Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Di 13. Mär 2018, 10:08

H2O hat geschrieben:(13 Mar 2018, 08:03)

Also doch kein Befehl? Also verhandelbar? Na bitte!
Ja, alles verhandelbar, außer den Extrempositionen von Macron. Die werden nicht kommen, und es sind halt fast nur Extrempositionen die er vertritt.
Die TAZ kennt das Ergebnis der Verhandlungen? Toll! Sofort engagieren, das bringt Planungssicherheit. ;)
Nicht nur die TAZ weiß wo der Hase lang läuft, auch die Süddeutsche.

"... Abseits aller Freundlichkeiten herrscht zwischen Paris und Berlin Reform-Stillstand. Sobald es an die Inhalte geht, sind Macron und Merkel weit voneinander entfernt. ... Man suche wirklich nach Gemeinsamkeiten, könne aber keine finden, heißt es in einer Hauptstadt. Es gibt zu allen anstehenden Fragen eine deutsche und eine französische Position - deckungsgleich sind sie nie. ... Nicht einmal bei jenen beiden Reformen, die in der Euro-Zone am wenigsten umstritten sind, ist ein Kompromiss absehbar: Sowohl die Bankenunion als auch der geplante Europäische Währungsfonds lassen alte Konflikte wieder aufleben. ... In Paris verfolgt man die deutschen Bremsmanöver mit zunehmender Ungeduld - und kommentiert sie mit gereiztem Unterton. Denn immer klarer wird, dass das ständige Vertagen im Kern nicht mit der schleppenden Regierungsbildung in Berlin zu tun hat, die zuletzt als Vorwand herhalten musste. ... Le Maire verhehlt seinen Argwohn gegenüber Deutschland kaum mehr. Kämen die Reform der Euro-Zone nicht bis Juni voran, "würde das in Wirklichkeit heißen, dass wir gar nicht vorankommen wollen", sagte er kürzlich. ... Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD findet sich die Bereitschaft zu einem "Investivhaushalt" für die Euro-Zone. Doch das von Macron geforderte große Budget für die Währungsunion, lehnt Merkel ab. Wenn überhaupt könnte es ein kleines Budget innerhalb des EU-Haushalts geben. Auch Macrons Idee eines Euro-Finanzministers steht angesichts dieser Differenzen nicht mehr auf der Agenda. ..." http://www.sueddeutsche.de/politik/euro ... -1.3901306

Wenn die Verhandlungen extrem gut verlaufen könnte es ja evtl noch was werden mit der Vollendung der Bankenunion und der Umwandlung des ESM in einen Europäischen Währungsfonds. Da braucht man aber schon viel Optimismus.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » Di 13. Mär 2018, 11:12

Orbiter1 hat geschrieben:(13 Mar 2018, 10:08)

Ja, alles verhandelbar, außer den Extrempositionen von Macron. Die werden nicht kommen, und es sind halt fast nur Extrempositionen die er vertritt. Nicht nur die TAZ weiß wo der Hase lang läuft, auch die Süddeutsche.

"... Abseits aller Freundlichkeiten herrscht zwischen Paris und Berlin Reform-Stillstand. Sobald es an die Inhalte geht, sind Macron und Merkel weit voneinander entfernt. ... Man suche wirklich nach Gemeinsamkeiten, könne aber keine finden, heißt es in einer Hauptstadt. Es gibt zu allen anstehenden Fragen eine deutsche und eine französische Position - deckungsgleich sind sie nie. ... Nicht einmal bei jenen beiden Reformen, die in der Euro-Zone am wenigsten umstritten sind, ist ein Kompromiss absehbar: Sowohl die Bankenunion als auch der geplante Europäische Währungsfonds lassen alte Konflikte wieder aufleben. ... In Paris verfolgt man die deutschen Bremsmanöver mit zunehmender Ungeduld - und kommentiert sie mit gereiztem Unterton. Denn immer klarer wird, dass das ständige Vertagen im Kern nicht mit der schleppenden Regierungsbildung in Berlin zu tun hat, die zuletzt als Vorwand herhalten musste. ... Le Maire verhehlt seinen Argwohn gegenüber Deutschland kaum mehr. Kämen die Reform der Euro-Zone nicht bis Juni voran, "würde das in Wirklichkeit heißen, dass wir gar nicht vorankommen wollen", sagte er kürzlich. ... Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD findet sich die Bereitschaft zu einem "Investivhaushalt" für die Euro-Zone. Doch das von Macron geforderte große Budget für die Währungsunion, lehnt Merkel ab. Wenn überhaupt könnte es ein kleines Budget innerhalb des EU-Haushalts geben. Auch Macrons Idee eines Euro-Finanzministers steht angesichts dieser Differenzen nicht mehr auf der Agenda. ..." http://www.sueddeutsche.de/politik/euro ... -1.3901306

