Die EU und der Euro

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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 4. Mai 2018, 06:57

odiug hat geschrieben:(04 May 2018, 06:51)

Normal ist diese Entwicklung beileibe nicht.


Das niedrige Zinsniveau? Natürlich ist diese Entwicklung völlig normal und im Wesentlichen auf die sinkende Grenzproduktivität und auf die damit einhergehenden sinkenden Renditen zurückzuführen. Die Zusammenhänge hatte ich oben ja ausführlich erläutert.
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Orbiter1
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Orbiter1 » Fr 4. Mai 2018, 08:06

Nomen Nescio hat geschrieben:(04 May 2018, 07:05)

zulassung zum euro.

italien hatte sogar sehr viel angst, denn bereits lange bevor entschieden wurde sagte unser finanzminister schon NEIN zur teilnahme italiens an den euro. darum nannte man ihn dort »il duro«.

wenn es aber soweit kam, sagte die EU-kommission daß es kein vetorecht gab. und dann kam später noch das fast genauso viel schummelnde griechenland. :mad2:
Wenn ich mich richtig erinnere gab es damals Streit um die Auslegung der Euro-Konvergenzkriterien, aber von einer Abstimmung ist mir nichts bekannt. Sie haben aber Recht, die Konvergenzkriterien wurden insbesondere von Italien und Griechenland nicht eingehalten. Italien mußte ja auch zeitweise aus dem EWS ausscheiden, gemeinsam mit UK. Das britische Pfund und die italienische Lira waren damals stark überbewertet und Zocker wie George Soros haben dagegen spekuliert und am Schluß auch gewonnen.

Aktuell ist die Regelung für die Euro-Einführung ja etwas anders. Jedes EU-Mitglied ist verpflichtet den Euro einzuführen sobald es die Euro-Konvergenzkriterien erfüllt und für eine gewisse Zeit am WKMII teilgenommen hat. Da sollte man sich noch einmal Gedanken machen ob das wirklich ausreicht um den Euro einzuführen.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Mai 2018, 08:06

odiug hat geschrieben:(04 May 2018, 07:08)

Schummeln tat nicht "Griechenland", sondern Goldman Sachs.

aber griechenland war nicht ahnungslos.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Mai 2018, 08:08

Orbiter1 hat geschrieben:(04 May 2018, 09:06)

Wenn ich mich richtig erinnere gab es damals Streit um die Auslegung der Euro-Konvergenzkriterien, aber von einer Abstimmung ist mir nichts bekannt.

das geschah nicht, weil die kommission sagte »WIR entscheiden«.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Orbiter1 » Fr 4. Mai 2018, 08:09

Nomen Nescio hat geschrieben:(04 May 2018, 09:06)

aber griechenland war nicht ahnungslos.
Goldman Sachs hat im Auftrag der griechischen Regierung die entsprechenden Transaktionen durchgeführt und wurde dafür auch entsprechend entlohnt. Damit hat nach meinem Verständnis ganz klar die griechische Regierung geschummelt.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon imp » Fr 4. Mai 2018, 08:26

Adam Smith hat geschrieben:(04 May 2018, 07:20)

Jetzt dürfte Griechenland, bis auf den hohen Schuldenstand, reif für den Euro sein.

Bulgarien hat so einen Schuldenstand nicht, ist also noch viel reiferer.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Adam Smith » Fr 4. Mai 2018, 08:40

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(04 May 2018, 09:26)

Bulgarien hat so einen Schuldenstand nicht, ist also noch viel reiferer.

Es gibt auch noch andere Kriterien.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon imp » Fr 4. Mai 2018, 08:42

Adam Smith hat geschrieben:(04 May 2018, 09:40)

Es gibt auch noch andere Kriterien.

Die erfüllt Bulgur wohl auch, hört man.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon H2O » Fr 4. Mai 2018, 08:56

Nomen Nescio hat geschrieben:(04 May 2018, 09:08)

das geschah nicht, weil die kommission sagte »WIR entscheiden«.


