Die EU und der Euro

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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 3. Mai 2018, 10:33

Orbiter1 hat geschrieben:(03 May 2018, 11:30)

Hat man ja in Griechenland gesehen welche Unterlagen und welches Statistiken die Notenbank damals vorgelegt hat. Und man hat hinterher auch gesehen wie massiv damals die Zahlen gefälscht wurden um die Kriterien erfüllen zu können.

Griechenland hat die Kriterien damals nach vorliegenden Zahlen knapp erfüllt. Bulgarien hat einen der niedrigsten Schuldenstände pro Kopf und pro BIP in der EU.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Orbiter1 » Do 3. Mai 2018, 10:49

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(03 May 2018, 11:33)

Griechenland hat die Kriterien damals nach vorliegenden Zahlen knapp erfüllt. Bulgarien hat einen der niedrigsten Schuldenstände pro Kopf und pro BIP in der EU.
Was diese tollen Zahlen wert sind hat man vor 4 Jahren gesehen. Da gab es einen Bankenkrise in Bulgarien weil die Bürger über Nacht das Vertrauen in ihre Banken verloren haben. Die EU hat damals mit einem Kredit über 1,7 Mrd € ausgeholfen um die Situation in den Griff zu bekommen. https://www.zeit.de/wirtschaft/2014-06/ ... -banken-eu Sorry, aber ein Land in dem die eigenen Bürger den offiziellen Aussagen mißtrauen hat in der Euro-Zone absolut gar nichts verloren. Wer weiß schon welche Leichen da noch in den bulgarischen Kellern liegen.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon H2O » Do 3. Mai 2018, 10:55

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(03 May 2018, 11:27)

Die Notenbank ist weitgehend unabhängig von der Regierung.


Im Idealfall ist das wohl so; wie auch EU-Partner Rechtsstaaten mit einer unabhängigen Justiz betreiben sollen. Auch das wäre genauer zu prüfen, wenn transparency international die bulgarische Korruption so deutlich heraus hebt. Ich glaube in der EU nicht mehr an stocknüchternen Menschenverstand! Da werden Strategien gewälzt wie am Stammtisch nach der vierten Runde
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon H2O » Do 3. Mai 2018, 11:01

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(03 May 2018, 11:33)

Griechenland hat die Kriterien damals nach vorliegenden Zahlen knapp erfüllt. Bulgarien hat einen der niedrigsten Schuldenstände pro Kopf und pro BIP in der EU.


Griechenland hat gar nichts erfüllt; allenfalls den Tatbestand vorsätzlichen Betrugs. Griechenland hat eine große Anleihe weit außerhalb der EU (Japan) aufgenommen. Die Bank Goldmann und Sachs hat diese Anleihe in Euro umgewandelt und der griechischen Staatskasse zugeleitet, wo man diesen Zugang als Gewinn ausgab. Damit waren die Bedingungen zum Beitritt in die Euro-Zone knapp erfüllt.

Das Schlimmste aber: In der EU wußten doch einige Partner davon, so auch der deutsche, und man nahm das Spiel schmunzelnd zur Kenntnis... Griechen eben... und man sah mehr das Ziel, die Euro-Zone möglichst weit aus zu dehnen. Das haben wir Sparer und Riesterrentner teuer bezahlt!
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 3. Mai 2018, 11:30

H2O hat geschrieben:(03 May 2018, 11:55)

Im Idealfall ist das wohl so; wie auch EU-Partner Rechtsstaaten mit einer unabhängigen Justiz betreiben sollen. Auch das wäre genauer zu prüfen

Das ist umfassend geprüft und wird kontinuierlich weiter überwacht. Es ist das erklärte Ziel der EU, dass Neuzugänge den Euro in hinreichender Frist annehmen.

, wenn transparency international die bulgarische Korruption so deutlich heraus hebt. Ich glaube in der EU nicht mehr an stocknüchternen Menschenverstand! Da werden Strategien gewälzt wie am Stammtisch nach der vierten Runde
Eiergrog!

Manche Beiträge kommen mir auch so vor.

http://www.handelsblatt.com/politik/int ... 37064.html
. Doch benutzen dürfen die Bulgaren die begehrten Scheine nach wie vor nicht im eigenen Land. Finanzminister Wladislaw Goranow hat sich vorgenommen, das zu ändern. „Ich werde bis zur Jahresmitte einen Beitrittsantrag zum ERM II stellen“, sagte Goranow in Sofia.