Wenn die Verhandlungen extrem gut verlaufen könnte es ja evtl noch was werden mit der Vollendung der Bankenunion und der Umwandlung des ESM in einen Europäischen Währungsfonds. Da braucht man aber schon viel Optimismus.


Tja, gaaanz ruhig der Dinge harren, die da kommen werden. Ich erwarte nur Gutes! :)
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Di 13. Mär 2018, 11:48

H2O hat geschrieben:(13 Mar 2018, 11:12)

Tja, gaaanz ruhig der Dinge harren, die da kommen werden. Ich erwarte nur Gutes! :)

Wenn man das mit der Bankenunion und dem EWF auf den Weg bringt wäre das ja schon was Gutes. Merkel, die in den nächsten Tagen Macron besuchen wird, hat ja gestern bei der Koalitionsvertrags-PK auch schon mal angedeutet wie weit ihr Horizont beim Thema Eurozone reicht.

"Bei den Gesprächen werde es um Reformvorschläge für die Europäische Union gehen, sagte die Kanzlerin. „Es wäre sicherlich zu viel, jetzt jede Facette der Eurozone der nächsten 20 Jahre schon ausbuchstabiert zu haben. Aber da wird sich einiges klären, was wir uns als nächste Etappe vorstellen können.“

Und Altmaier meinte

"Bei der Bankenunion und einem möglichen europäischen Einlagensicherungsfonds habe Deutschland „sehr deutlich gemacht“, dass „für uns ein Fortschritt möglich ist, wenn wir bei der Risikoreduzierung vorankommen“, sagte Altmaier weiter. Es dürfte „keine Sparer erster und zweiter Klasse geben“. In Mitgliedstaaten, wo es viele faule Kredite gebe, müssten aber erst „die Risiken einer erneuten Bankenkrise ausreichend reduziert werden." http://www.fr.de/politik/antrittsbesuch ... -a-1465904
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Senexx » Di 13. Mär 2018, 12:22

Wo soll denn der Vorteil einer noch weitgehenderen Bankenunion liegen? Und was stellen sich die Herrschaften denn dabei so vor?
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » Di 13. Mär 2018, 12:38

Senexx hat geschrieben:(13 Mar 2018, 12:22)
Wo soll denn der Vorteil einer noch weitgehenderen Bankenunion liegen? Und was stellen sich die Herrschaften denn dabei so vor?

Die Themen Bankenunion, EZB und Europäischer Währungsfonds gehören zusammen, weil in der Euro-Krise ein Teil der spanischen Bankenrettung über den EFSF finanziert worden ist. Die Bonität eines Europäischen Währungsfonds und die Liquidität von Banken in Euro-Ländern sind immer von der Geld- und Zinspolitik der EZB abhängig.
Viel wichtiger ist das Thema einer fiskalischen Kontrolle, die über das "Europäische Semester" hinausgeht. Wenn dann noch eine koordinierte Wirtschaftspolitik mit sinnvollen gemeinsamen Investitionen hinzukommt, wird erst ein Schuh daraus.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Di 13. Mär 2018, 14:32

Senexx hat geschrieben:(13 Mar 2018, 12:22)

Wo soll denn der Vorteil einer noch weitgehenderen Bankenunion liegen? Und was stellen sich die Herrschaften denn dabei so vor?

