Deutschrussen

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Teekanne
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Teekanne » So 18. Mär 2018, 07:38

Provokateur hat geschrieben:(18 Mar 2018, 01:16)

Ich habe mal eine Deutschrussin gedatet.

Ist nix geworden.

Vielleicht war ich ihr nicht russisch genug, vielleicht hat es auch einfach nicht gepasst.

Vielleicht hättest du unablässig von Putin schwärmen sollen und immer wieder sagen müssen: "Russland ist groß!"
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Ger9374
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Ger9374 » So 18. Mär 2018, 07:47

Habe als Kunden und als auftraggeber mit Deutsch Russen zu tun gehabt.
Freundlich, fleissig und strebsam.
Ältere immer bestrebt Gastfreundschaft zu zeigen, sowie den erfolgreichen werdegang ihrer Kinder zu schildern.Eine bereicherung für dieses Land.
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Orbiter1
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Orbiter1 » So 18. Mär 2018, 07:59

Ger9374 hat geschrieben:(18 Mar 2018, 07:47)

Habe als Kunden und als auftraggeber mit Deutsch Russen zu tun gehabt.
Freundlich, fleissig und strebsam.
Ältere immer bestrebt Gastfreundschaft zu zeigen, sowie den erfolgreichen werdegang ihrer Kinder zu schildern.Eine bereicherung für dieses Land.

Das ist auch meine Erfahrung. Die haben sich inzwischen alle Häuser gebaut, sich beim Bau gegenseitig geholfen und Familie ist für sie extrem wichtig. Sehr hohe Bereitschaft zur Integration, einige haben sich sogar taufen lassen und sind mit eingesessenen Deutschen verheiratet.
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Re: Deutschrussen

Beitragvon H2O » So 18. Mär 2018, 09:36

think twice hat geschrieben:(18 Mar 2018, 08:20)
...

Es stimmt schon, sie sind mehrheitlich fleissig und ehrgeizig, aber in erster Linie tun sie es für sich und nicht für ihre neue, deutsche Heimat, der sie sich verbunden fühlen.


Au verflixt, dann bin ich wohl auch unerkannter Russe; auch wenn ich kein Russisch spreche, so mache ich auch in erster Linie für mich und nicht für die alte deutsche Heimat, der ich mich verbunden fühle! :)
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Chajm » So 18. Mär 2018, 09:41

H2O hat geschrieben:(18 Mar 2018, 09:36)

Au verflixt, dann bin ich wohl auch unerkannter Russe; auch wenn ich kein Russisch spreche, so mache ich auch in erster Linie für mich und nicht für die alte deutsche Heimat, der ich mich verbunden fühle! :)

Allein schon die Verwendung des Begriffes "alte deutsche Heimat" macht Sie zutiefst verdaechtig!
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Orbiter1 » So 18. Mär 2018, 09:45

think twice hat geschrieben:(18 Mar 2018, 08:20)

Es stimmt schon, sie sind mehrheitlich fleissig und ehrgeizig, aber in erster Linie tun sie es für sich und nicht für ihre neue, deutsche Heimat, der sie sich verbunden fühlen.

Ist das bei den eingesessenen Deutschen anders? Sind die fleißig und ehrgeizig weil sie sich ihrer Heimat verbunden fühlen?
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Ger9374 » So 18. Mär 2018, 09:55

Chajm hat geschrieben:(18 Mar 2018, 09:41)

Allein schon die Verwendung des Begriffes "alte deutsche Heimat" macht Sie zutiefst verdaechtig!



Alle die sich diesem Land verbunden fühlen, und das aussprechen sind für die Teddybären werfenden Bahnhofsklatscher höchst verdächtig gar rechtsradikal zu sein. Alles was Frau Merkel kritisiert ist schon hellbraun anzusehen:-))
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Re: Deutschrussen

Beitragvon H2O » So 18. Mär 2018, 10:03

Chajm hat geschrieben:(18 Mar 2018, 09:41)

Allein schon die Verwendung des Begriffes "alte deutsche Heimat" macht Sie zutiefst verdaechtig!


Ach ja, ich vergaß, daß ich lange Zeit im Jahr in West-Pommern lebe... :D :D :D Revanchist und Chauvinist, der ich bin!
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Uffhausen » So 18. Mär 2018, 13:36

think twice hat geschrieben:(18 Mar 2018, 08:20)

Dazu muss man wissen, dass ihnen in den 90ern die Integration in die deutsche Gesellschaft und in den deutschen Wohlstand wesentlich einfacher gemacht wurde als heutigen Flüchtlingen. Sie bekamen sofort die deutsche Staatsangehoerigkeit, bevorzugt Jobs und Wohnungen und zinslose Darlehen.