Der Europäische Wechselkursmechanismus ERM II bildet quasi das Wartezimmer für den Euro. Wechselkurse von Beitrittswährungen dürfen darin nur begrenzt ab- oder aufwerten zum Euro. Für die bulgarische Währung ist das kein Problem, denn der Lew-Kurs ist bereits jetzt fest an den Euro gebunden. Mindestens zwei Jahre muss eine Währung im ERM II bestehen, bevor sie in den Euro aufgehen kann.

Alle Euro-Staaten mussten diese Phase durchlaufen und haben dafür selten länger als drei Jahre gebraucht. Das würde im Prinzip bedeuten, dass Bulgarien die europäische Einheitswährung vielleicht 2021 einführen könnte. Das Datum will Goranow allerdings nicht in den Mund nehmen. „Wir sind bereit, so lange im ERM II zu bleiben, wie es nötig ist“, sagt er.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 3. Mai 2018, 12:20

H2O hat geschrieben:(03 May 2018, 12:01)

Das haben wir Sparer und Riesterrentner teuer bezahlt!


Das ist ja eine gerne gemachte Schlußfolgerung, aber ich halte sie dennoch für falsch. Die Niedrigzinsphase, die wir haben hat, wenn überhaupt, nur am Rande mit der Griechenlandkrise oder "EUROkrise" zu tun. Zwar sind heute die Zinsen niedriger als vor 10 Jahren (also kurz vor der Finanzkrise), aber wenn man weiter zurückblickt, dann waren sie 10 Jahre davor auch höher und wiederum 10 Jahre davor noch höher ...
Das sinkende Zinsniveau ist also keine Erscheinung die erst seit der Finanzkrise auftritt, sondern eine langfristige Entwicklung. Und die Ursache dafür findet sich in der wirtschaftlichen Entwicklung und nicht in irgendeiner "Schuldenkrise". Wir als Menschen streben nun mal danach, dass es uns besser geht, sprich, dass wir im Laufe unseres Lebens eine positive Entwicklung nehmen. Um das realisieren zu können brauchen wir wirtschaftliches Wachstum und zwar nicht absolut als Volkswirtschaft sondern relativ bezogen auf die Einwohner. Anders ausgedrückt, das BIP pro Kopf muss steigen. Damit das BIP pro Kopf aber steigen kann muss zwangsläufig die Produktivität steigen und damit die Produktivität steigt muss investiert werden. Das verläuft aber nicht linear, vielmehr ist es gerade in Volkswirtschaften mit hoher Volkswirtschaft so, dass die Grenzproduktivität bei gleichem Aufwand immer mehr abnimmt. Anders ausgedrückt, mit dem gleichen Aufwand, dann man in eine Investition steckt erhält man einen immer geringeren Produktivitätsfortschritt oder andersrum - um den gleichen Produktivitätsfortschritt immer wieder zu erreichen muss man immer mehr Aufwand reinstecken. Das führt nun dazu, dass die Rendite einer Gesamtinvestition im Zeitablauf sinkt. Und diese sinkende Rendite macht wiederum andere "Investitionen", also z.B. in den Geldmarkt attraktiver, wenn sie denn eine hohe Rendite versprechen. Damit wird dann aber nicht in der Realwirtschaft investiert, d.h. es gibt auch kein Produktivitätswachstum. Damit steigt auch der Wohlstand nicht und zum anderen können dann, wenn nicht investiert wird (also Kredite für Investitionen aufgenommen werden) logischerweise auch hohen Zinsen am Geldmarkt bezahlt werden, denn woraus sollten die bezahlt wird.
Aus der Sicht der Zentralbank besteht die Lösung dafür den Leitzins zu senken. Denn dieser macht Investitionen in den Geldmarkt weniger attraktiv, weil die vergleichsweise sichere Rendite sinkt und auf der anderen Seite die Investitionen in die Realwirtschaft, also in die Produktion von Gütern und Dienstleistungen attraktiver, weil Mittel für diese Investitionen preiswerter werden. Es gibt dadurch also zwei Effekte, die die Investitionstätigkeit ankurbeln sollen: zum einen werden die vergleichsweise risikoreichen Investitionen in die Realwirtschaft gegenüber den relativ sicheren in die Geldwirtschaft attraktiver, weil sich der Abstand in der Rendite vergrößert, zum anderen steigt die Rendite der Investitionen in die Realwirtschaft, weil die Kosten durch günstige Kredite sinken.
Das ist der eigentliche Grund warum die Zinsen tatsächlich in den letzten Jahrzehnten sinkende Tendenz aufweisen und eben nicht die "Schuldenkrise" oder "Griechenland".
Das sieht man übrigens auch sehr gut daran, dass diese Entwicklung analog in Ländern mit hoher Produktivität verläuft, die eben weder den EURO haben noch in der EU sind.
Beispielhaft seien hier mal USA, Japan oder die Schweiz genannt.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Tom Bombadil » Do 3. Mai 2018, 12:26