Da geht es um die dritte Stufe der Bankenunion. Das ist eine gemeinsame Einlagensicherung der europäischen Banken. D. h. wenn die italienischen Banken ihre 350 Mrd. € an faulen Krediten abschreiben springen die Einlagensicherungsfonds der anderen EURO-Staaten ein damit die italienischen Bankkunden mit 100.000 € pro Person abgesichert sind. Deutschland macht da prinzipiell mit, aber erst wenn die faulen Kredite weitgehendst aus den Büchern sind. Interessierte Kreise (primär aus Südeuropa) möchten aber dass das auch möglich ist wenn die faulen Kredite noch da sind.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » Di 13. Mär 2018, 14:59

Orbiter1 hat geschrieben:(13 Mar 2018, 14:32)
Da geht es um die dritte Stufe der Bankenunion. Das ist eine gemeinsame Einlagensicherung der europäischen Banken. D. h. wenn die italienischen Banken ihre 350 Mrd. € an faulen Krediten abschreiben springen die Einlagensicherungsfonds der anderen EURO-Staaten ein damit die italienischen Bankkunden mit 100.000 € pro Person abgesichert sind. Deutschland macht da prinzipiell mit, aber erst wenn die faulen Kredite weitgehendst aus den Büchern sind. Interessierte Kreise (primär aus Südeuropa) möchten aber dass das auch möglich ist wenn die faulen Kredite noch da sind.

Eine Einlagensicherung macht Sinn, wenn eine einzelne Bank insolvent geht. Die Rettungspakete während der Euro-Krise wurden aber notwendig, weil die ganze Branche, private Banken in Nordirland, Sparkassen in Spanien und Italien, sowie Landesbanken in Deutschland Hilfe brauchten. Dafür wird auch in Zukunft keine Einlagensicherung der Welt ausreichen. Die Bankenunion ist ein Baustein der Fiskalunion, neben dem Europäischen Semester, dem ESM oder später Europäischen Währungsfonds, sowie der gemeinsamen Bankenaufsicht durch die EZB. Eine vertiefte Fiskalunion kann mit oder ohne Euro-Budget und Euro-Finanzminister verwirklicht werden. Die Euro-Länder bilden allerdings innerhalb der Fiskalunion schon eine Art Kern auf Grund der gemeinsamen Währung.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Senexx » Di 13. Mär 2018, 15:29

Orbiter1 hat geschrieben:(13 Mar 2018, 14:32)

Da geht es um die dritte Stufe der Bankenunion. Das ist eine gemeinsame Einlagensicherung der europäischen Banken. D. h. wenn die italienischen Banken ihre 350 Mrd. € an faulen Krediten abschreiben springen die Einlagensicherungsfonds der anderen EURO-Staaten ein damit die italienischen Bankkunden mit 100.000 € pro Person abgesichert sind. Deutschland macht da prinzipiell mit, aber erst wenn die faulen Kredite weitgehendst aus den Büchern sind. Interessierte Kreise (primär aus Südeuropa) möchten aber dass das auch möglich ist wenn die faulen Kredite noch da sind.

Ich weiß es. Aber warum soll das für uns gut sein?
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » Di 13. Mär 2018, 16:16

Wähler hat geschrieben:(13 Mar 2018, 14:59)
Eine Einlagensicherung macht Sinn, wenn eine einzelne Bank insolvent geht. Die Rettungspakete während der Euro-Krise wurden aber notwendig, weil die ganze Branche, private Banken in Nordirland, Sparkassen in Spanien und Italien, sowie Landesbanken in Deutschland Hilfe brauchten. Dafür wird auch in Zukunft keine Einlagensicherung der Welt ausreichen. Die Bankenunion ist ein Baustein der Fiskalunion, neben dem Europäischen Semester, dem ESM oder später Europäischen Währungsfonds, sowie der gemeinsamen Bankenaufsicht durch die EZB. Eine vertiefte Fiskalunion kann mit oder ohne Euro-Budget und Euro-Finanzminister verwirklicht werden. Die Euro-Länder bilden allerdings innerhalb der Fiskalunion schon eine Art Kern auf Grund der gemeinsamen Währung.

Senexx hat geschrieben:(13 Mar 2018, 15:29)
Ich weiß es. Aber warum soll das für uns gut sein?

