14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Platon » Sa 11. Jun 2016, 22:27

Julian hat geschrieben:(05 Jun 2016, 12:05)

Ich finde es falsch, katastrophal falsch, dass man das deutsche Recht ausländischem Recht unterordnet.

Soweit ich das überblicke, gilt in Deutschland die Ehemündigkeit ab 16 Jahren, wobei der Partner dann mindestens 18 Jahre sein muss. Wenn das geändert werden soll, etwa die Absenkung auf 15 Jahre, kann man gerne darüber diskutieren - das muss dann aber gesellschaftlich breit geschehen, unter Abwägung aller Vor- und Nachteile, und es muss auf dem üblichen Wegen beschlossen werden. Ich sehe im Moment für ein solches Vorhaben aber weder eine Notwendigkeit noch eine Mehrheit.

Dass sich ein deutsches Gericht herausnimmt, ein Sonderrecht für Muslime zu etablieren, finde ich besorgniserregend. So erhält die Scharia über die Hintertüre Einzug.

Es handelt sich um kein Sonderrecht für Muslime sondern um eine seit Jahrzehnten etablierte Rechtspraxis, die sich Internationales Privatrecht nennt. Wenn es aus praktischen Gründen sinnvoll ist, kann ausländisches Recht angewendet werden, sofern dieses nicht deutschen Rechtsgrundsätzen fundamental verstößt, der so genannte ordre public. In diesem Sinne kann und soll das deutsche Recht eine Ehe die nach ausländischem Recht geschlossen wurde anerkennen. Im Falle von Flüchtlingen wird dann entsprechend syrisches, irakisches, afghanisches oder iranisches Recht angewendet bzw. deren Ergebnis anerkannt. Die Frage ist nun ob ein Heiratsalter von z.B. 15 Jahren deutschen Rechtsgrundsätzen derart fundamental verstößt, dass keine Anerkennung einer Ehe möglich ist. Das ist offensichtlich bisher nicht endgültig geregelt und man muss abwarten ob ein Urteil in Karlsruhe diesbezüglich Klarheit bringt. Die CSUler würden es gerne selber regeln und Gesetzesänderungen voranbringen, welche eine solche Anerkennung unmöglich machen.

H2O hat geschrieben:(11 Jun 2016, 22:10)

Es geht nicht allein um gültige Ehen, sondern um den Sexualverkehr mit Kindern. Dafür gibt es hier zu Lande sehr klare Regeln, die harte Strafen vorsehen. Die Regeln sind (hoffentlich) mit großem Ernst und Sachverstand entwickelt worden. Wir sollten sie nicht aufgeben, nur weil Menschen aus anderen Gegenden dieser Welt hier ihre Regeln einschleppen. und sie unserer Gesellschaft damit aufnötigen wollen.

Also Ehen mit 10jährigen wo der Ehemann angibt die Ehe vollzogen zu haben, werden sicherlich nicht anerkannt, vielmehr der Ehemann wegen Kindesmissbrauchs angeklagt. Da gibt es dann auch nichts zu diskutieren, weil da ist die Rechtslage in Deutschland glasklar, wie du schon schreibst. (ist natürlich die Frage ob ein deutsches Gericht zuständig wäre, wenn der Vollzug der Ehe durch einen Ausländer im Ausland erfolgt ist :?: )

Am Ende ist denke ich eine Einzelfallprüfung notwendig um festzustellen, welche Folgen eine Anerkennung bzw. Nicht-Anerkennung einer Ehe überhaupt hätte. Es dürfte in den meisten Fällen ja tatsächlich um das Sorgerecht gehen, offenbar liegt es bei Nicht-Anerkennung beim Jugendamt oder ebenfalls eingereisten Verwandten und bei einer Anerkennung gilt die Frau offenbar so mehr oder weniger als emanzipiert. Dazu spielt das Thema Familiennachzug eine Rolle, weil je mehr Ehen man anerkennt umso mehr Verwandtschaft kann man nachholen lassen. Darum gibt es auch aus politischer Sicht eine Motivation die Anzahl der anerkannten Ehen wo es geht zu begrenzen, um so auch den Familiennachzug zu begrenzen. Das ist neben dem Scharia-Geschrei meines Erachtens die Hauptmotivation der CSUler sich in diesem Fall den Schutz der Kinder so auf die Fahnen zu schreiben.
Zuletzt geändert von Platon am Sa 11. Jun 2016, 22:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Platon » Sa 11. Jun 2016, 22:39

