EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Fr 21. Sep 2018, 22:26

Nomen Nescio hat geschrieben:(21 Sep 2018, 23:04)

finde ich auch. ob das aber wirklich so geht?? mein land wird z.b. bei einem »hard brexit« ± 15 milliarden euro schade leiden. neueste rahmungen.


So ganz ohne Schaden löst wohl kein Land der EU seine Handelsbeziehungen zu GB. Ich glaube aber eher, daß 15 Mrd € das Gesamtvolumen des niederländischen Handels mit GB ist. Auf Null bricht der doch nicht zusammen.

Und nach Amsterdam wird die EU Arzneimittel-Agentur von London übersiedeln.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 21. Sep 2018, 23:05

H2O hat geschrieben:(21 Sep 2018, 23:26)

So ganz ohne Schaden löst wohl kein Land der EU seine Handelsbeziehungen zu GB. Ich glaube aber eher, daß 15 Mrd € das Gesamtvolumen des niederländischen Handels mit GB ist. Auf Null bricht der doch nicht zusammen.

darüber wurde nichts gesagt.

es könnte noch einen stänkerer geben: unilever. 3/4 der britischen aktionäre muß damit einverstanden sein daß umgezogen wird. ein großer aktionär hat schon NEIN gesagt.
ich vermute daß die NL aktionäre nicht wollen daß unilever nach london geht.

die komplizierte struktur kommt aus der 30. jahre des vorigen jahrhunderts. die NL »margarineunie« und die britische »lever brothers« fusionierten.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 22. Sep 2018, 07:36

Nomen Nescio hat geschrieben:(22 Sep 2018, 00:05)

darüber wurde nichts gesagt.

es könnte noch einen stänkerer geben: unilever. 3/4 der britischen aktionäre muß damit einverstanden sein daß umgezogen wird. ein großer aktionär hat schon NEIN gesagt.
ich vermute daß die NL aktionäre nicht wollen daß unilever nach london geht.

die komplizierte struktur kommt aus der 30. jahre des vorigen jahrhunderts. die NL »margarineunie« und die britische »lever brothers« fusionierten.


Ähnliche Entscheidungen müssen auch in Deutschland getroffen werden. Am auffälligsten scheint mir dabei BMW zu sein. Die Bayern sind in den 80er Jahren "im Wettbewerb" mit VW in GB ganz groß eingestiegen, haben die Modelle modernisiert für den Weltmarkt, mußten mit ROVER eine Pleite verkraften. Bestimmt gibt es dort Lieferketten, die möglichst bald gekappt werden müssen, um nicht in ganz große Schwierigkeiten zu kommen... "just in time" als Grundsatz einer schlanken Produktion. Ähnliche Klemmer dürfte es bei Opel/Vauxhall/Peugeot geben.

Aber diese Unternehmen sind ja weltweit aufgestellt... vielleicht tritt China an die Stelle der Briten in den Lieferketten, wenn es zu keiner sinnvollen Neuordnung der Beziehungen EU-GB kommt. Damit ist nun ernsthaft zu rechnen, mindestens 50/50.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Fliege » Sa 22. Sep 2018, 23:54

Eiskalt hat geschrieben:(21 Sep 2018, 23:00)
Man sollte sie einfach schwimmen lassen...

Nein, die aufgeblähte sowie Merkel- und Juncker-geschädigte EU sollte auf ein bewährtes Vorgängermodell gestrafft werden, in dem Britannien (aber auch der eine oder andere) wieder gern Mitglied sein würde.
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; gelten "als politisch ungefestigt und unklar".
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » So 23. Sep 2018, 00:02

Fliege hat geschrieben:(23 Sep 2018, 00:54)

Nein, die aufgeblähte sowie Merkel- und Juncker-geschädigte EU sollte auf ein bewährtes Vorgängermodell gestrafft werden, in dem Britannien (aber auch der eine oder andere) wieder gern Mitglied sein würde.


Ooch, wir können die EU auch ganz gemütlich weiter so laufen lassen. Dann wird eine Zeit kommen, von der an GB sehr gern Mitglied wäre... wenn es nicht ganz eng mit den USA und dem "weißen" Commonwealth verbunden ist. Was ich auch nicht schlecht fände.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Fliege » So 23. Sep 2018, 00:19

H2O hat geschrieben:(23 Sep 2018, 01:02)
Ooch, wir können die EU auch ganz gemütlich weiter so laufen lassen. Dann wird eine Zeit kommen, von der an GB sehr gern Mitglied wäre... wenn es nicht ganz eng mit den USA und dem "weißen" Commonwealth verbunden ist. Was ich auch nicht schlecht fände.

