Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

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palulu
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Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon palulu » Di 16. Feb 2016, 19:47

Diese Frage stelle ich mir in den letzten Tagen immer häufiger. Sind die DeutschtürkInnen in Deutschland - und ihre Nachbarkommunitäten wie AustrotürkInnen u.a. - eigentlich eine klassische EinwandererInnengruppe oder haben sie eine Eigenständigkeit und Eigentümlichkeit entwickelt und erlangt, die es ihnen gestattet, sich als separate Einheit innerhalb einer kultur-, sprach- und konfessionsfremden, dominanten Umgebung zu definieren?

Nun kann als Einwand formuliert werden, dass sie ins Land bereits als Angehörige eines fremden Volkes einwanderten - dies ist aber nur die Hälfte der Wahrheit. In der Realität ähneln sich DeutschtürkInnen immer häufiger untereinander als der Gruppe der Deutschen oder TürkInnen. Sie verlieren zunehmend ihren transnationalen Charakter als Community.

Deshalb bin ich zum Schluss gekommen, dass wir in der Bundesrepublik Deutschland zukünftig nicht mehr nur an integrationspolitischen Debatten partizipieren sollten, deren Ziel es ist, uns nahtlos "einzudeutschen"; stattdessen müssen wir unmissverständlich unserer Umgebung kommunizieren: Wir sind anders und wir bleiben das auch noch in 500 Jahren.

D.h. nicht, dass uns der gesellschaftliche Frieden, der ökonomische Wohlstand, die geordneten staatlichen Verhältnisse in Deutschland egal wären; dies bedeutet vielmehr, einen selbstbestimmten Weg in die Mitte der Gesellschaft zu erkiesen, der unseren Bedürfnissen und Eigenheiten gerecht wird, ohne dabei ständig Rücksicht von anderen einzufordern.

Es kann nicht von der Hand gewiesen werden: soziokulturelle, linguistische, religiöse und ethnische Merkmale sowie das politische Bekenntnis, einer deutschtürkischen Gruppe/Nation anzugehören, sind vorhanden.

Was unterscheidet heute also einen 18-jährigen Deutschsorben oder Deutschdänen von einem 18-jährigen Deutschtürken in Deutschland?

Die Antwort ist einfach: nichts.

Wir sind keine MigrantInnen mehr in diesem Land, aber auch keine Deutschen. Die Anerkennung der DeutschtürkInnen als eine autonome Minderheit in Deutschland bedeutet die gesamtgesellschaftliche Anerkennung ihrer spezifischen Lebenswirklichkeiten und stellt einen Versuch dar, ihre Probleme für alle Menschen in diesem Land auf bestmögliche Weise zu lösen. Nur so kann gewährleistet werden, dass jedes individuelle Mitglied unserer Gruppe eigenständig entscheidet, zu wem es sich zugehörig fühlt.

Gerade in Zeiten massenhafter Einwanderung könnten mit der Umsetzung dieses Vorschlags wertvolle Ressourcen freigegeben werden, um die einwandernden SyrerInnen nachhaltiger zu integrieren.

Wie seht ihr das?
Zuletzt geändert von palulu am Mi 17. Feb 2016, 20:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon Liegestuhl » Di 16. Feb 2016, 20:11

palulu hat geschrieben:Deshalb bin ich zum Schluss gekommen, dass wir in der Bundesrepublik Deutschland zukünftig nicht mehr nur an integrationspolitischen Debatten partizipieren sollten, deren Ziel es ist, uns nahtlos "einzudeutschen";...


Gibt es solche Debatten? Die Frage ist durchaus ernst gemeint.

Woran machst du fest, dass ihr in diesen Debatten nahtlos eingedeutscht werden sollt?
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon JFK » Di 16. Feb 2016, 20:17

Liegestuhl hat geschrieben:(16 Feb 2016, 20:11)

Gibt es solche Debatten? Die Frage ist durchaus ernst gemeint.

Woran machst du fest, dass ihr in diesen Debatten nahtlos eingedeutscht werden sollt?


Teile der Gesellschaft hoffen ja immernoch, das die Gastarbeiter mal bald wieder in ihr Land zurückgehen :D

Aber so eine Debatte ist mir auch nicht bekannt, und nahtlos kann es erst werden, wenn der Türke sein Namen ablegt, oder der letzte begreift das Murat und Mehmet auch in Deutschland gängige Namen sind, und südücübügübü eigentlich gar nicht so schwer auszusprechen ist, wenn man sein inneren schweinehund besiegt hat.
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon Päule0815 » Di 16. Feb 2016, 20:33

Was soll die Anerkennung als autonome Minderheit bringen? Wie soll sie aussehen?

