EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

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Ove Haithabu
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Ove Haithabu » Sa 13. Jan 2018, 14:11

Misterfritz hat geschrieben:(10 Jan 2018, 13:33)

Das ist aber falsch,
die Briten haben das Auto längst gekauft (Mitgliedschaft) und müssen die Zahlungen bedienen, zu denen sie sich schon vor längerem vertraglich verpflichtet haben.
Wenn sie jetzt ein neues Auto (Kooperation mit der EU) kaufen wollen, können sich ja die möglichen Varianten ansehen und entscheiden, was sie denn wollen. Je nach dem fällt dann der Preis für ihr neues Auto aus ;)

Es ist aber eher so dass die Briten erst den Preis akzeptieren müssen bevor sie sich aller möglichen Varianten ansehen dürfen. Und zudem verbietet die EU den Briten mit anderen Autohändlern zu verhandeln.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Ove Haithabu » Sa 13. Jan 2018, 14:18

H2O hat geschrieben:(11 Jan 2018, 00:18)

Das vereinfacht aber gar nichts. Dann kommt doch die große Liste der gewünschten Möglichkeiten und der unerwünschten Bedingungen, und die EU hält dazu ein Preisschild hoch nach dem Grundsatz: Diese abgelehnte Bedingung kostet diese gewünschte Möglichkeit. Die EU hat die Möglichkeiten "Norwegen" oder "Kanada" im Vorrat. Die Möglichkeiten "Norwegen" zu den Bedingungen "Kanada" wird die EU bestimmt nicht einräumen.

Auch hier zeigt sich, wie unflexibel die EU wirklich ist. Die EU hat die Möglichkeiten "Norwegen" oder "Kanada" im Vorrat, warum ist die EU nicht bereit die Möglichkeit "Großbritannien" auszuhandeln ?
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Misterfritz » Sa 13. Jan 2018, 14:23

Ove Haithabu hat geschrieben:(13 Jan 2018, 14:11)

Es ist aber eher so dass die Briten erst den Preis akzeptieren müssen bevor sie sich aller möglichen Varianten ansehen dürfen. Und zudem verbietet die EU den Briten mit anderen Autohändlern zu verhandeln.
Nein, sie müssen den Preis für das 1. Auto akzeptieren - jetzt wollen sie ja ein neues, bevor sie die Betriebskosten des alten beglichen haben.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 13. Jan 2018, 14:51

Ove Haithabu hat geschrieben:(13 Jan 2018, 14:03)

Die EU muss tun was das Beste für die EU ist. Bei Regeln muss man Flexibilität und Kreativität beweisen und nicht nur die Regel befolgen was die Regeln sind. Genau das haben die Briten ja angemängelt und in diesem Punk haben die Briten auch nicht unrecht.

Es bringt der EU überhaupt nichts wenn die Briten den Verhandlungen fern bleiben. Es spricht nichts gegen parallele Verhandlungen über den zukünftigen Handelsstatus denn vom zukünftigen Handel profitieren beide Seiten. Die EU soll ausloten was da für die EU rauszuholen ist und nicht auf irgendwelchen Paragraphen rumreiten die besagen dass man unter den gegenwärtigen Umständen gar nicht verhandeln darf. Dieses Rumeiern, diese Inflexibilität und diese Rechthaberei ist ein großes Mako in der EU. Und das war schon vor dem Brexit ein Manko und hat sicher zum Brexit beigetragen.

Großbritannien wird Deutschland in der EU noch fehlen. Nicht nur wirtschaftlich sondern auch politisch. Politisch gesehen hat sich Großbritannien schon imer sehr pragmatisch gezeigt - ganz im Gegentei zu den regulierungsfreudigen Franzosen.


Mit "flexiblem Umgang mit Regeln" ist aber eher das Verhalten einer Bananenrepublik beschrieben als das Verhalten eines Bundes von 27 Staaten. Nichts spricht gegen einsichtige Änderungen von Regeln... dann aber für alle und auf Dauer... und schon gar nicht, wenn plötzlich ein ausscheidendes Mitglied die bestehenden Regeln für seine Belange nicht praktisch findet.