Dann müsste es den Russen in Deutschland doch eigentlich gut gehen und sie sollten zufrieden sein - warum erhält man dann immer das komplett gegenteilige Bild, wenn es bspw. in Reportagen darum geht zu ergründen, warum die deutschen Russen eher AfD wählen?

So war es in den beiden Russenvierteln in meiner Stadt auch - zur BTW 2017 wählten dort zwischen 50-70% die AfD, wogegen diese Partei ansonsten in der Stadt und den Stadtteilen unter 20% blieb.

Immer wieder hört und liest man in diesem Zusammenhang, die Russen in Deutschland machten ihre Entscheidungen von den Eindrücken abhängig, die ihnen russische Medien über Deutschland liefern. Deutsche Medien seien verpönt, eben weil sie russland- und vorallem putinkritisch sind.

Warum ist es den Russen in Deutschland scheinbar so wichtig, was ihre alte Heimat über ihre neue Heimat denkt? Selbst, wenn sie schon seit Jahrzehnten in Deutschland leben und ihre neue Heimat folglich sehr gut kennen müssten! Oder, wenn sie hier geboren sind und praktisch gar keine andere Heimat haben. Warum ist das dann doch oft entscheidend?
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 23. Mär 2018, 14:45

Uffhausen hat geschrieben:(17 Mar 2018, 17:02)

Reportage zur Russland-Wahl: Putins Glorie strahlt bis nach Köln

Im Grunde nicht anders wie bei den Türken in Deutschland bzgl. Erdogan - die Russen in Deutschland stehen der deutschen Politik, den deutschen Medien, vielleicht sogar auch dem westlichen Weltbild sowie der Demokratie kritisch bis abwertend gegenüber, weil hier in Deutschland Putin und seine Politik nicht automatisch bis selbstverständlich über den Klee und darüber hinaus gelobt wird. Im Gegensatz zu den Türken wird bei den Russen deswegen aber kein Fass aufgemacht; hinsichtlich offensichtlicher Integrationsverweigerung, Entstehung von Parallelgesellschaften, Abschaffung von doppelter Staatsbürgerschaft usw. - WARUM? :?:

-----------------------------------------------------------------------------

Meine persönliche Erfahrung:

Schon von Kleinauf habe ich Russen in meinem direkten gesellschaftlichen Umfeld - und mit keinen anderen ausländischen Mitmenschen habe so ein Problem wie mit denen (bzw. eigentlich habe ich gar keine Probleme mit den Russen, weil da einfach GAR NICHTS passiert - das ist ja das Problem!). In der Grundschule hatten wir einige Russenkinder, die redeten aber ständig (auch während des Unterrichts) immer in ihrer Landessprache und blieben regelmäßig unter sich. Mit den türkischen, jugoslawischen und italienischen Kindern gab es derlei Schwierigkeiten nicht. Diese lernten auch schnell akzentfreies deutsch, während die Russenkinder weiters übelst radebrechten. Wir haben die Russenkinder aber nicht gemieden, im Gegenteil - aber sie rannten immer vor uns weg. Fragwürdigerweise landeten die Russenkinder nach der Grundschule mehrheitlich auf dem Gymnasium, während die südeuropäischen Kinder hauptsächlich eine Hauptschulempfehlung erhielten.

Auf der Realschule war es mit den Russen ein wenig besser; man konnte sich miteinander unterhalten, nachhaltiger Kontakt oder gar Freundschaften entstanden jedoch nicht - auf dem Pausenhof gab es die "Russenecke", wo sich in der großen Pause ausschließlich Russenkinder aufhielten und russisch gesprochen wurde. Auch hier: Andersartige "Ausländerbereiche" gab es nicht. Auch vergleichsweise "reine" deutsche Cliquen existierten nicht.

Ich arbeite in der Altenpflege und seit gut einem halben Jahr ist auf meiner Station eine schnucklige, leider demente, russische Omi - kein Problemfall, auch wenn sie kein deutsch spricht und man sich folglich kaum mit ihr verständigen kann. Man kann sich ja auch mit Gestik und Mimik verständigen. Klappt wunderbar, die Omi macht einen zufriedenen Eindruck. Ihren Angehörigen reicht das nicht. Sie möchten, dass nur das russischsprachige Personal sich um die Omi kümmert; sie holen sich auch nur (freilich auf russisch!) von entsprechenden Kolleginnen ihre Infos. Laut meinen russischen Kolleginnen lästert diese Familie auch heftigst über uns anderen Nicht-Russen ab und unterstellt uns die wüstesten Dinge - obgleich sie uns ansonsten höflich und freundlich gegenüber treten. Details möchten meine russischen Kolleginnen nicht nennen ("Dafür gibt es keine deutschen Worte"), auch eine Klärung zusammen mit Einrichtungs- und Pflegedienstleitung ist nicht machbar, weil meine russischen Kolleginnen nicht als "Petzen" oder "Verräterinnen" vor ihren Landsleuten auftreten möchten.