Das konnte "die Kommission" auch gar nicht, sondern der EU-Ministerrat, der über die Teilnahme am Euro entschied. Da hat unter anderen eben auch unser deutscher Kanzler mit einem amüsierten Lächeln die Aufnahme Griechenlands unterstützt. Und diese Entscheidung wurde mit Mehrheit gefällt... wobei also die niederländische Gegenstimme unterlag. So etwas kommt vor bei Abstimmungen.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon H2O » Fr 4. Mai 2018, 09:07

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(04 May 2018, 09:26)

Bulgarien hat so einen Schuldenstand nicht, ist also noch viel reiferer.


Zählt denn das nachgewiesene Ausmaß der Korruption in diesen Ländern überhaupt nicht? Gewaltenteilung, Pressefreiheit... Alles Bedingungen in den EU-Verträgen, die seit vielen Jahren unverändert mißachtet wurden!

In Alpträumen sehe ich schon den Nord-Euro (Neuro :D ) entstehen, nachdem die Sache mit dem Euro ganz gegen die Wand gesetzt wurde. Denn eine Erfahrung haben wir doch gemacht: Wer in der EU einmal drin ist, der löst seine Versprechen zur Herstellung guter Verhältnisse nicht mehr ein. Und so war das auch mit dem Euro!

Es ist wahr, daß die EU-Verträge den Euro als Gemeinschaftswährung festschreiben, sowie die Partner reif sind, an diesem Währungssystem teil zu nehmen. Ein Rausschmißkriterium gibt es leider nicht. Nur GB und Dänemark hatten sich "opt out" ertrotzt, also Beibehaltung ihrer nationalen Währungen. GB wird sich bald erledigt haben.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Mai 2018, 09:23

H2O hat geschrieben:(04 May 2018, 09:56)

Das konnte "die Kommission" auch gar nicht, sondern der EU-Ministerrat, der über die Teilnahme am Euro entschied. Da hat unter anderen eben auch unser deutscher Kanzler mit einem amüsierten Lächeln die Aufnahme Griechenlands unterstützt. Und diese Entscheidung wurde mit Mehrheit gefällt... wobei also die niederländische Gegenstimme unterlag. So etwas kommt vor bei Abstimmungen.

da habe ich mich unklar ausgedrückt. die kommsission behauptete, sie entschied ob es ein vetorecht gab. so erinnere ich es mich. denn sonst wäre italien nie in dem euro gekommen.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Orbiter1 » Fr 4. Mai 2018, 09:42

Bei der Bild-Zeitung gibt es eine Artikelserie in fünf Teilen die noch einmal beschreibt wie die Aufnahme Griechenlands in die Eurozone zustande gekommen ist. Es war ganz klar eine politische Entscheidung und sowohl Gerhard Schröder als auch sein Finanzminister Hans Eichel spielten dabei eine wichtige Rolle. Hier der Link zum ersten Teil, die weiteren Links können dann jeweils auf der linken Seite angeklickt werden. Ist lesenswert. https://www.bild.de/politik/2010/griech ... .bild.html
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon H2O » Fr 4. Mai 2018, 10:05

Nomen Nescio hat geschrieben:(04 May 2018, 10:23)

da habe ich mich unklar ausgedrückt. die kommsission behauptete, sie entschied ob es ein vetorecht gab. so erinnere ich es mich. denn sonst wäre italien nie in dem euro gekommen.


Die EU-Kommission hat politisch keine Befugnisse. Dafür ist immer noch der Ministerrat zuständig... auch für Gesetze. Das EU Parlament hatte sich das Recht ertrotzt, für seinen Zuständigkeitsbereich Gesetze erlassen zu dürfen. Die EU-Kommission arbeitet Gesetze für die EU nach Auftrag des EU-Ministerrats aus. Dazu verfügt die EU-Kommission dann auch über eine große Zahl von Beamten, die der Ministerrat nicht aufgebaut hat. Deshalb scheint es gelegentlich so, daß die EU-Kommisssion Gesetze erläßt.