Eine effektivere Fiskalunion verringert die Risiken einer erneuten Euro-Krise. Eine bessere Koordinierung von Investitionen stärkt gemeinsame Wirtschaftsstandorte innerhalb der EU. Funktioniert doch in Deutschland genauso, nur in kleinerem Rahmen. Gemäß dem Subsidiaritätsprinzip brauchen wir allerdings den größeren Rahmen der Euro- beziehungsweise EU-Ebene, um als kleineres Deutschland bei der Globalisierung mit China und den USA mithalten zu können.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Brainiac » Di 13. Mär 2018, 17:47

[MOD] Etwas aufgeräumt. Bitte mal das Einzeiler-Pingpong abstellen, danke.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Senexx » Di 13. Mär 2018, 21:18

Wähler hat geschrieben:(13 Mar 2018, 14:59)

Eine Einlagensicherung macht Sinn, wenn eine einzelne Bank insolvent geht. Die Rettungspakete während der Euro-Krise wurden aber notwendig, weil die ganze Branche, private Banken in Nordirland, Sparkassen in Spanien und Italien, sowie Landesbanken in Deutschland Hilfe brauchten. Dafür wird auch in Zukunft keine Einlagensicherung der Welt ausreichen.

Sie schaffen es, sich innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Sätzen zu widersprechen. Wenn keine Einlagensicherung der Welt ausreicht, dann ist auch eine Einlagensicherung der EU überflüssig.

Und Sie sprechen immer von Euro-Krise. Welche Euro-Krise denn?

Die Bankenunion ist ein Baustein der Fiskalunion, neben dem Europäischen Semester, dem ESM oder später Europäischen Währungsfonds, sowie der gemeinsamen Bankenaufsicht durch die EZB. Eine vertiefte Fiskalunion kann mit oder ohne Euro-Budget und Euro-Finanzminister verwirklicht werden. Die Euro-Länder bilden allerdings innerhalb der Fiskalunion schon eine Art Kern auf Grund der gemeinsamen Währung.

Sie werfen da einiges durcheinander. Nicht-Euroländer stehen nicht unter der Aufsicht der EZB. Und die EZB unter ihrem Präsidenten Draghi und seiner Politik des billigen Geldes ist nicht Teil des Lösung, sondern Teil des Problems. Ich sehen überhaupt nicht, warum wir Deutschen, ein Volk von vermögenslosen Hungerleidern, für andere haften sollen. Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum Steuerzahler und Sparer für Zockerbanken bluten sollen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 14. Mär 2018, 06:30

Senexx hat geschrieben:(13 Mar 2018, 21:18)

Welche Euro-Krise denn?
Die Eurokrise wie sie unter Wikipedia beschrieben ist. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Eurokrise Bestreiten sie denn deren Existenz oder ist die aus ihrer Sicht bereits ausgestanden? Nach meinem Verständnis besteht die immer noch und ist, insbesondere durch die Maßnahmen der EZB (Nullzinsen, Aufkauf von Staatsanleihen), lediglich abgedämpft, wobei klar ist dass die Maßnahmen der EZB auch negative Auswirkungen haben und nicht bis zum Sanktnimmerleinstag weitergeführt werden können.
Ich sehen überhaupt nicht, warum wir Deutschen, ein Volk von vermögenslosen Hungerleidern, für andere haften sollen.
Mit einer europäischen Einlagensicherung hätte ich kein Problem, sofern damit keine Altlasten beseitigt werden sollen.
Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum Steuerzahler und Sparer für Zockerbanken bluten sollen.
Für die Abwicklung bzw. Sanierung von gefährdeten Banken ist doch bereits ein Prozess definiert worden (einheitlicher Bankenabwicklungsmechanismus). Da bluten im ersten Schritt die Aktionäre, Gläubiger und großen Einleger der betroffenen Bank.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Senexx » Mi 14. Mär 2018, 07:15

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Mar 2018, 06:30)