In meiner Stadt gibt es seit Anfang der 90er zwei "Russenviertel" - man nennt sie hier hinter vorgehaltener Hand "Klein-Moskau" und "Klein-Sibirien" - keine trostlosen Plattenbausiedlungen, sondern hübsche, gepflegte und moderne Stadtteile mit Ein- bis Mehrfamilienhäusern samt Gärten. Wir haben gleich drei russische Supermärkte und seit einigen Jahren auch einen Nachtclub, in welchem nur russische Staatbürger Zutritt haben (Ausweiskontrolle!). Deutsche und andere Nationalitäten sind dort unerwünscht und werden von Wachpersonal am Zutritt gehindert. Seit ein paar Monaten ist dort auch die russische Flagge gehisst.

Wenn ich dem Gerede, bzw. dem Gehetze, der mir persönlich bekannten AfD-Anhänger und sonstiger Flüchtlingsgegner in meiner Stadt Glauben schenken würde, wären derlei Verhältnisse eigentlich von anderen Volksgruppen - vorrangig muslimischen Glaubens - zu erwarten. Und nein, ich wohne nicht nicht, wie man vielleicht klischeehaft vermuten könnte, in Ostdeutschland, sondern in einer verschlafenen Stadt im Südwesten Baden-Württembergs mit rund 40 000 Einwohnern; davon angeblich rund 35% Ausländeranteil.

Hallo U., Danke für die umfangreiche Schilderung. Mir ist leider nicht so klar, welches potentielle Problem hier zu lösen wäre. Wer unter sich bleiben möchte, stört andere nicht. Von Gewalt ist keine Rede, von Kriminalität auch nicht. Parteien wenig zu schätzen ist legitim und verständlich.
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 23. Mär 2018, 14:58

Orbiter1 hat geschrieben:(18 Mar 2018, 07:59)

Das ist auch meine Erfahrung. Die haben sich inzwischen alle Häuser gebaut, sich beim Bau gegenseitig geholfen und Familie ist für sie extrem wichtig. Sehr hohe Bereitschaft zur Integration, einige haben sich sogar taufen lassen und sind mit eingesessenen Deutschen verheiratet.

Kenne ich auch bei Kasachen und Polen so.
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Uffhausen » So 25. Mär 2018, 00:45

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(23 Mar 2018, 14:45)

Hallo U., Danke für die umfangreiche Schilderung. Mir ist leider nicht so klar, welches potentielle Problem hier zu lösen wäre.


Die Frage ist ja, ob bei den Russen in Deutschland ein "potentielles Problem" hinsichtlich Integration vorliegt - so wie ich in den vergangenen gur zweieinhalb Jahren immer wieder gehört und gelesen habe, scheint ein solches Problem vorzuliegen, weswegen die Russen in Deutschland in Anbetracht des Flüchtlingszustroms eben mehr mit der AfD sympathisieren; dazumal deren "rosaroter" Blick gen Putin zusätzlichen Anreiz bietet. Auch habe ich u. a. hier im Forum hin und wieder lesen können, dass die aktuelle Integrationspolitik höchst fragwürdig sei, schließlich habe man derlei "politische Anstrengungen" auch nicht bei den Heimatvertriebenen nach dem 2. WK, den südeuropäischen Gastarbeitern sowie eben den osteuropäischen Wirtschaftsflüchtlingen nach dem Mauerfall für notwendig befunden. Kurz gefasst: Haben die Russen ein Problem oder nur empfinden sie nur Neid?

Wer unter sich bleiben möchte, stört andere nicht.

Hm. Gilt das für ALLE? Stören die russischen Parallelgesellschaften in Deutschland womöglich nicht, weil man ihnen keine Aufmerksamkeit schenkt? Weil eben anhaltend der (politisierte) Fokus auf "potentieller Gefahr" durch flüchtlingsbedingte muslimische/demokratiefeindliche Parallelgesellschaften in Deutschland liegt?

Von Gewalt ist keine Rede, von Kriminalität auch nicht.

Dafür fehlen mir halt entsprechende Erfahrungswerte. Wenn ich den Erzählungen einer Freundin meinerseits, die beruflich in der Clubszene aktiv ist, Glauben schenke, sind gerade in Drogen- und Gewaltkriminaltität die Russen, bzw. Osteuropäer absolute Spitzenreiter. Während eben Südeuropäer, bzw. türkische/arabische Menschen eher zu sexueller Kriminalität tendieren. In beiden Fällen betrifft es hauptsächlich bis ausschließlich Männer.

Parteien wenig zu schätzen ist legitim und verständlich.

