zum Wort "Stolz" haben. Wenn aber jemand sagen würde: "I'm white and proud!", dann wäre von den gleichen Leuten schnell die nächste Anti-Rassismus-Demo angemeldet.


Das Wort "stolz" ist deshalb wenig geeignet, weil es nicht nur eine Identifikation mit Leistungen des Heimatlandes umschreibt, sondern mehr. "Stolz" ist "ein Wort, welches ursprünglich den Begriff der Höhe, der Größe, oder Hervorragung über andere hat (...)" [Adelung: Wörterbuch Bd. 4, S. 401] - und das macht dieses Wort im Zusammenhang mit "Staat" und "Nation" so negativ: das Gefühlt der "Hervorragung über andere"!
MfG

H.
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Re: Rückkehr des Nationalismus in der EU

Beitragvon Woppadaq » Mo 24. Jul 2017, 17:10

Hieronymus hat geschrieben:(24 Jul 2017, 16:12)

Nein, das nennt man Geschichtsbewusstsein, das geradezu gebietet, sowohl die guten als auch die schlechten Seiten vorallem der eigenen Geschichte (und günstigenfalls auch der in diese Geschichte involvierten Länder) zu kennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen.


Ich weiss schon, was Geschichtsbewusstsein bedeutet, aber das meinte ich nicht. Vielleicht sollte ich es anders formulieren: Gesundes Nationalbewusstsein beinhaltet eine positive emotionale Bindung an sein Heimatland, ohne die schlechten Seiten auszusparen oder zu verharmlosen.

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