Das Blöde ist nur, dass das viele billige Geld nicht dort ankommt, wo es gebraucht würde, zB. bei Unternehmen, die eine temporäre Notlage überbrücken müssen oder bei Existenzgründern und auch immer seltener bei Leuten über 50 (wenn die zB. eine Immobilie erwerben möchten). Nö, das Geld landet da, wo sowieso schon viel zu viel Geld ist, und damit werden dann immer neue Blasen aufgepumpt, Nachhaltigkeit sieht anders aus.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon H2O » Do 3. Mai 2018, 12:32

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(03 May 2018, 12:30)

Das ist umfassend geprüft und wird kontinuierlich weiter überwacht. Es ist das erklärte Ziel der EU, dass Neuzugänge den Euro in hinreichender Frist annehmen.

Die EU hatte Bulgarien vor Jahren schon "dienstlich" aufgefordert, die Korruption im Lande stärker zu bekämpfen. Übrigens auch Rumänien, das hinsichtlich des Korruptionsindex noch ein klein bißchen besser dasteht als Bulgarien. Der Erfolg ist bisher ausgeblieben. Mich wundert schon, daß diese Erfahrungen so gar keine Rolle zu spielen scheinen.
Manche Beiträge kommen mir auch so vor.

Das ist in Ordnung, so lange man nicht in Selbstzweifeln versinkt. :)

    Wir sind bereit, so lange im ERM II zu bleiben, wie es nötig ist
Das ist vernünftig; wer entscheidet, ob das Verbleiben im ERM II noch nötig ist? Hoffentlich nicht die Strategen, die Griechenland seinerzeit durchgewunken hatten.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Adam Smith » Do 3. Mai 2018, 12:35

Tom Bombadil hat geschrieben:(03 May 2018, 13:26)

Das Blöde ist nur, dass das viele billige Geld nicht dort ankommt, wo es gebraucht würde, zB. bei Unternehmen, die eine temporäre Notlage überbrücken müssen oder bei Existenzgründern und auch immer seltener bei Leuten über 50 (wenn die zB. eine Immobilie erwerben möchten). Nö, das Geld landet da, wo sowieso schon viel zu viel Geld ist, und damit werden dann immer neue Blasen aufgepumpt, Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Die Targetsalden zeigen dieses. Die Leitzinsen in China sind auch sehr niedrig. Die Verschuldung dürfte demnach hoch sein.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon H2O » Do 3. Mai 2018, 13:00

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(03 May 2018, 13:20)