Und diesen Schein nutzen nationale Politiker, irgendwelchen Volkszorn von sich auf die EU-Kommission um zu leiten, "weil die diesen Unsinn verzapft haben". Volksverdummung: Die nationalen Politiker im Ministerrat entscheiden, was in dem Gesetz geregelt werden soll. Eine gute Ausrede wäre allerdings: "Ich war ja ganz entschieden gegen das Gesetz, aber die Mehrheit hat anders entschieden!".

Es könnte also sein, daß die heutige Regierung der Niederlande behauptet, daß ein Gesetz (wer am Euro teilnehmen kann) gegen niederländischen Willen beschlossen wurde. Das ist sehr schwer nach zu prüfen, denn dann müßte man in alten Papieren herum forschen. Das tut niemand gern, wohl auch kein Niederländer.

Am besten wäre immer noch das nationale Veto im EU-Ministerrat. Dann kommen gar keine Gesetze mehr zu Stande, und wir hätten die Euro-Sklerose wieder. :D

Ach ja, die EU-Kommission muß die Grundlagen für Entscheidungen des Ministerrats anliefern... also die Feststellung, daß der Buchstabe eines Gesetzes erfüllt ist... hier also die Beitrittsreife zum Euro. Aber die politische Entscheidung zur Aufnahme fällt immer noch die Euro-Gruppe: Die Euro-Gruppe läßt sich von der EU-Kommission doch keine Teilnehmer vorschreiben.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon imp » Fr 4. Mai 2018, 10:33

H2O hat geschrieben:(04 May 2018, 10:07)

Zählt denn das nachgewiesene Ausmaß der Korruption in diesen Ländern überhaupt nicht? Gewaltenteilung, Pressefreiheit... Alles Bedingungen in den EU-Verträgen, die seit vielen Jahren unverändert mißachtet wurden!

Das ist ein Thema der EU-Verträge und EU-Gremien. Die EZB und der Euro haben damit nur mittelbar zu tun. Sicher kann ein Land auf seine EZB-Vertreter einwirken, aus beliebigen Gründen mit nein zu stimmen. Das ist aber nicht im Sinne der Unabhängigkeit der EZB.

In Alpträumen sehe ich schon den Nord-Euro (Neuro :D ) entstehen, nachdem die Sache mit dem Euro ganz gegen die Wand gesetzt wurde. Denn eine Erfahrung haben wir doch gemacht: Wer in der EU einmal drin ist, der löst seine Versprechen zur Herstellung guter Verhältnisse nicht mehr ein. Und so war das auch mit dem Euro!

Bulgarien ist nun Mitglied. Die Zulassung zum WKM II ist noch nicht der Eurobeitritt. Bulgarien fordert berechtigterweise, dass man konkret mitteilt, welche Änderungen die Bedingungen sind, um diesen Schritt zu gehen. Ein pauschales "zu hoher Korruptionsindex" ist da nicht hilfreich und verprellt auch Euro-Warteländer bzw EU-Warteländer auf dem Balkan, die sich irgendwann fragen müssen: Will die EU uns wirklich oder sollen wir uns mehr an USA/Russland/China orientieren?

Es ist wahr, daß die EU-Verträge den Euro als Gemeinschaftswährung festschreiben, sowie die Partner reif sind, an diesem Währungssystem teil zu nehmen. Ein Rausschmißkriterium gibt es leider nicht. Nur GB und Dänemark hatten sich "opt out" ertrotzt, also Beibehaltung ihrer nationalen Währungen. GB wird sich bald erledigt haben.