H2O hat geschrieben:(11 Jun 2016, 22:04)

Sofort trennen

So weit kommt es noch, dass der Staat den Leuten vorschreibt mit wem man zusammen sein darf oder nicht.
Es kann nur darum gehen, dass eine Ehe anerkannt wird oder nicht, aber weder ist der Geschlechtsverkehr eines 17jährigen mit einer 14jährigen illegal, sofern z.B. keine Zwangslage ausgenutzt wird, und erst recht nicht gemeinsam Zeit zu verbringen. Das das Zusammensein und ein möglicher Sex zwischen beiden dann vor deutschem Recht unehelich ist, hat keinerlei Einfluss auf dessen Bewertung.
http://www.praxis-jugendarbeit.de/jugen ... recht.html
und Schulbesuch sowie berufliche Bildungsgänge verordnen.

Das Problem liegt da eigentlich im Normalfall weniger bei den Flüchtlingen, als vielmehr beim Thema Arbeitserlaubnis, was das zweite betrifft.
Ansonsten könnten wir unsere Rechtsordnung und Gesellschaftsordnung in der Pfeife rauchen.

Es würde unseren Rechtsgrundsätzen verstoßen, wenn man Leuten vorschreibt mit wem sie sich treffen dürfen und mit wem nicht.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Platon » Sa 11. Jun 2016, 23:02

H2O hat geschrieben:(11 Jun 2016, 22:58)

Wie weit das Prinzip "freiwillig" in der Herkunftsgesellschaft galt, das können Sie überhaupt nicht beurteilen.[...]

Aus diesem Grunde ist meines Erachtens die Einzelfallbetrachtung sinnvoll und da muss natürlich die Bereitschaft beider Parteien die Ehe auch wirklich fortzuführen hinreichend geprüft sein, damit eine Ehe womöglich anerkannt werden kann. Eine solche Bereitschaft würde ja zwangsläufig zunächst vom Jugendamt und später vom Gericht in Erfahrung gebracht, je nachdem auf welche Weise eine Anerkennung der Ehe von den Betroffenen angestrebt wird. Dazu hat die Nicht-Anerkennung der Ehe durch den deutschen Staat für das direkte soziale Umfeld und für das Herkunftsland auch überhaupt keine Bedeutung. Die Ehe wäre dann ähnlich wie religiöse Eheschließungen für den Gesetzgeber einfach nicht existent, würde aber womöglich das Zusammenleben in der eigenen sozialen Gruppe legitimieren und bei einer Rückkehr z.B. nach Syrien wäre die Ehe natürlich noch gültig. (was interessant werden kann, wenn man später nach deutschen Recht jemand anderen heiratet ohne vorher die nicht anerkannte Ehe ordnungsgemäß nach z.B. syrischem oder iranischen Recht zu scheiden!)

Es würde am Ende wohl tatsächlich erstmal nur ums Sorgerecht gehen und inwiefern das Jugendamt irgendwas vorschreiben will oder kann. Weil in dem Moment wo das Jugendamt sich mit der wohl zumeist jüngeren Ehefrau sich einig ist, hat sich das Thema Anerkennung der Ehe meines Erachtens von der praktischen Seite her bereits erledigt.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Bielefeld09 » Sa 11. Jun 2016, 23:31

Es ist eben nicht so, das in Deutschland vor der Justiz die Ehe einer 14 jährigen mit einem 50 Jährigen geduldet,
geschweige mit Sondergesetzen genehmigt wird.
Sowas geht hier eben nicht.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Platon » Sa 11. Jun 2016, 23:45

Bielefeld09 hat geschrieben:(12 Jun 2016, 00:31)

Es ist eben nicht so, das in Deutschland vor der Justiz die Ehe einer 14 jährigen mit einem 50 Jährigen geduldet,

Es ist auch nicht Sache der Justiz hier irgendwas zu dulden, sondern die Frage ist wird die Ehe anerkannt oder nicht.
Je nachdem kann das Jugendamt dann bestimmte Schritte einleiten.
geschweige mit Sondergesetzen genehmigt wird.