Ich halte noch weniger von einem speziellen deutschen Bündnis mit den Briten in einer Zeit, in der sie aus der Gemeinschaft ausscheiden. Mit Frankreich verbinden uns seit nunmehr 50 Jahren Verträge und meist sehr gute Erfahrungen. Derzeit sieht es sowohl auf französischer Seite als auch auf deutscher Seite ganz danach aus, daß diese ganz besonderen Verbindungen noch weiter vertieft werden. Da liegt ganz offensichtlich unsere absehbare Zukunft.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 13. Jan 2018, 14:54

Ove Haithabu hat geschrieben:(13 Jan 2018, 14:18)

Auch hier zeigt sich, wie unflexibel die EU wirklich ist. Die EU hat die Möglichkeiten "Norwegen" oder "Kanada" im Vorrat, warum ist die EU nicht bereit die Möglichkeit "Großbritannien" auszuhandeln ?

Wozu denn? Sind Norwegen oder Kanada denn so weit ab von möglichen Regelungen? Mit ihrer Rosinenpickerei sind uns diese Partner lange genug auf die Nerven gegangen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Ove Haithabu » Sa 13. Jan 2018, 15:41

Misterfritz hat geschrieben:(13 Jan 2018, 14:23)

Nein, sie müssen den Preis für das 1. Auto akzeptieren - jetzt wollen sie ja ein neues, bevor sie die Betriebskosten des alten beglichen haben.

Die EU hatte aber mehr Bedingungen als den Preis für das alte Auto. So wollte sie den zukünftigen Status von Nordirland und die Zukunft de EU-Bürger in Großbritannien vorab geregelt haben. Das sind Teile der Zukunft und keine ungeregelte Restschulden. Und selbst die ungeregelten Restschulden könnte man locker zeitgleich zu einem neuen Handelspakt verhandeln. Man kann ja alles gleichzeitig in einem neuen Handelsvertrag unterzeichnen aber gegen Verhandlungen spricht nichts. Zumal die Zeit kanpp ist.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Ove Haithabu » Sa 13. Jan 2018, 15:49

H2O hat geschrieben:(13 Jan 2018, 14:54)

Wozu denn? Sind Norwegen oder Kanada denn so weit ab von möglichen Regelungen? Mit ihrer Rosinenpickerei sind uns diese Partner lange genug auf die Nerven gegangen.

Jedes Land hat bestimmte Prioritäten. So ist Großbritannien zum Beispiel der Handel mit finanziellen Dienstleistungen wichtiger als Kanada. Großbritannien ist viel zu wichtig als dass man sagen kann dass man kein Bock hat, einen eigenen Deal auszuhandeln. Großbritannien ist als Handelspartner der EU sogar noch wichtiger als Kanada und Norwegen zusammen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Misterfritz » Sa 13. Jan 2018, 15:56

Ove Haithabu hat geschrieben:(13 Jan 2018, 15:49)

Jedes Land hat bestimmte Prioritäten. So ist Großbritannien zum Beispiel der Handel mit finanziellen Dienstleistungen wichtiger als Kanada. Großbritannien ist viel zu wichtig als dass man sagen kann dass man kein Bock hat, einen eigenen Deal auszuhandeln. Großbritannien ist als Handelspartner der EU sogar noch wichtiger als Kanada und Norwegen zusammen.
Es gibt aber die Vorgabe, dass kein Drittstaat besser als Schweiz, Norwegen und Canada durch Verträge gestellt sein darf - das wissen auch die Briten.
Wenn die Briten denn mal endlich in die Pötte kämen, könnte man ja über die weiteren Verhältnisse verhandeln, aber nicht vorher.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Ove Haithabu » Sa 13. Jan 2018, 16:04

H2O hat geschrieben:(13 Jan 2018, 14:51)

Mit "flexiblem Umgang mit Regeln" ist aber eher das Verhalten einer Bananenrepublik beschrieben als das Verhalten eines Bundes von 27 Staaten. Nichts spricht gegen einsichtige Änderungen von Regeln... dann aber für alle und auf Dauer... und schon gar nicht, wenn plötzlich ein ausscheidendes Mitglied die bestehenden Regeln für seine Belange nicht praktisch findet.