Wir haben noch die halblegale Lösung eines weiteren Nordlandes, die aber auch nur aufgrund besonderer Bedingungen toleriert wird und kein Vorbild sein kann.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Orbiter1 » Fr 4. Mai 2018, 10:47

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(04 May 2018, 11:33)

Bulgarien ist nun Mitglied. Die Zulassung zum WKM II ist noch nicht der Eurobeitritt. Bulgarien fordert berechtigterweise, dass man konkret mitteilt, welche Änderungen die Bedingungen sind, um diesen Schritt zu gehen. Ein pauschales "zu hoher Korruptionsindex" ist da nicht hilfreich und verprellt auch Euro-Warteländer bzw EU-Warteländer auf dem Balkan, die sich irgendwann fragen müssen: Will die EU uns wirklich oder sollen wir uns mehr an USA/Russland/China orientieren?
Ja, die sollten sich alle an Russland oder China orientieren. Da passen sie mit ihren durch und durch korrupten Strukturen weitaus besser als zur EU. Was für einen verheerenden Schaden selbst ein so kleines Land wie Griechenland, mit seinen gerade mal 11 Mio Einwohnern anrichten kann ist ja für jeden offensichtlich. Griechenland wurden letztlich von den Steuerzahlern der Eurozone bisher ca. 260 Mrd. € per Kredit zu Minizinsen zur Verfügung gestellt. Jeder mit gesundem Menschenverstand weiß dass dieses Geld nie mehr in voller Höhe zurückgezahlt wird. Und die strukturellen Probleme Griechenlands sind nach wie vor noch nicht einmal im Ansatz gelöst. Solche Länder sind Fässer ohne Boden. Wieviele davon braucht die Eurozone?
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon imp » Fr 4. Mai 2018, 10:50

Orbiter1 hat geschrieben:(04 May 2018, 11:47)

Ja, die sollten sich alle an Russland oder China orientieren. Da passen sie mit ihren durch und durch korrupten Strukturen weitaus besser als zur EU. Was für einen verheerenden Schaden selbst ein so kleines Land wie Griechenland, mit seinen gerade mal 11 Mio Einwohnern anrichten kann ist ja für jeden offensichtlich. Griechenland wurden letztlich von den Steuerzahlern der Eurozone bisher ca. 260 Mrd. € per Kredit zu Minizinsen zur Verfügung gestellt. Jeder mit gesundem Menschenverstand weiß dass dieses Geld nie mehr in voller Höhe zurückgezahlt wird. Und die strukturellen Probleme Griechenlands sind nach wie vor noch nicht einmal im Ansatz gelöst. Solche Länder sind Fässer ohne Boden. Wieviele davon braucht die Eurozone?

Die EU-Verträge verlangen von allen neuen EU-Ländern den Beitritt zum Euro, sobald die Kriterien erfüllt sind.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Orbiter1 » Fr 4. Mai 2018, 10:52

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(04 May 2018, 11:50)

Die EU-Verträge verlangen von allen neuen EU-Ländern den Beitritt zum Euro, sobald die Kriterien erfüllt sind.
Dann darf man sie nicht in die EU aufnehmen.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon H2O » Fr 4. Mai 2018, 11:02

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(04 May 2018, 11:33)

Das ist ein Thema der EU-Verträge und EU-Gremien. Die EZB und der Euro haben damit nur mittelbar zu tun. Sicher kann ein Land auf seine EZB-Vertreter einwirken, aus beliebigen Gründen mit nein zu stimmen. Das ist aber nicht im Sinne der Unabhängigkeit der EZB.


Bulgarien ist nun Mitglied. Die Zulassung zum WKM II ist noch nicht der Eurobeitritt. Bulgarien fordert berechtigterweise, dass man konkret mitteilt, welche Änderungen die Bedingungen sind, um diesen Schritt zu gehen. Ein pauschales "zu hoher Korruptionsindex" ist da nicht hilfreich und verprellt auch Euro-Warteländer bzw EU-Warteländer auf dem Balkan, die sich irgendwann fragen müssen: Will die EU uns wirklich oder sollen wir uns mehr an USA/Russland/China orientieren?