Ich wünsche den Briten so oder so, dass sie ihr Glück finden mögen. Doch noch mehr wünsche ich dem Kontinent (wegen mir dahier), dass er sein Glück auch ohne die Briten, die von 1939 bis 1945 für Europa kämpften und Europa retteten, finden möge.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon McKnee » So 23. Sep 2018, 00:19

Fliege hat geschrieben:(23 Sep 2018, 00:54)

Nein, die aufgeblähte sowie Merkel- und Juncker-geschädigte EU sollte auf ein bewährtes Vorgängermodell gestrafft werden, in dem Britannien (aber auch der eine oder andere) wieder gern Mitglied sein würde.


Man könnte es auch als Selbstreinigung der EU verstehen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon abundzu » So 23. Sep 2018, 00:54

Das ist der Vorteil Großbritaniens: Sie haben eine pluralistische Medienlandschaft von ganz links bis ganz rechts - im Gegensatz zur BRD, wo FOCUS, ZEIT,BILD,RP,FAZ und SPIEGEL alle auf einer Linie stehen, was die Bundespolitik - was Europapolitik und was die AFD betrifft.
Harmonischer Einklang mit den etablierten Politikern, die ebenfalls schon eine ideologische Fraktion eingegangen sind.

Solche Sprüche, wie die SUN es sich über Europa erlaubte: "Dreckige Ratten in der EU wollen Brexit verhindern", wäre in der politisch korrekten BRD nicht möglich.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Nomen Nescio » So 23. Sep 2018, 04:10

abundzu hat geschrieben:(23 Sep 2018, 01:54)

Das ist der Vorteil Großbritaniens: Sie haben eine pluralistische Medienlandschaft von ganz links bis ganz rechts - im Gegensatz zur BRD, wo FOCUS, ZEIT,BILD,RP,FAZ und SPIEGEL alle auf einer Linie stehen, was die Bundespolitik - was Europapolitik und was die AFD betrifft.
Harmonischer Einklang mit den etablierten Politikern, die ebenfalls schon eine ideologische Fraktion eingegangen sind.

Solche Sprüche, wie die SUN es sich über Europa erlaubte: "Dreckige Ratten in der EU wollen Brexit verhindern", wäre in der politisch korrekten BRD nicht möglich.

gerade die sun (übrigens alle murdochzeitungen) haben gesagt daß may eine mittelfinger zum kontinent zeigte. der riß in ihrer partei wird größer, weil sie sich weigert ein neues referendum zu überwegen. aber ein nicht gering teil der fraktion will ein neues referendum. und irland bleibt sowieso ungelöst.

labour kann auch nicht jauchzen. bis jetzt hat corbyn sich gegen ein neues referendum ausgesprochen. es scheint,daß er (vllt) sein standpunkt erwägen will.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » So 23. Sep 2018, 08:06

Fliege hat geschrieben:(23 Sep 2018, 01:19)

Ich wünsche den Briten so oder so, dass sie ihr Glück finden mögen. Doch noch mehr wünsche ich dem Kontinent (wegen mir dahier), dass er sein Glück auch ohne die Briten, die von 1939 bis 1945 für Europa kämpften und Europa retteten, finden möge.


Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die heroische Selbstbeschreibung der Briten zum Thema "Europa gerettet" wirklich zutrifft. Im Grunde haben sie im 1. und 2. Weltkrieg versucht, die Neuordnung des Kontinents zu verhindern, um ihr uraltes Konzept von "Teile und herrsche" mit wechselnden Bündnissen aufrecht erhalten zu können.

Tatsächlich sind die Briten damit gescheitert. Bezahlt haben sie mit dem Abstieg aus der Weltmacht, den sie noch nicht ganz verdaut haben... und in Europa hat sich der Kontinent gegen ihren Willen neu geordnet in der europäischen Gemeinschaft, der sie zunächst ausdrücklich ein Gegenmodell entgegensetzen wollten (EFTA). Als die Gemeinschaft gedieh und die EFTA mehr eine Kunstfigur als eine Gemeinschaft war, kam der Drang, doch dazu zu gehören zum Zuge... und mußte kämpferisch und schmeichelnd errungen werden.