Das Internationale Privatrecht ist ein Rechtsbereich wie jeder andere und daran ist nichts Besonderes.
Sowas geht hier eben nicht.

Also bei den Fällen von denen in den Medien zu lesen ist geht es ja um 14 mit 17, 15 mit 21 bei offensichtlicher Bereitschaft die Ehe fortzuführen, und da ist die Sachlage eben nicht ganz so klar, wie bei einer 14jährigen mit einem 50jährigen wo man im Grunde von vorne herein von einer Zwangsehe ausgehen darf die von einem Vormund geschlossen wurde.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Bielefeld09 » So 12. Jun 2016, 00:00

Platon hat geschrieben:(12 Jun 2016, 00:45)

Es ist auch nicht Sache der Justiz hier irgendwas zu dulden, sondern die Frage ist wird die Ehe anerkannt oder nicht.
Je nachdem kann das Jugendamt dann bestimmte Schritte einleiten.

Das Internationale Privatrecht ist ein Rechtsbereich wie jeder andere und daran ist nichts Besonderes.

Also bei den Fällen von denen in den Medien zu lesen ist geht es ja um 14 mit 17, 15 mit 21 bei offensichtlicher Bereitschaft die Ehe fortzuführen, und da ist die Sachlage eben nicht ganz so klar, wie bei einer 14jährigen mit einem 50jährigen wo man im Grunde von vorne herein von einer Zwangsehe ausgehen darf die von einem Vormund geschlossen wurde.

So stimmt das allerdings nicht.
Das Jugendamt in Deutschland hätte bei einer Ehe zwischen einer 14 jährigen und einem 50 jährigen sofort
die Trennung herbeiführen müssen.
Sonst wäre das Unterlassung im Amt.
Und hier geht es um Strafrecht.
Auch das ist eindeutig geregelt.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon H2O » So 12. Jun 2016, 07:17

Platon hat geschrieben:(11 Jun 2016, 23:39)

So weit kommt es noch, dass der Staat den Leuten vorschreibt mit wem man zusammen sein darf oder nicht.
Es kann nur darum gehen, dass eine Ehe anerkannt wird oder nicht, aber weder ist der Geschlechtsverkehr eines 17jährigen mit einer 14jährigen illegal, sofern z.B. keine Zwangslage ausgenutzt wird, und erst recht nicht gemeinsam Zeit zu verbringen. Das das Zusammensein und ein möglicher Sex zwischen beiden dann vor deutschem Recht unehelich ist, hat keinerlei Einfluss auf dessen Bewertung.
http://www.praxis-jugendarbeit.de/jugen ... recht.html

Das Problem liegt da eigentlich im Normalfall weniger bei den Flüchtlingen, als vielmehr beim Thema Arbeitserlaubnis, was das zweite betrifft.

Es würde unseren Rechtsgrundsätzen verstoßen, wenn man Leuten vorschreibt mit wem sie sich treffen dürfen und mit wem nicht.


Man kann recht gut erkennen, daß hier ein gesellschaftspolitischer Gegensatz besteht; ich meine, daß das geschützte eheähnliche Zusammenleben unreifer Jugendlicher unter deutscher Obhut ein Ding der gesellschaftspolitischen Unmöglichkeit ist. Zweierlei Recht im Lande in derart grundsätzlichen Fragen halte ich für unerträglich. Der Gesetzgeber muß hier Klarheit schaffen.

Unser Land hat sich die Anwesenheit dieser Menschen hier nicht gewünscht oder sie eingeladen, hier ihre Gewohnheiten fort zu setzen. Aber ihr importiertes Gewohnheitsrecht soll hier fortgeschrieben werden? Und offenbar geht es hier um hunderte von vergleichbaren Fällen, nicht etwa um einen Einzelfall. Da sind Willkür oder Duldung fehl am Platze.