Die Eurokrise wie sie unter Wikipedia beschrieben ist. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Eurokrise Bestreiten sie denn deren Existenz oder ist die aus ihrer Sicht bereits ausgestanden? Nach meinem Verständnis besteht die immer noch und ist, insbesondere durch die Maßnahmen der EZB (Nullzinsen, Aufkauf von Staatsanleihen), lediglich abgedämpft, wobei klar ist dass die Maßnahmen der EZB auch negative Auswirkungen haben und nicht bis zum Sanktnimmerleinstag weitergeführt werden können.
Mit einer europäischen Einlagensicherung hätte ich kein Problem, sofern damit keine Altlasten beseitigt werden sollen. Für die Abwicklung bzw. Sanierung von gefährdeten Banken ist doch bereits ein Prozess definiert worden (einheitlicher Bankenabwicklungsmechanismus). Da bluten im ersten Schritt die Aktionäre, Gläubiger und großen Einleger der betroffenen Bank.

Ja, ja, Wikipedia. Gleich am Anfang sagt man dort, dass es gar keine Euro-Krise gab, denn der Außenwert des Euro blieb ja stabil. Das was dort beschrieben wurde ist vor allem eine Hirnkrise.

Aus Sicht der Deutschen ist es vor allem eine Verletzung des Treueschwurs der Regierenden, den Nutzen des deutschen Volkes zu mehren. Es hat den Deutschen, diesem Volk von besitzlosen Hungerleidern, zusätzliche Lasten und Staatsschulden aufgebürdet, um Vermögende aller Schattierungen und reiche Völker zu mästen.

Die Deutschen haben unter den bedeutenden europäischen Wirtschafts Aktionen die schlechteste Vermögenspositionen. Dies hat verschiedene Ursachen. Eine wesentliche ist die geringe Wohnungseigentumsquote. Die Deutschen sind allerdings so blöd, und werden von allerlei politischen Interessengruppen so verdummt, dass sie das nicht sehen. Richtige Politik im Sinne des Treueschwurs wäre es gewesen, die Niedrigzinsphase zu nutzen, eine Politik zu machen, die eine deutliche Steigerung der Vermögensbildung und der Bildung von Wohneigentum einleitet. Jegliche zusätzliche Euros, die im Zuge dieser Hirnkrise dort hingeflossen sind, hätten nicht dorthin fließen dürfen, sondern in die Taschen der Deutschen bzw. In deutsche Staatsinvestitionen und Reparaturen der maroden Infrastruktur.

Stattdessen wurde blablasiert, vom Zerfall des Euro phantasiert und von Solidarität bramabarbisiert. Beim Geld hört die Freundschaft auf. Es wäre überhaupt kein Beinbruch, wenn Länder wie Griechenland den Staatsbankrott abmelden. Und wenn sie den Euro verlassen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » Mi 14. Mär 2018, 09:03

Senexx hat geschrieben:(14 Mar 2018, 07:15)

...

... Es wäre überhaupt kein Beinbruch, wenn Länder wie Griechenland den Staatsbankrott abmelden. Und wenn sie den Euro verlassen.


Hhm, ""n" und "b" liegen auf deutschen Tastaturen nebeneinander. Das hat mich auch schon kalt erwischt.

Noch schöner wäre es aber, sie nähmen ihre aufgehäuften Schulden gleich noch mit... solidarisch mit den Partnern, wie sie nun einmal sind.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Wähler » Mi 14. Mär 2018, 09:07

Senexx hat geschrieben:(13 Mar 2018, 21:18)
Sie schaffen es, sich innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Sätzen zu widersprechen. Wenn keine Einlagensicherung der Welt ausreicht, dann ist auch eine Einlagensicherung der EU überflüssig.
Und Sie sprechen immer von Euro-Krise. Welche Euro-Krise denn?
Sie werfen da einiges durcheinander. Nicht-Euroländer stehen nicht unter der Aufsicht der EZB. Und die EZB unter ihrem Präsidenten Draghi und seiner Politik des billigen Geldes ist nicht Teil des Lösung, sondern Teil des Problems. Ich sehen überhaupt nicht, warum wir Deutschen, ein Volk von vermögenslosen Hungerleidern, für andere haften sollen. Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum Steuerzahler und Sparer für Zockerbanken bluten sollen.

