Neuwahlen in Griechenland - kommt die Eurokrise zurück?

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H2O
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Re: Neuwahlen in Griechenland - kommt die Eurokrise zurück?

Beitragvon H2O » Mi 26. Jul 2017, 08:34

Nomen Nescio hat geschrieben:(25 Jul 2017, 22:25)

ich hörte soeben eine stunde lang einen interview mit einem mann, der sowohl in afrika als südamerika als griechenland gearbeitet hat. u.a. auch für die weltbank.

eine sehr deutliche aussprache von ihm war »es kann in G immer noch schlechter. wenn man es vergleicht mit afrika...«.
darauf erzählte er wie er für das transportbetrieb von athene in brüssels eine lobbykampagne begann. das betrieb hatte 8.500 arbeitnehmer und die EU + IWF forderten eine kürzung von 10%. also 850 menschen drohte entlassung.
er kam mit einer alternative lösung. das IWF ging als erste um. die euroländer war schwieriger, aber schlußendlich stimmten auch sie zu. als er sein plan realisiert hatte, betrugen die kosten 20% weniger und waren keine menschen entlassen.

dennoch, so sagte er, ohne eine schuldverminderung wird griechenland NIE aus der misère kommen.
und ja, die kredite der EU haben absolut geholfen. er hatte große einwände dagegen, aber gibt zu »die EU hat gut auf die verwendung von geldern aufgepaßt und G tut es sehr gut. ohne minderung der schuld bleibt es aber trümmer aufräumen. kann nichts bleibendes gemacht werden«.

meine konklusion: offensichtlich kann in G hier und da einiges »gestreamlined« werden. dennoch muß auch finanziell echte hilfe geleistet werden.


Immerhin bemerkenswert, daß in diesem Fall Griechenlands Wirtschaftsbetrieb nur unter strenger ausländischer Aufsicht auf einen Grünen Zweig kommen konnte. Ich würde vereinfacht daraus schließen, daß dieses Land sich aus eigener Kraft nicht erhalten kann. So gesehen bräuchte das Land eine Art Insolvenzverwaltung, damit es weiter als Staat funktionieren kann. Das wäre doch eine ziemlich niederschmetternde Erkenntnis! Ein Land als Kindergarten!
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Ger9374
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Re: Neuwahlen in Griechenland - kommt die Eurokrise zurück?

Beitragvon Ger9374 » Mi 26. Jul 2017, 08:48

Die Fähigkeit alleine nur den Staat effizient zu führen müsste Griechenland ja auch erst unter dem Schuldendebakel selbst lernen. Die oft so als hart angesehene E.U und IWF Verhandlungsführung müsste ja wegen der teils unfähigen und ineffizienten Griechischen Verwaltung so sein. Griechenland wird noch etwas länger die Hilfe der Profis aus Europa und dem IWF brauchen um nicht gleich wieder abzustürzen.
Darum ein verfrühter Schuldenerlass kann wieder zum Chaos und Leichtsinn führen. Die Zügel müssen noch länger bleiben.
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
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H2O
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Re: Neuwahlen in Griechenland - kommt die Eurokrise zurück?

Beitragvon H2O » Mi 26. Jul 2017, 12:50

Vielleicht hätte ich richtiger sagen sollen, daß Griechenland sich noch nicht mit unseren industrialisierten und durchorganisierten Staatswesen mit vielfachen Kontrollen anfreunden konnte? Insofern wäre der künftige Finanzminister der Eurogruppe gefordert, auf entsprechend neuzeitlicher Organisation der Einnahmen und Ausgabenkontrolle zu bestehen.

In der EU sehen wir ja nicht nur unsere Hellenen in Nöten. Wie wäre es denn, wenn man Tandems bildete, in denen ein ausgewiesen erfolgreicher Partner sich mit einem Partner in Schwierigkeiten zusammen tut, um in kürzerer Zeit das Ziel zuverlässiger Haushaltsführung und sinnvoller Investitionen zu erreichen? Ich stelle mir vor, daß dann ohne ständigen Streit und hämische Bemerkungen mit der EU-Kommission solche Entwicklungen geräuschlos und im Einvernehmen abgearbeitet werden.

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