Seitdem fielen die Briten dadurch auf, daß sie die Weiterentwicklung der EU bremsen wollten im sogenannten Bremserhäuschen auf dem europäischen Zug. Mit dem letzten Auftritt der PM May in Salzburg wurde dieser durch nichts gerechtfertigte Größenwahn der Briten deutlich sichtbar: Friß Vogel oder stirb! Und das, nachdem schon seit Wochen der PM May in allen Hauptstädten der EU klar gemacht worden war, daß dieses Konzept keinen Beifall findet.

Es gibt drei "schnelle" Wege für den BREXIT: GB übernimmt den Modellvertrag "Norwegen", den Modellvertrag "Kanada" oder die Regeln der WTO, von denen aus die EU und GB ein neues Sonderverhältnis verhandeln können. Das ist dann ein Langzeitprojekt, das Fachleuten zufolge etwa 10 Jahre braucht.

Mit den Folgen des BREXITs müssen wir alle uns befassen. Das sollte der letzte Störeinfluß der Briten auf dem Weg zur Neuodnung des Kontinents sein. Auch für die EU sollte es jetzt kein Zurück mehr geben, unabhängig von irgendwelchen Entscheidungen in London. Die politischen Mehrheiten für BREXIT oder BREMAIN im Lande sind auch nach fast 3 Jahren öffentlicher Diskussion viel zu gering, um guten Gewissens zu versuchen, die Briten in der EU zu halten. Das wird doch nichts!
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Maikel » So 23. Sep 2018, 08:20

Es gibt ja scheinbar (nur) noch zwei Knackpunkte, die zukünftigen Handelsbeziehungen und die Grenze zu Nordirland.

Ein Brexit ohne Vertrag wäre bzgl. der Handelsbeziehungen für die Rest-EU lästig, aber handhabbar (für die Briten vermutlich erstmal schlimm).

Aber: Ohne Vertrag müßte es sofort eine harte Grenze zwischen Irland und Nord-Irland geben. Das wäre auch für die EU, insbesondere das EU-Mitglied Irland, inakzeptabel.

Daher meine ich, daß so lange weiterverhandelt werden wird (dafür Fristen verlängert, "die Uhren angehalten"), bis es eine vertragliche Lösung gibt.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon McKnee » So 23. Sep 2018, 08:45

H2O hat geschrieben:(23 Sep 2018, 09:06)

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die heroische Selbstbeschreibung der Briten zum Thema "Europa gerettet" wirklich zutrifft. Im Grunde haben sie im 1. und 2. Weltkrieg versucht, die Neuordnung des Kontinents zu verhindern, um ihr uraltes Konzept von "Teile und herrsche" mit wechselnden Bündnissen aufrecht erhalten zu können.

Tatsächlich sind die Briten damit gescheitert. Bezahlt haben sie mit dem Abstieg aus der Weltmacht, den sie noch nicht ganz verdaut haben... und in Europa hat sich der Kontinent gegen ihren Willen neu geordnet in der europäischen Gemeinschaft, der sie zunächst ausdrücklich ein Gegenmodell entgegensetzen wollten (EFTA). Als die Gemeinschaft gedieh und die EFTA mehr eine Kunstfigur als eine Gemeinschaft war, kam der Drang, doch dazu zu gehören zum Zuge... und mußte kämpferisch und schmeichelnd errungen werden.

Seitdem fielen die Briten dadurch auf, daß sie die Weiterentwicklung der EU bremsen wollten im sogenannten Bremserhäuschen auf dem europäischen Zug. Mit dem letzten Auftritt der PM May in Salzburg wurde dieser durch nichts gerechtfertigte Größenwahn der Briten deutlich sichtbar: Friß Vogel oder stirb! Und das, nachdem schon seit Wochen der PM May in allen Hauptstädten der EU klar gemacht worden war, daß dieses Konzept keinen Beifall findet.

Es gibt drei "schnelle" Wege für den BREXIT: GB übernimmt den Modellvertrag "Norwegen", den Modellvertrag "Kanada" oder die Regeln der WTO, von denen aus die EU und GB ein neues Sonderverhältnis verhandeln können. Das ist dann ein Langzeitprojekt, das Fachleuten zufolge etwa 10 Jahre braucht.

Mit den Folgen des BREXITs müssen wir alle uns befassen. Das sollte der letzte Störeinfluß der Briten auf dem Weg zur Neuodnung des Kontinents sein. Auch für die EU sollte es jetzt kein Zurück mehr geben, unabhängig von irgendwelchen Entscheidungen in London. Die politischen Mehrheiten für BREXIT oder BREMAIN im Lande sind auch nach fast 3 Jahren öffentlicher Diskussion viel zu gering, um guten Gewissens zu versuchen, die Briten in der EU zu halten. Das wird doch nichts!



Danke für diese Zusammenfassung.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » So 23. Sep 2018, 08:54

Maikel hat geschrieben:(23 Sep 2018, 09:20)

Es gibt ja scheinbar (nur) noch zwei Knackpunkte, die zukünftigen Handelsbeziehungen und die Grenze zu Nordirland.

Ein Brexit ohne Vertrag wäre bzgl. der Handelsbeziehungen für die Rest-EU lästig, aber handhabbar (für die Briten vermutlich erstmal schlimm).

Aber: Ohne Vertrag müßte es sofort eine harte Grenze zwischen Irland und Nord-Irland geben. Das wäre auch für die EU, insbesondere das EU-Mitglied Irland, inakzeptabel.

Daher meine ich, daß so lange weiterverhandelt werden wird (dafür Fristen verlängert, "die Uhren angehalten"), bis es eine vertragliche Lösung gibt.


Selbstverständlich!

Nur sagen die OSZE-Regeln, daß niemand ohne Zustimmung der beteiligten Menschen Staatsgrenzen ändern darf. Nordirland als Krim des kleinen Mannes... das geht auch nicht. Also sollte man GB auffordern, Iren und Nord-Iren selbst entscheiden zu lassen, wie sie künftig leben möchten. Nord-Irland als Teil GBs unter wirtschaftlichen EU-Regeln und britischem Recht mit Zollgrenze in der Irischen See, Nord-Irland als Teil GBs unter ausschließlich britischem Recht mit Zollgrenze wie vor dem EU-Beitritt GBs.

Da geht es um Menschen und Heimat, und die haben aus meiner Sicht Vorrang in der EU. Aus meiner Sicht kann darüber auch nach dem BREXIT weiter verhandelt werden, wenn sich diese Verhandlungen weiterhin als sinnvoll erweisen sollten.

Aber der BREXIT sollte jetzt durchgeführt werden, denn diese Dauerbeschäftigung der EU mit Problemen der britischen Innenpolitik ist doch nur noch unerfreulich, nachdem fast 3 Jahre öffentlicher Diskussion keinen deutlichen Sinneswandel in GB bewirkt haben. Die britischen Inseln schwimmen ja nicht weg vom Kontinent, und nach einem künftigen Stimmungswandel könnte GB einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft stellen... wenn das Land die Beitrittsbedingungen weiterhin erfüllt. Extrawürste sollten dabei aber nicht verhandelt oder gar zugestanden werden.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eiskalt » So 23. Sep 2018, 09:26

H2O hat geschrieben:(23 Sep 2018, 09:06)

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die heroische Selbstbeschreibung der Briten zum Thema "Europa gerettet" wirklich zutrifft. Im Grunde haben sie im 1. und 2. Weltkrieg versucht, die Neuordnung des Kontinents zu verhindern, um ihr uraltes Konzept von "Teile und herrsche" mit wechselnden Bündnissen aufrecht erhalten zu können.

Tatsächlich sind die Briten damit gescheitert. Bezahlt haben sie mit dem Abstieg aus der Weltmacht, den sie noch nicht ganz verdaut haben... und in Europa hat sich der Kontinent gegen ihren Willen neu geordnet in der europäischen Gemeinschaft, der sie zunächst ausdrücklich ein Gegenmodell entgegensetzen wollten (EFTA). Als die Gemeinschaft gedieh und die EFTA mehr eine Kunstfigur als eine Gemeinschaft war, kam der Drang, doch dazu zu gehören zum Zuge... und mußte kämpferisch und schmeichelnd errungen werden.

Seitdem fielen die Briten dadurch auf, daß sie die Weiterentwicklung der EU bremsen wollten im sogenannten Bremserhäuschen auf dem europäischen Zug. Mit dem letzten Auftritt der PM May in Salzburg wurde dieser durch nichts gerechtfertigte Größenwahn der Briten deutlich sichtbar: Friß Vogel oder stirb! Und das, nachdem schon seit Wochen der PM May in allen Hauptstädten der EU klar gemacht worden war, daß dieses Konzept keinen Beifall findet.

Es gibt drei "schnelle" Wege für den BREXIT: GB übernimmt den Modellvertrag "Norwegen", den Modellvertrag "Kanada" oder die Regeln der WTO, von denen aus die EU und GB ein neues Sonderverhältnis verhandeln können. Das ist dann ein Langzeitprojekt, das Fachleuten zufolge etwa 10 Jahre braucht.

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Ein sehr guter Beitrag :thumbup:
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Misterfritz » So 23. Sep 2018, 12:37

Stockende Brexit-Gespräche
May setzt für den Notfall offenbar auf Neuwahl
Die Brexit-Gespräche sind festgefahren, die Nervosität steigt: Wären Neuwahlen in Großbritannien ein Ausweg? Laut der "Sunday Times" hält Premierministerin Theresa May das für eine Option, um Rückendeckung für ihren Kurs zu bekommen.

Dann sollen die Briten ruhig nochmal wählen. Nur wer verhandelt bis dann (November) mit der EU, wenn die doch Wahlkampf machen müssen? :?:
Und was kann eine Wahl ändern? Wenn die Nord-Iren möglicherweise nicht mehr in der Regierung wären, müsste man auf die keine Rücksicht nehmen? So ganz sehe ich in Wahlen keine Lösung für London.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » So 23. Sep 2018, 13:29

Misterfritz hat geschrieben:(23 Sep 2018, 13:37)

Stockende Brexit-Gespräche
May setzt für den Notfall offenbar auf Neuwahl
Die Brexit-Gespräche sind festgefahren, die Nervosität steigt: Wären Neuwahlen in Großbritannien ein Ausweg? Laut der "Sunday Times" hält Premierministerin Theresa May das für eine Option, um Rückendeckung für ihren Kurs zu bekommen.

Dann sollen die Briten ruhig nochmal wählen. Nur wer verhandelt bis dann (November) mit der EU, wenn die doch Wahlkampf machen müssen? :?:
Und was kann eine Wahl ändern? Wenn die Nord-Iren möglicherweise nicht mehr in der Regierung wären, müsste man auf die keine Rücksicht nehmen? So ganz sehe ich in Wahlen keine Lösung für London.


Auf einem Labour-Parteitag hat Parteiführer Jeremy Corbyn sich für eine zweite Volksbefragung zum Verhandlungsergebnis der britischen Verhandlungsführung mit der EU ausgesprochen. Corbyn war bisher Anhänger eines BREXITs.

Vielleicht eine Strategie, ohne Gesichtsverlust den BREXIT ab zu blasen? Allerdings meine ich auch, daß die EU dieses Affentheater ihrerseits beenden sollte, also die festgelegten Termine gelten lassen sollte. Die EU-Mitgliedschaft GBs endet am 29. März 2019. Drei Ausstiegsszenarien sind bekannt; für eines davon muß GB sich entscheiden... nach WTO-Regeln geht immer. Danach mindestens 10 Jahre Abkühlphase, in der die EU ihre inneren Angelegenheiten ohne GB regeln kann.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eiskalt » So 23. Sep 2018, 13:56

Wie lustig die Briten auch glauben einfach mit einer anderen Abstimmung einfach so den Austritt stoppen zu können als wäre nichts geschehen. Soweit ich weiss müssen auch die 27 einstimmig dem Verbleib von GB in der EU zustimmen. Das macht aber keinen Sinn mehr.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Misterfritz » So 23. Sep 2018, 13:58

H2O hat geschrieben:(23 Sep 2018, 14:29)

Auf einem Labour-Parteitag hat Parteiführer Jeremy Corbyn sich für eine zweite Volksbefragung zum Verhandlungsergebnis der britischen Verhandlungsführung mit der EU ausgesprochen. Corbyn war bisher Anhänger eines BREXITs.

Vielleicht eine Strategie, ohne Gesichtsverlust den BREXIT ab zu blasen?
Eher eine Strategie, wie May aus dieser verzwickten Lage rauskommt: Durch Abwahl ;)
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Teamchef » So 23. Sep 2018, 15:51

Angst vor Knappheiten nach #Brexit veranlasst Regierung zur Anmietung riesiger Lagerflächen

https://www.bloomberg.com/news/articles ... ow-organic
U.K. to Establish a Post-Brexit Port 70 Miles From the Sea
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » So 23. Sep 2018, 16:13

Eiskalt hat geschrieben:(23 Sep 2018, 14:56)

Wie lustig die Briten auch glauben einfach mit einer anderen Abstimmung einfach so den Austritt stoppen zu können als wäre nichts geschehen. Soweit ich weiss müssen auch die 27 einstimmig dem Verbleib von GB in der EU zustimmen. Das macht aber keinen Sinn mehr.


Das ist schon eine sehr eigenartige Vorstellung von geordneten Abläufen! Aber auch der längste Weg beginnt mit dem 1. Schritt. Ohne GB geht das gar nicht! :)

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