Als politische Minderheit mit geringeren Hürden?
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Milady de Winter
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon Milady de Winter » Di 16. Feb 2016, 20:42

Deutschtürken vergleiche ich immer ein wenig mit Italo-Amerikanern. Das ist auch so eine besondere Spezies, bei der viele sich weder als das eine noch als das andere sehen, gerne mehr Italo wären, defacto aber mehr Amerikaner sind. Bei den Deutschtürken, die ich kenne, sehe ich noch mehr türkische Identität, weil noch nicht so viele Generationen vor ihnen in Deutschland lebten. Das ist beim klassischen Italo-Amerikaner anders. Da ist es mehr die "mystische Historie", mit der viele kokettieren. Die meisten sprechen jedoch nicht mal ein Wort Italienisch.

Ich seh das nicht so dramatisch. Das Wort "Deutschtürke" sagt es ja irgendwie schon: man ist im Idealfall beides irgendwie, im schlechtesten Fall nichts von beidem so wirklich.
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H2O
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon H2O » Di 16. Feb 2016, 22:34

Ich könnte mir vorstellen, daß innerhalb der angesprochenen
Gruppe die Unterschiede der Gebildeten zu gebildeten Deutschen
weitaus geringer sind als innerhalb der "Klassen" dieser Gruppe.
Damit dürfte auf dieser Ebene auch die gegenseitige Wertschätzung
zwischen den Gruppen höher sein als zu weniger erfolgreichen
Gruppenmitgliedern der eigenen Herkunft.

Bildungsferne Mitglieder der einen Gruppe werden allerdings kaum
Verständigungswege zu bildungsfernen Mitgliedern der anderen
Gruppe entwickeln. Da wird es länger dauern, bis die Unterschiede
vernachlässigbar sind.

Palulu bewertet das Gemeinsame innerhalb seiner Gruppe höher als
das Gemeinsame unter gebildeten Mitgliedern aller bestehenden
Gruppen. In wenigen weiteren Generationen mit "binationalen" Eltern-
paaren hat sich dieses Thema vermutlich genau so erledigt wie das
Thema der polnischen Einwanderung in den höher industrialisierten
Westen des Deutschen Reichs. Deutsche ohne Wenn und Aber.
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon jellobiafra » Mi 17. Feb 2016, 01:31

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen einem Deutschtürken und einem Deutschkurden?
Demolit

Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon Demolit » Mi 17. Feb 2016, 07:48

palulu hat geschrieben:(16 Feb 2016, 19:47)

Diese Frage stelle ich mir in den letzten Tagen immer häufiger. Sind die DeutschtürkInnen in Deutschland - und ihre Nachbarkommunitäten wie AustrotürkInnen u.a. - eigentlich eine klassische EinwandererInnengruppe oder haben sie eine Eigenständigkeit und Eigentümlichkeit entwickelt und erlangt, die es ihnen gestattet, sich als separate Einheit innerhalb einer kultur-, sprach- und konfessionsfremden, dominanten Umgebung zu definieren?

Nun kann als Einwand formuliert werden, dass sie ins Land bereits als Angehörige eines fremden Volkes einwanderten - dies ist aber nur die Hälfte der Wahrheit. In der Realität ähneln sich DeutschtürkInnen immer häufiger untereinander als der Gruppe der Deutschen oder TürkInnen. Sie verlieren zunehmend ihren transnationalen Charakter als Community.

Deshalb bin ich zum Schluss gekommen, dass wir in der Bundesrepublik Deutschland zukünftig nicht mehr nur an integrationspolitischen Debatten partizipieren sollten, deren Ziel es ist, uns nahtlos "einzudeutschen"; stattdessen müssen wir unmissverständlich unserer Umgebung kommunizieren: Wir sind anders und wir bleiben das auch noch in 500 Jahren.

D.h. nicht, dass uns der gesellschaftliche Frieden, der ökonomische Wohlstand, die geordneten staatlichen Verhältnisse in Deutschland egal wären; dies bedeutet vielmehr, einen selbstbestimmten Weg in die Mitte der Gesellschaft zu erkiesen, der unseren Bedürfnissen und Eigenheiten gerecht wird, ohne dabei ständig Rücksicht von anderen einzufordern.

Es kann nicht von der Hand gewiesen werden: soziokulturelle, linguistische, religiöse und ethnische Merkmale sowie das politische Bekenntnis, einer deutschtürkischen Gruppe/Nation anzugehören, sind vorhanden.

Was unterscheidet heute also einen 18-jährigen Deutschsorben oder Deutschdänen von einem 18-jährigen Deutschtürken in Deutschland?