Dann erhebt sich für mich die Frage, ob diese Kandidaten ein engere Verbindung mit Rußland oder China für erstrebenswert halten, oder ob sie den Rest Europas mit solchen Vorstellungen erpressen möchten. Ich würde allen Bewerbern, die geschichtlich und geographisch zu Europa gehören ganz selbstverständlich mitteilen, daß wir sie gern in der Familie hätten, daß uns aber diese oder jene Besonderheit stört. Sagen wir einmal hier: Der Korruptionsindex, und, und... Und dann gibt die EU oder die Euro-Gruppe ein Maß vor, das als erfüllte Bedingung für jeden Punkt gilt. Dann kann jeder Bewerber prüfen, ob und spätestens wann er diese Bedingungen klar erfüllen kann, um sich erfolgreich bewerben zu können... oder ob er sich sinnvollerweise anders aufstellen sollte.

Wir haben noch die halblegale Lösung eines weiteren Nordlandes, die aber auch nur aufgrund besonderer Bedingungen toleriert wird und kein Vorbild sein kann.

An den Schweden wird der Euro sicher nicht scheitern. Das sind ganz vernünftige Leute, die nicht aus Prinzip aus der Reihe tanzen. Wenn fast alle Partner im Euro sein werden, dann dürfte es da kein Halten mehr geben... auch nicht bei den Dänen.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon H2O » Fr 4. Mai 2018, 11:10

Orbiter1 hat geschrieben:(04 May 2018, 11:52)

Dann darf man sie nicht in die EU aufnehmen.


Das wissen wir heute; um das Jahr 2.000 herum hatten alle Bewerber hoch & heilig versprochen, die noch nicht so richtig erfüllten Beitrittsbedingungen in den kommenden Jahren ab zu arbeiten. Nichts dergleichen ist geschehen. Das erfüllt mich mit ziemlichem Grimm, insbesondere aber Rückfälle in den platten Nationalismus. Ein Konstruktionsfehler der EU ist schon, daß es kein Rausschmißverfahren gibt. Da kann nur eine Gruppe die EU verlassen, um nach eigenen gemeinsamen Gesichtspunkten eine Gemeinschaft zu bilden: Etwa Kerneuropa.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Orbiter1 » Fr 4. Mai 2018, 11:25

Bulgarien erfüllt formell die Euro-Konvergenzkriterien, aber die Frage die sich stellt ist ob das auch so bleibt. Insbesondere beim Thema Inflation gibt es da nachvollziehbare Bedenken.

"Für Debatten hinter den Kulissen sorgt aber die reale Konvergenz. Mit einem kaufkraftbereinigten BIP pro Kopf von 49% des EU-Durchschnitts war Bulgarien laut Eurostat 2016 der ärmste EU-Staat. Zwar wächst das BIP derzeit rasch, so dass der Rückstand schrumpft. Doch je rascher die Aufholjagd erfolgt, desto eher könnte sie die Inflation anheizen. Bekannt ist, dass die Europäische Zentralbank (EZB) und einige Euro-Staaten deshalb Bedenken gegen einen zu raschen Euro-Beitritt des Landes hegen." Quelle: https://www.nzz.ch/wirtschaft/bulgarien ... ld.1347126

Und für die politische Führung in Rumänien kommt aus dem genannten Grund ein Beitritt vorerst sowieso nicht in Frage, selbst wenn man die Kriterien formell erfüllen würde.

"Rumänien hat offiziell auf den bisher angestrebten Termin 2019 für die Einführung der gemeinsamen Währung verzichtet. Regierungschef Sorin Grindeanu erklärte, neben der monetären Konvergenz müsse auch die Angleichung der Löhne gesichert sein. "Der Übergang zum Euro kann nur dann erfolgen, wenn auch die Einkünfte in Rumänien vergleichbar sind mit denen anderer EU-Staaten", sagte er bei einem Treffen mit Finanzexperten." Quelle: http://www.dw.com/de/euro-s%C3%BCdosteu ... a-39063061

Im Fall von Griechenland war es hoffentlich das letzte mal dass man bei der Aufnahme eines Landes in die Eurozone auf die Bedenken der EZB nicht gehört hat.

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