Das ist ja eine gerne gemachte Schlußfolgerung, aber ich halte sie dennoch für falsch. Die Niedrigzinsphase, die wir haben hat, wenn überhaupt, nur am Rande mit der Griechenlandkrise oder "EUROkrise" zu tun. Zwar sind heute die Zinsen niedriger als vor 10 Jahren (also kurz vor der Finanzkrise), aber wenn man weiter zurückblickt, dann waren sie 10 Jahre davor auch höher und wiederum 10 Jahre davor noch höher ...
Das sinkende Zinsniveau ist also keine Erscheinung die erst seit der Finanzkrise auftritt, sondern eine langfristige Entwicklung. Und die Ursache dafür findet sich in der wirtschaftlichen Entwicklung und nicht in irgendeiner "Schuldenkrise". Wir als Menschen streben nun mal danach, dass es uns besser geht, sprich, dass wir im Laufe unseres Lebens eine positive Entwicklung nehmen. Um das realisieren zu können brauchen wir wirtschaftliches Wachstum und zwar nicht absolut als Volkswirtschaft sondern relativ bezogen auf die Einwohner. Anders ausgedrückt, das BIP pro Kopf muss steigen. Damit das BIP pro Kopf aber steigen kann muss zwangsläufig die Produktivität steigen und damit die Produktivität steigt muss investiert werden. Das verläuft aber nicht linear, vielmehr ist es gerade in Volkswirtschaften mit hoher Volkswirtschaft so, dass die Grenzproduktivität bei gleichem Aufwand immer mehr abnimmt. Anders ausgedrückt, mit dem gleichen Aufwand, dann man in eine Investition steckt erhält man einen immer geringeren Produktivitätsfortschritt oder andersrum - um den gleichen Produktivitätsfortschritt immer wieder zu erreichen muss man immer mehr Aufwand reinstecken. Das führt nun dazu, dass die Rendite einer Gesamtinvestition im Zeitablauf sinkt. Und diese sinkende Rendite macht wiederum andere "Investitionen", also z.B. in den Geldmarkt attraktiver, wenn sie denn eine hohe Rendite versprechen. Damit wird dann aber nicht in der Realwirtschaft investiert, d.h. es gibt auch kein Produktivitätswachstum. Damit steigt auch der Wohlstand nicht und zum anderen können dann, wenn nicht investiert wird (also Kredite für Investitionen aufgenommen werden) logischerweise auch hohen Zinsen am Geldmarkt bezahlt werden, denn woraus sollten die bezahlt wird.
Aus der Sicht der Zentralbank besteht die Lösung dafür den Leitzins zu senken. Denn dieser macht Investitionen in den Geldmarkt weniger attraktiv, weil die vergleichsweise sichere Rendite sinkt und auf der anderen Seite die Investitionen in die Realwirtschaft, also in die Produktion von Gütern und Dienstleistungen attraktiver, weil Mittel für diese Investitionen preiswerter werden. Es gibt dadurch also zwei Effekte, die die Investitionstätigkeit ankurbeln sollen: zum einen werden die vergleichsweise risikoreichen Investitionen in die Realwirtschaft gegenüber den relativ sicheren in die Geldwirtschaft attraktiver, weil sich der Abstand in der Rendite vergrößert, zum anderen steigt die Rendite der Investitionen in die Realwirtschaft, weil die Kosten durch günstige Kredite sinken.
Das ist der eigentliche Grund warum die Zinsen tatsächlich in den letzten Jahrzehnten sinkende Tendenz aufweisen und eben nicht die "Schuldenkrise" oder "Griechenland".
Das sieht man übrigens auch sehr gut daran, dass diese Entwicklung analog in Ländern mit hoher Produktivität verläuft, die eben weder den EURO haben noch in der EU sind.
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Diese Überlegungen habe ich verstanden. Dann ist Griechenland im Euro ein Gewinn für die Euro-Zone. Wir müssen dazu nur in Schritten von 5 Jahren Teilschulden erlassen, damit das Land lebensfähig bleibt. Ich sehe Ihre Erklärungen ein, aber ich bin dennoch sicher, daß es dem Land schlecht geht, obwohl immer weitere "Kredite" gewährt werden. Da muß doch etwas oberfaul sein!
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 3. Mai 2018, 13:11

H2O hat geschrieben:(03 May 2018, 14:00)

Diese Überlegungen habe ich verstanden. Dann ist Griechenland im Euro ein Gewinn für die Euro-Zone. Wir müssen dazu nur in Schritten von 5 Jahren Teilschulden erlassen, damit das Land lebensfähig bleibt. Ich sehe Ihre Erklärungen ein, aber ich bin dennoch sicher, daß es dem Land schlecht geht, obwohl immer weitere "Kredite" gewährt werden. Da muß doch etwas oberfaul sein!


Ich bin der Meinung, dass Griechenland natürlich nicht in die EURO-Zone gedurft hätte. Da zu waren zu dem Zeitpunkt die Voraussetzungen einfach nicht gegeben. Und sie sind es wohl auch heute noch nicht. Nur, bei allen was man den Griechen vorwirft hat das nichts mit der Niedrigzinspolitik zu tun. Auch der EURO hat meines Erachtens nichts damit zu. Das ist eine vollkommen normale Entwicklung. Und meines Erachtens, wird es auch keine Hochzinsphasen mehr geben. Das Niveau wird wohl anhaltend niedrig bleiben.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon H2O » Do 3. Mai 2018, 13:32

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(03 May 2018, 14:11)

Ich bin der Meinung, dass Griechenland natürlich nicht in die EURO-Zone gedurft hätte. Da zu waren zu dem Zeitpunkt die Voraussetzungen einfach nicht gegeben. Und sie sind es wohl auch heute noch nicht. Nur, bei allen was man den Griechen vorwirft hat das nichts mit der Niedrigzinspolitik zu tun. Auch der EURO hat meines Erachtens nichts damit zu. Das ist eine vollkommen normale Entwicklung. Und meines Erachtens, wird es auch keine Hochzinsphasen mehr geben. Das Niveau wird wohl anhaltend niedrig bleiben.