Wie ich in einem anderen Beitrag hier schon erzählte, wurde die AfD in meiner Stadt in den Russenvierteln bei der Landtagswahl 2016, sowie bei der Bundestagswahl 2017 mit 50% - 70% der Stimmen gewählt - wogegen sie im Rest der Stadt nicht mal über 20% kam. Ich finde das schon hinterfragenswert - zumal es sich hier nicht um einen ganz furchtbar blöden Zufall handelt. Die AfD spricht die Russen ganz gezielt an, mitunter in kyrillischer Schrift. Würde bspw. die SPD gleichermaßen gezielt Türken ansprechen, würde allen voran die AfD auf die Barrikaden gehen; Stichwort "Überfremdung" usw. :s

Bzgl. Putin/Erdogan: Den Erdogan-vernarrten Türken in Deutschland steht man offensichtlich reichlich ablehnend und verständnislos gegenüber und bezweifelt deren Integrationswillen usw., während man eben den Putin-vernarrten Russen in Deutschland quasi mit einem Schulterzucken begegnet - obgleich die russische Politik Deutschland in Zeiten der Flüchtlingskrise nicht gerade freundlich gesinnt ist. Warum stellt man in diesem Fall nicht auch die Integrationsfrage? Warum "empfliehlt" man den deutschen Russen nicht auch die schnellstmögliche Heimreise nach Putinland, wenn ihnen die hiesige kritische Russland-Politik nicht passt?
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Flaschengeist » So 25. Mär 2018, 02:00

Ebiker hat geschrieben:(17 Mar 2018, 19:48)

Wer glaubt die wären hergekommen weil ihnen das Deutsche so im Blute liegt ist schon sehr blauäugig. Natürlich sind die gekommen weil es ihnen hier besser geht als in der Sowjetunion oder jetzt den ehemaligen GUS Staaten.



Es gibt auch viele Russlanddeutsche die zurück nach Russland gehen. Die Krim soll sehr beliebt sein.

https://www.swp.de/politik/inland/von-r ... 15871.html

Ich persönlich kann nichts negatives über die Spätaussiedler berichten. Ich kommen sehr gut mit diesen Menschen klar. :thumbup:
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Flaschengeist » So 25. Mär 2018, 02:04

think twice hat geschrieben:(18 Mar 2018, 08:20)

Dazu muss man wissen, dass ihnen in den 90ern die Integration in die deutsche Gesellschaft und in den deutschen Wohlstand wesentlich einfacher gemacht wurde als heutigen Flüchtlingen. Sie bekamen sofort die deutsche Staatsangehoerigkeit, bevorzugt Jobs und Wohnungen und zinslose Darlehen.

Wenn sie unter sich sind, sprechen sie jedoch immer noch russisch, bewegen sich in ihrer russischen community, gehen in russischen Läden einkaufen und schauen russisches Fernsehen.

Es stimmt schon, sie sind mehrheitlich fleissig und ehrgeizig, aber in erster Linie tun sie es für sich und nicht für ihre neue, deutsche Heimat, der sie sich verbunden fühlen.



Das ein Deutscher die Deutsche Staatsangehörigkeit bekommt, ist doch wirklich nichts was man extra erwähnen muß.
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 25. Mär 2018, 08:15

Uffhausen hat geschrieben:(25 Mar 2018, 00:45)

Die Frage ist ja, ob bei den Russen in Deutschland ein "potentielles Problem" hinsichtlich Integration vorliegt - so wie ich in den vergangenen gur zweieinhalb Jahren immer wieder gehört und gelesen habe, scheint ein solches Problem vorzuliegen, weswegen die Russen in Deutschland in Anbetracht des Flüchtlingszustroms eben mehr mit der AfD sympathisieren; dazumal deren "rosaroter" Blick gen Putin zusätzlichen Anreiz bietet.

Die AfD findet Russland auch nur insoweit gut, wie sich damit ein Geschäft für Deutschland machen lässt oder AfD-Positionen dort stärker sind, etwa Diskriminierung von Homos und Juden oder traditionelles Frauenbild - hier ist auf den zweiten Blick aber vieles schief. In Russland studieren und arbeiten Frauen so selbstverständlich, wie es der Strolchfraktion kaum recht ist. Auch die offizielle Position zum Islam ist ambivalent. Terroristen werden - teilweise brutal - kaltgemacht, normale Gläubige integriert. Unter den Zuwanderern nach Russland sind seit Jahren auch viele Muslime, der Islam hatte dort immer irgendeinen Platz. Das ist alles nicht rein afd-konform. Wenn die AfD in Ausländervierteln mehr Zuspruch findet als sonst, könnte das an der Vernachlässigung dieser Ecken durch die etablierte Politik liegen.