Sie zitieren mich falsch. Ich habe geschrieben, dass eine Einlagensicherung für die Insolvenz einzelner Banken Sinn macht. Eine Euro-weite Einlagensicherung wäre aus Gründen des betriebswirtschaftlichen Skalierungseffektes für die einzelne nationale Bank günstiger, weil sie weniger Eigenkapital hinterlegen müsste.
Eine "Einlagensicherung" für eine ganze Branche, zum Beispiel Landesbanken, hingegen, also die Abfederung einer Bankensystemkrise kann nur vom ESM, der EZB, sowie den Steuerzahlern und allen Besitzern der betroffenen Banken geschultert werden. Es gab in Folge der internationalen Hypothekenbankenkrise von 2009 mehrere Bankenrettungspakete innerhalb der EU in verschiedenen Ländern. Bei Zypern wurden durch das Bail-In-Prinzip zum ersten Mal auch die Besitzer erheblich zur Kasse gebeten.
Der Name "Euro-Krise" ist ein Synonym für die Staatsschuldenkrise seit 2010 bei verschiedenen Euro-Ländern. Für die Bekämpfung der Krise wurde der ESM geschaffen, für dessen Kapital Deutschland mit maximal 190 Milliarden Euro haftet. Die Zinspolitik der EZB hat Deutschland übrigens eine Ersparnis von 100 Milliarden Euro Zinszahlungen seit 2010 ermöglicht.
Wie lauten denn Ihre Gegenvorschläge für eine neue Finanz- und Bankenordnung innerhalb der EU? Auf die beiden Krisen seit 2009 musste ja irgendwie reagiert werden.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » Mi 14. Mär 2018, 09:29

Wähler hat geschrieben:(14 Mar 2018, 09:07)

...

...Die Zinspolitik der EZB hat Deutschland übrigens eine Ersparnis von 100 Milliarden Euro Zinszahlungen seit 2010 ermöglicht.

...


Vor allem aber hat diese Zinspolitik der EZB kapitalbasierte Alterssicherungssysteme zur Lachnummer werden lassen. Ja gut, mit Industrieaktien hätte man spekulieren sollen.... hätte, hätte... aber die Sparer wollten ja Sicherheit.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 14. Mär 2018, 10:08

Wie groß die Kluft zwischen Macron und Merkel ist lässt sich auch an der sehr unterschiedlichen Haltung zu Unternehmen und Kapitalismus ablesen.

"In seinem für den Wahlkampf verfassten Buch «Révolution» hatte der französische Präsident Emmanuel Macron die an eine Schrift von Lenin erinnernde Ansicht vertreten, dass sich der «Kapitalismus wegen dessen Exzessen in der Endphase» befinde. Es kann mithin nicht überraschen, dass die Regierung in Paris eine Reform aufgleisen will, laut der im Zivilgesetzbuch neu festgehalten werden soll, dass sich Unternehmen neben dem Gewinnstreben auch um das Gemeinwohl kümmern müssen. .... Die Unternehmen könnten sich nicht mehr aufs Erzielen von Gewinnen beschränken, sie müssten sich auch an der «Transformation der Gesellschaft und Verbesserung des Alltags aller beteiligen». Die im Detail noch nicht verbindlich ausformulierte neue Bestimmung ist Teil eines Gesetzes, dessen Entwurf die Regierung Mitte April im Ministerrat verabschieden will. .... Das neue Gesetzesprojekt stellt nur eine weitere Etappe bei der in Frankreich besonders weit fortgeschrittenen Enteignung der Aktionäre und der immer stärkeren Politisierung der Unternehmen dar, denen in radikaler Umkehr von Adam Smith gerne eine intrinsisch böse Gewinnmaximierung angedichtet wird." https://www.nzz.ch/wirtschaft/macron-ge ... ld.1365791

Da liegen Welten zwischen Merkel/der Bundesregierung und Macron und da darf man gespannt sein wie eine enger abgestimmte Wirtschafts- und Finanzpolitik aussehen soll.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon H2O » Mi 14. Mär 2018, 14:04

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Mar 2018, 10:08)
....

...dass sich Unternehmen neben dem Gewinnstreben auch um das Gemeinwohl kümmern müssen. .... Die Unternehmen könnten sich nicht mehr aufs Erzielen von Gewinnen beschränken, sie müssten sich auch an der «Transformation der Gesellschaft und Verbesserung des Alltags aller beteiligen.