Ja, habe ich verstanden. Die Sache mit den Nullzinsen hat einen rein wirtschaftlichen Hintergrund. Dennoch hat das Land mit seinen Schulden und Schuldenerlassen seinen Euro-Partnern geschadet. In welcher Weise? Und gibt es eine Vorstellung in welchem Ausmaß? Irgendwie muß doch geleistete Arbeit verdampft sein, oder künftige Arbeit "zum Nulltarif" geleistet werden?
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Mai 2018, 04:34

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(03 May 2018, 14:11)

Ich bin der Meinung, dass Griechenland natürlich nicht in die EURO-Zone gedurft hätte. Da zu waren zu dem Zeitpunkt die Voraussetzungen einfach nicht gegeben. Und sie sind es wohl auch heute noch nicht. Nur, bei allen was man den Griechen vorwirft hat das nichts mit der Niedrigzinspolitik zu tun. Auch der EURO hat meines Erachtens nichts damit zu. Das ist eine vollkommen normale Entwicklung. Und meines Erachtens, wird es auch keine Hochzinsphasen mehr geben. Das Niveau wird wohl anhaltend niedrig bleiben.

und italien auch nicht. NL war in beiden fällen dagegen, wurde aber overruled. :mad2:

das ganze system ist verfault. eine mehrheit von empfangenden ländern kan bewirken daß ihre mehrheit noch größer wird.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Adam Smith » Fr 4. Mai 2018, 05:11

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(03 May 2018, 14:11)

Ich bin der Meinung, dass Griechenland natürlich nicht in die EURO-Zone gedurft hätte. Da zu waren zu dem Zeitpunkt die Voraussetzungen einfach nicht gegeben. Und sie sind es wohl auch heute noch nicht. Nur, bei allen was man den Griechen vorwirft hat das nichts mit der Niedrigzinspolitik zu tun. Auch der EURO hat meines Erachtens nichts damit zu. Das ist eine vollkommen normale Entwicklung. Und meines Erachtens, wird es auch keine Hochzinsphasen mehr geben. Das Niveau wird wohl anhaltend niedrig bleiben.

Diese Entwicklung gibt es z.B. auch in Bezug auf China.

http://de.global-rates.com/zinssatze/ze ... ssatz.aspx

Hier mal zum Vergleich Deutschland.

https://www.bundesbank.de/Navigation/DE ... _s11b_mb02

Die Chinesen dürften demnach weiter sein als Deutschland Anfang der 80er oder 90er Jahre.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Adam Smith » Fr 4. Mai 2018, 05:21

H2O hat geschrieben:(03 May 2018, 14:32)

Ja, habe ich verstanden. Die Sache mit den Nullzinsen hat einen rein wirtschaftlichen Hintergrund. Dennoch hat das Land mit seinen Schulden und Schuldenerlassen seinen Euro-Partnern geschadet. In welcher Weise? Und gibt es eine Vorstellung in welchem Ausmaß? Irgendwie muß doch geleistete Arbeit verdampft sein, oder künftige Arbeit "zum Nulltarif" geleistet werden?

Es gibt halt seitdem niedrige Leitzinsen. Und die Befürchtung von Kreditausfällen. Wobei wir dem Land Schulden erlassen müssen oder sollten.

Hier mal ein Link.

Zitat Anfang.

Man kann also aus guten Gründen sagen, dass vor allem die Griechen von der Hilfe der Europäer profitieren. Ihr Gewinn ist mindestens der Unterschied zwischen den sehr hohen Zinsen, die sie im Jahr 2010 am Markt hätten zahlen müssen, und den Zinsen, die Deutschland und andere Länder stattdessen verlangt

Zitat Ende.

https://www.zeit.de/2017/30/eurokrise-g ... and-profit

Oder auch hier.