Auch habe ich u. a. hier im Forum hin und wieder lesen können, dass die aktuelle Integrationspolitik höchst fragwürdig sei, schließlich habe man derlei "politische Anstrengungen" auch nicht bei den Heimatvertriebenen nach dem 2. WK, den südeuropäischen Gastarbeitern sowie eben den osteuropäischen Wirtschaftsflüchtlingen nach dem Mauerfall für notwendig befunden. Kurz gefasst: Haben die Russen ein Problem oder nur empfinden sie nur Neid?

Die sogenannten Vertriebenen wurden jahrzehntelang zahlenmäßig unangemessen politisch verhätschelt, ihre Vereine finanziell gefördert und ihre Vertreter bevorzugt in Beiräte und Gremien eingeladen. Sie hatten im diversen Parteien ihre Lobby, was sich auch in der unrealistischen Ostpolitik niederschlug. Es ist einfach falsch, was hier oft behauptet wird.


Hm. Gilt das für ALLE? Stören die russischen Parallelgesellschaften in Deutschland womöglich nicht, weil man ihnen keine Aufmerksamkeit schenkt? Weil eben anhaltend der (politisierte) Fokus auf "potentieller Gefahr" durch flüchtlingsbedingte muslimische/demokratiefeindliche Parallelgesellschaften in Deutschland liegt?

Welche konkrete Störung siehst du unterrepräsentiert?


Dafür fehlen mir halt entsprechende Erfahrungswerte. Wenn ich den Erzählungen einer Freundin meinerseits, die beruflich in der Clubszene aktiv ist, Glauben schenke, sind gerade in Drogen- und Gewaltkriminaltität die Russen, bzw. Osteuropäer absolute Spitzenreiter. Während eben Südeuropäer, bzw. türkische/arabische Menschen eher zu sexueller Kriminalität tendieren. In beiden Fällen betrifft es hauptsächlich bis ausschließlich Männer.

Du kennst keine südländischen Dealer oder Zuhälter? Weder bei Osteuropäern noch bei Südeinwanderern spielen diese Kriminellen zahlenmäßig eine Rolle. Allenfalls bei Libanesen. Bei rund 40.000 Libanesen in Deutschland ist das aber auch egal.


Wie ich in einem anderen Beitrag hier schon erzählte, wurde die AfD in meiner Stadt in den Russenvierteln bei der Landtagswahl 2016, sowie bei der Bundestagswahl 2017 mit 50% - 70% der Stimmen gewählt - wogegen sie im Rest der Stadt nicht mal über 20% kam. Ich finde das schon hinterfragenswert - zumal es sich hier nicht um einen ganz furchtbar blöden Zufall handelt. Die AfD spricht die Russen ganz gezielt an, mitunter in kyrillischer Schrift. Würde bspw. die SPD gleichermaßen gezielt Türken ansprechen, würde allen voran die AfD auf die Barrikaden gehen; Stichwort "Überfremdung" usw. :s
SPD und Linke haben in Berlin schon 1990 mehrsprachige Wahlprogramme angeboten. Ich finde es legitim, um Wähler zu werben. Von der AfD halte ich gar nichts.

Bzgl. Putin/Erdogan: Den Erdogan-vernarrten Türken in Deutschland steht man offensichtlich reichlich ablehnend und verständnislos gegenüber und bezweifelt deren Integrationswillen usw., während man eben den Putin-vernarrten Russen in Deutschland quasi mit einem Schulterzucken begegnet - obgleich die russische Politik Deutschland in Zeiten der Flüchtlingskrise nicht gerade freundlich gesinnt ist. Warum stellt man in diesem Fall nicht auch die Integrationsfrage? Warum "empfliehlt" man den deutschen Russen nicht auch die schnellstmögliche Heimreise nach Putinland, wenn ihnen die hiesige kritische Russland-Politik nicht passt?

In beiden Fällen ist es unredlich, politische Opposition rhetorisch auszuweisen. Dabei ist der Anteil in Deutschland wahlberechtigter und wählender Russen höher. Den Türken hält man vor, ihre Stimme bei türkischen Wahlen nicht mehrheitlich im Sinne der Vorlieben der Grünen einzusetzen. Den Russen hält man nun also vor, dass sie bei deutschen Wahlen nicht mehrheitlich die Grünen wählen. Demokratischer Geist scheint aus solchem Tadel nicht hervor. Wo bleibt da Argument und Streit in der Sache? Wer fragt da Individuen nach Gründen? Diese geistig retardierte Form der Auseinandersetzung, wer in Köln gegen die Mehrheit sei, möge doch bitte in Düsseldorf wohnen, das ist Gift.
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Teeernte » So 25. Mär 2018, 08:40

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(25 Mar 2018, 09:15)

Die AfD findet Russland ...
Du kennst keine südländischen Dealer oder Zuhälter? Weder bei Osteuropäern noch bei Südeinwanderern spielen diese Kriminellen zahlenmäßig eine Rolle.