Ich halte noch weniger von einem speziellen deutschen Bündnis mit den Briten in einer Zeit, in der sie aus der Gemeinschaft ausscheiden. Mit Frankreich verbinden uns seit nunmehr 50 Jahren Verträge und meist sehr gute Erfahrungen. Derzeit sieht es sowohl auf französischer Seite als auch auf deutscher Seite ganz danach aus, daß diese ganz besonderen Verbindungen noch weiter vertieft werden. Da liegt ganz offensichtlich unsere absehbare Zukunft.

Ich halte auch nichts von einen speziellen deutschen Bündnis mit den Briten. Ich sagte lediglich dass Deutschland der britische Pragmatismus in der EU noch fehlen wird. Wenn die Briten bemängeln dass die EU zu unflexibel is dann sollte man das nicht einfach als Spinnerei abtun. Die EU hat in Bezug auf Flexibilität in der Tat noch Kapazitäten, sich zu verbessern. Kritik sollte man sich anhören und entweder widerlegen oder sich verbessern. Egal von wem die Kritik kommt. Wenn in unserer Firma Mitarbeiter kündigen will ich auch wissen warum. Ich tue den ihre Bedenken auch nicht einfach als Spinnerei ab weil es von Leuten kommt die eh gehen. Manchmal ist gerade den ihre Meinung interessant.

Und wir reden auch nicht von EU-Grundwerten wenn wir von "flexiblem Umgang mit Regeln" spechen sondern vom Ablauf wann was verhandelt wird. Wir reden auch nicht von Zugeständnissen sondern nur von Verhandlungen. Das Paket muss dann immer noch von allen abgesegnet werden. Großbritannien ist ein sehr gespaltenes Land im Bezug auf den Brexit. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Brexit geschehen wird aber dennoch ist im zukünftigen Beziehungsstatus zwischen EU und GB noch viel für beide Seiten zu holen. Wenn man sich unflexibel zeigt so spielt man nur den Brexit-Befürwortern in die Hände.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Ove Haithabu » Sa 13. Jan 2018, 16:12

Misterfritz hat geschrieben:(13 Jan 2018, 15:56)
Es gibt aber die Vorgabe, dass kein Drittstaat besser als Schweiz, Norwegen und Canada durch Verträge gestellt sein darf - das wissen auch die Briten.

Jeder Deal ist anders, welcher "besser" ist kann man nicht sagen. Was für Kanada und Norwegen gut ist muss nicht automatisch für Großbritannien gut sein. Und bevor etwas ausgehandelt ist, kann man sowieso nicht sagen ob es besser oder schlechter ist.
Misterfritz hat geschrieben:(13 Jan 2018, 15:56)
Wenn die Briten denn mal endlich in die Pötte kämen, könnte man ja über die weiteren Verhältnisse verhandeln, aber nicht vorher.

Genauso sagen die Briten dass die EU mal endlich in die Pötte kommen soll wenn es um den Handel geht. Dazu waren die Briten schon zu Beginn bereit und die EU hat gesagt dass sie noch nicht über Handel sprechen will weil in anderen Punte noch nicht genug gemacht wurde.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Misterfritz » Sa 13. Jan 2018, 16:14

Ove Haithabu hat geschrieben:(13 Jan 2018, 16:12)Genauso sagen die Briten dass die EU mal endlich in die Pötte kommen soll wenn es um den Handel geht. Dazu waren die Briten schon zu Beginn bereit und die EU hat gesagt dass sie noch nicht über Handel sprechen will weil in anderen Punte noch nicht genug gemacht wurde.
Die Briten wissen genau, dass vor den Verhandlungen über neue Beziehungen erst die alte abgeschlossen sein muss. Das mag den Briten nicht passen, aber bevor nicht so grundlegende Sachen, wie die Grenze zwischen Nord-Irland und der Republik Irland, geklärt sind, kann man nicht über neue Beziehungen verhandeln.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 13. Jan 2018, 18:02

Ove Haithabu hat geschrieben:(13 Jan 2018, 16:04)

...
... Die EU hat in Bezug auf Flexibilität in der Tat noch Kapazitäten, sich zu verbessern. Kritik sollte man sich anhören und entweder widerlegen oder sich verbessern. Egal von wem die Kritik kommt. ...


Das ist doch selbstverständlich... selbst dann, wenn man am Ende feststellt, daß die Kritik eigentlich nur eine um der Kritik willen war.

