Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Moderator: Moderatoren Forum 8

Benutzeravatar
Sozialdemokrat
Beiträge: 1701
Registriert: Mo 4. Jan 2016, 11:54

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Sozialdemokrat » Sa 29. Apr 2017, 10:45

Billie Holiday hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:37)

Kleinere Klassen, also mehr von der Anzahl, und mehr Lehrer. Hört sich toll an, gell?
Wo die Räumlichkeiten und das Personal herkommen sollen, ist unerheblich.

Mit der Migranten-Grenze hatte ich gedacht, wäre die prozentuale Begrenzung der Anzahl von Migranten an Schulen gemeint. Wenn man natürlich die absolute Zahl der Migranten pro Klasse begrenzen will.....davon halte ich gar nichts.
Die Balkanroute ist nicht ganz dicht!
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 11398
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Billie Holiday » Sa 29. Apr 2017, 10:54

Sozialdemokrat hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:45)

Mit der Migranten-Grenze hatte ich gedacht, wäre die prozentuale Begrenzung der Anzahl von Migranten an Schulen gemeint. Wenn man natürlich die absolute Zahl der Migranten pro Klasse begrenzen will.....davon halte ich gar nichts.


Welchen Sinn macht eine große Zahl Kinder in einer Klasse, die noch kein oder schlecht Deutsch können? Wer hat welche Vorteile davon? Zwei oder drei Kinder ohne Deutschkenntnisse sind kein Problem, aber was, wenn ein Drittel aus Kindern besteht, die kein Wort verstehen, sich langweilen oder frustriert sind? Was ist mit den schwachen deutschen Schülern, wenn der Lehrer keine Zeit für sie hat? Was ist mit den guten Schülern, die ihre Aufgaben längst erledigt haben? Die sind übrigens keine Aushilfe-Nachhilfelehrer für jeden Tag.

Man muß doch mal schöne rosa Träume und die Realität auseinander halten. Sind denn alle Lehrer ausgebildete Deutschlehrer für fremdsprachige Kinder, sind sie in Trauma- und Frustbewältigung geschult?
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
Sozialdemokrat
Beiträge: 1701
Registriert: Mo 4. Jan 2016, 11:54

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Sozialdemokrat » Sa 29. Apr 2017, 11:02

Billie Holiday hat geschrieben:(29 Apr 2017, 11:54)

Welchen Sinn macht eine große Zahl Kinder in einer Klasse, die noch kein oder schlecht Deutsch können? Wer hat welche Vorteile davon? Zwei oder drei Kinder ohne Deutschkenntnisse sind kein Problem, aber was, wenn ein Drittel aus Kindern besteht, die kein Wort verstehen, sich langweilen oder frustriert sind? Was ist mit den schwachen deutschen Schülern, wenn der Lehrer keine Zeit für sie hat? Was ist mit den guten Schülern, die ihre Aufgaben längst erledigt haben? Die sind übrigens keine Aushilfe-Nachhilfelehrer für jeden Tag.

Man muß doch mal schöne rosa Träume und die Realität auseinander halten. Sind denn alle Lehrer ausgebildete Deutschlehrer für fremdsprachige Kinder, sind sie in Trauma- und Frustbewältigung geschult?

Darum ist es meiner Ansicht nach erforderlich, die Migranten gleichmässig auf alle Schulen zu verteilen.
Die Balkanroute ist nicht ganz dicht!
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 11398
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Billie Holiday » Sa 29. Apr 2017, 11:03

Sozialdemokrat hat geschrieben:(29 Apr 2017, 12:02)

Darum ist es meiner Ansicht nach erforderlich, die Migranten gleichmässig auf alle Schulen zu verteilen.


Ich denke, so war es auch angedacht, und eben nicht viele in wenige Klassen zu stopfen.
Ob es machbar ist, wäre die nächste Frage.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
Joker
Beiträge: 11838
Registriert: Mo 18. Mai 2009, 18:40

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Joker » Sa 29. Apr 2017, 13:27

Wie soll ein Migrant der erst wenige Monate im Land ist dem regulären Unterricht überhaupt folgen können ?
Benutzeravatar
Sozialdemokrat
Beiträge: 1701
Registriert: Mo 4. Jan 2016, 11:54

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Sozialdemokrat » Sa 29. Apr 2017, 13:40

Joker hat geschrieben:(29 Apr 2017, 14:27)

Wie soll ein Migrant der erst wenige Monate im Land ist dem regulären Unterricht überhaupt folgen können ?