Noch mal....

Der Unterschied.... Spätaussiedler = Deutsche. Für die ist "Russe" ein Schimpfwort. ...und gehen einer redlichen Arbeit nach..(oder sind Alters-Rentner)

Das ist für Türken/Libanese/Russe = der Türke/Libanese/Russe ....nicht der Fall.

Echte Russen/Libanesen/Türken..- die haben den 2. Pass (= Zweite Chance) >> brauchen 1 h zum "Abräumen" und ausreisen....und sind mit (kriminellem) Gut in IHRER Heimat.

Nachdem der Sozialismus/Kommunismus für die Ost>>Einwohner kläglich VERSAGT hat.....muss man sich NICHT wundern - dass diese "echten" Kapitalismus anstreben.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Uffhausen » Mo 26. Mär 2018, 23:32

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(25 Mar 2018, 09:15)
Wenn die AfD in Ausländervierteln mehr Zuspruch findet als sonst, könnte das an der Vernachlässigung dieser Ecken durch die etablierte Politik liegen.

Diese "Ecken" in meiner Stadt sind allerding hübsche, moderne Neubauviertel am Stadtrand, ausschließlich Ein- und Zweifamilienhäuser mit Gärten. Gewissermaßen optisch eine heile Bilderbuch-Welt. Vernachlässigt ist/wirkt dort nichts - außer halt eben die deutsche Sprache.

Welche konkrete Störung siehst du unterrepräsentiert?

Die angebliche "Gefahr" durch Bildung von Parallelgesellschaften. In den heutigen Zeiten wird derlei ja gerne in Verbindung mit Flüchtlingen/Muslimen gesetzt - dabei haben wir sie schon längst durch andere (und hatten sie im Lauf der Kultur/Geschichte auch schon immer). Muss auch nicht zwingend Ausländer betreffen - es gibt auch in meiner Stadt den sogenannten "Millionärshügel", wo nur die Reichen unter sich und in normalbürgerlich weltfremden Dimensionen leben. Problem? Nein. Wie du schon geschrieben hast, "wer unter sich bleibt, stört niemand".

Tatsächlich scheinen sich jedoch die Russen in Deutschland mehr an den gegenwärtigen Verhältnissen in Deutschland zu stören, als der Deutsche selbst, bzw. andere Mitbürger ausländischer Herkunft. Beleg hierfür kann das fast schon gegensätzliche Wahlverhalten bzgl. der AfD sein. Ist das eine ernstzunehmende (gesellschaftliche) Störung; ein Beweis, dass u. a. der Russe (noch) nicht fähig ist, die westlich-demokratische Lebensweise anzunehmen? Oder ist das womöglich nur ein (flüchtiges) Resultat von fragwürdiger politischer Instrumentalisierung durch eine bestimmte Partei?

Du kennst keine südländischen Dealer oder Zuhälter?

Ich bezweifle nicht, dass es sie gibt - aber persönlich kenne ich ich niemanden dieser Sorte Mensch.

Demokratischer Geist scheint aus solchem Tadel nicht hervor.

Mir persönlich geht es nicht ums tadeln. Ich will in erster Line verstehen.

Es ist mir unbegreiflich, warum jemand BEWUSST bspw. aus Russland oder der Türkei hier einwandert und sich an den hiesigen gegebenen politischen Verhälntnissen stört und selbigen seiner Heimat praktisch nachtrauert oder gar verglorifiziert. Für mich stellt das einen 100%igen Widerspruch dar.

Ich verstehe nicht, warum bspw. die Russen in meiner Stadt sich seit Anfang der 90er BEWUSST in eigenen Stadtvierteln "zusammengerottet" haben, heute aber ausgebliebene Intergration/gesellschaftliche Teilwerdung beklagen. Meine persönliche Erfahrung/Erkenntnis besagt, dass das nur eine höchst fragwürdige/einseitige Sichtweise ist.
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 27. Mär 2018, 06:19

Uffhausen hat geschrieben:(27 Mar 2018, 00:32)

Diese "Ecken" in meiner Stadt sind allerding hübsche, moderne Neubauviertel am Stadtrand, ausschließlich Ein- und Zweifamilienhäuser mit Gärten. Gewissermaßen optisch eine heile Bilderbuch-Welt. Vernachlässigt ist/wirkt dort nichts - außer halt eben die deutsche Sprache.

Ich sprach von Vernachlässigung durch Politiker, nicht durch die Grundstückseigentümer.


Die angebliche "Gefahr" durch Bildung von Parallelgesellschaften. In den heutigen Zeiten wird derlei ja gerne in Verbindung mit Flüchtlingen/Muslimen gesetzt - dabei haben wir sie schon längst durch andere (und hatten sie im Lauf der Kultur/Geschichte auch schon immer). Muss auch nicht zwingend Ausländer betreffen - es gibt auch in meiner Stadt den sogenannten "Millionärshügel", wo nur die Reichen unter sich und in normalbürgerlich weltfremden Dimensionen leben. Problem? Nein. Wie du schon geschrieben hast, "wer unter sich bleibt, stört niemand".

Ich würde auch sagen, dass wir heute viel mehr als früher Subkulturen und "Parallelgesellschaften" in den großen Städten haben, die nicht viel miteinander zu tun haben müssen und wollen. Allenfalls bei der Arbeit und den Ämtern ist es unausweichlich, hier muss man sich dann möglichst geräuschlos vertragen. Das kann recht positiv sein. Gesellschaftlich ist, was nicht privat sein kann - unser freies Leben steht einer Uniformierung im Weg.

Tatsächlich scheinen sich jedoch die Russen in Deutschland mehr an den gegenwärtigen Verhältnissen in Deutschland zu stören, als der Deutsche selbst, bzw. andere Mitbürger ausländischer Herkunft. Beleg hierfür kann das fast schon gegensätzliche Wahlverhalten bzgl. der AfD sein. Ist das eine ernstzunehmende (gesellschaftliche) Störung; ein Beweis, dass u. a. der Russe (noch) nicht fähig ist, die westlich-demokratische Lebensweise anzunehmen? Oder ist das womöglich nur ein (flüchtiges) Resultat von fragwürdiger politischer Instrumentalisierung durch eine bestimmte Partei?

Ich würde AfD-Wähler nicht für unfähig halten, eine demokratische Lebensweise anzunehmen. Die meisten von ihnen haben vorher auch schon irgendwas gewählt und der braune Rand gehört nun mal zur deutschen Demokratie dazu. Es gab seit Gründung der Republik fast durchgehend Wahlalternativen für Leute, die nicht so liberal denken wollen. Wenn diese Optionen erlaubt sind, müssen sie auch den Russen erlaubt sein. Ich sage nicht, dass mir das gefällt. Ich werbe um fast jeden, diese Partei nicht zu wählen. Wir können aber nicht einfach hingehen und sagen, der Russe, jaja, der kann eben nicht anders, das ist seine Art. Das ist nicht sinnvoll.


Ich bezweifle nicht, dass es sie gibt - aber persönlich kenne ich ich niemanden dieser Sorte Mensch.

Ja, ich verstehe schon. Ich kann nur mitteilen, dass das Bild hier wie beschrieben anders aussieht.

Es ist mir unbegreiflich, warum jemand BEWUSST bspw. aus Russland oder der Türkei hier einwandert und sich an den hiesigen gegebenen politischen Verhälntnissen stört und selbigen seiner Heimat praktisch nachtrauert oder gar verglorifiziert. Für mich stellt das einen 100%igen Widerspruch dar.

Mir ist das nicht unbegreiflich. Leute wandern nach USA ein und finden Trump schlecht oder diese Frau, die ihren Mann nicht befriedigt. Die ist es ja nicht geworden. Stell dir vor, du liebst Italien, seine Lebensweise und Landschaft, kannst die Sprache, hast ein Arbeitsangebot da, wolltest vielleicht schon lange hin. Und dann wird Balu's Crony zufällig der Chef, hat eine dicke Mehrheit im Parlament hinter sich, macht drollige Interviews. Gibst du wegen sowas deinen Plan auf? Politiker kommen und gehen. Es ist auch legitim, die Heimat zu vermissen, obwohl man gute Gründe hat, jetzt hier zu sein. Warst du mal länger im Ausland? Deutschland wirbt in aller Welt um Menschen, die hier ein gutes Leben erhoffen dürfen. Da spielt Geld eine wichtige Rolle, Sicherheit. Nur Verrückte meinen, Geld und Sicherheit könne man nur haben, wenn man politisch alles so einfriert, wie es heute ist.

Ich verstehe nicht, warum bspw. die Russen in meiner Stadt sich seit Anfang der 90er BEWUSST in eigenen Stadtvierteln "zusammengerottet" haben, heute aber ausgebliebene Intergration/gesellschaftliche Teilwerdung beklagen. Meine persönliche Erfahrung/Erkenntnis besagt, dass das nur eine höchst fragwürdige/einseitige Sichtweise ist.