Hier geht es aber um die Reihenfolge der Verhandlungen, auf die die EU sich zu 27-igst festgelegt hatte. Und dann kommt der Verursacher des Theaters und hält diese Reihenfolge der Abarbeitung von Themen für unflexibel. Dem kann ich gar keinen Geschmack abgewinnen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon frems » Sa 13. Jan 2018, 18:11

Ove Haithabu hat geschrieben:(13 Jan 2018, 15:49)

Jedes Land hat bestimmte Prioritäten. So ist Großbritannien zum Beispiel der Handel mit finanziellen Dienstleistungen wichtiger als Kanada. Großbritannien ist viel zu wichtig als dass man sagen kann dass man kein Bock hat, einen eigenen Deal auszuhandeln. Großbritannien ist als Handelspartner der EU sogar noch wichtiger als Kanada und Norwegen zusammen.

Wer sagt denn, man habe kein Bock? Das Team um Barnier steht bereit, auch wenn britische Unterhändler immer wieder mit leeren Händen und Mappen auftauchen und man nach Wochen keinerlei Fortschritt zu verzeichnen hat, während eine Vereinbarung schon am nächsten Tag von Politikern auf der Insel torpediert und für nichtig erklärt werden. Die Position Europas für die Austrittsverhandlungen sind ja allen bekannt. Was den Briten als Post-EU-Deal vorschwebt, weiß aber niemand so genau. Hammond hat nun von Sanktionen gejammert, weil er feststellt, dass ein ehem. Club-Mitglied nicht alle Privilegien eines Mitglieds haben kann. Aber das war's dann auch.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 13. Jan 2018, 18:15

Ove Haithabu hat geschrieben:(13 Jan 2018, 15:49)

Jedes Land hat bestimmte Prioritäten. So ist Großbritannien zum Beispiel der Handel mit finanziellen Dienstleistungen wichtiger als Kanada. Großbritannien ist viel zu wichtig als dass man sagen kann dass man kein Bock hat, einen eigenen Deal auszuhandeln. Großbritannien ist als Handelspartner der EU sogar noch wichtiger als Kanada und Norwegen zusammen.


Das mag stimmen; nur muß sich die EU deshalb doch nicht verbiegen. Es liegt bei den Briten, zu sagen, was sie denn gerne hätten. Und bei der EU, zu sagen, wie weit sie da mitgeht. Bisher gibt es die beiden ausgehandelten Modelle Norwegen und Kanada. Nur "Das nicht, das aber auch nicht!" scheint mir kein Verhandeln zu sein. Auf den Tisch legen, was es denn sein soll. Wo ist der Vorschlag?
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon sünnerklaas » Sa 13. Jan 2018, 18:37

frems hat geschrieben:(13 Jan 2018, 18:11)

Was den Briten als Post-EU-Deal vorschwebt, weiß aber niemand so genau.


Das kann man ganz einfach formulieren: Freier Handel, freier Geldverkehr - also alles, wie unter Vorzeichen einer EU-Vollmitgliedschaft, gleichzeitig aber keinen freien Personenverkehr mit den EU-Staaten, wobei dies explizit auf Osteuropäer abzielt.


In Polen gibt es durchaus Hoffnungen, dass der Brexit zu einer Remigration führt. Die polnische Wirtschaft hat ein Problem: es gibt viel zu wenige qualifizierte Arbeitskräfte. Gleichzeitig sinken inzwischen die für die Außenhandelsbilanz des Landes wichtigen Geldüberweisungen aus dem Ausland nach Polen: die Ausgewanderten werden in anderen Ländern heimisch (hier kann man das nachlesen). Kurz gesagt: müssen die in GB lebenden Polen GB nach dem Brexit verlassen, bekommen polnische Firmen die dringend benötigten Arbeitskräfte. Mit höheren Löhnen als in GB kann Polen nun einmal als Niedriglohnland nicht werben. Die in P produzierenden Unternehmen würden Polen pronto verlassen und weiterziehen.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 13. Jan 2018, 18:47

sünnerklaas hat geschrieben:(13 Jan 2018, 18:37)

Das kann man ganz einfach formulieren: Freier Handel, freier Geldverkehr - also alles, wie unter Vorzeichen einer EU-Vollmitgliedschaft, gleichzeitig aber keinen freien Personenverkehr mit den EU-Staaten, wobei dies explizit auf Osteuropäer abzielt.