Als ich in die Schule kam konnte ich kein Wort deutsch. Da alle um mich herum deutsch sprachen, hab ich es in Null Komma nix gelernt.
Die Balkanroute ist nicht ganz dicht!
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 11398
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Billie Holiday » Sa 29. Apr 2017, 14:03

Sozialdemokrat hat geschrieben:(29 Apr 2017, 14:40)

Als ich in die Schule kam konnte ich kein Wort deutsch. Da alle um mich herum deutsch sprachen, hab ich es in Null Komma nix gelernt.


Ich habe als Schülerin beides erlebt, neue Klassenkameraden, die schnell reinfanden und mit unserer Hilfe ziemlich fix mitkamen, und andere, die sich schwertaten. Wir hatten nie mehr als zwei fremdsprachige Kinder, meistens eines. Die wurden natürlich sofort integriert.
Mit einer Klasse, in der 6 oder 7 fremdsprachige Kinder sitzen, habe ich keine Erfahrung. Es kommt auch drauf an, wie die Eltern ihre Kinder unterstützen. Meine Tochter hatte einen Russen in ihrer Klasse, der von seiner Mutter geradezu zu guten Noten und perfekten Deutschkenntnissen geprügelt wurde, er tat uns leid.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
Sozialdemokrat
Beiträge: 1701
Registriert: Mo 4. Jan 2016, 11:54

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Sozialdemokrat » Sa 29. Apr 2017, 14:46

Billie Holiday hat geschrieben:(29 Apr 2017, 15:03)

Ich habe als Schülerin beides erlebt, neue Klassenkameraden, die schnell reinfanden und mit unserer Hilfe ziemlich fix mitkamen, und andere, die sich schwertaten. Wir hatten nie mehr als zwei fremdsprachige Kinder, meistens eines. Die wurden natürlich sofort integriert.
Mit einer Klasse, in der 6 oder 7 fremdsprachige Kinder sitzen, habe ich keine Erfahrung. Es kommt auch drauf an, wie die Eltern ihre Kinder unterstützen. Meine Tochter hatte einen Russen in ihrer Klasse, der von seiner Mutter geradezu zu guten Noten und perfekten Deutschkenntnissen geprügelt wurde, er tat uns leid.

Wir haben jeden Morgen in der Schule die deutsche Nationalhymne gesungen oder Volkslieder. Die Gastarbeiterkinder (ca 15%) haben voller Inbrunst mitgesungen. Wir haben es gut gefunden.
Die Balkanroute ist nicht ganz dicht!
Wasteland
Beiträge: 15823
Registriert: So 1. Jun 2008, 22:32
Benutzertitel: Nil admirari

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Wasteland » Sa 29. Apr 2017, 14:53

Sozialdemokrat hat geschrieben:(29 Apr 2017, 15:46)

Wir haben jeden Morgen in der Schule die deutsche Nationalhymne gesungen oder Volkslieder.


Echt? Wo bist du zur Schule gegangen wenn ich fragen darf?
Benutzeravatar
Sozialdemokrat
Beiträge: 1701
Registriert: Mo 4. Jan 2016, 11:54

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Sozialdemokrat » Sa 29. Apr 2017, 15:03

Wasteland hat geschrieben:(29 Apr 2017, 15:53)

Echt? Wo bist du zur Schule gegangen wenn ich fragen darf?

Hamburg. Ende 70er Jahre. Das stand aber nicht im Lehrplan. Es war eine gute Sache, gab uns das Gefühl dazuzugehören.
Die Balkanroute ist nicht ganz dicht!
Wasteland
Beiträge: 15823
Registriert: So 1. Jun 2008, 22:32
Benutzertitel: Nil admirari

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Wasteland » Sa 29. Apr 2017, 15:08

Sozialdemokrat hat geschrieben:(29 Apr 2017, 16:03)

Hamburg. Ende 70er Jahre. Das stand aber nicht im Lehrplan. Es war eine gute Sache, gab uns das Gefühl dazuzugehören.


Na wenns gepasst hat, warum nicht. Wäre bei uns (in West-Berlin) nicht vorstellbar gewesen.
Benutzeravatar
Milady de Winter
Moderator
Beiträge: 12376
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 16:37
Benutzertitel: weiß wie Schnee, rot wie Blut
Wohnort: -access denied-

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Milady de Winter » Sa 29. Apr 2017, 15:16

MOD - es gab ein paar Probleme mit der Integration der letzten Beiträge, daher wurden sie ausgewiesen.
- When he called me evil I just laughed -
Uffhausen
Beiträge: 83
Registriert: Mi 14. Dez 2016, 22:33

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Uffhausen » So 30. Apr 2017, 12:00

Billie Holiday hat geschrieben:(29 Apr 2017, 15:03)

Mit einer Klasse, in der 6 oder 7 fremdsprachige Kinder sitzen, habe ich keine Erfahrung. Es kommt auch drauf an, wie die Eltern ihre Kinder unterstützen. Meine Tochter hatte einen Russen in ihrer Klasse, der von seiner Mutter geradezu zu guten Noten und perfekten Deutschkenntnissen geprügelt wurde, er tat uns leid.