Die Antwort ist einfach: nichts.

Wir sind keine MigrantInnen mehr in diesem Land, aber auch keine Deutschen. Die Anerkennung der DeutschtürkInnen als eine autonome Minderheit in Deutschland bedeutet die gesamtgesellschaftliche Anerkennung ihrer spezifischen Lebenswirklichkeiten und stellt ein Versuch dar, ihre Probleme für alle Menschen in diesem Land auf bestmögliche Weise zu lösen. Nur so kann gewährleistet werden, dass jedes individuelle Mitglied unserer Gruppe eigenständig entscheidet, zu wem es sich zugehörig fühlt.

Gerade in Zeiten massenhafter Einwanderung könnten mit der Umsetzung dieses Vorschlags wertvolle Ressourcen freigegeben werden, um die einwandernden SyrerInnen nachhaltiger zu integrieren.

Wie seht ihr das?


kurze Frage ..und was bringt diese ständige Tendenz zur Segration..außer , dass es dem eigenem Bebauchbepinseln dient und etwas als anerkennenswert ansieht, was nachweislich schon einer kulturellen Vergangenheit angehört.

Die persönlichen Fähigkeiten kann jeder ohne den Ballast eines Rucksacks mit Rückständigkeiten hier einbringen.

Wer so eine Frage stellt, wie der Posteröffner, will eigentlich die Frage nicht redlich beantwortet haben. er will Polemisieren zwecks Positionsverschiebungen...und das in eine Position hin, die Erdogan gefällt...dem dt. Michel aber nicht...

lach und echt ;)
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon relativ » Mi 17. Feb 2016, 08:01

palulu hat geschrieben:(16 Feb 2016, 19:47)

Diese Frage stelle ich mir in den letzten Tagen immer häufiger. Sind die DeutschtürkInnen in Deutschland - und ihre Nachbarkommunitäten wie AustrotürkInnen u.a. - eigentlich eine klassische EinwandererInnengruppe oder haben sie eine Eigenständigkeit und Eigentümlichkeit entwickelt und erlangt, die es ihnen gestattet, sich als separate Einheit innerhalb einer kultur-, sprach- und konfessionsfremden, dominanten Umgebung zu definieren?

Nun kann als Einwand formuliert werden, dass sie ins Land bereits als Angehörige eines fremden Volkes einwanderten - dies ist aber nur die Hälfte der Wahrheit. In der Realität ähneln sich DeutschtürkInnen immer häufiger untereinander als der Gruppe der Deutschen oder TürkInnen. Sie verlieren zunehmend ihren transnationalen Charakter als Community.

Deshalb bin ich zum Schluss gekommen, dass wir in der Bundesrepublik Deutschland zukünftig nicht mehr nur an integrationspolitischen Debatten partizipieren sollten, deren Ziel es ist, uns nahtlos "einzudeutschen"; stattdessen müssen wir unmissverständlich unserer Umgebung kommunizieren: Wir sind anders und wir bleiben das auch noch in 500 Jahren.

D.h. nicht, dass uns der gesellschaftliche Frieden, der ökonomische Wohlstand, die geordneten staatlichen Verhältnisse in Deutschland egal wären; dies bedeutet vielmehr, einen selbstbestimmten Weg in die Mitte der Gesellschaft zu erkiesen, der unseren Bedürfnissen und Eigenheiten gerecht wird, ohne dabei ständig Rücksicht von anderen einzufordern.

Es kann nicht von der Hand gewiesen werden: soziokulturelle, linguistische, religiöse und ethnische Merkmale sowie das politische Bekenntnis, einer deutschtürkischen Gruppe/Nation anzugehören, sind vorhanden.

Was unterscheidet heute also einen 18-jährigen Deutschsorben oder Deutschdänen von einem 18-jährigen Deutschtürken in Deutschland?

Die Antwort ist einfach: nichts.

Wir sind keine MigrantInnen mehr in diesem Land, aber auch keine Deutschen. Die Anerkennung der DeutschtürkInnen als eine autonome Minderheit in Deutschland bedeutet die gesamtgesellschaftliche Anerkennung ihrer spezifischen Lebenswirklichkeiten und stellt ein Versuch dar, ihre Probleme für alle Menschen in diesem Land auf bestmögliche Weise zu lösen. Nur so kann gewährleistet werden, dass jedes individuelle Mitglied unserer Gruppe eigenständig entscheidet, zu wem es sich zugehörig fühlt.

Gerade in Zeiten massenhafter Einwanderung könnten mit der Umsetzung dieses Vorschlags wertvolle Ressourcen freigegeben werden, um die einwandernden SyrerInnen nachhaltiger zu integrieren.