Die Sache ist so ähnlich wie mit der Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen mit der Ehe zwischen Mann und Frau. Auch da mußte der Gesetzgeber Klarheit schaffen. Eine gesellschaftspolitische Angelegenheit wurde mit Gesetz geklärt.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon H2O » So 12. Jun 2016, 13:38

Platon hat geschrieben:(12 Jun 2016, 00:02)

Aus diesem Grunde ist meines Erachtens die Einzelfallbetrachtung sinnvoll und da muss natürlich die Bereitschaft beider Parteien die Ehe auch wirklich fortzuführen hinreichend geprüft sein, damit eine Ehe womöglich anerkannt werden kann. Eine solche Bereitschaft würde ja zwangsläufig zunächst vom Jugendamt und später vom Gericht in Erfahrung gebracht, je nachdem auf welche Weise eine Anerkennung der Ehe von den Betroffenen angestrebt wird. Dazu hat die Nicht-Anerkennung der Ehe durch den deutschen Staat für das direkte soziale Umfeld und für das Herkunftsland auch überhaupt keine Bedeutung. Die Ehe wäre dann ähnlich wie religiöse Eheschließungen für den Gesetzgeber einfach nicht existent, würde aber womöglich das Zusammenleben in der eigenen sozialen Gruppe legitimieren und bei einer Rückkehr z.B. nach Syrien wäre die Ehe natürlich noch gültig. (was interessant werden kann, wenn man später nach deutschen Recht jemand anderen heiratet ohne vorher die nicht anerkannte Ehe ordnungsgemäß nach z.B. syrischem oder iranischen Recht zu scheiden!)

Es würde am Ende wohl tatsächlich erstmal nur ums Sorgerecht gehen und inwiefern das Jugendamt irgendwas vorschreiben will oder kann. Weil in dem Moment wo das Jugendamt sich mit der wohl zumeist jüngeren Ehefrau sich einig ist, hat sich das Thema Anerkennung der Ehe meines Erachtens von der praktischen Seite her bereits erledigt.


Klar, in den Herkunftsländern gelten andere Regeln für Eheschließungen und auch Ehescheidungen als hier. Dort haben unsere Gerichte auch nichts zu entscheiden, sondern die Rechtsordnung dort.

Völlig richtig, auch mir geht es um das Sorgerecht für Kinder; welche Anstrengungen werden hier zu Lande gemacht, um die Schulpflicht durch zu setzen, oder auch Ausbildungsverhältnisse zu vermitteln! Und jetzt kommen weitgehend hilflose Menschen und wollen für ihre Belange zwar unsere Hilfe, aber bitte zu ihren Bedingungen? Sind also Kind nach unseren Gesetzen und entscheiden als Erwachsene? Nein, da müssen unsere Jugendämter dafür sorgen, daß diese Kinder zu selbständigen Menschen heran wachsen können. Das ist im Abhängigkeitsverhältnis einer Kinderehe ausgeschlossen. Obhut, Schulbildung, Berufsausbildung und dann Arbeit zum Lebensunterhalt...danach freie Entscheidung, ob eine Ehe überhaupt eingegangen werden soll, womöglich die ehemalige Kinderehe nun verantwortlich fortgesetzt werden soll.

Diese Möglichkeit hatte man den Kindern genommen; sicher sind solche Elemente der Unfreiheit auch eine der vielen Ursachen für den "arabischen Frühling"... und auch ein Grund, vor diesen Mordbrennern zu fliehen.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon H2O » Mo 13. Jun 2016, 20:04

Jetzt kommt der Gesetzgeber allmählich auf Drehzahl! Besser spät als nie...

http://www.t-online.de/nachrichten/deut ... erfen.html

Eigentlich doch sehr beachtlich; das Problem wurde erstmals öffentlich angesprochen Anfang Februar 2016. Inzwischen hat ein Oberlandesgericht das bisher geltende Recht zu einem unbefriedigenden (mich verstörenden) Urteil über eine Kinderehe eingesetzt.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Dampflok94 » Di 14. Jun 2016, 10:50

H2O hat geschrieben:(13 Jun 2016, 21:04)

Jetzt kommt der Gesetzgeber allmählich auf Drehzahl! Besser spät als nie...

http://www.t-online.de/nachrichten/deut ... erfen.html

Eigentlich doch sehr beachtlich; das Problem wurde erstmals öffentlich angesprochen Anfang Februar 2016. Inzwischen hat ein Oberlandesgericht das bisher geltende Recht zu einem unbefriedigenden (mich verstörenden) Urteil über eine Kinderehe eingesetzt.

Was mir bei dem Artikel fehlt ist der Ansatz einer Lösung. Zwangsscheidung?
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Platon » Di 14. Jun 2016, 11:02

H2O hat geschrieben:(13 Jun 2016, 21:04)

Jetzt kommt der Gesetzgeber allmählich auf Drehzahl! Besser spät als nie...

http://www.t-online.de/nachrichten/deut ... erfen.html

Eigentlich doch sehr beachtlich; das Problem wurde erstmals öffentlich angesprochen Anfang Februar 2016. Inzwischen hat ein Oberlandesgericht das bisher geltende Recht zu einem unbefriedigenden (mich verstörenden) Urteil über eine Kinderehe eingesetzt.

Wenngleich die Argumentation in dem Artikel ja die ist, dass eine Kinderehe zwangsläufig eine Zwangsehe sein muss und sie daher nicht anerkannt werden soll. Aber Zwangsehen würden m.W. ja sowieso nicht anerkannt. Von daher braucht man auch keine neue gesetzliche Grundlage. Der eigentliche Fall ist ja der, wo von beiden Ehepartnern Zustimmung für die Fortführung der Ehe besteht aber mindestens ein Ehepartner nicht das Alter der Ehemündigkeit erreicht hat. Nach geltendem Recht ist eine Anerkennung theoretisch möglich, durch Anwendung des Internationalen Privatrechts unter der Annahme, dass das eine Ehe im Alter von z.B. 15 Jahren nicht deutschen Rechtsgrundsetzen fundamental widerspricht.

Meines Erachtens will man in diesem Fall mal wieder muslimische Frauen befreien die überhaupt nicht befreit werden wollen, aufgrund des Vorurteils, dass eine Kinderehe zwangsläufig und in 100% der Fälle eine Zwangsehe sein muss.
Zuletzt geändert von Platon am Di 14. Jun 2016, 11:13, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Platon » Di 14. Jun 2016, 11:04

Dampflok94 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 11:50)

Was mir bei dem Artikel fehlt ist der Ansatz einer Lösung. Zwangsscheidung?

Es geht um die rechtliche Anerkennung im Ausland geschlossener Ehen. In einigen islamischen Ländern besteht bekanntlich ein niedrigeres Heiratsalter als in Deutschland, das hierzulande in Ausnahmefällen bei 16 Jahren im allgemeinen Fall bei 18 Jahren liegt (Wiki: Ehemündigkeit. Es braucht also nichts geschieden werden, was nach deutschem Recht nicht anerkannt wird also nicht existiert. Der Knackpunkt scheint mir zu sein, dass im Falle einer Anerkennung das Jugendamt nichts mehr tun kann um Ehemann und Ehefrau zu trennen, was das Jugendamt unter Umständen tun will um das im Normalfall jüngere Mädchen vor einem eventuell einige Jahre oder sogar erheblich älteren Ehemann zu schützen.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Dampflok94 » Di 14. Jun 2016, 11:17

Platon hat geschrieben:(14 Jun 2016, 12:04)

Es geht um die rechtliche Anerkennung im Ausland geschlossener Ehen. In einigen islamischen Ländern besteht bekanntlich ein niedrigeres Heiratsalter als in Deutschland, das hierzulande in Ausnahmefällen bei 16 Jahren im allgemeinen Fall bei 18 Jahren liegt (Wiki: Ehemündigkeit. Es braucht also nichts geschieden werden, was nach deutschem Recht nicht anerkannt wird also nicht existiert. Der Knackpunkt scheint mir zu sein, dass im Falle einer Anerkennung das Jugendamt nichts mehr tun kann um Ehemann und Ehefrau zu trennen, was das Jugendamt unter Umständen tun will um das im Normalfall jüngere Mädchen vor einem eventuell einige Jahre oder sogar erheblich älteren Ehemann zu schützen.

Wir haben aber auch im GG den Schutz von Ehe und Familie. Und als solche kommen die ggf. hierher. Und leben zusammen. Und nun? Soll man die mit Gewalt trennen? Die sind nun mal verheiratet, ob wir diese Ehe anerkennen oder nicht.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Cobra9 » Di 14. Jun 2016, 11:21

Dampflok94 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 12:17)

Wir haben aber auch im GG den Schutz von Ehe und Familie. Und als solche kommen die ggf. hierher. Und leben zusammen. Und nun? Soll man die mit Gewalt trennen? Die sind nun mal verheiratet, ob wir diese Ehe anerkennen oder nicht.