Die Russen bei uns in der Klasse hatten auch immer gute Noten - was mir seinerzeit immer schon höchst seltsam vorkam, schließlich redeten sie nur (schlechtes) deutsch, wenn es unbedingt notwendig war, ansonsten redeten sie ausschließlich russisch mit ihren auschließlich russischstämmigen Schulfreunden. Ebenso war's bei den Polen. Am Unterreicht teilgenommen haben sie nur, wenn sie aufgerufen wurden. Anbei hatte ich immer den Eindruck, die Polen und Russen wollten auf keinen Fall mit uns deutschen Kindern etwas zutun haben - derartiges erlebe ich bis heute. Die russischen und polnischen Nachbarn reden ausschließlich in ihrer Heimatsprache und reden nur deutsch, wenn's nötig ist. Wenn sie Besuch bekommen, dann nur ebensolche Landsleute.

Die Türken-, Italiener-, Jugoslawen-, Griechen-Kinder waren dagegen sehr offen und zugänglich. Konnten relativ schnell fließend deutsch, beteiligten sich am Unterricht und erreichten nur "typisch deutsche" Durchschnittsnoten. Ihre Familien waren bspw. bei Kindergeburtstagen sehr herzlich und fürsorglich und suchten auch Kontakte bis hin zu anhaltenden Freundschaften zu unseren Eltern. Auch hier ein Vergleich zu heute: Die italienstämmigen Nachbarn und die aus dem ehem. Jugoslawien haben einen gemischten Freundeskreis und reden auf offener Straße viel deutsch.

Ist dieser Integrationsunterschied zwischen Ost- und Südeuropa eine Frage des jeweiligen Gemüts, oder gar geschichtlich bedingt? Kann jemand ähnliches berichten oder ist das nur mein Eindruck?
"Man sollte auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." Erich Kästner
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 11398
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 10:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Sammelstrang "Integration - Probleme und Hindernisse"

Beitragvon Billie Holiday » So 30. Apr 2017, 13:05

Uffhausen hat geschrieben:(30 Apr 2017, 13:00)

Die Russen bei uns in der Klasse hatten auch immer gute Noten - was mir seinerzeit immer schon höchst seltsam vorkam, schließlich redeten sie nur (schlechtes) deutsch, wenn es unbedingt notwendig war, ansonsten redeten sie ausschließlich russisch mit ihren auschließlich russischstämmigen Schulfreunden. Ebenso war's bei den Polen. Am Unterreicht teilgenommen haben sie nur, wenn sie aufgerufen wurden. Anbei hatte ich immer den Eindruck, die Polen und Russen wollten auf keinen Fall mit uns deutschen Kindern etwas zutun haben - derartiges erlebe ich bis heute. Die russischen und polnischen Nachbarn reden ausschließlich in ihrer Heimatsprache und reden nur deutsch, wenn's nötig ist. Wenn sie Besuch bekommen, dann nur ebensolche Landsleute.

Die Türken-, Italiener-, Jugoslawen-, Griechen-Kinder waren dagegen sehr offen und zugänglich. Konnten relativ schnell fließend deutsch, beteiligten sich am Unterricht und erreichten nur "typisch deutsche" Durchschnittsnoten. Ihre Familien waren bspw. bei Kindergeburtstagen sehr herzlich und fürsorglich und suchten auch Kontakte bis hin zu anhaltenden Freundschaften zu unseren Eltern. Auch hier ein Vergleich zu heute: Die italienstämmigen Nachbarn und die aus dem ehem. Jugoslawien haben einen gemischten Freundeskreis und reden auf offener Straße viel deutsch.

Ist dieser Integrationsunterschied zwischen Ost- und Südeuropa eine Frage des jeweiligen Gemüts, oder gar geschichtlich bedingt? Kann jemand ähnliches berichten oder ist das nur mein Eindruck?


Nun, ich habs genau anders herum erlebt. Kenne keinen Osteuropäer, der nicht gut Deutsch spricht und versteht.
Habe sie als kontaktfreudig und offen erlebt. Andere bleiben lieber unter sich.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski

Zurück zu „80. Integration“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast