20 Jahre Leitkultur

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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon Zunder » Fr 12. Mai 2017, 13:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 May 2017, 14:46)
Es war bereits ein Zeichen von Nonkonformismus, sich überhaupt der Entdeckung von Neuem in der Physik zu widmen.

Das ist nicht Nonkonformismus. Das ist Wissenschaft.
Die Neuerungen des 20. Jahrhunderts fußen auf dem Wissensstand des 19. Jahrhunderts, in dem vieles schon angelegt war, was vollkommen NORMal ist.
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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon Zunder » Fr 12. Mai 2017, 13:57

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(12 May 2017, 14:50)

kann aber auch nicht losgelöst von Satz 1 gesehen werden.

Natürlich nicht. Sonst gäbe es ja auch nichts zu enteignen.
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3x schwarzer Kater
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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 12. Mai 2017, 14:08

Zunder hat geschrieben:(12 May 2017, 14:57)

Natürlich nicht. Sonst gäbe es ja auch nichts zu enteignen.


klar, aber primär gilt Satz 1. So auch die Logik des GG.
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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon Zunder » Fr 12. Mai 2017, 14:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 May 2017, 14:55)

Ich habe das schon verstanden und auch entsprechende Texte gelesen. Leitkultur ist im Sinne einer Prägung und Vermittlung als informelle Richtschnur gedacht. Aber das ist ja gerade das perfide. Oder anders gesagt: Gerade die Formalität der Strafgesetze macht ihre Liberalität aus. Es ist in einem juristischen Verfahren klärbar, ob gegen sie verstoßen wird oder nicht. Bei der Leitkultur tritt an die Stelle der Justiz irgendein Wir. Irgendeine kollektive Instanz. Wie in irgendeinem Kuhkaff, wo die Leute gemobbt werden, wenn sie sich etwas eigensinniger kleiden.

Wenn in einem Kuhkaff Leute gemobbt werden, hat das nichts mit Kultur zu tun. Das geht ja wohl eher in Richtung Barbarei.

Die Fixierung auf Rechtsnormen halte ich für hochgradig problematisch. Nicht das geltende Recht garantiert die freiheitliche Ordnung, sondern die Gesellschaft, die die dem Recht zugrundeliegenden Werte anerkennt, bewahrt und notfalls verteidigt.

Hitler mußte seinen Legalitätseid nicht brechen, um an die Macht zu kommen.

Wir können in Echtzeit zuschauen, wie in der Türkei mit vollkommen legalen Mitteln demokratische Strukturen zerstört werden.

Das Vertrauen in das Grundgesetz wird definitiv nicht reichen, um die Grundrechte bewahren zu können. In einem Land, das schon einmal eine Demokratie versemmelt hat, ist diese Gesetzesgläubigkeit noch unverständlicher als ohnehin schon.
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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 12. Mai 2017, 14:13

Zunder hat geschrieben:(12 May 2017, 15:11)

Das Vertrauen in das Grundgesetz wird definitiv nicht reichen, um die Grundrechte bewahren zu können. In einem Land, das schon einmal eine Demokratie versemmelt hat, ist diese Gesetzesgläubigkeit noch unverständlicher als ohnehin schon.


nicht nur einmal, sondern mit der DDR auch zweimal im letzten Jahrhundert.
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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon Selina » Fr 12. Mai 2017, 14:14

Guter Kommentar zum (Un)Sinn einer "deutschen Leitkultur":

Zitat:

Die vorgeschlagene Leitkultur würde ungeschriebene Gesetze zu geschriebenen Gesetzen machen und drängte dabei tief in die individuelle Freiheit aller Menschen unserer Gesellschaft ein. Denn wer eine Leitkultur für Migranten einfordert, der muss sie für alle gelten lassen, denn sonst hat sie keinerlei Legitimation.

Leiten wir also ab, dass gesellschaftliche Konventionen aus der Gesellschaft entspringen, dann sind diese ihr Kitt. Doch dieser Kitt ist und muss flexibel bleiben. Er darf nicht als „Leitkultur“ zementiert werden, denn sonst wird die Gesellschaft uniform und Individualität oder die Einzigartigkeit sozialer Gruppen zur Abnormität erklärt. Eine Gesellschaft ist stets im Fluss und ändert ihre Eigenschaften und Gewohnheiten, wie wir an diversen Einstellungsänderungen über die letzten Jahrzehnte hinweg beobachten können.


https://www.freitag.de/autoren/stefankr ... sellschaft
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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon Dark Angel » Fr 12. Mai 2017, 14:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 May 2017, 14:40)

Für moderne physikalische Theorien existiert nicht nur ein Nachprüfungs-, Falsifizierungs-, Konsistenzprüfungsgebot sondern auch ein Interpretationsbedarf. Das beste Beispiel ist die Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik durch Bohr und Heisenberg.

Ich hab' da allerdings wenig Lust, mich um Begrifflichkeiten zu streiten. Nenn es meinetwegen Bereitschaft zum Nonkonformismus. Oder Bereitschaft zum Bruch nicht mit Normen sondern mit bestehenden theoretischen Modellen. [b]In jedem Fall steht vor wissenschaftlichen und vor allem auch künstlerischen kreativen Leisten diese innere Bereitschaft und die Lust zum Bruch mit irgendetwas Bestehendem. [/b]Wie solls auch anders sein? Und auch wenn das nur eine notwendige und keine hinreichende Voraussetzung ist. Und das steht im Widerspruch zur Idee eines fixierten Katalogs von kulturellen Gebräuchlichkeiten.

Auch wenn du diesen Unsinn noch ein paarmal wiederholst, wird er nicht richtiger!
Wissenschaftliche Leistungen stellen keine "innere Bereitschaft und die Lust zum Bruch mit irgendetwas Bestehendem." dar - es geht um Weiterentwicklung darum hinreichend genaue Erklärungen zu finden, die bestehende Theorien nicht liefern können. Das hat nicht das geringste mit "Bruch"/"Normbruch" zu tun.
Vorstellungen, dass die Sonne den Mittelpunkt unseres Sonnensystems bildet, gab es bereits bei den Pythagoräern im antiken Griechenland - etwa 500 Jahre bevor Claudius Ptolemäus sein geozentrisches Weltbild, welches ausschließlich auf dem "Augenscheinlichen" beruhte, veröffentlichte. Kopernikus griff auf diese antike Idee zurück, behielt jedoch Erklärungsansätze des Ptolemäus bei - nämlich die Schalentheorie und die Epizykel.
Wo ist denn da ein "Normbruch"
Einsteins SRT basiert u.a auf Vorarbeiten von Lorentz und Poincaré sowie auf Neumann und Mach. Die SRT kommt ohne den, noch von Lorentz und Poincaré postulierten Äther aus.
Und wo ist hier der "Normbruch"?
Die Quantenphysik wurde ursprünglich als Notlösung für die Notwendigkeit die theoretischen Beschreibung empirischen Faktenmaterials zu ermöglichen.
Wo ist denn hier dein "Normbruch"?
Es handelt sich eindeutig um Entwicklungsprozesse, die auf vorhandenem Erkenntnis- und Wissensstand aufbauen und die wiederum einem Entwicklungsprozess unterliegen.
Da ist nix mit "innere[r] Bereitschaft und d[er] Lust zum Bruch mit irgendetwas Bestehendem." - es geht schlicht darum Erklärungen zu finden, die vorhandene Theorien nicht liefern können. Nennt sich Erkenntnisgewinn und ist die Norm in den Wissenschaften
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 12. Mai 2017, 14:24

Selina hat geschrieben:(12 May 2017, 15:14)

Guter Kommentar zum (Un)Sinn einer "deutschen Leitkultur":

Zitat:

Die vorgeschlagene Leitkultur würde ungeschriebene Gesetze zu geschriebenen Gesetzen machen und drängte dabei tief in die individuelle Freiheit aller Menschen unserer Gesellschaft ein. Denn wer eine Leitkultur für Migranten einfordert, der muss sie für alle gelten lassen, denn sonst hat sie keinerlei Legitimation.

Leiten wir also ab, dass gesellschaftliche Konventionen aus der Gesellschaft entspringen, dann sind diese ihr Kitt. Doch dieser Kitt ist und muss flexibel bleiben. Er darf nicht als „Leitkultur“ zementiert werden, denn sonst wird die Gesellschaft uniform und Individualität oder die Einzigartigkeit sozialer Gruppen zur Abnormität erklärt. Eine Gesellschaft ist stets im Fluss und ändert ihre Eigenschaften und Gewohnheiten, wie wir an diversen Einstellungsänderungen über die letzten Jahrzehnte hinweg beobachten können.


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Ich brings mal auf den Punkt. Es gibt die Tendenz die freiheitlich demokratische Grundordnung dadurch zu schützen, dass man sie in Frage stellt. Und genau da ist vollkommen absurd.
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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon Zunder » Fr 12. Mai 2017, 14:25

Selina hat geschrieben:(12 May 2017, 15:14)

Guter Kommentar zum (Un)Sinn einer "deutschen Leitkultur":

Zitat:

Die vorgeschlagene Leitkultur würde ungeschriebene Gesetze zu geschriebenen Gesetzen machen und drängte dabei tief in die individuelle Freiheit aller Menschen unserer Gesellschaft ein. Denn wer eine Leitkultur für Migranten einfordert, der muss sie für alle gelten lassen, denn sonst hat sie keinerlei Legitimation.

Leiten wir also ab, dass gesellschaftliche Konventionen aus der Gesellschaft entspringen, dann sind diese ihr Kitt. Doch dieser Kitt ist und muss flexibel bleiben. Er darf nicht als „Leitkultur“ zementiert werden, denn sonst wird die Gesellschaft uniform und Individualität oder die Einzigartigkeit sozialer Gruppen zur Abnormität erklärt. Eine Gesellschaft ist stets im Fluss und ändert ihre Eigenschaften und Gewohnheiten, wie wir an diversen Einstellungsänderungen über die letzten Jahrzehnte hinweg beobachten können.


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Rate mal, wer das geschrieben hat:

"Kann eine Leit­kul­tur vor­ge­schrie­ben wer­den? Ist sie ver­bind­lich? Nein. Wie der Name Kul­tur schon sagt, geht es hier nicht um vor­ge­schrie­be­ne Re­geln."
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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon Selina » Fr 12. Mai 2017, 14:34

Also die Wissenschaftler oder Gelehrten (einer der ersten soll Aristoteles gewesen sein), die davon sprachen, dass die Erde keine Scheibe ist, die begingen in ihren jeweiligen Zeiten und Epochen durchaus einen Normbruch. Im Mittelalter galt diese Behauptung sogar als Ketzerei.
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Re: 20 Jahre Leitkultur

Beitragvon Provokateur » Fr 12. Mai 2017, 14:35

Hier herrscht nun erst einmal Ruhe.
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