Ich frage auch wie wollte man prüfen ob die Ehe bsp. freiwillig geschlossen wurde
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Platon » Di 14. Jun 2016, 11:26

Dampflok94 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 12:17)

Wir haben aber auch im GG den Schutz von Ehe und Familie. Und als solche kommen die ggf. hierher. Und leben zusammen. Und nun? Soll man die mit Gewalt trennen? Die sind nun mal verheiratet, ob wir diese Ehe anerkennen oder nicht.

Ich bin mir auch nicht 100% darüber im Klaren, welche Mittel das Jugendamt hätte um einer Minderjährigen eventuell den Umgang mit ihrem älteren Lebenspartner/Ehemann zu verbieten. Das ist ja dann der springende Punkt, ob eine solche Trennung sinnvoll ist kommt auf den Einzelfall an, inwiefern das Kind gezwungen wird, eine offensichtliche Unreife - weil was ist wenn die Frau schwanger wird? usw.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Platon » Di 14. Jun 2016, 11:28

Cobra9 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 12:21)

Ich frage auch wie wollte man prüfen ob die Ehe bsp. freiwillig geschlossen wurde

Die Leute leben ja hier, die Behörden und Ämter haben Kontakt zu den Leuten, die müssen das dann halt einschätzen bzw. in Gesprächen in Erfahrung bringen.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Cobra9 » Di 14. Jun 2016, 11:34

Platon hat geschrieben:(14 Jun 2016, 12:28)

Die Leute leben ja hier, die Behörden und Ämter haben Kontakt zu den Leuten, die müssen das dann halt einschätzen bzw. in Gesprächen in Erfahrung bringen.


Ja aber bsp. ob das einem Familiengericht reicht um bsp. eine 13 Jährige aus einer Ehe zu nehmen ? Ich weiss nicht. Unbekanntes Thema bisher bzw. wenig behandelt. Die Richter müssen in einer solchen Frage den sogenannten Ordre Public prüfen. Ob eine ausländische gesetzliche Regelung mit den wesentlichen Werten unserer öffentlichen Ordnung vereinbar ist. Wäre das nicht der Fall, dürfte das ausländische Recht im Inland nicht angewendet werden. Das Problem bei der juristischen Bewertung von Kinderehen ist komplex : Auch nach deutschem Recht dürfen Minderjährige ab 16 Jahren in Ausnahmefällen heiraten.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon H2O » Di 14. Jun 2016, 11:53

Dampflok94 hat geschrieben:(14 Jun 2016, 11:50)

Was mir bei dem Artikel fehlt ist der Ansatz einer Lösung. Zwangsscheidung?


Nein, aber Trennung bis zur Volljährigkeit, und dann können diese Leute selbst entscheiden, ob sie künftig zusammenleben wollen. Ich meine, daß erst einmal die Jugendämter eine Sorgepflicht haben, um den Kindern eine spätere Selbständigkeit zu ermöglichen. Wie das alles rechtlich sauber gemacht werden kann, das wird nun endlich etwas gründlicher überlegt.
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon Platon » Di 14. Jun 2016, 11:58

H2O hat geschrieben:(14 Jun 2016, 12:53)

Nein, aber Trennung bis zur Volljährigkeit, und dann können diese Leute selbst entscheiden, ob sie künftig zusammenleben wollen. Ich meine, daß erst einmal die Jugendämter eine Sorgepflicht haben, um den Kindern eine spätere Selbständigkeit zu ermöglichen. Wie das alles rechtlich sauber gemacht werden kann, das wird nun endlich etwas gründlicher überlegt.

Also der Fall, dass Minderjährige einen Volljährigen Partner haben ist nichts was Muslime sich ausgedacht haben...
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Re: 14-jährige Ehefrauen... was macht unser Rechtsstaat?

Beitragvon H2O » Di 14. Jun 2016, 12:01

Platon hat geschrieben:(14 Jun 2016, 12:28)

Die Leute leben ja hier, die Behörden und Ämter haben Kontakt zu den Leuten, die müssen das dann halt einschätzen bzw. in Gesprächen in Erfahrung bringen.


Natürlich muß man mit den Betroffenen reden. Allerdings sollten unsere Rechtsnormen schon gelten, wenn die Leute unsere Hilfe erwarten und hier längere Zeit bleiben müssen. Daran muß der Justizminister arbeiten und eine menschlich und sachlich saubere Lösung ermöglichen.

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