Zitat Anfang.

Das heißt, Griechenland erhielt in den vergangenen sechs Jahren quasi 0,28 Prozent Zins dafür, dass es Kredite von mehr als 200 Milliarden Euro bekommen hat. Normalerweise müssen Schuldner Zinsen zahlen fürs Geldleihen. Das Land hat sich seiner Rechnung nach sogar günstiger refinanziert als Deutschland, das den Ruf als erstklassiger Schuldner genießt.

Zitat Ende.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/neg ... 03253.html

So etwas gibt es auch in Japan.

Das Problem ist natürlich, dass Griechenland doch Zinsen zahlen muss und Tilgungen leisten muss. Das ist ein Problem. Dieser Herr hat das auch verstanden.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Yanis_Varoufakis

Nur sieht der leider weitere Dinge verkehrt. Er sieht halt nicht die positiven Dinge. Er blendet den Verursacher aus usw.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Orbiter1 » Fr 4. Mai 2018, 05:42

Nomen Nescio hat geschrieben:(04 May 2018, 05:34)

und italien auch nicht. NL war in beiden fällen dagegen, wurde aber overruled. :mad2:
NL wurde überstimmt? Worum ging es denn bei diesen Abstimmungen?
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon odiug » Fr 4. Mai 2018, 05:51

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(03 May 2018, 14:11)

Ich bin der Meinung, dass Griechenland natürlich nicht in die EURO-Zone gedurft hätte. Da zu waren zu dem Zeitpunkt die Voraussetzungen einfach nicht gegeben. Und sie sind es wohl auch heute noch nicht. Nur, bei allen was man den Griechen vorwirft hat das nichts mit der Niedrigzinspolitik zu tun. Auch der EURO hat meines Erachtens nichts damit zu. Das ist eine vollkommen normale Entwicklung. Und meines Erachtens, wird es auch keine Hochzinsphasen mehr geben. Das Niveau wird wohl anhaltend niedrig bleiben.

Normal ist diese Entwicklung beileibe nicht.
Aber es hat weder was mit "den Griechen", noch "den Italienern", "den Spaniern" oder "den Portugiesen" zu tun.
Das stimmt und da gebe ich dir recht.
Es hat was mit den amerikanischen, den französischen, den italienischen, den spanischen und auch den deutschen Banken zu tun.
Es hat mit Rentensystemen, Versicherungen und Vermögensvorsorge vieler Bürger in Europa zu tun.
Und es hat was mit dem Versagen der Politik zu tun, die sich von Einzelinteressen vom Projekt EURO haben abbringen lassen, weswegen die EZB und Draghi nun über die Zinspolitik das europäische Finanzsystem am laufen halten muss.
Und zugegeben ... das war so nicht gedacht und sollte so auch nicht sein.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 4. Mai 2018, 06:05

Orbiter1 hat geschrieben:(04 May 2018, 06:42)

NL wurde überstimmt? Worum ging es denn bei diesen Abstimmungen?

zulassung zum euro.

italien hatte sogar sehr viel angst, denn bereits lange bevor entschieden wurde sagte unser finanzminister schon NEIN zur teilnahme italiens an den euro. darum nannte man ihn dort »il duro«.

wenn es aber soweit kam, sagte die EU-kommission daß es kein vetorecht gab. und dann kam später noch das fast genauso viel schummelnde griechenland. :mad2:
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon odiug » Fr 4. Mai 2018, 06:08

Nomen Nescio hat geschrieben:(04 May 2018, 07:05)

zulassung zum euro.

italien hatte sogar sehr viel angst, denn bereits lange bevor entschieden wurde sagte unser finanzminister schon NEIN zur teilnahme italiens an den euro. darum nannte man ihn dort »il duro«.

wenn es aber soweit kam, sagte die EU-kommission daß es kein vetorecht gab. und dann kam später noch das fast genauso viel schummelnde griechenland. :mad2:

Schummeln tat nicht "Griechenland", sondern Goldman Sachs.
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Re: Die EU und der Euro

Beitragvon Adam Smith » Fr 4. Mai 2018, 06:20

odiug hat geschrieben:(04 May 2018, 07:08)

Schummeln tat nicht "Griechenland", sondern Goldman Sachs.

Jetzt dürfte Griechenland, bis auf den hohen Schuldenstand, reif für den Euro sein.

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