Wie seht ihr das?


Das viele hier geborenen "Deutsche" bzw. Deutschtürken (wenn sie noch keinen deutschen Pass haben) mit Migrationshintergrund bei einen, oder beiden Elternteilen, sich nicht als Deutsch fühlen bzw. mit diesem Land verbunden , ist die größste Niederlage unserer Integrationspolitik und willigkeit und schafft gesellschaftliche Probleme.
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon Provokateur » Mi 17. Feb 2016, 08:05

Was bringt denn Segregation? Welchen Vorteil?

Es muss viel deutlicher integriert werden. Segregation ist diskriminierend. Und zu was sie im Extremfall führen kann, konnten wir in den Neunzigern auf dem Balkan beobachten. Da haben ehemalige Nachbarn einander umgebracht, und die Angehörigkeit zu einer anderen Subgruppe war der Grund dafür.

Der richtige Weg ist: Wir nehmen uns das Gute aus anderen Kulturen und verdammen das Schlechte. Und wir sind ein Volk, eine offene Gesellschaft. Jeder, der kommt und ernsthaft Teil von uns werden möchte, wird freundlich aufgenommen. Aber er muss sich anpassen, sich einfügen. Dafür müssen wir Deutschen uns auch verändern, die "Geste des offenen Armes" fällt uns sehr schwer.

Wir müssen unsere Werte und Normen ständig überprüfen. Und echte Liberalität leben.

Natürlich möchte ich nicht, dass wir Muslime um der Integration willen mit Schweinswürstchen zwangsernähren. Es ist mir auch egal, ob jemand in seiner Freizeit Kopftuch, Mütze oder Kürbis trägt. Aber es gibt einfach klare Grenzen - Gewaltfreiheit in der Erziehung, Erlernen der deutschen Sprache, echte Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau (um nur einige zu nennen) - die für alle gelten. Gelten müssen.

Wir müssen bereit sein, in Fällen, wo diese Grenzen nicht eingehalten werden, mit aller Härte des Gesetzes einzugreifen.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon relativ » Mi 17. Feb 2016, 08:06

jellobiafra hat geschrieben:(17 Feb 2016, 01:31)

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen einem Deutschtürken und einem Deutschkurden?

Im Normalfall, Bestenfalls gibt es keinen, bzw. du erkennst keinen.
Ich erkenne es nur, wenn man es mir sagt, bzw. ich Frage, oder wenn es mal zwischen den beiden Volksgruppen knallt.
Ich denke Türken und Kurden selber haben weniger Probleme sich zu unterscheiden
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon relativ » Mi 17. Feb 2016, 08:12

Provokateur hat geschrieben:(17 Feb 2016, 08:05)

Was bringt denn Segregation? Welchen Vorteil?

Es muss viel deutlicher integriert werden. Segregation ist diskriminierend. Und zu was sie im Extremfall führen kann, konnten wir in den Neunzigern auf dem Balkan beobachten. Da haben ehemalige Nachbarn einander umgebracht, und die Angehörigkeit zu einer anderen Subgruppe war der Grund dafür.

Der richtige Weg ist: Wir nehmen uns das Gute aus anderen Kulturen und verdammen das Schlechte. Und wir sind ein Volk, eine offene Gesellschaft. Jeder, der kommt und ernsthaft Teil von uns werden möchte, wird freundlich aufgenommen. Aber er muss sich anpassen, sich einfügen. Dafür müssen wir Deutschen uns auch verändern, die "Geste des offenen Armes" fällt uns sehr schwer.

Wir müssen unsere Werte und Normen ständig überprüfen. Und echte Liberalität leben.

Natürlich möchte ich nicht, dass wir Muslime um der Integration willen mit Schweinswürstchen zwangsernähren. Es ist mir auch egal, ob jemand in seiner Freizeit Kopftuch, Mütze oder Kürbis trägt. Aber es gibt einfach klare Grenzen - Gewaltfreiheit in der Erziehung, Erlernen der deutschen Sprache, echte Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau (um nur einige zu nennen) - die für alle gelten. Gelten müssen.

Wir müssen bereit sein, in Fällen, wo diese Grenzen nicht eingehalten werden, mit aller Härte des Gesetzes einzugreifen.