In Polen gibt es durchaus Hoffnungen, dass der Brexit zu einer Remigration führt. Die polnische Wirtschaft hat ein Problem: es gibt viel zu wenige qualifizierte Arbeitskräfte. Gleichzeitig sinken inzwischen die für die Außenhandelsbilanz des Landes wichtigen Geldüberweisungen aus dem Ausland nach Polen: die Ausgewanderten werden in anderen Ländern heimisch (hier kann man das nachlesen). Kurz gesagt: müssen die in GB lebenden Polen GB nach dem Brexit verlassen, bekommen polnische Firmen die dringend benötigten Arbeitskräfte. Mit höheren Löhnen als in GB kann Polen nun einmal als Niedriglohnland nicht werben. Die in P produzierenden Unternehmen würden Polen pronto verlassen und weiterziehen.


Die britische Regierung wird einen Teufel tun und in GB ansässigen EU-Bürgern die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis entziehen. Das war ja eine der ersten Zusicherungen, die von britischer Seite kamen. Richtig ist auch, daß Polen, die seit 2005 in GB leben und arbeiten, wohl kaum Lust verspüren werden, sich wieder zu einem Neustart in Polen auf zu raffen. Dann müssten sie schon anhaltenden Schikanen ausgesetzt sein. Das mag anders aussehen, wenn sich Menschen in dem britischen Umfeld überhaupt nicht wohl fühlen. Dabei wird es sich wohl um eine Minderheit der Polen in GB handeln.

Ob diese Minderheit aber ausgerechnet aus den Personen besteht, an denen die polnischen Wirtschaftsbetriebe großes Interesse haben?
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Ove Haithabu » Sa 13. Jan 2018, 19:08

Misterfritz hat geschrieben:(13 Jan 2018, 16:14)

Die Briten wissen genau, dass vor den Verhandlungen über neue Beziehungen erst die alte abgeschlossen sein muss. Das mag den Briten nicht passen, aber bevor nicht so grundlegende Sachen, wie die Grenze zwischen Nord-Irland und der Republik Irland, geklärt sind, kann man nicht über neue Beziehungen verhandeln.

Und wieso geht das nicht gleichzeitig ? Zumal das zukünftige Handelsabkommen doch ganz stark beeinflussen wird, wie die Grenze aussehen wird. Wie kann denn Großbritannien vorher versprechen dass es keinen Schlagbaum geben wird wenn es gar nicht klar ist ob hinterher Zölle auf Lieferungen über die Grenze fällig werden oder nicht ?
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Ove Haithabu » Sa 13. Jan 2018, 19:21

frems hat geschrieben:(13 Jan 2018, 18:11)

Wer sagt denn, man habe kein Bock? Das Team um Barnier steht bereit, auch wenn britische Unterhändler immer wieder mit leeren Händen und Mappen auftauchen und man nach Wochen keinerlei Fortschritt zu verzeichnen hat, während eine Vereinbarung schon am nächsten Tag von Politikern auf der Insel torpediert und für nichtig erklärt werden. Die Position Europas für die Austrittsverhandlungen sind ja allen bekannt. Was den Briten als Post-EU-Deal vorschwebt, weiß aber niemand so genau. Hammond hat nun von Sanktionen gejammert, weil er feststellt, dass ein ehem. Club-Mitglied nicht alle Privilegien eines Mitglieds haben kann. Aber das war's dann auch.

Die Position Europas ist alles andere bekannt. Aus der EU ist eigentlich nur zu hören, was sie nicht wollen und was Großbritannien nicht bekommt. Wie die sich die zukünftige Beziehung zu Großbritannien vorstellen hat noch niemand von der EU gesagt. Sobald Großbritannien sagt was sie wollen, sei es Zugriff auf den Binnenmarkt, sei es Passportingrechte für Finanzdienstleistungen oder sonstwas, wird auf Seiten der EU irgendein Grund gefunden warum das nicht geht. Und dann wird gesagt über dies und das wird gar nicht erst verhandelt weil dies und jenes ja noch gar nicht klar ist. Und dann ist es auf einmal Großbritanniens Schuld dass noch nichts verhandelt wurde.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon H2O » Sa 13. Jan 2018, 19:28

Ove Haithabu hat geschrieben:(13 Jan 2018, 19:08)

Und wieso geht das nicht gleichzeitig ? Zumal das zukünftige Handelsabkommen doch ganz stark beeinflussen wird, wie die Grenze aussehen wird. Wie kann denn Großbritannien vorher versprechen dass es keinen Schlagbaum geben wird wenn es gar nicht klar ist ob hinterher Zölle auf Lieferungen über die Grenze fällig werden oder nicht ?