Beklagen sie denn? Oft gibt es gar nicht so viele attraktive Stadtviertel für mittlere Einkommen, die in demselben Jahrzehnt größere Leerstände / ausgewiesene Bauflächen haben. In vielen Städten ist es so, wer mit einem bestimmten Budget in einem bestimmten Jahrzehnt gebaut hat, der ist wahrscheinlich nach A oder B gezogen, evtl noch nach C, der Rest ist Streuzufall.
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hafenwirt
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Re: Deutschrussen

Beitragvon hafenwirt » Di 27. Mär 2018, 11:33

Bei dieser Diskussion sollte nicht vergessen werden, dass laut informierten Usern die Deutschrussen sehr große Privilegien genossen gegenüber anderen Migrantengruppen.

http://politik-forum.eu/viewtopic.php?f=10&t=32538
Uffhausen
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Re: Deutschrussen

Beitragvon Uffhausen » Mi 28. Mär 2018, 22:16

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(27 Mar 2018, 07:19)
Ich sprach von Vernachlässigung durch Politiker, nicht durch die Grundstückseigentümer.

Der Lebensstil sagt doch schon einiges darüber, ob gar politische Vernachlässigung vorliegt, oder nicht.

Im Gegensatz zu den Russen wohne ich in einer 3-Zimmer-Wohnung in einem 32-Parteien Wohnblock an einer dichtbefahrenen Hauptstraße. Die Wohnung leisten kann ich mir nur, weil sie Eigentum meines Vaters ist, der aber keine Miete von mir verlagt, so dass ich lediglich für die Nebenkosten aufkommen brauche. Könnte sie sonst nicht berappen, von meinem Gehalt als Altenpfleger - dazumal meine Stadt mehrfacher Hochschulstandort ist und deswegen die Mietpreise stellenweise extrem hoch. Familie kann ich mir nicht erlauben - allein aus finanzieller Sicht! Außer meine Partnerin wäre vergleichsweise zu mir Spitzenverdienerin. So gesehen, also rein vom Lebensstil abhängig gemacht, hätte ich wahrscheinlich mehr Grund über politische Vernachlässigung zu klagen.

Gut, könnte auch sein, dass die Russen allesamt sich ihren gehobeneren Lebenstil nur via Kredit leisten können und folglich bis dorthinaus verschuldet sind. Aber das ist nicht Vernachlässigung durch Politik, sondern eigenverantwortliche Dummheit.


Politiker kommen und gehen.

Es geht doch nicht um einzelne Politiker - sondern um die von Personen/Namen unabhängige ganzheitliche Politik. Egal, wer grade in Deutschland Kanzler(in) ist - entscheidend ist der Gesamteindruck; also bspw. russland-/türkeikritisch oder -freundlich.

Andererseits ist es egal, wer bspw. in Russland oder in der Türkei Präsident ist - u. a. in diesen beiden Ländern steht der Staatsführer für die Gesamtnation und nicht wie bei uns bspw. die Merkel lediglich für eine Partei, die aufgrund der meisten Wahlstimmen den/die Kanzler/in stellen darf.

Wenn ein Deutscher sich nagativ über bspw. die Merkel äußert, dann weiß jeder Deutsche, nur die Merkel ist damit gemeint. Wenn ein Deutscher sich aber negativ über Putin oder Erdogan äußert, dann verstehen dass scheints viele Russen oder Türken als Nationalkritik - liegt wohl daran, dass Angehörige u. a. dieser beiden Länder im Gegensatz zu uns Deutschen noch über (partei-, politik- und personenunabhängigen?) "Nationalstolz" verfügen.

Es ist auch legitim, die Heimat zu vermissen, obwohl man gute Gründe hat, jetzt hier zu sein.

Natürlich. Aber Heimweh und Politik gehören getrennt.

Wenn bspw. ein Russe in Deutschland Heimat damit impliziert, dass die hiesigen Medien Putin über grünen Klee loben (wie er es vergleichsweise von den heimatlichen Staatmedien gewohnt war), dann ist er hier falsch. Ein Deutscher im Ausland erwartet schließlich auch nicht aus Integrationsgründen, dass die örtlichen Medien alle die Merkel ganz toll finden. Und Heimat/Heimweh verbindet er mit ihr schon mal gleich gar nicht.


Beklagen sie denn?

So war es bspw. in meiner Stadt bei Vorwahlumfragen. Und eben das letztliche Wahlverhalten spricht doch auch für "Unzufriedenheit". Wäre die deutsche/etablierte Politik russlandfreundlicher, würde sie dem Putin so einiges nachsehen (bspw. Ukraine/Syrien), würde sie AfD-like den hiesigen Russen "Honig ums Maul schmieren", wären sie wohl in und mit Deutschland zufriedener. So zumindest mein persönlicher Eindruck. Dass es um etwaige schwierigere Lebensumstände geht, die allein sie betreffen und Deutsche nicht, glaube ich kaum (ansonsten wären sie nicht hier und Deutschland allgemein nicht so reizvoll für Ausländer). Es braucht wohl mehr Schein als Sein. So unsinnig es auch klingen mag. :s
"Man sollte auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." Erich Kästner

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