...


Wenn man einmal die Schlußfolgerungen der NZZ beiseite legt, dann bleibt obiger Satz. Den hatte ich auch schon einmal ganz unerschüttert im Wahlprogramm des künftigen Präsidenten Macron gelesen. Mein Gedanke war damals: "Aha, die franzölsische Politik hat die Soziale Marktwirtschaft entdeckt!" In aller Unschuld meine ich das jetzt immer noch. Bei Ludwig Erhard hieß das, daß unser wirtschaftliches Handeln dem Gemeinwohl zu dienen habe. Leider ist unsere deutsche Wirtschaftsweise davon tüchtig abgekommen.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Orbiter1 » Mi 14. Mär 2018, 15:43

Angeblich gibt es zwischen D und F auch Differenzen im Verteidungsbereich. Macron sind das etwas zuviele PESCO-Mitglieder. Eine kleinere und dynamischere Gruppe wäre ihm wohl lieber gewesen.

"Es hakt auch in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, dem zweiten großen Thema der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Macron ist stinksauer, weil sich Merkel ausgerechnet in dieser französischen Paradedisziplin durchgesetzt hat. Denn die neue PESCO – die ständige strukturierte Zusammenarbeit im Militärbereich – wurde mit der größtmöglichen Zahl von EU-Mitgliedern gestartet, genau wie Merkel dies wollte. Die Kanzlerin setzte sich mit ihrem „inklusiven“ Ansatz über die Forderung Macrons hinweg, zunächst nur ein „Bündnis der Fähigen“ aufzubauen. Zudem übernahm Deutschland auch noch die Führung; angeblich sinnt Macron bereits auf Rache." https://www.cicero.de/angela-merkel-emm ... u-eurozone

Da könnte durchaus was dran sein. Kleiner und dynamischer (schneller effektiv einsatzbereit) wäre mir auch lieber gewesen. Bei dem Thema sollte man nicht zuviel Zeit mit Abstimmungen vertrödeln.
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Re: Quo Vadis, Europa?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 14. Mär 2018, 15:48

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Mar 2018, 15:43)

Angeblich gibt es zwischen D und F auch Differenzen im Verteidungsbereich. Macron sind das etwas zuviele PESCO-Mitglieder. Eine kleinere und dynamischere Gruppe wäre ihm wohl lieber gewesen.

"Es hakt auch in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, dem zweiten großen Thema der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Macron ist stinksauer, weil sich Merkel ausgerechnet in dieser französischen Paradedisziplin durchgesetzt hat. Denn die neue PESCO – die ständige strukturierte Zusammenarbeit im Militärbereich – wurde mit der größtmöglichen Zahl von EU-Mitgliedern gestartet, genau wie Merkel dies wollte. Die Kanzlerin setzte sich mit ihrem „inklusiven“ Ansatz über die Forderung Macrons hinweg, zunächst nur ein „Bündnis der Fähigen“ aufzubauen. Zudem übernahm Deutschland auch noch die Führung; angeblich sinnt Macron bereits auf Rache." https://www.cicero.de/angela-merkel-emm ... u-eurozone

Da könnte durchaus was dran sein. Kleiner und dynamischer (schneller effektiv einsatzbereit) wäre mir auch lieber gewesen. Bei dem Thema sollte man nicht zuviel Zeit mit Abstimmungen vertrödeln.

Das ist vorrangig eine politstrategische Frage. Deutschland will mit einem Bündnis fast aller Druck auf die Außenstehenden aufbauen, sodass die Idee einer universellen EU am Ende obsiegt - wie beim Euro, wo von einer Schwächephase abgesehen alle jungen EU-Länder mindestens Pläne für die Einführung skizzieren und die Zahl der Altfälle ohne Euro durch die kluge Politik von Kohl, Schröder und Merkel erfreulich gering ist.
Macron möchte eher eine EU der Optionen, wo er als zweite Geige im Gesamtkonzert auch mal seinen Part bekommt, in einer kleinen Besetzung den Ton anzugeben.
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