Jetzt verbiegen Sie aber die Logik einer Verhandlung, indem alles mit allem verbunden werden soll. Die Logik geht doch folgendermaßen: Binnenmarkt nur mit den vier Grundfreiheiten der EU (Norwegen). Dann muß auch nichts in Irland verändert werden. Oder aber irgend etwas anderes, meinetwegen wie mit Kanada, dann ohne Grundfreiheiten. Dann gibt es in Irland eine Zoll- und Wirtschaftsgrenze, die natürlich kontrolliert werden muß, um Mißbrauch weitgehend aus zu schließen.

Der Friedensschluß in Nord-Irland war sehr eng mit der gemeinsamen EU-Mitgliedschaft und offenen Grenzen verbunden. Solche Abhängigkeiten müssen Politiker bedenken, wenn sie die beschlossenen Dinge wieder auf den Kopf stellen wollen. Diese Probleme kann die EU nicht lösen, indem sie GB norwegische Rechte zu kanadischen Bedingungen gewährt. Der Ball liegt bei der britischen Regierung.
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Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon frems » Sa 13. Jan 2018, 19:29

Ove Haithabu hat geschrieben:(13 Jan 2018, 19:21)

Die Position Europas ist alles andere bekannt. Aus der EU ist eigentlich nur zu hören, was sie nicht wollen und was Großbritannien nicht bekommt. Wie die sich die zukünftige Beziehung zu Großbritannien vorstellen hat noch niemand von der EU gesagt. Sobald Großbritannien sagt was sie wollen, sei es Zugriff auf den Binnenmarkt, sei es Passportingrechte für Finanzdienstleistungen oder sonstwas, wird auf Seiten der EU irgendein Grund gefunden warum das nicht geht. Und dann wird gesagt über dies und das wird gar nicht erst verhandelt weil dies und jenes ja noch gar nicht klar ist. Und dann ist es auf einmal Großbritanniens Schuld dass noch nichts verhandelt wurde.

1. Die Briten sollen ihre eingegangenen Verpflichtungen erfüllen
2. Eine saubere Lösung für Irland/Nordirland
3. Sicherung der Rechte für EU-Bürger in Großbritannien

Darauf haben sich die Vertreter Europas innerhalb weniger Stunden geeinigt. Bei den Briten wissen wir seit anderthalb Jahren nicht, wo sie genau stehen. Klar, möglichst nichts zahlen, aber da hört es auch auf. Und sicherlich wollen einige Briten einen Zugriff auf den Binnenmarkt, aber die Frage ist doch, was sie als Gegenleistung anbieten. Welche Modelle es gibt, wissen ja nun alle, aber offensichtlich wollen sie keins davon, sondern ein eigenes. Ist ja okay, kann man drüber schnacken. Aber dazu müssen sie erstmal sagen, was sie für Europa bringen. Geschenke können sie ja wohl kaum erwarten. Oder denkt irgendwer, die bereits privilegierten Briten könnten nun alle Vorteile Europas zum Nulltarif behalten? Die EU ist ihren Mitgliedsstaaten verpflichtet und nicht Drittstaaten. Das ist ja nicht nur gegenüber Europa so. In Indien warb May auch schon für ein späteres Handelsabkommen. Da sagten die Inder "Okay, klingt gut, aber wir wollen im Gegenzug mehr Investitionen sowie mehr Visa für Arbeiter und Studenten". Da ging May schweigend wieder nach Hause. Im sonst eher zurückhaltenden Japan und sogar Australien und Kanada durfte sie auch feststellen, dass die Länder in erster Linie ihre eigenen Interessen vertreten und nichts zu verschenken haben. Aber klar, schuld sind immer die anderen. So wurde Europapolitik ja seit Jahrzehnten kommuniziert.
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