Stimme dir da voll zu, Volksgruppen einfach so nebeneineander her leben zu lassen geht meist schief. Es muessen Gemeinsamkeiten entwicklet werden bzw. gemeinsame Ziele für sich und das Land bzw. der Gesellschaft.
Jeder ist zwar verschieden, aber alle (oder besser die Mehrheit, weil alle werden es ja nie) ordnen sich den selben Ziel unter, zudem sich die Mehrheitsgesellschaft entschlossen hat. Das GG ist sowas und wenn man Diskussionen verfolgt, wird dieser kleinste, aber wichtigste gemeinsame Nenner, immer wieder bemüht.
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon Provokateur » Mi 17. Feb 2016, 08:23

Ruanda ist auch ein Beispiel für "erzwungene" Segregation.
Tutsi und Hutu waren nämlich lange Zeit keine getrennten Volksgruppen, sondern ein Volk aus nomadischen und sesshaften Teilgruppen.

Erst die Deutschen, Briten und Belgier als Kolonialmacht unterteilen dieses Volk in zwei Gruppen. Ein Völkermord war die Folge.
Nein, man muss die Erze nehmen, die man hat, und eine Legierung gießen. Das sorgt für dauerhaften Frieden.
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon palulu » Mi 17. Feb 2016, 20:47

Ruanda, Jugoslawien....das ist polemisch.
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon palulu » Mi 17. Feb 2016, 20:49

Liegestuhl hat geschrieben:(16 Feb 2016, 20:11)

Gibt es solche Debatten? Die Frage ist durchaus ernst gemeint.

Woran machst du fest, dass ihr in diesen Debatten nahtlos eingedeutscht werden sollt?


Welcher Deutsche akzeptiert die gesamtkulturellen Differenzen zwischen einem Deutschen und einem Deutschtürken?
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon Teeernte » Mi 17. Feb 2016, 20:54

palulu hat geschrieben:(17 Feb 2016, 20:49)

Welcher Deutsche akzeptiert die gesamtkulturellen Differenzen zwischen einem Deutschen und einem Deutschtürken?


Liegt der mir auf der Tasche oder nicht.... das ist die Frage...
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon Päule0815 » Mi 17. Feb 2016, 20:55

palulu hat geschrieben:(17 Feb 2016, 20:49)

Welcher Deutsche akzeptiert die gesamtkulturellen Differenzen zwischen einem Deutschen und einem Deutschtürken?



Welcher Deutschtürke tut das?

Die Bezeichung Deutschtürke allein offenbart eine hausgemachte Zerrissenheit.
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon H2O » Mi 17. Feb 2016, 23:21

Aus meiner Sicht ist dieses Gefühl der Besonderheit
eine reine Bildungsfrage, und zwar auf beiden Wegen
in unsere deutsche Gesellschaft.

Das hat der Teilnehmer Provokateur eigentlich umfas-
send beschrieben.

Je bildungsferner, desto weniger sind Menschen im Stande,
den jeweils anderen als Mitmenschen und gleichwertig an
zu erkennen und sich auf dessen Vorstellungen gedanklich
ein zu lassen.
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon watisdatdenn? » Do 18. Feb 2016, 04:40

palulu hat geschrieben:(17 Feb 2016, 20:47)

Ruanda, Jugoslawien....das ist polemisch.

multikulturelle/multiethnische gesellschaften sind instabiler nach innen. das wird wohl kaum jemand bezweifeln und gerade türkischstämmige sollten das mit der erfahrung ihrer ahnen aus dem osmanischen reich und aktuell der erfahrung der türkei mit den kurden wissen.

der preis einer verschmolzenen einheitlichen ethnie (türkischstämmige = deutsche) ist aber die verwischung der kulturen.. es gibt weniger klare kante was überhaupt deutsch ist (heute nur noch: deutsche sprache und deutscher pass) und dadurch weniger identifizierung. dem kann man als nation nur entgegentreten, indem man keine anderen hereinlässt (siehe japan), was wir in deutschland aber nicht machen. Also müssen wir den preis einer unklar definierten nationalen kultur akzeptieren, wenn wir keine inneren ethnischen spannungen wollen.

bayern geht etwas anders vor. hier werden migraten möglichst assimiliert und nicht nur integriert, d.h. wenn möglich verlieren sie ihre alte kultur, und gewinnen dafür die bayrische. funktioniert natürlich auch nicht perfekt, aber die bayrische kultur ist aktuell noch etwas definierter als die deutsche.
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Re: Deutschtürken - Minderheit oder Migrantengruppe?

Beitragvon Provokateur » Do 18. Feb 2016, 04:59

palulu hat geschrieben:(17 Feb 2016, 20:47)

Ruanda, Jugoslawien....das ist polemisch.


Bisschen wenig als Antwort. Ich hätte zumindest Gegenbeispiele erwartet, in denen Segregation und Einteilung in unterschiedliche Subgruppen keinen negativen Effekt gehabt hätte.
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